Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 43 (23.10.1925)
- Date
- 1925-10-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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MMftW WWW WWW '> J^iij^KPl*^.. MW . vmywr',jrwT. Mttelatter in der Berliner jüdischen Gemeinde. OrHoSvxe Gesin-nunMchnüffelei.im Altervevsvrgungsheim. — Die kleinste jüdische Partei stellt Sie größten! Ansprüche. — Erregung und UriFirfrieiberche'it bei den greisen Insassen. — Wann kommt Abhilfe? vvrüLevgehend eine Besserung der Verhältnisse, die nach denk Kriege durch die Inflation begünstigt wurde. Bald nach der Stabilisierung hat jedoch der Kampf der Großindustrie gegen das Gewerbe mit aller Schärfe wieder eingesetzt, und wenn nicht noch in letzter Stunde Hilfe gebracht wird, kann er unabsehbare Folgen nach sich ziehen, besonders da infolge der Geldentwertung das gesamte Vermögen des Mittelstandes verlorengegangen ist. Hinzu kommt, daß durch die allgemeine Knappheit an Zahlungsmitteln und die wirtschaftliche Unsicherheit gerade diese Kreise am allerschwersten betroffen sind: Während es bekanntlich den großen Unternehmungen wenigstens in beschränktem Maße, wenn auch unter großen Opfern, noch möglich ist, bei Lieferanten und Banken Kredit z-u bekommen, ist dieser augenblicklich einzige Weg, eine Existenz zu erhalten, den Kreisen des Mittelstandes vollständig verschlossen. Wenn man also die wirtschastlichen Verhältnisse klar erkennt — und wer fühlte sich nicht selbst von ihnen betroffen — so wird man einsehen, daß nur schnelle und durchgreifende Hilfe den Mittelstand und damit das Rückgrat unserer Gemeinschaft vor dem Zusammenbruch zu retten vermag. Da nun, wie oben gezeigt, die Existenzfähigkeit selbst der Großindustrie heute in der Hauptsache von der Kreditfra^e abhängt, so ergibt sich daraus, daß erst recht für den Mittelstand dieser Weg für die Begründung bzw. Erhaltung Tausender von Existenzen geschaffen werden muß. Bon dieser Erkenntnis durchdrungen, haben eine Anzahl hilfsbereiter Glaubensgenossen, von der Jüdischen Gemeinde unterstützt, die „Jüdische Darlehnskasse G. m. b. H." gegründet, die in dem einen Jahr ihres Bestehens versucht hat, durch Kreditgewährung wenigstens dem ärgsten Mangel abzuhelfen. Der kürzlich erschienene Jahresbericht gibt ein Bild davon, wie groß die Not im Mittelstand ist, er zeigt aber auch deutlich, daß, obgleich schon viel geleistet worden ist, die vorhandenen Mittel bei weitem nicht ansreichen, auch nur einen Teil der Amfordegen zu befriedigen. Will man unseren starken jüdischen Mittelstand, die Lebensader unserer Gemeinschaft, nicht zum Proletariat herabsinken lassen, so liegt es auf der Hand, daß die Hilfeleistung nicht einzelnen Wohltätern überlassen werden darf, sondern daß die erforderlichen Mittel von der Gesamtheit aufgebracht werden müssen. Dies ist um so mehr notwendig, als diejenigen Kreise, die uns früher hilfsbereit beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt haben, durch die geschilderten Verhältnisse ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen und dadurch vielfach selbst gezwungen sind, von unseren Wohlsachrtseinrich jungen Gebrauch zu machen. Um nun der Gesamtheit unserer Glaubensgenossen die Möglichkeit zu geben, sich an diesem sozialen Werk git beteiligen, hat man in Berlin den alten Borschußverein wieder ins Loben gerufen. Er gibt vielen Tausenden die Möglichkeit, als Mitglieder durch Zahlung der mäßigen Beiträge die Mittel herbeischaffen zu helfen, die notwendig sind, damit die Darlehnskasse wenigstens einem Teil der an sie gestellten Anforderungen genüge. Die Tatsache, daß auch in andern großen Gemeinden bereits ähnliche Einrichtungen geschaffen worden sind, beweist, daß man überall den Wunsch hat, helfend einzugreisen. Dieser Wunsch ist geboren ans der Erkenntnis, daß man, da hier öffentliche Mittel versagen, auf sich selbst angewiesen ist und ans eigener Kraft die nötigen Summen aufbringen muß. Sollten uns unsere Glaubensgenossen in dieser so überaus wichtigen, mit dem Fortbestand unserer Gemeinschaft so innig verknüpften Aufgabe nicht voll und ggnz unterstützen, so wäre der Zusammenbruch des Mittelstandes mit all seinen Folgen nicht aufzuhalten. Das seit einem Menschenalter dem Borsbande der drei Alterversongungsanistalten angehörende Mitglied Emil Pincus hat in der Reprcisentantenversammbung darüber Beschwerde geführt, daß die Kaschruth-K'ommission weit über ihre Befugnisse hinansgehenden Einfluß ausübt und daß der derzeitige Vorsitzende des Vorstandes der jAlteroerforänngsansdalt ganz in deren Bann steht und selbstherrlich Anordnungen resp. Verfügungen getroffen hat, ohne zuvor mit den Mitgliedern des Vorstandes darüber in Beratung getreten zu sein. Es entstehen dadurch Zustande, die sich mit dem Geiste, der in den Anstalten der Jüdischen Gemeinde herrschen soll und auch bis jetzt geherrscht hat, nicht vertragen und auch den Anschauungen des größten Teiles unserer Glaubensgenossen nicht entsprechen. Während in früheren Jahren in kurzen regelmäßigen Abständen die Sitzungen des Vorstandes statutengemäß einberufen wurden, finden solche jetzt nur halbjährlich stath, wodurch über den Kopf -es Vorstandes hinweg Beschlüsse gefaßt werden und der so wohltuend und notwendige Kontakt der einzelnen Mitglieder mit den Insassen der drei Anstalten verlorenigeht. Herr Pincus steht ganz ans dem Standpunkt, daß die Anstallten, wie es seit ihrem Bestehen auch gewissenhaft geschehen ist, unter zuverläffiger Aufsicht rituell geführt werden sollen. Doch ist die Leitung einer solchen Anstalt von ehrwürdigen Leuten im Alter von 70 bis 90 Jahren und darüber nicht mit einem Privat- Haushalt zu vergleichen. Es heißt sich da in das Seelenleben der Alten hineinzu denken und sich zu. vergegenwärtigen, daß sie gebrechlich, z. T. wagen- und dar ml eidend und von ihren alten Gewohnheiten und Eigenheiten nicht so leicht abzubringen sind. Deshalb ist ein zu schroffes Durchfuhren des Kaschruth und eine Kontrolle, die sich sogar auf die Einzelzimmer erstrecken soll, nicht nur unangebracht, sondern erzeugt Erregung und Unzufriedenheit, die in Heimlichkeiten und direkte Gefahr für das Haus ausarten. Urn auf Einzelheiten cinzu gehen, die oft gesundheitsschädlich für unsere Hospitanten sind, bedürfte es eines ausführlichen Exposes. Bisher rvar die Leitung unserer Anstalt stolz darauf, diese in humanem Sinne geführt zu sehen und unseren Insassen ein ruhiges und sie beglückendes Heim für ihren Lebensabend geschaffen zu haben, durch Einmischung in das Privatleben derselben, das an Spronagespftem grenzt, würde aber das Niveau ganz bedeutend herabgedrückt und unsere Anstalten als Wohlfahrtsinstitute in edlem Sinne und vorbildlicher Weise nicht mehr angesprochen werden könnend * * * Eure große Anzahl tiefempfundener Zuschriften an unsere Redaktion beweist uns, wie notwendig die Aufrollung dieser Fragen in der letzten Nepräsentantenversammlnng war. Leider ist die Debatte darüber auf die nächste Sitzung vertagt worden. In allen uns znge< kommenon Briefen gelangt jedoch die Tatsache zu be-' redtenr Ausdruck, daß die Berliner Judenheit ruckst gewillt ist, ruhig zuzusehen, wie der Vorsitzende öeü Alterversorgungsanstalt mit den greisen Bewohnern! dieses von jüdischer Frömmigkeit gegründeten Heimes^ ans Anordnung der Kaschruth-Kounnissioll hin, rnn*. springt. Wir versagen es uns heute, Einzelheiten aus den uns übersandten Zuschriften zu veröffentlichen, da wir annehmen, daß endlich dafür Sorge getragen werden wird, daß die Anstalten der Berliner Jüdischen Gemeinde in einem Sinne geleitet werden, der mindestens 90 Prozent der Berliner Inden und etwa dem gleichen Prozentsatz von Insassen der Anstalten gemäß ist. Der jetzige Zustand ist ein Skandal, mit dem, wenn er nicht in kürzester Frist von den Genrein>dokörperschasten beseitigt werden wird, durch die empörte jüdisch-liberale' Oeffentlichkeit endgültig aufgeräumt werden wird. Wir haben unsere Freunde gebeten, von einer öffentlichen Versamntlungskundgebung in dieser Frage vorläufig Abstand zu nehmen, da wir diese Art der Erörterung der jedes religiöse Gewissen bedrückenden^ Vorgänge im allseitigen Interesse vermieden, sehest' wollene Um unseren Lesern aber einen Eindruck von den unglaublichen Uobergriffen der Orthodoxie zn geben« wollen wir heute nur ein verhältnismäßig Nebensache liches Beispiel erwähnen, das die Einleitung, zu vor-, läufig hoffentlich verhinderten und einer modernen Anstalt unwürdigen, Anmaßungen bilden sollte. Die alten Leute hatten bisher das Recht, ihre altes« ihnen liebgewordenes Eßbesteck, das sie an ihre frühere Häuslichkeit erinnern sollte und an dem sie naturge-z' mäß hingen, zu. benutzen. Jahrzehntelang ging das; ganz gut. Bis die Orthodoxie plötzlich gllanbte, di< Insassen der wohltätigen Anstalten der Jüdischen Gemeinden zum Kaschruth erziehen zn müssen. Also! schaffte der Borsitzende der Altervorsungsanstalt ohne Vorwissen des Vorstandes der Anstalt und der Jüdischen Gemeinde in dieser Zeit ungeheuerlicher Geldknappheit für weit über tausend NciclMnark neue Bestecke an. Außerdem verbot er den jüdischen Veteranen die Benutzung der eigenen Bestecke. Das steht etwa auf der Höhe der Anordnung, daß der mit erheblichen Mitteln jüdischer Steuerzahler erbaute Küchenfahrstnhl, der das Essen in die oberen Räume besördert^ nicht mehr benutzt werden darf, weil er angeblich zn schnell hintereinander Milchiges und Fleischiges be» fördere, also trefo sei. . . . Wünscht man noch mehr?! Wir wollen uns für heute mit diesen Andeutungen begütigen. Bei den Landesverbandswahlerr am 1. Februar dieses Jahres haben in Berlin die Liberalen etwa 25 000 Stimmen, die Konservativen knapp 3099 Stimmen erhalten. In -ex Jüdischen Gemeinde zn SBedm aber beginnt der orthodoxe Geist merkwürdige Blüten zn treiben. Wan« wirdafür gesorgt werden, konservative Einfluß -er Zähl -er konservativen Ge? meindemitgliedcx entspricht? reift waren, konnten jetzt hereingebracht werden. Der Kampf mit den Ständen hatte an Heftigkeit verloren, und -somit war auch das Judenregal. die Befugnis des Judenschutzes. immer mehr aus dem Anspruchsbereich der Stände gelöst worden. Daher konnten die alten Judengemeinöen sich behaupten .und stärken, und nene zukunftsreiche Judensiedlungen entstehen. In dem bis dahin iudenreinen Königsberg, in den als Konkurrenten von Stettin und Leipzig begünstigten Städten Stargard und Halle bildeten sich langsam größere Gemeinden. Das Verhältnis der Juden zum Staat erfuhr zunächst 'keine wesentliche Abschwächung, aber nachdem gegen Ende Les 17. Jahrhunderts ein allgemeiner politischer Kurswechsel erfolgt war. warf die nunmehr eintretende Ueberdeckung der Staatsinteressen durch die Ansprüche des Hofes ihre Schatten auch auf die staatliche Judenpolitik. Das wirtschaftliche Motiv dieser Judenpolitik trat jetzt zurück vor ihrem immer nackter und unbarmherziger in den Vordergrund drängenden sinanziellen. fiskalischen Antrieb. Parallel dem allgemeinen scharfen Anziehen der Steuerschraube, dessen Wirkung naturgemäß auch die Juden traf, ging eine sprunghafte Erhöhung nnd Vermehrung der besonderen jüdischen Abgaben, nnd die Projektenmacher übertrumpftcu einander mit ihren auf die Ausmünzuug und Aussaugung jüdischer Kapitalkraft gerichteten Pläne. Die Geldbedürftigkeit des Staates hotte wiederum eine viel schärfere Kontrolle, und in deren Dienst eine straffere Zentralisierung des Judenwesens, die Unterstellung unter die besondere Behörde der Judenkommifsion, sowie die zunehmende Einmischung des Staates in das innere Leben der Gemeinden zur notwendigen Folge. Auf der anderen Seite aber fanden an diesem fiskalischen Interesse nicht minder als an dem Bedürfnis der ländlichen Bevölkerung -die Hausier- und Anfkaufsverbote ihre Grenze, also jene Gesetze, mit denen der immer mehr zu Merkantilismus und Städtebegünstigung übergehende Staat bestimmte Formen des jüdischen Handelsbetriebes treffen wollte. Und doch beruhte auf diesem Handelsbetrieb, ja sogar auf diesen Formen und ihrer Weiterbildung, auf den weitausgrüfendeu. über die Provinzen des Staates sich erstreckenden nnd weit über seine Grenzen hinausreichenden, Beziehungen der Juden untereinander zu einem nicht unbeträchtlichen Teile der wirtschaftliche Aufschwung des jungen Äönigsstaates. Zwar wäre es abwegig, aus der Gleichzeitigkeit von starkem Judcnznzug und starkem wirtschaftlichen Austrieb, wie man ihn beispielsweise in Berlin nnd Halle beobachten kann, eine Folge von Ursache und Wirkung zu konstruieren. da hier vielfach noch andere wesentliche Faktoren mitspielten. Aber soviel steht doch aktenmäßig fest, daß die Juden an dem Handel mit Luxus- und Massenartikeln ausschlaggebend beteiligt waren nnd überall dort eine unentbehrliche Rolle spielten, wo sie als Vermittler des Handels mit Osteuropa auftraten. Erst aus den inneren Bedingungen des besonderen jüdischen Handelssystems, das nicht an Zunft und Korporation und deren Preisgesetze und nicht an die Grenzen von Provinz und Staat gebunden war, konnten jene Kapitalfürsten, die Hofjuden, entstehen, in denen der finanzielle und kommerzielle Einfluß der provinzialen Judenschaften kulminierte: lim sie gruppierte sich gervöhülich auch die Organisation der großen Gemeinden und Provinzialverbände. Sie wenigstens sind soweit erkennbar, daß ihr Name mehr als Schall und Rauch, daß er Bild und Leben ist. Da ist der Memeler Großkaufmann Moses Jacobsohu, den Selma Stern sozusagen entdeckt bat. öa ist Ellas Gumpertz aus Kleve, und da ist Jost Liebmann, der Münzmeister des Großen Kurfürsten, mit seiner energischen Frau, der Esther Schulhof. Doch neben ihnen und der dünnen Schicht -er Gelehrten lebte die aroße namenlose Masse der Händler, Hausierer und derjenigen, die die wenigen den Juden freigegebenen Handwerke betrieben. Die ökonomische Lage der preußischen Juden scheint am Ende dieser Epoche eine im ganzen erträgliche gewesen zu sein, aber zwischen den Judenschaften von Berlin. Halberstadt und Halle, die für die wohlhabendsten, und den Ravensberger Juden, die für die ärmsten der Monarchie galten, gab es doch eine Skala von Unterschieden materieller Art. Durch Binnenwanderung und ausländischen Zuzug fand hier ein gewisser Ausgleich statt. Berlin als Sitz des Hofes übte natürlich die größte Anziehungskraft aus. Zur Stammjudenschast gesellte sich dort Einwanderung aus den brandenburgischen und österreichischen Territorien, aus Len Siedlungen am Rhein, aus Helmstedt, Hannover, Hanau. Fulda und Hamburg. Das Leben dieser Judenschaften spielte sich genügsam in Len alt überkommenen religiös-nationalen Anschauungsweisen und Formen ab, kaum berührt von Lem Geistesleben Ler Umwelt, und fanL seinen Ausdruck in dem autonomen Gemeindeleben. Wenn dieses Gemeindeleben so oft von Hader und Parteilichkeit zerklüftet wurde — dadurch den Staat geradezu zur Einmischung einladend — so darf man darin tatsächlich Unbändigkeiteu von Energien erblicken, denen die Betätigung auf einem größeren politischen Felde versagt war. In der gesamten politischen. geistigen und wirtschaftlichen Struktur des in Kräftesammlung aufstrebenden preußischen Staates, in der Eigenart, der Beweglichkeit. Anpassungsfähigkeit und verarbeitenden Kraft des jüdischen Geistes, in den Erfahrungen, die beide Partner der Judenpolitik miteinander gesammelt hatten, lagen die Keime für die weitere Entwicklung, die in Druck unL Gegendruck allmählich die wirtschaftliche, kulturelle und politische Eingliederung der .Juden in den preußischen Staat herbeiführen sollte. Auf dem Weg zur Erkenntnis dieser Entwicklung wird uns hoffentlich in absehbarer Zeit Selma Stern weiterführen. Wir aber werden uns gern auch weiterhin ihrer Führung anoertraucn. denn, wie sie uns führt, ist der Weg lehr- und genußreich zugleich. Die Eleganz, mit Ler sie den Stoff meistert, die künstlerische Kultiviertheit ihrer Darstellung. die Fülle treffender Parallelen und glücklicher Formulierungen zeichnen ihren Darstellungsband in angenehmster Weise aus. Daß natürlich die Lektüre des etwas reich bemessenen Aktenbandes erheblich mehr Anspannung erfordert als die des Darstellungsbanöes, versteht sich von selbst, aber gerade sie wird das in der Darstellung Herausgeholte erst recht würdigen lehren, es abrunöen, beleben und ergänzen. Einem schönen Buche habe ich hier ausführlich das Wort geredet. Möge das nicht vergeblich gewesen und für recht viele nun auch wirklich der Ansporn zur Anschaffung und zum „fleißigen Lesen" des Buches selbst sein, — ' Jüdisches Blut in Spanien. Von W. O l f f. Die Behauptung des Dichters Blasco Jbanez, daß in den Adern der spanischen Ritter jüdisches Blut fließt, hat einen gewissen Eindruck nicht nur in der Presse, sondern auch unter den jüdischen Gelehrten und Medizinern hcrvorgernfen. Der bekannte jüdische Arzt in Warschau, Tr. Z. Bichowski^ der erst kürzlich von einer Spanienreise zurückkchrte, schreibt in einer Warschauer Zeitung folgendes: Blasco Jbanez ist ein großer Dichter und seine Motive! haben einen mehr poetischen Charakter. Uns ist Spantest sehr wenig bekannt, hauptsächlich vom wissenschaftlichen/ anthropologischen Standpunkte. Nur genaue geologische und anthropologische Untersuchungen konnten dieses Problem lösen. Das „Sprechen mit den Händen^ ist in Madrid wirklich nicht weniger zu finden als bei uns in den jüdischest Vierteln. Man findet in den kleinen spanischen Städten —* viele Gesichter mit jüdischen Gesichtszügen. , In dieser Beziehung rief ein Beispiel einen tiefen Ein4 öruck bei mir hervor. Ich war dort in einer Studenten-« Versammlung, wo ich die Gesichter der jungen Leute be-« obachtete. Durch ihre eigenartigen Gesten glaubte ich mich in einen polnischen Beth-Hamidrasch versetzt. Dies find abev nur subjektive Eindrücke, die keinen wissenschaftlichen Wert haben. Das Problem interessierte mich schon lange, doch vor: einigen Monaten bin ich dnrch eine Schrift eines spanischem Arztes wirklich überrascht worden, die ein neues Licht auß diese Erscheinung wirft. Seit 30 Jahren ist eine eigenartige Nervenkrankheit, Me! nur bei jüdischen, kleinen Kindern zu finden ist. bekannt Die ersten Fälle Meser schweren Krankheit, die zu Blindheit^ Idiotismus und Toö führt, fanden wir in Warschau, spätes haben sich amerikanische Aerzte mit ihr beschäftigt. Diesqi Krankheit zeigt sich in den großen jüdischen Zentren, ist Polen. Litauen. Ungarn und Amerika. In Deutschland ist! sie sehr selten. In Frankreich und England scheint sie über-« Haupt nicht aufzutreten. So oft vor dem Kriege ein ausländischer Gelehrter nach Warschau kam, war seine erste! Bitte, daß man ihm „Taia-Sachs" zeigen möge (so nennt; man Mese Krankheit, nach den Namen der zwei amerikanischen Aerzte, die sie als erste bei den Kindern von War-« schauer Emigranten studiert hatten). In der Arbeit des spa-« nischen Arztes ist mitgeteilt, daß in einer Provinz Spaniens viele Fälle von „Taia-Sachs" vorgekommen sinh. Uns ist bekannt, daß diese Krankheit nur bei gewissest Nationen und Nassen vorkommt. Die Arbeit des spanischem Arztes beweist deutlich, daß in Spanien, positiv wenigstens! in einer Provinz, wirklich jüdisches Blut zu finden ist. Wahr^ hastig, uns stehen jetzt wichtige Aufgaben bevor. Es wäre sehr interessant, eine längere Reise durch Spanien zn machen, um diese Tatsachen zu erforschen. Ich bin auch überzeugt, daß man die Behauptung Blasco Jbanez', nach welcher sich! in dem Körper und in der Seele der spanischen und portu-« giesischen Dons und Higalges viele jüdische Ueberrestc vc-« finden, nicht mit einer Handbeweguna erledigen kann. W.eutz, dies zur Ehre gereicht, ist schon eine andere. Frage^