Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 41 (9.10.1925)
- Date
- 1925-10-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Hfl» Lm&Sl B *EM Maraarctensaal (Neu eröffnet) Eintritt frei! Eintritt frei! Ungarische Kapelle Horvath Sandor Wiener Küche Prima Weine Ia Biere L-l> Ui- Der Messt««. Eine historische Erzählung vom Ausgang de« 11. Jahrhunderts. Von Walther Kahn. (Fortsetzung) Draußen hatte sich eia Sturm aufgemacht und trieb Wolken von Schnee gegen die Hütte. — Schweigen herrschte im halbdunklea Raune. Der Greis schien in tiefes Nachdenken versunken zu sein. — Nach einer geraumen Weile sagte er langsam, schweren Tones: „Ihr seid der Bringer großer Heilsbotschaft. — Der Messias, der Gesalbte de» Herrn, wird erscheinen. — Wie oft ist der Menschheit der Erlöser verkündet worden! Wie oft ist der Erlöser der Menschheit erschienen! Und was geschah immer? Er wurde gukreuzigt, er wurde verbrannt; oder die nach dem Heil lechzende Menge fiel in die Verderbnis. Betrüger oder Betrogene, wer weiß es. — Meinst du, Grieche, Jesus von Nazareth sei der erste gewesen, welcher der Menschheit das Heil bringen wollte?“ „Ihr lästert, würdiger Greis,“ rief Lugos aus. Ulmo schien gar nicht auf den Einwand zu achten. „Und meint Ihr, der Messias, der da kommen «oll, würde der Menschheit das langersehnt« Heil bringen? Gleichviel ob er erscheint oder nicht, die Menschheit wird immer wieder ihren Erlöser suchen. Er kommt und geht hü ans Ende aller Tage, Blut und Schrecken ist sein Meg!" ' „Wer seid Ihr, der Ihr also sprechet?" „Ich bin nicht der, welcher ich scheine. Einst griff mein Arm in die Geschichte der Völker ein. Jetzt beklage ich die Menschen, erhaben in meiner Einsamkeit.“ Ulrao schwieg und schaute in die knisternde Glut des Feuers. Plötzlich flüsterte er mit geheimnisvoller Stimme: „Ein stahlgepanzerter Ritter wird mit harter Faust die lieblich Blühende brechen. Verwelkt, verdorrt, liegt sie am Wege, ein Spielball des Windes, ein Spott der Vögel. Kehre um, Grieche, sei nicht der Bringer des Unheils.“ Lugos schüttelte lächelnd den Kopf. „Der Zeichen und Wunder sind zu viele. Ihr täuschet Euch, Ulmo. Der XJe&albte des Herrn wird nahen in Pracht und Herrlichkeit. Wenn es lenzet, wenn die Stimme der Turtel wieder vernommen wird,' wird ein Jeglicher dem Messias huldigen.“ „Gäbe Gott, Ihr sprlchet die Wahrheit," sagte Ulmo mit großer Trauer. Gegen Mittag des folgenden Tages übergab Lugo dem Gemeindeältesten unten im Rheinst&dtchen das Schreiben Menachem ben Elihas. Der Sturm der Erregung, welcher vor Monaten von Menachem erregt durch die Judenschaft des Städtchens gebraust war, hatte sich schon lange wieder gelegt. Nur ein sanftes stilles Säuseln, die Erwartung des nahen Messiasfriedens, bewegt« die Bewohner. Kühler an Herz und Sinn geworden durch jahrhundertelange Anpassung, bedächtiger in Taten und Worten als die Bewohner südlicher Himmelsstriche, hatten diese deutschen Juden sich einer sehnenden Erwartung hingegeben. Still war es in der Gemeinde, in den Familien geworden; aber wie ein unterirdischer Strom, wohl dem Auge unsichtbar, doch mit elementarer Gewalt dahinströmt, war der Fluß der Begeisterung nicht eingedämmt, sondern er floß in geheimnisvollen Tiefen. Der Tag, an welchem er aus dunklem Tor ans helle Licht der Sonne treten sollte, war angebrochen. „Gelobt sei Gott der Herr, daß er uns solches zu erleben gewürdigt hat," rief Rabbi Schelomoh, der Gemeindeälteste mit zitternder Stimme aus, als er Menachems Bericht gelesen. „Bestellt euer Haus, denn der Tag des Aufbruchs ist nah»," , Jetzt, wo es keinem Zweifel mehr unterliegen konnte, daß der Messias seinem Volke im Frühling erscheinen würde, begann ein allgemeiner Umschwung in der Stimmung der Judenheit einzutreten. Ein jeder frohlockte, ein jeder jubelte, daß das Unwahrscheinliche nun doch wahr werden würde, daß die Zeit der Knechtschaft und Bedrückung binnen kurzem endgültig vorbei sein sollte, Von morgens bis abends versammelten sich Begeisterte im Gotteshauaa und erflehten dis Gnade dee Ewigen ln brünstigem Gebete. Viele kasteiten sich durch lange Fasten und Nachtwachen; und war eine solche Glaubensstärke nicht besaß, fastete wenigstens Montags und Donnerstags. Auch hier Im kalten Ndrden erblickte das Auge der Begeisterten Wunder auf Wunder. Aus nahen und fernen UNSERE RÄTSEL-ECKE 'as.% Moses beim Anblick Kanaans. Wo sah Moses bas gelobte Land, Das Volk Israel so Heiß begehrt? Wo er voller Wehmut staub, Sagt dasselbe Wort — verkehrt. Verwandlung. Ein Baum wird kräftig, stolz und froh Am Libanon gefunden. Mit harter Mitte Mordio Ist stets mit ihm verbunden. Silben-Rälsel. Auß nachstehenden Silben a — & — as — bal — ben — da — dam — e — es — jahr — kar — kus — H — li — mas — mel — mos — naph — neu — on — ri — ru — sam — tha — iher — u — zi sind zwölf Wörte» zu bilden, deren Anfangsbuchstaben den Namen eines babylonischen Königs ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. jüdisches Fest- 2. Hohepriester; 3. Heilmittel; 4. .Feldherr Davids; 5. Berg f» Pa» lüsttna: 6. Prophet; 7. syrische Stadt; 8. Lohn Jakobs; 9. Buch des alten Testaments; 16. Tempelberg; 11. ttu vater; 12. Sohn Jakobs. Auflösungen d« Mtsel von «origer Rümmer: 1. r. . Rahel, Lehar. 8. Magisches Quadrat. j u d a u r i m d i' d o, a m 0 s 4. Wer tttth Was? Eva — Avel 6. Kreuzrätsel. A Abo Horeb Abraham Rahel Gas m Gemeinden wurden seltsame Dinge berichtet. Der fromme Rabbiner einer Gemeinde hatte sich in seiner Scheuer bis zum Habe in die Erde eingraben lassen und wollte so vorbereitet, würdig werden am Werke der Erlösung teilzunehmen. Am Himmel wurden Zeichen und Kometen erblickt, und Juden und Christen erschauerten vor der Allmacht des Herrn. Als die Frühlingsstürme durchs Land brausten, als die Strahlen der Sonne von Tag zu Tag stärker wurden und die Eis- und Schneeriesen am Ende in ihre neblige Heimat zurückjagten, war keiner in der Gemeinde, der nicht Vorbereitungen zur großen Reise getroffen hätte. Die Lenden gegürtet, den Stab in der Hand erwarteten die Juden den Aufbruch. Auch Schimon und sein Haus waren gerüstet. Ledig war Ruhen,, sein Aeltester, der Zweifelsucht. Menachem hatte recht gehabt, ein Tropfen Begeisterung war Rüben ins Blut gefallen. und er war der Eifrigsten einer, — Deborah erschaute mit seligen Augen die Ferne. Auf heiligen Boden sähe sie den wieder, dessen Bild unauslöschlich in ihrem Herzen lobte. Fromme Gesänge schwangen sich aus allen Häusern empor und kündeten von der Sehnsucht der Kinder Israel nach Zion, der Strahlenden. Nicht mehr im kommenden, nein in diesem Jahre: Kinder der Freiheit! Nirgends stieß die Judenheit auf Schwierigkeiten, keine weltliche, keine geistliche Behörde versperrte den Juden den Weg, der sie zum Heil führen sollte. Wohl mußten die Juden hier und da große Summen Silbers und Goldes den Herren der Landschaft, in welcher sie gerade saßen, aushändigen, allein auf unüberwindliche Hindernisse stießen sie nirgends. — Wenn in späteren Jahrhunderten wieder einmal ein messianischer Ruf an die Kinder Israel erging, hielten die Fürsten und Herren ihre „lieben Kammerknechte“ zurück, nötigenfalls mit Waffengewalt. — Noch war der jüdische Mensch nicht so unendlich erniedrigt, noch billigte man ihm Menschenwürde zu, noch nannte man ihn nicht in einem Atemzuge mit dem Vieh. Die jüdische Gemeinde des Rheinstädtchens war gewillt, geschlossen den weiten Weg ins Land der Väter anzutreten. Keiner blieb zurück, nicht Mann noch Weib, noch Kind. Selbst die Alten und Schwachen glühten vor Messiasbegeisterung. In anderen Gemeinden, welche der Anhauch der großen Kunde nicht so unmittelbar berührt hatte, war nur ein Teil, der zur Auswanderung entschlossen. Aber es gab kaum eine Gemeinde, aus der nicht eine erkleckliche Zahl Auswanderer der großen Schar zuströmte. Und wer zurückblieb, sandte die heißesten Segenswünsche zum Himmel und erflehte den ferneren Schutz des Allmächtigen auf das Gelingen des erhabenen Werkes herab. Eine mächtige Welle über« strömte und erhob die Judenheit. (Schluß folgt.) Spendenliste. (A-bgeschlossen am 3. Oktober ISSö.) Durch eine Spende von SV« Mark haben folgende Mitglieder der Vereinigung für das liberale Judentum E. B. satzungSgewüß die Eigenschaft als Stifter erworben: Bankdirektor Gelmar KehrdBerliu, Dr. I Julius Seligsohu-Netter-Berttn. An weiteren Spenden gingen ein: 200 SR.: Bankier Dr. Theodor BogMein-Berlin— 100 SR.: Baumeister Georg J-acobo-witz-Berlin. — 50 SR.: Engen Freud enthal-Berttn: B. Meyer-Dorwmnd. — 80 SR.: Dr. Walter Elkisch-Berlin: Adolf Neumaun-Berlin. — 18.80 SR.: Kommerzienrat N. Hamburger-Berlin: San.-Rat Dr. Peyser-Berlin. — 7.80 SR.: OberlanSeSgerichtsrat Ernsi Grünbaum-Diisieldorf: Robert Gutheim-Berlin: Kammerzienrat A. Rosenwalö-Rürnberg: Frau B. Woyda-Berlin. —- 8 SR.: H. N-achrnann-Berlin: Dr. B. Weil-Mannheim. — 8 SR.: Rechtsanwalt Dr. Apl-Breslau. — 8.80 SR.: Ros. Bergnvann-Fürth; Justizrat Blumenthal-Jnsterburg: Hugo Brinitzer-Tilsit: Max Cohn-Berlin: Justizrat Dr. Erlanger- Nürnberg: Justizrat Dr. GoldsKmi-t-Breslau: S. Gmnpold-Erfurt: Eugen Haendler-Berlin: Fran Pauline Hestetberger-Nüruberg: Direktor Eugen Hirschfeld-Tilsit: Georg Knttner-Berlin: M. Loewy-Berlin: Jul. Methner-Berlin; Dr. A. Michaelis-Hamm: San.-Rat Dr. Ollendorf-Barmr«: Leonhard Simons-Bevvath: Jul. M. Stern-Nürnberg: A. Weinberg-Berlin: Dr. A. Weiß-Berlin: Frau Kom.-Rat Zielenziger-Verli«. — IM M.r E. Kohn-Schweidnitz. Allen Spendern danken wir herzlichst. Mitglieder und Freunde! Folgt diesem Beispiel und fördert auch finanziell unsere Bewegung! (Postscheck-Konto: Vereinigung für das liberale Judentum E. V., Berlin NW. 7, Nr. 137069.) Bereinigng für das liberale Judeutu« & 8. grUMACh KÖNIGSTR. ECKE SPANDAUERSTR A.-G.