Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 35 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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„Ter Zionismus ist eine der meist umstrittenen Volksbewegungen der letzten Jahrzehnte. Ach habe die Entwicklung dieser Bewegung mit Interesse verfolgt und die Wahrnehmung gemacht. Satz der Zionismus auch innerhalb des Judentums selbst Gegnerschaften gefunden hat und. wenn auch in geringerem Grade, heute noch findet. ES ist daher sicherlich nicht zu verwundern, daß er in der christlichen Be» völkcrung vielfach ans Gegnerschaft stützt. Ich feiftft -in überzeugt. datz der Zionismus kein Interesse b<"i dfftmltdjcn Bevölkerung verletzt, datz er im Gegenteil e{U"c Bewegung batmt, die geeignet erscheint, ur^ Gegensätze anszugleichen und, ent beftcres. auf A^mtg gegründetes gegenicitlgcs Verständnis zu torde^. Dem 14. Ziemistent^ «grest möchte ich als gegenwärtiger Zelter der. öfter re lä^',,Heu Bundesregierung und als Mitglied der chrutlichsv.u^en Partei wünschen, datz er nach Abschluß ferner Berl^nchlungen in der Lage sein möge, unter anderen mit de^ Durchführung seines Programmes zusammen« vange^n-en Erfolgen auch den zu verzeichnen, datz er in der von wir angcdeuteten Richtung wirksame Aufklärung verbrerrkt hat" Diese Nusklärung ist der Kongreß nicht schnldia ge« blieben. Seine mehr oder weniger temperamentvollen, aber immer sachlich interessanten Debatten baden den breitesten Schichten der Bevölkerung, soweit sie einer Belehrung über» Haupt zugänglich sind, die Lächerlichkeit der Verdächtigungen. Derven die südische Tagung schon lange vor ihrem Beginn von seiten der Hakeukrcuzler ausgesetzt war. so greifbar sor Augen geführt, datz sich die angrifssliistigen Hetzer, auss schwerste blamiert, in Vertcidigungspositionen zurückziehen mutzten, deren kleinlaute Bescheidenheit in groteskem Gegensätze zu dem Fanfarenton steht, mit dem die Herrschaften noch oor einer Woche zum heiligen Abwehrkamvf „jüdischer Welteroberungspläne" ansgerückt sind. Immerhin ist es ihnen geglückt, die feierliche Eröffnungssitzung des Kongresses ÄU einem Symbol der allgemeinen Weltlage zu gestalten: Drinnen im Scuil die Vertreter der hohen Diplomatie fast aller Groß- und Kleinmächte, formvollendete Redner und «in glänzendes gesellschaftliches Bild, drautzen zur selben Zeit ein bewaffnetes Heerlager von Schntztruvven. wüste Kampfszcncn und zum 'Schluß traurige Spuren brutaler Vernjchtungswnt und menschlicher Verrohung . . . Bietet die Welt im grasten jetzt etwa ein anderes Bild als Wien an diesem Abend im kleinen? Sehen wir nicht in Genf die distinguierten Vertreter des Völkerbundes am grünen Tisch bemüht, Ordnung in die Weltgeschichte zu bringen, während drautzen die Volker immer wieder blutia aufeinanderschlaa.cn'? / Der Wiener Strastenradan rund um den Kongreß ist aber auch noch in anderer Hinsicht als snmbolischcr Akt zu werten. So oft im Mittelalter ein neuer Pavst gewählt worden war. mußten die Juden des Kirchenstaates um ihre weitere Duldung bittstcllra werden. Dies geschah in feierlicher Zeremonie, wobei der Pavst seinen Fuß aus den Sprecher der jüdischen Deputation setzte und die Formel sprach: „Ich verwerfe, aber ich dulde'." Was sich in Wien gelegentlich der Kongretzeröffnnna abgespielt hat. ist nichts anderes als eine symbolische Umschreibung derselben Formel als eines sinnigen Grußes der katholischen Kirche an den Zionismus. Traustcn auf der Straße donnerte das Toben des von den Trabanten der streitbaren Kirche systematisch verhetzten ch r i st l i ch - v v l k i s ch e n Mobs ihr „I ch v e rwerfe!" Drinnen-im Kongretzsaale aber verkündete der Vertreter der ch r i st l i ch - v o l k i s ch e n Negierung feierlich die Duldung. Es war dies der Bundcsministcr für soziale Fürsorge Tr. R c s ch. Er sagte: „In Vertretung des zu seinem Bedauern verhinderten Herrrr. Bundeskanzlers habe ich die Ehre, die hier versammelten Teilnehmer des 14 Zionistcnkongrcises namens der österreichischen Bundesregiernna zu bearützcn. Das Werk, .zu dessen Forderung Sie sich hier zniammengefundcn haben, ist ein großes und bedeutsames, nicht bloß für das Judenvolk, sondern für alle Völker der Erde, die ihr Interesse dadurch zum Ausdruck bringen, daß der höchste internationale Areopag. der Völkerbund, dieses Werk unter seine Aegide genommen hat. Uebcr die Aufbauarbeit, die das Judcnvolk in Palästina geleistet hat und fortfährt zu leisten, über den Geist, in dem diese Arbeit getan wird, und über die Schwierigkeiten, die es dort zu überwinden gibt, bat zu Rcginn dieses Jahres Ihr hervorragender Führer. Dr. Wcizmann, in diesem selben Saale ein anschauliches Bild entworfen. Seither hat die feierliche Eröffnung der hebräischen Universität am 1. April d. I. der Welt davon Kunde gebracht, welche bedeutenden Fortschritte Sie bereits erzielt staben. Namens der österreichischen Regierung wünsche ich dem K -lgrene den besten Erfolg" n o v a- Drama. Hier ist Menschengröße und -Leid an einem erschütternden Beispiel dargelegt, und in eindrucksvoller Antithese das Genie in die Umwelt böswilligen und verständnislosen Philistertums gestellt. Diese Tragikomödie ist wohl noch das rundeste und geschlossenste von Lissauers Bühnenwerken. Sein Drama „Eckermann" bildet den ersten, auf alle Fälle bedeutenden Versuch. Goethe auf die Bühne zu bringen. Die Idee des Stückes, der Zwiespalt zwischen der kleinen Pflicht des Lebens, und der großen, metaphysischen des Daseins, ist sehr reizvoll. Aber die Ausführung hat für mein Gefühl mitunter etwas Unfreiwillig- Komisches. Etwas so Einmalig-Großes, wie die Goethe- Gestalt. läßt sich eben auch nicht bühnen-sinnfällig macheM. Wenn man im Theater erwartet. Goethe sprechen zu hören, möchte man gern den Titanen vernehmen: und man hört letzten Endes doch immer nur Lissauersche Diktionen! Wundervoll ist das jetzt gerade erschienene neueste Opus des Dichters: „Glück in Oesterreich", ein tiefsinniges, ästhetisches und kunstphilosophisches Reisetagebuch, das weite Kultur- und Geschichts-Aspekte eröffnet, und eine überreiche Fülle von Natur- und Knltureindrücken aus den österreichischen Landen vermittelt. Eine solch' vortreffliche Art „petischer Politik" ist von jedem „auten Europäer,, freudig zu begrüßende Bereicherung und Genugtuung! Als Dramatiker wird Lissauer wohl nicht aus die Nachwelt kommen: als Lyriker, als religiöser Dichter und als Essayist, der wahrd Musterstücke der Kunstkritik schuf, sicher! Ein großer lyrischer Dichter ist nicht der. dem einige restlos gut geformte Kunstwerke gelingen, sondern, in dem — wie bei Lissancr — die ganze kosmische Musik unaufhörlich erklingt! .... Von seinen Büchern bleibt eine seelische Vision vor dem geistigen Auge wie ein schimmernder Rauch haften. Ueber seine Sendung auf Erden hat Lissauer selbst in seiner autobiographischen Skizze die schönen Worte gesprochen: „Ich will Helsen, den Stoffmenfchen d-er letzten Jahrzehnte zu überwinden und einen neuen Typus des geistlicher: Menschen zu erschaffen: den Gemeingeist, der stets nur in den Pfingstzeiten der Völker gewirkt hat. als währende Kraft einer wesentlichen Minderheit zu verewigen: an einer neuen Religion bauen, die ist: ein Tun in immerwährender Verantwortung vor dem immer anwesend unendlich Wirkenden."... Anm.: Sämtliche Bücher Lissauers, sowie auch die Monographie von G. K. Brand über ihn. sind in der „Deutschen Verlagsanstalt". Stuttgart und Berlin erschienen. Eben wurden auch seine schönen Anthologien „Balladen" un Aus die recht drastischen Auswirkungen der klerikalen Doppelzüngigkeit, die eine ungeheure Verwirrung in ganz Oesterreich angerichtet hat. komme ich an anderer Stelle zurück. Hier seien nur die Vorgänge auf dem Kongreß selbst skizziert Cr setzt sich aus 306 stimmberechtigten Delegierten zusammen. Bon diesen gliederten sich 166 nach den Ländern ihrer Herkunst. Die übrigen konstituierten sich interterritorial zu Parteifraktionen und zwar gehören dem religiösorthodoxen Verband der Mi sr acht 45, dem evolutionärsozialistischen Hitachduth 22. der revolutionär-sozialistischen, der sozialdemokratischen Internationale angeschlossenc» P v a l e Z i o n 9 und der kommunistischen Z e i r e Zion 6 Delegierte an. Die beiden zuletzt genannten Parteien haben in Konferenzen, die dem Kongreß unmittelbar vorausgingcn, ihre Vereinigung beschlossen und konnten sich bloß über ihren künftigen gemeinsamen Namen noch nicht verständigen. Tie „Radikalen Zionisten", denen ich in der „Jüdisch-Liberalen Zeitung" vom 17. Juli l. I. eine eingehende Besprechung gewidmet habe, errangen im ganzen 16 Mandate. Ihr Wiener Führer Stricker ist nicht durch regu.läre Wahl, sondern ans Grund seiner Zuaehörigkcit zum österreichischen Landeskomitce Mitglied des Kongresses geworden. Mit Wahlen hat er kein Glück: Er kandidierte auch ins Kongretzprüsidium. erlitt jedoch eine empfindliche Niederlage, die meine wiederholten Hinweise aus die schwache Position dieses Politikers in der eigenen Partei glänzend rechtfertigt. Zu den von mir bei verschiedenen Gelegenheiten bereits aufgezeigten Gründen hierfür . gesellte sich jetzt auch noch die Mißstimmung über die schlechten Erfahrungen, die die Kongreßteilnehmer mit Wien als Kongretzstadt gemacht haben, einer Wahl, die hauptsächlich auf Betreiben Strickers erfolgte. Auch das englische Blatt „Manchester Guardian", das die antisemitischen Exzesse in Wien sehr verurteilt, aab in einem Leitartikel der Meinung Ausdruck, die Abhaltung des Kongresses in Wien sei ein unnötiges Risiko gewesen. Der Kongreß hätte lieber in Karlsbad.oder in Basel stattfinden sollen So hat sich Herr Stricker statt der erhofften Stärkung seiner Wiener Position durch den glänzenden Nahmen des Kongresses auf diesem selbst eine Abfuhr geholt... Gewählt wurde Na hum Sokolow zum Präsidenten, Ussischkin, Rabbi Meier, Berlin. Dr. Artur Hantke, Stephen Wise. Leon Lcvite. Dr. Leo Motzkin. Henriette Szold. Farbstein, Tr. K lumel, E. Kaplan und Remcz zu Vizepräsidenten. Im Präsidium des Kongresses hat somit zum erstenmal eine Frau als Vizepräsidcntin Platz genommen. Zur Stunde, da uff diesen Bericht zu Papier bringe, ist die politische Generaldebatte, die schön vor 2 Tagen hätte abgeschlossen sein sollen, noch in vollem Gange. An den Reden ist vor allem das persönliche Erlebnis interessant, da nicht bloß die führenden Kopfe der Exekutive. Ehaim Wetz mann und Nahnm Sokolow, sondern auch viele Vertreter der Opposition ganz bedeutende Menschen sind, deren Reden mehr noch als durch ihren meritorischen Inhalt durch ihre geistige Kapazität die Hörer in ihren Bann ziehen. Am deutlichsten zeigte sich dies bei dem „Revisionisten" Wladimir I a b v t i n s k y , der mit seinen Anschauungen auf dem Kongreß ziemlich allein steht und dem doch, als bisher einzigen Redner, mit gewaltiger Majorität eine Verlängerung der Redezeit zngcbilligt wurde, weil er mit seinen äußerst pessimistischen, aber schwung» und geistvollen Ausführungen das. ganze Haus in Atem hielt. Leider steht die glänzende Revue geistiger Werte, die der Kongreß bietet, in einem betrüblichen Gegensatz zu dem bisher praktisch Erreichten und für die nächste Zukunft auch von den größten Optimisten zu Erwartendem, Von dem ganzen palästinensischen Boden ist bisher nur 6.5 Prozent in den Händen der Juden, die etwa ein Sechstel der rund 1 Million zählenden Bevölkerung ansmachen. Zur Stärkung des iüdischen Elements wäre eine gewaltige Steigerung der Einwandernng nötig. Einer solchen steht aber die Schwierigkeit entgegen, den Immigranten Eristenzmvglichkcitcn zu bieten. Die landwirtschaftliche Kolonialisieruna droht an den teuren Bvöenpreisen zu scheitern und der Lebensfähigkeit von Industrien mangelt die Voraussetznna eines entsprechenden Absatzgebietes. Die ersten Einwanderer nach dem Kriege waren Ehaluzim. die willig die ungeheuersten Strapazen und die gröbsten Arbeiten ans sich nahmen. Die jetzige „Aliiah" bringt ober hauptsächlich Mittclitändler ins Land, die dort mehr Verlegenheit als Nutzen schassen. Die Mandatarmacht England tut nichts, um die Schwierigkeiten der Situation zu mildern. Sie verschenkt zwar Boden, aber nur an die A r a b e r. Es ist daher kein Wunder, daß die englische Negicruua auf dem Kongreß unfreundlich kritisiert und ihr vorgchaltcn wirddaß sie die Balsour- „Kinüerland veröffentlicht. „Glück in Oesterreich" erschien im Verlage der Frankfurter Sozietätsdrnckerci. Unsere alten Photographien. Welche jüdische Familie besäße nicht ein altes übernommenes Album? Bis in die grauesten (wirklich grauen) Zeiten der Dagucorotypien geht es zurück, und die verblichenen, kaum erkennbaren Linien rufen, ach. so viel Liebes, jetzt Schlummerndes zurück. Vertraute Züge grüßen aus der Erinnerung. wir finden Gesichtslinien wieder in unseren Jungen. Welcher jüdische Mensch stellt nicht bei erster Bekanntschaft irgend eine Aehnlichkeit mit einer Tante oder einem Onkel fest? Oder ein neugeborener Sproß wird daraufhin gemustert, nach welcher Seite der Familie er Aehnlichkeiteu anfzuwcisen hat. Ja, es ist doch selbstverständlich, datz mau mach Unterhaltung mit aus der Ferne Kommenden in einer halben Stunde nach irgend einer Seite hin verwandt ist, — durch das allumfassende Band, welches das Judentum um seine Kinder schlingt. In den Familien, die bereits vor Generationen mit Glücksgüteru gesegnet waren, findet man neben den Oclbilöcrn. die sich die kunstliebendeu Familien schon leisteten, Silhouetten. Elscnbeinminiatnren, Uhren, auf deren Rück- oder Innenseite sich die Bilder der Lieben befanden. Die in Gold mit edlen Steinen gefaßten Broschen unserer Altmütter zeigen, daß sie die Züge ihrer Liebsten gern betrachteten und als Trost. Erfreuung und zärtliches Augebinde schätzten und hochhielten. Es grüßen die Alten, die durch Familienerzäbluugen unser Schatz geworden, aus den Bildern, ihre indischen Eigenheiten ziehen wie ein Schemen an uns vorüber, rufen uns unser^-Kindheitsvaradies hervor wie Märchen ans 1001 Nacht. Onkel Abraham. Tante Theres. Vetter Leopold, Kusine Malvine. Hausinventare mit ihren behaglichen und eigenartigen Sonderheiten. Ueberlieferungen unserer Großeltern, Erzähltes, Erinnerungen leben aufs Neue. — Dunkle Augen über dem Scheitel und der weißgetollten Haube, die Bänder züchtig gebunden in breiter Seidenbanöschleife unter dem Kinn, so schauen die Nrmütter, ob jung oder alt. in der Wiedergabe, in Frauenwürde aus uns herab, alt sind die Linien schärfer, aber die Güte und Klugheit leuchten in den Augen, bei der Jungen stumm zärtlich der Mund, gibt er doch beredt die Wesensart der jüdischen Frau, der Krone ihre- HauseS wieder. Urgroßväter, ernsthaft und würdig, bartlos stolze Züge Deklaration „wie einen Fetzen Papier" behandelt. Die Oppositionellen haben indes leicht reden. Die Exekutive, die ja ihren normalen Sitz in London hat. weiß ganz aut, daß England nur unter einem äußere» Drucke, aber nicht innerem Triebe folgend eine so zweideutige Taktik einschlägt.. Es ist gar keine Frage, daß die genialste Kolonialmacht der Welt das heilige Land lieber den Juden auvertrauen -möchte, die mit allem Rüstzeug der modernen Wissenschaft auSgestattet aus Sumpfgelande Ackerboden und aus den Aecker» den höchstmöglichen Ertrag gewinnen, als den Arabern, die mit den primitivsten Geräten den steinigen Boden kauur oberflächlich ritzen und höchst klägliche Ernten erzielen Sicher hat sich England bei seiner Festlegung auf daS zionistische Programm nicht bloß von philosemitischer Begeisterung. sondern wahrscheinlich noch mehr von nüchternen! Erwägungen seines eigenen Vorteils leiten lassen. Wenw cs nun trotzdem den Juden plötzlich die kalte Schulter zeigt» so ist es eben im Großen dem Zionismus gegenüber in dieselbe peinliche Situation gedrängt worden, wie im Kleinem die österreichische Regierung gegenüber dem Zionistenkongreß, der gleichfalls den Machthabern, die ihn mit den ehrlichsten Absichten in ihr Land geladen hatten, statt der erhofften wirtschaftlichen Vorteile nur politische Schwierige ketten gebracht hat. Diese Analogie ist durchaus keine blvßl äußerliche, sie beruht vielmehr tief innerlich aus, der gemeinsamen Wurzel allen Unheils, das jeden trifft, der einer gedeihlichen Lösung der Judenfrage irgendwie im großen oder kleinen Vorschub leistet. Wo diese Wurzel zu suchen ist. habe ich bereits in meinem letzten Berichte angeöeutet: bei den Hütern jenes religiösen Dogmas, das das Judentum für alle Zeiten zu der Rolle Ahasvers, des unsteten Wanderers, verurteilt: im Vatikan, der nicht nur seine ureigensten Kerntruppen, die katholischen Kamvsparteieii aller Länder, sondern auch ganz ahnungslose Werkzeuge seiner Politik wie protestantische Hakenkrcnzler und mohammedanische Araber in den Dienst der geschilderten Mission zu stellen versteht. Zum Gluck lehrt die geschichtliche Erfahrung, daß die kirchliche Politik jeden kulturellen Fortschritt, gegen den sie sich wandte, nur a u f z u h a l t e it„ aber nicht dauernd unmöglich zu machen vermochte. Der Zionismus braucht also ygir in Geduld die Zeit reisen zu lassen, die die Erfüllung seiner Blütenträume bringt. Er muß deshalb inzwischen nicht müßig sein. Freilich mit Gewaltakten, wie sie Jabot ins kn wünscht, der den Judenstaat am liebsten mit den jüdischen Legionen anfrichten möchte, an deren Spitze er während des Weltkrieges Palästina erobert hat. wird gegenüber religiösen Mächten, mit denen sogar das gewaltige England einen offenen Kampf scheut, nichts auszurichten sein. Dagegen kann die Zeit sehr gut zur Stärkung des Palästinabudgets verwendet werden. Das kann aber in wirklich zweckmäßiger Weise nur durch Heranziehen der nicht nationalistisch eingestellten Juden geschehen Darüber lassen die auf.dem Kongreß verlautbaren Zahlen keinen Zweifel. Die dort gehörten Reden lassen aber auch den Schluß zu. daß die Mehrheit sich der Notwendigkeit, in der Jewish Agency alle Parteischranken fallen zu lassen, nicht verschließt. Diese Erkenntnis ist das erfreulichste Resultat, das der 14. Zionistenkongreß bisher gebracht bat. Dr. Hugo Spiegler. m Bersammlungskalender;; »44 Berlin. (Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Auerbach'schcö Waisenhaus). Der Gottesbienst beginnt regelmäßig jeden Freitagabend um 7.15 Uhr. am Sonnabendvormittag um 10 Uhr, Predigt Rabb. Dr/. Salomonski. Karten für die hohen Feiertage find noch iK unserer Geschäftsstelle (Arthur Zander. Linienstraße 46, Norden 3233) zu haben. Magdeburg. (Jüdisch-liberaler Jugendbund „Heimat"^ Die Vorstandssitzung vom 17. d. M., setzte die Generalveri sammlung auf Sonntag, den 6. September fest. Für unfern: diesjährigen Ball wurde der 10. Oktober bestimmt. Am Sontag, den 30. August, findet eine Ganztagsradtour in die blühende Letzlinger Heide statt (ca. 75 Km.) Treffpunkt 6 Uhr vor dem Hauytbahnhos, Haupteingang! mit Rädern.- Fahrkarte U M.) und Fahrradkarte (0,30 M). tufd) NeuhaldenslebDi hat jeder selbst vorher zu besorgen. Abfahrt! 6 Uhr 24 Mipnteu. Rückkehr gegen 7 Uhr abends. An^ Meldungen bis Freitag, den 28. er. an Ernst Steiner« Tel. 3620. der Jugend, silberweiße Bärte des Alters, Vatermörders kragen hoch hinauf, daneben die reichlich geschlungene Krawatte mit dem Edelstein gehalten. Sie stehen da. bewußt in Pflicht und Verantwortung, in den Augen den Wesenszug des Juden zeigend in: „dem traurigen Blick der Jahrhunderte", den Leid und Unterdrückung im Auge sich spiegeln läßt. In den Falten des Mundes aber ist die Liebe zur Familie eingeprägt. und lächelt der Stolz über redlich Geschaffenes. — Grundsätze unseres Glaubens, wir lesen Euch in unseren alten Bildern! — Ein Maler (Prof. Schübel) hat einst in einer Reihe Wickclkiuder vorabnend ihren Beruf wieberaegeben, ebenso suchen wir in den Zügen unserer Lieben forschend die ererbten Eigenschaften, und möchten unsere Kinder liebend dahin lenken, wo ihre Wesensart Verwandtes zeigt und «sich glücklich betätigen kannte. Aus Erinnerungskästen stehen sie neubelebt auf, ttnu randet von gezackten Papierhüllen, die den Rahmen ersetzen, sie zeigen ihre altmodischen Frauentrachten, die gediegen und wertvoll waren. — dazu berechnet, an Festtagen Gott zu ehren — aber auch für eim ganze Reihe von Jahren bestimmt waren in dem iüdischen Sinne für das Halten und Wahren des irdischen Gutes, nicht wie die heutige Mode, die durch Lüsternheit und Koketterie die Schönheit haben will, sondern sie zeigen die Schönheit im Adel der Seele, die sich anmutend undanmutsvoll wiederspiegelt in der äußeren Wiedergabe. Kindliche Bilder, zur Freude der Umgebung am ersten Geburtsmge festgehalten! Mänkliche. heißgewünschte NamenSträger. das zukünftige Genie, der spätere Doktor oder Gelehrte, die Stütze und der Halt der Familie, der Sohn: die lieblichen Töchter, vom Vater verwöhnt, für ihn MutterS Veriiingung bedeutend, für sie. hilfreich und 'stützend, ihr schönster Hofstaat: zukünftige Mütter späterer Generationen« wir alle sehen Euch und betrachten Euch mit Rührung. Aber auch an manch herbes Leid mahnen uns wieder die alten Bilder, wenn nicht alles so wurde, wie man es geträumt und gewünscht, viel liebevolle Sorge zunichte wurde und man in Schmerzen an Nichterfülltes denken muß, oder wenn Gottes allmächtiger Wille eine Blume zu früh welke» ließ, eine Säule brach, die Stütze des Hauses werden sollte! — Ein geschriebenes Wort kann Jahrtausende überdcurer«, unsere alten Bilder rufen uns Lebenden Jahrzehnte der Erinnerung wach: sie leben und sprechen und geben Ueberliekerungen Raum, sie lassen vielgeliebte»Züge in feierliche» und fröhlichen Stunden uns mitbegleiten. -?, dies danken Mp itznen -- den alten Bildern. «- 'K n o pf;r