Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 34 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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TW!" WWWW '••*• j'J»*"»’!VT,'W‘\ —’"r.rj «WWWW WWWWMW < fjftftttffittt «. V. An Stelle -eS zurückgetretene» Herrn Sftnitüt-rat Dr. Günzburg wurde -er ao. Professor an her hiesigen Universität Dr. S. Asaae ftitm Chefarzt -er inneren Abteilung -e- Krankenhauses der As* raelitischen Gemeinde gewählt. Pros. Asaae ist tn Köln ge* Loren und Schüler der Kliniker Krau- und Veintraud. Don 1818 bi- 1622 war er Oberarzt -er von Prof. StraSburger geleiteten Universitätsklinik und danach Mitarbeiter Prof, von NoordenS an bellen Privatklinik. Seit 1618 gehört er -em Lehrkörper der Universität an. Seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten betreffen die verschiedensten Gebiete der Inneren Medizin, vorzugsweise der Krankheiten des Stoff* Wechsels und des Blutes. Frankfurt a. M. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler c. B. bittet unS um Aufnahme folgender Zeilen: . .. ' »Die Gesellschaft wurde 1867 gegründet und hat seither eine Reihe reich illustrierter Mitteilungen Über Mische Kunstdenkmäler veröffentlicht. Kerner hat sie selber einige Ausstellungen veranstaltet und andere beschickt, außerdem ISA ein „Museum jüdischer Altertümer" in Frankfurt a. M. gegründet. Das Museum befindet sich im ehemaligen von Rothschildschen Geschäftshaus. Fahrgasse 146: eS sind dort neben dem eigenen Besitz der Gesellschaft Leihgaben der Israelitischen Gemeinde, deS Städtischen Historischen Mu* feumS sowie verschiedener Privatpersonen ausgestellt. Bon!Ärtt zu Zeit werden unter Führung deS wissenschaftlichen Leiters der Gesellschaft Spezialausstellungen in Frankfurt /a. M. veranstaltet. Wir hoffen, auch in anderen Städten derartige Ausstellungen zeigen zu können, aus Lenen sich vielleicht weitere jüdische Museen entwickeln wer. Le». Auch unsere PubltkationStätigkett haben wir, wen» ftvch i« bescheidenem Umfang, wieder ausgenommen. LlS MitgliedSbeitr aa werden mrnde* istenS fährlich 10 M. oder einmalig 300 M. er* «.oben. Unsere Mitglieder erhalten eine Eintrittskarte »um Besuch des MuseumS. außerdem werden ihnen die nt »wangloser Folge erscheinenden NotizLlätter der Gesellschaft unentgeltlich zugesandt. Bei Bezua unserer Bervffent- 'ltchungen gewähren wir unseren Mitgliedern große Ermäßigung. Nur be! einer erheblichen Vergrößerung unserer Mitgliederzahl können wir auch weiterhin unsere Ziele verfolgen Dir bitten Sie, Ähren Beitrag an unseren Schatzmeister, Herrn Julius Heymann, aus bellen Postscheckkonto Frankfurt a.M. Nr. 20275 zu überweisen." Köln. Die Rheinlandtagung des Reichsbundes iüdischer Frontsoldaten, die vom 5. bis 7. September stattfindet, verspricht zu einem großen Ereignis zu werden. Bis jetzt haben Über 800 Delegierte ihre Teilnahme zugeiagt. Die Stadt* biLliothek in WormS veranstaltet aus Anlaß der Tagung eine Ausstellung alter iüdischer Schriften, die von Len aus allen Teilen -es Reiches herbeigeeilten Delegierten zwanglös besichtigt werden kann. DaS BundeSvorstandSmitgl ed Dr. Ludwig Haas-Karlsruhe, Mitglied des Reichstags, wird außer in Worms auch in Köln a. Rh sprechen. Ein Sonderdampfer bringt die Menge der Festteilnehmer von Mainz nach Köln. In den Orten Bingen. Coblenz. Neuwied und Bonn werden die umliegenden Ortsgruppen ausgenommen. Die Tagung wird die Verbundenheit der deutschen Inden all» Mein mit dem Schicksal dentschen Volkes und Landes in erhebender und wirkungsvoller Weise zum Ausdruck bringen. München. An der Sitzung des HauvtauSschusieS des Münchener Stadtrates vom 14. August erklärte Schlachthosdirektor Dr Opel anläßlich einer Debatte über die Schlachtmethoden iw Ddüncheuer Schlachthof, gelentlich der Tagung der Tierfchutzvereme un>d in Zuschriften an die Schlachthofdireknon ttten gegen diese Vorwürfe erhoben worden. Man habe geim Schlacht- und Biehhof« herrschen vorsintflutliche Wstäbde, weil das Schächten gestattet sei. Diese Zustände würde» auf allen Schlachihös»U Kerrschen. Die Stadt sei nicht in der Lage, das Schächten zu verbieten. Er selbst habe Ä16 ei» Schächtvcrbot erwirkt, aber zur Durchführung fct enicht gekommen, da die gesetzlichen Bestimmungen entgegenstänöen. Dir Frage greise ins religiöse und strafrechtliche Gebiet. München würde in der Schächtfrage an der Spitze aller deutschen Städte stehen, da es die einzige Stadt sei, die das Schächten nach dem Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung kontingentiere. In München würde V*% aller Schlachttiere geschlichtet, während in Anderen Städten bis zu 50% bei einem Bevölkerungsteil von 3% Anden geschlichtet würden. München. Im Alter von nahezu 84 Fahren verstarb dieser Tage in München, wo er seinen Lebensabend im Kreise seiner Kinder und Enkel verlebte, der frühere Kantor von Achenhausen, Haimanir Perlmutter. Er galt als ein Meister des traditionellen Synagogengesanges, beherrschte ebenso die süddeutsche wie die polnische syvagogale Musik und Traditio». Bo» ihm selbst existieren im Manuskript schätzenswerte fynagogale Kompositionen. Er war 37 Jahre lang Kantor in' Jchenhausen. Schueidemühl. Am 26. August feiert der erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Schneidemühl. Herr Stadtrat a. D. Louis Schneider, seinen 73. Geburtstag. Herr Stabtrgt Schneider gehört zu den Mitbegründern der Schneide- «ühler Ortsgruppe unserer Vereinigung und bat sich in fahrzehntelanger angestrengter und uneigennütziger Arbeit um unsere Bewegung und um das Wohldes gesamten Judentums in" der ietzigen Grenzmark bleibende und große Verdienste erworben. Er ist noch zuletzt vor wenigen Tagen Mit seinem Aufruf hevvorgetreten. in der er im Aufträge des- Vorstandes der jüdischen Gemeinde in Schneidemüül für -ie aus Polen auSgewiefenen deutsch-jüdischen Optanten Antritt Wir wünschen Sem Aubilar auch fernerhin eine recht segensreiche Tätigkeit im Anterelle feiner Lebensziele, insjkefondere auch, unserer Bewegung, und einen angenehmen Lebensabend. Schueidemühl. Zwei Vertreterinnen der ZentralwohlfährtSstelle der deutschen Juden besuchten dieser Taae Las Flüchtlingslager in Schneiöemühl. um sich an Ort und Stelle «her das Los der jüdischen Flüchtlinge zu orientieren und -ie notwendigen Fürsorgematznahmen in die Wege zu leiten. Unter den zirka 8000 Vertriebenen befinden sich etwa 80 Juden. Meistens sind eS Familien mit größeren Kindern, -te in Polen als Handwerksmeister oder Kleingewerbe* treibende gearbeitet haben. Die Jüdische Gemeinde in Schneidemühl und der dortige Frauenverein haben sich in ganz vorbildlicher Weise der unglücklichen Mischen GlaubenSgenosien angenommen.' ES ist für sie in den Räumen der Loge ein guter koscherer MittagStifch eingerichtet wor* Letz. Auch, sonst steht die Gemeinde, der Frauenverein und andere Organisationen jedem einzelnen mit Rat und Tat >zur 'Seite. Die Unterkunst in dem Massenlager selbst ist außerordentlich primitiv und in jeder Hinsicht unerfreulich. ES muß daher unser aller Bestreben sein, die Mensche» so schnell als möglich aus ihrer unglücklichen Sage zu befreien Mb ihnen wieder zu Wohnung und Existenz zu verhelfe». Me Mische» Gemeinden in Deutschland müsse« eS sich an* gelegen fein lassen, einige» Familie« durch schnelles Ein* greifen zu Helfen. Es «erde» offene Stellen gesucht für einige gut auSgebildete Kaufleute, einige Pelz* und Rauch* warsnhändler, einige jüngere Hausmädchen und weiblicheS Bureauperfonal. Zuschriften in dieser Angelegenheit Littet L^e ZentralwohlfahrtSstelle der deutsche» Juden. Berlitz C.2, Stuttgart. Die -er «Gchutzj-ische Merkur" (Nr. 375 v. 14. 8. 28) mitteilt, hat in Stullsart die Zahl der Mischehen 'besonders unter den Israeliten in erheblichem Maße zu genommen. ES waren 1904—1613 von den von jüdischer Seite eingegangenen Ehen Mischehen 12,2 Prozent bei den Männern. 16,1 Prozent Lei Len Krauen. .1624 betrug der entsprechende Prozentsatz bei Len Männern 28,2 Prozent, bei den Frauen 22L Prozent. Wie«. Die Leitung der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde veranKaltet nach dem mehr als hundertjährigen Bestände der Bibliothek zmn ersten Male eine Ausstellung. die einen Rückblick über die Geschichte des gesamten hebräischen Buchdruckes von 1475 bis 1922 geben soll. Die Ausstellung gewährt einen Einblick in die kulturellen Bedürfnisse des jüdischen Volles im Laufe der Jahrhunderte und ist reich an Seltenheiten, Kuriositäten und künstlerisch wertvollen Objekten. Es sind Druckwerke aus allen Ländern und Städten vertraten. Witzenhftuse«. Die hiesige Stadt beging in den Tagen vom 15. bis 18. August die Feier das 700 jährigen Bestehens, an der auch die jüdischem Einwohner lebhaften Anteil nahmen An der Geschichte der kurhessischen Juden hat Witzenhauseu eine wichtige Rolle gefpielt, weil dort der Sitz des Landrabbinats war und namhafte Gelehrte aus ihr üervorgegangen sind. Am 18. Jahrhundert erfolgte die Verlegung des Landrabbinats nach Cassel. Besondere Bedeutung erlangte aber der hiesige Ort durch die jüdische Landesuniversität wie die hier errichtete Jefchiwah genannt wurde. Bemerkenswert ist. daß alle steuersahlenden Israeliten Hessens zur Bestreitung der Kosten für die Talmudschule verpflichtet waren, und daß der auf diese Weise gesammelte Talmud- ThorafondS. der wie vieles andere in der Inflationszeit wertlos wurde, religiösen Bilüungszwecken nutzbar gemacht wurde. Interessante Einzelheiten über Einrichtung der Schule und Unterbringung der Zöglinge teilt Lehrer Horwitz. Cassel, in einer Spezialabhandluna mit. deren Angaben dem „Konstitutenbuw der althe sülchen Iudenschast" entnommen sind. Der innige Kontakt, der zwischen den Bekenner» aller Bekenntnisse hier herrschte, kann auch heute noch erfreulicherweise sestgestellt werden. Kommerzienrat Wertheim aus Cassel, der hier geboren wurde, hat durch ein Geldgeschenk von 1000 M. seine Anhänglichkeit an die alte Heimat bewiesen. FEUILLETON Das Bild des Königs. Von Max Rosenfeld -Dresden. (Schluß.) „Bezahlt? Mandelblüt — du verstehst nix von de Kunst. Bin ich n Modell? Wenn sich ’n Modell hinstellen tut, dann kriegt ’s für de Stunde bezahlt. Aber wenn sich tut hinstellen e besserer Mensch, — so tut er sich opfern für de. Kunst.“ Mandelblüt schüttelte den Kopf und meinte: „Du bist eben kein Kaufmann.“ Dina aber sah ihren heimlich Verlobten bewundernd an. „Ich hätte das Bild, das Menzel gezeichnet hat, gern gesehen.“ Pagiel zuckte die Achseln. „Verlleicht, wenn der alte Menzel wiederkommt und bringt mit sein Skifczenbuch." Der Nachbar kam aber aus dem Kopfschütteln nicht heraus. „Was soll das alles, wenn doch ist vom Verkauf des alten Fritz kaine Red'. Ich sag* dir, die kaufen den alten Fritzen nich.“ Doch Pagiel hob beschwichtigend seine Hände. „Sei still, Löb Mandelblüt. Höre einmal genau zu: Willst du mir, wenn ich den alten Fritz an den Hof ver-s kaufe, deine Tochter Dina zur Frau geben?" Der Alte schmunzelte. „Nu ja. Nu nein. Nu ja. Wenn du ihn gut verkaufst, du dummer Kerl — nu ja, dann sollst du sie haben." Pagiel jubelte auf und hätte beinahe Dina unter dem belebten Mühlendamm umarmt und geküßt, er beherrschte sich aber noch im rechten Augenblick. — An einem Winternachmittage war ein großes Menschengedränge auf dem Mühlendamme, eine Hofkutschc Kielt wirklich vor Pagiels Laden. „Der Kronprinz. Der Kronprinz" ging es von Mund zu Mund. Mandelblüt und seine Tochter Dina standen voll bebenden Staunens in ihrer Ladentür. Sie hatten wahrhaftig den im Volke überall so sehr beliebten Kronprinzen, den Helden von Wörth und Sedan, in Begleitung eines Adjutanten, den Laden Pagiels betreten sehen. Der menschlich gütige Prinz war sehr volkstümlich, er hatte geradezu bürgerliche Neigungen, ging auch häufig zu Fuß durch die Straßen und besuchte ungeniert die Geschäfte. Doch da er für die in jener Zeit wieder besonders brutal angegriffenen Juden ein warmes Herz hatte, scheuten die Antisemiten sich nicht, ihn mit der Bezeichnung „Judenkronprinz" zu belegen. Deshalb wunderte man sich gar nicht darüber, daß er auch einmal die jüdischen Trödler unter dem Mühlendamm besuchte. Und wie lange der Kronprinz bei Pagiel blieb. Da plötzlich brach die Menge in Jubelrufe aus, der blondbärtige, schöne Mann war aus dem Laden getreten, der Adjutant folgte mit einem flachen Paket. Der Kronprinz grüßte freundlich nach allen Seiten und bestieg, gefolgt von seinem Begleiter, die Kutsche. Der Schlag krachte zu, und fort ging es unter den brausenden Hochrufen der Menge. Vater Mandelblüt -wartete in seinem Laden mit Dina, denn Pagiel hätte doch nun freudejubelnd herüberkommen müssen, aber der dumme Kerl ließ sich nicht blicken. Endlich suchten sie ihn in seinem Trödelgewölbe auf, und sie wunderten sich, als er ihnen etwas verlegen entgegenkam. Mandelblüt schüttelte ihm die Hände. Dina wollte sich dem Verlobten an die Brust werfen, doch er wehrte ernst und . entschlossen ab, sein Gesicht nahm einen fast tragischen Ausdruck an. „Es ist nichts, Mandelblüt, du kannst mir dein Kind nicht geben.“ „Woso? Das Bild ist doch fori, der Kronprinz hat es ja mitgenommen.“ „Gewiß, ich bin geehrt, wie selten einer von unsere Lait, — denn der Kronprinz, mein Feldherr von 70, war bei mir . . . und — hier diese Hand hat er mir gedrückt, hat gesagt: „mein lieber Rubens,“ hat auch das Bild mit-, genomihep, Mil estvihm.sehr gefiel t s . aber .= nu paß auf. Wie er hat gefragt, was es soll kosten . . . da ... da . . , wie unser Fritz so vor mir stand, wie ich an Sedan dachte, und als ich mir vergegenwärtigte, wie er uns verwundete Krieger damals in einem Lazarett besuchte und die Eiser-i nen Kreuze verteilte . . . siehst du, Mandelblüt, da konnte ich kein Geld von ihm fordern —- ich habe ihm das Bild dediziert." „Was ist das, .dediziert'?“ „Ich habe es ihm geschenkt.“ „Pagiel — ja, ja, du bist ein echter Rubens.“ „Er wollte es nicht geschenkt nehmen. Aber ich habe gesagt: Kaiserliche Hoheit, habe ich gesagt, was soll der alte Fritz bei mir? Ich weiß, wo er hingehört, — er gehört den Nachkommen des großen Königs. Und was ich für Auslagen hatte, *das ist nicht der Rede wert, habe ich gesagt. «Lieber Rubens', hat er da gesagt, .ich danke Ihnen ja sehr für Ihren großmütigen Willen', hat er gesagt, sagt er, .ich will das Bild unter Vorbehalt mitnehmen', hat er gesagt, sagt er, ,Sie werden noch darüber hören', sagt er, hat er gesagt. Und dann hat er mir diese Hand hier gedrückt und hat mir diese Schulter hier geklopft, und dann ist er fortgefahren, und ich war wie im Dusel. Aber ich weiß, Mandelblüt, daß du mir nun deine Dina nicht geben kannst." Mandelblüt hatte sich abgewandt, ihm waren Tränen in die Augen getreten. Dann aber riß es ihn zu Pagiel herum. „Pagiel — du goldener, dummer, einfältiger Mensch, du brauchst ja kein Geld, ich bin ja in der Lage, meiner Dina eine Mitgift zu geben. Du sollst das Mädel haben — da, nimm se hin!“ Die Verlobten umarmten sich herzlich, und Dina gab hier ihrem Pagiel zum erstenmal einen richtigen Kuß auf den Mund, wenn der auch nach kaltem Zigarrenstummel schmeckte. „Pagiel", rief Mandelblüt lachend, „gut, daß du keine» kalten Stummel im Munde hast." Der glückliche Bräutigam schmunzelte und küßte seine Dina immer wieder. „Das brauche ich nun nicht mehr, ich habe jetzt mein Bräutchen, und die glüht wie eine frische Havanna." „Ich werde nachher gleich hundert Stück von der besten Sorte holen," sagte der Schwiegervater, „die soll Pagiel als Verlobungsgeschenk erhalten." Die Hochzeit fand nun sehr bald statt, sie wurde im ..König von Portugal" in der Burgstraße gefeiert. Eine ganz besondere freudige Ueberraschung erlebten Pagiel und die Seinen jedoch, als bald nach der Hochzeit ein Schreiben vom Hofmarschallamt eintraf. Man teilte mit, daß man sich an allerhöchster Stelle über das Bild Friedrichs des Großen recht gefreut habe, daß man es aber als Geschenk nicht annehmen könne, so dankenswert die Absicht des Herrn Pagiel Rubens auch anerkannt werde. Man habe ihm deshalb aus der Kaiserlichen Privatschatulle dreitausend Mark überwiesen. Pagiel war wie aus allen Wolken gefallen, er zeigte Dina und dem Schwiegervater das Schreiben, die sich ebenfalls außerordentlich darüber wunderten. Mandelblüt schmunzelte zufrieden, als das Geld eintraf, und er sagte: „Nu war der alte Fritz doch nicht ,für 'n alten Fritzen.' Unser Fritz hat dafür gesorgt.“ Aber Pagiel war nachdenklich, er grübelte hin und her; schließlich meinte er zu Dina: „Weißt du, Dinaleben, die Hälfte von dem Gelds spenden wir für die invaliden Krieger von 70; es gibt mir immer einen Stich durchs Herz, wenn ich solchen Kameraden, mit Medaillen auf der Brust, den Leierkasten drehen sehe. Bist du einver«* standen, Dinaleben?“ Und Dinaleben war einverstanden, auch der Vater gab es nach einigem Zögern zu. Kurze Zeit danach löste Pagiel seinen Trödelladen auf und trat in das Geschäft seines Schwiegervaters ein, das sehr bald, bedeutend erweitert, nach einer anderen Gegend verlegt wurde. Vater Mandelblüt bemerkte mit Freuden, wie sich doch das kaufmän*? nische Talent noch bei seinem Schwiegersohn entfaltete« und wie durch dessen Tüchtigkeit sich das Geschäft immer mehr hob. Von seiner Bilderleidenschaft konnte Pagiel jedoch nicht lassen, er legte sich eine schöne Privatsammlung an, die heute noch von Kennern hoch-; geschätzt wird. Mancher junge Künstler hatte der noblen Unterstützung yon Pagiel Rubens seinen Aufstieg zu verdanken. i; BUCHERSCHAU jj Haschana 1. Jüdisches Weltadressbuch. Wien 1925. Verlag Isaak Bonhard. Es war ein glücklicher Gedanke des rührigen Wiener Verlegers Isaak Bonhard, die wichtigsten jüdischen Adressen aus allen europäischen und außereuropäischen Staaten zu- «auMnenzustellen und in dem vorliegenden Weltadreßbuch der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir finden in dem Büchlein Angaben über die Kultuseinrichtungen, über jüdischreligiöse und jüdisch-politische Vereinigungen, die Adressen der Rabbiner, der koscheren Restaurants, der Geschäfte die rituelle Lebensmittel führen, der jüdischen Schulen und wohltätigen Anstalten, der jüdischen Zeitungen und Korrespondenz-Bureaus. Das Buch wird hoffentlich zur ständigen Einrichtung werden und wird sich sicherlich bei allen denen einbürgern, die Interesse für jüdische Angelegenheiten haben. L. Salent>arfomfflrMe.3ett vom 22.8. bis 29.8.1925. August 1925 Elnl 5685 Sonnabend 22, 2. Wochen-Abschnitt: Schanstim (5. V. M. Kapitel 16.18—21,9) Hgstarab: Ies. 61.12—23: 62.1-12 Sonntaa 23. 8. Moutaa 24. 4. Dienstag 23. 8. Mittwoch 26. 6. Donnerstag 27. 7. Freitag 28. 8, Sonnabend 29. 9. Wochen-Abschnitt: Kr tzeze (3. B. M. Kapitel 21,10—251 Hastarah: Ies. 54,1—10 Sabbat-Ausgang: 7.49 (