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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-08-07 · 32 (7.8.1925) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
32 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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'''H>>"'. Wiwpff.1.'» . w TT" WWW besucher -er Pralerstratze gegen sich, sondern such ftte zahlreichen Arbeiter, die nach Lern Seichendegängnisse. bet dem sie Spalier gebildet hatten, die freien Stunden im Prater verbringen wollten. Ihne» gesellten sich ans das Signal, daß aus dem Praterstern etwas loS sei. Elemente senes lichtscheuen Gesindels, dem die sommerliche« Praterauen über die Wohnungsnot hinwegzuhelfen pflegen. Dieser Situation war die polizeiliche Schutzgarde der „Preßfreiheit" nicht gewachsen und ihre Lieblinge mit dem Hakenkreuz mutzten ihr Heil in der Flucht suchen. AuS bisher noch ungeklärten Gründe» zog ein dendsch-völkischer Turner besonders hartnäckige Verfolger auf sich, die er auch nach zielu«b vlanlosem Rennen durch mehrere Gassen nicht abzuschütteln vermochte. Vergebens suchte er sich schließlich in einem kleinen Hotei zu verbergen. Er wurde dort ereilt und erstochen. Der Täter ift bis zur Stunde, da ich dies schreibe. noch nicht eruiert. Ein Schutzmann, der die wilde Jagd aus den unglücklichen Turner verfolgt hatte, wurde am Einganges Hotels zu Boden geworfen und entwaffnet und das Hotelpersonal scheint für Männer, die dort ohne Damenbegleitung erscheinen, kein Interesse zu haben. Kurz, der Mörder ist bisher unbekannt und — die antisozialistischen Blätter haben die willkommene Gelegenheit, die Blutschuld der Arbeiterschast aufzuhalfen. Diese hat sedoch in Wien schon so viele Proben großer, ia übergroßer Diszipliniertheit an den Tag gelegt, daß sie wohl Wer den Verdacht erhaben ist. politische Differenzen durch Messerstechereien anszntragen. Die einfachste nüchterne Erwägung sagt, daß ein Sozialist, wenn er sich schon wirklich dazu verleiten läßt, einem Gegner ein paar Gassen weit nachzulaufen, dem schließlich Eingeholten im ärgsten Falle ein paar Ohrfeigen verabfolgt hätte. Der Stich mit dem Messer verrät eine andere Autorschaft. ES gehört zu den Argumenten des ZuhältertumS. das in der Pratergegend sein Unwesen treibt und vielleicht in mißverständlicher Deutung der polizeilichen Duldsamkeit gegenüber den täglichen Hakenkreuzler-Exzessen die Stunde gekommen glaubt, in der sich alle blutdürstigen Instinkte frei und ledig jeder Hemmung ausleben dürfen. Die Wackeren verstehen ehe« nichts von Politik und das ist das einzige Sympathische an ihnen . . . Die Zeitungen, die sich mit der Mordtat befassen, sind ohne Unterschied der Partei in ihrer Verurteilung einig. Dadurch unterscheiden sich Mordtaten, denen Hakenkreuzler zum Opfer fallen, sehr vorteilhaft von solchen, die von Hakenkreuzlern verursacht werden. Die Ermordung Bettauers ist erst jüngst von der hiesigen deutsch-völkischen Tageszeitung als eine „voll und ganz verdiente Strafe" bezeichnet worden. Man bedenke: in einem Staate, in dem die Todesstrafe offiziell abgeschafft ist. wird das Attentat eines verhetzten Jungen als ein Akt gerechter Justifizierung hingestellt! Kein Mensch kann wünschen, daß die liberale Presse einen ähnlichen Standpunkt einnimmt. Aber von diesem Extrem offenen Bekenntnisses zur Blutrache bis zu dem entgegengesetzten Extrem würdelosesten Abrückens von einer Tat. an deren Provozierung letzten Endes doch jene die Hauptschuld tragen, die.diesmal von ihr betroffen wurden, isi ein so weiter Schritt, daß es für die „Iudenblätter" nicht unbedingt nötig gewesen wäre, ihn zu machen. Es ist. ia nur ein Zufall. daß die systematische Mordhetze Her Hakenkrcuzler das erste Opfer in den eigenen Rethen der -Hetzer gefunden bat. Und nur diesem Zufall ist die immerhin schätzenswerte Entdeckung zu danken, daß auch die deutsch-völkische und christlich^soziale Presse den politischen Mott verdammt. Leider richtet sich die teutonische und sittlich-religiöse Empörung nicht an die Adresse des nationalsozialistischen Parteiführers, der sich in den letzten Tagen sogar einen berüchtigten mag «arischen Randenführer und Mottgesellen nach Wien verschrieben hat. wahrscheinlich als Exponenten de^ vielzitierten Erregung der „bodenständigen Oester re scher" gegen den Zionistenkongreß . . . Hätten wir eine nackensteife liberale Presse, so wiitte sie heu an sich gewiß beklagenswerten Totschlag auf dem Pratertzern dazu benutzen, um jenen Parteien, die den politischen Mord ganz offen propagiert«, Und den Behörden. die ihnen hierher durch eine wohlwollende Passivität assistieren, ins Genüssen zu reden, um Schwereres für die Zukunft zu verhüten. Dann könnte aus dem sinnlos vergossenen Blute eines unglücklichen Jünglings die schöne Frucht weiter politischer Mäßigung und innerer Einkehr erblühe«. Statt dessen wissen die sogenannten liberalen Zeitungen den Fall zu nichts anderem publizistisch auszubeuten, als zu einer — Hetze gegen den Republikanischen Schutzbund, diesen letzten Hort des inneren Friedens in Oesterreich . .. Wahrlich, wenn man -tose „liberale" Presse liest, dann begreift man, warum es hierzulande keine liberale Partei gibt und das österreichische Volk, dessen Haupteigenschaft Milde und Duldsamkeit ist, in den parlamentarischen Körperschaften ausschließlich durch extreme Parteien vertreten ist. die Land und Leute nicht zur Ruhe kommen lassen. ' In dieser Hinsicht ist es gewiß charakteristisch, daß sogar der „Landbund" der Bauern, die sonst noch die realste Politik von allen treiben und für nichts Interesse haben als die Wahrung ihrer agrarischen Vorteile nicht umhin konnte, zu den „Gefahren" des bevorstehenden Zionistenkongresses Stellung zu nehmen. Dies geschah in Form einer Anfrage im Bundesrate. — in der es heißt, daß die Ankündigung des Kongresses bereits lebhafte Beunruhigung bei der Bevölkerung hervorgerufen habe. Die freie Einreise zahlreicher Kongreßteilnehmer aus den östlichen Ländern sei mit sanitären Gefahren für Wien verbunden und die Ueberslutung der Gasthöse bedeute für den Fremdenverkehr und für die Geschäftswelt eine emvfindliche Schädigung. l!) Autzettem sei die Befürchtung nicht von -er Hand zu weisen, daß -er Kongreß unerwünschte Ausländer nach Wien bringt, die sich dann in Oesterreich seßhaft machen könnten. Die Anfrage verweist dann auf die Krawalle und angeblichen Ueberfälle völkischer Zeitungskolpor teure und schlieht mit den Sätzen: Da die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen ist. daß die wachsende Erregung der bodenständigen Bevölkerung sich schließlich in Unruhen Luft macht und die Abhaltung des Zionistenkongrefses in Wien eine gefährliche Bedrohung der inneren Ruhe und Ordnung darstellt, sehen sich die Unterzeichneten veranlaßt, an den Bundeskanzler als Leiter des Bundesministerinms für Inneres folgende Anfragen zu richten: 1. Sind dem Bundeskanzler die vorerwähnten Gefahrenmomente bekannt? 2. Auf welche Weise gedenkt die Bundesregierung den mit der Abhaltung des Ziomstenkongresses verbundenen sanitären Gefahren und wirtschaftlichen Schädigungen der bodenständigen Bevölkerung zu begegnen? 3. Welche Gründe vermag die Bundesregiernng für die Bevorzugung der meist ausländischen Kongreßteilnehmer gegenüber der bodenständigen Bevölkerung auf den Bundesbahnen anzusühren? 4. Mit welchen Gründen vermag die Bundesregiernng die Herabsetzung der Bisagebühren für die auswärtigen Kongreßteilnehmer zu rechtfertigen? 5. Durch welche Gründe sieht sich die Bundesregierung zur offiziellen Begrüßung des Zionistenkongresses veranlaßt? 6. Ist die Bundesregierung gewillt, trotz der Gefahr innerer Unruhen, die Abhaltung des ZtonistenEongresses in Wien doch zu gestatten? Wer diese zarte Besorgnis um das gefährdete Wohl der bodenständigen Wiener richtig würdigen will, mutz wissen, von wem sie ausgeht: von jenen Agrariern, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit den ärgsten Aushungerungskrieg gegen die Bewohner der Hauptstadt führten. Die offen erklärten, daß sie ihre Milch lieber ihren Schweinen als den Wiener Kindern zukommen ließen. Die die Lebensmittel sucherrden Wiener Mütter herzlos bewucherten und demütigten, die den Nichtagrariern, also vor allem den Wienern das Durchhalten unmöglich machten und io den Verlust des Krieges auf dem Gewissen haben und noch zu einer Zeit, da das feindliche Ausland bereits Wien zum Objekt einer großzügigen philanthropischen Weltaktion machte und io vor dem Hungertode rettete, sich noch voller Hatz gegen die Metropole absperrten. Diese edlen Menschenfreunde zittern jetzt um Wien . . . Ist das nicht rührend? Dr. Hugo Spiegler. Ij Versammlungskalender j Der jüdische Spredisaal. Ein jüdisches Kinderlandheim, Die verhältnismäßig geringe Anzahl von Juden in Deutschland macht es ihre» berufenen Führern zur Pflicht, darüber zu wachen, datz sich der Bekennerstamm Israels, wenn nicht quantitativ, dann wenigstens gualitativ auf der Höhe seiner Aufgaben und seiner Leistungen halte. Mätzigkeit. Gesundheitspflege und Rückkehr zur bescheidenen Lebensweise der Altvorderen müsien jeden Juden befähigen, sich in körperlicher Frische und geistiger Regsamkeit am Kulturleben des Staates und der Gemeinde zu beteiligen und somit an der Hinaufentwicklnna des Menschengeschlechtes mitzuarbeiten. Aus dieser Erwägung sind Vereine und Verbände am Werke, jüdischen Kirttern — aller Stände — den gesundheitsfördernden Aufenthalt au der See oder im Gebirge zu ermöglichen. Dem Reigen der iüdischen Kinderheime zu Bad Elmen. Saffendorf. Norderney. Kreuznach. Kolberg. Oberrochlitz und WolfratShausen hat sich im Jahre 1924 Bad Flinsberg im Isergebirge angeschlosien. wo der Jüdische Frauenbund. Ortsgruppe Breslau lVorsitzende: Frau Rabbiner Dr. Vogel st ein und Frau Ol! endors) im Vereine mit Freunden der Jugend ein 650 m hochgelegenes Landhaus angetanst und darin 20 Zimmer zur Aufnahme von 40 Kindern hergerichtet hat. Die Pfleglinge entstammen den verschiedensten Gesellschaftskreisen. ohne daß selbstverständlich irgend welche Abstufuna hinsichtlich des Zimmers oder der Beköstigung eintritt. Den Mindesbbcmittelten wird kostenfreier Aufenthalt gewährt. Die Oberin. Frau Martha Steinitz, hängt mit ganzer Seele an dem Heim und seinen iugendlichen Insassen. und da sie ihnen eine wahrhaft mütterliche Fürsorge widmet, so schlingt sich um Vorsteherin und Insassen ein herzliches Familienbanö. In ihrer Arbeit wird die Oberin von ihren Hortnerinnen unterstützt, deren iede eine bestimmte Anzahl von Kindern betreut. Da diese sorgfältig vorgcbilöeten jungen Mädchen im Sinne der Oberin wirken, so funktioniert der ganze ErziehungSapyarat wie ein aufgezogenes Uhrwerk. Dazu kommt, -atz durch eine äußerst tüchtige Kraft. Fräulein Kantorowicz. auch für das leibliche Wohl -er jungen Kolonisten sehr gut gesorgt ist. Die Zimmer, zu deren Instandhaltuna die Kinder aus erziehlichen Gründen mit hevangezogen wetten, machen einen freundlichen Eindruck. Ihre Ausstattung — ganz in Weiß — entspricht den Anforderungen der modernen Hygiene. Für regelmäßige Bäder ist gesorgt: ein geräumiges Waschhaus im Bau. Die Mahlzeiten wetten gemeinsam im Speisesaal eingenommen. der am Freitagabend sind am Sonnabend vormittags sämtliche Hausgenossen zu feierlichen Gottesdiensten vereint. Da ein Teil der Jerienkolouisten di« jüdische Schule in Breslau besucht, so ist ihnen die Liturgie sehr wohl vertraut, aber nicht nur die Reihenfolge der Gebete, sondern auch die Melodien — ein erfreulicher Beweis für die Notwendigkeit jüdischer Schulen! In Ermangelung einer Thora witt ei» Abschnitt aus einer gedruckten Bibel vvrgelesen: an jedem Sabbat ist Predigt. Hoffentlich wetten Liefe Gottesdienste am Sabbatmorgen -späterhin in Len Festsaal eines der großen Hotelverlegt, Lurch die Ketzlermng LeK Harmoniums verschönt und allen Kinder« her zahlreiche« jüdischen Kurgätzesu^ Länglich gemacht! Berlin. (Liberaler Synagogenverein Norden, Schönhauser Allee 182). Der Gottesdienst in unserer Synagoge (Auerbachsches Waisenhaus) beginnt jeden Freitag, abends 7H Uhr, Sonnabend, vormittags 10 Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Salovronsö. Alle Anfragen betreffs des Gottesdienstes sowie Beitrittserklärungen sind an unsere Geschäftsstelle (Arthur Zander, Linienstraße 45. Tel.: Norden 3233) zu richten. Für die hohen Festtage sind noch Karten in unserer Geschäftsstelle zu haben. Bestellte Karten müssen, bis 13. August abgeholt werden. Breslau lJudisch-liberaler Iugendverein „Abraham Geiger"). Am Dienstag, den 11. August, abends 8M, Uhr, Zusammenkunft im Kurgartev. Gäste willkommen. Magdeburg (Jüdisch-liberaler Jugendbund Heimat"). Sonntag. Len 16. August 1925, Ganztags«,rsslug in den Harz: Oker—Romkerhall—Goslar. Treffpunkt: Pünktlich %6 Uhr am Hauytbahnhof, Eingang Kölner Str. Abfahrt 5,55 Uhr. Rückkehr 8.58 lihr abends. Anmeldungen zwecks Aussiellung eines GrupvensabrlcheineS bis spätestens Mittwoch, den 12. August, bei Edgar Friedmann. Telephon 1994 und bei Ernst Steiner, Telephon 352V. Zur körperlichen Betätigung steht den Ferienkolonisten eine zwei Morgen große Wiese zur Verfügung. Außerdem unternehmen sie Spaziergänge in die herrliche waldreiche Umgegend und Ausflüge aus den Kamm des Jsergebirges. Die Kontrolle ihres körperlichen Befindens — bei welcher dank der vorzüglichen Pflege in den allermeisten Fällen eine ansehnliche Gewichtszunahme sestgeftellt witt ruht in den Händen des Badearztes Dr. Sck, afe r. der sich nicht nur um die Finanzierung des Heimes, sondern auch um den geselligen Zusammenschluß der in Flinsbera weilenden Brüder U. O. B. B. in dankenswerter Weise bemüht. Eugen Wölbe. Sabbat oder Sonntag, Die von Herrn Dr. Rosenthal zur Diskussion gestellte Frage hat anscheinend in jüdisch-liberalen Kreisen lebhafte Anteilnahme gefunden: ein erfreuliches Zeichen dafür, wie rege trotz der so oft beklagten Indifferenz die Anteilnahme am religiösen Leben ist. Man tut unrecht, wenn man die geringe Frequenz der ReforM-KotteMenste daraus zurückführt, daß für den Sonntags-Gottesdienst selbst in einer Stadt wie Berlin kein Boden vorhanden wäre. Die Reform - gemeinde wendet sich mit ihren Gottesdiensten, in deren Mittelpunkt immer eine ans hohem geistigen Niveau stehende Predigt zu finden ist. anscheinend absichtlich nur an den Kreis jener, die in einem abgekürzten Gottesdienste Erbauung und geistige Anregung finden wollen. Inwiefern eine bessere Besuchszisser zu erreichen wäre, wenn das Gotteshaus sich in einem anderen Stadtviertel befände, ist nicht Gegenstand der Diskussion. Abwegig ist der Standpunkt, daß viele aus Bequemlichkeit dem Sabbatgottesdienste fernbleibeu. während sie für profanere Dinge Zeit finden und Zeit finden müssen. Man vergesse nicht, daß die vielen Taufende jüdischer Angestellten (es gibt beute infolge der wirtschaftlichen Umschichtung mehr als vor 30 oder 40 Jahrenl einfach zum Besuche des Gottes dienstes am Sonnabend — auch nur sporadisch — keinen Urlaub erhalten würden. Festzustehen scheint, daß niemand im jüdisch-liberalen Lager ernstlich daran denkt, den Sönnabend-Vormittagsgottesdienst abzuschafsen. Ich bin -er Ansicht, daß die Großgemeinden einen Versuch machen müßten, schon in den bevorstehenden Wintermonaten den Sonntagsgottesöienst wieder einzuführen. auch wenn vor Jahren ein ähnlicher Versuch einmal mißglückt ist. Die Mitglieder der liberalen Jugendvereme werden sicher daran teilnehmen. Einsegnungen von Knaben und Wöchnerinnen. von junge« Wepaaren könnten bei dieser Gelegenheit vorgeiwmmen wetten, die Gottesdienste könnten an Nenmondstagen, die aus den Sonntaa fallen, eine besondere Ausgestaltung erfahren, die Erklärung des Wochen oder ProphetenabschnÜtes würde das Interesse an unserem Schrifttum «achrufen und lebendig ettalten. Wer. wie ich festgestellt bat, -aß die Berliner Synagoge» überfüllt sind, wen» ein Sabbat oder Feiertag mtt einem staatliche» Ruhetage zwsanmrenfällt. dem ist um das Schicksal de- SonntagSgotteSdrenstes. -er bestimmt einmal komme» wird und .kommen muß. nicht bange. Ernst Danziger-Berlin, fgf FEUILLETON Der Gast Elia. Eine jüdische Geschichte. Von Hans L. 8rinn. Ja, die Welt wird immer schlechter, das merkt man selbst bei uns in Raszewy. In den großen Städten soll es sogar oft Vorkommen, daß man — Gott verzeih qiir! — einen Menschen umbringt! Doch schließlich, was ist da so Unbegreifliches? Kommt nicht neulich der junge Mendel zu mir und hat sich den Bart scheren lassen?! Als wenn es schon gar nicht anders ginge! Und dabei war sein Vater — er ruhe in Frieden! — ein sehr frommer Mann. Ich weiß noch, als wäre es gestern, wie wir ein jedes Jahr zum Markt nach Momorje gefahren sind. Wie waren damals die Stoffe billig, das feinste Kammgarn! Und hat mar uns nicht die Hühner und Gänse beinahe geschenkt? Was waren das für Zeiten! Heute natürlich läßt man sich rasieren! Dafür weiß man weniger Bescheid in unserer Heiligen Schrift. Ist's nun ein Wunder, wenn man sich mordet, und wenn alles so teuer ist? Und versteht ihr es jetzt, wenn Elia der Prophet nicht mehr zu Gaste kommt? Richtig, das wollte ich euch erzählen: mögt Ihr'» glauben oder nicht — was meine Augen gesehen haben,, das weiß ich. Es ist schon eine Weile her, da war ich vom Rabbi zum Passah eingeladen. Dort waren, wie es Sitte ist, einige Gäste, und wir saßen die ganze Nacht und feierten den Auszug unserer Väter aus Aegypten. Jankele,. der Spaßmacherwar auch da. und ich erinnere mich, daß wir viel über ihn lachten. Er ajitnte nach, wie Moses vor Pharao Wunder tat, wie die Aegypter die zehn Plagen erlitten und wie unser Volk durchs Schilfmeer zog. Der Rabbi erzählte: „Ihr seht dort den kristallene« Kelch, gefüllt mit rotem Weine. Wenn der Messias naht, dann wird er den Elia als Boten voranschicken, auf daß alles bereit sei. So erwarten wir Jahr um Jahr Elia, den Boten des Erlösers. — Seht, wir alle haben als Kinder, wenn die Tür für den ersehnten Gast geöffnet ward, auf diesen Kelch geblickt, und war die Tür wieder geschlossen, so erschien es uns, als sei des Weines weniger geworden. Wer den rechten Glauben hat, den Glauben der Kindheit, dem leert sich auch heute das Glas ..." Es war still um den Tisch, nur Jankele flüsterte seinem Nachbarn zu: ,,... und wem es sich nicht leert, der mag glauben, daß der Wein schlecht ist." Er hatte —» ver*. geh's ihm Gott — eine allzu lose Zunge. Die Gesellschaft erhob sich und ging langsam auf den Höf hinaus, zum Nachtmahl die Hände zu waschen, wie es die. Vorschrift verlangt. Und als ... ... als wir in die Stube zurückkehren, ist der KelcK des Elia — leer! Des Rabbi Antlitz glänzt, wir andern stehen erstaunt, es ist kein Zweifel: Elia war bei uns zu Gast! Am nächsten Tage wußte es ganz Raszewy: Elia war bei uns zu Gast! — Nun, ich habe schon viel Freude erlebt, schon viele Feste gefeiert, doch nie war es so fröhlich wie damals in Raszewy zur Passahzeit. Und Jankele war der Fröhlichste von allen; er tollte umher und trieb seine ausgelassensten Späße, und ein jeder hatte ihn lieber als zuvor. Sprach aber einer vom Elia, so schämte er sich seiner losen Worte, und ein seltsames Lächeln kam auf sein Gesicht. Ich meine fast, um des Jankele willen hat der Prophet sich unser erinnert. Kalendarium für die Beit vom 8.8. bis iS. 8.1925. August 1825 Sonnabend Sonntaa Montaa Dienstaa Mittwoch - DvnuerStaa Freitaa Sonnabend 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Ab 5685 18. Wocheu-Abschnitt: Ekew (5. B. M. Kapitel 7.12—11.25) HastaraH: Ies. 49.14-26. 50,1—11. 51.1—8 19. 20. 21. 22. 28. 24. 26. Neumondweihe Wochen-Abschnitt: ReSh (6. B. M. Kapitel: 1126-1647)' HastaraS: Ies. 6441-17; 654-5

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