Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 31 (31.7.1925)
- Date
- 1925-07-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Mi eie. Die Kuttgem-vinschaften — ich denke an die neue Ehristengemeinschaft mit ihrem Vtttelpu.M in Stuttgart — ergeht sich Mt Erfolg aus all «diesen Mieten. Wo aber und rvi« gestattet sich die den religiösen 3nhalten eigenste Form, eben die religiöse? Cie soll Sinnbild sein unserer Vereinigung mit dem Göttlichen. Ms aber geschieht nicht durch d-en Kult, nicht durch die Pflege von hohen Werten, die uns nur immer das Unerreichbare vor «Augen führen. Rur die roenigen Menschen von Genie kommen aas diesem Wege zum Ziel und ein Anton Bruckner roar allerj-jOgs in der Schöpfung seiner Messen und Symphonien zugleich Ifcc t religiöse Mensch. Aber in diesem Fall kann man eben jnjmmet van zi-elsireoen-er Pflege von Werten (Kult) sprechen, isondcrn von der Erreichung des Zieles selbst: der göttliche Funke Ijff übergesprungen. Für uns einfache Menschenkinder aber hat es keinen Sinn iroischen Himmel und Erde zu schweben. Wir wollen erdhaft Meiden und einfachen Herzens, im Vertrauen daraus, daß das lMtliche Überall ist und auch zu uns findet. Und nicht dann erjleden wir es, wenn wir wie jene Exsbattker, die in den Gefahren kultischer Verchrung untergehen, von Lag zu Nacht und von Rächt zu Dag ungeduldig des Heiles harren, sondern nur dann, beim wir «uns überrascht und dankbar eines Tages fragen können, (tpfc all der Glanz in unsere Hütte kommt.! Ausgeschlossen freilich muß unsere Seele dazu sein', und als KchlüssÄ dazu dient der Ritus. Er ist die wahrhaft religiöse Form: einfache Gebräuche, die mit dem Alltagsleben verjkettet sind «und die alltägliche Handlungen ins Religiöse erheben, jgomahnen uns an die Feiertage des Lebens. Sie sind uns Selbstverständlichkeiten, wenn wir hmeingeboren, und sie werden rasch «nd leicht Gewohnheiten, wenn wir uns hineinerziehen. Den Ge- 'wchnhetten aber mutz hier das Wort geredet werden, so ketzerisch «es klingen mag; sie stnd ordnende Kräfte in ünserm Leben, Kräfte, uns müt dem Kosmos verbinden. Auch die Liebe kann zur rvemdem «und braucht darum nicht minder stark zu sein, so ist «es auch um die Religion öesteltt. Sie mutz nur frei Nebenzwecken sein, die sie nur aus Wege außerhalb ihres tzensten Gebiets verweisen würden. Der Ritus aber ist frei von zweckbehafteten «Streben kultischer R-eligionsüdung. > And darum wahll unser Judentum die religiöse Form des Ritus. Der einzelne wie die Gemeinschaft üben den Ritus: es ist kein MsenMches Merkmal fü-r chn, daß jüdischer Brauch gewöhnlich in der Familie des einzelnen lebt und webt. Au6) der Gottrsdieust der Gemeinschaft kann in seinen Formen frei sein vom Jvecke einer bestimmten Wertschöpfuwg. So ist der Amzug mit dem Lotaf am LomdhRtensest nichts als ein alter Ritus zum Dank Kir die gewonnenen Feldfrüchte. ' Auch unser Judentum ist eng mit Ethik verflochten. Allein düse Ethik will nicht wie der Kult mit guten Werken Religion ifein, sondern eben nichts anderes als Ethik. Unsere Religion ,richtet unfern Blick aus fremde Wertgebiete: aber sie gießt sich nicht selbst in fremde Formen. Sie begnügt sich mit einfachem alten Brauch, mit Ritus: aber sie lehrt uns die Einsicht, daß wir noch anders als nur r«l«ig-iös am uns und den Menschen zu arbeiten vermögen. _ Das rituelle Schächten. Don Landesrabbiner Dr. Malter, Dessau. Zu denjenigen Ritualgesehen, die heute noch im offiziellen Judentum allgemeine Anerkennung finden, wenngleich sie auch von vielen «im eigenen Leben nicht mehr als bindend erachtet werten, gehört das rituelle Schlachten der zum Genuß bestimmten Tiere, das sogenannte Schächten. Ja, die ,-Schichit-a", die Einrichtung und A-ufrechterhaltung des Schächtens bildet einem «cht unwesentlichen Bestandteil -einer jeden geregelten, auch der liberalen jüdischen Gemeinde und deren Verwaltung. Dieses Schächten hat in «den letzten Jahrzehnten vielfach die öffentliche Meinung beschäftigt und ist von gegnerischer Seite zum Gegenstand heftiger Angriffe gemacht worden. Man hat dasselbe als Tierquälerei ansehen wollen und Verbotserlasse dagegen nachgesucht. Erst jüngst wieder ist in einer in München adgehaltenen Jahresversammlung des Tierschuhve-rbandes seitens eines Vertreters des Düsseldorfer Tierschutzvereines ein neuer schwerer Vorstoß gegen das Schächten unternommen worden. Es dürfte daher angebracht erscheinen, unseren Lesern einiges über Ritual und Bedeutung des Schächtens zu Bewußtsein zu bringen. Das Schächtgesetz ist bereits «in der Thora begründet und verankert, wenn es auch hier nicht näher in seinen Einzelheiten ausgeführt wird. Die rituelle Tötung der Tiere vor dem Genuß des Fleisches derselben wird im Pentateuch schon als ein altes mittelbaren Arerlebnis der Wechselwirkung zwischen psychischen Md physischen Vorgängen den Begriff der Kausalität aib. „Aus idieser Arerfachrung läßt sich unser Weltbild ableiten." Leider erlaubt es der Raum nicht, hier aus dem von ihm geschaffenen Zentralbegrifs der „funda-mentalen Apperzeption" einzugehen, aus dem ihm sein Gvttesbe-griff erwächst. Gott ist für ihn d-er schöpferische Wille. „Erst wenn wir das gesamte kosmische Geschehen auf einen schöpferischen Willen zurückführen . . . erst «dann bekommt unser Weltbild den so heiß ersehnten Abschluß und wird erst dadurch zu einem einheitlichen und ln sich geschlossenen Gedanken. Wir können uns diesen schöpferischen Willen niemals anders als anlhropomorphi-sch denken. Wir können ihn uns aber verstellen als den Urheber der Naturgesetze, die er ein für allemal Weben hat und die er nach dem tiefsinnigen Worte des Psalmisten Lchök nathan welo jaabor”) selber nicht Übertritt. Er hat aber auch, wie es beim Propheten Micha heißt, dem Menschen gesagt, was das Gute sei, und bars in diesem Sinne als die Ou-clle des Eitlengesetzes, als die höchste Sanktion für die Forderungen der Menschenpflicht und der Menschenwürde gelten. So,bildet also der ethische Monotheismus der alt-israeiitischen Propheten für mich die Grundlage für eine Verstand und Gemüt in gleicher Weise befriedigende Weltanschauung, die noch dazu nrit «einem Ergebnis der Forschung jemals in Widerspruch geraten kann/' Aus dem Gebiete der Ethik lehnt Jerusalem den Apriorismus Kants womöglich ncch schärfer ab, als auf dem der Erkemunisth-corie, für ihn „ist die Gesellschaft die Geburlsstätte des sittlichen Bewußtseins". Die Pflichten sind nach ihm soziale Imperative, und der „erhabene Arspruug" der Pflicht liegt nicht, wie Kani meint, in d-er Persönlichkeit, sondern in her über dem Individium stehenden Macht und Autorität der zur organischen Einhei! zusammengcschtosscnen Gesellschaft. Hiermit begründet 3cruiaiem die soziologische Ethik, die sich in -ein reich gegliedertes, alle Funktionen des Indivi-diums und der Gesellschaft umfassendes Echtem verzweigt. Auf -der Soziologie, also der empirischen Gesell sch aftslehve, basiert die Moraiph-ilosophie dieses Denkers, gleich Die seine Erkenntnislheo-rie sich auf Physik und Biologie aufbaut. City Ge-dankenbau ruht auf der Grundlage des Realismus und türnff. sich empor bis in die höchsten Regionen des Idealismus. Der' kritische R e al i s m u s , zu dem er sich bekannte, Durste f5p chn die Gruridlage zu einem sozialen, ethischen, Melaphysif^»en und religiösen Idealis mus , der den Blick aufs Ganze gerichtet hält und die Wege zur Höherentwicklung der m zeigen und zu bahnen bemüht ist. Er lehrte, daß durch das Zuisam>menleben der Menschen Erkenntnis und Wissenschaft, Sittlichkeit und Recht, Schönheit und Kunst, Philosophie und Religion geschaffen und immer wieder ousgestaltet worden sind. Welt und Leben waren für ihn eine Aufgabe, die der göttliche Schöpserwille dem Menschen gestellt hatte. „Füllet die Erde und bezwinget sie," sprach Gott nach dem Berichte der Genesis m den ersten Menschen, als er sie in die Weit setzte. Gestaltet «die Erde nach euren Idealen um, zuerst aber müßt >.)r vvrmosäisches Gesetz betrachtet. Gehört -sich' baS Verbot beS Fleischgenusses von noch lebenden Tieren zu den sogenannten „7 noachidischen Gesehen", ü. h. zu jenen sittlichen Grundgeboten, zu deren Beobachtung nicht bloß die Israeliten, sondern auch die anderen Völker als verpflichtet geholten werden. „Jedoch das Fleisch mit seinem Leben, sein Blut sollt ihr nicht genießen", so heißt es in der Schrift. (1. B. M. Kp. 9 V. 4), die nun zwar die genaue Art der Tierschlachtung nicht angibt, sie aber als ein Gesetz der Tradition bezeichnet, und zwar in den Worten: „und schlachte von deinen Rindern und deinen Schafen, — wie ich dir befohlen habe." 5. B. M. 12, 21). Das „wie ich dir befohlen habe" soll die Schlachtweise des überlieferten Gesetzes andeuten, dessen Einzcliheilen und Vorschriften auss eingehendste in den talmudischen und rabbinischen Schriften bestimmt und geregelt werden. — Was das Ritual selbst betrifft, so hat das Schächten durch ein langes scharfes, völlig schartenfreies Messer zu geschehen, das von der Hand - des Schächters geführt, mit einem jähen Schnitt die Luft- und Speiseröhre sowie die an beiden Seiten liegenden großen Blutgefäße, die Arterien und Venen, zerschneidet. Der Schnitt muß in denkbar kürzester Zeit durch rasches Hin- und Herziehen des Messers, ohne auch nur einen Moment anzuhalten, vollzogen werden, so daß das Blut mit großer Gewalt hervorzuströmen vermag. Worauf es aber vor allem ankommt, ist, daß das Tier in völlig gesundem Zustande geschlachtet und nicht etwa vorher betäubt wird. Die Betäubung verletzt innere Organe und ruft Druckschwankungen im Gehirn und Rückenmark hervor, wodurch die Blutentleerung gehemmt wird, die am besten und wirksamsten bei gänzlicher Integrität des Tieres zur Geltung kommt. Damit auch sonst die Möglichkeit schmerzhafter Verletzung vermieden wird, muß die behufs Ausführung des Schächtsschnittes notwendige Riederlegung des Tieres mit großer Sorgfalt geschehen, denn sonst würde das Fleisch „trefa"", d. h. genußverboten für den Juden werden. Das Schächten darf nun nicht etwa durch irgendeine beliebige Person erfolgen, sondern nur durch den Schächter selbst, der eigens für sein Amt approbiert, die physiologische Struktur -des Tieres sowie die bezüglichen rituellen Vorschriften aufs genaueste kennen und Proben seiner theoretischen und praktischen Fähigkeit abgelegt haben muß, bevor er zu dem Amte zugelassen wird. Wie von dem Schächter ein religiös und sittlich einwandfreier Lebens-rvandsl als selbstverständliche Vorbedingung verlangt wird, so hat er mit dem sittlichen Ernst einer religiösen Handlung an die Schächtung heranzutreten und vor derselben den vorgeschricbenen Segen zu sprechen, durch den der ganze Schächtakt einen geheiligten Charakter erhält. Aus alledem geht mit Deutlichkeit hervor, daß das rituelle Schächtverfahren auf die größtmöglichste Schmerzlosigkeit beim Schächten hinzielt und -eine leichte und schnelle Beseitigung des Todeskampfes bei dem zu schlachtenden Tiere bezwecken will. Durch die plötzliche Ausleerung der Blutgefäße infolge der Oeffnung der Hauplblutadern am Halse tritt wohl augenblicklich eine vollständige Lähmung des Gehirns ein, dem Bewußtlosigkeit und möglichste Aufhebung des Schmerzes folgen. Die etwa noch hervortretenden konvulsivischen Bewegungen und Zuckungen dürften nichts als bewußlose Reflexbewegungen der Muskelgebrlde bedeuten, welche unwillkürlich von dem verblutenden, bewußt- und empfindungslosen Tiere aüsgeführt werden. Gewiß soll man nicht verkennen, daß alle ^Gutachten, selbst die der größten Autoritäten, keinen unbedingt beweiskräftigen Wert beanspruchen können, sie sind nur der Ausdruck einer subjektiven Aeberzeugun-g. Welche Schiachtart mehr oder weniger - Schmerzen verursacht, läßt sich objektiv überhaupt nicht bestimmen, da, wie mit Recht ein Begutachter hervorhebt, der beste Zeuge versagt, nämlich das Tier selbst, an welchem die Aeberführung vom Leben zum Tode verwirklicht wird. Die menschlichen Empfindungen aber eines mit dem Tode ringenden Individuums sind sehr verschieden, da bei manchen schon eine kleine Wunde seelischen Schmerz und Ohnmachtsansälle zu verursachen imstande ist. Aber soviel dürfte doch mit Bestimmtheit behauptet werden können, daß die jüdische Echächtwcis-e zum mindesten nicht scklechter und unhumauer ist, als die anderen Tötungöarten der Tiere, seien es Kopfschlag oder Genickstich. Ja, wenn man nach -der auf. die Nerven der Zuschauer erzeugten Wirkung urteilen sollte, so müßte man gewiß eingrsiehen, daß letztere Sch lach tmelh öden ein weit häßlicheres Schauspiel darbieten, selbst wenn «dazu noch die Schußmas-ke und der Bolzcnschlag zur Anwendung gebracht wird. Denn hier ist «in vielen Fällen ein Mißlingen und Versagen zu beobachten, indem dem ersten Fchischlag oder Fehlschuß oft noch eine oder mehrere Wiederholungen folgen müssen, um eine Tötung oder auch nur Betäubung des Tieres herbeizusühren: gewiß ein für den Zuschauer widerwärtiger und empörender Anblick! Jedenfalls dürfte für den unvoreingenommenen Beurteiler gewiß sein, daß die angeblichen Vorzüge der Betäubung nicht erwiesen sind, und darum zur Rechtfertigung eines Zwanges, der aufs schwerste in die Gewissensfreiheit einer anerkannten Religionsgemeinschaft eingreift, jegliche Unterlage fehlt. Man sollte sich überhaupt hüten, einer'Religion, die schon vor Iahrlausenden inmitten einer Welt voll Finsternis und Barbarei den Tierschutz als sittliche Pflicht hin-gestellt und zum göttlichen Gebot erhoben hat, den Vorwurf der Tierquälerei entgegenzuschleudern. Alan bekämpft ja aber auch im Schächten weit weniger die angebliche Tierquälerei als die zur Zwangsvorstellung gewordene „Macht und Vorherrschaft des jüdischen Einflusses". Der ganze Vorstoß gegen -das Schächten erweckt nur allzusehr den Anschein, als möchte man «bie jüdischen Mitbürger dem allgemeinen Hasse aussctzen, wie man etwa in früheren Zeiten die Volksleidenschaften gegen die Juden erregte, indem man das Märchen der Biutbeschu'idigung gegen« sie verbreitete und ihnen dadurch unsägliches Leid zufügte. Wennwir aber das erwägen, dann werden wir die rechte Stellung-, nähme zur schäü)ifeindliche-n Bewegung gewinnen. Gewiß wollen: wir in Anerkennung der durch die Humanität gebotenen Pflicht g-eru, soweit cs die Vorbereitun-geu zum Schächten betrifft, alsp etwa beinr Ri-ederlegeverfahre-n, wohlgenreinje Verbesserungsv-orschläge berücksiäitigen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, in der Sache selbst aber wollen wir uns durch alle Angriffe nicht: beirr-en und in ungünstigem Sinne beeinflussen lassen. Wir werden «uns vielmehr -nach wie vor mit aller Energie sträuben gegen' jedwede Maßnahme, die einen Eingr-iff in die Gewissensfreiheit: des Judentums bedeutet, und wir wollen die edle Würde und stolze Selbstachtung, die wir in allen Fragen des Gewissens und derj religiösen Aeberzeuguwg zu bekunden haben, auch der altgeheilig-, ten Schechita-Jnstitution gogenüber -an den Tag legen, die viel-i leicht nicht zum wenigsten zur Erhaltung des Judentums «unÄs «seiner Bekennerschaft beigelragen hat. Schon nach alter jüdischer Auffassung ist das Schächten der Tiere deshalb vorgeschrieben, weil sie dem Tiere den geringsten Schmerz bereitet und auch bei dem Menschen eine Verrohung und Abstumpfung des Gemütes verhindert. So meint der große Lehrer des Mittelalters Moses Maimonides (12. J-ahrh.) „Das Gesetz be-stimmt die leichteste Todesart und verbot, die Tiere mit Grausamkeit zu töten, sie zu siechen und zu erwürgen." Bedeuten ja doch -auch die Gesetze der Torah über die Behandlun«g der Tiere eine der schönsten Seiten des Mosaismus, der nachdrückliche Bestimmungen über Schuh und Schonung der Tie-re aufgestellt -hat. Aber auch von andersgläubiger Seite hat die jüdische Cchächtmechode die günstigste Beurteilung und Anerkennung gesunden. Jm Jahre 1894 wurden Gutachten eingeholt, und eine Reihe «der anerkanntesten Physiologen, Tierärzte, Schl-achthofl-eiter und rntderer Fachmänner — ich nenne nur Virchow, Walümeye«r, Dubois- Reymond, Pettenkofer — haben sich zugunsten des Schächtverfahrens als einer durchaus einwandfreien Methode ausgesprochen und erklären übereinstimmend, daß bei dem rituellen Schächten mit irgendeinem Schimmer des Rechts von Tierquälerei nicht die Red-e sein kann. And ebenso liegt aus dem Jahr« 1908 eine Gutachtensammlung vor, die aufs -neue beweist, daß unsere bedeutendsten Autoritäten auf diesem Gebiete von der Berecht«igung u«nö Anerkennung der jüdischen Schächtmethode durchdrungen sind, ja ihr mehrfach als einer Maßnahme von eminent hygienischer Bedeutung den Vorzug vor airderen Methoden verleihen. 2. Jüdisches Werbefportfest der -^Bis^. Am Sonntag, den 30. August d, J., veranstaltet die „Vis^! (Vereinigte Aebungsstätten jüdischer Sportoe-rbä«nlde) ihr 2. Werbe-s sportfest auf dem Sportplatz des Berliner «Sportklubs, Kurfürstear-s dämm, Ecke Cice-rostraße. Alle der „V-is" onyeschlossenn Verbände (Bar-Kochbo, Bar». Giora, Jüdischer Turnverein Berlin 1905, Box«klub Macoabt^ Deu tsch-Jüdi sche Jugendgemein-schaft, K. C., K. 3. V. und die Ortsgruppe Berlin des Reichs-bundes jüdischer Frontsoldaten)! haben ihre Mitwirkung zugesagt. Ferner werden auswärtig^ jMsche Vereine un-ö bekannte jüdische SporÄer sich an den Wett-( kämpfen beteiligen. Reben leichtathletischen Wettkämpfen sind Box- und Jui-Jitsu-j Kämpfe vorgesehen. Ferner Volkstänze der Deutsch-Jüdischen! Jugendgemeinschaft. Die Ausschreibungen sind bereits erfolgt, und.! es liegen auch schon zahlreiche Meld«u.ngen vor. i sie erkennen und begreifen. Ritt de-n religiösen V>orsiellu-n«gen waren, die sozialen Imperative von Anfang an verknüpft, u-nd schließlich müssen wir die großen Menschheitsgebote wieder als d-e-n Ausfluß des göttlichen Willens ansehen, der in jedem Menschen wirksam zu werden vermag, denn „er hat dir gesagt, o M-ensch, was das Gute ist," spricht der Prophet. * Die Entbehrungen, die Wilhelm Jerusalem, wie alle Wiener Intelie-ktnellen, b-cisonders d-'.-r jüdischen, zu ertragen hatte, untergruben die Gesundheit des prächtigen Rlannes, dessen äußere Erscheinung ein treues Abbild seines kernh-aften, harmonischen, weltsre-udigen Wesens war, — trotz d-er hingebungsvollen Pflege der Gattin und der Tochter. Er starb c-ineS sanften Todes am 25. I-uli 1923; einige Wochen zuvor halte ihn die ^legicrung zum ordentlich-cn Professor ernannt. Kanaans Obstbau. Von W i l h. W ö I k e r li n g. In öcr Gesellschaft des edlen Weinstockes und des geschätzten Oeibaumes fand sich in den Gärten Kanaans als Dritter im Bunde gar häufig der cdenso nützliche Feigenbaum, von^dein auch die Kundschosler die süßen Früchte als Beweis für die Fruchtbarkeit des verheißenen Landes mitbrachtcn. Kein Gewächs gewährte folcken Schuh gegen die heißen Strahlen der östlichen Sonne wie sein dichtes Laubwerk. Er fand sich überdies auch häufig wild vor. In trauter Ge ine ins (hast mit den Palmen um säumte -er die vereinzelten Oasen am Toten Rleerc, wucherte als buschiger Strauch in der baumlosen Einöde von Jericho, siedelte sich an den Ouellcn der Bäoi:c an, belebte die zerrissenen Klüfte und war in den Tälern von Sichcm bis Salem überall anzutreffen. Der unbezahlbare Wert des Feigenbaumes bestand in den süßen, nahrhaften, birnförmigen Früchten, die roh oder getrocknet in allen Volkskreisen viel gegessen wurden. Eie dienten aber auch arzneilichen Zwecken. Pflaster aus Feigenkuchen palten als wirksames Acillrl gegen bösartige Geschwüre, wie dies z. B. der König Hiskia, -durch den Propheten Jesaia dazu angeregt, an sich selbst erfuhr. Allgemein waren die Palmen. Nicht umsonst nannten in allerdings späteren Zeiten die alten Griechen und Römer Kanaan Phönizia, ö. i. Palmenland. Der römische Kaiser Vespasj-on ließ sogar zu Ehren seines Sohnes Titus, der Jerusalem erobert hatte, Denkmünzen prägen, auf denen unter einer Palme, als Wahrzeichen des Landes, die w-einende Judäa saß. Die Palme gedieh in besonderer Aeppigk-clt beß E-nged-i an der Westküste des Toten Meeres. Die Gegend um Jericho glich zu Moses Zeiten einem gewaltigen Pa.menholn, und auf der Höbe zwischen Roma und Bethe! stand die T-cboral.-valme. Die Frückle dieser reichtragenden Bäume, die bekannten Daticin, vereinigten nach danraliger Anschauung die Süßigkeit der Feigen mit .dem erfri-schenben Saft der« Weintrauben und dem säuerlichen Geschmack der Granatäpfel! und galten darum für ein beliebtes Nahrungsmittel. Von unschätzbarem Werte -aber waren sie im getrockneten Zustande «auf! der Reise, bildeten sie doch di-e einzige -Speise in dem lveaetattons-s losen Ebenen. Anker allen Obstdäumen galt indes der Ri-mmon ober Granat-- apfelbaum für die schönste Zierde eines Gartens A-nd erfreu-te mit' seinen d-unkeiroten Blüten zwischen den glänzenden'lanzettförmigen^ Blättern das Auge seines Besitzers. Die glatte gelbe, mit einem schwach rötlichen Scheine angehauchte Frucht von der Form und Größe unseres Apfels hat als Beere im Innern sechs bis acht unregelmäßige Fächer, die in dem rötlichen, saftigen, süßsäuerlichen Fleische die weißgelben Samen bergen. Der Granatapfel, d-en schon Moses zu den vornehmsten Früchten des Landes zählte und über dessen Acangel das in -der Wüste umherzichende Volk so j-öhr klagte, war aber auch als Sinnbild des göttlichen Segens und Friedens als Verzierung am Tempel und am Saume des hohenprlesterlich-en Gewandes dargestellt. Die Maulbeerfeig-e glich in ihrem äußeren Kleide unserem^ weißen Maulbeerbaume und fand sich, da sie einen höheren Grad von Wärme verlangte, meist -nur in den Gründen der Ebenen des Jordantales, am Kison und au der Westküste. Ihre stiellosen Frückle waren weniger würzhast und süß als die echten Feigen: dafür aber lieferte der Baum ein leichtes, dabei festes Holz von fast unverwüstlicher Dauer, das vorwiegend bei dem Häuserbau Verwendung fand. Der Mandelbaum gehörte zu den bekanntesten Bewohnern des morgenlündischen Gartens, kam aber ebenso vielfach wild vor. Schon frühzeitig trieb er seine vielen rötlichen oder fleischfarbenen Blüten -an den noch blätterlosen Zweiaen, weshalb auch die blühende Rcandelrule als Symbol des Frür-ausseins und der Wachsamkeit galt. Die Früchte, deren zähes Fleisch ungeniesz-bar war, lieferten die bekannten braun-schialigon Kerne, welche schon danrals wegen ihres milden, fettigen Geschmackes von den Hausfrauen als Würze an süßen Gebacken große Beachtung fanden. Rußbäume gab es besonders in E-aliläa, obschon die Verwendüng der Früchte nicht nachweisbar ist. Pomeranzen zierten die Laubh-ü-Uen, dürften aber vor der babylonischen Gefangenschaft von außerhalb einge-führt worde« sein: denn erst zur Zeit der Maickabärr begann man mit te Kultur der Bäume. Vereinzelt fand sich auch die Pistazie mii ungleich geflederten, scymusiig grünen Blättern und weißlichen Blüten an den Spitzen der Zweige. Die h-aselnußgroßen Früchte haben in einer wohlriechenden. ste-sc?)faibwen Hülle e-inen grünvn, öligen Kern der angenehm würzig schmeckt. Die Pistazien sotten auch zu den stj-rüchten gehört l-Ben, welche die Getreide kaufenden Kinder Jakobs dem agypiis^en Slalthaltcr als Geschenk mitbrachlen,. '