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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-07-24 · 30 (24.7.1925) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
30 (24.7.1925)
Date
1925-07-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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§eich ßetolrW fyat, so mfiffetf tfrir auch in Zukunft mit allen Kräften danach streben, diese Werke fortzusehen und auszubauen. In der Bekämpfung des sozialen Elends, in der Abwehr des Judenhasses, in der Heranbildung der Schuljugend und der Schulentlassenen im Sinne des Judentums, in der Unterstützung aller derjenigen Organisationen, welche für die Förderung der Wissenschaft des Judentums, für die Heranbildung von Rabbinern und Lehrern zu sorgen haben, müssen wir weiter wie bisher an erster Stelle tätig sein. Dann wird — vielleicht gefördert durch segensreiche Arbeit des preußischen Landesverbandes und durch e-in neues Judengesetz — hoffentlich bald die Zeit herankommen, wo wir nach vielen Jahren des Niedergangs einen Wiederaufstieg des deutschen Judentums erleben. Das Judentum des Judentums. Von I. Wolfssohn, Breslau. Ein großer Dichter der Antike hat Athen ,chas Griechenland Griechenlands" genannt. Von Sizilien erzählt man rühmend, daß Goethe es als „das Italien Italiens" bezeichnet habe. Auch im Judentum hat oft bei einzelnen Richtungen die Neigung bestanden, sich als Judentum des Judentums zu betrachten, und was noch mehr, dafür auszugcben. Es war natürlich), daß diese Richtungen die anderen nicht als Bolljuden ansahen. Wir lesen noch heute m Luschans Buch von den Rassen, daß ein Aschkenas ihm gesagt hätte, die Spaniolen (Sephardim) seien eigentlich gar keine richtigen Juden. Aber abgesehen von diesem Einzelfall besteht auch noä) bis in die heutige Zeit die Neigung bei den Orthodoxen der verschiedenen Schattierungen die von ihrem Standpunkt linksstehenden zumindest nicht als so gute Juden wir sie selber anzuschen. Uns Liberale betrachtet nran nicht nur nicht als Juden gleicher Güte, sondern überhaupt nicht als Volljude)). Einen besonders scharfen Ausdruck fand dieser Standpunkt gelegentlich der Wahlen zum Landesverband. Die ganz orthodoxe Richtung, die sogenannte .Halberstädter", lehnte es ab, eine Versammlung als Vertretung des Judentums anzusehen bzw. ihr die Vertretung jüdischer Interessen anzuvertrauen, in der die weitaus größere Meyrzahl einen anderen Standpunkt wie den ihrigen einnahm. Alle diese Richtungen erblicken in der mehr oder, minder peinlich genauen Befolgung aller auch nur irgendwann, irgendwo und irgendwie erlassenen religiösen Vorschriften das Judentum des Judentums. Für sie heißt eine weitere Entwickelungsfähigkeit der Religion nach dem Zeitpunkt des Schulchan Aruch annehmen, d. b. für möglich halten, den Kern des'Judentums schädigen. Diese Ansicht wird bei den einzelnen Graden der Orthodoxie gemildert, je inchr sie sich von deren rechtem Flügel entfernen. Etwas anderes ist es in dieser Beziehung mit dem Zionismus. Bei diesem können eigentlich nur die MiSrachi für eine solche Auffassung in Anspruch genommen werden, weil bei ihnen mit der Idee eines nationalen Judentums auch die strengste Befolgung aller religionsgejctzlichen Vorschriften verbunden ist. Aber auch der sonstige Zionismus neigt stark zu der Auffassung hin, daß es ein Judentum des Judentums gibt, und daß dieses Judentum des Judentums in einem wieder errichteten jüdischen Staatswesen auf den) Boden des heilig«) Landes zu erblicken sei. „Denn dort soll das Gesetz Moses gelebt werden." So sagte Eurt Blumenfeld jüngst in einer Versammlung, die hauptsächlich der zionistischen und auch der anderen jüdischen Jugend galt. Aber er sagte nicht, in welcher Weise das Gesetz dort gelebt werden sollte: ob in der Auffassung der Zeit, in der es gegeben, oder i» einer modernen, ob in einer Auffassung, die für alle Länder und alle Zonen maßgebend sein kann, oder in einer solchen, die nur für Ort und Zeitverhaltnisse von Erez Jisroel angemessen ist. Er deutete auch nicht an, in welcher Weise die Emanation, die wohltätige Ausstrahlung des gelebten Gesetzes auf die im Galuth lebenden Juden vor sich gehen könnte. Es sei an dieser Stelle gleich bemerkt, daß ein in modernem Sinne gelebtes Gesetz schwerlich die strengen Orthodoxen zu einer auch nur etwas milderen Auffassungbekehren würde. Dagegen sagte Herr Blumen seid, der Sekretär der Zionistischen Vereinigung, daß sehr viele derjenigen, die nach Palästina gewandert, um dort dauernd zu wohne», zu leben und zu arbeiten, vielleicht enttäuscht sein werden, und daß der wirkliche, der ideale, der ti efin ne rli ch e Zionismus höchstens bei zehn von hundert sich Zionisten mammwmamnmmmmBmmKaBmaaBmBammammmmgsmmmmmmmammm mungsgewalten erliegend, die hier wie dort auch den Wn- und Andersgläubigen in ihren Bann zwingen. Wem diese Ehristnsaeschichte im Original vertraut geworden, der fühlt auch beim Lesen der Äeberfetzung den ersten Eindruck nochmals in sich aufzittern; ihm drängt sich in der Wirkung dieses matten Spiegelbildes vielleicht noch lebhafter die Ueberzeugung auf, daß hier zum erstenmal ans dem Leben Christi ein bedeutendes, dichterijckeS Kunstwerk geschaffen wurde. Doch nicht an stilistischen Qualitäten ist der Wert einer „Lebensgeschichte Ehristi" zu messen. Der Wert dieser einen auch nickt' nach ihrer Verläßlichkeit, Glaubwürdigkeit, geschichtlichen Treue, an die Historiker, Religionsphiiosophen, Theologen ihre kriiischen Sonden an legen mögen. Der Laie, der unbewandert i» der Wissenschaft der Evangelienforschung und der Textkritik sich vielleicht durch die Ehristusgeschichte Renans, niemals aber durch jene der Hase, Schleiermacher, Strauß oder Hegel durchgckämpft hat, kann hier nicht mitreden: kann nicht einmal vermutungsweise eine Ansicht darüber äußern, wo Papinis Werk einst in der Geschichte der Geschichten Christi sein Platz zugewie- Ki) werden wird. Aber für die Historiker, Religionsphilosophen und Theologen, denen diese Zuweisung obliegt, die das Werk daraufhin prüfen, wägen und zerpflücken, an mancher Abweichung vcu der überlieferten Anschauung, an mancher zu novellistischen Formulierung, zu phanrasievollen Darstellung der biblische» Episoden Anstoß nehmen müssen, für sie ist ja dieses Werk gar nicht aeschrieben worden. Der Suchende schrieb es für seinesgleichen: für Menschen, deren Not inmitlen dieser gottverlassenen, sich selbst in Kamps und Eigennutz zerfleischenden Welt groß und noci) größer ist, deren Hunger und Durst, deren Armut und -Krankheit, deren Sorge und Scham, deren Sehnen und Mollen ciu einziger Schrei nach einer Umkehrung des Lebens — wie Promi 'sagt: Ein einziger unbewußter Schrei nach der Wiederkehr Christi ist. Er. Giovanni Papini, dessen Zunge gelöst wurde, um diesen Schrei auszustoßen, einen lauten und vernehmlichen Sckrei, einen Schrei von sechshundert Druckseiten, durch die eine Eint und Hingabe zittert, daß dem Leser mehr noch, als das meisterhaft erzählte Leiden des Erlösers das Leiden der noch zu Erlösenden ans Herz greift, er hat den Gott-Menschen für sich acsuliden und wiederum aufersiehen lassen. Und wenn er im lctzlon Kapitel seines Buches, dem erschütternden „Gebet zu Lbristus", mit einer alles aufwühlenden Leidenschaft der Sprache fleht, der Herr möge sich wieder, ein einziges Mal, einen Augenblick, die Dauer eines Blitzes, die Ewigkeit einer Sekunde lang nur, ihnen allen, dem gemarterten, erstickenden, in Blut und Schande, Eiter und Kot verkommenden Menschen offenbaren, so suhlen wir: Er, Giovanni Papini, geboren zu Firenze im Jahre 1882, Journalist und Schriftsteller, Verfasser von Essays und Novellen, kritischer und polemischer Bücher, hat Christus, hat Gott gesehen. Wie ist es um die seelische und praktische Existenz eines mitten im Leben, i'm Erwerbsleben stehenden Menschen der heutigen Zeit bestellt, der Christus auf diese Weise in sich herumträgt? Aue setzt er, kein Säulenheiliger und Weltflücht: gcr, sich mit den praktischen Anforderungen feines Milieus, seines Berufes, seiner Familie auseinander, der die zweitausend Jahre alte Lehre Ehristi, dir Lehre von der Auffassung des Reichtums als Strafe, vom Bieten der linken Backe, von der gebotenen Umwandlung aller Gelbstliebe und joden FeindeShastes in das gerade Gegenteil als nemnenden, vielleicht gar mw bet ftfnf vochanLen lfd Aehnlich sprach Lenin von seinen Anhängern; er soll sogar nur auf zwei Prozent wirklich überzeugter, klar denkender um une-igennütziger Bolschewisten gerechnet Huben. Ämzuerkennen ist jedenfalls die Wahrhaftig Keil, die darin lag, daß der Sekretär der Zionistischen Vereinigung ohne weiteres einen unbedingt echten Zionismus nur bei einem verhältnismäßig geringen Teil seiner Parkeianhänger zugab. MS unbedingt wahr muß auch angenommen werden, daß bei diesen zehn vom Hundert (nehmen wir ruhig di« größere Zahl an) der Zionismus und feine Betätigung im heiligen Lande etwas Lebensnotwendiges ist, daß sie ohne die Möglichkeit dieser Betätigung sich niemals dem Beruf des Landmannes und Handwerkers gcrgewendet hätten. Sicher erscheint ferner, daß ein Teil der oftzüdischen Arbeiter, die eigentlich m-ehr als Anhänger eines Kommunismus nach Palästina gekommen, durch ihre Beschäftigung in Erez Jisroel wieder zu religiösem Empfinden und religiösem Leben gelangt sind. Aber selbst wenn wir all« diese auch für uns hochinteressanten Schilderungen zionistischer Ideenwelt, wie wir sie von Curt Blumenfeld hören, als vollkommen mit den Tatsachen übereinstimmend einseh en, so ist doch nur für einen verhältnismäßig geringen Bruchteil von Juden das Judentum des Judentums im Zionismus gegeben: eine Art Judentum, das die anderen in Wirklichkeit wenig oder gar nicht mit- und nachempfinden können. Denn alles Große und Anerkennenswerte, was dort in Palästina in verhältnismäßig kurzer Zeit geschaffen wurde, sind wohl Werke jüdischer Menschen, aber es sind »eine jüdischen Taten. Denn spezifisch Jüdisches ist in dieser Art Arbeit nicht «nthalten, und Juden haben solche Werke und solche Arbeit (auch Handarbeit) auch auf anderem Boden geschaffen. Es sei hier von allem anderen schon oft Erwähnten abgesehen, nur an die Siedlungen der Ehaluzim in Weiß-Rußland erinnert, die sich in jüngster Zeit dort anscheinend mit großem Erfolg vollzogen haben und dort vollziehen. Und am meisten bezeichnend für den rein nationalen Standpunkt, dem es Hauptsächlich auf ein eigenes Staatswefen ankam, ist die Tatsache, daß an der jüdischen Universität zu Jerusalem bei deren Eröffnung eine religionswissenschaftliche Fakultät sohlte. Man denke, was das heißen will, die erste Universität des Religionsvolkes (und nunmehr auch Staates) ohne Religionswissenschaft. Wie stehen wir Liberale nun zu dem Begriff ,chas Judentum des Judentums?" Gewiß ist, daß auch wir einen solchen Begriff kennen, aber ebenso gewiß ist, daß wir ihn niemals einem Menschen aberkennen werden und können, der die Grundbegriffe der jüdischen Religion in sich trägt und betätigt. Diese Pfeiler des Judentums sind reiner Monotheismus und Nächstenliebe. In deren Verbreitung liegt di« Mission Israels und ihre Verbreitung unter alles das, was wir heute Kulturwelt nennen, hat bereits stattgefunden: wenn auch nicht in garcz vollkommener Weise und wenn auch nur mittelbar, so doch immerhin durch das Judentum. Das Gesetz MoseS, es wird schon gelebt, überall da, wo jeder Arbeiter das Recht auf einen Ruhetag nach sechs Arbeitstagen hat, wo soziale Einrichtungen für arme, elende, kranke Menschen geschaffen sind. Wir können nicht das Recht für uns in Anspruch nehmen, daß wir heute noch allein diejenigen sind, die einen wahrhaften Tag der Ruhe feiern, die ausschließlich Herz und Sinn für Uebung von Wohltätigkeit und Nächstenliebe hegen. Aber wir dürfen uns nie das Recht nehmen lassen, das Recht der Priorität, daß in Reinheit und Vollkommenheit das Judentum als erstes der Welt diese Gedanken gebracht hat. Weil wir sie noch weiter verbreiten, weil wir sie noch völliger in Leben und Wirken, in Arbeit und Handeln uinsetzen wollen, müssen wir jeden gewaltsamen Abschluß jüdischer Menschen von der andersgläubigen Umwelt bekämpfen. Das ist die scharfe Linie, die uns vom Zionismus und auch von der Orthodoxie trennt. Wenn bei diesen beiden Richtungen Furcht herrscht, daß durch Abstreifen irgendwelcher Aeußerlichkeiten das Judentum leiden könnte, wir dürfen dieses Gefühl niemals kennen. Ja, wir werden manchmal ein gegenteiliges freudiges Gefühl in solchem Falle haben. Ein Beispiel: Herr Blumenfeld erzählte in dem oben erwähnten Vortrag, der-Führer der Zionisten in Litauen habe ihm gesägt, daß' in dreißig Jahren die litauischen Juden alle litauisch sprechen würden. Wir begrüßen das mit Freude, wir versprechen uns von dieser Verwurzelung unserer litcmifch'rn Glaubensgenoffen mit ihren andersgläubigen Mitbürgern Gutes für Litauen und seine Juden. Und wir glauben, wir werden Recht behalten. Das Judentont -es Judentums wird nicht unter diesem Verständigungen, uveier Telle einer Bevölkerung leiben. Das Judentum der Indenmms, feine innersten Wahrheiten werden sich erst recht «inleben und elnbürgern. Genau so wie in diesem kleinen Teil des östllchen Europa steht es auch im großen Osten, in Rußland, mit den Juden. Wie sich die Sowjets auch zur jüdischen Religion stellen mögen, sie werden die Juden nicht bolschewisieren können. Wohl aber werden die in Rußland lebenden Juden durch diese Einordnung ln das Gefüge und Leben des Staates ruf si fixiert werden. Auch dar wird für beide Teile gut sein. Im allgemeinen gibt es ja bei der Intelligenz der jüdischen Orthodoxie wohl nur wenige, die von einem bürgerlichen Zusammenleben'der jüdischen Konfession mit der christlichen heule noch einen Schaden für das Judentum erblicken, und im Grunde genommen wollen wir ja nichts anderes. Aber ein bedeutsames Zeichen, daß der vielgeschmähte Liberalismus mit seine») verdammungswürdigen Assimilantentum noch nicht so ganz unrecht hat, ergab sich jüngsthin aus der ersten Tagung des Landesverbandes der preußischen Juden, Dort hat Dr. Klee, der Führer der Berliner Zionisten, ein bedeutsames Wort gesprochen. Herr Dr. Klee hat gesagt: „In deutschen Dingen wollen wir deulsth reden und handeln, in jüdischen jüdisch". Können wir uns wohl eine stärkere Anerkennung unserer Grundsätze von gegnerischer Seit: wünschen? Denn wenn der Zionismus dem deutschen Juden gestattet, in Dingen seines deutschen Vaterlandes deutsch zu reden und zu handeln, zersälit dann der Begriff eines jüdischen Volkes und eines jüdischen Rational-' st-aates in ein Nichts? Wir wollen hoffen und wünschen, daß die. Auffassung, zu der sich Herr Dr. Klee allen) Anschein nach ent-, wicnelt hat, von seinen Parteifreunden möglichst zahlreich ge-i teilt wird. Dann werden wir einen Boden finde», auf dem wir mit den. deutschen Zionisten glatter und reibungsloser arbeiten können, arbeiten können auch für liberale Gedanken, für die Auffassung« von) Judentum des Judentums. Berlin. (Liberaler Synagogenverein Norden, Schönhauser, Allee 162.) Der Gottesdienst beginnt regelmäßig an jedem Frei-, tagabend um 7 Uhr 15, am Sonnabendvormittag'um 10 Ahr. Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Am Mittwoch, den 29. Juli (9. Ab.), abends 7 Uhr 15, Gottesdienst mit Predigt. Karten für die hohen Festtage sind noch in beschränkter Anzahl in unserer. Geschäftsstelle (Ä. Zander, Berlin (£54, Liniensiraße 45, Telephon Norden 3233) zu haben. Bestellte Karten müssen' bis zumi 31. Juli abgeholt werden. BreSlau. (Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiger".)! Sonntag, den 26. Juli, Tages-ciusflug nach den Zoblener Bergen., Abfahrt 9 Uhr vormittags ab Hauptbahnhof. Treffpunkt 8 '/■ Uhr pünktlich vor dem Nordhotel. Sonntagsfahrkarte 4. Klasse bis' Ströbel selbst lösen. Gäste willkommen. Der in der vorigen! Woche angvkündigte Ausflug findet infolge Behinderung des Herrn Jonas erst später statt. Magdeburg. (Jüdisch-liberaler Jugendbuud „Heimal".) Am: kommenden Sonntag, den 28., pünktlich um 11 Uhr, ist großes Wettschwimmen zwischen unseren Mitgliedern bei Katerbow. Wir; hoffen einen großen Kreis von Sportfreunden, die sich auch de-! teiligen wollen, begrüßen zu können. Beitrag. Mir beginnen jetzt die bisher noch nicht gezahlten Mitglieds- und Abonnementsbeiträge für das dritte Vierteljahr 1925 durch Nachnahme einzuziehen/ Wir bitten, im Interesse einer gedeihlichen Fortführung unserer Ärbeit für Einlösung der Nachnahmen Sorge tragen zu wollen. Vereinigung für das liberale Judentum ($. V. die einzig richtige erkennt und deren wörtliche Befolgung fordert? Just in Italien, im Berkehr mit den verschiedensten Klaffen seines Volkes, in der Beobachtung des Verhaltens seiner Kirchenbesucher, bei gelegentlicher Berührung mit geistig hochstehenden Priestern oder Franziskanermönchen drängt sich einem das Bewußtsein von der unnersteglichen, heute vielleicht eher noch wieder erstarkenden, als verblassenden jene zwei Jahrtausende sieghaft überstrahlenden Leuchtkraft der Christusgestalt und der ungebrochenen Macht der katholischen Kirche aus. Und es erscheint uns natürlich, daß des Menfcheusohnes Bild und seine Symbole uns von überall her grüßen, bei jedem Schritt, an jeder Straßenecke, von Mauer!) und Türmen, in Ton und Marmor, aus Leinwand und Papier, natürlich und naturhast, wie der Baum und die Wolke, deren Vorhandensein wir auch nur bewußt rocchrnehmen, wenn es dem Schönheitssinn besondere Befriedigung gewährt. Und die Geschichte Ehristi, fein Wort, sein Rame, sie klingen uns überall entgegen, aus den Blättern der Weltliteratur und den Redensarten des Alltags. Aber der Fall Papinis, des sozusagen vor unseren skeptischen Augen erlösten und gewandelten Unseresgleichen, überrascht und ergreift inmitten dieser christusgesättigten Umgebung noch besonders stark. Cr gibt zu denken. And daß es zu denken gäbe, ist der eingestandene Zweck des BucheS. ,O» einer Zeit des Fiebers und des Hochmutes hat der Schreiber dieses Buches Christus geschmäht, wie es wenige vor ihm getan haben" — sagt das Vorwort. — „Aber sein Fall, das Beispiel eines Menschen, der schon immer, von Kind auf gegen jeden landläufigen Glauben, gegen jede Kirche und jedes geistige Lehnsvcrhältuis eine gewaltsame Abneigung verspürt hat, der alle Ansprüche einer — wie nicht leicht eine frühere — unzufriedenen Zeit in sich selbst erlebt hat, vom Aufstcigen bis zum Zusammenfallen: daS Beispiel eines Mannes, der in so vielen Sätteln geritfen, .soviel Spiel und Spott getrieben: der Fall, daß dieser Mensch sich schließlich in die Nähe Christi rettet, ist vielleicht nicht bloß für seine Person wichtig, ist nicht bloß seine Privatangelegenheit . . ." Wie konnte sich diese Konversion heute bei einem Mann vom geistigen Kaliber dieses Florentiners vollziehen, wie ist der Mensch geartet, an dem sich das Wunder solcher Bekehrung vollzog, ein Wunder, das die ewig lebendige Kraft des Ehriftusgc-dankeus mit noch stärker empfinden läßt, als jene Macht und Allgegenwart seiner Embleme, eines, das den Leser nach Schluß des Buches in feinem Bann hält und dauernd beschäftigt. Voll Begierde, mehr von der Persönlichkeit zu erfahren, der nach der Berührung mit dem. Wunder selbst ein Wunderbares anhaftet, legt er das Buch aus der Hand, um nach einem anderen, früheren zu greisen, dessen das Vorwort ebenfalls Erwähnung tut. — „Der Verfasser dieses Buches hat vor Jahren ein anderes geschrieben, in dem er das traurige Leben eines Menschen erzählt hat, der eines Tages Gott werden wollte. Jetzt, reifer an Jahren und an Gewissen, hat er versucht, das Leben Gottes zu schreiben, der Mensch geworden ist." — Dieses Buch mit dem kaum übersehbaren Titel „Un uomo finito“ — ein ausgeschöpfter, ein unbrauchbar gewordener, ein mit sich selbst, der Well un-d allem fertiger Mensch — zeigt, wie es in Papini aussah, neun Jahre bevor er die Feder zur Wiedererweckung und Glorifizierung Christi ansetzle. Durch die Blätter, die die Schicksale von Papinis Seele auf dem Weg« von einer einsamen, freudlosen, verbitterten Kindheit über eine harte, ärmliche Jugend bis zur „Arriviertheit" des berühmten Mannes schildern, zieht sich ein glühendes Verlangen nach Genie und Größe. Der häßliche, scheue Jüngling, der in unstillbarem Wissensdurst seine Augen in Firenzes schlechtbeleuchteten Bibliotheken halbblind las, hatte Visionen, in denen ihm seine eigene dürftige Erscheinung in messianischer Glorie erschien. Aus seiner maßlosen Menschenverachtung erwuchs die Sehnsucht, derjenige, der Erwartete, der Eine zu sein, der seine unseligen Mitgeschöpfe aus dumpfem, haidnerischcm Dahinvegetieren hinaufheben würde in das kommende, das Dritte Reich. Der erste Mensch dieser neuen Menschheit, wie er sie träumte, wollte er selbst sein: aus dem Mensch-Tier wollte er vor allen anderen sich zum Menfch-Gott wandeln, auf dessen Erwartung und Vorbereitung eine neue Religio» gründen. Der nicht an Gott glaubte, für den Gott nicht existierte, er wollte ihn -in sich schaffen: er, der Schwache, Elende, Ihn. Len Höchsten, Wissenden. Wollenden, Könnenden. Wie er seinen Körper unt-er das unerbittliche Joch der Askese zwingend, Wunder zu vollbringen, wie er seinem Geist übermenschlicher Extase zumulend, ihn in das Unerforjchliche ein zu dringen lassen hoffte — wie auf die maßlose Eigen-Erhebung und -Vergottung der Sturz aus der Höhe, die Erkenntnis des Nicht-Könnens, Niemals-Könncns, der letzte fürchterliche Zusammenbruch folgte — daS erzählt diese Seidstbeichte bilternis und rücksichtslos, wie sie vicileichr außer Strindberg ni-r ein Mann der Oessentllchkeii abgelegt hat. Ader nach seinem Sturz ist Papini wieder aufgestaudcn.' — „Ich bin doch noch nicht fertig — noch nicht — ich habe noch unc-nbüd) viel zu tun, zu sagen, zu schreibe» . . .", mit diesem Gedanken klingt das alte Buch aus. — „Ich komme zu Christus nicht wie ein Müder, der sich ausruhen will — im Gegenteil, jetzt sängt für mich ein schwieriges Leben an, ich habe erst recht eine mühevolle Ausgabe vor mir . . .", mit diesem hebt das neue Buch an. Was zwischen den beiden Büchern in dieser merkwürdigen Seele vorgegangen ist, wir wissen es nicht. Die „Lebensgeschichte Christi" wird au6) in Deutschland viel gelesen werden. Christen und Nicht-Christen, und vielleicht noch mehr als sie, jene, die die Fesseln jeder Konfession schon längst als lästig und hemmend abgestreift haben, werden danach greifen, denn es ist der Schimmer einer Hossnung aus Frieden und Befreiung darin, nach dem wir uns, er komme in welcher Form immer, bewußt oder unbewußi sehnen. Wir brauchen einen Menschen, der für uns hofft und glaubt, aus was, an was immer — w»r brauchen eine Stimme, die für uns von einem kommenden Reich der Güte und Liebe spricht, daS wir schon längst nicht mehr auf die Lippen zu nehmen wagen. Den Menschen, die Stimme, wir lernen sie im Buche Papinis kennen. Mehr als die mit erschütternder Kraft geformte Kreuzcstragöüic, daS mit dichterischer Intuition gezeichnete Bild des Verlorenen Sohnes, als die wunderbaren Morte über die Vaterliebe, das meisterhafte Kapitel über den „Allen Bund" — „das Volk, der Widersprüche und Rätsel, übermenschlich groß und über Menschenmaß hinaus elend, das erste und letzte unter den Völkern, das glücklichste und unglücklichste von allen, als Sklaven gehalten von allen und doch alle beherrschend" — das Volk der Juden, mehr als all diese und andere Abschnitte, die sich der Erinnerung des Lesers unverlöschlich einprägen, spricht ans dem Buche zu uns die Stimme des Menschen, der für uns die bessere Zukunft für unser Geistiges sucht. Man wird diese Stimm« hören müssen, wann immer sie uns noch etwas zu sagen hat.

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