Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 28 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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' Sjomitifing. üle^V«KerschWkrrn-e ■ Geschichte ain >Mor -en Wähken MM Preußische» Landesverband jMscher'- ^Hemeirrdsn verunstaltete -er Liberale Verein in Breslau eine sHenMche-'Versammlung, in -er Herr StaatSrai Dr. Cohn^Seffa«!Mer»er1». sin -er Versammlung kam es zu Mrmischen Auseinchwersetzrmgen mtt zioanstischen Hestzfpornen, die selbstveMändlich i-chr erschienen waren. um sich über die liberale Weltcrnschauuug Khrem.M lasse». / In -er siüdisch-lGeralen Zeitung umr-e über -en Verlauf' Neser;Verfammi»n g auf Grund Lele^onifcher^sinformatilonen de- . stWeK—"«nd hier beginnt^daKSatyr^pöel. ' :' ' y. II. Mtzm % Vorsitzen-rni', -er * Breslauer ztoniDfchen Ortsgruppe > Dwn Aschtsanwatt Max siacobsohn, konnte Lieser Bericht wahr- Kh nicht gefallen. And La er wohl seine Mitarbeit am Palästina« .Asfbau im Augenblick für weniger wichtig hielt, als .ferne BesMfiigmrg mit Angelegenheiten des „Galuth", schickte er flugs - Grund des § '11 des Pressegesetzes eine Berichtigung. Trotzi Mr sie nicht, wie man es doch eigentlich von einem Rechtsanwalt hätte erwarten können, den Borschriften des Pressegesetzes ent-! sprach, wsrrde sie in vollem Wortlaute wiedergogeben. ^'Ä>ch es rast der Rechtsanwalt und will fein Opfer haben, l Also erstattete er bei Ser Staatsanwaltschaft gegen den verant- I qoiMchen Redakteur der Iüdisch-liberal-rn Zeitung eine Anzeige W> behauptete, die Berichtigung fei erst eine Woche fpäter ver- Wntlicht worden, als das nach den gesetzlichen Vorschriften Me,geschehen müssen. . - j£V" HL s/-^ Weber Rechtsanwalt! Si tacuisses.So aber mußtest i h^eklsben, daß die Staatsanwaltschaft aus deine Anzeige hin W> nicht einmal das Verfahren gegen den verantwortlichen Asdakteur der siü-ifch-liberalen Zeitungeröffnete. > 781^261118868 > IV. ^Doch-Halt! Da war «schon wieder eine neue Möglichkeit MN Mlndcrlieren. ->Die Berichtigung war zwar vollständig abgedruckt worden, W sie hatte von der Redaktion einen Nachsatz erhalten: l . „Wir haben diese Berichtigung loyalerweise zum Müruck jgebmcht, trotzdem sie den Vorschriften des 8 11 des Presse- Jes keineswegs entspricht. Die beste Quittung für das alten der Zionisten dürfte wohl der Wahlausfall gewesen in, der den antizionisiischen Parteien in Breslau 8 Mandate, löen Zionisten aber nur 2 Mandate einbrachte." xUnd nun kam eine neue Berichtigung. ^Wiederum entsprach sie nicht den Vorschriften des Prefse- Wtzes, wie man es-doch eigeMich von einem Rechtsanwalt hätte i Marten können. Mnd da Las Spie! schließlich dem verantwortlichen Redakteur MsiLdisch-liberalen Zeitung zu albern wurde, legte-er das Be- Mgungsschr eiben zu den Akten.; V. -'l'Doch''es rrasi der-Rechtsanwalt und will fein Opfer haben. Aso erstattete er bei der Staatsanwaltfcha-st gegen den verant- «Mtkchen Aedaktemr der Jüdisch-liberalen. Zeitung eine weitere! Anzeige und behauptete, eine Berichtigung fei, entgegen den ge- Mihen Bestimmung en, nicht veröffentlicht worden. V . VL ^Meber Rechtsanwalt! - Si tacuisses . .... So aber mußtest Werleden, daß im Termin der Vertreter der Staatsanwaltschaft Mdavon überzeugte, daß deine Forderung unberechtigt sei. Also Mierte er - auf 'Freisprechung, und Las Gericht entschied ent- Mchenö. ^»Sitacuisses J ' VH. " /'Man kann diese Dinge von vier Seiten betrachten. . Die Freisprechung erfolgte auf Kosten des Staates. Man Mute fragen, ob der Staat sein Geld nicht für seine Staats- Wger 'besser verwenden könnte. Doch das gehört nicht in dieses E ^MainMnnte die juristische Seite des Problems betrachten und lok'Nnvevdaulichen Destlmmungen des Pressegesetzes einer Kritik Hrrziehen, doch auch das gehört nicht in dieses Blatt. Man könnte über das Schicksal der Anzeigen dieses Rechtsan- [Jgtffc spotten, doch das wäre zu billig. And schließlich ist es Sache sWer Klienten. 'Herintereffiert einzig und allein die jüdische Seite der An- IWycheit.^ And -a-u-noch einige Wort«. VIII. ,i.Bor-Wahlen gibt es überall Heißsporne. And da die führenden .Wstinlichkeilen in Wahlzeilen stets überlastet sind, geschehen in INem Wahlkampf und bei allen Parteien Unbedachtsamkeiten I vm Heißspornen. I. Hier ecker zeigt sich, «daß eine der führenden Persönlichkelten m deutschen Zionismus archheinend immer von Wahlpsy<l)ose be- Men ist. Man ved-rtin Versammlungen von Einig - Lebeitnnd handelt, als ob grim- Mei-m-'e einander befehden. Man schämt MH mkcht, weg>em Richtigkeiten Anzeigen — noch <Pa)«Mcb.e rechtsigte — gegen Glaubensbrüder dew'6t'<l!<ktS<LNWa>4'tfchaft zu erstatten. Man nicht.,Mnerjüdischen Schmutz vor der Mted,pvpfiz,si, tx Staatsanwaltschas t unb dem. >er icht-^a« s-z.u br eiten. .asi.bäs zionifttsche Würde? Qi egt das im 3n- ^e,ffe des Wnsehens der Juden in Deutschland? Der Vorsitzende der zionistifchen Ortsgruppe Breslau scheint 'Äwas seltsame Anschauungen zu haben. Sonst wäre es tändstch gewesen, sich rechtlich und sachlich eingehend zu ' ' - und dann ^e«st' —vielleicht keine Anzeigen M erstatten. IX. ^wetterschSttemde „Berichtigung^, die nach-der Anschauung Gerichts käne Berichtigung war, und wegen der ein ziomsti- , Rechtsanwalt Beamte der Preffepoltzei, der Staatsanwalt- - und -es Gerichtes in Bewegung feto«, lautete: ..sin Är. K Ihrer Zeitung vom 6. Februar 1925 veröffent- Kten Sie unter der Spihmarke „Aus -er Bewrgung" meine ^Berichtigung mit dem Hinzufügen, daß in Breslau zwei Zionisten E acht Antizionisten gewählt worden seien. Dies ist nicht wahr. 0% ist, daß 6 Liberale, 2 Konservative und 2 Zionisten ge- »Mit worden sind, und daß die beiden Konservativen keine 'Mzionisten sind." beiden Konservativen aber, deren Gesinnung-Herrn RechtsvÄt Äaeobstchm so sehr am Herzen liegt, sind: ^/Herr Gemeinderabbiner Dr. Moses Hosfmann, Mitglre- -es ^von -en Zlonisteir so gehaßten Centralvereins deutscher Aaatsbürger jMfchen Glaubens^ und ^regelmäßiger Wb ffl;- Herr siufttzrat Htrschberg, von 1919—1923 Vorsitzender der Breslauer Ortsgruppe -es Centralvereins deutscher Staatsbürger Wischen Glaubens und seit 4. 3. 1923 ihr Ehrenvorsitzender. X. Docl-^chon zu viel -er Ehre. __ B. W. A»0 0« Geschichte der Jude« i« Elberfeld. < Von M. St er n - G r o ß m a n n, Elberfeld. , Der Ursprung der Elberfelder Iudengemeinde liegt nicht sehr weit zurück. 3m zwölften und dreizehnten Jahrhundert, als sich bereits in vielen Städten und Dörfern des Bergifchen Landes Juden befanden, waren in Elberfeld noch keine anzutreffen. Es ist diese Erscheinung um so ausfallender, als in Dörfern, die heute kaum noch dem Namen nach bekannt find, die fernab von allem Getriebe und Weltverkehr liegen und wo heute feit Menschengedenken kaum noch ein Jude wohnt, noch Spuren einst blühender Gemeinden zu finden sind. Hingegen findet sich in keiner Chronik auch nur die kleinste Andeutung über eine Einbürgerung der Juden in Elberfeld. Die Vermutung einiger Chronisten, daß Urkunden, die über deren Aufenthalt berichten könnten, bei dem großen Brande (1687) vernichtet worden seien, ist durch nichts zu beweisen. Die erste verbürgte Nachricht über die Niederlassung eines Juden in Elberfeld, Meyer Ifaacs, datiert vom 18. Juni 1691. Aber auch dieser erste Jude, der mit Genehmigung des Kurfürsten Zohann Wilhelm sich in Elberfeld niederlassen durste, fand hier kein Bestehen und verließ, um sich der widrigen Verhältnisse zu entziehen, mit seiner Familie in den ersten Jahrzehnten des folgenden Jahrhunderts das Stadtgebiet. Während seines Aufenthaltes in Elberfeld starb im 3ahre 1704 die Mutter des Meyer Fsaacs. Der fürstliche Richter Rhoden versagte ihre Beerdigung auf dem christlichem Friedhose. worauf ihm von der Stadt auf der Hardt ein Plätzchen von 30 Fuß lang und 20 Fuß breit erblich verpachtet wurde. Dieser Platz wurde fortan der Iudenfriedhof genannt. 3n langen Zwischenräumen und nur spärlich siedelten sich dann mehr Juden in Elberfeld an. Das Wachstum der Gemeinde blieb jedoch überaus bescheiden. Bis zum 3ahre 1811 mußte sie ihre Verstorbenen in Neviges begraben, weil die Verhältnisse hier ihr den Ankauf eines Begräbnisplatzes nicht gestatteten. Alsdann lehnte die Nevigesergemeinde die fernere 2lufnahme der Verstorbenen ab. so daß nunmehr unter großen Opfern ein Platz auf dem Engelnberg als Begräbnisplatz erworben wurde. Fm Fahre 1869 war dieser Platz ausgenutzt. Es wurde darum ein weiteres Grundstück an der Weißenburgstraße angekauft. Diesem folgte 1900 der jetzt noch in Benutzung befindliche Platz am Weinberg. 1816 also 125 Fahre nach der Niederlassung des Meyer Fsaacs befanden sich nur 103 Juden bet einer Gesamtbevölkerung von 21 729 Seelen in Elberfeld. 1840 also nach weiteren 30 Jahren wohnten nur 121 Juden in der Stadt. Trotz aller Hemmnisse vergrößerte sich die Gemeinde stetig. Das Aufblühen der Industrie förderte in recht bemerkenswerter Weife von 1875 an das Wachstum der Gesamtbeoölberung und mit diesem auch das Wachstum der jüdischen Gemeinde. Wahrend in benanntem Fahre bei einer Gesamtbevölkerung von 81185 Seelen sich 813 Fuden in der Stadt befanden, zahlte die Gemeinde 1890 bereits 1873 Mitglieder inmitten von 125 899 Einwohner und so fort 1885 bei einer Gesamtbevölkerung von 139 341 1492, 1900 bei einer Gesamtbevölkerung von 155364 1679, 1905 bei einer Gesamtbevölkerung von 160 758 1754, 1910 bei einer Gesamtbevölkerung von 173 171 1919. Die Zahl der Fuden in Deutschland beträgt etwa 1 Prozent der Gesamtbevölkerung; dieser Prozentsatz ist in Elberfeld überschritten. Nur 12 schulpflichtige Kinder zählte die Elberfelder Gemeinde im Fahre 1822. Diese besuchten mit den Bürgcrkindern der anderen Konfessionen die Elementarschulen der Stadt. Aber von 1819 an hatten die Kinder bereits Sonderunterricht im Deutschen, in der Relegionsgeschichte und Hebräisch. Der erste seminaristisch gobil-eie Lehrer, siesaias Meyer auS Telgtewurde im Fahre 1846 als Lehrer und Prediger verpflichtet. Er hatte auch den Barmer Ländern Unterricht zu erteilen. Da jedoch die arme Gemeinde nur mit großer Mühe das Gehalt von 200 Thalern aufzubringen vermochte, gewährte die städtische Behörde, die auch späterhin der jüdischen (Gemeinde wohlwollend gegenüberstand, einen Zuschuß von 40 Thalern für die Erteilung des Religionsunterrichtes. Dieser Zustand, d. h. die Verbindung von Lehr- und 5vantorenamt bestand noch, als im Fahre 1866 Dr. Zacharias Auerbach zum Rabbiner gewählt wurde. Anter Dr. 2luerbach, der bis zum Fahre 1907, alzo 41 Fahre in Elberfeld amtierte, wurde dle Gemeinde zum Rabbinat erhoben. Dr. Auerbach vermochte es überhaupt, dr.s Ansehen der Gemeinde nach innen und -außen zu heben. Auf Betreiben Dr. Auerbachs wurde u. a. im Fahre 1872 der jüdische Religionsunterricht in dem Lehrplan der höheren Schulen ausgenommen und den jeweiligen Religionslehrern. Rabbiner und Kantor, von der Stadt eine angemessene Entschädigung für diesen Unterricht bewilligt. Die jüdische Schule ging nach wenigen Fahren mangels ausreichender Schülerzahl wieder ein. Alsdann erhielten die Kinder, soweit sie nicht die höheren Schulen besuchten, den konfessionellen Unterricht in einer besonderen von einigen jüdischen Kaufleutcn begründeten Privatschule, welche aber auch im Fahre 1906 aus den gleichen, wie vorstehend angegebenen Gründen wieder cinging. Seitdem erhalten die Kinder den Religionsunterricht vom jeweiligen zweiten Kantor in einem, der Gemeinde von der Stadt für mäßiges Entgelt zur Verfügung gestellten Schulraum. Das Bildungsbedürfnis war, wie zu allen Zeiten, bei den Juden, auch in Elberfeld sehr groß. Obschon der Prozentsatz der Fuden im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, wie bereits oben erwähnt, nur etwa ein Prozent beträgt, entfallen doch auf die höheren Schulen: Gymnasium 3.8: Realgymnasium 6.5: Realschulen 3.1: Mädchenschule: Weststadt 5,9, Oststadt 11,4. Dem Gottesdienst wurde nach mehrfachem Wechsel von Mieträumen endlich eine Heimstätte in der, im Fahre 1865 vollendeten Synagoge in der Genügsamkeitstrahe. Die Vorarbeiten zum Bau der Synagoge begannen bereits 1860. Die pekuniären Verhältnisse der kleinen Gemeinde, sie zählte einschließlich der zuaehörigeu Barmer Gemeinde nur 40 besteuerte Mitglieder, gestattete nicht, aus eigenen Mitteln die Baukosten zu decken, weshalb die Erlaubnis zur Abhaltung einer Kollekte erteilt wurde. Trotz der bescheidenen Verhältnisse waren immerhin 5600 Thaler aus freiwilligen Beiträgen zusammengekommen. Barmen blieb bis zum Fahre 1894 mit der Elberfelder Gemeinde verbunden, um alsdann eine selbständige Gemeinde zu bilden und diese durch den Bau einer kün,tlerisch hübsch gestalteten, geräumigen Synagoge zu krönen. Die Entwicklung der, Gemeinde und deren Wohltätigkeitssinn lassen sich erkennen aus der im Fahre 1855 erfolgten Gründung des Frauenvereins, dem 1857 der Männerverein folgte, ^Vereine, deren Zweck der praktischen Wohltätigkeit gilt, sowie eines, im Fahre 1834 gegründeten 2lusstattungsvercins zur Unterstützung bedürftiger Bräute und des 1885 ins Leben gerufenen Krankenpflege- und Beerdigungsvereins. Besonders lebhaft zeigte sich das Wachstum und der Wohltätigkeitssinn der Gemeinde in dem, im Fahre 1913 feiner Bestimmung übergebenen Altersheim. Aber außer den, der Wohltätigkeit gewidmeten Einrichtungen, wird auch Insgeheim viel Wohltätigkeit geübt. Da, wo es gilt Not zu lindern, Schwankende zu stützen, Gefallene zu heben, steht die Elberfelder Gemeinde geschlossen da. Außer den vorerwähnten Vereinigungen entstanden noch im Fahre 1900 die Ortsgruppe der zionistischen Vereinigung, gegründet durch Rechtsanwalt Dr. Bernstein, sowie 1909 diejenige der liberalen Fuden. Beide Vereine waren von einschneidender Wirkung auf das Gemeindeleben. An Vereinen, die sich der Verbreitung der Kenntnis jüdischer Wissenschaften widmeten, entstanden im Fahre 1890 der Mendelssohnverein 1909 als Fugendverein ferner die Ortsgruppe des unabhängigen Ordens B'nei B'riß, im Jahre 1902, dann, zum Wohle der weiblichen Angestellten im Jahre 1908 ein Mädchenheim und schließlich 1913, die Ortsgruppe des jüdischen Frauenbundes. Der letztgenannte Bund, dem ich zum Geleit die Worte widmete: „Wer liebevoll sich stets der Menschheit weihet, nur der erfüllt, was ihm fein Gott gebeut, der hat des Lebens Krone fich erworben", entfaltet eine überaus segensreiche Tätigkeit. Die Bestrebungen dieses Bundes fördern sehr das Ansehen der bereits zu einer achtunggebietenden Körperschaft entwickelten Gemeinde. Ganz besondere Verdienste erwarb sich dieser Bund "cheim Ausbruch und während des Krieges. Cs würde den Rahmen dieses Berichtes überschreite«, wollte ich all der durch den Krieg gestalteten Wohlfahrtseinrichtunaen gedenken: es genügt, wenn hervorgehoben wird, daß die Gemeinde als solche und jedes Mitglied derselben noch besonders alle geistigen und materiellen Kräfte einsetzte, um die Schläge abzuwehren, die Wunden zu heilen, und die Schmerzen z» lindern. Nicht zuletzt waren es die jüdischen Frauen, die sich mit ihrem zarter empfindenden Seelenleben wirkungsvoll den Männern zugefcllten. Ein solider Kaufmannsftand, der durch seinen Untemehmunasgeist und feine Gewissenhaftigkeit sich dem guten. Ruf. den die Elberfelder Kaufleute in der ganzen Welt genießen t« streimer Pflichterfüllung anschließt, vermochte es, trübe antisemitische Strömungen fernzuhalten. Ueberhaupt fanden diese Bewegm^e» bei der kulturell hochstehenden Bevölkerung Elberfekds» >«Ls stille, teils offene Ablehnung. Bereits im letzten Fahrzehnt des vorigen Fal)rhunderts, als der Gifthauch eines Stöcker und Ahlwardt di« Luft in Deutschland verpestete, erließen die prominentesten Bürger der Stadt eine öffentliche Erklärung, mit welcher sie ihre Abneigung gegen den Antisemitismus bekundeten und ausdrücklich erklärten, daß sie das bis dahin ungestörte Zusammenleben mit den Mische« Mitbürgern auch fernerhin ungetrübt zu erhalten besttevt seien. So blieb es noch bis 1915, dem Abschluß meiner Geschichte der Fuden in Elberfeld. Und so darf die Elberfelder Gemeinde mit Stolz auf ihre Vergangenheit unb mit Vertrauen in ihre Zukunst blicken. Sie wird in bisheriger Weise weiter lebend, immer zu den geachteten Gemeinden Deutschlands gezählt werden müssen. ..Nennt man die besten Namen, So wird auch ihr Name genannt^ F' Empfang beim Reichspräsidenten. 3m Laufe -es 2. 3u(i empfing -er Herr Aeichspriisi-ent von Hindenburg eine Abor-nuwg -rr Liga -er freien Wohlfahrtspflege. Der Abordnung gehörten «in Vertreter -er evangelischen und -er katholischen Wohlfahrtspflege sowie -er Vorsitzende -er Zentralrvohlfahrtsstelle -er deutschen sinden, Herr Eugen Caspary, an. Herr Caspary nahm öle Gelegenheit wahr, dem Herrn Reichspräsidenten einen kurzen Ue-erblick über Wesen und Bedeutung -er jüdisä-en Wohlsahrispsicge zu geben, ->ie religiöse und sittliche Grundidee -er .^Zedakah" zu beleuchten unin großen Zügen das Wirkungsgebiet jüdisch^ozialer Arbeit zu schildern. Der Reichspräsident gab seiner besonderen Freude und Genugtuung darüber Ausdruck, daß wenigstens aus dem Gebiet der Liebestätigkeit an bedrängten und nngliicklichen A(enschen in dein von Parteien zerrissenen Deutschland ein Zu-saminenarbeiten besteht und daß hier ein guter und verheißungsvoller Bvd-rn für die Ausbauarbeii gesunden worden sei. Die jüdische Abteilung der Kölner Zahrtausendausstellung. Seit Eröffnung der Jahrlaufendausstellnng bildet die siüdischtz Abteilung einen Anziehungspunkt der Besucher, auf die es einen gewaltigen Eindruck macht zu beobachten, welch herrliche unwertvolle Kulturgüter das Judentum zur geistigen Entwicklung -es Rheinlandes beigetragen hat. Der Schriftsteller E. Gut albt in westdeutschen Zeitungen die folgende Beschreibung der jüdisryen Abteilung. In der Tat reicht die Geschichte der jüdischen Gemeinden -es Rheinland es bis in öi« Römerzeit zurück. Die photographierte Verordnuilg Kaiser Konistantins vom Jahre 321 bekund-rt das erste Vorkommen der siuden im Rheinland. Es folgen ihr Photographien vom alten Kölner Friedhof am Banntore, der seit der RömerMt bis gegen 1700 benutzt wurde. Vom 11. 3ahrhundert ab sind Grabsteine aus Speyer, Worms, Mainz und Köln teils in Abgüsseil, teils in Originalen ausgestellt. Auch sicht man dia Modell« -er romanischen Zudenbäder von Worms und Speyer und die Photographie -es berühmten Friedberger Bades von 1260. Die Reihe -er Pergain-entstriche und Papierurkunden eröffnet das Privileg Heinrich IV. für die Wormser Juden vom Fahre 1090. lieber -i« Verfassung und Verwaltung der jüdischen Gemeinden unterrichtet das siudcnschreinsbach der Kölner Laurenzpfarre (1236 bis 1349), dem sich Karten -er siudengassLn und jüdischen Ansiedlungen von Vtainz bis Köln anreihen. Reben Kaifermkunden, siudenordnungeu und Privilegien von geistlichen und weltlichen Fürsten sieht man Schutzbriefe für einzelne hervorragende Personen. Die Emanzipaiionszeit ist durch Fudenordmmgen von Kurmainz usw. vertreten. — Was das Geistesleben betrifft, so ist seit Rabbenu Gerschom der Rhein die Hauptstätte -es Talmudstudiums in Deutschland. Seit dem Jahre 1000 treten heimische synagogale Dichter und berühmte Sitienlehrer auf. Man sieht Originale von unschützbarem Wert: einen Bibelkodex aus dem Fahre 1294, den Aur Sovna, den Mahram Rotenburg, den Mahnt, eine vierbändige Peraamenihandschrift des 3ei> Hachasokkoh, die von Nathan Ben Söyimmon aus Köln im siichre 1295 gefertigt wurde und wegen ihrer Miniaturen zu den wertoolllbrn Denkmälern gotischer Pergamenimalerei in Deutschtangehört. Zahlreiche Memorbücher Hallen die Erinnerungen an die Märtyrer und and-rre großen Toten fest. Beachtung. . perbient ein AG- -es jW^enMinMünge^ MßW-pM.§riin-