Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 27 (3.7.1925)
- Date
- 1925-07-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Wiener Brief. Desavouierte Vorurteile. Wie lange ist es her. Laß der selige Eisenbach ganz Wien schon {und) die motze Ankünd iguno lachen machte, er habe den Wett- I Mster Steinbach zu einem Rmgkampf herausgeforhrrt? Konnte Mil sich denn etwas Lrffkgeres denken, als ein Kräftsrnessen fischen einem jüdischen Komiker und dem Besitzer des die ganze damalige Sportwelt zu neidischer Bewunderung zwingenden Bizeps'? Man konnte nicht. Denn 3ud und Christ war von jener Vorstellung jüdischer Körperinseriorität durchdrungen, von der die Witzblätter und die Variete-Komiker, besonders die des Mischen Eisenbach-Ensembles seit undenklichen Zeiten lebten. Lin jüdischer Ringkämpfer, -überhaupt ein jüdischer Sportsmann [ - das konnte nur die Ausgeburt einer in grotesken Karikaturen schwelgenden Phantasie sein, -sin Komikertrick, würdig des genialen Komikers, in dessen Leopoldstädter Etablissement nicht | <«it die Mische Bevölkerung der Donausiadt ihren Bedarf an satirischer Seldstpersislage deckte, sondern auch -der christlich soziale Antisemitismus den praktischen Anschauungsunterricht für seine Rassentheori-r genoß. Gegen das, was der Antisemitismus seinen > Mubigern sonst noch auftischte, haben sich die Juden bald zur Wehr gesetzt. Aber die Ueberzeugung von der Minderwertigkeit -er jüdischen Muskeln und Nerven war auch bei den Juden so [fcf eingewurzelt, daß sie einen Widerspruch gegen diesen Vorwurf für gar nicht möglich hielten. Und doch ist dieser Widerspruch nicht nur möglich geworden, | sondern in überzeugende Tat umgesetzt worden. Ls zeugt vor allem für die Gesundheit der jüdischen Seele, I-atz sie auch jenen Vorwurf als kränkend empfand, der in der Mhr geistigen Orientierung des Judentums eine -im Grunde nicht schr kompromittierende Berechtigung hatte. Für die Ern- Mang der älteren jüdischen Generationen zu den bei allen anderen Menschen, besonders in der Jugend selbstverständlichen Leibesübungen ist das geflügelte Mort des Rabbiners charakteristisch, der einen kleinen Zungen fragte, torru-m er weine, und loaf dessen Antwort, er sei von einer Leiter gefallen, unmutig erwiderte: „Was hat aber auch ein Iudenjunge auf einer Leiter zu suchen?" Zum Glück hat sich die jüdische Jugend weder durch de» geschilderten Anfall noch durch den Tadel des Rabbis davon > Masten lassen, immer wieder' — auf die Leiter zu steigen. And atz sie einmal am Klettern Gefallen gefunden hatte, stieg sie auch auf die Berge- Die allgemeine Wchrp flicht tat das übrige zur körperlichen Ertüchtigung der Juden. Aber in der Arnree m m den Zimten Sportvereinigungen verschwanden die Jaden m der Masse der Masse der die gleiche Uniform bezw. denselben Dreß Tragenden. Die jüdischen 'Leistungen konnten erst dann zur Rehabnitierrmg des „Muskeljudentums" führen, als sich-die jüdischen SportÄeute alliierten und eigene Vereinigungen bittefett. Vorbildlich in dieser Beziehung wurde die Wien« .Lakoah". Ich habe ihr Wirken in der ..Jüdisch-liberalen Zeitung" tetetfS einmal gewürdigt und Mar bei Einbruch des letzten Pinters, <äs es diesem Mischen Verein gelang, die Herbfimerster- - schast im Fußball und in Hockey zu erkämpfen. Run hat rr diesen Lvppelsieg auch jetzt zum Abschluß des Sporbjahres zu behaupten verstanden. ,>Hakoah" ist jetzt offizieller Fußballmeister und bokeymeister von Oesterreich. Damit sind die sportlichen Eriche dieses Vereins noch lange nicht erschöpft. Aber nach außen ihm sind die erwovbenen Meistertitel jedenfalls am wirkwngsj chllften. Oesterreich ist in sportlicher Beziehung noch immer ~ chstaat, und die auf ivgendemem Spvrtgebiet erkämpfte Herschaft ist auf Kernen Fall «ine Kleiwigkert. Ge gereicht 6cr jüdischen GporHwgend M Ehre und zeigt der Welt mehr als die schönsten g-eMgen Argumente, wie unhaltbar die anti- 'Mitischen Vorurteile samt und sonders sind. Vermögen doch nicht einmal solche einer ernsten Probe standzuhalten, die jahrhundertelang — von den Juden selbst geteilt worden sind .... Dr. Hrrgo Spiegte-r. Oie Rabbiner und Lehrer im Landesverband. Der engere Rat des Preußischen Landesverbandes Mischer Gemeinden hat beschlossen, zu jeder seiner Sitzungen je einen Vertreter des Rabbinerstandes und einen Vertreter des Lehrerstandes zuzuziehen mit Rücksicht auf die Bedeutung dieser Berufe und im Hinblick darauf, daß der Landesverband sich in besonders großem Amfange mit den Fragen der geistlichen und Lnterrichtlichen Versorgung der preußisch-jüdischen Gemeinden besten wird. „Sachlicher Kampf? Zn Nr. 50 der .Jüdischen Rundschau" findet sich unter der Rubrik „Presseschau" eine kurze Inhaltsangabe des vor einigen Wochen in der .Jüdisch-liberolen Zeitung" erschienenen Beitrages von Dr. Max Mayer über die Beteiligung der Richtzionisien an der Jeroish Agency. Es genügt der .Jüdischen Rundschau", ö>e Schlußfolgerung dieses Artikels, die in der Forderung der Mitarbeit auch der religiös Liberalen am religiösen Aufbau -in Palästina gipfelt, mit den Worten abzutun: ,chie Reformsynagoge in Palästina!" Die .Jüdische Rundschau" kann nicht leugnen, es unter den Zionisten nicht nur Orthodoxe, sondern auch religiös Liberale, ja sogar religiös Indifferente and Atheisten acht. Diese Erkenntnis sollte sie aber nicht dazu sichren, religiöse Proteine mit einer mehr als oberflächlichen Bemerkung zu gwstieren. sondern sie mit dem Ernste zu 'behandeln, den man in natiovaljüdischeu Kreisen leider vielfach vermißt. Aus den Gemeinden. Berün. Die Frage der Erweiterung des jüdischen Friedhofs Weißensee gibt Anlaß zu Erörterungen in der Berliner Dresse, w nicht allzu ferner Zelt wird auf dem jüdischen Friedhofs in Weitzensee keine leere Grabstätte vorhanden sein. Die jüdische Gemeinde ist gezwungen, daß Terrain des Friedhofes zu vergrößern oder einen neuen Friedhof anzulegen. Die Exwerteruwg Friedhofes -stößt auf Schwierigkeiten, da die Bezirksvevsammnng des Bezirks Prenzlauer Berg gegen den von der jüdischen Gemeinde geplanten Ausbau des -in diesem Bezirk gelegenen Grenzgeländes Einspruch erhob. Das neue Derr-ain wurde bereits M vorigen Jahr von der Gemeinde gekauft, nachdem das PoWe-rpräsidinm erklärt Hatte, daß gegen die Anlage eines Friedhofes;us diesem an den alten Friedhof grenzenden Gelände deine Desenken bestünden. Inzwischen ist aber vom Bezirksamt PrengiWer Berg ein Bebauungsplan für das fragliche Terrain «f- Mellt worden. Oie Gemeinde, gestützt auf den erwähnten Bescheid ^Polizeipräsidiums hält aber an dem Ausbau des Geländes zu einem uttedhof fest, da «ine Fri-edhofsneuanlage auf irgendeinem anveven Terrain finanziell -nicht durchführbar ist. Es ist nun bereits «or einiger Zeit ein Vermittiungsvorschlag gemacht worden, der 50-rn aebt. der iiMrfww Gemeinde -ein anderes, an ihren msdie Verwattungen von WÄherffee und Lichtend«», Sn deren Bereich dieses Terrain liegt, die Hergabe des Geländes abbrhneu. Ein Ausgleich des Gegensatzes zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Bezirksamt Prenzlauer Berg einerseits und dem Bezirksamt und dem PoHzerpräMumr andererseits läßt sich noch nicht absrhen. Berli». Die Berliner Jüdische Gemeinde beabsichtigt, ihren gesamten Religionsunterricht, insbesondere den jüdischen Anterricht an den SffenWchen Lehranstalten, einem neu zu schaffenden Schul-Inspektorat zu unterstellen. Als Schuli-rchpektor der Berl-iuer jüdischen Gemeinde ist der Organisator des Mischen Religionsschul- und R-etigionsunierrichtswesens in Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Lazarus, -ein Sohn des verstorbenen Breslauer Seminardirektors und Sernimarrabbrners, in Aussicht genommrn. Es wird angenommen, daßDr. Lazarus, dem sich damit «tu besonders weiter und wichtiger Wirkungskreis eröffnen würde, der ehrenvollen Berufung Folge leisten wird. Berlin. Am Sonntag, den 28. Juni, wurde das 2. Mädchenwohn-hetm der Ortsgruppe Berlin des Jüdischen Frauenbundes durch eine kleine Feier eingeweiht. In dem Wohnraum des Hermes vereinten sich Geladene und Interessenten. Die Vorsitzende der Ortsgruppe, Frau Falkenberg, legte in ihrer Ansprache dar, daß ttotz Wohnungs- und Geldnot diese Stätte entstanden ist, ja entstehen -mußte. Viele junge Mädchen, -denen es in ihrer Vaterstadt an AusbÄdungsmöglichkeit fehlt, die nach Berlin konrmen und sich als Studentinnen, soziale Frauenschülerinnen, auf -einer Handelsschule, in einem Kindvrgartensominar für ihren erwählten und ersehnten Beruf vorbereiten, kämpfen und streben hier, angewiesen auf Gelderwerb durch Stundeugeben, Nebenarbeiten aller Art, da die geringe Hilfe, die das Elternhaus gewähren kann, nicht ausreicht. Erschwert wird diesen tapferen jungen Mädchen der Kampf noch durch die Unzulänglichkeit der Wohnmöglichkerten, die sich ihnen infolge ihr« kleinen Mittel nur bieten. Gegen Geld- und Wohnungsnot unter nicht geringen Schwierigkeiten hat daher die Ortsgruppe Berlin dieses Heim geschaffen. Dies Heim, in dem die jungen Mädchen eine Heimat finden sollen, die ihnen Ersah bietet für ihre eigentliche Heimat, fürs Elternhaus und Vaterstadt. Ein Heim, in dem sie Friede und Freude, Kraft und Stärkung erwerben für ihre Arbeit jetzt und darüber hinaus für ihr Berufsleben. — Künstlerisches Geigenspiel des Herrn M-ax Rosenthal vor und nach der Ansprache gab der kleinen Feier stimmungsvolle Umrahmung. Bei der -nun folgenden Besichtigung waren alle Anwesenden ebenso überrascht wie erfreut von den hübschen, liebevoll ausgestatteten Räumen. Neun bis zehn junge Mädchen in der Ausbildung können Ausnahme finden. Rituelle Pension monatllch bei voller Verpflegung 70 Mark (Studentinnen, Hochschülerinnen). Meldungen an Frau Falkenberg, Berlin R34, Lottumstrahe 22. Bo««. Das Rabbinat unserer Rachbargemernde Bonn a. Rh., das durch den Fortgang des a-n die Berliner GrunewM-Gemeinde berufenen Herrn Rabbiner Dr. Emil Cohn verwaist wurde, ist -nunmehr durch Berufung des Rabbiner Dr. Levy-Rordhawsen neu besetzt worden. Bremen. In der Sitzung der Bremer Bürgerschaft vom 26. 3-uli antwortete der Senat auf die Frag« der deutsch ^völkischen Partei bezüglich -des rituellen Schächtens folgendes: Daß das Schächten der Tiere eine Tierquälerei bedeukrt, ist eine Streitfrage, die von namhaften Sachverständigen verneint wird. Auch das Reichsgesundheitsamt hat sich noch am 14. November 1924 in -einer Zuschrift an den Herrn Reichsminister des Innern dahin geäußert, daß in dem jüdisch-rituell-rn Schächten der Tiere, -wenn es vorschriftsmäßig ausgeführt wird, eine Tierquälerei nicht erblickt werden kann. Für ein Verbot dieses Schlachtoerfahrens ist -aus praktischen Erwägungen eine l-andesrechtliche Regelung ungeeignet, wir die Entwicklung im Lande Sachsen, in welchem das Schächten vovübergHend untersagt war, bewiesen Hot. Es muß daher der Reichsgesehgebung überlassen bl«tt>eu, ab die jetzt in allen deutschen Ländern geübte Duldung aufychoben werden soll. Breslau. Zu unseren Berichten über den Prozeß Naumann gegen F-oerder teilt uns Herr Rechtsanwalt Foerder Mt, daß er nicht nur wegen Formalbeleidigung, sondern auch wegen übler Nachrede verurteilt worden ist, was er erst aus der schriftlichen Urteilsbegründung ersehen hat. Dieburg. Rach dem Gutachten des Frankfurter Architekten Fritz Epstein ist die hiesige Synagoge so baufällig geworden, daß die Gemeinde sich entschließen muß, -ein neues Gotteshaus zu erbauen, was 60 000 Mark erfordern würde, ein für eine kleine Gemeinde heute unerschwinglicher Betrag. Die Gemeinde ist d-ccher dazu übergegangen, Bausteine herauszu-gwen, um durch freiwillige Spenden einen angemessenen Fonds zu-sammen zu bekommen. Eine Reihe von Dieburgern des 2n- und Auslandes hat sich mit zum Teil recht namhaften Beträgen -an dieser Sammlung beteiligt. Immerhin genügt die 'bisher zufanrmengekommene Summe bei weitem noch nicht, um die Arbeiten in Angriff nehmen zu -können. Dresden. Am Sonntag, den 14. 3u-ni, fand in Dresden im Gemeinüch-aus, Zeughausstrahe 2, eine ordentliche Ausschußsitzung des Verbandes der Ifraelitifchen Ae'ligionsgemeinden in Sachs-en statt. Der Vorsitzende des Verbandes, Herr Rechtsa-moalt Paul Solinger, Dresden, leitete die Sitzung. Die acht Gemeinden des Freistaats Sachsen waren, mit Ausnahme von Plauen i. V., dessen Vertreter in letzter Stunde erkrankte, vertteten. und zwar: Annaberg, Bautzen, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Zittau und Zwickau. Der Verbandstag nahm einen Sahungsentwurf zur Vorlegung bei den beteiligten Gemeinden an. Sodann wurde eine übergemeindliche Regelung des Bautzen« ReligionSwrlerrichtes dadurch beschioffen, daß ein Dresden« Religionslehrer an zwei Tagen der Woche zum Religionsunterricht nach Bautzen fahren soll. Die übrigen Fragen waren nicht von allgemeiner Bedeutung. Elberfeld. 3n den Spnagogen-Gemeinden Elberfeld und Barmen entfaltete sich -im vergangenen Winter reichrs jüdisches Leben. Zu Beginn desselben konstituierte sich der jüdisch-liberale Gemeindevercin wieder neu, um seine Mitglieder auf relitziös-liberalcr Grundlage für alle Fragen des Judentums zu intneffieren. — Der MendelSsvhnv«ein, B«ein für jüdische Geschichte und Literatur veranstaltete in Gemeinschaft mit der Bergifchen Loge und dem Jüdischen Frauenbund, Ortsgruppe Elberfeld, mehrere wiss-euschaftliche Vorträge, in deren Mitte ein Ghettoliedrrabend von H«rn Oberkantor Ginger, Halle a. d. Saal«, stand, welcher Kompositionen eigner Fed« brachte. Außerdem sprachen Herr Professor Simchowih, Köln a. Rh., und Herr Professor Goldftein, Darmstadt. Für den kommenden Winter ist vom MendÄssohnverein wied«um eine Reche von Vorträgen geplant. Die beiden Ortsgruppen Elberfeld und Barmen des Jüdischen Frauenbundes suchten durch Einzelvorträge und Kurse üb« jüdische und allgemeine soziale, ethische und pädagogische Fragen den jüdischen Frauen bei der Erfüllung ihrer Pflichten als Gattin, Mutter und Mitglied der Gemeinschaft zu Helsen. Wertvolles leistete hierbei der Kursus von Herm Lehrer und Kantor Sußmann, Elberfeld über Gebräuche an Sabbat- und Festtagen. Herr Ob«kantor Zivi, Elberfeld, hielt in der Ortsgruppe Elberfeld an einem Nachmittag einen Vortrag über synagogale Musik. Die interessante Achett von Herrn Gtern-Großmann über die Geschichte der Juden in Elberfeld konnte an einem Abrnd zur Verlesung gebracht w«den. Zu Simchas-chor-a st-iftete der Jüdische Frauenbu-nd, Ortsgruppe Elberfeld, einen kunstvoll gearbeiteten Thora- Vorhang, zwe-i Mäntelchen und eine Alm-cmordccke für die Wallfahrtsfeste. — Immer weiteren Zuspruchs erfreut sich der jüdische Mädchenklub, besten Zusommenk-ün-fte regelmäßig Montags abend statttinden. Die Wohttätigkeitsvere-ine hatten wiederum eine schwere ^lusgabe zu erfüllen. Der Frauenverein Barmen mußte seine Hilfe in starkem Maße den einst begüterten Kleinrentnerkr-cisen zuwenden. Zum Sommer sind der Franenverein Barmen und Solmgen sowie auch der Frauen-verein Elberfeld gemeinsam mit dem Männerwohtätig-Keilsverein bemüht, eine größere Anzahl Kind« und Erwachsener in Erholungsheime und He-ilstälten zu entsenden. Durch den erschreckenden Umfang, den die Tuberku-losenerkrankungen genommen haben, sind hier Aufgaben, die bei dem Geld- und Wohnu-agsmangel noch schwierig zu lösen sind. Alle diese u-nd noch andere V«eine sowie die beiden Syn-agoaengemeindeir Elberfeld und Barmen sind vereint im Jüdischen Wohl fahrtsverband Elberfeld-Barmen mit Arbeitsnachweis und Berufsbevatuilg und jüdischem Wohlfahrtsamt. In gemeinsamen! Vertr-eterversammlungen werden FraKen. beraten, die alle angehen. Der Wohlfahrtsverband ist die Plattform, die alle eint. In letzter Zeit stand -im Vordergrund der Besprechungen das schrvi«-ige Problem -der Durchwandererfürsorge. Zu Beginn des Winters sprach in d« Generalversammlung Herr Dr. Segall, Leit« der Zentralwohlfahrtsstelle, Berlin, über die gegenwärtigen Forderungen der jüdischen Wohlfahrtspflege. Im Verlauf des Winters gelang es, Herrn Kaplan Carls, Generalsekretär des Kath. Karitasver-ba-ndes in Elberfeld, über »Meist und Sinn moderner Wohlfahrtspflege" zu einem Gemeindeabend zu gewinnen. Gilserberg. Mit dem im 74. Lebensjahr verstorbenen Kauf- - mann L. Stern v«liert die hiesige Gemeinde einen -ihrer treuesten1 und aufrichtigsten Bekenner unseres Glaubens, eine durch Gerad-- heit und Vornehmheit des Charakters ausgezeichnete Persönlichkeit, die sich der Gemeindeinteressen mit Eifer und Hingabe annahm und daher bei allen Alitgliedern geachtet und geschätzt wurde. Aber auch die übrige Bürgerschaft schätzl-r den Ver- > storbenen in hohem Matze. Am sichtbarsten wurde diese Be-? -liebtheit durch die außergewöhnliche Beteiligung hiesiger und« auswärtiger Freunde bei der Beisetzungsfeier. Ein Trauergefolge, - wie es unser Ort -nur selten gesehen hat, gab dem Verblichenen das Geleit zur letzten Ruhestätte, wo Lehrer Plaut aus Treyla, -der mehr als zwanzig Jahre hier wirkte, -die vornehmen Charaktereigenischasten des Verstorbenen würdigen lernte, die Trauer-, anöacht hielt und in schlichten, aber eindrucksvollen Morten ein -, lebenswahres Bild des Entschlafenen zeichnete. Hamburg. Am 13. Juni verschied, wie bereits mitgeteilt, im' Alter von f-ast 83 Jahren ö« um die Talmu-d-Tora-Realschule hochverdiente Direktor Dr. Joseph Goldfchmidt. In j-ungen Jahren kam er von Berlin, wo er studiert hatte und zum Doktor, promoviert worden war, nach Vollendung seines Staatsexamens' und kurzer Tätigkeit an einer Pri-vatschule an die Talmud-Tora- - Schule, die « 1876 verließ, um in Frankfurt am Main' eine ähn-- liche Stelle als Ob«lehr«r zu bekleiden. Nachdem -« dort 13! Jahre zu voller Zufriedenheit g«oirkt hatte, wurde er 1889 zum! Direktor der Talmud-Tora gewählt, der er bis zu seiner Ostern i 1921 erfolgten Pensioni-rrung seine ganze Kraft weihte. Bons sein« allgemeinen BeliebHeit zeugte das fast unübersehbares Trauergefolge, das chm am Sonntag vom TrErhaus, Hallerplatz»,! das letzte Geleit zum Friedhof in Langenfelde gab. Nach Luchem, i stillem Gebet wurde dort, was st«blich an Dr. Joseph Goldfchmidt war, seinem Wunsche -entsprechend ohne Trauerrede in dre Grifft! gesenkt. Köln. Der Central-Verem brutsch« Staatsbürger jüdischen^ Glaubens hat heute im Rahmen einer westdeutschen Verbandsbagung seine Mitglieder zu einer Kundgebung für Rheinland -und! Dewkschtum in das Kölner Opernhaus eingeladen, das von fast: 2000 jüdischen Deutschen dicht gehüllt war. 3n festlicher Stim-- mung lauschten die aus allen Teilen Westdeutschlands herbei-- geeilten Zuhörer der Ouvertüre der Oper Euryanthe, -meisterhaft^ von dem Kölner Orchester unter Leitung des städtischen Kapellmeisters Steinborg vorgetragen. H«r Bernhard Feiichenfeld, der Vorsitzende des linksrheinischen Landesverbandes des Central- Dereins begrüßte die Vertreter der staatlichen und städtischen- Behörden der Kölner jüdischen Gemeinde sowie die Mitglieder ' des Hauptoorstand-es und die Führer -des Centtal-V-rreins, die selbst aus Königsberg und Stuttgart erschienen waren. Diedeutschen Juden ließen sich trotz -des Judenhasses ihre Freude - am deutschen Vaterland nicht schmälern oder gar rauben. .„Ob Recht oder Unrecht, es ist mein Vaterland. Wir sind Deutsche Vn-d werden es immerdar bleiben." (Stürmische Zustimmung.) Mit nicht '2-ndenwollendem Jubel wird ein von denr Schau-, spiel« Fred Alexander vorgetragener Prolog des Herrn Emil! Blumenau ausgenommen, -der sich in schwungvoller Poesie gegen die unser Ansehen als Kulturnation gefährdenden Schande dcs- Iudenhasses richtet. Durch l-ebhaften Beifall begrüßt, nimmt der, Direktor des Eentral-Vereins, Dr. Hollaender, das Wort zu einer: Ansprache, in der er betont, daß die deutschen Juden sich mit v«.anbwortlich gefühlt haben für die Entwicklung -der deutschen Gesamtkultur. Sie nchmen auch an dieser Iahrt-ausen-feier in: treuer Liebe zu Vaterland und Religion, zu Glaube und Heimat! teil. (Begeisterte Zustimmung.) Herr Oberkcmtor Fleischmann-\ Köln, fingt die Arie aus „Elias" mit Orchesi-er-begleitung und findet1 lauten Beifall. Die eigentliche Festtede hält Gemeinderabbiner-! Dr. Adolf Kober, Köln. Wenn 11/2 Jahrtausende und mehr j Jahre Wohnende aus eigenem Boden, wenn Kulturgemeinschaft,. 1 wenn Kampf mit den Heimaiboden Heimatrecht gewähren, dann | besitzen die rheinischen Juden dieses Recht. In fast ein-stündig«1 Rede gibt Redner eine Uebevsicht über die Geschichte der rheini-i scheu Juden, von etwa 900 bis zur Gegenwart. Es ist die Ge-! schichte der Kulturgmeinfcha-st mit der rhemischen Bevölkerung, i Ferner zeigt R-ehner m beredten Worten den Kampf, der um! die Gleichberechtigu-ng im rheinischen Judentum gekämpft worden! ist. (Langanhaltender Beifall.) Machtvoll sehen die Klänge -er! Ouvertüre zu „Egmant'^ein, die die Versammlung mit sich fort' reißt.! Für die Zirseraten-Abteilung der Jüdisch-liberalen Zeitung j suchen wir mehrere tüchtige und repräsenlable 5)erren als Anzeigenverireter. 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