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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-06-26 · 26 (26.6.1925) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
26 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DmaerLS LH . T* V -' Die liberale Kundgebung Ißkne ZAesimRaffenversammlung in Berti«. - Ileichsminister a. O. Prof. Or. Hugo preuß spricht. - Oie deutschen »de« und der moderne deutsche Ratioualstaat. - Oie Reden von Prof. Türt-Berlin und Paula Ollendorf-Breslau. SnlSßstch ifrer Tagung des Preußischen Landesverbandes jfifcijt Gemeinden faich am Montag, den 22. Juni 1925, abends lg Hr, in der Gesellschaft der Freunde eine große Kundgebung Wt Der ©aal mar stark überfüllt. Hunderte konnten schon IE vor Beginn keinen Einlaß mchr finden. Der Borsitzende >des Liberalen Bereins für die jüdische Gezv Berlin, Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligh n, eröffnete mit >einer kurzen Begrüßungsansprache die Bergung. Fräulein Senta Pinette brachte mit meister- Technik das Andante aus dem Violinkonzert von Mendels- ,. zu Gehör. Weiter wurde die Versammlung durch einen angsvortrag des Oberkantors Magnus Davidsohn gefesselt, % einen stimmungsvollen Abschluß gab. S erster Redner erhält daS Wort zu einem Bortrag über Sie henttge potttische Lage des Reiches «nd das deutsche Judentum sWichSmiutfier a. O. Prof. Or. Hugo preuß, Berlin: Wenn mir Äe ehrenvolle Aufgabe zuteil gowordrn ist, an Abend, der der Begrüßung des Preußischen Landesverder jüdischen Gemeinden gilt, zu Ihnen zu sprechen, so ß ich, daß -es nicht meme Aufgabe sein kann, über die unieDoren, ich möchte sagen, technischen Aufgaben des La ndesndes zu reden. Dazu bin ich nicht berufen, und was deines es nicht ist. da laß deinen Fürwitz. Auch nicht über speztel-!ae Fragen des inneren, jüdischen Gemeinden- und religiösen Lebens will ich sprechen. Aber wo eine solche neue Orgairisajlfitu von starken Kräften des Gemeinlebens in Wirksamkeit tritt. |ta entstcht sofort eine Wechselwirkung zu allen Elementen des staaÄichen, nationalpolitischen Gemeinwesens. Und über diese Beengen und Wechselwirkungen möchte ich ein wenig zu Ihnen :eten. Es scheint fast, daß zwischen Deutschen und Juden eine beider« Schicksalsverkettung vorhanden ist. Nachweislich seit Mdestens anderthalb Jahrtausend, wahrscheinlich länger leben diese „Fremdlinge" auf deutschem Boden. Es gibt, glaube ich, aus der Erde praeter propter 15 Millionen Juden. Bon denen leben etwas über eine Halde Million in Deutschland, aber für ugeführ 10 Millionen ist deutsch die eigentliche Muttersprache, |fit zwei Drittel der Juden, die die Erde bewohnen. Da sind vielleicht mystische Zusammenhänge, und wenn es das Schicksal des jZiüentums vielfach gewesen ist, fremd unter den Völkern herum- Motzen zu werden, Feindschaft auf allen Seiten zu finden, — ad) wir als Juden in Vergangenheit und Gegenwart erlebt haben, öai haben wir als Deutsche in den letzten Jahren und Jahrzehnt M in derselben Weise erlebt. (Sehr richttgl) Man sollte meinen, joMn man vom Aberglauben nicht loskommt, auch in pdlitischen Birgen den Menschen als ein vernunftbegabtes Wesen zu beirrchten, daß allein schon diese Erfahrungen, nennen wir es des Aniibochismus. im Lande der Boches den Antisemitismus hätten unmöglich machen sollen. (Sehr richtig!) Daß es nicht der Fall Uwescn ist, wissen wir alle. Wer auch dieser Antisemitismus siellt wieder eine besondere Beziehung her und stellt eine betontere nationalpolitische Bedeutung der Juden in Deutschland -error. Es leben knapp 600000 Juden unter den 60 Millionen nichtjüdischen -Deutschen, also knapp 1 Prozent. Run könnte man ja fügen, da die Geschichte nicht sentimental ist: was kommt es auf tes Schicksal dieses einen Prozent an? Möge mit ihnen werteit, was da will, darüber können die anderen 99 Prozent zur Tagesordnung übergehen. Rein, das können sie eben nicht. Denn aiit dieser Frage des einen Prozent werden die 99 Prozent nicht fertig. (Heitere Zustimmung.) Diese Frage färbt ab auf alle politischen Verhältnisse, Verladungen und Gegensätze in unserem deutschen Vaterland. Gewiß, Äntisemitismus in verschiedenen Gestalten und Formen gibt mehr oder minder überall, und das ist begreiflich nach den Pschichtlichen Erlebnissen und Erfahrungen und Gewohnheiten fl> vieler Jahrhunderte. Aber in keinem modernen Kulturlande Mi, sagen wir mal, die politische Mentalität des Antisemitismus >» seinem Pro und Contra so im Mittelpunkt politischen Lebens wie in Deutschland. (Sehr richtig!) Diese Frage färbt, wie ich sagte, auf alle politischen Verhältnisse ab. Wie erklärt sich das? Der 'Antisemitismus, nicht als gesellschaftliche oder individuelle Erscheinung, aber als politisches Machtmittel und politisch wich- % Erscheinung, ist in demselben Maße überall zurückgetvrten, Dir sich der moderne Nationalstaat in seiner heutigen, in seiner politisch,demokratischen Form und Gestaltung entwickelt und konsolidiert hat. Man kann geradezu sagen: es ist ein Symptom, tes n>ic ein historisch politisches Barometer anzeigt, wo die so- Mannte Judenfrage eine große Rolle spielt. Wo der Antise- EismnS im öffentlichen Leben überwiegt und bedeutungsvoll % da ist die Entwicklung des Nationalstaates noch nicht vollen- H ö.i ist der moderne nationale und demokratische Staat noch Entivicklungsstadium steckengeblieben. Und so ist es in Deutschland. Das wird ja auf allen Gassen Mimjchrien: die Verfassung von Weimar hat den modernen ^mokrrtischen Nationalstaat zur Grundlage nach dem Zusammenoroch der politischen Organisation des deutschen Volkes gemacht, die hat damit angeknüpft an Bestrebungen, Wünsche, Gedanken kr besten Deutschen vergangener Generationen. And laut hallte allen Gassen, anknüpfend an die sehr sekundäre Tatsache, daß <■5 mir, einem Juden, vergönnt war, etwas mitzuarbeiten an der Mciiiung dieser neuen Verfassung: ein undeutsches Werk, eine Jubcnncrfaffung. Andeutsch, weil sie deutsch-national ist, weil sie kn deutschen Nationalstaat organisiert. Und wie wenig undeutsch « i[t wie echt deutsch sie ist. das zeigt sich an ihren Schwächen kh mchr als an ihren Vorzügen. (Sehr gut!) Denn die Einheit v 1 m v U») uU) IVU vvt iuwvvv v l( ha ~» ( >»crf und entwickelt hatte, da hat er selbstverständlich fernem Innerste» geistigen Wesen nach, weil er eine Einheit der Ueber- IMganlt. des Willens, der Kultur, der Sprache, des Denkens ist, IJ'k m Volke lebenden, mit ihm lebenden, in seiner Kultur lebenskn, in feiner Sprache sprechenden und denkenden Elemente, Mich ^lUg welches Glaubens, welcher engeren Natur und Art. hätte beinahe gesagt: welcher Rasse — wir werden darauf Jod> M sprechen kommen, aber wir wissen genug davon, daß das r?.r ü roßte Ansinn und Mißbrauch des Wottes wäre — ich sage, |JC Eie mente hat sich dieser nationalpolitische Staat gemeinsamen I^kcns und Lebeas in der höchsten Gemeinschaft der re» publica W-lgan,iert,. zu.emer Einheit Ebunden, Da mögen,-ann^tzflch gesellschaftliche Veilletäten kommen, die mag dieser oder jener für fein halten, er mag was Apartes haben wollen gegenüber anderen, da mögen Konkurrenz und andere Rücksichten -auch noch sich geltend machen, und Gott sei Dank die Menschen im Ausland sind ja auch keine Engel, aber als ein politisch wesentliches Element kann es sie nicht geben. Deutschlands Unglück in seiner geschichtlichen Entwicklung war der Gegensatz zwischen seiner staatlichen Entfaltung und seiner nationalen Einheit. Staatliches Wesen in Deutschland hat sich durch die Jahrhunderte im Gegensatz zur nationalen Einheit, im Gegensatz zu jener Konsolidierung der kulturellen Einheit der Nation entwickelt in Gestalt der landesfürstlichen Obrigkeit, ihres Heeres und Beamtentums. Was es an staatlichem Wesen in Deutschland durch die Jahrhunderte gab, hat sich an diese patrimoniale Obrigkeit augesetzt. Das war der Gegensatz zu einer nationalen Entwicklung und Konsolidierung des Gemeinwesens und Gemeinlebens des Volkes von unten herauf. Es war ein obrigkeitliches Regiment von oben nach unten patrimonialer Art mit Ausschließungen allerlei Art. Es fehlte jenes Fluidum einer nationalen Gemeinsamkeit des ganzen öffentlichen Lebens. Daher Schranken nach allen Seiten, Klassenbildung überall. And wie sollte man da nicht, wo einer den anderen nach Möglichkeit aus- ^uschliehen suchte, in patrimonialer Enge, vor allen Dingen den auden ausschließen? Ja, mchr als.das: die Gegensätzlichkeit zum Juden war fast eine unwillkürliche Aeußerung des Festhaltens an den überkommenen Formen der Obrigkeit, des Adels, der Patrimonialität und Feudalität. Ein sehr charakteristisches Symptom: als im Zusammenschluß dieser deutschen obrigkeitlichen, landesstaatlichen Verhältnisse mit dem durch die große Revolution regenerierten Frankreich auch der Staat Friedrichs des Großen zusammengebrochen war, und nun jene Stein-Hardenbergsche Reformen die erste Grundlage einer Entwicklung legen wollten und nur sehr zum Teil legen konnten, deren Ziele die moderne national-staatliche Entwicklung sein mußte, da rief der streitfrohe Junker von der Marwitz jenes berühmte Wort: die Reformer wollten aus dem alten königlichen Preußen einen neumodischen Judensiaat machen. (Heiterkeit.) Also so um das Jahr 1810 herum! Run stellen Sie sich das vor! Von politischjüdischen Einflüssen konnte damals, wo die Emanzipation noch kaum auf dem Papier in ihren Anfängen erlassen war, keine Rede sein, Barmat-Skandule konnte man nicht aus die Beine bringen. Was sich der sonst gar nicht dumme, im Gegenteil sehr Kluge und lehr energische Herr v .d. Marwitz unter „neumodischem Judenstaai'^ gedacht hat? — Was er sich überhaupt unter neumodischem Staat gedacht hat, kann ich mir schr wohl denken. Das sah man drüben in Frankreich. Und das Lpiteton ornans „Jude" wurde damals schon zugefügt ohne Sinn und Verstand, nur um etwas verächtlich zu machen. Denn was war denn bis dahin, namentlich in Preußen von Juden im öffentlichen Leben hervorgeireten? Ich wüßte nur die eine einzige Tatsache, daß ein Jude die Frechheit gehabt hatte, ein besserer deutscher Schriftsteller zu sein als Friedrich der Große. (Heiterkeit!) Das war Moses Mendelsohn. Sonst wüßte ich nicht, daß die Juden sich bis dahin politisch lästig gemacht hätten. Wer das ist bereits bezeichnend. Jeder Versuch, jeder Anlauf in die Bahn der modernen demokratischen national-staatlichen Entwicklung das deutsche Volk hineinzuführen, ruft selbstverständlich den wütenden Widerstand aller alten Mächte und Kräfte hervor, und sie rufen schon bei den ersten Anfängen, wo, wie gesagt, alle jene Gründe oder Vorwände, die man neuerdings dafür hervorgesucht hat, unm öglich schon zu erbringen waren, doch immer wieder antisemitische Regungen, das Wort ,Jude" zur Hilfe. Man - kann am letzten Ende allerdings nicht erwarten, daß die Gegner einer dem Volke, als ganzem günstigen Entwicklung lagen werden: dich wollen wir nicht, dich Volk wollen wir in Antertäuigkeit halten. Nein, da liegt die Argumentation näher, zu sagen: du edler Deutscher hast eine arische Abneigung, gegen Freiheit, gegen Demokratie, gegen nationale Selbständigkeit, das sind fremde Erfindungen, das ist fremdes Gist, das dir eingeflöht werden soll von den Fremden, die unter dir leben, den Juden. And dann hat es noch den weiteren demagogischen Vorteil, auch dem Antertan, den man in vollster Untertänigkeit hallen will, ldem Landbewohner, den man in der Abhängigkeit von dem Grundherrn halten will, wie das ja damals im Anfang des 19. Jahrhunderts der Kern des Kampfes war, immer sagen zu können: du bist noch nicht der Unterste auf der menschlichen Nangleiter, du hast noch einen unter dir, das ist der Jude. (Heiterkeit.) Wir wissen, wie schwer unsere deutsche Entwicklung darunter gelitten hat, daß jene -nationalsiaatliche Bildung im modernen Sinn und Geist von den anderen Landern rings herum soviel früher vollendet war. Wir wissen, wie das ganze neunzehnte Jahrhundert durchdrungen war von dem Ringen und Streben, Deutschland da^ Versäumte nach Möglichkeit nachzuholen, auch das deutsche DM ln d-er Einheit des modernen nationalen Staates zu verbinden. Und überall und immer wieder sind jene Bestrebungen bekämpft worden von den reaktionären Mächten, und immer wieder ist in Momenten, di-e für jene Mächte, die der modernen national-staatlichen Entwicklung widerstrebten, kritisch wurden, der Furor des Antisemitismus zur Hilfe gerufen worden. Es ist kein Zufall, sondern liegt ln jenem Zusammenhänge, daß die nationale staatliche Bildung alle in gleicher Kultur, gleicher Sprache, d. h. im wah ren Bolks tum verdu nüenen Elemente und damit auch das jüdische Element mit heranzieht, daß immer da, wo diese Strömungen zeitweis e Erfolg haäten, auch auf deutschem Bo dem jüdischeMänner impolitischeu Leben eine Rolle und regelmäßig eine im nationalen deutschen Ein ne über aus ehrenvolle Rolle gespielt haben. Ich brauche nur an die Tage von 1848 zu erinnern, an Simson, Gabriel Rieher und viele andere — ich will sagen: manche andere, viele ist zu viel gesagt. Denn die Möglichkeit, auch in günstigster Zeit eine führende pollttsche Rolle zu spielen, war für den Juden immer eine schr beschränkte. Aber sie war möglich und lag in der Natur der Dinge, in der ganzen Art jener Strömung und Bewegung, die eben das kulturell und politisch Gemeinsame im Volke in den Vordergrund brachte. Und immer wieder erfolgte ber Gegenstoß -er rckiktionären Mächte unter Anrufung der blinden Leidenschaften des Antifemi- > Ss-nus,.. Nun, iaic ^wissen, .,doß.^als - die.sLkvichtüng. des,heuR'' Kaiserreichs durch die Siege der preußischrn Waffen tn6 die Staatskunst Bismarcks geschehen war und man eine Zeittang sich in der Hoffnung wiegte, daß nun die Bahn frei sei, auf der Deutschland die national-staamche Entwicklung im modernen Sinn und im Geiste der übrigen großen Länder erreichen werde, es eine Zeitlang schien, als ob auch die Wirkung national-staatlicher Entwicklung, daß es innerhalb der Einheit und Gemeinsamkeit des Staatsvolkes jenen alten Schemen der Judenfrage nicht mehr gäbe, sich hier zeigen und betätigen würde. Es war jene Zeit, .die man in der uns in dies-rn Dingen angewöhnten Bescheidenheit die liberale Aera in Deuischland zu nennen pflegte. Gerade weil jene Entwicklung zu den modernen Formen des demokratischen Nationalstaates, wie er alle Kulturstaatrn ringsum beherrschte, von Deutschland ferngehalten werden sollte, wurde mit der Reaktion gegen jene liberale Aera nun die neueste Phase des Antisemitismus in Deutschland entfesselt. Ich sage: neueste Phase. Sie hat mehrere Anterphasen gehabt, aber im großen und ganzen ist -es eine große Bewegung, die sich seit dem Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts hier geltend macht. And was der Deutsche tut, das tut er mit wissenschafilicher Gründlichkeit, wenn auch weniger mit politischer Geschicklichkeit. So wurde die antisemitische Bewegung, die Stimmung gegen bas Judentum nicht nur auf Leidenschaften und Fanatismus gestützt, sondern auf eine wissenschaftliche Grundlage. Wir Deutsche dürfen allerdings mit Stolz bekennen: die wissenschaftliche-n Väter dieser Pseudowissenschaft, die die Edelrasse des reinen Ariertums verkünden und die so viele Gläubige bei den Deutschen gesunden haben, waren keine Deutschen, weder Gobineau, noch Houston Stua-rt Chamberlain. Ein Franzose und ein Engländer mußten die Deutschen ihre R a sj e n r ei n he i-t leh r en. Es ist in diesem Kreise nicht nötig, es ist wohl überhaupt vor »ernünfttgen Menschen nicht nötig, diese Lehre zu widerlegen. Man möchte mit Nietzsche, der ja auch gel-rgentlich jenen, Gesinnungsgenosien zugerechnet wurde, sagen: es sei seine Maxime, mit keinem Menschen zu verkehren, der an den verlogenen Rassenschwindel glaubt. Ja, im politischen Leben -kann man sich, nun leider nicht aussuchen, mit wem man vrrkehren will, ünd mit wem man nicht verkehren will, der will feindlich mit einem verkehren. Aber in der Tat ist es so: man hört ein ganzes Heer von hunderttausend Narren sprechen. Was aber das Entscheidende unter dem Gesichtspunkt, den ich hier in den Mittelpunkt gestellt habe, ist: diese ganze Ausfassung de.a Rassenlehre als politisches Fundament verkennt vollkommen, was ein Volk in natiouaÄ.- politischem Sinne ist, verkennt vollkommen bfte staatspolitische Bedeutung, das staatspolitÄsch^e Wesen der Nation. Denn eine Ration ist ketlM, Tierrasse, nicht eine Dtehkoppel, sondern sne ist ein geistiges, ein geift i g-sittl ich es Elemeivt, beruhend auf tausend verschiedenen Komponenten. Unter diesen taufenden von Komponenten spielen auch AbstammungS-, sogenannte Rallenverhältmsse eine gewisse. aber noch in keiner Weise wirklich klar ergründete Rolle." Aber nur eine unter tausend anderen, unendlich viel Wichtigeren. Raftehunde, Raffepferde jawohl — aber was den Menschen vom Vieh trennt oder trennen sollte, ist nicht nur sein« Drache, sondern auch das Denken, aus dem dies« Sprache resulttert und darcmjf sich aufbauendie ganze Kulturgemeinschaft und die weiteren physischen Merkmale. Es kommen dabei die scherzhaftesten Mnge^vor. Wir-wiLen. daß der Jude verächtlich angesehen und nicht als Deutschev^etrachtet wird, weil er ein Run-dschädel ist, während der wahre, Edelbeutsche «in Langschädel sein muß. Haben Sie mal «in .Mld von Luther gesehen? (Heiterkeit.) Einen ausgeprägteren Runüschäbel kann man sich nicht vorstellen. Er wird wohl den Weg anderer Deutscher gehen, die als Juden entlarvt sind. Oder sehen Sie sich Goethe an: ebensalls ein ausgeprägter Rundschädett Dasselbe gilt von Kant, Schopenhauer und lost not least .auch von Bismarck, auch ein ausgeprägter Rundschädel! Trohdem-hoird der Ansinn immer weiter geredet. And dann die anderen schädlichen verächttichen Eigenschaften! Sie erinnern sich ja alle, welch unsagbar schlechte Eigenschaften wir alle hatten, nicht nur als Juden, sondern in diesem Falle noch besonders als Deutsche während des Welkkrieges. Das kann' man jetzt oft in drr antisemitischen Schmutzliteratur finden. And wenn mal einem gar nichts recht anauhaben ist, dann ist er natürlich kein Jude. Sie wissen, daß. Cyamberlain erwiesen hat, daß. Jesus kein Jude sein konnte und es daher auch nicht war. Wir haben im Weltkriege gelesen: Kant ist natürlich kein Deutscher,' sondern «in Schotte, weil er entf-rrnt mal, glaube ich, schotttsche Vorfahren hatte, und Beethoven ist natürlich ebensowenig ein. Deutscher, sondern ein Belgier usw. Es wäre in der Tat vergebene' Mühe und vergebene Anstrengung der Logik, noch'weiter dergleichen zu widerlegen, was im übrigen hundertfach und tausendfach ^erzeugend von allen ernsthaften Beurte-ilern zurückgewiesen ist. Aber wir dürfen uns auf der anderen Seite nicht dazu ver- Mren und verdrängen lasten, über diesen Auswüchsen eines, fiaatspolitisch wahnsinnigen Nationalismus die hohe Bedeutung der nattonalen Zusümmengchörigkeit der nationalpolitischen unstaatlichen Gemeinschaft nicht mehr anzuerkennen, hochzuhaiten, sondern wir müssen mit der ganzen Kraft uitterer Seele und unseres Geistes für sie arbeiten. Wenn man ^ene Auswüchse mit all ihren Greueln und Scheußlichkeiten, wenn man das Treiben von Menschen, die sich mit uns Deutsche nennen und die durch ihr Der- §ür unser Berliner Äüro suchen wir zu soforiigem ^Ankttt ein Lehrmädchen das sämtliche Äüroarbeiten erlernen tonn. Schriftliche Bewerbungen sind zu richten an die Z«»isch.liberaleZeitung, Berlin WS, Mauerstr.rr. - ■■■■■■■■■■—■WMilil'

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