Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Beitragszahlung. Der Beitrag für das' dritte Vierteljahr 192S ist am 1. Mi Wig! Oer Mindestbeitrag -«trägt Mark 2,50 einschließlich ZeiiungS-ezug. Da, wo Ortsgruppen bestehen, sind hiervon Mark 1.— an diese abzuführen; wo keine bestehen, ist der volle Beitrag von Mark 2.50 an die Unterzeichnete Bereinigung zu zahlen. Sind mehrere Angehörige einer Haus^ütung Mitglieder -er Bereinigung, so ermäßigt sich der Mindestbeitrag für das zweite und jedes weitere Familienmitglied auf Mark 1.50; von diesem Betrage sind da, wo Ortsgruppen bestehen, Mark 0.50 an diese abzuführen. Die ordentlichen Mitglieder der „Jüdisch-liberalen Jugendvereine" haben nur Mark 1 vierteljährlich für den Bezug der Zeitung zu zahlen. Bon den Mitgliedern in Aachen, Augsburg, Berlin, Bingen a. Rh., Bochum, Jli-Breslau, Brieg, Kassel, Danzig, Dortmund, Dresden, Elberfeld, Frankfurt a. M.,Frelburg i.Br.. Gelsenkirchen, Heidelberg, Herford i.W., Kaiserslautern, Köln a. Rh., Königsberg, Konstanz, L eipzig, Leignitz, Lünen, Magdedurg, Mainz, Mannheim, Munster i. W., Ramslau, Offenbach a. M., Oppeln, Ratibor,Schneidemühl, Sobernheim, Stettin, Alm a.D. und Wiesbaden wird der Beitrag durch die örtliche Organisation (Ortsgruppen, Liberale Vereine, Jüd'rfch-liberale Jugendvereine oder Bertrauensleute) eingezogen. Diese Mitglieder haben einen direkten Beitrag an die Zentrale also nicht zu leisten. Alle anderen Migtlieder unserer Bereinigung fordern wir auf, den Beitrag umgehend direkt an das Büro, Berlin W8, Mäuerstraße 22, Postscheckkonto: Bereinigung für das liberale Judentum e.B, Berlin Rr. 137 060, mutels beiliegender Zahlkarte einzusenden. Wir machen darauf aufmerksam, daß der angegebene Beitrag einen Minde stsatz darstellt und richten an alle Mitglieder, die dazu irgend in der Lage sind, die dringende Bitte, freiwillig darüber hinaus einen möglichst hohen Betrag zu zahlen, da der in dauernder Entwicklung befindliche Ausbau unserer Organifation und der Zeitung immer gewaltigere Mittel erfordert. Zugleich fordern wir die Abonnenten der „Jüdisch-liberalen Zeitung" zur Zahlung des Bezuasvreises für das dritte Bierteljahr 1925 in der Höhe von je Mark 2.50 auf. Rach dem 15. Juli 1925 sind üür genötigt, die noch nicht eingegangenen Beiträge durch Postnachnahme ein- Mzwhen. Wir weisen auf die dadurch entstehenden Mehrkosten hin und bitten um pünktliche Einsendung der Beiträge. Bereinigung für das liberale Judentum e. B. klerzu auch gesprochen: „Wenn Ihr den Bund auf Erden gründet, öcn Bund der'Einheit, denn ist Gott verherrlicht, der Gott Israels in seinen himmlischen Kühen." Einheit nicht um äußerer Zwecke willen, Einheit nicht aus Trägheit und Bequemlichkeit, Einheit nickt in Gedankenlosigkeit und Lebenslosigkelt, Einheit nicht der Schlummernden, sondern der Wachenden und Lodenden. Einheit von Persönlichkeiten, von jüdischen Menschen, das ist iic Heiligung des göttlichen Samens. Das möge als das Wort für unsere Beratungen sich bewahren. (Lebt). Beifall und Händeklatschen.) In Vertretung des Oberbürgermeisters Böß begrüßte S t a d t r a t T r e i 1 e l die Tagung ru i t folgenden Worten: „In Vertretung des Herrn Oberbürgermeisters von Berlin, der zu seinem Bedauern heute verhindert ist, <m der Tagung teilzuurhmen, und im Aufträge des Magistrats der Stadl Berlin, den zu vertreten ich die Ehre habe, erlaube ich mir. Sie zu Ihrer ersten Tagung in Berlin im Namen her Stadt Berlin herzlich willkommen zu heißen. Ich erlaube mir, don Wunsch anzusügeu, daß Ihre Tagung von Segen fein möge für die Gejamtheit derer, die Sie vertreten. (Beifall.) Für den Verband der Israelitischen Religion s g e nr e i n s ch a f t im F r e i st a a t Sachsen begrüßte Rechtsanwalt S a l i n g e r die Tagung wie folgt: „Der Verband der Israelitischen Religionsgemeimsü-aften im Areistaat Sachsen dankt herzlich für die Einladung zu ihrer heutigen Tagung und wünscht Ihren Arbeiten den vollen Erfolg. Wir sind der Einladung um so lieber gefolgt, di auch wir im Begriffe sind, auf Grund des Artikels i;>7 der Reichsverfaffung uns zu konstituieren und mir erhoffen und wünschen von der Tagung des großen preußischen Verbandes hierfür Förderung und Unterstützung. Nicht' zum wenigsten darum wünschen wir Ihrer heutigen Tagung und Ihren Arbeiten einen vollen Erfolg. Möge Ihre Tätigkeit zum Segen werden, nicht nur für die Iuden Preußens, nein, für das gesamte Judentum." (Lebhafter Beifall.) Für den Verband Jüdischer Restg i o n sg e m e i n - schäften in A n h >alt - D e s s a u begrüßte Staatsrat D i. L o h n d i e V e r s a m m l u n a mit f o' q e n d e n Worten: „Wenn der kleine Landesverband der anhaitischen israelitischen Religionsgeineinde es für richtig gehalten hat, der freundlichen Einladung Ihres Vorstandes, für die wir dankbar sind, zu folgen, und Vertreter zu Ihrer Tagung zu entsenden, so ist das aus zwei Gründen geschehen: Einmal wollten wir zu unserem bescheidenen Teile ein Zeichen dafür geb-en, daß weit über die Grenzen Preußens hinaus die gesamte deutsche Iudenhcit Ihrer bedeutungsvollen Arbeit mit größter Aufmerksamkeit folgt und Ihnen hei der Erledigung Ihrer wichtigen Aufgabe von ganzen! Herzen vollen Erfolg,wünscht im vollen Vertrauen darauf, daß der große Moment ein großes Geschlecht finden wird. Dann aber, und das ist es, was wir ganz besonders in den Vordergrund rücken möchten, weil wir uns davon, was Sie schon bei der Begründung des Verbandes beschlossen haben, was Ihr Herr Vorsitzender heute so warm hervorhob, weil wir Ihre Aufmerksamkeit für die Lösung der Aufgabe gewinnen wollen, die uns Außenstehenden als die wichtigste erscheint: die Begründung des Gesamtorrb-andes der deutschen Juden (Beifall). Seine Gründung ist keine Panteifrage, ist überhaupt keine Frage mehr, sondern der breunende Wunsch der 11 eberzahl der deutschen Inden. Möge es bald gelingen, die Bedenken zu zerstreuen, die dem Gelingen des großen Wunsches noch etwa entgegenstehen. Unsere Bitte ist, daß Sie über den vielen anderen schweren Arbeiten, die ihrer Erledigung harren, diese wichtigste nicht aus dem Auge verlieren möchten: Im geeinten «deutschen Volke, ein geeintes deutsches Iudentum! In diesem Zeichen wird Ihre, unsere gute Sache siegen." (Lebhafter Beifall.) Es werden noch ein Begrüßungsschreiben des Verbandes bayerischer israelischer Gemeinden und ein Vagrühungstetegramm der Landessynode Karlsruhe verlesen, und es wird zur Wahl des Präsidiums der Tagung geschritten. / Justiz rat Sonnenseid ist zum ersten Vorsitzenden ge- Mhlt, er erweist daraufhin das Wort zu folgender Ansprache: „Eöe haben mir eine Ehre erwiesen und mich zum Präsidenten der Versammlung ernannt. Ich danke Ihnen dafür und darf die Versicherung abgeben, daß ich die Würde des Amtes zu schätzen weiß, ich darf aber hinzusügen, daß ich mir der Bürde des Amtes auch bewußt bin, um so mehr, als ich weih, daß ich über die Grenze der Selbsterkenntnis hinaus Mängel mitbringe, von denen ich wünsche, daß sie nicht zum Schaden der Arbeit gereichen möchten. Als wichtigste Ausgabe in meiner Amtsführung stelle ich mir die Pflicht der Unparteilichkeit vor. Ich weiß, daß es eine absolute Unparteilichkeit unter Menschen nicht gibt, aber ich rechne damit, daß Sie ein milder Richter sein werden, wenn Sie erkennen, daß ich das Streben mitbringe, unparteiisch, nicht nach rechts und nicht nach links aozuzielen. Anknüpfend an die Worte des Herrn Kammergerichtsrat Wolfs darf ich versichern, daß ich die Auffassung unseres Herrn Reichspräsidenten teile: die Auffassung, der er ungefähr dahin Ausdruck gegeben hat, als er je einem Vertreter der drei Aelig'ionsgesell schäften empfing, eiuzutreten für friedfertige Gesinnung, für gegenseitige Ächtung und für gemeinsame Arbeit mit dem Hinzufügen, daß nur diese drei Eigenschaften eine geeignete Grundlage für den Aufbau des Vaterlandes sind. Die Worte des Reichspräsidenten haben mich erinnert an die letzte große 91 :■ Walter Rache na us in Stuttgart, in welcher er daraus hmioics. daß die Gesundheit eines Volkes nicht geschaffen wird durch die Verhandlungen mit dem Auslande, und nicht durch die heften Verträge mit dem Auslände, sondern daß die Gesundheit eines Volkes ruhen muh in seinem Innenleben, in der Pflege von Seele und Geist, und daß es unsere Aufgabe ist, daß es nach den herrlichen Worten des Herrn Rabdiner Dr. Baeck gerade die Aufgabe, der Zweck, das Ziel des Landesverbandes und seiner Gründung ist, Seel^ und Geist im Sinne unserer Religion zu pflegen und daß wir nicht daran Vorbeigehen werden, auch den Träger von Seele und Geist, in den Röten der Zeit oft verkümmerten Körper mit allen Kräften unseres Könnens zu stützen. Das glaube ich in Anspruch nehmen zu dürfen für die Ziele unseres Verbandes sowie ferner, daß die Gründung, der Weg und das Ziel dcs Landesverbandes auch der Mitarbeit unseres Vaterlandes dienen soll. (Lebhafter Beifall.) lind wenn wir das erreichen, daß wir durch die Eintracht im Innern zur Eintracht mit den anderen Religionsgemeinschasten gelangen, zur Eintracht innerhalb des ganzen deutschen Volkes gelangen, dann dürfen wir vielleicht hoffen, daß dereinst, wenn uns der grüne Rasen längst deckt, unsere Enkel gern'von uns und unseren Mühen und Leistungen erzählen und sich gegenseitig anhören werden. And wenn wir jetzt in diesem Sinne sagen: Daran wollen wir Mitarbeiten, daraufhin wollen wir streben, dann wird, so hoffe ich, der segnende Wunsch des Herrn Rabbiner Dr. Baeck in Erfüllung gehen, daß wir hier stechen, nicht um kleine irdische Vorteile zu erreichen, sondern um Zeugnis abzulegen für unser Wollen, für die Aufgaben, die uns Gott gesetzt hat, Nächstenliebe zu üben und so den Romen Gottes auf Erden zu heiligen." (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Zum zweiten Vorsitzenden wurde dann Dr. Kol len sch eh- » Berlin, zum dritten Vorsitzenden D r. I s i Kohn - Berlin gewählt. Außerdem wurde Rabbiner D r. Braunschweig - Oppeln.zum Mttgllede des Präsidiums der Tagung gewählt. JsJfcTmt Dt.'' F le i sche r-S ch n eid emüh f und D r. Frank-Altona sind zu Schriftführern gewählt. (Schluß des Berichts siehe zweite' Beilege.) ru tun." (Während die Wahrheit für jedermann erkennbar doch ist. daß die völkischen Helden zu einem neuen „Wahn-!inn" hetzen.) Die Rede eines vernünftigen Menschen ätte dagegen zu lauten: Sogar was man für Wahnsinn hält, ann eines Tages Wahrheit werden und nirgends gibt es dafür so viele Belege wie im Alten Testament der Juden. Wir hätten viel mehr in diesem Buch lesen sollen, als in Schriften, die von modernen jungen ober auch beschränkten Leuten überhaupt ausgehen, zumal es auch in Deutschland einmal Ansichten gav, die nickt nur von den Schwaben das Alter von wenigstens'vierzig Jahren verlangten, ehe man große Töne zu reden Hütte. Eben daran» daß man in Vorkriegszeiten gelacht hätte, wenn usiv., ist zu erkennen, daß wir damals nichts wußten,- hüten wir uns also vor einer Fortsetzung oder gar Steigerung des Borkriegrfystems, trauen mir nicht mehr so leicht dem Geflunker allzujungrr, unkritischer Leute, die alles lächerlich finden, was gegen ihre Eitelkeit geht, die sich schon zum Lehrer berufen fühlen, wenn sie eine „Begeisterung" in sich spüren, von der sie nicht ahnen, was sie bedeutet, kurzum: gehen wir, wenn's nicht anders möglich wäre, sogar zu Luden und Iudengcnosscn in die Schule, die neben der Begeisterung auch dem nüchternen Menschenverstand ein Recht einraumen, und lernen wir vor allem auch dieses als eine der wichtigsten Einsichten: der ehrlichste Mensch von der Welt, wenn er, abgesehen von der vorauszusetzenden intellektuellen Anlage, noch keine Zeit gehabt hat, über Menschen und Dinge auf Grund vielfältiger eigener Erfahrungen nachzudenken, kann, an eine verantwortungsvolle Stelle gehoben, unter umständen ein viel größerer Schädling sein, als der ärgste Landesfeind. So hätte ein ehrlicher Mensch zu reden» der zugleich auch über einen erprobten Verstand verfügt, einer, der etwas mehr uufzeigen müßte als eine „abgeschlossene Elementarbildung", und m solcher Mensch würde sich dann verächtlich Vorkommen, wenn er einen nnwissenden Pöbel auf „die Juden'' Hetzen sollte, weil wieder mal ein Sündenbock gebraucht wird. Er wüßte auch, daß rr kein „Führer" wäre, gäbe er den rohesten Masseninstinkten nach und stachelte sie noch auf, sondern ein armer Verführter oder Irrer, ein einfaches Mitglied des Pöbels, der bekanntlich seine „Ersten" aus den Wahrhaft-Letzten wählt. Es lohnt sich wirklich nicht, ein weiteres Aufheben von den »Reden" Hitlers zu machen, es find Reden eines unreifen und "M-„begeisterten" jungen Menschen, - dem die Ehrlichkeit seiner «Trundübcrzeugung , die ein „GruAdirrtum" ist, sofern Mcnschenvernunft überhaupt noch etwas gelten soll, gar nicht bestritten M werden braucht. Auch Rompilger — um ein Beispiel ^aus feinem Feindeslager zu nehmen — folgen einer zutiefst sitzenden individuell-lebendigen „Wahrheit", wenn sie sich mit dem Ruf ..öiva Madonna'^ unter die Räder einer Lokomotive stürzen zermalmt werden: dieselbe Art „Wahrheit" tragen Leute 'u sich, die sich für ein Ei oder für ein Wesen aus Glas galten und übrigens nur darum interniert sind, weil ihren Irrtum ziemlich alle erkennen. Was die „völkische Bewegung" will, ergibt sich aus einer Fußnote S. 3. wo es von um Iuden heißt: „Sie fürchten sich einzig vor der völkischen Bewegung, da diese keine Partei ist, sondern einen fanatisshen Glauben, einer Religion vergleichbar, darstellt." Mit o>esem Wort haben sich die Macher des Ganzen selbst gerichtet es gibt keine tödlichen Lächerlichkeiten mehr. Aus den „Leitworten Adolf Hitlers" (S. 107—112), °>e nach dem Herausgeber „philosophischen und staatsmännifchen Mtlnkt" eines Mannes verraten sollen, der „Bedeutsames zu fugen hat", noch wenige Proben, die sich unter allerhand rabiaten Phrasen finden, zwischen die auch einige allbekannte Wahrheiten geraten sind, die der Mann mit gutem Gewinn auf sich nnd die Seinen anwenden könnte, z. B. diese: „Sklaven,, die ihre Götter verbrennen, fallen mit Gewißheit in die Hände der Dämonen.' „Es muß die wahre Solidarität der Deutschen geschaffen werden. Sie hat nach dem Motto zu verfahren: „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein!" (Auch ein Jesus-Verehrer. Aber im Ernst: Kann ein solcher Mann bei sich sein?) „Es gibt doch so viele anständige Juden! Um deren verschwindend kleiner Anzahl willen sollen wir uns den Rassenkampf aus der Hand schlagen lassen? 2m Gegenteil! Die sogen, anständigen und „alteingesessenen" Iuden sind, um diese Sentimentalität auszuschalten, zuerst mit aller Schärfe zu bekämpfen." (Hier schien-ihm das kürzere „zuerst totschlagen" offenbar doch etwas „zu hoch für die Masse".) „3m Kumpf um die Rasse gibt es kein Paktieren! Wir können uns auch keine Senkung des Rasjenniveaus durch Bastardierung gefallen lassen. Es gibt hier nur die eine Fraae: Wer regiert? Keine Proteste in diesen Dingen, sondern Rache und Tat! Bist du entschlossen, dich endlich zu mehren, deutsches Volk, denn werde unbarmherzig." (O Nietzsche, was hast du in den Sklavenköpfen für Unheil anoerichtet!) „Mit den Schlagmörtern: „Friede, Versöhnung, Verständigung" hat man uns in dem Augenblick die Kraft geraubt, als alles in Deutschland auf Kraft stand." (Vielleicht hat Hitler hier seinen Freund Ludendorff nicht ganz verstanden: er wird wohl gemeint haben, daß all« Autos zur Flucht auf Kraft standen.) „Der Jude ist der größte von allen Rationalisten. Dagegen versteht er es meisterhäft, andere Völker zu entnationals i e r e ul" (Wenn der Jude dann nicht der längst gesuchte „Ueber« mensch" ist, so wird er kaum noch aufzufmden sein!) „Es ist eine Gesinnungs- und Charakterlosigkeit, Pazifist zu sein." (Ist das mehr „philosophisch" oder „staatsmännisch" oder hat er aus Karlchens Schulaufsatz abgeschrieben?) „In einem gesunden Volk kann immer nur die A u s l e f e der Besten und Tüchtigsten ans Ruder kommen. Das ist genau wie in der Natur. Wir sehen es auch an den mächtigen Völkern der Gegenwart. Ein Beispiel: Großbritannien. Cs ist nicht das Produkt von Hochverrätern." Mit diesem letzten „Spruch", den ich zitiere, muh nun doch verglichen werden, was derselbe „Denker" S. 60—61 gesagt hat. Dort ist von Bismarck als einem Mann die Rede, drr die deutsche Wirtschaft schuf unMMußte, „daß hinter der Wirtschaft auch Macht stehen muß, da Macht allein Wirtschaft gewährleistet: Und diese Macht ist auf den Schlachtfeldern von 1870/71 geboren worden, nicht in der Schwatzatmosphäre der Parlamente! 40 000 Gefallene haben 40 Millionen das Leben ermöglicht. Als England einem solchen Deutschland gegenüber in die Knie zu brechen drohte, da besann es sich auf das letzte Mittel in der Völkerkonkurrenz — auf die G e w a l t. Eine großartige Pressepropaganda wird als Vorbereitung eingeleitet. Wer aber ist der Chef dergesamtenbritischen Welthändlerpresse? Northclisfe! — ein Iudel Cr sendet wöchentlich 30 Millipnen Zeitungen in die Welt. Und zu 99°/o befindet sich die Presse Englands in jüdischen Händen. — Es wird gehetzt mit Behauptungen, Verleumdungen und Versprechungen, wie sie nur der Jude zu ersinnen vermag, wie sie nur Iudenblatter einem arischen Volke vorzusetzen wagen." Solchen Wahnsinn redet eben nur, wer trotz bloßem Abschluß einer Elementarbildung jenen „geistigen" Fimmel hat, von dem fo viel Unheil stammt. Einmal ist England das gesunde Land der Anslese, dann wieder eine vollkommene» Iudendomäne, in der die „Arier"-Millionen pure Idioten sem müssen, welche Erklärung allein ja auch für die deutschen Mcnschenmassen übrig bleibt, wenn die antisemitischen Sprüche einen Sinn baden sollen. Einmal ist die Macht der einzig wahre Gott und dieser Götze wird vom herrlichen Bismarck so trefflich gefüttert, daß England in die Knie sinkt, seine letzte Stunde gekommen siebt und sich darum auf das letzte, vollkommen „arisch-völkische, also ganz selbstverständliche Mittel, den Krieg, besinnt. Dann scheinen auf einmal Macht und Krieg das ärgste Verbrechen zu sein, weil die mityelfenden englischen Iuden als Scheusäler beschimpft werden, die doch genau dasselbe tun wie Katholiken, Protestanten. Monisten, Heiden oder Anhänger sonstiger Religionen, bzw. Nichtrelrgioneu. — Hier haben 'wir es mit dem Zentrum völkischen Irrsinns zu tun. Da auch die Engländer „Arier" find, kann ihnen offenbar das gleiche Recht, das 'deutsche Arier für das heiligste halten, nicht destritteb werden und man wird auch im ganzen antisemitischen Gesudel keine eigentliche Wut auf die „rassereinen" Engländer finden, stets nur wird „der Jude" beschimpft. Daraus ist zu schließen, daß der fürchterlichste, auch ständiger Krieg zwischen England und Deutschland die natürlichste Sache wäre, wenn nur dre verdammten Juden auf der englischen Seite ihre Hände aus den Kriegsdiensten ließen, wenigstens all« mit Hosenträgern handeln wollten, statt Zeitungen u. dgl. herauszugeben. In Deutschland müßten sie natürlich aufhören. „Pazifisten"' zu sein. Wem dies gar zu kindisch vorkommt, versuche immerhin, sich einen anderen Reim zu machen, es wird aber keinem gelingen, so daß nur eins übrig bleibt: die deutschen wie die englischen Iuden einfach lotzuschlagen. Und ganz im Ernst: unklar und unbewußt steht diesen armen Menschen von Iudenhetzern tatsächlich so etwas wie „Krieg als Lieblingssport arischer Männer" oder „Krieg als Daseinszweck" vor der junglinghaften Heldenseele. Bet Ählwarbt, H. St. C h a m b e r l a i n u. a. ist das mit allerhand nebelhaften Phrasen, aber dem Tiefersehenden noch gut verständlich umschrieben. Pathologen mögen die Sache entsprechend benamen, vernünftige Menschen können vor solchem seelischen Abgrund nur schaudern. Daher steckt hinter all ihrem Gerede von „liebe Volksgenossen" n. dgl. nichts anderes als Material- Werbung. Jeder solche Hetzer kommt sich in seinem irren Sinn als eine Art „Uebermenfch" vor, als „Auserlesener" zu großen und größten Dingen, nicht anders als der ja unsterbliche Don Quixote, der Ritter von der traurigen Gestalt, der durch Lesen von „Ritterbüchern" seinen gesunden Menschenverstand verliert und zum Schluß unter Verfluchung d^r Ritterbücher (die heute nur einen anderen Namen haben, aber in genau derselben Güte da sind) seinem Gott dankt, daß vernünftige Männer ihn mit List und Gewalt aus seinen Träumen rissen. Die Bolksmassen verachten sie gründlich, ohne dies immer selbst zu wissen, aber sie brauchen die Menschenhaufen als Kanonenfutter, als notwendiges Substrat ihres „Füyrertums", dem „Stahloäder" Bedürfnis sind, auch wenn die ganze Welt ihretweaen zugrunde gehen müßte. — Dies und nichts anderes ist der Kernpunkt „völkischer Ideen", weshalb diese ja auch nur in Zeilen nervöser Aufregung bei größeren Bolksmassen verfangen, augenblicksweise, wie Sancho Pansa manchmal durch die Narrheiten seines Herrn angesteckt scheint.