Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 25 (19.6.1925)
- Date
- 1925-06-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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marken, die nach den Sternen schauen, kund machen mit jedem Monde von dem, was über dich kommen wird." (Astrologie.) Als höchste Anerkennung für Israel läßt die Bibel den heidniscyen Propheten Bileam sprechen: „Es ist keine Zauberei in Jakob und keine Wahrsagerei in Israel." (IV, 23, 23.) Aberglauben in der Bibel. Dennoch ist die Bibel nicht frei vom Aberglauben. Neben jedem Glauben steht der Volksglaube, der die Neste alten Aberglaubens sorgfältig hütet. Es konnte nicht verhütet werden, daß auch iri die Bibel Volksaberglaube sich einschlich. Gutgläubige Leser bemerken es nicht, strenggläubige Erklärer wollen es nicht wahr haben. Der kritische Forscher aber findet auch in der Bibel den Aberglauben, der unausrottbar in jeder Zeit Gemüter beherrscht. Dämone. „Aron nehme zwei Böcke und stelle sie vor den Ewigen an den Eingang des Stistszeltes. Aron lege Lose auf die beiden Böcke, ein Los für den Ewigen und ein Los für A s a s e l. Aron bringe den Bock dar, auf welchen das Los für den Ewigen gefallen ist und opfere ihn als Sühnopfer. Der Bock aber, auf den das Los für Asasel gefallen ist, werde lebend vor den Ewigen hingestellt, mit ihm zu sühnen, ihn in die Wüste für Asasel fortzuschicken." (III, 16.) Wer ist Asasel? Am heiligsten Tage fand diese Zeremonie statt, noch heute lesen wir von ihr in der traditionellen Ausgestaltung am Versöhnungstage. Andenkbar erschien es alten und neueren jüdischen Erklärern, daß Asasel ein Dämon sein solle. „Das heilige Wort, welches so nachdrücklich abergläubischen Wesen zu opfern verbietet, sollte am heiligsten Tage diesen Wahnglauben selbst feierlich bekräftigen?" (Philippson.) Naschi, Ibu Esra und andere mittelalterliche Erklärer erklären Asasel als Name eines Berges. Der einfache Wortsinn widerspricht dieser Auffassung. Das Buch Henoch, das zu den Apokryphen gehört und aus vorchristlicher Zeit stammt, erzählt: Asasel lehrte die Menschen Schlachtmesser, Waffen, Schilde und Brustpanzer verfertigen, das Schminken der Augen, V erschönern der Augenlider so herrschte viel Gottlosigkeit.. Zu Raphael sprach der Herr: „Fehle den Asasel an Händen und Füßen und wirf ihn in die Finsternis: mache in der Wüste ein Loch und wirf ihn hinein." Hier haben wir den Volksaberglauben an den Dämon Asasel. Uralter Volksaberglaube an einen Wüstendämon ist zur Volkssitte geworden, hat sich einen Platz im Opferrltus verschafft, ist in die Bibel ausgenommen worden, wurde späteren Geschlechtern unverständlich, um schließlich nur noch Symbol zu sein. Idole. >,Rahel stahl die T e r a p h i m ihres Vaters." (1,31, 19.) Ihu Esra erklärt, Rahel wollte verhindern, daß ihr Bater die Teraphim befrage und erfahre, wohin sich Jakob gewendet habe. es dir lieber, Priester zu sein für das Hans eines Mannes oder Priester zu sein für einen Stamm in Israel? Da ward das Herz des Priesters froh, er nahm das Efoö und die Teraphim und das gehauene Bild und ging unter des Volkes Mitte." (Richter 18, 20.) Micha!, die Frau Davids, legt für ihren entflohenen Mann die Teravbim ins Bett, um die Boten ihres Vaters Saul zu täuschen. (1. Sam. 19, 13.) Hosea verkündet sogar: „Denn viele Tage werden die Kinder Israels ohne König und ohne Fürsten, ohne Opfer und ohne Standbild, ohne Efod und ohne Teraphim sein." (3,4.) Erst vom Könige Iosia wird gerühmt: „Die Beschwörer und Weissager, die Teraphim und Götzen und all die Scheusale, die im Lande 3uda und in Jerusalem gesehen wurden, räumte Iosia weg, damit er die Worte -er Lehre aufrecht erhalte." (2. Könige 23, 24.) Die Teraphim wären demnach eine Art Hausgötter in menschlicher Gestalt gewesen, die man zu Orakelsprüchen gebraucht hat und die erst etwa mit der Zeit des Exils aus den Häusern der Juden verschwunden sind. Efod, Arim, Thum mim: „Lege in den Brustschmuck des Rechts die Arim und Thummim, sie seie auf dem Herzen Arons, wenn er vor den Ewigen hineingeht." (2, 28, 30.) „Vor Elasar dem Priester soll 3osua stehen, und ihn fragen nach dem Rechtspruch der Arim vor dem Ewigen, nach dessen Bescheid sollen sie ausziehen und einziehen." (IV., 27, 21.) „Elasar der Priester und Iosua verteilten das Land durch das Los vor dem Ewigen am Eingang des Stistszeltes." (Iosua 19, 51.) „Als aber David merkte, daß Saul heimlich gegen ihn Unheil bereite, da sprach er zu dem Priester Ebjatar: Bringe das Efod her (das Berufsgewand des Hohenpriesters, an dem die Arim und Thummim waren). David befragte Gott: Werden die Herren von Keilah mich und meine Leute an Saul ausliefern? Der Ewige sprach: Sie werden ausliefern". (1 Samuel 23, 9—12.) Der strenggläubige Bibelerklärer Samson Raphael Hirsch sagt: „Was Arim und Thummim waren, ist ein unnahbares Geheimnis". Aber es ist kein unnahbares Geheimnis, sondern Aberglaube. Das Efod des Hohenpriesters war das Hauptstück der hohenpriesterlichen Kleidung, mit welchem angetan der Hohepriester in wichtigen Angelegenheiten mittels der Arim und Thummim, deren Beschaffenheit uns unbekannt ist, Gott befragte. Durch das Los oder in anderer Weise wurde die Zukunst vorausgesagt. Der Wunsch, die Zukunft zu erftagen, ist zu allen Zeiten unausrottbar gewesen. Wie man in einer religiös noch nicht gefestiglen Zeit durch den einen Tempel in Jerusalem die Errichtung anderer Tempel vermeiden wollte, die leicht zum Götzendienst verführen konnten, so wollte man vielleicht die Mahrsagerei bekämpfen, tndem man sie nur auf den Hohenpriester vermittels des Arim und Thummim beschränkte. Etwa vom Exil an sind Arim und Thummim verschwunden. Bei der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft heißt es von den Priestern, die ihr Geschlecht nicht Nachweisen konnten: „Sie dürfen von dem Hochheiligen nicht essen, bis ein Priester wieder den Arim und Thummim verstehen wird" (Esra 2, 63). Die eherne Schlange. '„Gott ließ gegen das Volk giftige Schlangen los, die das Bolk bissen, und viele starben. Mose machte eine kupferne Schlange und setzte sie auf eine Stange. Wurde jemand von einer Schlange gebissen und schaute auf die kupferne Schlange, so blieb er leben." (IV, 21, 6—9.) Sympathetisches Mittel. (Aeskulapstab?) Die alten Erklärer fühlten das Abergläubische. Talmud R. Haschonoh 19: „Kann denn die kupferne Schlange töten oder beleben? Rein, sondern wenn die Israeliten nach oben blickten und ihren Sinn ihrem Vater!m Himmel unterwarfen, wurden sie geheilt, wo nicht, schwanden sie hin." Jahrhundertelang war die eherne Schlange eine Gegenstand des Aberglaubens, bis sie der König Hiskia von Juda vernichtete. „Er tat, was recht ist in den Augen des Ewigen. Er schaffte die Höhen ab und zertrümmerte die Standsäulen, er hieb den Hain um und zerschlug die kupferne Schlange, welche Mose gemacht, denn bis zu jener Zeit räucherten ihr die Kinder Israel". (2. Könige 18. 4.) Traumdeutungen. Das Traumleben spielt in der Völkerpsychologie und in den religiösen Vorstellungen eine bedeutende Rolle. Die Bibel sieht oft in Träumen göttliche Weisungen, bei Abimelech I, 20, 3; bei Laban, I, 31, 24: bei Salomon 1. Könige 3, 5. Der Traum rückt nahe an die Bision heran und tritt oft als eine niedere Form prophetischer Offenbarung auf. Zwei große Traumdeuter stehen am Anfang und Ende der Bibel: Josef und Daniel. Traumdeutung ist noch nicht Aberglaube, erst die Zukunstsverkündigung macht sie dazu. „Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß ein Pharao sich im Geiste mit den Folgen etwaiger Mißernten beschäftigt, zumal das Volk seine Steuern in Naturalien entrichtete und daß die fetten und mageren Jahre, die der Traum in Anschauungen umsetzen muß, unbewußt zu dem ihm selbst nicht mehr verständlichen Symbol der fetten und mageren Kühe werden. Wissenschaft der Traumauslegung ist tatsächlich denkbar, sobald man die Gedanken kennt, welche den Wachenden am intensivsten beschäftigen." (Georg Jacob, Märchen und Traum.) „Der Meister ist schlafen gegangen, der Lehrling formt nachts in kindischer Weise aus liegengebliebenem Material des Tages gleichgültige und groteske Figuren." (Hoche im Archiv für Psychiatrie, 64. Band.). Dann kann man aber aus dem Traum das Material des Tages erkennen. Erst der Glaube, aus Träumen die Zukunft zu ersehen, wird Aberglauben. Dieser, wie jeder Abgerlaube, wird aber in der Bibel stark eingeengt. Die Bibel hat immer nur das Bestreben, neben Gott keine andere Macht anzuerkennen: nicht Götter noch Dämonen, nicht Zauberer noch Zahlen, nicht Schicksal noch Bestimmung. So spricht Josef, als Pharao zu ihm sagte: „Ich hörte von dir sagen, du verstehst einen Traum zu deuten: das steht nicht bei mir: Gott wird eröffnen, was dem Pharao frommt." (I, 41, 16.) And Daniel: „Das Geheime, weiches der König fordert, mögen nicht Weise noch Sternseher, nicht Zeichendeuter, noch Wahrsager zu eröffnen. Es gibt jedoch einen Gott im Himmel, Offenbarer der Geheimnisse, der tut dem König Rebukadnezar kund, was in der Zukunft geschehen wird." (Daniel 2, 27.) Totenbeschwörung. Auch die Toten müssen helfen, die Zukunft zu verkünden. Das mosaische Gesetz verbietet bei Todesstrafe die Tolenbeschwörung. Saul und Iosias verbannen die Totenbeschwörer aus dem Lande. Einzelne aber treiben ihr Gewerbe unbemerkt weiter. „Saul sprach zu seinen Dienern: Suchet mir eine Totenbeschwörerin, daß ich zu ihr gehe und sie befrage. Seine Diener spraa-en zu ihm: Eine Totenbeschwörerin ist zu Endor.. Er sprach zu ihr: Den Samuel bringe herauf.. Der König fragte, wie ist seine Gestalt? Sie sprach: ein alter Mann stieg herauf, der in ein Oberkleid gehüllt war. Samuel sprach zu Saul: Warum hast du mich aufgestört? . . . morgen bist du und deine Söhne bei mir." (1. Sam. 28.) Eine spiritistische Sitzung in der Bibel. Betrug auf der einen, Aberglaube auf der anderen Seite. Menschlich verständlich, wie Saul, der vorher den Aberglauben bekämpft hat, in der Stunde der Verzweiflung dazu greift. Der Betrug des Weibes leicht zu erklären. Die Bibel gibt die Erzählung ohne Stellungnahme wieder. Eine Stelle im Talmud (Sabbat 152, 2) glaubt, daß die Erscheinung wirklich Samuel war. Maimonides erklärt es für eine Vision der kranken Phantasie Sauls, Samuel den Chofni für eine Gaukelei der Frau. Aberglaube im Talmud. Neben jeder Religion steht der Volksglaube,, der meist Aberglaube ist. Der Talmud ist ein Volksbuch, die Anschauungen der Juden in vielen Jahrhunderten wiedergebend. Diese Jahrhunderte waren bei allen Völkern und Religionen von Aberglauben erfüllt. Auch die Talmudisten sind Kinder ihrer Zeit und von ihrer Amgebung beeinflußt. Nicht der Aberglaube ist hier das Besondere, sondern der Kampf gegen Aberglauben. Am nicht den Rahmen eines Aufsatzes weit zu überschreiten, seien hier für beides nur einige Stellen angegeben. Aus dem ersten Traktat des babylonischen Talmuds, Berochaus: „Es sagte Rabbi Iofl: Einmal war ich auf Reisen und ging in eine Ruine von den Ruinen Jerusalems, um zu beten. Da kam der Prophet Elia zu mir." „Es überlieferten die Rabbiner: Wegen dreier Dinge darf man nicht in eine Ruine hineingehen, wegen Verdacht, wegen Einsturz und wegen böser Geister." „Jeder, welcher das Schema auf seinem Bette liest, von dem weichen die schädlichen Geister." „Wäre dir Kraft verliehen worden, Geister zu sehen, so könntest du vor bösen. Geistern nicht bestehen. Willst du sie erkennen, so nimm gesiebte Asche, streue sie um das Bett, und du wirft am Morgen Fußtapfen wie Hahnentritte bemerken. „Sogar, wenn der Traumdeuter zu einem Menschen sagt, morgen werde er sterben, darf er dennoch sich nicht selbst Gott entziehen. Denn es heißt: Bei vielen Träumen ist Eitles." „Er ging auf den Begräbmsplah und hörte, daß zwei Geister sich unterhielten." „Wer in seinem Gebet niest, dem ist es ein gutes Zeichen." „Wer da betet und sich irrt, dem ist es ein böses Zeichen, und wenn es der Vorbeter ist, ist es ein böses Zeichen für die Gemeinde." „Drei Dinge sagte mir der Todesengel: Du sollst nicht dein Hemd des ziehen: du sollst nicht deine Hände von einem waschen Morgens aus der Hand des Dieners nehmen und anlassen, der selbst ungewaschene Hände hat, du sollst nicht bei Frauen stehen, wenn sie von einem Toten zurückkehren." „Die Töchter Israels räuchern der Zauberei wegen." „Ein Traum, den man nicht auslegt, ist wie ein Brief, den man nicht lieft." „Wer in eine Stadt hineingeht und vor dem bösen Blick sich fürchtet, der nehme den Daumen seiner rechten Hand in feine linke Hand und den Daumen seiner linken Hand in seine rechte Hand und sage folgendes: Ich, N., Sohn N's, stamme vom Samen Josefs ab, den der böse Blick nicht beherrschen kann." Die Blätter 55 und 56 dieses Talmudtraktats beschäftigen sich nur mit Traumauslegungen. Wie alles sich zum Aberglauben wandeln kann, dafür ist folgende Stelle kennzeichnend: „Anfangs glaubte ich, man vermeide es nur aus Sauberkeit, bei der Händewaschung nach der Mahlzeit Wasser unmittelbar auf die Erde zu gießen, jetzt wurde ich belehrt, daß es geschieht, weil sonst ein böser Geist dort seine Ruhestätte finde. Ferner glaubte ich anfangs, daß man den Fußboden rein erhalten wolle, wenn man die herabfallenden Brotkrumen aufhebt, jetzt wurde ich belehrt, daß das Liegenlassen der Brotkrumen Armut herbeiführe. Ferner glaubte ich früher, man gieße von dem Kruge, aus dem man trinken will, ein wenig Wasser ab, weil vielleicht Strohhalme und dgl. darauf hemmschwimmen könnten, jetzt wurde ich belehrt, Dämonen könnten davon gettunken haben." (Chulin 105 b.) Dennoch schweigt auch im Talmud nicht der Kampf gegen den Aberglauben: „Rur wer an böse Vorbedeutungen -glaubt-,-Hem schaden -sie." stNedorim 32a.) „Wer auf Gott vertraut, braucht nicht ängstlich nach Zukunftsdeutungen auszufchauen." (Redorim 32.) „Verlos t euch nicht auf Wunder!" (Pessochim 64 d.) „Das Besprechen von Wunden, selbst durch Bibelverse, ist ve> boten." (Sanhedrin 90a.) „Träume können wed.r nützen noch schaden." (Gittin 52a.) Auf Bibel und Talmud zurückschauend kann -man nur sagen: Äei allen anderen Völkern und Religionen war der Aberglaube legitim, bei den Juden trotz des Bestandes illegitim. Aberglaube!n der Neuzeit. Mit der Aeberwindung der talmudischen Zeit ist auch deren Aberglaube überwunden worden. Auch der orthodoxe Jude Westeuropas, der die religionsgesehlichen Auslegungen des Talmud für bindend' ansieht, wird den Aberglauben ablehnen. Er glaubt an die Wunder der Bibel, er glaubt aber nicht an Wunder in unseren Tagen. Er hält manchen Brauch, der abergläubischen Ursprungs ist, ohne den Aberglauben zu teilen. Im Osten Europas lebt aber noch heute bei den Juden der Glaube an böse GeiftgE, an Beschwörungen, an Amulette usw. Der „moderne" Jude aber hat wenig Arsache, auf den abergläubischen Juden herabzublicken. Je freireligiöser der moderne Jude ist, desto abergläubischer ist er oft. Er spricht Kein Gebet, wenn er bei Tisch sitzt: er fetzt sich aber nicht an den Tisch, wenn er der Dreizehnte fein würde. Die Zahl 13 ist der böse Geist, an den er glaubt. Auch am höchsten Feiertag tritt er eine Neife an: am Freitag hat er nicht den Mut dazu. Der Freitag ist ein zweiter böser Geist. Er wagt nicht von feinem Glück zu sprechen, ohne „unberufen" hinzuzufügen. Er Könnte das neidische Schicksal, den dritten bösen Geist, „berufen". Er geht in Kein Gotteshaus, aber er geht in spiritistische Sitzungen, wo man die Geister der Verstorbenen ruft. Er oder sie geht zur Wahrsagerin: mit dem Munde spotten sie darüber, mit dem Herzen glauben sie daran. Wo der Glaube weicht, seht sich der Aberglaube auf den leeren Stuhl. Die jüdische Religion aber lehrt den Glauben an einen Gott, der uns den Verstand und den sittlichen Millen gegeben. Der Verstand sott dem Aberglauben wehren: der sittliche Wille sott von der Religion fern halten, was unsittlich ist. Keine Religion aber kann nur von Erkenntnis und Sittlichkeit leben. Läßt sie das Gemüt kalt, dann überrennt eines Tages der Aberglaube die Erkenntnis und den Willen. Das war der Fehler der Aufklärungszeit, die den Gefühlswert religiöser Formen unterschätzte. Unsere Religion ist reich an Gefühlswerten. Wer den Aberglauben bekämpfen will, der gebe dem Gemüt, was es mit Recht verlangt. Wir wollen eine Religion, die Gemüt und Verstand, Wissen und sittlichen Witten eint.