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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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VWWWWWWIsW T TF m W" i<iaii[|M|^ . ji ■!■ ,M inp..). >WffWMWM!W,«WW« ' IMchllberaleZeidma Organ -er Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Anzeigenpreise: Oie 12gehalteneV-npareillezeil- 0/45 Goldmark, die Tieklamezeise 5,00 Soldmark, Hei :: :: Wiederholungen Rabatt. :: « « Anzeigenannahme: Hermann Baswitz, Verlag-- abteilung, Berlin SW 65, Sharlottenstr. SS (Fernsprecher: Oönhofi 5369—65), sowie sämtl. Annoncen-Sktzedttlonen. «SS»W««SW»SS»«SSSS^W»>«SSSSWSWS»«»«»SW«WWS-W«««««»«»WWW-»>»»W»-W«WM>»—T—— Bezugspreis durch die Geschäftsstelle ^jährlich M. 2,30, üinzelnummer 0,20. Bei freier Zusendung im Inland 0,25. Für die Mitglieder der Vereinigung ist der Bezugspreis u L :: im Mitgliebsdeilrage enthalten. :: :: :: Shefredakteur: Dipl.-Ing. Bruno Woyda. Die „Fliäilch - liberale - Leitung" erscheint Jeden freitags. Scbriftleitung und Gefcbäfts Seile: Berlin, jVlauerftr. 22. fernruf: Hmt jvierkuv JNr. 8125 portTtbedthonto: Berlin Z Nr. 137069 (Vereinigung fiir das liberale Judentum) JSachdruch Tämtltcber Original - Beiträge nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion geftattetl Rr.25 Berlin, 49. Juni 4925 5. Jahrgang Vor dem Zusammenln« des Landesvrkbaidrs. Dem preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden zum Gruß. Von Rechtsanwalt HeinrichStern, Vorsitzender der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland E.V. Der 21. Juni 1925 kann, und wie wir hoffen, er wird ein Datum von gewisser Geschichtlichkeit im Leben des deutschen Judentums werden. An ihm tritt die Landesverbandsversammlung der preußischen Gemeinden zusammen, organisiert so den größten Teil des deutschen Judentums, und es ist, nachdem nunmehr die deutschen Länder fast durchgängig ihre öffentlich-rechtliche Vertretung erhalten haben, der Weg frei für die allseitig ersehnte Reichsorganisation des deutschen Judentums. Groß sind die Aufgaben, die dem Landesverband gestellt sind. In seiner Hand liegt es, ob das jüdische Leben in den Mittel- und Klein-Gemeinden zum Absterben verurteilt oder neu belebt wird. Jüdisches Gemeindeleben ist gleichbedeutend mit Gottesdienst, Unterricht und sozialer Fürsorge. In diesen drei Punkten ist die hohe Blüte des jüdischen Lebens in mittleren und kleineren Gemeinden verkörpert, da bei der schrecklichen, allgemeinen Wirtschaftsnot auch unsere Gemeinden nicht mehr in der Lage sind, ihre Rabbiner, Lehrer und Sozialdeamten menschenwürdig zu besolden und sie damit in die Lage zu setzen, ihren geistigen und sozialen Aufgaben nachzukommen. Wer dieses Leben organisiert, schützt das deutsche Judentum vor dem Verfall. Die Vertreter der Großgemeinden werden schwere Opfer bringen müssen, insbesondere die Muttergemeinde Berlin. Sie werden sich aber vor Augen zu halten haben, daß wir in letzter Stunde stehen, und daß das deutsche Judentum ein für allemal abgewirtschaftet hat, wenn es seine geistigen Aufgaben außer acht läßt. Zahlenmäßig ist das deutsche Judentum einer der schwächeren Zweige am Baume Israels. Aber wenn jemals, so galt von ihm der Prophetenspruch, der an dem letzten Sabbat in unseren Tempeln wieder erklungen ist: „Nicht durch Kraft und nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist spricht der Ewige, der Herr der Heerscharen." Aber nicht nur das jüdische Leben in kleinen Gemeinden ist bedroht und bedarf der Stützung, auch die Groß-Gemeinden sehen mit Erschrecken die Zeit kommen, in der es ihnen nicht mehr möglich sein wird, Rabbiner und Lehrer in ausreichender Zahl auf Kanzel und Lehrstuhl zu stellen. Das Beispiel der Gemeinde Berlin bei der jetzigen Rabbinervakanz ist dafür typisch. Daher müssen wir uns bemühen, der Heranbildung des Nachwuchses unserer Rabbiner und Lehrer das ernsteste Augenmerk zuzuwenden und für die Auftechterhaltung, für die Erneuerung und Kräftigung der Rabbiner- und Lehrerbildungsanstalten zu sorgen. Großes wird auch vom Landesverband in sozialer Beziehung gefordert werden. Vielleicht auf keinem Gebiet hat sich der Wandet der Zeiten so offensicktlich bemerkbar gemacht, wie auf sozialem. Früher mußten brüderliche Gemeinschaften dm Dienst an Armen, Alten und Kranken leisten und in ihm erschöpfte sich sehr oft die jüdische Hilfstätigkeil. Wir wissen, daß heute schon diese drei sozialen Arbeitsgebiete nicht mehr aus vielen Einzelquellen gespeist werden können, sondern einheitlich organisiert werden müssen. Reben sie aber sind getreten die gewaltigen Probleme der Fürsorge für das Heranwachsende Geschlecht, die vorbeugende Fürsorge für geistig und körperlich Gefährdete, die heute besonders dringende Hilfe für den zusammenbrechenden Mittelstand, das riesige Gebiet des Arbeitsnachweises und der Berufsberatung und eines der Kernprobleme jüoischen Lebens, die Frage der Berufsumschichtung, die Rückverpflanzung der Juden von den Städten auf das Land usw. Alles nur Andeutungen, die einen Begriff geben sollen von dem Umfang der Arbeiten, die zu leisten sind. Darüber dürfen natürlich die religiösen Interessen nicht vergessen werden. Gerade wir Liberalen müssen eine alte Forderung präsentieren, nämlich die Schaffung eines liberalen Einheitsgebetduches, das in weitem Umfange den Forderungen modernen Denkens und Fuhlens gerecht wird, das aber doch den Zusammenhang unserer religiösen Gemeinschaft nicht zerreißt: denn, wenn irgendwo, empfinden wir liberalen Juden in unserem Gotteshaus das Gefühl der Gemeinsamkeit von ganz Israel und dieses Gefühl wollen wir nicht in uns ertöten lassen, sondern beleben. Das sind vor allem, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, die großen Aufgaben, die unserer harren. Reben und fast über ihnen steht aber die doppelte Aufgabe, einmal die finanzielle Grundlage für diese Arbeiten zu schaffen, die Etatisierung des Landesverbandes und auf der anderen Seite das im Vordergrund alter Forderungen stehende Gebot, das jüdijche Leben in Preußen in genaue gesetzliche Formen zu gießen, die Judengesetze der einzelnen preußischen Provinzen umzuwandeln in ein neues, den Forderungen der Reichsverfassung entsprechendes, der Würde der jüdischen Gemeinde angepaßles gesetzliches Gewand. Wir werden dafür zu sorgen haben, daß unsere Stellung zum Staate in keiner Weise hinter denen der beiden großen Kirchen zurücklreten darf, wir werden dafür zu sorgen haben, daß dem Verfassungs- und Verwaltungsleben der Genreinden vom Staate die Freiheit gelassen wird, die notwendig ist, um jüdisches Leben in alter Blüte erstehen zu lassen. Eine lange Zeit ist vergangen zwischen dem Entschluß, den Preußischen Landesverband zn gründen und seiner Verwirklichung. Der Entschluß war getragen von dem Gemeinschastswillen der Juden aller Parteien und Weltanschauungen. Die Ausführung wird nur dann Segen bringen können, wenn sie sich nicht in kleinlicher Verwaltungsarbeit verzettelt, sondern bei aller sorgfältigen Prüfung der Einzelheiten den großen Gedanken nicht vermissen läßt, daß Vir hier in unserem Heimatlande jüdische Gemeinschaftsarbeit leisten, daß wir ein Werk schaffen, aus das sich für lange Zeit das jüdische Leben in Deutschland wird zu stützen haben. So hoffen, wir von der ersten Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, daß sie sich der Verantwortung der Stunde bewußt sei, daß sie in Form und Ton ihrer Verhandlungen den Zug ins Große wahren und der Außenwelt das Beispiel dafür geben wird, wie wir trotz aller grundsätzlichen Verschie- . denheit der Weltanschauungen jüdische Gemeinschaftsarbeit leisten können. Keine Richtung im Judentum soll ein Opfer ihrer Ueberzeugung bringen, wohl aber wird von allen erwartet, daß sie die jüdischen Gemeinschaftsinteressen über das Parteiinteresse stellen. Bei den Wahlen hat es sich erfreulicherweise gezeigt, wie stark das Interesse für jüdische Gemeinschaftsarbeit, insbesondere auch bei den Liberalen, gesteigert ist. Von dem Ausfall dieser ersten Preußentagung, vor allem von dem Ernst der Pflichtauffassung, wie er sich bei seinen Vertretern hoffentlich zeigen wird, wird es abhängen, ob diese Begeisterung ein Strohfeuer ist, das rasch erlischt, oder aber eine Herdfiätte heiligen Opferfeuers, an dem unser jüdisches Leben erstarken wird, zum Segen für die gesamten deutschen Juden! KUNDGEBUNG anläßlich der Tagung des L andesverbandes der jüdischen Gemeinden am Montag den 22. Juni 1925, abends 8 Uhr, in der „GESELLSCHAFT DER FREUNDE“, Potsdamer Straße 9, unter künstlerischer Mitwirkung von Fräulein Senta Pinette (Violine) und Herrn Oberkantor Magnus Davidsohn (Gesang). Reidisminisier a. D. Prof. Dr. Hugo P r e u 6»Berlin spricht über: „Pie heutige polnische Lage des Reiches und das deuisdie Judentum“ . Ferner sprechen: Frau Paula 011endorf«Breslau; Herr Prof. Türk »Berlin Eintritt freil Liberaler Verein für die jüd. Gemeinde zu Berlin m m j

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