Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 24 (12.6.1925)
- Date
- 1925-06-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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UV ■f ijwiiii IIDIIPUHI.WIIIVMI.P.I PMIJ^ mmVVWPWWWIDff'WVWWVVM 5. Jahrgang Kummer 24 / Beilage 42.INM 1925 Tagung des Verbandes (Gig ener Bericht.) l. Der Begrüßungsabend am 1. Juni. Abends 8 Uhr. Der große Fcstsaal der Rheinland-Loge ist dicht gefüllt. Lehrer und Lehrerinnen aus ckllen Teilen des Deutschen Reiches sind herbeigeeilt. Zu ihnen Haben sich in stattlicher Zahl Vertreter anderer Vereinigungen und Repräsentanten von Behörden gesellt. Durch ihre Anwesenheit und später durch ihre Begrüßungsworte legen sie ein die Lehrerschaft und sie selbst ehrendes Zeugnis ab für ihr Interesse; an unseren Idealen, unserer Arbeit und unseren Standesbestrebunqen. Eine ungewohnte, aber erquickende Erscheinung gibt dem Bilde im Saale einen eigenen Reiz: aus den Emporen zahlreiche frische Kindergesichter. Die blühende Kölner jüdische Volksschule will wohl ihr Dasein und Gedeihen sä ocuios demonstrieren? Die Menge der Anwesenden wächst und harrt des Beginnens. In Wahrheit hat die arbeitsreiche Tagung des Lehrerverbandes schon längst begonnen. Denn am Nachmittag haben bereits die Vorsitzenden der angeschlossenen Vereine und die Mitglieder des Vorstandes in mehrstündiger Aussprache ihre Gedanken miteinander ausgelauscht. Es ist Vs9 Uhr geworden. Stille tritt ein. Harmoniumklänge ertönen. Mit einem weihevollen Liede, das in ein sieghaftdankbares Halleluja ausklingt, wird die Reihe der sehr zahlreichen, gesanglichen Darbietungen eröffnet, welche der Kölner Ortsausschuß vorbereitet hat und nun unter dem energischen Dirigentenstab des Lehrers Eugen Iacobi II von Mitgliedern der beiden Synagogeychöre und von den Kantoren der Gemeinde als Solisten sin Eintracht verbunden! — ein für Berliner sehr erfreulicher Eindruck) wirkungsvoll zu Gehör gebracht werden. Die Auswahl der Chorgesänge dient dem Andenken ihres Komponisten, des unlängst verstorbenen ausgezeichneten Kantors der Kölner Synagogen, Herrn 2. Blumenthal. Besonders hervorgehoben sei unter diesen Gesängen die liebevolle Vertonung des Aw horachamim, des Gebetes, das in Bewunderung, Dankbarkeit und Wehmut der jüdischen Märtyrer gedenkt, wie sie Köln deren leider ja so viele zu beklagen hat. Die Anwesenheit der Kölner jüdischen Jugend findet ihre Aufklärung, als diese, von den Emporen herabströmend, auf dem Podium sich sammelt und nun ein „Gott grüße dich" der Lehrerschaft entgegenschallen läßt, und im Liede „Am Rhein" dessen Herrlichkeit preist. Als erster der gleichfalls sehr zahlreichen Redner ruft Herr Rektor Coblenz als Vorsitzender des Kölner Ortsausschusses den Kollegen von nah und fern ein herzliches.Willkommen zu. Außer der mannigfachen Anregung und Bereicherung, die von den Verhandlungen zu erwarten ist. werde ihnen das erhebende und Irostvolle Bild von Kölns und damit zugleich des Deutschen Reiches Wiederaufstieg zuteil. Die jüdische Abteilung der Jahrtausend-Ausstellung predige aufs deutlichste die weit mehr ais tausendjährige Zugehörigkeit der Juden zum Rheinland und zum deutschen Vaterland. Der Redner begrüßte auch alle anderen Erschienenen, namentlich den Vertreter der Stadtverwaltung. Herrn Bürgermeister Dr. Linnartz. und dankt ihm unter lebhaftester Zustimmung aller für die gerechte und wohlwollende Fürsorge, die er als Dezernent für das städtische Schulwesen allen Fragen des jüdischen Unterrichts, tnsoesondere der Kölner jüdischen Volksschule anaedeihen lasse. Er dankt ferner dem „vom Vater her erblich belasteten" -erste» Gemeindevorsteher, Herrn Emil Blumen au (Sobn Hrs in gesegnetem Andenken stehenden Lehrers Dlumenau-Bieteselb), dem rufrichtigen Freund und Förderer, dem zuverlässigen und wirkungsvollen Kämpfer für die Interessen der Schule, des Unterrichts und der Erziehung. — Wahrlich! Ein seltener Vorsteher einer Großgemeinde, sagen auch wir. Für den Lehrerverbandstag dichtet er einen stimmungsvollen und formschönen Prolog, und noch mehr, am darauffolgenden, prächtig verlaufenen gemütlichen Abend trägt er selbst einen zweiten warmherzigen, selbstverfaßten Vorspruch auswendig vor! — Seminarlehrer Keßler-Münster spricht für den gastgebende» Verein Rheinland und Westfalen. Es sei kein Zufall, daß die jüdischen Lehrer gerade jetzt in Köln lagen. Mit der Wahrung ihrer hohen jüdischen Ideale verbinde sich die begeisterte Anhänglichkeit an deutsches Sehnen und Streben. Aus dieser Synthese, von Deutschtum und Judentum erwachse der Gedanke edelsten Menschentums. Dieser Gedanke soll auch unsere Tagung leiten und beherrschen, getreu einem Worte Jacob Löwenbergs: Wir zeigen es mutig der ganzen Welt. Wie Judentum sich zu Deutschtum gesellt; Wie wir im Hader, dem Kampf, dem wilden, Nur eines wollen: Menschen bilden. Bürgermeister Dr. Linnartz dankt zunächst für die Anerkennung seiner und der Verwaltung paritätischen Behandlung der jüdischen Schule. Mit der gleichen Unparteilichkeit' und demselben Interesse soll es auch weiterhin geschehen. Im Namen des Oberbürgermeisters, der zu seinem Bedauern infolge zu großer Inanspruchnahme nicht erscheinen konnte, dankt er ferner dafür, daß die Tagung in Köln und zwar in der Zeit dieser Iahrtausendfeier abgehalten wird, hier im Rheinland, in der. Provinz der Arbeit, Schönheit und Fröhlichkeit. Die glänzende jüdische Abteilung der Iahrtausendausstellung, in der der Redner selbst bereits 6—7 mal mit immer wachsendem Interesse gewesen, zeige, wie die Juden stets zum deutschen Verbände gehört haben und immer zu ihm gehören wollen. Hier am Rhein bestehe seit tausend Jahren eine jüdisch-deutsche Kultur und diese Wahrnehmung und Erkenntnis müsse eine weitere Steuer zur Duldsamkeit werden. Das erste Hauptthema der Verhandlung erwecke das Interesse aller religiös Interessierten weit über diesen Kreis hinaus. Alle Konfessionen haben darauf zu halten, daß im Religionsunterricht nicht gar zu sehr der Veranschaulichung, gehuldigt und nicht unnötig Zweifel erregt werde. Möge aus der gemeinsamen Arbeit der Tagung reicher Segen für die Jugend und damit für das deutsche Vaterland erwachsen. Nunmehr ergreift der derzeitige 6. Verbands-Borsitzende, Mittelschullehrer Stern-Berlin, das Wort zuder Hauptrede des Abends. Zahllose Beamtenexistenzen sind vernichtet worden, in großem Umfang haben Lehrer und Kultusbeamte ihrem undankbaren Beruf den Rückerr gekehrt. Nachwuchs ist nicht vorhanden. Das Rückgrat unserer Gemeinschaft, die jüdische Volksschule, ist fast verschwunden. Die Folgen für die Gesamtjudenheit macken sich in erschreckender Weise bemerkbar. Ganze Landes.- strich« find gottesdienstlich und schulisch verwaist, scharenweise wachsen jüdische Kinder ohne religiöse Unterwerfung und Erziehung auf. Selbst Großgemeinden können kaum noch zur Besetzung ihrer freien Lehrerstellen kommen. So weit sind wir im deutschen Lande! Daß es dahin gekommen ist. ist gewiß zum Teil das Werk höherer Gewalt. Zum größten Teil aber ist es die Schuld der deutschen Iudenheit, die erst in letzter Stunde sich ihrer Verantwortung für das deutsche Judentum bewußt geworden ist. Und dies ist eine Schuld, die sie nicht unter Berufung auf die jüngste Vergangenheit verkleinern oder gar von sich abwälzen kann. Diese Schuld datiert noch aus der guten, alten Vorkriegszeit, als die deutsche Iudenheit selbst die 'Mehrzahl ihrer Beamten der Proletarisierung ausgeliefert und nicht zuletzt durch ihre Gleichgültigkeit den Kleingemeinden gegenüver die Existenz ihrer Beamten so geschwächt hatte, daß diese den Leiden der Kriegszeit und den Stürmen der Inflationsjahre widerstandslos preisgegeben waren. An dieser historischen Schuld der deutschen Juden dürfen wir nicht vorübergehen, wenn es gilt, die Ursachen festzustellen, deren Wirkungen wir alle heut mit Ernst und Sorge gegenüberstehen. So fehlt denn mancher von den alten, entschiedenen Vorkämpfern unter uns, die in den Vereinen oder auf den Perbandstagen zu selbstverständlichen Erscheinungen geworden waren. Sie sind abgewandert, gewiß nur von der äußersten Not getrieben. Andere, die wir vermissen, sind in den. Ruhestand getreten, wie der langjährige Kassenwart des Dechandes, Herr Kollege Preßburger -Ereglingen, der heute zum ersten Male in unserer Mitte fehlt, und dem wir herzliche Grüße in sein stilles Städtchen im Taubertal senden. In diesem Zusammenhang wollen wir auch unseres zweiten Vorsitzenden und Verbanosredakteurs Steinhardt gedenken, der Abschied von der Schule genommen hat, nachdem er einige Monate vorher sein 60. Lebensjahr vollendet hatte. Wir gedenken auch in Wehmut der Kollegen, die zur ewigen Ruhe eingegangen find. Wenige Monate nach dem letzten Derbaydstaoe ist Herr Professor Dr. F r e y e l - Charlottenburg : dahingefchiedsn, der nach dem Rücktritt des unvergeßlichen Adler den Verband 6 Jahre mit hiygcbcndem Eifer geleitet hat. — 3hm folgte vor zwei Jahren fein ünd unser Freund, Kollege Mar Hauff-Berlin, der zfvar niemals eine leitende Stelle im Verband innegehabt hat, der aber zu den besten der Kollegen* und den eifrigsten Förderern unserer Suche gehörte. Wie sie allezeit treu zu uns qestqnden haben, so gedenken auch wir ihrer in Dankbarkeit über das Grab hinaus'.- Der Inhalt der nächsten Tage aber wird ernste, angespannte Arbeit sein. Die gewaltige Umstellung in allen Bezirken des ideellen und materiellen Lebens bat auch uns vor lebenswichtige Aufgaben gestellt. Als 'Lehrer und Erziehgr sind wir uns immer bewußt gewesen, das; unsere'Arbeit und.'Sorge in erster Linie den Fragen der Schuhe und'Erziehung gehurt. Heute gilt es. die neuen Prinzipien der Pädagogik' und Methodik, die man unter dem Nmaen der „Arbeitspüdagogik"« 1 zusammenfaßt, für den jüdischen Religionsunterricht nutzbar.- zu machen. — Auf organisatorischen^ Gebiet stehen mir vor der überaus fchwierig'cn Neuregelung der Lehrerbildung nud das bedeutet für uns nicht weniger als Neuschaffung des jüdischen Lehrerstandes. So brennend diese Frage für das deutsche Judentum geworden ist, so - k,-nn sic zurzeit für uns doch nur theoretische Bedeutung haben. Es gilt, die Wegö zu ermitteln.' auf denen wir Reliaionslehr'sr heranbilden können, die den Anforderungen der Zeit, wi« auch unserer Vorstellig vom Wesen des Lehrers der Zukunft entsprechen. Aktuell kann die Frage der Lehrerbildung für uns jedoch erst dann werden, wenfl wir die Gewähr dafür haben, daß die verantwortlichen Instanzen die Sicherungen fü): die wirtschaftliche und soziale- * Lage der Beamtenschaft schaffen werden. Auch unsererseits müssen wist alles tun. was wir aus eigenen Kräften tun können, um ,t>?r sozialen Pflicht den Berufsgenossen gegenüber gerecht zü werden. Unsere Hilfskassen' sind völlig zusammengebrocheH, und niemals -empfanden wir unsere eigene Hilflosigkeit den Verhältnissen gegenüber' schmerz- -licher, als dann, wenn wir deni alten, arbeitsunfähigen Kollegen,, . die geglaubt hatten, mit ihchn den Nilfskassen anvertrauten- Sparpfennigen sich einen einiajprmaßcn sorgenlosen Lebensabend zu sichern, mit einem non Msumus antworten mußten. Dos Hilfskassenwesen neu zu organisieren, ist ebenfalls eine Aufgabe, deren Lösung wir in diesen Duzen wenigstens ein Stück näher«-' kommen müssen. Her Blumenau-Köln Kehr mit Recht das Heil für das Judentum in dem friedlichen Zusammenwirken von Gemeinde, Rabbiner und Lehrer. Herr Prof. Türk-BerliM Durch die Entsendung eines eigenen Vertreters bekunde der. preußische Landesverband, ipelchi hohe Bedeutung er dem VnHandstag beimesse. Aus blaßen^ § Öffnungen und Entwürfen 'tzilherer Perioden fei durch;&ie; chaffung des Landesverbands bereits Positives begründet u^ erreicht worden. 95 Prozent -xr Gemeinden Preußens "fote' sich zusammengeschlossen in bm Bewußtsein; daß nur stcherter Lehrerstand sich, m{f_ ganzer Kraft seines heklMrs jrerschaft möge Vertrauen' zu«? Berufs widmen könne. Die Landesverbands haben. Für den Allgemeinen Rc^, Rabbiner Dr. Ros ent Halits zerverband Deutschlands spricht' 8ln. Rabb. Dr. Rosenthal «rhofft von dem Umstande, d^Pe Rabbiner und Lehrer htck im Hause unter einem Dach? Wen, eine gewisse Annähernd' Die erste öffentlichx Versammlung Zu dem Thema: „Arbeitsschule und jüdischer Religionsunterricht nimmt Herr Dr. Lh»> en d e rg - Berlin das Wort. Die Idee der Arbeitsschule, welche die Pädagogik unserer Tage so mächtig beeinflußt, ist tz alt wie die Erziehungslehre.: Aber erst um die IahrhundtMende wird der Arbeitsschulgedanke im Kampfe gegen den Mrllektualismus und didaktischen Materialismus das fruchtbare Prinzip der Unterrichtsreform. Der Begriff der „Arbeitsschule" bezeichnet seit 1911 eine Schulform. deren wichtigstes Kennzeichen die selbständige geistige Arbeit! des Schülers ist. Nicht eine Mglichst große Stoffmenge ein-1 zuprägen, setzt sich die ArbcätzWule zum Ziel, sondern Ent-' HILLE Pin t =ci 6'it gern*. Iresettcf*** günstiges in Herren- Schnürstiefel braun Rindbox, moqa dernehalbspitze Form, beste Verarbeitung... 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