Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 24 (12.6.1925)
- Date
- 1925-06-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IWchÄrmL3ütiW Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Anzeigenpreise: Die -12gespaltene»snpareillezeile 0,45 Soldmark, die Reklamezeile 3,00 Soldmark, -ei :: :: Wiederholungen Rabatt. r: :: :: Anzeigenannahme: Hermann Baswitz, Verlags, abietlung, Berlin SW SS, Lharlottenfir. SS (Kernsprecher: Dönhoff 5380-65), sowie samtl. Annoncen-axpedittonen. Bezugspreis durch die Geschäftsstelle '/«jährlich M. 2^0, Einzelnummer 0/ro. Bei freier Zusendung im Inland o/rs. Kür die Mitglieder -er Vereinigung ist der Lezugspreis u 9 « im Mitgliedsbeitrage enthalten. n u « Lhefredakteur: Vi»l.-Ing. Bruno Doyda. DU „JUäiKb - liberale - Leitung" erscheint jeden frritag, Bdmftleitung und ©efcbäftaftellc: Berlin, Mauer(tr. 22. f ernruf* Hmt Merkur JVr. 8725 portrdHckkonto: Berlin Ml 7 ffr. 13706» (V«r«infgimg für das Hberal« 'Judentum) Wuhdrudi fäirtlicher Original- Beiträge nur mit vorheriger 6encbmtgimg der Redaktion geftattet l Ar. 24 Berlin, 42. Juni -1925 5. Jahrgang Die Kölner Tagungen. 1 Die Tagung des liberalen Rabbinerverbandes. (Eigener Bericht.) Am 2. Juni fand eilte Sitzung -es liberalen Rabbinevverbandes (teil. Der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Srligmann- Frankfurt a. M. eröffnete Me Sitzung mit einer warmen Begrüßung -er Erschienenen. Er wies aus die Tatsache des starken Sieges -es Liberalismus bei den preußischen Landesverbandswählen hm, mahnte aber, sie noch nicht überall als Ausdruck einer stark bewußten, aufs Positive gerichteten Gesinnung zu werten, fowöern weiter um das große Ziel zu kämpfen, Me Masse der heute noch Indifferenten zur positiven religiösen Betätigung zu erziehen. Er gedachte sodann der seit der letzten HauptlVersammlung Dahingeschieüenen und widmete ihnen Worte dankbarer Erinnerung und ehrfurchtsvoller Anerkennung. Das erste wissenschaftliche Referat hielt Rabbiner Dr. Italiener- Darmstadt. Er nahm das auf der letzten Hauptversammlung angeschlagene Thema des Irrationalen erneut auf und führte es weiter in einem groß angelegten Bortrag über „Das Rmninofe unserer hohen Feiertage". Angeregt durch Ottos grundlegendes Buch über das „Heilige" bot das Referat ein klastisches Beispiel dafür, wie man AMvchen, Me auf nichtzMscher Seite ausgesprochen wurden, Luststnmü, ohne sie sklavisch nachzuahmen, sie vielmchr am Jüdischen in ihrer Originalität prüft. Run sind allerdings Ottos Gedanken über das Heilige gerade an der Betrachtung des jüdischen Gottesdienstes gereist. Eingehend schilderte Rabbiner Dr. Italiener dir eigentümliche Stimmungswelt der hohen Festtage, jene über alles Rationale und rein Ethische hinausgehende Gefühl, in das sich neben dem Bewußtsein von der Flüchtigkeit und Vergänglichkeit des Menschen die Ahnung von dem Majestätischen . und Andersgrartetsein Gottes mischt, und er entwickelte daran die Gefühle der Ehrfurcht, ohne Me wahrhafte .Religiosität nicht vollkommen ist. Die einzelnen Gebete der hohen Feiertage treten dadurch in ein helleres Licht. So wurde das .Referat zu einer Einführung in die Voraussetzungen und un- «nibehrlichrn Bestandteile oller Religiosität, Religiosität hier gefaßt als. „Verhalten der Seele", als Verhalten der Seele zu Gott, Welt -und Leben. ' Rabbiner Dr. Seligmann referierte sodann über ...Grundfragen und Grundslitze des liberalen Einhertsgebetbuches". Gr berichtete zunächst über die Verzögerung, die fein vor langer Zeit bereits auftragsgemäß hergestellter Entwurf erfahren Hai bei der Durchsicht durch eine Anzahl Persönlichkeiten aus interessierten Kreisen. Als Grundlage des Einheitgebetbuches, führte ,drr Referent aus, solle das Geigersche Gebetbuch gelten. Seine .Ausführungen gipfelten in folgenden fünf Thesen: 1. Die schleunige Inangriffnahme eines liberalen Einheilsgebetbuches ist in der Weise in die Wege zu leiten, daß eine möglichst «trotze Anzahl von liberalen Rabbinern derjenigen Städte, die in ihren Gemeinden für das liberale Einheitsgebetbuch sich einsetzen wollen, mit dem Referenten zu einer Kommission zusammentreten, um gemeinsam auf Grund der allgemein gebilligten Grundsätze und den Bedürfnissen ihrer Gemeinde dieses Gebetbuch so bald als möglich fertig zu stellen. 2. Die Grohgemeinden werden gebeten, bevor sie an die .Schaffung eines neuen liberalen Gebetbuches in ihren Gemeinden 'herantrrteu, das Erscheinen dieses fertigzustellenden Einhetts- Gebetbuches abzuwarten, um sich alsdann für oder wider dessen Einführung ln -ihren Gemeinden zu entscheiden. 3. Die von Geiger aufgestellten Grundsätze werden für den hebräischen Text unter Berücksichtigung der seil ihrer Aufstellung veränderten Einstellung und Beurteilung der deutschen liberalen Juden akzeptiert. 4. Die deutsche Bearbeitung soll keine Aebersehung sein, sondern — bestimmt für die des HHräischen Unkundigen — eine .otiginale Reuschöpfung, die dem deutschen Stilgefühls entspricht. Rur die Gedanken sollen aus den entsprechenden hebräischen <2tebeten geschöpft werden. 5. Eine Neubearbeitung der Haftaras soll baldmöglichst in Zugriff genommen werden: desgleichen eine Agende für Rabbiner. ein Gebetbuch für den Iugendgottesdiensi und eine neue deutsche T-rchiunoh, ein Andachtsbuch für Frauen und Mädchen. Bei These 3 ist im wesentlichen Bezug genommen auf die seit beiger eingetretene Wandlung in der Einstellung zum Rationalismus und in der tatsächlichen Stellung Palästinas. In der Debatte kam zunächst das Bedauern darüber zum Ausdruck, daß man sich durch äußerliche Hemmnisse in der Fertigstellung des Gebetduches hindern ließ, es käme vor allen Dingen darauf an, vorerst einmal rin Fertiges herzustellen, damit die danach verlangente jfrNMtjota «* haben. Man müsse stets daran feschalten, vom preußisch«« Landesverband jüdischer Gemeinden. . Bon den Mitgliedern des Rates des preutzifchen Landesverbandes jüdischer Gemeinden haben ihr durch die allgemeine Wahl vom 1. Februar d. I. auf sie gefallenes Mandat niedergelegt: Bezirk Königsberg: Iustizrat Holz, liberal. An dessen Stelle trat Herr Bankdirektor Hermann Marx. Königsberg. Bezirk Grotz-Berlin: Kammergerichtsrat Leo Wolff, liberal: Frau Helene Meyer-Stargard, liberal: Iustizrat Lilienthal, liberal: Professor Dr. Moritz Türk, liberal; Bankier Bruno Galewski. konservativ. Außerdem legte sein Mandat nieder Handelsgerichtsrat Georg Lohn, liberal. An Stelle dieser Damen und Herren traten: Dr. Kurt Fleischer, liberal; Heinrich Elkeles, liberal; Ernst Dosmar, liberal; Dr. Martin Salomonski, liberal; Dr. Ludwig Tietz, liberal; Siegbert Seckelsohn, konservativ. Bezirk Westfalen: Rechtsanwalt Dr. Katzenstein-Bielefeld, an dessen Stelle tritt Rabbiner Dr. Steinthal-Münster. Der Verbandst«« wird, wie von «ns bereits gemeldet, erstmalig am 21. 3»ni, nachmittags 3-/- Uhr in Berlin im ehemaligen Preußischen Herrenhaus zusammentreten. Die Tagung wird voraussichtlich am Montag und Dienstag fortgesetzt werden. Die liberale Traktion wird sich am Sonnabend, de« 20. Juni, endgültig konstituieren und über ihre Stellungnahme zu sämtlichen Punkten der Tagesordnung des Perhandstaaes schlüssig «erden. Der liberal« Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin, t, B., veranstaltet anläßlich der Tagnng des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden am Montag den 22. Juni, abends 8 Uhr im Saale der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstr. S, eine öffentliche Kundgebung, bei der Herr Reichsminister a. D. Prof. Dr. Hugo Preuß sprechen wird über das Thema: „Die heutige politische Lage des Reiches und das deutsche Judentum." Näheres über diese Kundgebung wird in der nächsten Nummer bekanntgegeben. Vom Verband israelitischer Knttusgemeinden , Layerus. In der Sitzung des bayerischen Landtages vom 4. Juni wurde der Zuschuß für den Verband israelitischer Kultusgemeinden in Höhe von 60000 Mark für 1924, von 60000 Mark für 1925 mit 13 gegen 12 Stimmen genehmigt. Dagegen stimmten Kommunisten, Sozialdemokraten, Deutschnationale und Deutschvölkische. Jüdischer Festgottesdienst zur liheinfeier. Pom 12. bis 14. Juni finden in Berlin die rheinischen Iahrtausendseiern statt, deren Ehrenvorsitz der Reichspräsident und der Reichskanzler übernehmen werden. Am Sonntag, den 14. Juni, finden Gottesdienste im Dom, in der Hedwigsklrchs und in der Synagoge statt. Zionistische Kampfmethoden. (I.Z.) Der Dorsitzende der Breslauer Zionistischen Dereiniguna. Herr Rechtsanwalt Iacobsohn, hat gegen den Redakteur der Jüdisch-liberalen Zeitung, Herrn Dipl.-Ing. Woyda, zwei Anzeigen wegen Pressegesetzübertretung erstattet. 3m ersten Falle handelte es sich darum, daß die Jüdischliberale Zeitung im Wahlkampf angeblich eine Berichtigung der Breslauer Zionistischen Bereinigung eine Nummer zu spät verössentltcht haben sollte. Herr Woyoa konnte nachwetsm. daß der Brief mit der Berichtigung nicht so rechtzeitig einaetrosfen war. daß ein früherer Abdruck möglich gewoseu wäre. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft am Landgericht Breslau das Verfahren gegen Herrn Woyda einaestellt. Eine zweite Anzeige des Vorsitzenden der Breslauer Zionistischeu Vereinigung. Herrn Rechtsanwalt Iacobsohn, wegen Pressegesetzübertretung gegen Herrn Woyda wird am 29. Juni 1925, vormittags 11 Uhr vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte zur Der- Handlung kommen. daß es nicht auf die Bedürfnisse dieses oder jenes Tempels einer Großgemeinde ankommt, sondern auf die Bedürfnisse einer großen Anzahl von Mittelgemei'nden. Es kam ferner in der Debatte zum Ausdruck, daß man sich intensiver mit der Frage der Thoravorlesung beschäftigen müsse und der Möglichkeit ihrer Einarbeitung in das Gebetbuch, hier müsse ein Weg zur Lebendigmachung gefunden werden. Gagen These 4 kam in der Debatte ein Widerspruch zum Ausdruck dahingehend, daß es aus Gründen des inneren Zusammenhangs und der in dem Text des hebräischen Gebetes niedergelegten Gefühle der Anerkennung des Ruminosen richtiger *ware,' möglichst Wortgetreu zu übersetzen. Stilgefühl wechselt, aher das Wort des alten Gebetes soll bleiben. Ausgesprochen wurde ferner die. Forderung, nicht außer acht zu lassen, daß auch ein liberales Gebetbuch die Idee der Gesamtheit Israels und der Einheit Israels vertreten müsse. Das Ergebnis der Debatte war der Wunsch nach endlicher Schaffung eines in Anlehung an die ausgestellten Thesen und unter tunlichster Berücksichtigung der in der Debatte zutage getretenen Meinungen herzustellenden , liberalen Einheitsgebetbuches. Hervorzuheben wäre noch die Schilderung des als Gast anwesenden pensionierten Rabbiners von St. - Lo -uis, D r. Sale, über die Schwierigkeiten bei der Einführung des allgemeinen Gebetbuches in Amerika; auch er betonte die Rötwendigkeit der Erzielung eines allgemeinen jüdischen Bewußtseins, er rief die Erinnerung an seinen verewigten Lehrer, den großen Abraham Geiger, wach, und gab der Aeberzeugung Ausdruck, daß Geiger, würde er heute leben, den von Seligmann gemachten Ausführungen voll beistimmen würde. Rabbiner Dr. Norden-Elberfeld referierte über „Ziele und Wege des liberalen Judentums m Amerika und Devtschland". Die Leser dichrr Zeitung sind über die Vorgänge im liberalen Judentum in Amerika durch die eingehenden Ausführungen Elbogens, die kürzlich in der Iüdisch-Meralen Zeitung. erschienen, unterrichtet. Der Referent gab ein erschöpfendes Bild der Ver- Handlungen auf der letzten Konferenz der amerikanischen Rabbiner, auf der das Leitthema die Prüfung war,, ob das liberale Judentum seinen Weg richtig gegangen ist zu dem Ziele, die Er- Haltung des Judentums für das kommende Geschlecht zu sichern. Er stellte an Me Spitze seiner Ausführungen das Wort, das Kaufmann Köhler jüngst gesprochen, daß es sich um die Entscheidung handele, ob eine Welt sich heute gestaltet ohne Gott oder im Bewußtsein Gottes. Mit besonderem Nachdruck hob.der Referent das Sendschreiben von Claude Montestore an die amerikanische Radbinerkonferenz hervor, das in der Ueberzeugung gipfele, daß das liberale Judentum das Judentum der Zukunft sei, und daß es daher um so sorgsamer um der Zukunft willen gepflegt werden müßte. In diesem Sendschreiben ist ferner zur Frage des Zionismus der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß Zionismus und Liberalismus keineswegs Innere Widersprüche sind, daß es im Gegenteil darauf ankomme, auch die Zionisten von -er Rotwendigkeit des religiösen Liberalismus zu überzeugen. ' Rabbiner Dr. Norden schilderte sodann die Entwicklung des Liberalismus in Deutschland, er schilderte bas Stillstehen der Bewegung nach ihrer klassischen Zeit wesentlich aus dem politischen Gesichtspunkt der Rücksichtnahme auf die Einheit angesichts der antisemitischen Bewegung. Diese Rücksichtnahme kam im wesentlichen der Orthodoxie zugute. Heinemann Dogelstein überwand diese Stagnation durch die Anregung zur Gründung der liberalen Vereinigung. Dem Fortschreiten der Bewegung sicht der Mangel an starker Bekenntnistreue im Wege, darum war -der Tag der Richtlinien so bedeutsam und es kommt nur darauf an, sich immer wieder stark zu ihm zu bekennen. Auf Antrag von Freud enthal - Nürnberg wird dann dem Vorstand aufgegeben', die Gründung der lange schon notwendigen theologisch ^wissenschaftlichen Zeitschrift zu betreiben. Der neue Vorstand seht sich zusammen aus den Rabbinern Seli-gmann-Frankfurt a. M., Dr^elst-Än^reslan, Freudenthal-Rürnberg, Norden-Elberfeld, Italiener-Darmstadt, Wilde-Magdeburg, Wiener-Stettin; der Vorsitz liegt nach wie vor in der bewährten Hand des Herrn Rabbiner Dr. Settgmann. Gegen 4 Ahr fand die nach jeder Richtung hin gelungene und hochstehende Tagung, in der von allen Seiten um die Vertiefung in der Erörterung der religiösen Probleme gerungen wurde, und in der zu allen Fragen, Me den Juden der Gegenwart bewegen, in der Debatte Stellung genommen wurde, ihr Ende. Die Tagung des allgemeinen Rabbinerverbandes ^Eigener Bericht.) Äer allgemeine Rabbinerv-rrband in Deutschland -hielt am 2. und 3. Juni in Köln nach vierjähriger Pause seine Hauptversammlung ab. Köln war als Tagungsort gewählt, weil dort die Iahrta-usendfeier der Zugehörigkeit der Rheinl-cvnde zum politischeu Gefüge des Deutschen Reiches chren Mittelpunkt hat. Sichtbarem Ausdruck findet diese Fei-rr irr der Iahrtausendausstellung, die in drei.Räumen eine jüdische Abteilung auf-weist, die von Rabbiner Dr. Kober mit viel Sorgfalt und Sachkenntnis und nach Aeberwimdung vieler Mühe zusammengestellt ward. In der Wahl Kölns als Bersammlungsort sollte die Derbundenheit des deutschen Judentums mit dr-utscher Kultur ihre nachdrückliche Betonung erfahren. Die Verhandlungen begannen am Nachmittag des 2. Juni mit einer feierlichen Eröffnung und Begrüßung. , Es sprach zuerst Herr Blume na u namens der Kölner Gemeinde und Lberbrachte deren Grütze, er wies auf Me drei Rheinbrücken hin, deren der Ankömmling in Köln ansichtig wird, und verglich damit die drei Brücken, die vom Rabbiner zur Gemeinde führen, Me Brücke des Geistes, des Taktes und der Liebe. H-rrr Rabbiner Dr. Rosenlhal entbot $ i