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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-05-29 · 22 (29.5.1925) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
22 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Isaak auf dem Damm. Skizze von Justus von Maurick. Autorisierte Uebersetzung von Clara Schott. (Schluß.) Hab’ ich auf dem Augenblick, wo de Wache vorm Palais abgelöst wird, Zeit, dann setze ich mich auf dem Rand vom Monument und seh zu. Das langweilt mich nie, das heitert Isaak auf, denn wenn ich die Bauern-Lümmels in Soldatentracht sehe, muß ich lachen, ob ich will oder nicht. Die Offiziere sind stramme Leut’, auf die laß ich nichts kommen. Aber die andern, am vvai, was vore Sorte! Wenn ich noch so sehr verstimmt bin, wenn ich die Wache aufziehen seh, — muß ich lachen. Ich hab schon so oft gedacht, ’s ist doch komisch, daß die ly3 Soldaten die Hauptwache von’s Palais auf dem Damm bilden! Nu, es ist vielleicht grad genug, um s Palais zu bewachen, denn 's war schade, wenn se es stehlen sollten. S’ ist e schön Gebäude! Ob se es gut bewachen? — Probiere es nur mal, auf de ^kleinen Sternchen" vors Palais zu laufen. Geh nur mal hin! Gleich kommt ein Soldat, hält dir’s Bajonett vor de Brust und ruft: „Halo! Marsch, runter von de kleinen Steinchen." Hab ich schon hin und her gedacht, was denn eigentlich Rares an de kleinen Steinchen sein muß. Ich hab’ dran geleckt, gerochen, gefühlt — aber nichts besonderes gefunden. ’S sind ganz gewöhnliche Steinchen. Muß ich wieder sagen: „Stuß, daß man nicht drauf darf. — Wenn ich denn so e Weilchen still sitz, sehe ich noch viel mehr, was ich erzählen könnte, wenn ich wollte. Und mancher sollt sich wundern, wenn er wüßte, was Isaak weiß. Hast de unter andern die hübschen, sogenannten Dämchen. Die tun, als ob der halbe Damm ihnen gehört. Gekleidet sind se fein, in Atlas. Mäntel tragen se aus Samt und Seide. Riechen kannst de se schon von weitem wegen des Parfüms, das se mit sich 'rumtragen. Hin und her drehen se sich, rechts und links, links und rechts, immer de Schleppe hinter her. Fegst de nischt, hast de nischt. Weißte was Isaak denkt? Nu, er denkt: geh du nur deinen Weg, schöne Madame. Fegste jetzt mit der Schleppe de Straße, über s Jahr fegst de se mit’n Besen 's morgens in der Früh in 'ner Nachtjacke und einer Haube uf’n Kopf, um e Stückchen Brot zu verdienen. Bei mein Gesund, ich hab schon verschiedene gekannt, mit denen es so gegangen ist. Erst gucken se Isaak nicht an, und später? Nu, dann guckt Isaak sie nicht mehr an, oder nur, um über se sein Haupt zu schütteln. — So geht denn der Tag langsam zu Ende. Zu verdienen gib’s auf dem Damm nischt mehr, denn gegen Abend lassen de Menschen ihre Schuhe nicht mehr putzen. Abends geh ich nach Haus, Gott sei Dank gewöhnlich mit e paar Gulden in der Tasche. Mein Frauleben erwartet mer schon mit dem Essen. Vorausgesetzt, daß se noch ein paar Cente von vergangenem Tag übrig gehalten hatte, wovon se kochen konnte. Ich kann der versichern, daß ich Hunger mitbringe. Un’ das is gut, denn wenn man Hunger hat, schmeckt Kohl und Kartoffeln gerade so gut wie ein Be ef steck aus dem „Port von Olef". Ich hab’s zwar noch nicht gegessen, aber was ich davon gehört, soll’s was delikates sein. Wenn ich mal reich werd, will ich’s probieren, inzwischen machen wir’s billiger. Will ich was Besonderes, haben, so kauf ich mer e Stückchen gesalzenen Lachs. — Oftmals finde ich in meinem Keller noch ein ganzes Regiment von Schuhen, die meiner Bürste harren. Die sind von Menschen, die des Morgens früh raus müssen. Dann setzen wir uns alle zusammen. Ich putz, mein Frauchen putzt, mein ältester Junge, der Kokusnüsse, Knackmandeln und Kuracomandeln tagsüber auf der Straße handelt, putzt auch. Die beiden andern, Simon und Bam putzen auch. Moses schmiert die Stiefeln ein und meine jüngste Tochter paßt auf den kleinen Zampi. So verdient Isaak ’s abends auch noch was, verstehste? Alle Bischen helfen. Jeder tut seine Pflicht und wahrhaftig, mein Frauleben nicht wenig. Se sorgt davor, daß de Jungens und ich jeden Schabbes reine Wäsche haben. Spaß hat se zu tun in so 'ne große Wirtschaft! Un wenn wir in der Woche noch so staubig rumlaufen — Schabbes sind wir fein, reinlich geputzt, wie sich’s gehört. Wenn mer meine Frau am Freifag aBen‘d mein' Vorhemdchen un e reinen Kragen hinlegt — e Vergnügen; is es hinzusehen. Ja, ja, am Schabbes is Isaak e „Herr" mit e Zylinder auf — er glänzt ner so. Einen schönen braunen Rock mit e Sametkragc n an und ne Schlippsnadel in de Krawatte und e paar Hosen, die sich sehen lassen können! Meine Stiefel glänzen wie e Spiegel, nu, das wirste begreifen — — selbst geputzt mit Wichse aus de Stoofsteg; zwei mal eingeschmiert und tüchtig ausgerieben mit de große Bürste! Und'mein Frauleben? — se kann sich1 getrost mit mir sehen lassen. Du kannst ruhig den Hut vor ihr abnehmen. Se hat erstens e Prachtstück von e Schal um, mit gelbe Palmen und ’ne Haube mit pensee Baud. Prachtvoll! Im Vondelpark sehn ihr de Menschen nach, wenn wir spazieren geh n. — Sind de Schuhe dann abends bei Zeiten fertig, dann bring ich se mit den Kindern zu den Kunden. Wenn s dann nicht zu spät wird, gebe ich mit den Kindern noch e bischen durch de Kalverstraße. Das is e wirkliches Vergnügen und’s kost nischt und man bleibt gesund dabei. Wird’s denn so zehn Uhr, dann schließt Isaak seinen Keller, setzt seine Schlafmützc auf, küßt Mameleben, und de Kinder noch ab, und sagt dann, das Licht ausblasend: ,,Gott sei Dank, schon wieder ein Tag, an dem ich gehabt habe mein Brot." Kalendarium für die Zeit vom 30.5. dl- 6.6.1925 Mai 1925 Gitvan §655 Sonnabend 30. Sonntag 31. 2uni 1925 Montag l. Dienstag 2. Mittwoch 3. Donnerstag 4. Freitag 5. Sonnabend 6. 7. 2. Tag Schabnoth Geelenfeier Festausgang: 9,12 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. Wochen-Abschnitt: Nossau (4.V.M. 4,21—7) Haftarah: Richter, Kap. 13,2—15 A srUmAchE Billige Preise für gute Qualitäten Pr. Seidenflor, eleg. klare* Gewebe. 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