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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-05-22 · 21 (22.5.1925) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
21 (22.5.1925)
Date
1925-05-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Isaak auf dem Damm, Skizze von Justus von Maurick. Autorisierte Uebersetzung von Clara Schott (Fortsetzung.) ’S muß schon sehr arg kommen, wenn ich unterdessen noch nicht mein Frühstück verdient habe. Dann geh' ich in den Schaftkeller neben den großen Zigarrenladen von Hagenus, da kann ich alles koscher kriegen. Dann nehme ich eine Tasse Kaffee und ein Brötchen und spüle alles schnell herunter, denn Zeit ist auch für Isaak Geld, verstehst de? Nun wird es langsam 10 Uhr, dann wird es häßlich auf dem Damm, dann kommen die Begräbnisse. Nebbich! Bei mein Gesund, wer so lange Zeit wie ich dieselben beobachtet hat, der kann se schon aus der Ferne unterscheiden, denn es sind zwei Sorten von Begräbnisse, versteh’ste? Erstens von de Armen und zweitens von de Privatleute. Die von der Armenkasse begraben werden, mit denen jagen se den Damm entlang, grade, als ob es zur Trauung ginge, oder besser, als ob se sagten: schnell nur, wir haben noch mehr Frachten zu besorgen. Und die Leichenbitter, spaßig sehen se aus, mit einem Worte schofel, und Gesichter schneiden se, worauf de lesen kannst: „'s ist eine angenehme Beschäftigung.“ Anders ist es bei de Partikulier. So e Begräbnis ist würdevoll, prunkvoll und im langsamsten Tempo. Die Leichenbitter blicken ernst vor sich hin, wie in Gedanken verloren mit gebeugtem Haupt. Du denkst wohl aus Mitgefühl für den, den se fortbringen? Se rechnen im Stillen aus, wieviel Trinkgeld es im Sterbehaus geben wird. Ganz bestiekem schaut Isaak auch in de Kutschen, die hinter dem Leichenwagen fahren. Weißte, was er denn so manchmal sieht? — Ich wilis der sagen: In den paar Kutschen, die hinter de Armeleuts- Begräbnivi fahren, sitzen sie mit e Gesichtsausdruck, in dem steht: „Wieder Einer von uns aus seinem Leiden.“ O ja, die armen Leute dürfen schon den Tod ins Auge schauen. Bei den Reichen ist es umgekehrt! Blickt einer ängstlich den andern an und se weinen, denn se haben viel zu verlieren und se denken: am wai, am wai, de Reihe kommt auch an dir.Siehste, da haben de Armen wieder was voraus vor de Reichen. Uns fällt’s nicht so schwer zu scheiden aus so’n leeres Nest, aber wenn's einer gar so sehr gut hat, dann ist’s doppelt schwer, Abschied zu nehmen!“ Jetzt ist es bald 11 Uhr, dannn kommen die Auswärtswohnende. Das ist Pemoße vor Isaak, da fällt noch ein Extra verdienst ab. Wieso? — Nu Jaf, e Bauer ist nor e Kälber Mensdi und wenn de den nicht zu nehmen verstehst, wen denn? Kürzlich kommt ein Bauer, so c echter, mit offenem Mund und weite Hosen auf mich zu. „Putzen, schön machen, ab bürsten?“ rufe ich. „Nein Jude,“ rief er. „Verlier dein Atem,“ sag ich. Da fängt der Lümmel an zu lachen, daß ich mitlach. Er geht e paar mal hin und her, kommt dann wieder auf mich zu und fragt» „Kannst du mir sagen, wo van Gend & Loos wohnt?“ „Ob ich dir das sagen kann? — warum nicht?“ „Na denn sag’s doch!“ „Wenn de mir eine ICwartje gibst, vor was gibt’s was, ich muß doch auch was verdienen vor de Zeitversäumnis, ich hab’ Frau und Kinder zu Haus. Fängt der Lümmel wieder an zu lachen, „ich werde dir ein Dubbeltje geben!“ „N Kwartje!“ sag ich. „N Dubbeltje,“ er. „Ich kanns nicht vor e Dubbeltje Bäuerlein, wahrhaftig nicht, cs kostet mich im Einkauf selber mehr.“ Endlich geht er über de Tasche und gibt mer e Kwartje. Gott soll ihm seinen Atem lassen! Ich steck mein Kwartje in de Westentasche und sag: „Dreh dich mal um, Väterchen, denn de stehst grade vor de gesuchte Tür.“ S’ war bei mein Leben zwei Kwartjes wert zu sehen, was er vor e Gesicht gemacht hat! Am wai, am wai, hat der geschimpft: Wenn er hätte lesen können, wär’s ihm nicht passiert. Spaß hat er gescholten. Und ich, — weißte was ich hab gemacht? Ich hab mer mit e Kwartje mein Ohr zugehalten und hab mer umgedreht. Denn warum? Wer haben doch alle beide unsern Willen durchgesetzt. Zwischen 11 und 12 gibt’s viel zu tun, dann kommen die Kunden, die geputzt sein wollen, bevor se zur Börse gehen, gegen ysl kannst de schon de kleinen Spekulantjes auf de kleinen Steinehen vor der Börse stehen sehen. Wenn um 1 Uhr die Börse geöffnet wird, trag ich meine Schuhbank vom Monument nach der Börse. S’ ist ein schönes Gebäude, von vorn gesehen, meinst de wunderwas. Aber hinten — au wai, es ist wie de Arche Noah. In der Zeitung haben se geschrieben, daß se im Kurzen e neue Börse bauen wollen, d. h., wenn se genug Geld dazu haben werden. Auch e Dummheit, was tun de Amsterdamer damit? Se verdienen genug auf de alte Börse! Se sollen sich nur in Acht nehmen! S’ ist besser, daß von de alte Börse was in ihre Börse kommt, als daß aus ihrer Börse e neue Börse kommen muß. Nu, ’s ist nicKf meine Sache, aber Isaak sagt' gern,' was er denkt. — Nu, wie schon gesagt, zur Börsenzeit kommen die Spekulanten, die Leut, die in Effekten handeln. Wer mer Böses gönnt, was für e Geschäft! Wer Vater und Mutter geschlagen hat, ist noch zu gut dazu, um in Papier zu handeln, die auf und nieder gehen. Was vor e Geschäft!!! De Menschen rennen wie im Fieber, mit ängstlichen Augen laufen se belämmert rum. Un’ das nennen se noch bequem Geld verdienen! Ich sag, es ist e sauer Stück Brot, mit die Leut’ tauscht Isaak auch nicht! Wenn ich mein Tageswerk vollbracht Hab und nachts in meinem Keller zu Bette gehe, dann geb’ ich mein Frauleben noch e Gute- Nacht-Kuß, decke den kleinen Zampi, der sich immer aufstrampelt, nochmals zu und dann gute Nacht Sorgen, Isaak schläft wie eine Ratte die ganze Nacht hindurch bis zum frühen Morgen. Aber die Effektenmenschen? -- Sie zittern vor Angst und können nicht schlafen. Einer, weil de Papiere raufgehen, der andere, weil se fallen. Heste Geseires! Aber für mich sind die Börsenmänner die besten Kunden. Weißte warum? Sie sind doch eigentlich Spieler und deshalb auch abergläubisch. S’ ist wahr, was ich der sag, bei mein Gesund, abergläubisch1. Ich hab so meine feste Kunden, auch Leute von meiner Nation dabei. Zu denen geh ich hin mich red se an. „Gott soll Sie gesund lassen, mein. Herr, e gute Börse solln se haben. Behalten set; nor, was ich Ihnen gesagt hab!!“ Kommen se denn so gegen y23Uhr zurück', seif ich aus der Ferne, was vor e Gesicht se aufstecken; Ist es lang, — dann haben se verloren und ich half meinen Mund. Kommen se lächelnd raus, nehmen aus dem Zigarren-Etui eine Zigarre, dann lauf ich schnell mit ’n Zündhölzchen auf se zu. „Anstecken^ mein Herr? — Hab’ ich nicht richtig prophezeit*, daß se werden haben e gute Börse? Ja, ja, Isaak weiß schon was er sagt!!!“ ' Dann gehen se über ihr Portemonnaie und gebeni mer e Kwartje, oder wohl auch zwei. Warum:; Weil Isaak se am folgenden Tag wieder Guts soll! wünschen. Vor e Fluch’ oder e bösen Wunsch' haben seH mehr Angst, als vor 10 Dragoner. Nach der Börsenzeit ist’s Fett von der Suppegeschöpft. Ab und zu putze ich noch für diesen oder jenen, aber das Hauptgeschäft liegt im Anteil an den Omnibusgesellschaft. Zuweilen gehe ich auch Wege vor einem aus der Nachbarschaft. (Schluß folgt.)) - J zru 2u Pfingsten! Kleider »Eva«. Kleid aus Waschseide, (reine Seide) in neuen Streifen, mit weißer Batistrüsche und m.KnopfgarniturfAbbild.)M. J-s Al »Elsa«. Kleid aus neuartigem Frot testoff, in schönen Karomust., _ _ _ mit weiß. Ripskragen tu mit Qj / O weißer ripsseid. Krawatte M. JL j* Blusen »Erna«. „Alts weißem Voll-Voile, mit langen Ärmeln u. mit großem Jabot, Jumperform, oder im () 75 Roch zu tragen .JF Bade-Mäntel Schwerer farbig gemusterter Kräuselstoff. Damen- und rjUÜ Herrenform.M. B&de-Anzüge Schwarz Baumwoll-Trikot, mit Röckchen, farbig besetzt. Größe_iS_46 44 «2 Ä /(J Mark 6.70 6.30 6.- M. Sdiwimm-Trikot, für Damenu. Herren Schwarz Baumwoll-Trikot . Größe 50 48 46 44 _42 ^40 Mark 2.20 2.- 1.80 1.60 M. Schwarz Flor-Trikot Grüße 50 48 46 M. 8.50 S.- 7.60 7.20 Herrenwäsche Herreri’Sporthemd aus gestreiftem Zephir, in neuen Streifen, mit zwei Kragen M. Herren-Nachthemd aus gut. Wäsdiestoff, ihit farbigem Vorstoß, Kimonoschnitt M. Landeshuter /.einen- und Gebüdweberel F. V. Grünfeld Größl.Sonder haut f. Lenen und WSidte Bettln WS, Leipziger S rafie SO-XI KREDIT AN ALLE .mm - \ unter günstigen Zahlungsbedingungen Anzahlung und Ratenzahlung nach Uebereinkunft! Herren-Anzüge und Paletots, Smokings u. Frack-Anzüge, Damen-Kleider u. -Kostüme, Mäntel, Complets, Kasaks, Gesellschafts-Toiletten. Speisezimmer Herrenzimmer,Schlafzimmer,Klubmöbel in Leder u.Gobelin Einzelmöbel und Polsterwaren, Küchen, Dielen-, Garten-, Balkonmöbel, Teppiche, Gardinen, Decken. Größtes Möbel* u. 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