Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 20 (15.5.1925)
- Date
- 1925-05-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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■UCHIRiCHAU ‘„Goethe und die Juden" von Heinrich Teweles. Verlag W« Genie» Hamburg 1925. V ln. der Zeit einer politischen Kampfesmethode, die vor nichts Halt macht, der jedes Mittel recht ist, die die Auf* peitschung widerlicher Rassen- und Klasseninstinkte zu einem Programm gemacht hat,, auch Goethe als einen prinzipiellen Antisemiten für sich in Anspruch nimmt, wenn sie nicht umgekehrt vorzieht, Goethe zum Juden zu stempeln, kommt dieses Buch sehr gelegen. Mag sein, daß Goethe, beeinflußt von irgend welchen Eindrücken und Menschen, vielleicht aus einer Augenblicksstimmung heraus, vielleicht scherzhaft einmal in jenem Sinne Auszudeutendes gesagt habe* mag ein oder das andeje aus. dem Zusammenhang gerissene Zitat (der Verfasser gibt gute Beispiele dafür) jenen Anschein erwecken, das, was der Verfasser liier bringt, ist ein unwiderlegliches Zeugnis» dagegen, geschöpft aus Goethes Werken und Leben, ohne jedes Hinzutun, ohne jede Beschönigung. Daß Goethe dem Werke seiner Zeit, in dem die religiöse Toleranz, das ist die Menschlichkeit, ihren größten dichterischen Ausdruck gefunden hat, Lessings „Nathan der Weise“, durchaus positiv, ja bewundernd gegenüber stand, daß er als ein Erziehungsbuch zu einem „göttlichen Düldungs- und Schopungsgefühl“ dem deutschen Volke dringend empfahl, das allein sollte doch genügen. Ebenso unleugbar-sichtbar ist die stete Bezugnahme Goethes zu dem, was. die geistig-sittlich-religiöse Kultur des Judentums hervorgebracht hat, zu der Bibel in erster Linie, dem „merkwürdigsten Buch der Welt", die Juden sind ihm „das bibelschöpferische Volk". Der Verfasser weist nach, wie jenes Buch von der Kindheit bis zum Alter immer wieder Goethes Geist und Phantasie beschäftigt und befruchtet hat, (zuletzt noch in den Anmerkungen zum „Westöstlichen Divan") vielleicht mehr als dies bei irgendeinem deutschen Dichter der Fall war, Ueber das Verhältnis Goethes zu Spinoza, dessen Weltprinzip in so entscheidender Weise auf das Goethes einwirJkte, erübrigt es sich fast zu reden. Wenn man sich neuerdings auf jener Seite darin gefällt, jenes Verhältnis auf ein Mißverstehen Spinozas, durch Goethe zurück zuführen, so würde das — gesetzt, es sei so, ist es aber nicht — gar nichts besagen. Das Entscheidende ist, daß Goethe absolut bereit war, Geist und Seele dem von einem Juden ausgehenden Quell zu öffnen, sein Weltgefühl von ihm bestimmen zu lassen.. Wichtiger aber als all das ist zuletzt die Tatsache, daß Goethe stets den Verkehr mit Juden nicht scheute, sondern mit einer Reihe von Juden, Männern und Frauen, wie überall so auch hier nur nach dem menschlichen. Werte fragend, in freundschaftlichen Beziehungen staiid., Der Verfasser weist alle diese Beziehungen im einzelnen nach, ein besonderer Vorzug des Buches. Dr. E Ilse Dosen lieimer, München. Um das Alte-Neue Land. Palästina-Aufsätze eines thoratreuen Juden von Saly Geis. Frankfurt a. At. 1925. Verlag Sänger & Friedberg. Brosch. 1,50 M. Fünf Zeitungsaufsätze und ein Vortrag des bekannten orthodoxen Publizisten, die seine Stellungnahme zum neuwerdenden palästinesischeii Gemeinwesen bekanntmachen sollen, sind im Rahmen dieser an Druck und Ausstattung erfreulich ästhetischen Broschüre vereinigt. Nicht eben viel Neues-oder Wesentliches vermögen die leicht und anschaulich geschriebenen Aufsätze oder. Schilderungen zu geben, aber sie sind, in ihrer Grundtendenz Zweifellos von einer ernsten verantwortungsbewußten Ueberzeugung getragen, die sich paradoxerweise von unserer liberal-religiösen Stellungnahme nicht allzuweit entfernt. Der Verfasser ist Misrachist und erstrebt mit allem, was er. schreibt, die Durchdringung der Palästina-Aufbau-Arbeit, der . dort ansässigen und neu einwändernderi Juden mjt positiv religiösem Geiste, wie er andererseits die Galuth-Organisationeri, insbesondere die Agudas Jisroel für die zionistischen Aufgaben gewinnen will. Denn den Galuth hält er trotz der orthodoxen Inseln etwa in Frankfurt _a. M. und der noch kompakten ostjüdischen Masse für ein thoratreues Judentum — und das ist ihm das eiftzig'denkbare und erhaltungsfähige — für verloren. Auch in der. Orthodoxie mache zum mindesten in der Sphäre der nicht rein religiösen Lehensbezirke die Assimilation ihre zerstörende Wirkung geltend und der jüdische Osten entferne sich mehr und mehr von der Tradition; daher liegt die einzige und zugleich wirklich lebendige Zukunft des Judentums in Palästina. Nur dort sei „die freie Entwicklung des jüdischen Volkes“ möglich, naturgemäß meint der Verfasser auf dem Boden der Tradition und unter ihrer strengen Wahrung. Denn daß von amtlichen Persönlichkeiten und Organisationen nicht nur Sabbat- und Speisegesetz, sondern alles Religiöse mißachtet und dadurch Verwirrung erzeugt und das Aufbauwerk gefährdet werde, geißelt er immer wieder und wieder. Nach unserer liberalen Ueberzeugung mit Recht. Denn darauf weisen wir immer wieder hin, daß uns religiöse Juden ein areligiöses Palästina nicht interessiert, daß es uns wesentnur sein kann als lebendige Zentralquelle gleichsam, der jüdischen gemeinsam in einer gleichartigen Gesamtheit gelebten Religiosität. Wir sind nur konsequenter als Herr Geis und legen der auch von ihm geforderten „freien" religiösen Entwicklung nicht von vorneherein den eisernen Schniirleib des schriftlich fixierten Schulchan-Aruch-Gesetzwerkes an. Gewiß muß.die Tradition Wurzel und Lebensboden des neu sich entwickelnden religiösen Lebens in Palästina wie in den anderen jüdischen Wohnländern sein, und es wäre wünschenswert,- wenn die abendländischen assimilatorischen Einflüsse dort, abgestreift und einer eigenjüdisclien Entwicklung Platz machen würden, aber diese erhoffte Entwicklung muß eben frei sein und nicht ewig autoritativ bevormundet von der zweifellos auch assimilatorisch durch die äußeren Einwirkungen der geographischen und historischen Situation, der sozialen Lage. und herrschenden .Kulturauffassung jeweils entscheidend beeinflußten jüdischen Tradition einer unwiderbringlichen Vergangenheit. Dr. Erwin Seligmann -Frankfurt a. M. Der Morgen, Zweimonatsschrift, Herausgeber Prof. Julius. Goldstein, Darmstadt, Philöverlag. Eine neue Zeitschrift. Daß sie nicht unberechtigt ist, die auch noch so große Masse der Zeitschriften, die wir haben, zu vermehren, dafür bürgen die Namen ihrer Mitarbeiter. So finden wir im ersten Heft Namen wie Dr. Richard Koch, Franz Rosenzweig, S. Kracauer, J. Heinemann, aus denen die Art und Richtung der Schrift schon hervorgeht. Von den Aufsätzen der ersten Nummer sei hervorgehoben der von J. Heinemann „Der Begriff des Uebermenschen in der jüdischen Religion", in welchem in interesseerregender Weise dargelegt ist, wie die jüdische Religion den UebermenschenoegrTff im Sinne Nietzsches, also als Uebermensch moralischen Bindungen gegenüber nicht kennt, wie sie aber den Begriff des rassenmäßigen, des mystischen und des rationalistischen Uebermenschen auch übernommen hat, was seinen Niederschlag in den Werken Jehuda Halevys, Philos und Maumis fand. Ferner sei als im Problemkreis unserer Zeit stehend die Abhandlung Richard Kochs über Glaube und Ueberzeugung hervorgehoben, in welcher Richard Koch sich in bekannter Weise bis aufs Messer mit den Begriffen herumschlägt. Eigenartige Gedanken, geboren aus den Wirren unserer Zeit, enthält der Aufsatz 9 G. Loefflers „Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit.“ Noch viel Interessantes und Gutes ist sonst in dem Heft zu finden, und es ist zu wünschen, daß dasselbe, wenn es der großen Masse durch sein geistiges Niveau auch nicht zugänglich sein dürfte, doch viel ernsthafte Leser findet. N. B a e r, Frankfurt a. M. L’secher Smolenskin Zum Andenken Smolenskys. (Broschüre, 32 Seiten. Druck der „Union“, Wien, Lichtensteinstraße 21.) 5685-1925. Hebräisch geschrieben, in wenigen Seiten viel Inhalt. Vor vierzig Jahren ist der Hebraist Perez Smolensky gestorben. Er benützte s. Z. die hebräische Sprache nicht als gelehrte dichterische Vermittlungsart zwischen Judentum und außerjüdischem Geiste, sondern als Beleberin jüdischen Denkens und Fühfens mit großem Erfolg. Was die von ihm in Wien damals begründete Zeitschrift „Haschachar" ( — der Morgen) mit ihren jährlichen zwölf Heften geleistet und was sie ihm und den von ihm herangezogenen Kräften verdankt, das läßt sich nur dann ermessen, wenn man den Zustand der hebräischen Zeitschriften vor 60 80 Jahren mit seinen Anregungen vergleicht. A. Wardi in Wien hat hier eine kleine Sammlung von Briefmaterial in hebräischer Sprache uns vorgelegt, die uns einigermaßen Smolenskys Bedeutung für das Judentum erkennen läßt. Lebensvoll schildert uns das Büchlein die harten Kämpfe und Sorgen des jugendlichen Smolensky, als sein Ruhm sich schon zu verbreiten beginnt; Hofrat D. Müller und D. Kauffmann förderten den Strebenden. Das Schriftchen will auch eine Gesamtausgabe der Smolenskyschen Werke anregen und wendet sich darum an die Besitzenden. Wir empfehlen das anregende Heft auch als Muster des Neuhebräischen, würden aber den Herausgebern raten, für weite Kreise eine deutsche Uebersetzung anzüfertigen, um, den angegebenen Zweck zu erfüllen. Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Berlin- Lichten berg. Jacob Wassermann: Gestalt und Humanität, (Dreimasken- Verlag, München). Daß Jacob Wassermann, der bedeutendste, gestaltungsreichste und fruchtbarste jüdische Schriftsteller unserer Zeit nicht nur ein feiner Kopf, sondern auch ein; Denker und Essayist von Rang ist, weiß man seit langem. Sein vor Jahrzehntenerschienener großer Essay über die „Kunst der Erzählung“ ist schon beinahe klassisch geworden, sein Aufsatz über das beziehungsreiche Thema: „Was ist Eigentum?“, der nach dem Kriege veröffentlicht wunde, ist ein unnachahmliches Gemisch von tiefsinnig-warmherziger Betrachtung, dithyrambischer Eindringlichkeit und vornehmer Stilkunst. — Es wäre eine lohnende Aufgabe, aus den zahlreichen Büchern dieses ausgezeichneten Autors einmal die essayistischen und aphoristischen Partien zusämmcnzustcllen und die in Zeitungen und Zeitschriften verstreuten kleineren Arbeiten zu sammeln. Jetzt hat der Dichter im Dreimaskcn-Verlag zu München; zwei Reden über „Gestalt und Hu.manitä t“ erscheinen lassen. Noch klarer als in den Essays besticht in diesen Reden unmittelbar und spontan seine tiefschürfende Gedankenlyrik. Die Ausführungen haben etwas Bezwingendes, — es ist Ueberredungs k u n s t im besten Sinne des Wortes, ... ein gewisser Zauber geht von diesen sinnenschweren und einleuchtenden Untersuchungen aus, dem sich niemand entziehen kann. — Die erste Rede behandelt das alte Problem der „Gestaltwerdung“ in den sich gegenseitig verschlingenden und bedingenden Kategorien Kunst und Erlebnis, ln wenig Sätzen ist oft viel gesagt; wenn auch Fragestellung und Beantwortung schließlich nicht neu sind, — die Art, in welcher der Redner spricht, ist überraschend und neuartig. Man glaubt beiin Lesen oft den klugen, nachdenklichen Kopf des Dichters vor sich zu sehen. — Die vergrämte Verurteilung unserer Zeit wird am Schluß der Rede von einem sieghaften Optimismus überstrahlt. Wassermann glaubt, daß „in unserem alten Europa doch noch wunderbare Quellen und unbegangene Wege zur Erneuerung“ vorhanden sind. ... Ich heiße Euch hoffen! — Die zweite Rede behandelt ' jenes wundervolle Thema, das seit Jahrtausenden gerade dem Judentum wie kein anderes am Herzen liegt. Nicht „Wege zu Kraft und Schönheit“, die die Griechen, die römische Antike und manche Bestrebungen unserer Zeit suchen, sondern Wege zur Kultur der menschlichen Seele. Auch zu diesem Problem hat der Dichter viel Feines und Unvergeßliches gesagt. „Wir leben alle wie im tiefen Bergwerk und sehen einander nur mit Hilfe einer schwach brennenden Grubenlampe; jeder schürft in seinem schwülen und gefährlichen Schacht und weiß wenig von den verborgenen Dingen in der Brust seines Nebenmannes; viel geht verloren, viel schwemmt der Schweiß hinweg, und in der Mühsal verdorrt viel edler Same.“ — Auch in dieser Rede werden die Schäden unserer Zeit rücksichtslos aufgedeckt, es .wird mit dürren Worten — ohne irgendeine iaudator temporis acti zu sein — zugegeben, daß unsere Erde ein gar unwirtlicher Ort geworden ist; ein schneidender Widerspruch klafft zwischen den Zielen aller ethischen Sehnsucht und der Wirklichkeit! Doch auch hier entläßt uns der Dichter nicht ohne Hoffnung. Er glaubt, daß auch „Herzensadel dermaleinst etwas Ansteckendes werden könne", daß Kräfte sich sammeln, die „in Nächten und aus der Finsternis hinauf einen Bau zur wahrhaften Ehre des Menschen" schaffen werden. Ueberall in Wassermanns Worten werden Ideen und in geistvolle Form gebrachte Strebungen lebendig, die mit uralten Traditionen des Judentums in mutvollem Zusammenhang stehen. — Die Hoffnungen auf eine „Humanisierung", der Menschen, an denen alle Realisten Europas in den letzten Jahrzehnten bereits verzweifelt ha{?pn, stehen in lebendiger Verbindung mit der Anschauung vom ethischen Beruf aller Menschen in der Messiaslehre des Judentums, jenem seligen und wohl unerfüllbarem Zukunftstraum, der auf der höchsten Stufe unter dem Bilde des Gottesreiches auf Erden die Versittlichung aller Völker und Nationen als Endziel der Entwicklung senaut. — Es ist, wie gesagt, viel Hohes, Edles und zu Herzen Gehendes in den beiden Reden des Dichters. Manches allerdings ist etwas gewunden, ein bißchen haarspalterisch und überfein ausgedrückt. Das Ideal einer Rede, gerade das Tiefste in kristallklarer und allgemein verständlicher Form zu sagen, ist nicht ganz erreicht. Eine kleine Spur Talmudistik und Snobismus, ist zuweilen vorhanden utyl bringt einen kaum hörbaren, nur dem völlig unverbildeten Ohr vernehmlichen Mißton in die reinen Klänge seiner Gedankenmusik. Aber dessen ungeachtet, — niemand wird das schöne und wertvolle Buch ohne Freude und innere Bereicherung aus der Hand legen!. Dr, Ludwig Davidsohn - Berlin. Verbietet die Bibel den Fleischgenuß? Von Dr. med. Süßkind. Verlagshaus Fr. P. Reis, Trier. Der Verfasser, überzeugter Vegetarier, macht den originellen, aber vergeblichen Versuch, aus der Bibel ein F leisenverbot zu beweisen. Der Blutgenuß ist biblisch verboten. Völlig blutleeres Fleisch gibt es nicht, also ist Fleisch überhaupt verboten. An zahlreichen Stellen der Bibel wird FleischgenuB aber erlaubt. Diese Stellen sind dann nach dem Verfasser einfach Fälschungen. Beweis: die Propheten reden von einer Fälschung der Gotteslehre. „Ihre Priester verletzen meine Lehre" (Jechesk. 22,26). „Prophet und Priester lehren falschen Gottesdienst" (Jerem. 8,10). Also sind alle Stellen, die den Fleischgenuß erlauben, Fälschungen oder Mißverständnisse. Das Gebot der Sabbatruhe bezieht sich auch auf das Tier, also muß sich das Gebot „Du sollst nicht morden“ auch auf das Tier beziehen. Aber die Tieropfer? Wieder bringt der Verfasser Prophetenstellen, die sich gegen die Opfer wenden; damit sei bewiesen, daß diejenigen Gesetze der heiligen Schrift, die Tieropfer verlangen, nur menschliche Satzungen sind. Es braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß die Propheten sich nur gegen diejenigen Opfer wenden, die nicht mit reinem Herzen und reinen Händen dargebracht werden, die Ersatz für sittliches Handeln sein sollen. Denn sonst könnte man aus Jesaja 1,13 folgern, daß der Prophet die Feier von Sabbat und Neumond auch verwirft. Die Stelle Jeremia 7,6 „Unschuldiges Blut sollt ihr an diesem Ort (Tempel) nicht vergießen,“ auf die Tiere zu beziehen, ist originell, aber durch keinerlei Zusammenhang beweisbar. Ebenso die Behauptung, die Stelle Jesaja 1,21 „Mörder wohnen in der Stadt“, wende sich gegen diejenigen, die Tiere opfern. Auch das neue Testament verbietet nach dem Verfasser den Fleischgenuß. Er sucht zu beweisen, daß das „Gesetz“ des alten Testamentes durch das neue' nicht aufgehoben ist, daß also das vermeintliche Verbot des Fleischgenusses im alten Testament auch für die Anhänger des neuen Testamentes verbindlich sei. Wie steht es dann mit dem Osterlamm, das Jesus mit seinen Jüngern verzehrte (Ev. Matthäi 26, 17—20)? Der Verfasser schließt mit folgendem Ergebnis: 1. Fleischgenuß ist verboten, weil damit Blut zur Aufnahme gelangt. 2. Da der Fleischgenuß durchschnittlich nur mit Ueberschreitung des Sinai-Ausspruches „Du sollst nicht morden“ möglich ist, widerspricht er dem Willen Gottes. 3. Die „Gräber der Lüsternheit“ und die Speisung mit „Manna“ zeigen, daß Fleischgenuß verpönt ist. 4. Das „Alte Testament“ ist auch hetirte noch verbindlich; die Meinung, nach dem Tode Jesu häbe der „Alte Bund" seine Gesetzeskraft; verloren, beruht auf .Irrtum. Die vegetarische Anschauung des Verfassers in aiilen ^Ehren. ■Sie steht aber hier nicht zur Kritik; ebens.owenig die-Frage, ob wir jetzt das Tieropfer als überlebte Form religiöser Andacht anseben. Aus der Bibel aber cfen Beweis für Fleisch verbot erbringen zu wollen, wirkt auf. den Leser wie ein geistreicher Scherz. ■ Rabbiner Dr. Georg Wilde, Magdeburg, Grünkranz: Der Baron Rothschild. Reisen, Jagden, Menschlichkeiten. München 1924. Verlag für Kulturpolitik. Forstrat Grünkranz, der Verwalter des Rothschild? sehen Schlosses Reichenau, erzählt seine Erinnerungen. In äußerst lebhaften Farben schildert' er die Erlebnisse und Abenteuer, die er während seiner zwölfjährigen Dienstzeit im Gefolge des österreichischen Barons gehabt hat. Der Geist rührender Anhänglichkeit und inniger Wahrung der Interessen seines Herrn weht aus diesen liebevoll verfaßten Zeilen entgegen. Die reine Herzensgute und die bescheidene Wohltätigkeit Rothschilds zeigen sich hier in ihrer ganzen Größe; wir hören von seiner edlen Tätigkeit' zum Wohle seiner Mitmenschen und erfahren von seinen milden Stiftungen, durch die er das Leid seiner Brüder linderte. Der Verfasser läßt uns einen: Blick in das reiche Innenleben des leutseligen Barons tun, und vor unseren Augen erscheinen all die Personen, mit denen er verkehrte; er erfreute sich des Umgangs mit den höchsten Herrschaften, Prinzen und Angehörige des kaiserlichen Hofes waren des öfteren seine Gäste. Auch weite Reisen hat der Baron in alle Länder unternommen und auf diesen durfte ihn Grünkranz begleiten. Sehr interessant und packend sind seine Schilderungen der Erlebnisse und Eindrücke, die er auf ihnen gewonnen hat. Auch auf Jagden durfte er seinen hohen Herrn begleiten und manches Tier hat er für ihn zur Strecke gebracht. Des öfteren war dem Baron auf seinen Waidmannsfahrten das Glück günstig und eine stattliche Anzahl erlegter Tiere, namentlich Böcke und Auerhähne zeugten von seinen Schießerfolgen. Auch von den seelischen Eigenschaften des Barons weiß der Verfasser manches Interessante zu berichte^; mit viel Witz und Humor entledigt er sich seiner schwierigen Aufgabe. Eine Lektüre dieses Buches sei allen denjenigen, die sich mit der Entwicklung des modernen Judentums, und namentlich mit der Geschichte der Familie Rothschild beschäftigen, empfohlen. Dr. Ernst Blau, Frankfurt a. M. Friedrichstraße 60 * Ecke Leipziger Straße Z Etablissement care ielka Das Riesen* Mai * Programm unteres vornehmen Famillen-Kabaretts Karl Zander Ballett Slegno Fritz Brand Bisa Franz Emil Spielmann Hildegard Büttner Tedd CunarOklany Qrete Gravenhorst W. Rath-Rex Gretel Tavera Gerda Latsner Erika Renal Kennen Sie unser W oldschltföchen Herrlicher Aufenthalt, Terrassen am See der Krummen Lanke. Man fährt mit der VVnnnseebahn bis Zehlendorf-West und erreicht in wenigen Minuten unser Zielka im Walde Täglich nachmittags u. abends großes Konzert Ain Flflgel: E. Hentscliel * Kapellmeister Franz Vieten.