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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-04-03 · 14 (3.4.1925) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
14 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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anerkennen unö befolgen. — Die Antwort: ..Liebe deinen N ä cl) ft c n wie d i ch s e l b st, a l I e s andere ist Auslegung." Auch in einem Internat, ob jüdisch oder christlich, werden a>ir dieses Ziel erstreben. Aber auch hier sind die Mittel etwas andere, genau wie in der Familie. Dazu kommt aber noch, dast wir in einer jüdischen Anstalt viel mehr Gewicht auf das gelten der Feiertage, das Zeremoniale und auf alle Gebräuche legen können und müssen, als es in einer Familie möglich ist. Wir befriedigen dadurch alle religiösen Richtungen. Hier können wir den Sabbat halten und den Kindern damit die Kciliglialtung dieses Tages ins Herz pflanzen. Hier können ,vir Peßach halten, wie es Vorschrift ist und all die anderen Ieiertage, die im bürgerlichen Leben außer Rauschhaschonoh und Zaum Kippur nur'noch wenig gefeiert werden. Möge die Fluder später auch das Berufsleben dazu führen, manches abstreifen, ein tiefes Gefühl, ein heiliges Empfinden selbst für das. was sie nicht mehr halten, wird in ihnen nicht erlöschen. Lie sollen dann mit derselben Liebe an der Anstalt hängen. ,vie andere an ihrem Elternhause und sollen mit andächtiger Verehrung an die Gebräuche ihrer Religion denken. Dazu ist fo notwendig, daß der Ton in der Anstalt ein entsprechender ist familiär und herzlich. Eine jüdische Anstalt, in der die Kinder nach Art der Kadetten vor Lehrer oder Direktor strammstehcn, lehnen wir ab. Dieser Drill ist gut für die Turnftunderr und nur für diese — nicht aber für acht Jahre der schönsten Iltgendzeit. Wer den Drill in die Anstalt für Jugendliche »ernflanzt, tötet Leelen. In der Anstalt fühle sich das 'Kind zu Hause, gemütlich wie in einer Familie. selbstredend tritt aber durch jede Anstalt eine noch stärkere Absonderung ein. Diese Absonderung der Kinder soll man dadurch mildern, daß man es den .Kindern ermöglicht mit ihren sriiheren christlichen Freunden Verkehr zu pflegen, ja man lii’.im vielleicht mit einer entsprechenden christlichen Anstalt in Verbindung treten, sich gegenseitig besuchen, und gemeinsame Ausflüge machen, um so die Kinder aus der Isolierung herauszunehmen. Man soll sie vor allem so erziehen, das; sie nicht mit Mißtrauen gegen Andersgläubige bei der Entlassung in die Well treten. Die j ü d i s ch c A n st alt i st n o t iv e n d i g als Ersah der jüdischen Familie, da ivo die Erziehung des Kindes in der Zumilie rinmöglich ist. Sie ist in diesem Falle notwendig, nicht nur zur Erziehung der .Kinder in religiöser und gefühls- »üißiger Hinsicht, sondern auch zur Erhaltung unserer Religion. Wir wollen aber durch sie nur eine Lücke — d i e sohlende oamilie ersehen. Wir wollen durch sie nicht trennen, — sondern wollen durch sie nur das kindliche Gemüt mit Sem Schi ck s ul versöhne u. Es soll über den Schmerz, keine Eltern zu haben oder nicht bei ihnen sein zu können, hinwegkommen und später in die größere Gemeinschaft der Angehörigen und Verwandten und der Religionsgemeinde hineinpeffen. Daß wir für Kranke und alte Leute, die an den Religionsvorschriftcn hängen. n st alte n nötig h a b e n, braucht nicht ausgeführt zu werden. Es ist nur eine Pflicht der P i e t li 1, die wir der älteren Generation oder den leidenden gegenüber erfüllen müssen, damit sie in ihrer Not Md ihrem Leid seelische Ruhe, Frieden und Glück finden. jüdisches aus dem Rheinland. Die deutsche Kultur hat bekanntlich im Rheinland begonnen, das heiter sein 1000 jähriges Deutschtum festlich begeht. Da von allem Anfang an ein sehr merkbarer Prozentsah römischer Juden sich unter den Kultnrboten befand und da andererseits erst nach vielen Jahrhunderten die neue Kultur in gewissen deutschen Ländern, die heute „völkisch" ungeheuer groß tun, Eingang zu finden vermochte, gibt es im jetzigen Deutschland eine große Menge Juden, die „schon viel länger deutsch" sind als weitaus die meisten adeligen und unadeligen Familien, von denen man heute als von Urdrutschen spricht und schreibt. Was wollen adelige Stammbäume besagen, die auf Jahrhunderte zurückhehen, wenn die Vorfahren vieler Fudenfamilien und Iudensippen schon vor zweitausend und mehr Jahren in dem Land gewesen sind, das als die Wiege deutscher Kultur und vor allem deutschen Schaffensfleißes gelten muß? lind jüdische Intelligenzen waren bekanntermaßen 'auf keinem Geistesgebiet die letzten, ja es muß unter Hinweis auf unbestreitbare geschichtliche Tatsachen gesagt werden und es w u r d e auch von deutschen Großen oft genug gesagt, daß die auf den Trümmern des versunkenen Römerreichs anfgedaute neue Ordnung ohne wesentlichen Anteil der Iudcnheit gar nicht denkbar ist. Wären die jüdischen Stammbäume gleich denen der „Junker und Iunkeryenossen" (wie ich in Anlehnung an eine bekannte antisemitische Redensart sagen wills fein säuberlich anfzcs.chrieben worden, d. h. hätten es die Juden so gut gehabt wie all die prominenten, erst lehr ivüt -mr wortiniißigcn Annahme des Christentums Le- Umgcfibdii Geschlechter, die zum Teil vor 'Jahrhunderten als heimliche Entführer fremden Viehes „in die Geschichte eintraten" und ihre wirtschaftliche llebermacht bis zum heutigen Tag ständig zu steigern verstanden, hätten 'die Juden überhaupt Sinn für öffentliche Prahlerei mit Ahnenrcichcn, ocließcn sie es nicht bei der heimlichen, familiären Pflege eines G e i st e s - Adels — wahrlich, auch in dem einzigen Punkt, in dem sie von den Erbpächtern aller Deutschheit nicht angeklagt werden, den Vorrang vorwcggenommen zu haben, hätten sie die Führung inne, d. h. der I u d e n a d e l müßte der ü l t c st e sein. Am 20. Juli 1808 kam das Dekret des Weltbczmingers Napoleon heraus, wonach die Juden in seinem Bereich F a - m i 1 i c n li u m o n christlicher Art anzunehmen hatten. Sie mußten sich vor dem Maire einfindcn und zu Protokoll erklären, von nun an einen bestimmten Namen in ihren Familien cinzuführen. Aus Solomon wurde damals z. B. in Mainz und Umgehung Schwarz, aus Bner wurde Lorch (ein besonders christlichfrommer Name in Anlehnung an den Ruhm des Klosters Lorch), Unger ufw. Manche Juden änderten bei dieser Gelegenheit auch gleich ihre Vornamen ab, ohne übrigens immer einen christlichen zu wählen; so wurde z. B. Salomon als Vorname in Samuel umgewandelt. Ein großer Prozentsatz deutscher Juden befand sich damals auch unter denen, die während der Kriegszeit besonders schwer zu leiden gehabt hatten, deren Wohnhäuser zerstört waren und die sonst großen Schaden an Hab und Gut erlitten, weshalb sie Napoleon im Jahr 1800 von jeder Grundsteuer auf zehn Jahre hinaus befreite, unter der Bedingung, daß dis 22. September mindestens zwei Meter des neuen' Manerwerks über den Boden ragten. Mit ihren christlichen Mitbürgern wurden die linksrheinischen Juden aus Deutschen zwangsweise zu Franzosen gemacht, mit ihnen kehrten sie später wieder in den deutschen Staats^- verband zurück; keinerlei Unterschied machte der gewaltige und gewalttätige Kone '.wischen Deutschen christlicher und jüdischer Konfession, außer dem, den er schon vorfand: der Jude allein sollte auf seine natürliche Eigenart verzichten. „Hochmütige Absonderung" warf ihnen der Korse vor und Geschichtsschwäher schreiben es heute noch nach. 21m Rhein, im ganzen Elsaß eröffnte er den Juden jede Laufbahn, aber trotz dieser Emanzipation konnten sie seinen Wünschen nicht in allem widerfahren: ihre religiöse tt e b e r z e u g u n g opferten sie nicht, sie hatte mit den Pflichten des Staatsbürgers, denen sie getreulich nachkamen, nichts zutun. Als Napoleon die rücklialtslosc Verschmelzung der Juden mit der übrigen Bevölkerung verlangte und dem Aeltesten-Rut ein entsprechendes Ultimatum sandte, du nahmen die Abgesandten der Juden Frankreichs alle Artikel an bis auf den einen, den sie ablehnen, mußten: die Anerkennung der unbeschränkten Mischehe zwischen" Juden und Christen. Napoleon hatte Einsicht genug, in diesem Punkt, der eine religiöse Konsequenz betraf, nachzugeben, aber heute noch müssen die Juden sich wegen dieser „Hartnäckigkeit" einerseits beschimpfen, andrerseits müssen sie sich von denselben Leuten haarklein „beweisen" lassen, daß sie keine Religion hätten. Spaßhaft ist es übrigens, zu sehen, wie ein besonders „großer" Vertreter dieser Geschichtslrlitterer es fertig bringt, die Juden sogar für Rücksichtslosiglreiten verantwortlich zu machen, die ihnen selbst seiteiks des Staates widerfuhren. Um besser zu wirken, zitiert z. V. Chamberlain judenfeindliche Aeußerungen Goethes, die allerdings schon an und für sich ungerecht sind und nicht gerade von hoher Einsicht in die jüdische Materie zeugen, die aber gewaltmäßig anein*, andergehängt eine logische Kuriosität bedenklichster Art crgeblMt' Zuerst wird Goethe'aus Will). Meisters Wanderjahre zitiert: „Wie sollten wir dem Juden den Anteil an der höchsten Kultur vergönnen, deren Ursprung und Herkomcken er verleugnet?" und unmittelbar daran wird gehängt, was Goethe am 23. 9. 1823' zu v. Müller sagt: Und er gerät in „leidenschaftlichen Zorn", als das Gesetz des Jahres 1823 die Heirat zwischen Juden und Deutschen gestattet, er prophezeit „die schlimmsten und grellsten Folgen", namentlich die „Untergrabung aller sittlichen Gefühle", und vermutet, die Bestechung durch den ..allmächtigen Rothschild" müsse dieser „Albernheit" zugrunde liegen. — Ein hübsches Bild für die grundsätzliche Mißhandlung, welcher der Jude unter dem System der „christlichen Nächstenliebe" stets ausgesetzt war: wollte der Jude in der „höchsten Kultur" völlig aufgehen, d. h. auch auf seine religiöse Ueberzeugung verzichten, so müßte ihm dies verwehrt werden; verlangt der Diktator Europas, daß der Jude sich rückhaltslos mit der übrigen Nation verschmelze, der Jude aber lehnt es ab. so ist dies (nach Chambcrlain) „kasuistische Unterscheidung zwischen religiösem und zivilem Gesetz, welche weder Thora noch Talmud anerkennen"; und macht später der b’e u 11 d) e Staat ein Gesetz, das nach den religiösen Ueberlicfcrungen des Judentums einfach nicht fragt, die jüdischen Religionsvorjchriften, die Mischehen verbieten, ignoriert und die Eheschließungen frei-' gibt, so muß hinter dieser ch r i st l i 6) c n „Albernheit" eben der Geldjude stecken. Gehauen muß der Jude also auf jeden Fall werden. Und so steht cs auch, abgesehen vom Religiösen, mit dem Deutschtum des Juden: Redet er keine patriotischen Töne, so „schliefst er sich hochmütig ab", fühlte er sich als so Zut deutsch wie beliebi.ge Christen, so maßt er stch eine Sache an, die ihm nicht zukommt! — — Dies ist die Meinung eines deutschen Nichtjuden: Bor mehr als 1900 Jahren haben viele Juden mit neugctanftcn Christen zusammen am Rhein und an der Donau das begonnen, was heute allgemein christlich und deutsch heißt. Diese Juden haben die Anfänge des Christentuins und seine Kämpfe mit dem Heidentum gesehen, das in Jahrhunderten stückweise zivilisiert werden mußte. Sie haben auch gesehen, das; nichts vom Spezifisch-Christlichen unter die heidnische Haut drang, sie sehen heule den erwachenden Triumph eines wortchristlichen Neuheidei'.- tuins, sie sahen "Anfang. Mitte und Ende eines vergebliche:: Kampfes gegen den Geist der Gewalttätigkeit und haben alte Ursache, stolz darauf zu sein, daß sie in vorübergehenden guten wie schlimmen Zeitteilen — gläubige Juden geblieben sind. 21. vom B e r g. Kalendarium für die Zell vom 11 bis 11.11925 April 1925 Nissan 5655 Sonnabend 4. ' 10. Wochen-Abschnitt: Zaw Sabbat Haaadol (3. D. 3JI 8ap. 6- Haftarah: Zeremia 7,21-34; 8,1--: 9,2t -23 Sonniaq 5. i 11. Montaq 6. I 12. Oienetaq r.; i3. Äeditas chomez Mittwoch 3. 14. Fasten der Erstgeborenen Donnerstag 9. 15. 1. Tag peffach, Talgebet Freitag 10. 10. 2. Tag Peffach Äeqinn der S'pbira Sonnabend 11. 17. Sabbat Gholham, Schir haschirim 2 Ä. M. Kap. 23,12—24,26 4. 23. M. Kap. 23,19-25 Haftarah: Ezechiel Kap. 37,1-14 jj 251. Preufi.-Staats-Eotterie jj || Hauptgewinn ev.: || 82 Millionen Mark 8 8 1 MMon Mark 8 -2IL.1Ü0VVVV || -MM d ÜUUUUU NI. JBk. 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