Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 11 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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/lausen. alle großen Männer des Judentums: ein Moses. Zesalas,! Jeremias, Esra. Maimonides, Spinoza, Vtendelssohn. bis herab i auf Abraham Geiger und Leopold Stein. Moritz Lazarus und Hermann Cohen — sie alle waren mehr oder weniger revolu- ,'tlonLr. Gewiss, der Radikalismus der grossen Propheten, das iAllzulcidenschaftllche ihres Naturells und ihrer Seele war von i'hrem Volke nicht verstanden worden — zu ihrer Zeit, vor zweieinhalbtausend Zähren. Sie galten nichts in ihrem Vaterlande. —- Wären wir aber andererseits nicht auch versucht, die Tragik der Mendelssohnschen Reform gerade der IHalbheit und Unentschiedenheit des Evolutionsprinzips ins .Schuldbuch zu schreibend Mendelssohn übersetzte die Bibel und!sagte .zu seiner Umgebung: „Hier habt ihr die deutsche Mutterlsprache. beten dürft ihr aber nur hebräisch. Hier habt ihr Freiheit und Fortschritt, in meinem koscheren Haushalt jedoch mufz >alles streng beim alten bleiben!" Sonnenklar liegt auf der j.Hand. das; .zunächst seine eigenen Familienmitglieder an ihrem! Vorbilde (an dem inneren Widerspruch in Lehre und Leben des .Philosophen) irre werden und dem christlichen Extrem in die Hönde fallen muhten. Der grohe Acsthetiker blieb in dem begonnenen Refonnationswerke stecken. Freilich auch aus Menischenfurcht. Aus Angst vor dem Vorstand der Berliner Gemeinde vermeinte er die Mauern des Ghettos nicht vollends rind nicht auf einmal stürzen zu dürfen. Wir Liberalen, soweit wir uns d u rch g c r un ge n haben, wünschen das deutsche Judentum nach innen und . außen aufs schönste zu restaurieren. Dies können wir ohne jR i e d e rr e i h en nicht vollbringen. „Riedcrreihen ist nichts". Zagt Goethe, „die Hauptsache ist doch, dah etwas ausgebaut! werde, woran die Menschen innere Freude gewinnen." Unser i Radikalismus .den nur verantworten können, huldigt .zunächst dem Grundsatz der absoluten Freiheit des Zndividnums in den ^Fragen der zeremoniellen Religion: denn „der Mensch ist frei, und wäre er in Ketten geboren?" (Schiller). Und letzten Endes! hat des Menschen Herz auch ein heiliges Recht auf' sich selbst. .Seiner Seele Ursprung ist in Gott. Er braucht deshalb nicht ouf Befehl zu beten. Er ist auch wieder ein Kind dieser Erde ,i'.nd braucht an einem Freitagabend-Gottesdienst nicht teilzuneh- . men. wenn ihm dieser eine Zersplitterung seines religiösen Kraftgesühls bedeutet, dessen er zum Besuch einer stundenlangen Li-! turgie am Samstag benötigt. — (Der Freitag Abend fei und! bleibe der häuslichen Feier gewidmet. Den Luxus eines ohnehin schlecht besuchten öffentlichen Freitagabend-Gottesdienstes kann sich die liberale Synagogengemeinde nicht mehr gestatten. Zch halte ihn für unzweckmäßig und schädlich. Unsere! g a n z e Kraft. unser vitalstes Interesse gehört der Konsolidierung und Verschönerung des öffentlichen Gottesdienstes am Sabh a t. Man denke im liberalen Judentum einmal ruhig über diesen Vorschlag — einer religiösen Gewinn- und Verlustrechnung '— nach). Speziell im Gottesdienste verlangen wir sodann An-;000)1011, wie dieselben unserem modern-ästhetischen Empfinden -entsprechen. dergestalt also, dah die traditionelle Gebetsi ü b u n g beseitigt und durch eine neue, auf Herz und G e - imüt des denkenden Menschen wirkende Liturgie ersetzt wird. Dies nennen wir Radikalismus, als -einer geschichtlichen Konsequenz der.Entwicklung, als einer Wcltjanschauung und Kulturaufgabe, von der wir ke in Haar -breit lassen können, schon in unserer Sorge um den ^Fortbestand des deutschen Zudcntums. wie um seiner Kinderwelt! willen, die wir ja nicht für die Schule, sondern für das Leben; vorbereiten. (Non scholae, se<I vitae discinws.) Wir kommen damit auf dos Hebräische zti sprechen, als auf j ein sprachlich-religiöses Phänomen, das in seiner aktuellen Bedeutung die Geister kulturkämpferisch bewegt und — trennt. Zn?der christlichen Kirche des Mittelalters hat der Kampf der deuti scheu Muttersprache gegen dos Latein 200 Zahre gedauert. Wir Hetzen ihn w-i-i eimm# Refyrnio11pns\\c9g b cs Deutscheu (durch Martin Luther) enden. So wird auch'häs liberale < deutsche Judentum bald und in unseren Tagen die vermeintlichen Schwierigkeiten in der Lösung des Problems der hebräischen Gebetssprache siegreich überwinden. Es wird Sieger fein, oder es wird mit den: gesamten deutschen Zudentum .zu Grunde gehen. Das..Loschaunlhakaudesch", das hebräische Idiom. das uns seither als 'Gebetsprache heilig galt, erscheint durch den Vor- Utoft des nationalen Zionismus seiner religiösen Würde .entkleidet, es ist zur Sprache des Marktes und der Gasse Mit andern Augen Der Unbegreifliche kam über mich Und begabte mich für die Dauer eines SWrahls Mit dem Begriff von Zeit, Raum und Ewigkeit. Da war ich tot. Doch ich blickte in das Unendliche, Meine Seele ward groß, Ich fühlte unendliches Leid, Und es war mir bewußt, Daß ich ein Teil von Gott. Zahrmillionen waren mir wie der Bliüstrahl, Ein Wunder erfüllte mich. Und. als ich erwachend auferstand. Da konnte ich nicht fassen und sagen, Was ich gesehen. Ich war wieder ein Stäubchen am Staube. Doch ein ungeheures Weltgefühl Erfüllte mich Stäubchen, Denn mich durchstrahlte Gott. ' *. Max Rosenfeld, Dresden Der Weg zum Glück. Bon Johanna Bach, Mühringen, Wttbg. „Das wäre ja herrlich!" denkt wohl mancher Leser und Leserin dieses Blattes, wenn sie die Aeberschrist dieser kleinen Skizze lesen, wenn uns hier „der Weg zum Glück" gezeigt würde. Nach Glück strebt ein jeder und bedenkt nicht, daß es jedem Menschen leicht würde, glücklich zu sein; er dürfte nur deoenken, daß das Glück nicht in dem Besitztum liegt, sondern in der inneren Befriedigung des Menschen. , Dem Helden meiner kleinen Erzählung erging es wie so manchem. der mit seinem Schicksale nicht .zufrieden ist; er ärgerte sich und war ziemlich mißmutig, daß ihm kein anderes zuteil wurde. — Rudolf Stern war der Aelteste von fünf Geschwistern. Sein Vater, der ein Geschäft betrieb, war ein geachteter und kluger Mann. Da Rudolf ein sehr begabter Knabe war, gewährte er dessen Wunsch und schickte ihn aufs Gymnasium, um ihn später als Arzt studieren zu lassen. Doch, der Mensch denkt und Gott lenkt. Eine heimtückische Krankheit warf den Bater Rudolfs aufs - Krankenlager und der unerbittliche Tod führte ihn ins Jenseits, infolge dieses Schicksaisschlages mußte Rudolf seinen Lieblingswunsch, zu studieren, ausgeben und in die Heimat zurückkehren, um der tiefgebeugten Mutter eine Stühe im Geschäft zu sein. Zwar arbeitete er sich in das ungewohnte Getriebe rasch ein, aber sein Herz wollte nicht aufhören zu bluten, wenn er daran dachte, toie es hätte sein können, und wie es nun war. geworden. (Prosangtion!) Unsere Glaubensbrüder in Zorusalcw drüben können nunmehr in ihrer Muttersprache beten, und was ihnen recht ist, dürfte uns deutschen Zuden billig sein, so daß auch wir ein gutes Recht darauf hoben, uns in unserer deutschen Muttersprache zum Allvater im Himmel zu erheben. Das Hebräische soll und muß indes — hier gehen wir mit unseren Gegnern einig — dos universelle C h a r a k t e r i st i k u m des jüdischen Gottesdienstes bleiben, es soll das Band sein, das uns Israeliten auf dem weiten Erdenrunde umschlingt. — Und darum fordern wir, da sz das Hebräische iediglich durch den Mund des gottesdienstlichen Funktionärs erklinge, in dem Sinne, daß mit seiner (des Hebräischen) Erlernung und Uebung die jüdische K i n d e r w e l t und das f ii d i s ch e P u b l i. k u in nicht m ehr behelligt werde. Das Proaramm des liberalen Erdkrelsteinpels kann nur lauten: 1. Der Gottesdienst der Weltsynagoge ist einheitlich. Er besteht aus einer hebräischen und einer landessprachlichen Liturgie. 2. Erstere, die hebräische, ist lediglich Reservat des Kultusbeamten. I. Für die Beteiligung der Gemeinde in Gebet und Gesang kommt nur die Landessprache in Betracht. 4. Das Erlernen des Hebräischen ist nicht mehr Sache der Schule; sie bleibt dem Privatunterricht überlassen. Unser Radikalismus ist radikal, das wissen wir. Soll aber des Reformierens kein Ende sein, und soll der Fortschritt, den wir glücklich erreicht haben, zum Stillstand kommen? Soll er zur Erstarrung führen, nur damit die Gelehrten recht behalten, wenn sie sagen: „Um Gotteswillen, nur keine Ueberstürzung in religiösen Dingen, nur möglichst schnelltenhaft reformieren und der nach Erneuerung schmachtenden Seele erst nach einer kleinen Ewigkeit wieder Rat und Hilfe bringen? „In Hinterpommern liegt der Demantberg. Zn dem kommt alle hundert Zahre ein Vöglein geflogen und wetzt sein Schnäblein daran, und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist die erste Sekunde von der Ewigkeit vorbei." (Aus einem Märchen). Sollen wir liberalen Gottsucher, mit unserem entschiedenen Willen zur Religion, mit unserer heißen Sehnsucht nach einer verschönerten Gottesoerehrung. etwa noch so lange warten? ..Aber der neue Adam darf doch nicht allein gehen lernen, er kann doch nicht allein dastehen und muß sich .Krücken borgen, um sich nach dem alten Methusalem zu richten; denn nach dem Gesetze der Kontinuität ist er abhängig von dem alten." So ähnlich — nicht wortwörtlich — hat Dr. Spanier zu uns gesprochen. Wir Erben des prophetischen Zudentums wurzeln wie alle anderen Parteien in der Vergangenheit. Wir sind aber nicht wie sie dort stehen und stecken geblieben, sondern sind mit unserem ganzen Kulturbewusztsein. mit unserem ganzen Fühlen und Denken in die Gegenwart hineingewachsen. Ist unser Radikalismus religions- und kulturgeschichtlich nicht berechtigt? Wir haben der Propheten und Moses Mendelssohns gedacht und fragen: „Welche Analogien mögen Herrn Dr. Spanier weiterhin vorgeschwebt haben? Der Karäismus des 8. Zahrunderts? Dieser, eine schismatische Lostrennung vom Talmud involvierend, ist doch etwas ganz anderes als Radikalismus und scheidet hier aus. Verbleiben: der Kabbalismns, Mystizismus und Dämonismus des Mittelalters, über die das Verdikt der Geschichte längst gesprochen ist. Und vom Chassidismus der neueren Zeit kann im Zusammenhang mit ..Gottesdienstreform und Radikalismus" wohl ebensowenig die Rede sein. — Dr. Spanier verweist auf das Monumentalwerk „Der jüdische Gottesdienst". von Professor Dr. Elbogen, Berlin. Zch habe das wundervolle Buch mit besonderem Eifer studiert. Der Verfasser steht auf dem Boden des Prinzips der „stetigen Entwicklung". Revolutionäre Himmelsstürmer — ich rechne mich nicht dazu — sie ruft er allerdings zur Ordnung und sucht sie sanft, wenn auch bestimmt, auf den Pfad der evolutionären Tugend zurückzuleiten. Mit bezwingendem Freimut dagegen erkennt er aber die Notwendigkeit selbst weittragender Reformen an. sofern mit der Aenderung und Streichung der Gebete auch zugleich „Begeisterung, Verständnis und liebevoller Vertiefung für den Gottesdienst geweckt wird." Sein Lob gilt jenen Männern, die — wie die Schöpfer der Hamburger Tempelgemeinde und der Berliner Reform — den Mut fanden, den ersten Versuch zur Erneuerung des gottesdienstlichen Lebens zu machen, „den angesammelten Wulst der Jahrhunderte mit einem Schlage ohne viel Bedenken aus dem Gotteshause zu entfernen, das heilige Spinngewebe, das niemand anzutasten gewagt hotte, in jugendlichem Ungestüm hinwegzufegen." — Es war an einem heißen Samstag Nachmittag; kein Lüftchen regte sich, eine dumpfe Schwüle lag über der Natur; Blumen und Gräser senkten ihre Köpfe, getroffen von den sengenden Strahlen Her Sonne. Die Sonne lechzte nach Regen. Der Wanderer, der schleppenden Schrittes des Weges daher kam. mochte die Gewitterschwüle auch fühlen. Rudolf 'Stern, er war der Wanderer, grübelte einmal wieder über sein Schicksal nach. Seine sonst hohe und schlanke Gestalt war etwas vornüber gebeugt, seine blauen, gutmütigen Augen blickten trübe in die Welt. Langsam ging er den Waldessaum entlang und betrat dann einen Fußweg, der tiefer in den Wald Hineinsührte. Bom Denken müde, legte er sich unter eine Tanne und schlief auch bald ein. Doch sogar in das Traumleben hinein begleitete ihn dir Sehnsucht nach dem Glücke. — Er sah sich als felirgekleidelen Herrn vor einem herrlichen Parke. An der Pforte dieses Parkes stand mit goldenen Lettern die Inschrift: Der Weg zum Glück! — Er ging auf die Pforte zu; dieselbe össnrlc sich ihm von selbst. .Cr durchschritt die prachtvollen Laubgewinde. Springbrunnen spendeten durch ihre Wasserstrahlen eine angenehme Kühle. Rudolf setzte sich auf eine Bank. Da nahte sich ihm eine weibliche Gestalt im grauen einfachen Gewände und wagte es kaum, ihn anzusehen, trotzdem sie ihn anredete: „Jüngling! Komm und folge mir! Ich führe dich den Weg zum Glück!"' Lächelnd sah Rudolf die schmächtige Gestalt an und fragte: „Wer bist du?" „Ich bin die Bescheidenheit" erwiderte die Gestalt mit leiser Stimme: und als sie sah, daß Rudolf keine Miene machte, ihr zu folgen, verließ sie ihn, gesenkten Hauptes und Blickes. Da nahte sich ihm eine zweite Gestalt in protzigem Gewände. Alles strahlte von Glanz und Gold an der Kleidung. Mit herausfordernder Miene und harter Stimme begann die Dame zu sprechen: „Komm mit mir, Sohn der Erde! Ich führe dich den Weg zum Glück, denn ich bin, was du suchst. Ich bin der Reichtum!" Eigentümlich, nach was Rudolf sich so sehr sehnte, und das, was er glaubte, daß er es zu seinem Glücke haben müsse, „der Reichtum", ließ ihn kalt; er winkte ruhig mit der Hand, daß sich die Dame entfernen möge, was diese mit einem höhnischen Lächeln aus das scheinbar törichte Erdenkind abtat. Run kam eine drille Gestalt mit markigen Zügen und mit Augen, die einem in die Seele zu blicken schienen. Das Gewand war beinahe durchsichtig. „Menschenkind," begann sie mit harter Stimme, „komm und folge mir. Ich führe dich den Weg zum Glück! — Kennst du mich?" Als Rudolf verneinend das Haupt schüttelte, sprach die Gestalt weiter: „Ich konnte es mir denken. Ihr Kinder der Erde begehrt mich nicht. Ich bin die Wahrheit." Doch auch die Wahrheit ließ Rudolf vorüberzichcn, ohne ihr zu folgen. Da, auf einmal erzitterte die Bank, auf der Rudolf saß, Schritte ertönten und eine donnernde Stimme, die einer großen und kräftigen Gestalt angehörte, rief, aus Rudolf zugehend:' Wir Ganzlibaralen (nicht Halb-, nicht Viertel- oder gar Achtel liberalen) können unsere Reformideen zum Aufbau des deutschen Judentums verantworten. Doch nicht im Sinne der Evolution, als des Prinzips der konservativen Weltaufsassung. die dem Niedergang durch Palliativ mittel des Hinziehons und Hinhaltens zu mehren glaubt, sondern durch den sieghaften Impuls des revolutionären Gedankens. der uns kraftvollen Fortschritt. Schönheit und verjüngte Bewegung, pulsierendes Leben verbürgt. Nur mit der nach höherer Entwicklung drängenden jugendlichen Kraft, wird der greisen Erstarrung gewehrt. Machen mir ein Naturgesetz zu dem unsrigen, und wir werden obsiegen. Wir können Lesseru,^ nur durch den Mut des radikalen Fortschritts gewinnen, oder gar nicht gewinnen, und wo wir stehen bleiben, ist einerlei. Nicht rückwärts.noch abwärts, sondern auswärts und vorwärts führt unser Ziel! Hermann Wallach, Lehrer in Aachen. | § | Versammlungskalender, j j Breslau. (Indisch-liberaler Ingendverein „Abraham Geiger"). Am 14. März, abends 8 Ahr, Purim - Ball Kaschemme, kleiner Konzerthaussaal, 1. Stock. Alle auswärtigen 3lis und Messe, besucher sind herzlichst eingeladen. — Dienstag, den 17. März, um 8Vt Ahr, int Berrinszimmer des Konzert Hauses, Bortrag von Herrn Rechtsanwalt Erich Spitz: Bibel, Boden- Kultur, Bodenreform — u n d wir? Gäste willkommen. — Freitag, den 20. März, abends 8'A Ahr, Freitagabrndfeicr bei Herrn Erich Koenigsberger, Kaiser-Wilhelm-Straße. Potsdam. (Iüd'isch-l Berater Iugendverein.) Am Sonnaben) und Sonntag, den 14. und 15. März, findet ein jüdisch-liberaier Iugrndtag zu Potsdam statt. Sonnabend, nachmittag ü Ahr, Begrüßung 'der auswärtigen Gäste; abends 8% Ahr, 'Gesellschnslsabend und Festvortrag von Rabbiner Dr. Schreiber. Sonntag 10 Ahr, Werner Basch, Referat: „lieber unsere jüdische Arbeit": 12 Ahr, Bortrag von Rabbiner Dr. Wilde, Magdeburg „Die religiöse Fortbildung unserer Jugend". Mittagessen', Spaziergang durch Sanssouci, Kaffeetafel im Restaurant Wildpark. Die übrigen Veranstaltungen finden im Palasthctel statt. Sämtliche Mitglieder und Freunde unseres Verbandes herzlich willkommen! Geschäftliche Mitteilungen. Schlußakkord des Karnevals. - Bunte Kette froher Feste. Lustiges Gewimmel der Bewohner aller Erdteile und des Landes der Phantasie. Reminiszenzen beim 5-Ahr-Tee im Kaiserhof und Esplanade. Knospende Sträucher, Frühlingsstürme als Kunden des nahenden Lenzes. Reisepläne, Sehnsucht nach dem Süden. Doch vorher ein letztes Mal als Abschied vom Karneval: Jazzband unter Borchards Taktstock, farbenfrohes Bild südlicher Trachten unier tiefblauem Himmel zwischen Orangenbäumen und hohenhohen Palmen auf italienischer Straße in kleiner Osteriu. Fata Morgana der bunten Schönheit Italiens, wohin der glückliche Gewinner des ersten Preises gelangt. Doch auch die'anderen Lose der entzückenden Tombola sind keine Rieten. Höhepunkt des Festes: Salvatini — B. Grube, D. Albu und ihre Partner Terfiis und Kreutzberg. — Auslosung des Hauptgewinns durch eine schöne Frau, deren Name noch Geheimnis. Ein letztes Treffen aller schönen scharmanten Frauen und ihrer Tänzer am Dienstag im Esplanade unter den Zweigen der Goldorangen. (Näheres siehe Inserat). Zugunsten der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger, der die Gesamteinnahme zuflieszt, findet am Sonnabend, 14. März, abends 10 Ahr, in den Festräumen des Hotel Esplanade ein Dalparö statt, den die Zeitschrift „Das Theater" veranstaltet. Herren ist der Zutritt nur im Frack gestattet, Damen mit Bister in Gefellschaftstoilette, modern oder aus vergangenen Zeiten. Jede Dame erhält gegen Borweis der Eintrittskarte im Modenhaus M. Gerstel die vorgeschrtebene Maske aus veniziamscher Goldspitze nach Maß angefertigt. Karten mit und ohne Souper in der Geschäftsstelle „Das Theater", ScheUingsir. 2, und an der Theater-^ Kasse des Hole! Esplanade. Es werden nur 500 Karten ausgegeben, eine Abendkasse findet nicht stall. „Erdensohn, was sitzt du so träge hier! Erhebe dich ünd fÄge, mir! Ich bin die Kraft! Ich führe dich den Weg zum Glück!"j And als sich Rudolf nicht rührte, da verührte ihn die Krastj mit dem kleinsten ihrer Finger, er fiel von der Dank zur Erde! und die Kraft wanderle weiter. Wieder ertönlen Schritte und eine Gestatt in geschmackvolles Gewände, mit großen klugen Augen, schritt auf Rudolf zu. Gut-, mutig blickte sie ihn an und mit wohllautender Stimme sprach sie: „Wahrlich, du kennst mich nicht, Jüngling, sonst würdest du, nur ohne Zögern folgen! Komm mit mir, ich führe dich den Weg' zum Glück. Ich bin das Vertrauen." - Doch Rudolf folgte auch dem Vertrauen nicht. Auf einmal wird das Firmament von einem wunderbaren-1 Glanze erhellt. Rudolf sah sich um. Ihm nahle sich eine herrliche^ liebliche Frauengestalt in weißem, wallendem, schmucklosem Gewände. Das Antlitz war so rührend schön, so milde, und die Augen, von einem so entzückenden Glanze, daß es Rudolf nicht länger^ auf seinem Sitze litt; er lief der Gestalt entgegen, die sich ihlch' mit holdseligem Lächeln näherte. „Kennst du mich, Jüngling?" begann sie mit ihrer glockenreinem süßen Stimme. ,Zch bin die Liebe. Folge mir, ich führe dich den Weg zum Gluck!" Rudolf erschauerte vor Wonne, er ergriff die Hand der Liebe- Doch bevor er noch ein Wort erwidern konnte, stand wie ausj der Erde gewachsen, eine zweite Gestalt neben ihm. Dieselbe hatte ein schillerndes Gewand an, das aber nicht blendete, sondern immer mehr anzog, so daß Rudolf keinen Blick von der Gestalt wenden konnte. And es war ihm dabei so froh und heiter znmut^ wie noch nie. Die folgte seinen Blicken, und auch ihre Züge hingen mit Wohlgesallen an der unergründlichen Gestalt. Mit fester und sicherer Stimme sprach sie zu den beiden: „Folget mir, ich führe euch den Weg zum Glück! — Ich bm die Religion. Wer sich mir zuwendet und mit mir geht, den werden alle jene begleiten, die dir, Erdcnlohn, heute schon erschienen, denn sie alle sind in meinem Gefolge " Rasch erfaßte Rudolf die Religion an der Hand und wandle sich ihr vertrauensvoll zu. — Klar und deutlich sah er nun drh Weg, den er zu gehen hatte und neu gestärkt wollte er mit Liede zur Religion den Kampf im Leben aufnehmcn. Er sab seinen guten Vater, der lächelnd auf ihn zuschritt und ihm die Hand reichen wollte. Da siel ein Tannenzapfen auf seinen Nacken under erwach!^ Gewaltig war der Eindruck, den der Traum aus ihn gernaä-t hatte, er hatte ihm die Erkenntnis gebracht, daß man durch Liebe zur Religion, durch einen edlen und religiösen Lebenswaudet sich sein Schicksal verschönern kann. Bon der Stund an wurde er ein zufriedener Mensch. Er hat es nicht zu bereuen gehabt, daß er diesen Weg wählte, der zum Glück führte. In späteren Jahren erzählte er seinen Enkelkindern mit Vorliebe diesen Traum, und da ich auch ein Enkelkind von ihm bnv habe ich euch den Traum äusgrpwudttt.