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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-02-27 · 9 (27.2.1925) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
9 (27.2.1925)
Date
1925-02-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Md Bedeutung des Fom-Häs<tzrvii entworfen wird. — Schon allein daraus, baft an etwa zwanzig Stellen im Fünfbuch ein ausdrückliches Feiergebot erwähnt ist» kann gefolgert werden, wie inichtig dem Gesetzgeber das Halten des Ruhetages erschien. — Die Kinder Israels hörten zum erstenmal vom Sabbattage während ihrer Wüstenwanderung. Hier erlebten sie beim Sammeln der Himmelspeise am 8. Tage ein Wunder. Es war am 6. Tage, ajls sie an Brot das zweifache für einen jeden sammelten. Es kamen nun alle Fürsten der Gemeinde und berichteten es Mose. Dieser sprach zu ihnen: „Dies ist es, was der Ewige geredet hat: ..Ein Ruhetag, ein heiliger Ruhetag ist dem Ewigen morgen. was ihr backen wollt, backt heute, was ihr kochen wollt, jrochet heute und lasset alles was übrig beibt, euch zur Aufbewahrung liegen bis zum Morgen. Sie ließen es bis zum Morgen liegen, wie Mose befohlen hatte, und es ward nicht jaul und kein Wurm war daran. Da sagte Mose: „Eßt es heute! Denn l>aite ist dem Ewigen Sabbat. Heute werdet ihr es nicht auf dem Felde finden. Sechs Tage sollt ihr es sammeln und am siebten Tage ist Sabbat, an dem nichts fein wird." Am 7. Tage gingen dennoch einige vom Volke hinaus um zu sammeln, sie fanden aber nichts. Darauf sprach der Ewige zu v\iJofc: „Wie lange weigert ihr euch noch meine Gebote und Lehren zu hüten? Sehet, da Gott euch den Sabbat gegeben i,nt. darum gibt er euch am sechsten Tage Brot für zwei Tage. Bleibe jeder, wo er ist. .keiner gehe aus seinem Orte am 7. Tage!" (?. Buch Mos., 10. Kap., V. 22—29.) Bichl lange nach' diesem Erlebnis wurde dem Volk der Grund für das Ruhen am 7. Tage mitgeteilt. Fm 20. Kapitel des 2. Buches Mos. steht das Gebot und seine Bgründung in vollem Umfang. Der Bibeltext sei angeführt: „Gedenke der. Sabbattages, ihn zu heiligen. Sechs Tage arbeite und schaffe all dein Werk, aber der siebte Tag ist Savbat dem Ewigen, deinem Gott. Keinerlei Werk sollst du schaffen, du, dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd, dein Vieh und dein Fremdling, der in deinen Toren; denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel und die Erde, das Meer und alles, was darin ist, gebildet und am siebten Tage geruht: deswegen hat der Ewige den Sabbattag gesegnet und geheiligt." — Kurz darauf finden mir im 2. Buch Mos. folgenden Zweck des Ruhetages. „Sechs Tage tue deine Arbeiten, aber am siebten Tage ruhe, auf daß dein Ochs und dein Esel rasten und sich erhole der Sohn deiner Magd und der Fremdling." (2. Buch Mos., Kap. 23.. V. 12.) Nur wenige Abschnitte weiter im zweiten Buche hören wir einen neuen Grund für die Feier des 7. Tages. Galt sagte zu Mose: „Du aber rede also zu den Söhnen Israels: „Beobachtet ja meine Sabbate! Denn das ist ein Zeichen zwischen mir und euch für eure Nachkommen, am zu erkennen, daß ich, der Ewige euch heilige." (2. Buch Mos., Kap. 31. V. 13.) Wieder anderslautet die Begründung des Sabbatgebotes im fünften Buch Mos. Es sei die Stelle angeführt. „Hüte den Sabbattag. ihn zu heiligen, wie der Ewige, dein Gott, geboten. Sechs Tage arbeite und tue all dein Werk, aber der siebte Tag ist Sabbat dem Ewigen deinem, Gott; keinerlei Werk sollst du schaffen, du .dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Dtagd, dein Ochs. dein. Esel und all dein Vieh und der Fremde, der in deinen Toren, damit dein Knecht und deine Magd dir gleich ruhen. Gedenke, daß du Sklave in Ägypten warst, als der Ewige, dein Gott, dich von dort mit starker Hand und ausgestrecktem Arme herausführte; darum hat der Ewige, dein Gott, dir geboten, den Sabbvttag zu halten." <6. Buch Mos.. Kap. 5, D. 12—15.) — Ich habe setzt das Wichtigste der Verordnungen und Forderungen in betreff des Sabbattages aus dem Pentateuch angeführt. Es sollen noch Aussprüche der Propheten Ieremia und Iecheskel folgen. Ieremia sagt folgendes: „So spricht der Herr: „Hütet euch und traget keine Last am Sabbatlage durch die Tore hinein zu Jerusalem. Führt keine Last am Sabbat aus euren Häusern und verrichtet keine Arbeit, sondern heiliget den Ruhetag wie ichiMen Vätern geboten habe." (Ierem.; Kap. 17,, P.- 21. 22.) — Ur^wrifelhast ist Iechestzel derjenige., der iich.nach Moses Tode " am meisten für die Befolgung und -Beobachtung des vierten, Sinaiausspruches mit feiner ganzen Kraft eingesetzt hat. Nach' diesem Gottesmann hat Israel den Sabbat bekommen, damit es erkenne, daß der Ewige es ist, der fein Volk mit dem 7. Tag zur Vervollkommnung führen will. Ferner soll der Sabbat dazu dienen, die Kinder Israels für alle Zeiten, in allen Geschlechtern daraus aufmerksam zu machen, und es ihnen stets kundzutun, daß der Ewige ihr Gott ist. „Meine Sabbate sollt ihr heiligen; sie seien euch ein Zeichen zwischen mir und euch, damit ihr wisset, daß, ich der Ewige, euer Gott bin." (Iechesk., Kap. 20, D. 20.) — Wer die Sabbatentweihung führt auch Iecheskel Klage. Seine Wmte lauten so: „Ihre Priester verletzen mfine Lehre und entheiligen mein Heiligtum, sie halten zwischen dem Heiligen und Unheiligen keinen Unterschied und lehren nicht, was rein oder unrein ist; meine Sabbate vernachlässigen sie und ich werde unter ihnen entheiligt." (Iechesk., Kap. 22, V. 26.) War im Vorangehenden vorwiegend darauf geachtet worden, Pilot ebenfalls eine Zukunft voll Glanz und Ruhm prophezeite. Hier entstand das entzückende Bild „Shylock und Jessica", dos mit der Großen GMenen Medaille gekrönt wurde, und „Uriel Acosta", die schon eine Eigenart in voller Entfaltung zeigen. Kein Prunk, keine Pathettk, dagegen liefe, innige Charakteristik, in deren Dienst die Farbe gestellt wurde. Er wendet sich fortab dom jüdischen Leben zu. Er komponiert eine Reihe von Illustrationen zu der Brinckmannschen Ausgabe von Lessings Rachan. 3m folgenden Jahre, das er in.Wien unter Leitung Angelis verbrachte, entstanden mehrere Porträts und das große BW „Christus vor Pilatus", das wegen der ideellen und kompcPtionischen Kühnheit seinerzeit großes Aufsehen macht«. Bon Wien ging er nach Rom, wo der österreichisch-ungarische Botschafter Baron Haymerle ihm in seinem Palais ein Atelier einramnle. Die polnische Künstler-Kolonie mit dem schon damals berühmten Siemiradzki an der Spitze feierten den blutjungen Juden wie einen führenden Meister. Matejko kam nach Rom und ein Bankett ihm zu Ehren wandelte sich unversehens in eine Apotheose Gottliebs. Dieser stand jetzt auf der Höhe seines Ruhmes. Seine Bilder wurden vom Rational-Museum m Krakau und von der Eremitage in Petersburg angekcmft. Die polnische Künstlerschaft sowie die polnische Kritik feierte ihn voller Begeisterung und pries ihn als „zukünftigen Stern Polens". Ihn zcg es immer mehr nach der Heimat. Rach Krakau zurückgekehrt, matte er 1873 sein unsterbliches Meisterwerk „Betende Juden". -Dieses Bild, welches von Struve als eine der schönsten Hervorbringung der europäischen Malerei des 19. Jahrhunderts bezeichnet wurde, ist unzweifelhaft das bedeutendste Bild aus dem jüdischen Leben. Rur wenige Bilder in der Welt geben mit malerischen Miitelu eine rein, seelische Stimmung so wunderbar gelungen wieder, ln allen Nuancen abgespiegelt ln den Gesichtern einer betenden Gemeinde, von denen jedes eine Wett für sich bildet, mit der größten Bottendung urch Liebe behandelt, während alle zusammen mittels der unvergleiichlichen Kunst, der Komposition und der Lichtu>ch Farbenabstufung wie durch ein mystisches Band zu einem geheimnisooll-organischen Ganzen verbunden sind. Es ist Jom Kippur nach Minchah, im Innern einer altfränkischen Synagoge erblickt man Juden, die sich um den begabten Moses im Vordergrund mit der Thorarolle auf dem Arm gruppieren. Auf den Gesichtern liegt noch der erotische AbAanz der Gebetsstimmung. Den Zuschauer umfängt allmählich die Atmosphäre einer feinen aber hinreißenden Musik. Ergreifend ist in diesem Bilde die versonnene Gestalt des Künstlers, der im oriental sichen Gewände nicht weit von dem Greis mit der Thora-, rolle dafteht, der seinen Großvater darstellt.-. Bon . Todesahnungen beschlichen, matte Gotttieb - auf dem' Mäntelchen der Thorarolle in hebräischen Lettern den Spruch: „Gespekdel zur Erinnerung au die Seele des heimgegandarzulegeri. wie und wo in -er Heiligen Schrift die Forderung des Rühens am 7. Tage zum Ausdruck kommt, so fei setzt unsere Aufgabe zu zeigen, mit was für Strafen die Entweihung des Iom-Hafchrckbos bedroht ist. — Wie das Gebot der Sabbatruhe uns zuerst im zweiten Buche Moses begegnet, so finden wir auch hier die erste Stelle, wo vün der'Strafe, die den Sabbatschänder treffen soll, die Rede ist. „Ihr sollt den Sabbat beobachten; denn ein Heiligtum ist er euch; die ihn entweihen, soll man hinrichten: jeder der an ihm eine Arbeit verrichtet. die Person wird aus der Mite ihres Volkes, ausgerottet. Sechs Tage darf Arbeit verrichtet werden, aber am 7. Tage ist die Sabbatfeier, dem Ewigen geheiligt; ein jeder, der am Sabbattage arbeitet, soll gelötet werden. So sollen Israels Söhne den Sabbat hüten, den Sabbat für ihre Nachkommen als ewigen Bund zu verwirklichen. Zwischen mir und den Kindern Israels ist ein Zeichen auf ewig, daß in sechs Tagen der Ewige den Himmel und die Erde gemacht und am siebten Tage geruht und gefeiert hat." (2. Buch. Mos.. Kap. 31.. V. 1-4—17.) —- Es könnte die Frage gestellt werden: wurde wirklich bei Entweihung des Sabbats die Todesstrafe verhängt, oder diente bi« Drohung der Ausrottung aus dem Volke nUr zum Abschrecken? Hierauf ist zu anworten: im 4. Buch Mos. wird uns mitgeteilt, daß ein Mann den Steinipungstod erlitt, der das 4. Gebot überschritten hatte. Di« in Betracht kommende Partie der Thora hat folgenden Wortlaut: „Als die Kinder Israels in der Wüste waren, fanden sie einen Mann, der am Sabbattage Holz auflas. Es brachten ihn diejenigen, die ihn beim Holzauflesen fanden. zu Rlose. Aaron und zur ganzen Gemeinde. Diese legten ihn in Gewahrsam: denn es war nicht erklärt, was ihm zu geschehen habe. Da sagte Gott zu Mose: „Der Mann werde getötet, es bewerfe ihn die ganze Gemeinde außerhalb des Lagers mit Steinen. Die ganze Gemeinde: führte ihn aus dem Lager hinaus, und sie bewarfen ihn mit Steinen, so daß er starb, wie der Ewige Mose geboten hatte." s4.Buch Mos.. Kap. 15. V.32—36.) Spricht der Pentateuch nur für die Person, die den-siebten Tag nicht hält, die Ären angeführte Strafe aus. so begnügt sich Ieremia hiermit nicht. Aus dem 27. Verse seines 17. Kapitels geht hervor, wie die Sabbatfchändung geahndet-werden soll. „Werdet ihr aber auf mich nicht hören, daß ihr den Sabbat heiligt und keine Last durch die Tore Jerusalems tragt, so will ich ein Feuer unter ihren Toren anzünden. das die festen Häuser zerstören und nicht erlöschen soll." — Es wäre die Betrachtung über die Bedeutung, die die Heilige Schrift dem 7. Tage zukommen laßt, wenig befriedigend, wollte man davon Abstand nehmen, zu schildern, was dem zuteil wird, der dem Iom-haschwii die ihm gebührende Weihe angedeihen läßt. — Derselbe Prophet der den Sabbatschändern mit der Vernichtung durch Feuer droht, spricht von Frieden. Glück und Beseligung. die.sich als Folgen der Heiligung des Ruhetages einstellen werden. Ieremia findet für die Belohnung, die diejenigen zu erivarten haben, die den vierten Sinoiausspruch befolgen, diese Worte: ..Wenn ihr auf mich hört, spricht der Ewige, und keine Lost am Eabbattag durch die Tore dieser Stadt kommt, sondern ihr den Ruhetag, heiligt, indem ihr keinerlei Arbeit verrichtet, dann sollen durch die Tore dieser Stadt Könige und Fürsten aus- und emgehen. die da sitzen auf dem Throne Davids: sie und ihre Obersten werden fahren und reiten, dazu ein. jeder aus.Juda und Jerusalem. Diese Stadl wird ewiglich bewohnt werden. Es werden Leute kommen aus Jerusalems Umgebung und aus dem Lande Benjamin, aus den Niederungen, vom Gebirge und aus dem Südlond, die da bringen ihre Opfergaben zum Hause des Ewigen." (Ierem., Kap. 17.. V. 2-4—26.) — Wie Ieremia keine kleine Belohnung denen in Aussicht stellt, die den Iom-Haschobbos nach Gebühr begehen, so fühlt sich auch Iesaia verpflichtet, den Sabbatliebenden Großes zu versprechen: „Wenn du vom Sabbat deinen Fuß zurückhültst. damit du nicht tust, was dir beliebt, an meinem heiligen Tage, wenn du den Sabhat Wonne nennst, um den Ewigen, zu hejttgey und ihm Ehre zp .erweisen, indßm du. . keine GWäste b'esjirgst. nicht, deinen WtzsW^ MbSM lunbij; keine ersten Worte redest, so wirst du Heine Lust am Ewigen haben, und ich will dich über die--Höhen der Erde hinschreiten und genießen lassen das Erbe Jakobs denn des Ewigen Mund spricht es." (Ies., 58. Kap.. V. 13. 14.) — Wie hoch die Heilighaltung, des siebten Tages geschützt wird, geht endlich aus dem 56. Kapitel Iesaias hervor. Hier wird esausgesprochen. daß sogar Verschittene im Hause des Ewigen Aufenthalt finden sollen, wenn sie den Sabbat halten. Im allgemeinen war es Brauch, Verschnittene aus der Gemeinde des Ewigen auszuschließen. (5. Buch Mos.. Kap. 23.. V. 2.) Iesai drückt sich folgendermaßen aus: „Denn so redet der Ewige zu den Verschnittenen, die meinen Sabbat halten und erwählen, was mir wohlgefüllt, und an meinem Bund festhalten: ,,Ich itrlll ihnen in meinem Hause und in meinen Mauern einen Platz geben und einen besseren Namen als den Söhnen und Töchtern» einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll." lIes., Kap. 56. V. 4, 5.) Aach diesen Darlegungen kdmmen wie zur Feststellung des Ergebnisses. — Es ist zum erstenmal vom Sabbat im 1. Buche Moses die Rede. Wir lesen, daß Gott nach den 6 Tagen der Schöpfung am 7. Tage von seiner Tätigkeit abließ und diesen Tag in Ruhe verbrachle. Der Ewige zeichnete den 7. Tag. an dem er voll Befriedigung auf das vollbrachte Werk zurückfchmite^ ganz besonders aus. Des Allmächtigen Segen und feine Heiligung sollte von jetzt an dem 7. Tage zur Krone dienen. — Der in Betracht kommende Bibeltext möge folgen: „Es waren also der Himmel und die Erde und ihr ganzes Heer zum Ziele geführt. Da vollendete Gott mit dem siebten Tage sein Werk: das er gemacht hatte, und hörte mit dem siebten Tage von jeglichem seinem Werke, das er gemacht hatte, auf. Gott segnete den siebten Tag; denn mit ihm hatte er von allem seinem Werke aufgehört, das er. Gott, ins Dasein gesetzt hatte, es fortzugestalten." (1. Buch Mos.. 2. Kap.. B. 1—8.) Weiter wird im .-1. Buch Moses der Sabbat nicht mehr erwähnt. Erst im 2. Buch ist wieder die Rede vom Ruhetag. Es erübrigt sich jedoch, an dieser Stelle hierauf einzugehen, weil es im Voransteh enden zur Genüge geschehen ist. — Werfen wir jetzt einen Rückblick auf die bisherigen Darlegungen, so wird cs offenbar, daß aus ihnen eins mit Sicherheit hervorgeht, nämlich: das Charakteristische des Sabbattages liegt darin, daß er auf sechs Tage der Arbeit folgt. Dieses Kennzeichen des Ruhetages steht unanfechtbar fest. Geht nun auch aus den Ausführungen. die die vorangehenden Seiten bedecken hervor, daß ein bestimmter Tag der Woche als Iom-Haschabbos zu betrachten ist? - Man darf die Frage mit ruhigem Gewissen verneinen. Ueberflüssig dürste es erscheinen, wenn ich hier aussprcche, daß wir heule nicht mehr feststellen können, ob der Samstag oder Sonntag dem im 1. Buch« Moses erwähnten Ruhetag entspricht. Es ist allerdings bei uns Brauch, den Samstag als Sabbattag zu begehen. Mit dem gleichen Recht« könnte ein ganz beliebiger anderer Tag zum Ruhetag erhoben werden, wenn nur die Forderung der Heiligen Schritt erfüllt ist. die dahin geht, daß der Tag des Nichttätigseins. der Iomhaschwii im Sinne der Bibel, auf 6 Tage der Arbeit folgt. Man dürfte mir jetzt einwenden, es sei ein arger Verstoß gegen die Pietät, wollte man den letzten Wochentag als Ruhetag beseitigen. um-den Sabbat on einem andern Tage zu halten. Hierauf möchte ich erwidern: „Im vorliegenden Falle, in dem es sich darum handelt. Gewissensnot. Gewissenszwang, seelische Kämpfe, lm weitesten Sinne des Wortes zu beheben, besteht die Pflicht, dem Mitmenschen die Seelenruhe, den innern Frieden dadurch wiederzugeben, daß man ihm sagt, es könne an ihn in keiner Weise die Forderung gepellt werden, seelisches Leid auf sich zu laden aus Rücksicht auls Vergangene. Ich muß mich aber noch klarer ausdrücken. Ich frage: Kann einer, der zur Einsicht gekommen ist, baß tatsächlich klar und ganz eindeutig aus der Heiligen Schrift hervorgeht, daß sie die Eabbatfeier an jedem Wochentage zuläßt, wenn nur ihre Forderung nach , den sechs vorangehenden Togen der Arbeit erfüllt wird, ich frage, kann ein solcher es vor Gott und sich selbst verantworten, dann zu schweigen, wenzi es sich darum handelt, ungezählten Taufenden einen Sabbat, wie ihn die Thora fordert, wiederzugeben! Hier ist jeder, der sich zur Ueberzeuguug durchgerungen hat. daß das Vorgebrachte zu Reckst besteht verpflichtet mit daran zu arbeiten. daß die Wahrheit zum Wähle zahlreicher Brüder und Schwestern schnell in weile Kreise dringt. Wie der Ewige den Propheten Iecheskel in seinen Dienst nimmt und zum Wächter über sein Volk setzt mit den Worten: ..Dich. Menschenkind, habe ich zum Wächter über das Hans Israels gesetzt, damit du sie um meinetwillen warnst, wenn du ein Wort aus meinem Munde hörst. Wenn ich nun zum Frevler sage, du mußt sterben, und du es ihm nicht sagst, um den Bösen vor seinem Wandel zu warnen, so soll der Frevler wegen seiner Schuld sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. Warnst du aber den Frevler, auf daß er von seinem Wandel - lasse, und läßt er doch nicht von ihm, so soll er um seiner Sünde willen sterben, lcker du hast eiche- GottSowvktnvch heute an einenjoden von uns und die Verantwortung die auf uns ruht, ist nicht geringer geworden. — Die Ausführungen möchte ich mit folgendem schließen: 1. Es steht in der heiligen Schrift keine einzige Stelle, aus der heroorgeht, daß der letzte Tag der Woche als Ruhetag gehalten werden muß. 2. Diejenigen Stellen im Fünfbuch, die vom Sabbat handeln, lassen unzweifelhaft erkennen, daß jeder Tag als Iom-haschwii begangen werden darf, der auf 6 Tage der Arbeit folgt. 3. Vor allem ist es Pflicht der geistlich« Führer unter uns. Stellung zu nehmen zu den hier niedergelegren Gedanken, damit es denjenigen, die aus irgendeinem Grunde den letzten Tag der Woche als Iom-Haschabbos nicht mekr begehen können, ermöglicht wird, wieder den Iom-haschwii im Sinne der Heiligen Schrift zu feiern. aenen Moses Gottlieb." Kurz nach Vollendung dieses Bildes beendete der Künstler seine irdische Laufbahn. Rach vielen Wanderungen gelangte das Bild in den Besitz eines Ber- Uner Kunstfreundes, eines Christen, Herrn Albert Löskr, der sich davon nicht trennen will, aber den Verehrern des Malers jederzeit gestattet, es zu besichtigen. Der Fürst und -er Rabbi. Eine alle hebräische Sage. Nacherzählt von Dr. Hermann Budzislawski. Es war im dreizehnten Jahrhundert in einer kleinen französischen Stadt. Der Fürst, dem der Ort und das angrenzende Land gehörte, war ein sehr beschränkter MaNn: wünschte er doch, daß alle seine Untertanen das gleiche dächten wie er. Run sind aber nicht einmal zwei Menschen einander völlig gleich. — Der Fürst war sehr befreundet mit einem in Regierungsangelegenheiten und Staatsgeschästrn wohl erfahrenen Mann; nur kränkte es den Herrscher, -aß dieser ausgezeichnete Mensch ein Jude sei, und noch dazu ein berühmter Radbi. ,^ch bin Christ," sägte er eines Tages, „und jedermann in meinem Staate sdll dasselbe sein wie ich selbst." „Euer Gnaden!" erwiderte der 9toW>i, „das ist bestimmt nicht Euer ernsthafter Wunsch." „Wie soll ich bas verstehen?" brauste -er Fürst auf. „Run," meinte bedächtig der Rabbi, „sicherlich wünscht Ihr nicht, daß alle rare Untertanen Fürsten seien. Es ist sehr weise eingerrchtet, daß es verschiedenartige Menschen gibt, Christen und Juden, Edle und Bauern, Bäcker vnd Schneider." tatsächlich meine ich." sagte der Fürst, .Haß es nur eine einzige Religion geben darf — nämlich die christliche. Und deshalb befehle ich, daß am nächsten Aschermittwoch alle Juden meines Landes sich taufen lassen. Auf dem Marktplatz soll man eine große Kerze ansteck-en, und wer im Dom getauft werden will, soll ohne Zögern in die Heilige Kirche ausgenommen werden — falls er kommt, solange die Kerze brennt. Wer abtr fernbleidt, wird mit dem Tobe bestraft." Mchermittwoch kam, und feierlich entzündete der Erzbischof die Kerze. Die Türen des Doms wurden west geöffnet — aber Kein Irä»e ging hinein. In der folgenden Rächt wurden alle Juden, Männer, Frauen und Kinder, mit Ausnahme des Rabbis, ins Gefängnis geworfen. Sie weinten, fie sprachen Gebete — wußten sie doch, daß es ihre letzte Rächt aus Erden sei. Am nächsten Morgen wurden sie zum .Schetterhoufem geführt. Als die Flammen sie verzchrlen, schrien sie mit ihrem letzten Atemzug: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig!" Der Fürst ließ den Rabbi rufen, er versuchte, ihn zur Taufe zu überreden, da auch sein Leben sonst verfallen sei. „Wenn du nicht Christ wirst, kann ich dich nicht retten. Gern würde ich mir deine Freundschaft, dem Staat deine Dienste erhalten, aber einen Juden kann ich nicht gebrauchen. Tust du mir aber den Gefallen, so will ich dich mit hohen Ehren überhäufen. Du sollst mein täglicher Berater und mein einziger Freund sein. __ Das sollte wahrlich hinreichen, dich zu der kleinen Unannehmlichkeit der Taufe zu bewegen." Der Rabbi antwortete: ,Zhr wißt, wie hoch ich Eure Freundschaft schätze. Reichtum, Ansehen, sogar das Leben gäbe ich für die Wohlfahrt des Landes hinein dem ich lebe. Aber die Ehre vermag ich nicht zu opfern. Ihr wollt mich mit den^ größten Ehren überhäufen, die Ihr zu vergeben habt. Was für Ehren kann ein Mensch aus Fleisch und B!ut. und sei es auch ein Fürst, vergeben, verglichen mit den Ehren, die Gott, der König der Könige, seinen Dienern verleiht? Welche Eurer Würden könnte die eine ersetzen, mit der Gott mich bereits ausgezeichnet hat?" „Was meinst du?" fragte der Fürst. ,Zch denke an die Ehre und die Auszeichnung, Jude zu sein, zu den Priestern Gottes, zum Heiligen Volk zu gehören." „Elender Jude!" schrie der Fürst voll Wut. ,^ch gebe dir fünf Minuten Bedenkzeit; entweder wirst du Christ oder du verorennst mit den anderen Juden aus dem Scheiterhaufen!" Rach Ablauf der Frist sagte der Rabbi: „Auch jetzt kann ich mich noch nicht entschließen. Doch wäre es möglich, daß ich meinen Entschluß ändere, wenn ich meine unglücklichen Glaubensgenossen auf dem Scheiterhaufen brennen sehe. Der schreckliche Anblick könnte meine Kraft erschüttern, denn menschlicher Wankelmut und Schwäche sind meinem Geist nicht fremd. Der Gedanke, ebenso zu verbrennen, könnte mich vielleicht schrecken. Ständet Är dabei an meiner Seite, so würde ich mich wohl noch mehr fürchten. Gehen wir also zum Marktplatz und möge Gott mir eingeben, nach seinem Willen zu handeln." Der Fürst war hocherfreut über diese Lösung und rief vergnügt: ,Hanz einverstanden! Also gehen wir!" Ats sie auf dem Marktplatz ankamen, sagte man ihnen, daß alle Juden gerade verbrannt seien. Das erregte den Rabbi gewalttg. und er b^chloß, ebenso tapfer wie seine Brüder zu sein. Näher und näher ging er mit dom Fürsten an das Feuer heran. Plötzlich ergriff er den Fürsten mit beiden.Händen — er war ein starker Mann — und schleuderte ihn mitten ins Feuer. Dann warf er sich «ms ihn, «nd beide wurden von den Flammen verzehrt.

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