Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 9 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Jüdisch« Mitarbeiter <m juöenfem-lichrnKWmse«. Das Verhalte« Mischer Schrift stellet z« ChrlfittzkAm «d Lrdeuttm. Von lgennann Deck er-Berlin. I. In der gegenwärtigen Sturmflut, die von allen Seiten über das Judentum hereindricht, ist» wie bei jeder Sturmflut, zweierlei notwendig: 1. Eindämmung der Ufers zum Schutze vor weilerer Vernichtung; 2. schleunige Wiederherstellung (Aufbau) des zerstörten Gebietes. Der ndugewcihlte Landesoerbandskörper, der eine so glänzende Dokumentierung des liberalen Judentums geworden ist, wird diese beiden großen Aufgaben gewiß mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu lösen versuchen ntid so z!ir Erhaltung des deutschen Judentums beitragen. Wichtiger aber als die ihm nunmehr Ins li essenden materiellen Mittel aus den Staats- und Gemeindekassen für Lösung dieser gewalrigcn Aufgaben sind die geistigen Mittel. Dazu gehört in erster Reihe die Mitarbeit der jüdischen Intelligenz, doch njcht allein der jüdischen Gelehrten, der Thora- und Talmudkundigen, sondern auch der führenden Männer im öffentlichen Leben, die trotz oder gerade wegen ihres Judentums in ihrem geistigen Schaffen es verstanden haben, ihr Deutschtum und Judentum. deutschen Idealismus und jüdischen Wirklichkeitssinn. deutschen Forschergeist und jüdische Willenskraft, deutsches Weltbürgertum und jüdische Treue auss Schönste zu vereinigen. Leider stehen noch -Uele aus diesen Kreisen unseren Bestrebungen ailzufern, teils aus vrknehmem Indifserentismus. teils aus einer gewissen Befürchtung. daß die nichtjüdische OefseNtlichkeit ihrem geistigen Wirken nicht mehr die Anerkennung und Achtung zollen würde, wenn sie ihre jüdische Abstammung, erfahren würde. Die Tausen hervorragender jüdischer Schriftsteller und Künstler, auch einzelner Fachgelehrter jüdischer Abstammung in den letzten Jahren» da die Republik nicht nur die Gleichberechtigung aus dem Papier, sondern auch durch die Tat zum Ausdruck gebracht hat, sind genügende Beweise für diese Gesinnung in den Kreisen der jüdischen Intelligenz. Schärfer aber noch mutz die Kritik rinsetzen, wenn wir sehen, wie einzelne jüdische Schriftsteller und Gelehrte jüdischer Abstammung, die formell noch dem Judentum angehören, ihre geistigen Schöpfungen in judenseindlichen Zeitungen veröffentlichen oder christliche Gebräuche. Glaubenssätze und Führer der christlichen Religionsgemeinschaft in Poesie und Prosa, in Wort und Bild so schildern, als ob sie selbst dieser Gemeinschaft angchörten. Ja einige dieser Schriftsteller und Gelehrten sind so „objektiv", daß sie an einem Tage in jüdischen Bereinigungen für die Erhaltung des Judentums. sprechen, wahrend sie am nächsten Tage ein tiefempfundenes Gedicht über „Christus" oder einen Artikel über „Das Fest des Heilands am We. i hu ach t stage" '(wörtlich so ZU lesen) veröffentlichen ober gar in pölitifchen Leitartikeln die Grundsätze jüddttfeindlicher Parteien verteidigen. Diesen „Äuchjuden" sollen die nachstehenden Zeilen ohne Stamensnennung gewidmet sein. Der fleißige Zeitungsleser wird sie trotzdem erkennen. II. „Dem Judentum der Gegenwart", so sagten wir oben, „obliegen gegenüber der Über uns hereinbrechenden Sturmflut zwei .Ausgaben: 1. Verstärkung des Dammes zum Schutze gegen weitere Verheerungen. 2. Wiederaufbau des bereits vernichteten Gebietes." Wenn wir die Mitarbeit der jüdischen Intelligenz, insbesondere der jüdischen Schriftsteller und Künstler, nicht als das eiiizige;'mohl ra&frr, äfe :eiir fohüi wichtiges MülllgHtz ste beiden Aufgaben für unumgänglich notwendig halten» dann werden wir sicher die Zustimmung weiter Kreise des deutschen Judentums finden. Diese Zustimmung vorausgesetzt ist die Berechtigung einer sachlichen Kritik an der Tätigkeit der jüdischen Intelligenz wohl erwiesen. Bei dieser Kritik scheiden selbstverständlich diejenigen aus, die durch Taufe, Austritt aus dem Judentum und endlich durch völlige Interesselosigkeit — das sind die sogenannten „Auchsuden" — ihren Zusammenhang mit dem Judentum bereits gelöst haben. Um so schärfer mutz aber die Kritik diejenigen treffen, die als Mitglieder jüdischer, religiöser Mib nationaler Parteien, ja sogar als Mitglieder jüdischer Gemeindebehörden und jüdischer sozialer Organisationen, es für angängig halten, sich als Mitarbeiter judenfeindlicher Zeitschriften und Tageszeitungen, Verfasser von Schriften und Kunstwerken — Werden darstelleiitiet und bildender Kunst — die geeignet sind, das Judentum in den Augen Andersgläubiger verächtlich oder geringschätzig zu machen, zu betätigen. Sir zerstören die Dämme «vch weiter, welche dieSwrmslut zmn Teil hinweggerissen hat» statt sie zu verstärken, sie vernichten den spürlichen Rest des Gebietes noch mehr, anstatt es wieder auszubauen. ' "" '. ' ' III. So wie jede Kritik, so muß auch unsere sich psychologisch in die Gesinnung, den Charakter und das Milieu des Angeschuldigten vertiefen, wenn sie gerecht sein will. Die meisten jüdischen Schriftsteller, Dichter und Künstler, die unsere Kritik treffen soll, sind Derufsschriftsteller, bezw. Beruf-Künstler, deren „Kunst", wie man zu sagen pflegt, „nach Brrt geht". Dieser Ausdruck drückt, wie ich gern gugeben will» dis intensive geistige Arbeit dieser Kreise auf eine niedrige materielle Tlrfe herab; er ist aber am geeignetsten, das Verhältnis von Ideal und Wirklichkeit in diesem Falle zu bezeichnen. Reben diesem Berliültnis, dem wir Menschen nun einmal als Geschöpfe, die dem Himmel und der Erde zugleich angehören, wie ein mittelalterlicher jüdischer Philosoph sagt, unterworfen sind, muß bei der Kritik der Werke unserer jüdischen Intelligenz der Charakter und das Milieu des Schaffenden berücksichtigt werden. Eine lrsrvorragende Eigenschaft der Künstler- und Schriststeller- Chrrruktere. die wir hier im Auge haben, ist eine gewisse Eitelkeit. von der übrigens auch Rlchtjuden in diesen Kreisen nicht freizusprechen sind. Der Schassende hat den Wunsch, in möglichst roeiten Kreisen bekannt zu werden, denn er will nicht nur für seine Glaubensgemeinschaft, sondern für sein ganzes Volk» ia für die gesamte Menschheit wirken. Insoweit ist fein Wunsch auch völlig berechtigt, sobald aber lediglich ökonomische Gründe vorliegen. die ihn zur Mitarbeit an Zeitschriften oder zur Gestaltung von Kunstwerken veranlassen, die seiner religiösen oder auch nur ethischen Grund anschauutrg nicht entsprechen, ist sein Wunsch unberechtigt. — Ein anderes psychologisches Moment für die Einstellung der jüdischen Intelligenz ist das Bestreben, eine völlige Assimilation oder ein Aufgehen in die Weltanschauung bezw. in die nationalen Forderungen und Gepflogenheiten seiner nichtiüdischen Umgebung zu bekunden. So ist das im Eingang genannte Gedicht „Christus", so ist der Heilandartikel entstanden. Wir könnten noch eine ganze Reihe ähnlicher Erzeugnisse der jüdischen Intelligenz nennen, wir sühren hier nur die treffendsten an. unfern Lesern werden sicher noch manche anderen Beispiele bekannt sein. — Und nun endlich das dritte psychologische Moment für die Entstehung solcher Werke: das Milieu. Der größte Teil der hier in Betracht kommenden Schaffenden hat wohl nie» und wenn es hock) kommt ein- oder zweimal int Jahre das Gotteshaus besucht, er hat nie eine Predigt gehört, er kennt nicht die Schätze unserer Bibel, weder im Urtexte noch auch ln einer guten Uebersetzung. ebensowenig unsere herrlichen.tiesempsundenen Gebete» er schwärmt für die Bergpredigt» ohne zu wissen, daß sie auf dem Grunde unserer Prophetemvorte und den ethischen Grundsätzen und Vorschriften beruht, er rühmt die Psalmen, die Sprüche Salomos, vielleicht auch Hiob, den Propheten Iesaias. doch beileibe nicht aus der Lektüre dieser Schriften, wenn auch nur in einer Uebersetzung. sondern aus den gelegentlichen Zitierungen christlicher Schriftsteller und Dichter, aus den bildlichen Darstellungen der Künstler oder endlich aus den Vertonungen unserer klassischen Musiker. Wie soll ein Schaffender aus diesem Milieu von der geistigen Rot des Judentums, bon den zerstörenden Dämmen, von dem- Wiederaufbau unserer religiösen Einrichtungen etwas erfahren" oder gar feine Mitarbeiten unseren Dienst stellen?! — Wir können an dieser Stelle die uns beschämende Tatsache nicht verschweigen. daß christliche Schriftsteller. Dichter und Künstler, selbst die religiös Radikalen, ihre religiösen Schätze weit besser kennen, als unsere jüdische Intelligenz die ihrigen.— Wir nehmen selbstverständlich die wissenschaftlichen Arbeiten der jüdischen Intelligenz in wissenschaftlichen Zeitschriften aus, weil diese Fachorgane ja religiös und politisch fast durchweg — sobald sie nicht die sogenannten Rassenprobleme erörtern — neutral sind. Sobald aber die wissenschaftliche Arbeit im Haupttei! oder in der sogenannten Unterhaltungsbeilage einer judenfeindlichen Zeitschrift erscheint, trifft die obige Kritik gleichfalls die jüdische Intelligenz. Juden Wohl werden sie die Welcherischaft haben. Wenn sie mit ihrer beeie Gott durch die .Lande iragen, :Oenn in ihm allein ruhet die Herrschaft der Welt. Grosi und leuchtend werden ihrer Thora göttliche Gaden Über aller Menschen Stirnen ragen, Denn auf sie ist der Erde Datier gestellt. Ewige Quelle, wird sie Suchende laben- Und an der Menschheit ringenden Fragen Lösen auch die, durch Leiden auserwahlt. _____ ran Eleef Äröcn Ln der bildenden Kunst. ^'on B. Segel. 3n>iicn i)t'ii‘jclun 3u5en, die t>eii)e eis, 0rieritreif*n5e utiö Kunftforscher bekannt sind. Rudolf Berliner und 'J?anI o x d> ti v i> t verdanken wir ein wunderschönes Tafelwerk, weiches uns mit dem Leben und dem Treiben eines verlorenen jüdischen Stammes an der Grenze zwischen Türkei und Persien bekannt macht, der sich fast ausschließlich einem Kunsbgcwerde, dem der Silber schmiede, widmet und es. hierin zu einer hohen Vollkommenheit gebracht hat. „S i lb e r s ch m i e d e a r d e i t e n aus Kurdistan, mit 15 Text-Meni und 20 Tafeln" heißt das Werk,das bei D i e l r i ch Reimer (Ernst Bohsen) in Berlin erschienen ist^ Dir Abbildungen zeigen uns prachtvolle Schmuckstücke für Frauen und Männer sowie Waffen und Hausgerät r, wie sie die Kunstsinnige, reiche Klasse im Orient liebt, ubö wie sie von den europäischen Aklseen begehrt werden. Da sind Spiegel- Kapseln, GüriAschlleßer, Knabengürtel, Kopfdeckrl, Halsschmuck, Foßschmuür, Amulelwiichsen, Ohrringe, Fingerringe, Ärmspangen, GervehrbeschiüAL, Dolchgrisfe und oergi., alles von wunderbar seiner ArdeU, die eine aohrhunderle alte Kunstübung und Kunstrradilion voraussctzt. Paul Borchardt kam im Sommer 1916 als Dolmetscher einer deutsch-türkischen Mililärmission nach S u! e i m a n l j« in Kurdistan in der WHe von Mossul. Don hier aus wurden Expeditionen nach Persisch-Kurdistan unternommen. Div ganze jüdische Bevölkerung Kurdistans wird auf 18 090 Seelen geschätzt. 3n Suleimanije wohnen unter einer Bevölkerung von ungefähr 15 ÜÖO Mohammedanern etwa 1000 Juden, die Ikwnviegend Kleinhändler such. Ein Teil von ihk-en übt mit großer Kunstfertigkeit das Gold- und Cllberschmiedegewrrde aus, welches auch ihre Glaubensgenossen in Persien und Mesopotamien in großem Maßstabe betreiben. Die ganze islamitische Welt Booderasiens bezieht ihren Schmuck aus den Werkstätten dieser Juden. Die Werkstätten, aus denen diese reizenden kleinen Meisterwerke der Gold- und Eilberschmiedekunst hervorgehen, sind äußerst primitiv. Die Werkstatt ist der rm Orient übliche offene Raum im Basar, in dem die arbeitenden Cilberfchmiede in jeder Weise beobachtet werden können. (Im ganzen Basar von Suielmanije waren unter acht offenen Werkstätten sieben jüdische.) In der Werkstatt befindet sich der Werkofen, der aus Lehm gebaut ist. Er ist mit einem Blasebalg verbunden, mittels dessen das Feuer, welches Holzkohlen liefert, unterhalten wird. Unweit davon sieht ein Amboß mit einem Schraubstock. Hämmer, Zangen, Feile, Wage, Kelle und andere Werkzeuge feineren Kalibers werden aus Europa bezogen. Jede Werkstatt hat außerdem verschiedene Tonformen, Lötkolben einen Prüfstein, Matrizen und dergl. Mit diesen Geräten fertigen die jüdischen Meister fei! Jahrhunderten ihre Schmuckstücke an, die Auge und Herz der nichtjüdischen Bevölkerung erfreuen. Die Gold- und Älberschmiedekunst stand seit uralten Zeiten bei den Juden irr hohem Ansehen. In der Bibel wird sie öfter erwähnt und nach der Zerstörung des jüdischen Staates finden wir viele Goldschmiede in der Zerstreuung. Der Talmud berichtet von den Künsten der Goid- und Silberschmiede in Alexandrien. Im sechsten Jahrhundert übte der jüdische Stamm der Kaimlka in Nordarabien dieses Gewerbe aus. Dis jüdischen Silberschmiede verfertigen auch Amulette, die dem Kabbalistischen Werke „Sephir Rastel" entnommen sind. Diese Amulette werden auch von Mohammedanern vielfach gekauft; wenn jedoch ein Biohammedaner ein Amulett bestellt, wird der darin enthaltene oerbuchstabige Gvtlesmann ausgelassen. Borchardt fand solche Amulette auch auf Pergament. Die Juden von Kurdistan behaupten, sie seien Abkömmlinge der Diaspora, die schon zur Zeit Esras in jenen Gegenden wohnten. Doch besitzen sie hierüber keine schrisliichen Aufzeichnungen. Am die Mitte des vorigen Jahrhunderts fand Lapam in jenen Gegenden jüdische Nomaden, die gleich den Kurdin in schwarzen Zelten wohnten und ihre Schaf- und Ziegenherden hüteten. Dieser einzige Nomadenstamm unter den Juden ist seither offenbar seßhaft geworden. Die romantischen Ziegenhüter haben sich in prosaische Satil-rr, Schuster, FUzmacher, Weber, Färber und Schmiede jeder Art verwandeli. Jedoch nur die Silderschmiede fesseln unser Interesse. In jenen kultararmen Gegenden kann ihre Kunst sich nicht entfalten. Trotz ihrer großen Schönheit bekunden die Formen eine gewisse Eintönigkeit. Ader sie zeugen von dem Können und dem Fleiß ihrer Urheber. Frische Anregungen aus Europa könnten vielleicht doch eine hohe Blute hervvrdringen. * * * 'IV. Einer besonderen Erörterung bedürfen die Werke jener j dischen Schriftsteller und Künstler, die dem Sensationsbedürs» urteilsloser Massen entgegenkommen und zum Teil als schäftsleute" jüdische Milieus schildern, ihre Glaubensgenossen, ihre religiösen Gebräuche verspotten, ja oft selbst dip jüdische schichte fälschen, weil solche Lektüre und Kunstwerke leider ml ßenden Absatz finden. Bekannt ist besonders auch auf diesem (&,[ biete ein jüdischer Schriftsteller, der allerdings feit einiger 3vi| schweigt, weil christliche Berufsgenossen ihm darin doch rvchl über sind. Für diese Art geistigen Schaffens fehlt es der KriüH tatsächlich an parlamentarischen Ausdrücken. Haben wir im Vorstehenden nachgewiesen, daß und wie eirl Teil der jüdischen Intelligenz die beschädigten Dämme noch roc,l ter zerstört, dann bleibt uns nur noch übrig. Vorschläge zu machenZ auf rvelche Welse diese Kreise zum Wiederaufbau des zcrstörteyl Gebiets herangezogen werden können. Wir steilen diese Do^I schlüge hier zur Diskussion: 1. Der Centralverein und die Jüdisch-liberale Vereinigung! bitten gemeinsam die bekanntesten jüdischen Schriststeller, Dichtttl und Künstler (der darstellenden und bildenden Kunst) zu ein«! Unterredung in roelchen diesen Kreisen zunächst die geistige des Judentums der Gegenwart eingehend geschildert wird: (rin! Hinweis auf die Verbundenheit der deutschen und jüdischen Kul-! tur. die in weiten Kreisen der christlichen Kulturträger fast imbJ könnt ist» soll die jüdische Intelligenz veranlassen, bei den Lesen! der ihnen zur Verfügung stehenden Zeitungen und Zeitschriften.! der Theater- und Kunstwelt immer wieder durch ihre Artike!,! Werke und Erzeugnisse auf diese Verbundenheit ständig hinzu-I weisen. Dabei soll von den Einberufern ausdrücklich betvni! werden, daß es diesen Kreisen selbstverständlich urrbenommen,! bleibt, ihre blsherige Einstellung zu den geistigen und sittlicher! Problemen rmd zu ihrer Weltanschauung, soweit sie nicht judkn.s feindlich ist. in ihren Werken zum Ausdruck zu bringen. 2. In den Buchbesprechungen der jüdischen Zeitschriften, inl ihren Kunstbesprechungen, wenn nötig auch in besonderen Vor-! trägen, sollen Werke der jüdischen Intelligenz, sobald sie juden-I feindlich sind, eine ganz besonders strenge Kritik erfahren, woriej die jüdische Abstammung der Autoren und Künstler hervorzuheben ist. 3. Auch die Verleger, bezw. die Kunsthändler und Theater« direktoren. soweit sie unserer Glaubensgemeinschaft angehören.| sollen um ihre Unterstützung bei unseren Bestrebungen gebeten werden. -4. Die jüdische Intelligeriz. die schon bisher — trotz der großen I Anerkennung in nichtjüdischen Kreisen — nicht „ihre armen Brüder" vergessen hat,, soll auch in unseren Organen Anerkennung finden und ihre Erzeugnisse sollen den Lesern bezw. den Hörernj warm empfohlen werden. Ich wage zu hoffen, daß wir auf dem vorgeschlagenen Wegei aus den Kreisen der jüdischen Intelligenz werktätige Mithelfer für unsere Bestrebungen gewinnen werden. Denn die wahrhaft geistig Hochstehenden aller Bekenntnisse beginnen einzuseher. daß Klassenhaß und Rassenhaß die Würde der Menschheit in den Staub zieht und daß die Mahnung des Dichters sich gerade an} die führenden Geister richtet: „Der Menschheit Würde ist in Eure Hand gegeben, | bewahret sie!" Erlmröt die heitige Schrift, den ersten Lag der! 1 Woche als RuheM zu begehend Bon Dr. Süßkind. Die folgenden Darlegungen sollen dazu dienen, eine Frage der Beantwortung entgegenzusühren. die von nicht zu unterschätzender Bedeutung für weite Kreise sein dürste. Recht traurig stimmt es. wenn man sehen muß. daß der l vierte Sinaiausspruch immer niehr der Gleichgültigkeit anhermsüllt. Daß die Tatsache der Sabbatentweihuncz. die in le'der nur zu großen Kreisen Platz gegriffen lwt und noch nicht Zum Stillstand gekommen ist, bcrß diese Tatsache nicht so leicht Mieder Welt zu schassen ist» dürste sicherlich nicht zuletzt daraus zurückzuführen sein, daß die Heilige Schrift, und zwar besonders in den Partien roo vom Sabbat die Rede ist, nicht genügend bekannt ist. — Ich bin der Ansicht, daß es nicht ohne Wert ist, wenn einmal in kurzen Zügen ein Bild von der Stellung In Polen, dem neuerstandenen Staate, rvird heute der r/unrerus clausus fGr jüdische 0tuöcnten cingcfüljTt. 2)ic jüdischer Maler und Bildhauer werden von den Ausstellungen einfach zurückgewiesen, so daß die jüdischen Künstler sich g.'s zwangen jähen, eigene Ausstellungen zu veranstalten. Das alles gefchicht in dem Polen, welches seine Auserstebung der „weltlichen Demokratie" verdankt, dieser Borkämpferm für Gcrechugkeit. Humanität und Freiheit, die in den Weltkrieg gezogen sino, um den preußischen Mllilarismus, die deutsche Barbarei und vie österreichische Rückständigkeit zu bekämpfen und Europa Z'.i, erneuern in dem Geiste des intellektuellen und moralischen istortschrittes, der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. In Polen nerrscht jetzt derEtnflusz der französischen und englischen Kultur uns die Ieudoii in Polen können jetzt am eigenen Leibe die Wirkungen des westeuropäischen Geistes in ihrer Segenfülle studieren, llnsii der Herrschaft dieses Geistes klingt es wie ein unglaubliches> Märchen, -aß vor einenr halben Jahrhundert in Polen ein jäoiicncr Künstler wirkte, den die Polen als den „Stolz unserer Nation bezeichneten, dem sie sogar verziehen, daß er zürn u.homa feine Bilder mit Borliebe Gegenstände des jüdisäien Lebens und o-r jüdischen Geschichte wählte. Dieser Künstler war Moritz Goit- Neb. dessen Andenken jetzt die berühmte Wiener Ofi'3in Christoph Reißers Söhne wieder erweckt hat durchi Herausgabe eines prächtigen G ot tii e b- A lb ums, wc.mes 26 der schönsten Bilder des Meisters in herrlichen Reproduktiom" bietet. Diese Ostjuden, die Jahrhunderte lang fern von aller Schönheit in Natur und Kunst dumpf dahinlebten, haben bald nachdem ein leiser Hauch der Freiheit und der Kultur über sie dahingur.. aus ihrer Mitte eine erstaunliche Fülle bedeutender künstleriimc^ Talente heroorqebracht, von denen einige in den ollerrrsten Ran?, vordransen. Man denke nur an Bildhauer wie A n t o k o l s>R und GNseirstein oder an Maler wie 5)irs che aber g wu Hororvitz, die europäischen Ruhm erlangt haben. Der e r I E jüdische Maier, der in Osteuropa entstand, war aber Moritz E'ottlieb, und dieser erglänzte gleich als ein Stern eftter Grölzr. geboren 1856 in der ostgaliziichen Stadt Drohobycz, starb er «aan 26 Jahre all, in Krakau. Seine Schafsenszeit jedoch begann in-1 18 Iahven, dauerte also kaumfünf Jahre und in dieser kurze» Spanne Zeit reifte eine erstaunliche Fülle herrlicher Meisierwerue, die aber auch, wie es scheint, die Lebenskraft des jungen Künst.ersaufgezehrt haben. Jan Matejko. der hochberühmte polnycy- Maler, Dlrektor der Krakauer Kunstakademie, räumte oem jungen Gottlieb einen Arbeitsplatz in seinem eigenen Atelier ein- GetMeb war anfangs wie hypnotisiert von der Kunst des blendenden Koloristen und genialen Bändigers der Massen. stofflich wandelte er die Wege des Meisters und malte Szem» aus der Geschichte Polens. Langsam erwachte seine eigene an-