Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 7 (13.2.1925)
- Date
- 1925-02-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2613788-2613795--1192-2618529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«durch die Jugend sich im Lause der Jahre eine Gemeinde schaffen wird. Auch in seinen Predigten soll er nicht nur erbauen, sondern vor allen Dingen in höherem Sinne belehren. Er müßte es als eine seiner selbstverständlichen Aufgaben ansehen, jeden Gottesdienst, durch eine Predigt zu beleoen. Dann könnte er auch, um ein Mort von Baeck zu gebrauchen, nicht viele Predigten halten, sondern nur eine große Predigt. Schließlich soll der Rabbiner Seelsorge treiben und das kann er besonders in den kleineren und mittleren Gemeinden. Hier kann er wirklich der Freund jedes Hauses, der Ratgeber jeder Familie, der Tröster in jedem Anglück werden, und hier kann er auch durch sein taktvolles Benehmen die Gegensätze ausgleichen, die zwischen alt und jung, zwischen arm und reich herrschen und nicht zuletzt die, die durch die religiösen und die jüdisch-politischen Parteien hervorgerufen werden. Er soll über den Parteien stehen, aber er soll sich nicht fürchten und nicht scheuen, seine persönliche Ueberzeugung mit aller Klarheit und Deutlichkeit auszusprechen. Wir meinen hier besonders die Rabbiner, die sich selbst als liberal bezeichnen oder von anderen so genannt werden. Es mutz mit Bedauern festgestellt werden, daß gerade diese nur selten den Mut haben, ihre Aeberzeugung auszusprechen und ihr entsprechend zu leben. Die meisten von ihnen haben Angst, in irgendeiner religiösen Streitfrage offen und fest einen Standpunkt einzunehmen, den man als entschieden fortschrittlich bezeichnen könnte oder der die so heiß ersehnte religiöse Erneuerung des Judentums mit herbeiführen helfen könnte. Sie sollten sich an den konservativen und zionistischen Amtsbrüdern ein Beispiel nehmen, die für ihre Äeoerzeugung kämpfen und sie nicht verstecken, aber nur wenige Rabbiner kann man wirklich als liberal bezeichnen, die meisten sind entweder liberal-konservativ oder konservativ-liberal. Rur bei wenigen ist der Unterricht von wirklich fortschrittlichem Geiste getragen, durch den sie die Jugend zu aufrichtigen liberalen Juden erziehen könnten. Rur bei wenigen enthält die Predigt ein freudiges und offenes Bekenntnis zur Abkehr vom Konservativismus, und nur ganz vereinzelt findet sich ein Rabbiner, der den Mut hat, seine Lebenshaltung nach religiös-fortschrittlichen Grundsätzen einizurichten, und darum oder zum größten Teil darum, sind unsere Rabbiner nicht die Führer ihrer Gemeinde und nehmen nicht die Stellung ein, die sie sich selbst und wir ihnen wünschen. - Und in unseren Groß-Gemeinden? Bielleicht haben wir in Deutschland nur eine einzige, nämlich in Berlin, wenigstens habe ich den Eindruck, datz selbst Breslau und Frankfurt a. M., wie sie politisch nur Mittelstädte sind, so auch in jüdischer Beziehung nur Mittelgemeinden. In Berlin aber erwachijen dem Rabbiner durch die ungeheure Nstsdehnung oes Ortes und durch das ungleich schnelle Anwachsen der Gemeinde Schwierigkeiten, die in anderen Städten nicht Vorhanden sind. In Berlin ist die persönliche Beziehung der Rabbiner zu den Gemeindemitgliedern sehr erschwert und darum nur vereinzelt möglich. Daraus ibt es sich, daß eine Seelsorge in dem oben ange- 2enen Sinne sehr schwer möglich, wenn nicht überlpt unmöglich ist. Darum werden unsere Berliner Rabbiner immer nur die Führer einzelner Gemeindeteile sein. Dazu kommt, daß die unglaublich große Zahl von Kasualsällen die Kräfte der Herren sehr in Anspruch nimmt und sie beinahe ganz verzehrt. Es ist eine Unmöglichkeit, daß jemand noch mit Bewußtsein an einem und demselben Tage drei Trauerreden und ebensoviel Trauungsreden halten kann, und dann womöglich abends noch in irgendeiner Bereinigung sprechen soll. Es ist daher gar nicht zu verwundern, daß die Gemeindemitglieder sich über eine gewisse Verflachung in dem Niveau der Predigten beklagen, und datz die Rabbiner andererseits sich dagegen sträuben, jeden Sabbat oder Freitag abend zu sprechen. Auch der wenige Unterricht, den die Herren erteilen, muß darunter leiden, und so ist es kein Wunder, daß es nur wenigen, ganz großen Geistern gelingt, in Berlin mehr zu sein als ein Name, bei dem man sich nichts denkt. Darum ist es aber auch nicht zu verwundern, wenn man diese Tatsachen durch die verschiedenartigsten Mittel abzuändern versucht, etwa durch Einrichtung von Parochien, das heißt also durch Zerschlagung der Großgemeinden in viele Kleingemeinden oder durch die Anstellung von Hilfspredigern. Diesen sollte man besonders die Kasualpredigten übertragen. Ich bin mir allerdings ganz klar darüber, daß diese Forderung sowohl bei den Gemeindemitgliedern wie auch bei den Rabbinern, und zum Teil mit Recht, auf Widerstand stoßen wird, denn ohne Frage gewinnt der Rabbiner durch diese Reden bei frohen und traurigen Gelegenheiten einen stacken Einfluß aus die Gemeindemitglieder. Was oben über die liberalen Rabbiner im allgemeinen gesagt ist, gilt natürlich auch von denen in Berlin. Auch hier rufen wir, die wir für fortschrittliches Judentum kämpfen und die religiöse Erneuerung von Lehre und Leben herbeiwünschen, bisher fast vergeblich nach dem Führer und bei jeder Neuwahl eines Rabbiners möchten wir dem Neuankommenden die Worte des Propheten fest einprägen: Die Lehre der Wahrheit soll in seinem Munde sein und Falschheit soll auf seinen Lippen nicht gefunden werden, in Frieden und Geradheit soll er mit mir wandeln und viele von der Schuld zurückhalten, ja die Lippen des Priesters sollen Erkenntnis wahren, aus seinem Munde soll man Belehrung suchen, weil er ein Bote des Ewigen der Heerscharen sein soll. Robert Hirschfeld, Berlin. Die predigt. Bon Rabbiner Dc. Siegfried Behrens- Fürth (Bayern). Die Dredigt ist in der letzten Zeit Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit in diesen Blättern gewesen. Nicht umstritten ist die Tatsache, daß sie in allen Parteilagern ein integrierender Bestandteil des jüdischen Gottesdienstes ist. Eine Prüfung ihrer geschichtlichen Entwicklung im letzten Jahrhundert wird mit Sicherheit ergeben, datz die Form sich vielgestaltig gewandelt hat. Aus der ursprünglichen Anlehnung an fremde Muster aus der Umwelt hat sich ein selbständiger Stil und eine eigene Form der jüdischen Predigt herausgebildet. Die großen führenden Geister sind häufig, sofern sie ein rabbimjches Gemeindeamt bekleidet haben, zugleich die Schöpfer der klassisch-jüdischen Predigt geworden. Aber so stark die Generationen fid> in Lebensauffassung und Geistesrichtung unterscheiden, so stark ist auch manchmal der Unterschied, der sich allerdings vorwiegend im Formalen bergen wird. Weite und Tiefe der Gedanken wird in jedem Zeitalter gefordert werden, Inhalt und Bortrag müssen den Zuhörer zu fesseln imstande sein, eine edle Volkstümlichkeit ist eine Voraussetzung, die selbst bei Verwendung glücklichster Gleichnisse und Bilder nur etwa erzielbar ist. Bei der starken Betonung des Geistigen, dia dem Judentum eigen ist, bei den hohen Anforderungen, die der Prediger an sich stellt, und bei der kritischen Richtung des Zuhörers, die er erwartet, ist die jüdische Kanzelrede in der Regel daraus gerichtet, den Zuhörer nicht bloß zu erbauen, sondern ihn zum Mitdenken zu erziehen und seinen Willen zu beeinflussen. So unerschöpflich wie das Leben, so groß ist auch die Fülle der Themen, der Gedanken, der Anregungen, die dem Prediger zur Verfügung sichen. Daß sie Berührung mit der Gegenwart, mit ihren Problemen, mit ihren wissenschaftlichen Bewegungen und ihren schöngeistigen Schöpfungen suchen soU, ist eine uralte, gut jüdische Aeberlieferung. Die Tatsache aber, daß die Kanzetberedsamkeit — im Unterschied von forensischer und Katheder-Rhetorik — schlichter und einfacher Sprache sich bedienen, in edler und gehovener Auudrucksweise sich entfalten soll, setzt der Auswahl ihrer Themen bestimmle natürliche Grenzen. Das Wesentliche muß sein, daß sie auf das Religiöse avgesilmint ist und den Zuhörer in seinem religiösen Empfinden und Denken zu erfassen sucht. Je mehr ihr das gelingt, um so stärker wird sie wirken. Das gesprochene Wort und d;e lebendige Persönlichkeit treten zu dem geistigen Gehalt hinzu, den die Predigt in angemessener Form erschließt. Sie wird in erster Linie unmittelbar ihre Kraft aussirörnen. Es gibt nur ganz wenige erlesene Premcstsammlungen, die nach einem oder zwei Mensche'.'.alieln noch auf den unbefangenen Leser Eindruck erzielen. So schnell wechseln die Formen des Gemeinschaftslebens, das in d?r Predigt sich spiegelt und abzeichnet. In Zeiten üenkfrohen Philosophierens ist die Möglichkeit gegeben, der Philosophie einen breiten Raum zu gewähren, in einem Zeitalter religiöser Spannung und Gespanntheit mag apologetische Kampsesfreude ^Verständnis finden, in einer müden Epoche aber, in eiucc Zeit des Uebergangs müssen der Predigt Woge gefunden werden, die ihr die Kraft zur Ermunterung und Ermutigung, zu Selbstvertrauen erschließen. Unser Geschlecht ist zermürbt und ungeduldig geworden imfc wird für geistige Antriebe dankbar sein. Der Geist muh sich ungesucht und ungekünstelt, wohlerzogen und wcchldurchdacht darbieten. Die Predigt bedarf nicht des Esprits, der glänzen und brillieren wilk Wertvoller als das geistreiche Wort ist der reife Geist, der abgeklärt in die Erscheinung tritt. Wie die Religion, der sie dient, soll die religiöse Rede getragen sein von dem Streben nach Wahrheit und nach Klarheit. Religiöse Reden aber sind nicht wieder die Predigten, die bei den mannigfaltigen Gelegenheiten des Familienlebens gehalten werden, die sogenannten Kasnalreden. Sie sind im Gegensatz zu den synagogalen Reden in diesem Blatt mit Eifer umstritten wor- Oas neue Werden O bindet nicht des Geistes pfeife in den Köchern/ £öf3f nicht den Glaubenskult in Siarrheitsiroh verknöchern,- Seid Menschen, ftei von allen Erdenkleinigkeiten, Schaut nach dem£icht, strebt aus der Enge nach dem Weiten! Verehrt das heilig Alte, denn es gibt euch Halt, - Doch werdet nicht im Hang zum Alten selber alt! Oer Zeitschrift lebt, ihr könnt euch nicht dagegenstemmen, - So schreitet mit... ihr dürft das Werden ja nicht hemmen! Max Rosenfeld,'Dresden Oie hebräische Schrift und Sprache ein psychologisches Moment! Von Norbert Probst. Sprache ist kristallisierte Volksseele, Sprache ist Volksgeschichte. die Gegenwart des Vergangenen! Sprache ist ein psychologischer Akt. Entweder etwas, was dein Menschen eingegeben ist oder was sich von selbst aus ihm heraus entwickelt. Wilhelm Wundt hält die Sprache für die vollendetste Form der Ausdrucksbewegung und teilt sie darum in Zwei Haupiteile: Gebärden- und Lautsprache. Wilhelm von Humboldt nennt die Sprache ein Entwicklungsprodukt des menschlichen Geistes, jedoch krankt feine Theorie daran, daß er ihren näheren Ursprung nicht nachweist. Lazarus und Steinschneider halten den Begriff der Onomatopöie (Schallnachahmung) für einen äußerst wichtigen Sprachvorgang und berusen sich auf die Ausmerksamkeit und Empfänglichkeit des Aienschen für die Stärke der Eindrücke auf das 'Bewußtsein. Sie suchen die Sprachentwicklung auf eine unwillkürliche Aeußerung von Lautreflexen zurückzusiihren. Ludwig Geiger betont mehr die psychologische Bedeutung der Gesichtsvorstellungen für die Sprachentwicklung. Ihm ist der ursprüngliche Eprachlaut ein Reslexsrhrei. auf Gesichtsasfekte folgend. Da man so, keine Klärung fand, versuchte man auch über die Sprachentwicklung des Kindes hin dieses dunkle Problem zu läsen, und man machte die Feststellung, daß die Mütter und Ammen, die sich der Lautsähigkeit des Kindes und seinen Wiederholungen anpassen die eigentlichen Erfinder der Kindersprache sind. Rousseau und Herder waren der Anschauung, daß die Sprache als Gesang begonnen habe. Luzzatto schlägt einen ganz anderen Weg ein. indem er in der empirischen Welt eine Brücke für das Verständnis des Sprachbegriffs sucht. Er sagt: die Seele besteht aus zwei Kategorien: Begriff und Hand- U;ng, Idealität und Realität. Der Begriff wird durch Ne Empfindung aus dem Zustand' der Ruhe in den der Bewegung verseht: und das ist der Wille! Darum heißt im Hebräischen der Wille „Nozaun", der Laufende „Roz". und zugleich heißt auch „Rozaun" Wonne (Deuteronomium dir 33, 23), wenn seine Befriedigung ihm die Rückkehr zum Ruhezustände gewährt. Aus Empfindung und Willen bilden sich Gedanke und Vorstellung, und in deren Vereinigung: das Bewußtsein. Aber dennoch können aus allen diesen Kategorien keine Handlungen entstehen; dazu bedarf es erst einer schöpferischen Kraft der Seele? Soweit das Resultat der modernen Forschung. Die talmudische Forschung in ihrer mystischen Eigenart sagt durch Malbim, daß Gott dem Menschen die Sprache gegeben hat. Und der Lehrsatz des R. Juda Hanassi Ben Barsilai aus Barcelona (1050) bringt eine interessante Bestärkung dieser Aussage. Er sagt: „Die Mischna spricht von 10 Dingen, die in der Schlußdämmerung des letzten Tages geschaffen wurden. Darunter sind „Hakossaw, Wehamichtow" (Schrift und Sprache). Unter „Kossaw" ist das Wesen der Buchstaben zu verstehen, das in der äußeren Form, dein Alphabete, verbildlicht ist. Die Sprache setzt sich aus verschiedenen Geräuschen zusammen, hervorgebracht an bestimmten Stellen zwischen dem inneren Ende der Kehle und dem äußeren Lippenrande. Der Mensch empfing von Gott die Fähigkeit, für sich und seine Nachkommen verschiedene Begriffsbilder zu formulieren, von denen jedes einzelne je einem dieser Geräusche entspricht: das wird Kossaw- „Zeichnung" genannt. Die Sprache die sich aus diesen Bildern zusammensetzt. wird „Michtow"-Schrift genannt als Verbindung der einzelnen Buchstaben zu ausgesprochenen Worten." Modern ausgedrückt: Sprache ist Schrift der Psyche! Betrachten wir das hebräische Alphabet als Schrift, so finden wir, daß die Buchstabenfiguren ursprünglich flüchtige und abgekürzte Abbildungen sinnlicher Gegenstände sind, deren Namen mit dem betreffenden Buchstaben beginnt. Aleph bedeutet Rind, Stier mit Bezug auf die Gestalt des Buchstabens (besonders im phönizischen Alphabet). Beth — Haus bezieht sich auf seine quadratartige Form. Gimmel bedeutet Kamel, erklärt durch die Gestalt desselben im phönizischen Alphabete. worin man die rohe Gestalt eines Kamelhalses finden mag. Doleth —Tür. Zeh —Luftloch. Waw —Nagel, Pflock! Sajin bedeutet nach dem Syrischen Masse. Lheth — Umgebung, Mauer. Teth nach Gesenius Schlange. Iud — Hand in bezug auf die im Phönizischen und auf der hebräischen Münzschrift erhaltene Figur, die drei ausgestreckte Finger, den rohen Zug einer Hand darftellt. Kaph bedeutet hohle, gekrümmte Hand. Lamed — Ochsenstachel. Mem —Wasser. Nun— Fisch. Samech - Stütze. Ajin — Auge. Peh — Mund. Zade — Fischerhaken. Koph - Hinterkopf. Resch — Klwf. Schin — Zahn. Tow Zeichen. Die Folge der Buchstaben (worüber wir ein altes Zeugnis in den Psalmen haben, die alphabetisch geordnete Bersanfänge besitzen, so Ps. 25, 34, 37, 111, 112, 119, 145) mag allerdings unsprünglich von einer grammatischen Betrachtung der Laute ausgegangen sein. Sicherlich waren aber auch bestimmte Einwirkungen und Einflüsse vorhanden; denn es ist schwerlich ein Zufall, daß zwei Buchstaben, die eine Hand abbilden (Ind und Kaph). ebenso zwei, die den Kops darstellen (Resch und Kuph), und überhaupt mehrere Zusammengehöriges bedeutende Figuren. (Mem und Run —Wasser und Fisch: Ajin und Peh — Auge und Mund) nebeneinander stehen. — Eine mystische Eigenart der Talmudsuden möchte ich schon jetzt vorwegnehmen. Der Jude umschreibt die Zahl 15. Iud und Heh, durch 9 und 6 lTeth und Wow), weil der Gottesname mit Iud und Heh anfongt. — Wenn wir das Alphabet anatomisch untersuchen, so finden wir, daß der dem Hebräischen eigentümliche Dreiwurzelbau aus Konsonanten eine ganz merkwürdige Konstruktion verrät. Wir haben ausfallend viele Gruppen, in denen zwei Radikale stets dieselben bleiben, während ein dritter fortwährend wechselt. 3. B.-r „Cher" (ChethXResch) geht mit sämtlichen Konsonanten des Alphabetes Verbindungen ein, die ebensoviele verschiedene Bedeutungen haben, wie Anschlüsse „Choroh" — entbrennen bedeutet die schärfste Aufregung des Zornes, und da dieselbe mit Hitze verknüpft ist. wird der Begriff auf brennen und verwandte Naturbegriffe übertragen. So Zorn. Brand. Trockenheit, verwüsten, zittern, erbeben, fid) erschrecken, furchtsam. Bann, vernichten. Krätze usw. Wir stehen bei dieser Gruppe vor einem System, dessen Großartigkeit überrascht, da sich von einem Stamm ungeheuer viel Begriffe bilden lassen. Die Sprache ebenso wie das Alphabet ist demnach das Produkt eines gottbegnadeten Genies, ebenso wie die Musik noch heute als solche austritt. Bei der hebräischen Sprache finden wir dauernd Spuren von Geist. Betrachten wir das Wort „Choroh" (chet, aleph, resch, heh). Die Grundmotive der psychischen Aeußcrungen sind Empfindung und Bewegung. Jede Empfindung ist eine Störung des Ruhezustandes. Ats eigentliches Zentrum der Empfindung nimmt der Talmud das Herz an. eine Anschauung, die heute noch bestehen kann. Als Grundlage der Sprachbilduug find zwei Buchstaben zu bezeichnen, die gewissermaßen automatisch entstehen, das Aleph und das Heh. Das fast tonlose Aleph ist eigentlich der Echlußbuchstabe des GedankenalphabelS, dessen unhörbare Töne nur unser innerer Gehörsinn vernimmt, der dann automatisch auf den Stimmakt übergeht. Ebenso entsteht Heh. Es entsteht durch das Atmungsgeräusch an der Wirbelsäule über den Lungenwurzeln. In Luftröhre und Kehlkopf entsteht Cheth. Furcht und Schrecken rufen erhöhte Herztätigkeit und Atmungsbeschleunigung hervor. Unter allen Buchstaben ist das Resch derjenige, der sämtliche Artikulationsstellen in Anspruch nimmt. Zu seiner Hervorbringung ist die größte Anzahl von Schwingungen erforderlich. Folgerichtig benutzt ihn das Hebräische als Bild der stärksten Bewegung: Licht, Geist, Furcht, Wind, Donner, Erdbeben, Schießen usw. beginnen mit dem Resch und lassen sich auf dieses Motiv zurückführen. Der Sohar-Kommentar des R. Moses Zakutto bespricht die Anlage des Alphabets in der Reihenfolge der Organbildung des jugendlichen Individuums. Er beginnt mit den leichtesten Atmungsgeräuschen und schließt mit den Zahnlauten, da dieses Organ, das letzte in der Entwicklung der Sprachorgane, erst spät zur Verwendung kommt. Er teilt die Buchstccken in zwei