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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-02-06 · 6 (6.2.1925) · page 5

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5. Iah'gang stummer S ~ t. Beilage - 6. Zebruar 1925 '! ■ s/m ♦ Aus den Gemeinden. Berlin. Nach vielen wahren veranstaltet die Gesellschaft zur ftücöminfl der Wissenschaft des Judentums e. B. in größerem Rahmen ihre Hauptversammlung zum ersten Male wieder. Sie findet am Mittwoch. den 18. Februar 1925, abends 8 Uhr. im Logengebüude. Berlin W.. Klciststraße 10 statt. Auster den geschäftliche.i Alltteilungen stellt auch ein bedeutsamer wissenschaftlicher Bortrag auf der Tagesordnung. — Bei genügender Beteiligung findet im An schlug nu die Hauptversammlung ein zwangloses gemütliches Beisammensein statt. Gäste sind williioimnen. Berlin. Die Freie jüdische Volkshochschule beginnt ihr Wintert riirrrster am Sonntag, den 8. Februar, vormittags 11 Uhr, im ^ogenhaus, Kleisistr. 10, mit einer Eemestereröffnungsseier, 'unter B!it>oirirung von Herrn Leo Gollanin und Herrn Gab Esteiaso. Mitglied des Palästina Theaters (Hebräische Bibelvorlesungj. Anschliestend daran findet an den nächstfolgenden 5 Sonntagen an gleichenr Sri zur gleichen Feit ein Rezitationszykius „Ding Iahrtauserrde jüdische Dichtung" mit Rezitationen der Dameil: Rose Liechtenstein, Edith Herrnstadt-Oettingen, der Herren: Ernst Deutsch, Alexander Grcmach. Meinhard Maur. statt. Herr Dr. Israel Auerbach wird vor jedem Vortrag einleitende Worte sprechen. Ferner lesen folgende Herren: Al. Abraham. Hebräischer Fortbiidungskursus für Bibel und Gebetbuch. — Chefredakteur Georg Bernhard. Die Juden in der deutschen'"Politilr u,ld Wirtschaft, Fortsetzung. — Rabb. Dr. Bleichrode. Talmudlektüre, Traktat Baba Mezia. — Dr. Cohn- Wiener. Die Kunst des alten Israel, mit Lichtbildern. — Rabb. Dr. Gans. Bibellektüre mit Erklärung, unter Fugrundelegung .des hebräischen Textes und mit Berücksichtigll.lg der modernen Exegese. — Rabb. Dr. Goldmulm, Das Wesen des Antisemijtiöl.i.us. — Oberregierungsrar Goslar, Wege zu jüdischer Regeneration. — Etudienrat Hammerstein. Hebräischer Unterrichtskursus. — Robert Huschseid. Nachbiblische Oieschichte der Juden und des Judentums, Li. Teil. — Rcidb. Dr. Imupel. Leben und Sitten un alten Israel, noch den neuesten archäologischen Forschungen. — Dr. Itelsou. Sur- Problem der Uitsterblichkeit der Seele in Philosophie und Religion. — Prediger Dr. Lehmann, Die Weisheit der Bibel. — Rabb. Dr. Lewkowitz. Jüdische Deuker des Mittelalters. — Rabb. Dr. Lvmenthal. Entstehung und ,Bedeutung des Talmud. — S. Rawidowicz. Einleitung in die -neuere hebräische Literatur. — Rabb. Tr. Warschauer. Ein Gang 'durch die jüdische Geschichte. — Dr. Arnold Fweig, Der Einflust der Bibel auf die abendländische Kultur. Ferner Borbereitungs- .kurse für Palästina-Touristen. Berlin. Vom Deutsch-Is ra el i liscI>ou Gemeindebund werden wir mm Veröffentlichung nachstehenden Berichtes gebeten: , Es wird weite Kreise interessieren, das; die durch die Folgen (der Inflationszeit längere Feit zur Untätigkeit verurteilte Friejdrich-Wilhelm-Viktoria-Ctiftung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes ihre Tätigkeit wieder ausgenommen hat. Das 'Kuratorium hat sich durch Zuwahl des Vorsitzenden des Ver-r Bandes der jüdischen Lehrervereine, Herrn Mirtelschullehrer -Stern verstärkt, um so den Interessenten, einen mit ihren Wünschen vertrauten Vertreter zu verschaffen. Außerdem hat die letzte Vorstandssitzung beschlossen, von jetzt ab wieder Neuverllichsrungm. die bei der Berliner Versicherungsgesellschaft Mktostiv abgeschlossen werden, zu subventionieren. Der Beschlust lautet: Bei Versicherungssummen bis zu 10 000 Mlr. wird der Zuschuß auf 2(r, der jeweiligen Prämie bemessen. Die Festsetzung von Zuschüssen über darüber hinausgehende Versicherungsab- ' schlüsfe bleibt der Beratung Vorbehalten. Einbezogen in den : Krdis der Menten werden alle jüdischen im Dienst einer < jüdischen Institution stehenden Angestellten. Diese Subvention bedeutet ungefähr das Doppelte der früher £wt der Stiftung geleisteten Zuschußquoten. Tie BewiUigungsstristen sind gleichviel, ob es sich um Beamte non-Bundesgenieiuden oder, nicht zum D. 5.G. B. gehörigen Gemeinden oder Institute handelt, aus 3 Jahre festgesetzt worden.; Was die alten Versicherungen anlangt, so hat sich ein dem '.Kuratorium ungehöriger Sachverständiger der Viktoria dahin .ausgesprochen, daß gerade bei dieser Gesellschaft eine besonders günstige Aufwertung im Jahre 1632 zu erwarten ist. Bis da- 'l)i7t empfiehlt es sich, für die Klienten der Stiftung nichts zu 'unternehmen. ' In früherer Zeit hat die Stiftung in liberaler Weise ihren Klienten auch Beihilfen zu den Jahresbeiträgen zu den freiwilligen Beamtenhilfskassen gewährt. Ueber die Wiederaufnahme dieses Zweiges ihrer Tätigkeit wird das Kuratorium nach Mast- Rabe feiner verfügbaren Mittel in der nächsten Sitzung beschließen. Nach den traurigen Erfahrungen der Inflationszeit beabsichtigt das Kuratorium nicht wieder größere Fonds anzufam- ^meln, sondern den größten Teil seiner Einnahmen laufend für Stislungszwecko zu verwenden. Wie sich die Einnahmen der Stiftung weiterhin gestalten werden und ob es in Zukunft möglich sein wird, die Fuschustquoten vielleicht noch zu erhöhen, must der Erfahrung anheimgesleUt werden. In der Hand der jüdischen Beamtenschaft liegt es, durch Gewinnung von Privatpersonen für die Versicherung bei der Viktoria zur Verstärkung der Leistungsfähigkeit der ihrem Wöhle gewidmeten Stiftung beizutragen. Zu bemerken ist noch, daß diejenigen Beamten beiderlei Geschlechts. die eine Neuversicherung eingehen wollen, sich mit Rnem Vertreter der Viktoria in Verbindung zu setzen haben. Formulare zu Anträgen auf Zuschuß, die dem Büro des D. I. E.B.. Steglitzer Str. 9. einzureichen sind, sind von diesem zu oe ziehen. Berlin. Der älteste und auch dienstäliesle Repräsentant der Berliner jüdisch«.n Gemeinde. Herr Adolf Lewinski. ist in Berlin verstorben. Der Verstorbene war feit einigen Jahren auch stellvertretender Vorsitzender der Repräsentantenversammlung. Leminski's Tätigkeit lag hauptsächlich auf dem Gebiet wirtschaftlicher und den Etat betreffender Fragen der jüdischen Gemeinde. Selbst der Mittelpartei angehörig, war er in vielen Fragen Wortführer der konservativen Arbeitsgemeinschaft in der Repräsentantenversammlung. , Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung in Weistenlee statt. Herr Rabbiner Dr. Bleichrode hielt die Trauerrede und der stellvertretende Vorsitzende der Repräsentantenversammlung. Herr Rechtsanwalt Dr. Klee, sprach im Flamen der Gernernde Worte des Dankes. Herr MagistrotsRat Neumann sprach im Namen der konservativen Fraktion warme Ab- Ichieosworte. , _ Berlin. 6. C. Hakoah I gegen F. C. Groß-Besten I, Verbands- Wiek gewann Hakoah kampflos, da der Gegner nicht antrat. S. ^ukoah II gegen Allemania, Haselhorst II, Gesellschaftsspiel 13 :U. Hakoah führte überlegen und kam der Gegner selten bis Er die Mitte. Der Sturm spielte recht gut zusammen; Preuß tchon «.Stärk 4 und Nagel 2 Tore. Hakoah III gegen F. C. Eintracht, Königswusterhausen, <erounds;piei 0:2. Auch hier war Hakoah überlegen und ist Wahlresuttaie. (Eigener Nachrichkendiensi de Aachen: Wahlberechtigte 1000, 75 % Wahlbeteiligung, Liberale 634, Zionisten 110. Ahaus: Liberal-Konservativ 40, Zionisten 3. Altona: Liberal-Konservativ 14, Zionisten 0. ' , ' ' Barmen: Liberal-Konservativ 212, Zionisten 103. Beckum: Liberal-Konservativ 40, Zionisten 25. Berlin: Wahlberechtigte 132 500, Wähler 48 644, Liberale 24 692 (28 Mandate), Zionisten 14 491 (16), Mittelpartei 4090 (5), Konservative 2756 (3), Poale Zion 1715 (1). Bernstadt.- Liberal-konservativ 56, Zionisten 1. Beuthen: Liberal-konservativ 1300, Zionisten 555. Bielefeld.- Wahlbeteiligung 68 %, von abgegebenen Stimmen 81 % liberal. Liberale 365, Zionisten 84." Bleicherode: 70 % Wahlbeteiligung, Liberale 52, Zionisten 9. Bocholl: Liberal-konservativ 114, Zionisten 26. Bochum: Liberale 318, Zionisten 173. Borghorst: Liberal-konservativ 25, Zionisten 0. Breslau: Liberale 6300 (6), Konservative 2666 (2), Zionisten 2201 (2). Brleg: Liberal-Konservativ 135, Zionisten 14. Buer.- Liberal-Konservativ 62, Zionisten 20. Bünde: Liberal-Konservativ 53, Zionisten 7. Bunzlau: Liberal-Konservativ 36, Zionisten 24. Burg b. Magdeburg: Liberale 28, Zionisten 22. Cassel: Liberal-Konservativ 3545, Zionisten 941, Liste Marxheimer (Wiesbaden) 742, (alles für ganz Hessen-Nassau). Castrop: Liberal-Konservativ 60, Zionisten 15. Cleve.- Liberal-Konservativ «87, Zionisten 14. Koblenz: Liberal-Konservativ 150, Zionisten 146. Delitzsch: Liberale 54, Zionisten 26. Dinslaken: Liberal-Konservalio 00. Zionisten 1. Dorsfeld: Liberale 51, Zionisten 0. Dortmund.- Liberale 1030, Zionisten 739. Driburg: Liberal-Konservalio 14. Zionisten 4. Duisburg: Liberal-Konservativ 286, Zionisten 677, Poale Zion 10. Dülken: Liberal-Konservativ, 45, Zionisten 0. Düren. Liberal-Konservativ 104, Zionisten 35. Düsseldorf: Liberal-Konservativ 1100, Zionisten 355, Poale Zion 55. Egeln: Liberale 15, Zionisten 2. Elberfeld: Liberal-Konservativ 525, Zionisten 239, Poale Zion 44. Erfurt: Wahlberechtigt 570, Wahlbeteiligung 75 %, Liberale 292, Zionisten 140. Eschweiler: Liberal-Konservativ 45, Zionisten 29. Essen: Liberal-Konservativ 1367, Z-ionisten 478, Poale Zion 102. frankenstein: Liberal-Konservativ 21, Zionisten 5. ranksurt a. M.: Liberale 5330 (6), Vereinigte Konservative, Zionisten, Ostjuden 3417 (4), Poale Zion 169 (0). ' Gelsenkirchen: Liberale 389, Zionisten 139. Gladbeck: Liberal-konservativ 38, Zionisten 94. Glatz: Liberal-Konservativ 63, Zionisten 2. Gle'noitz: Liberal-Konservativ 606, Zionisten 236. Görlitz: Liberal-Konservativ 150, Zionisten 45. Groß-Wartenberg: Liberal-Konservativ 50, Zionisten 6. Guhrau: Liberal-Konservativ 45, Zionisten 2. Hagen: Liberale 204, Zionisten 104. Halle a. S.: Liberale 351, Zionisten 234. Hallenberg: Liberal-Konservativ 17, Zionisten 4, Haltern: Liberal-Konservativ 20, Zionisten 0. Hamm: Liberal-Konservativ 116, Zionisten 60, Heiligenstadl: Sämtliche 19 Wahlberechtigten haben liberal gewählt. Herford: Wahlbeteiligung 78 %, Liberal-Konservativ 102, Zionisten 21. : Hindenborg: Liberal-Konservativ 530, Zionisten 153. Hirschberg: Liberal-Konservativ 132, Zionisten 7. Hörde: Liberale 105, Zionisten 25. Horstmar: Liberal-Konservativ: 34, Zionisten 0. Iauer: Liberal-Konservativ 33, Zionisten 13. Kamen: Liberale 76, Zionisten 3. Köln: 4 Liberale gewählt, weitere Nachrichten folgen. Jüdisch-Liberalen Zsitung") Krefeld: Liberal-Konservativ 615, Zionisten 125. Landeck: Liberal-Konservativ 23, Zionisten 2. Landeshut: Liberal-Konservativ 47, Zionisten 3. Lauban: Liberal-Konservativ 77, Zionisten 1. Lengerich: Liberal-Konservativ 33, Zionisten 0. Leobschüh: Alle 91 Wähler stimmten für die liberal-konservative Liste. .Zionisten hier 0. Ebenso in Tost, Rosnih, Ketschen. Münsterberg, Strehlen. Liegnih: Wahlbeteiligung hier 80 %. In kleineren und mittleren Gemeinden Riederschlesiens Wahlbeteiligung 95 bis 100 %. Hier erhielt Liberal-konservative Liste 347, zionistische Liste 107 Stimmen. Lrppstadt: Liberal-konservativ 70, Zionisten 14. Lüdenscheid: Liberal-konservativ 34, Zionisten 9. Lüdge: Liberal-konservativ 13, Zionisten 0. Lüdinghausen: Liberal-konservativ 26, Zionisten.0. Lünen: Liberal-konservativ. 107, Zionisten 2. Magdeburg: Liberale 514, Zionisten 435. Mielitsch: Liberal-konservativ 43, Zionisten 7. Minden: Liberal-Konservativ 127, Zionisten 15. Mühlhausen i. Th.: Wahlbeteiligung 70 %, Liberale 62, Zionisten 26. Mülhelm/Ruhr: Liberal-Konservativ 289, Zionisten 64. M.-G1adbach: Liberal-Konservativ 318, Zionisten 103, Poale Zion 1. Münster: Liberal-Konservativ 251, Zionisten 53. Ramslau: Liberal-Konservativ 56, Zionisten 6. Reuenkirchen: Liberal-Konservativ 36, Zionisten 0. Neumarkt: Liberal-Konservativ 39, Zionisten 16. Neuß: Liberal-Konservativ 98, Zionisten 12. Nordhausen: Wahlberechtigte 309, Wähler 262, Liberale 175, Zionisten 87. Ochtrup: Liberal-Konservativ 31, Zionisten 0. Oels: Liberal-Konservativ 57, Zionisten 21. Ohlau: Liberal-Konservativ 28, Zionisten 3. Oppeln: Wahlbeteiligung 85 %, gemeinsame Liste der Liberalen und Konservativen 252, Zionisten 68. Oschersleben: Liberale 28, Zionisten 0. Natibor.- Liberal-Konservativ 283, Zionisten 125. Reichenbach: Liberal-Konservativ 26, Zionisten 8. Remscheid: Liberal-Konservativ 46, Zionisten 48. Rheda: Liberale 70, Zionisten 11. Rheine: Liberal-konservativ 63, Zionisten 1. Rheydt: Liberal-Konservativ 126, Zionisten 31. Schkeuditz: Liberale 1, Zionisten 12. Schleuüngen: Liberale 20, kein Zionist. Schmallenberg: Liberal-Konservativ 28, Zionisten 0. Schönebeck (Elbe).- Liberale 24, Zionisten 4. Soest: Liberal-Konservativ 114, Zionisten 11. Staßfurt: Liberale 19, Zionisten 4. Steele: Liberal-Konservativ 85, Zionisten 0. Stendal: Liberale 23, Zionisten 12. Steinau.- Liberal-Konservativ 25, Zionisten 2. Striegau: Liberal-Konservativ 50, Zionisten 3. Süchteln: Liberal-Konservativ 16, Zionisten 0. - Suhl: Nur zwei Stunden Wahlhandlung, Ästchlbete'iligüHg 62°’#, Liberale 31, Zionisten 23. Tangermünde: Liberale 20, Zionisten 0. Unna: Liberal-Kvrrseroativ 105/ ZÄNist«n 13,' Bewert: Liberal-Konservativ 23, Zionisten 26. Biersen: Liberal-Konservativ 56, Zionisten 33. Blotyo: Wahlbeleiligung betrug hier 90%, von 83 Stimmen L4 für die liberale Listen Wadersloh: Liberal-Konservativ 9, Zionisten 2. Waldenburg: Liberal-Konservativ 92, Zionisten 53. - Wanne: Liberale 122, Monisten 50. Warendorf: Liberal-Konservativ 54, Zionasten 0. .>' Werl: Liberal-Konservativ 51, Zionisten 0. Wickrath.- Liberal-Konservativ 37, Zionisten 18. Wickrahberg: Liberal-Konservativ 37, Zionisten 18. Witten: Liberal-Konservativ 189, Zionisten 28. das günstige Verhältnis dem Sturin und der guten Verteidigung zu verdanken. Nicht unerwähnt soll der Torsteher bleiben. Hakoah I. Jugend gegen F. C. Korso 1. Jugend 2:2. Das Spiel war sehr interessant und abwechslungsreich und führte Hakoah bis 5 Minuten vor Schluß mit 2 :1. Es ist eine Freude zu sehen, wie eifrig und technisch gut die Jugend ist und läßt sie für spätere Zeit noch recht viel erwarten. Bremen. Die hiesige jüdische Gemeinde veranstaltet im zweiten Teil des Winterhalbjahres am 5. Februar 1925 einen Vortrag des Herrn Direktor Dr. phil. Alberto Jonas, Hamburg: „Das jüdische Volk am Wendepunkt der Weltgeschichte" und am 28. Februar 1925 einen Vortrag des Herrn Dr. med. Ernst Buchhvlz: „Die Juden in der modernen Rassenlehre". Außerdem beginnen am 12. Februar 1925 zwei Lehrkurse des Gemeinderabbincrs Dr. Aber, und zwar: „Das Martyrium der Juden im Mittelalter" und „Aus der religiösen Lyrik der Bibel". Bremen. Durch Vermittlung einer hiesigen Konzertagentur gab der Oberkantor am Friedenstempel zu Berlin, Manfred Lewandowski, in Bremen ein Konzert, das ein voller Genuß für alle Zuhörer war. Am so bedauerlicher ist es, daß der Saal nur sehr unzureichend gefüllt war. Nach dem Bortrage klassischer Stücke deutscher Tonkunst, heroischer und lyrischer Melodien, unter anderem auch Hans Hermanns meisterhaft vorgetragenem „Salomo" brachte der Künstler neuzeitliche Vertonungen hebräischer Gebete und Lieder zu Gehör, darunter solche von Badrian, Birnbaum und Lewandowski. Violine und Flügel, von hervorragenden Bremer Künstlern gespielt, begleiteten die Darbietungen Lewandowskis, von denen die Bremer Tagespresse u. a. folgendes schreibt: „Manfred Lewandowski stellte sich naä) längerer Pause . . . wieder als der hochkultivierte Sänger vor, als den wir ihn noch in Erinnerung hatten. Der Anschlag seines metallisch schwingenden Baritons ist in jeder Lage von sattester Tonfülle und strotzender Ausgiebigkeit. Eine bis in die letzten Möglichkeiten durchgebildete Atemtechnik verleiht ihm die unumschränkte Herrschaft über die Kunstflvifse der Führungß Biegung, Ladung, Entladung der tonlichen Energie." Cassel. Ein seltenes Jubiläum beging letzten Dienstag Herr Alexander Fiorino. Ein halbes Jahrhundert gehörte er dem Vorstand des Israelitischen Waisenhauses an. dessen Vorsitzender er zurzeit noch ist. Seine Menschenfreundlichkeit rmd Nächstenliebe konnte er während dieser langen Feit in mannigfacher Weise bekunden. Daß man diesen Tag im Waisenhaus besonders festlich begehen würde war selbstverständlich. Neben dem Kuratorium der Anstalt vereinigten sich viele ehemalige Zöglinge mit den derzeitigen Insassen des Hauses und anderen Freunden des Jubilars zu einer würdigen Feier. Ansprachen wechselten mit Deklamationen. In allen Darbietungen wurde der außerordentlichen Liebenswürdigkeit und seltenen Gewissenhaftigkeit dankbar gedacht, mit der sich der greise Herr als Krv jesunwim (Vater der Waisen) für das leibliche und geistige Wohl aller der Obhut des Hauses anvertraute«: Knaben und Mädchen, auch nach ihrer Entlassung, lebhaft interessierte. Die günstige Weiterentwiärlung der Anstalt, die auch dtrrch die Nachkriegsroehen in ihrem Bestand stark gefährdet wurde, ist neben der allgemeinen Hilfsbereitschaft nicht zuletzt auch Fiorinos väterlicher Fürsorge zu verdanken. Seinen Bemühun gen gelang es, für die aus der Anstalt bereits entlassene, aber ihrer Obhut noch unterstehende Jugend eine Stiftung des Geh. Kommerzienrats Aschrott zu erlangen, die substantiell heute zwar entwertet ist. während ihres Bestehens aber reichen Segen stiftete. Der Schlichtheit und Anspruchslosigkeit des Jubilars entsprechtnd war die Feier seiner 50 jährigen Zugehörigkeit zum Kuratorium im engste'.l Rahmen der Nüchstbeteiligteu gehalten. Deutlich liest sie aber erkennen, daß man die selbstlose Hingabe für die Interessen der Anstalt und ihrer Zöglinge mit Dank und Rührung anerkannte» daß der Name Fivrino mit der Geschichte der Anstalt dauernd verknüpft sein wird. Cassel. Auf Einladung des Comiles für jüdisch-wissenschofiliche Vorträge, sprach letzten Sonnabend im gut besetzten Dortragssaal der Landesbibliothek Dr. Martin Bub er über: „Aiessianismus und das persönliche Leben." Messianismus, so führte der Redner aus, kann nur in Beziehung auf das persönliche Erleben und Denken des Menschen gedacht werden. Jedem Juden ist der wirkliche Messianismus irgendwie eingeboren. bei vielen zwar verschüttet. Allen, auch denen mit pantheisiischer oder sogar atheistischer Einstellung, bleibt das Faktum unvergeßlich, daß die Wett, die Schöpfung im Ursprung stehend und von ihni aus zu erfassen sei. daß sie zur Vollkommenheit. zum Reiche Gottes bestimmt und angelegt ist. daher aber auch vollendet und erlöst werden müsse. Nicht jede Erlösungshofsnung kann Messianismus genannt werden; nur Religionen, die starken Glauben an den Sinn der Weltfleschichte einschliesten. durch den wir leben und sind, kommen hierfür in Betracht. Die iranische oder altpersische Religion sieht die Welt als Kampfschauplatz zwischen den beiden Prinzipien Licht und Finsternis an, die Menschen sind in ihr Kampfwerkzeuge! Am letzten Wendepunkt der Schöpfung ist die Welt nicht vollendet, sie wird nur aufgehoben. Die jüdische Religion kennt keinen Gegengott, die Menschen sind Empfänger, Träger und Boten der Offenbarung. Gott und Mensch stehen sich in Selbständigkeit gegenüber. Der Mensch ist aber nicht das Mittel, er ist im unbedingten Ernst zur Freiheit geschaffen. Aus ihr heraus trübt sich die Schöpfung, durch die Zerrissenheit des Menschen ist die göttliche Herrschaft gehemmt. Vollendung und Erlösung stellen sich als ein Durchbrechen der Hindernisse dar. Die ganze Geschichte wird zur religiösen, unbedingten Wirklichkeit; sie ist kein Schema das sich abwickelt, sondern vom Tun aller Menschen beeinflußt und mitbestimmt. In der jüdischen Religion ist der Mensch Zentrum des Weltprozesses, bei den Alt-Persern Werkzeug zwischen Licht und Finsternis. Hier finden wir zahlen-- mäßig fixierbares Schema, dort Menschheitsgeschichte, schlechthin konkret, unvorhersehbar und von den Menschen abhängig.

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