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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-01-16 · 3 (16.1.1925) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
3 (16.1.1925)
Date
1925-01-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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I I i i i finfccn Eingang in die gegnerischen Veranstaltungen, genau wie die oben gezeichnete politische Richtung durch wissentliche Preisgabe oder völlige Abieuanung ihrer eigentlichen Ziele, durch Beteurung ihrer vermeintlichen Neutralität, die sie als „Einheitsfront" bezeichnen, als Einheitsfront gegen den schwarzen Mann, die bösen, das Judentum zerstörenden „Assimilanten", die über ihrem Judentum, nicht das Deutschtum vergessen wollen und können. — 3n den jüdischen Lehrer vereinen, besonders in den Vereinen der Großstädte macht diese zionistische Zellenpolitlk unverkennbare Fortschritte. Ein liberaler Lehrer, der gegen die Konfessionsschule spricht, wird ntedergeschrien, ein Zionist, der nur die jüdische Volksschule „w i e e r s i e v e r st e h t", als Allheilmittel für die Erhaltung -es Judentums anpreist, erntet donnernden Beifall. Spricht ein liberaler Lehrer in einer Lrhveroersammlung von den Schwierigkeiten der Gründung jüdischer Volksschulen, dann wird ihm unter Berufung auf den Wortlaut der Tagesordnung, die sinngemäß die Erörterung desselben Themas enthält, das Wort entzogen. Wenn aber in einer größeren Lehrerversammlung ein bekannter zionistischer Führer eine Propagandarede für die jüdische Volksschule hält, obwohl die Tagesordnung ein ganz anderes Thema nennt, und obwohl derselbe Redner selbst erklärt, daß seine Bemerkungen, soweit sie die jüdische Volksschule betreffen, nicht eigentlich zum Thema gchören, dann entzieht ihm der Leiter der Versammlung nicht das Wort. Der zionistische Führer erntete für seine Rede lebhaften Beifall, währenein liberaler Lehrer, der ihm enlgeaeniral, nur zwei bis drei dünne „Bravos" hörte. Zionistische Zel! enpol i llh! And wiederum trat sie in die Erscheinung bei dem geselligen Beisammensein, das der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Religionslehrer und Lehrerinnen zu Ehren der Teilnahme des Fortbildungskursus für Rellgionsleyrer und Lehrerinnen an der Freien jüdischen Volksschule veranstaltet halte. Es wurde auf das Ersuchen des Vereinsvorstandes an diesem Abend ein Palästina-Film vorgeführt. Zur Einleitung aber hielt ein Dozent der Volksschule, auf dessen Anregung allerdings der Forbbildungskursus eingerichtet wurde, eine Propagaräarvde für den Zionismus, wobei er in seinem Eifer den nichtzionästischen Lehrern eine regelrechte Strafrede hielt und ihnen Mangel an Autorität, Liebe und Gehorsam seitens ihrer Schüler in Aussicht stellte, falls diese die Unkenntnis ihrer Lehrer mit den zionistischen Zielen, besonders mit dem Wiederaufbau Palästinas, erfahren. — Reben diesem zionistischen Dozenten der in der Einleitung zu seiner Propagandarede für den Zionismus in einer von Lehrern aller Richtungen besuchten geselligen Veranstaltung wörtlich sagte: „Sie wissen alle, daß ich Zionist bin", der aiber trotzdem das Gastrecht so offensichtlich verletzte, sind in dem Dozenten-Kollegium der Freien Indischen Voiksschulc noch andere Ziomsten vertreten, also auch hier eine zionistische Zelle! Zu den neuerdings von dem Berliner Gemeind evorstcmd berufenen Rabbinern und Reiigionslehrern gehören auch einige aktive Zionisten, während orthodoxe und zionistische Lehranstalten und Gemeindebehörden grundsätzlich andersgerichtete Rabbiner, Lehrer und Gemeindebeamte nicht anstellen. In einzelnen Vorständen der Provinzial-Lehrervereine und der Synagogeitverbände sind zionistische Zellen vorhanden, selbst der Ausschuß des Gesamt-Lehrerverb.rndes ist nicht davon frei, dieselbe Erscheinung weist der Rabbiner- und Kantorenverband auf. In den seit kurzer Zeit bestehenden Synagogenvereinen Berlins gibt es gleichfalls zionistische Zellen, die zunächst die Amwandlung des liberalen Gottesdienstes in einen orthodoxen und die Beseitigung der Orgel anstreben. In den Ortsgruppen des C. V. in Berlin und draußen werden zionistische Zellen angestvebt, welche langsam, aber sicher ihre Wirksamkeit ausüben. Neutrale Jugenbvereine weisen eine erhebliche Anzahl zionistischer Mitglieder auf. In der Residenz, den Großstädten und in den Miiteigemeinden haben die Gemeindevertretungen zionistische Zellen. ♦ Am Sonntag, den 18. Januar, nachm. 6 Ühr, l findet in der Pestalozzisiraße 14/is eine ♦ Versammlung statt. t t [Referent: Dr. Gasomonskt ♦ ♦ ♦ üm zahlreichen Besuch wird gebeten | r Lib.Vereln für dieAngelcgenheiten der jüdischen Gemeinde | Ortsgruppe (Lharlottenburg Vorsitzender: Alfred Caro | III. Am 1. Februar holen die Zionisten zu ihrem Hauptschlage aus. Sie wollen die Majorität in dem Preußischen Landesverband erringen, um die jüdischen Gemeinden zu politischen Volksgemeinden umzuwandeln, die ihren Zusammenhang mit der deutschen Umwelt vergessen sollen. Mit Hilfe ihrer zionistischen Zellen, die sie, wie oben nachgewiesen ist, überall errichtet haben, hoffen sie ihr Ziel zu erreichen, das sie in jahrelanger, unermüdlicher Arbeit erstrebt haben. Die Herrschaft über Gemeinde, Synagoge, Schule und über — wie sie es so demagogisch bezeichnen — die Jüdisch« Soala! Es ist aber nicht genug, daß unsere Liberalen und Rlchtztonisten die große Gefahr erkennen, die dem deutschen Judentum von dieser Seite droht, sondern eist auch unbedingt notwendig, daß jeder deutsche Jude und jede deutsche Jüdin gegen die zionistischen Ziele ankämpft, besonders aber am 1. Februar durch Abgabe eines Stimmzettels für die Mchtzlonisten. Ebenso rüichttg ist aber die sorgsame Aufmerksamkeit auf die zionistischen Zellen in den Berufsvereinen und in allen jüdischen Organisationen in der Residenz, der Groß- und Mittelstadt, und überall, wo sie den Versuch machen, die Herrschaft an sich zu reißen. D i e Z e it des „La i s se r faire, 1 a>i ss er aller" i st vorüber, es gilt .die Tat, es gilt den Kampf! Ceveant constiles! I Oie Landesver-andswahlerr. Von Gewerberat Emil P l o t k e , Berlin. Der Aufforderung Ihrer Schriftleitung, mich zur Frage der Landesverbandswahlen zu äußern, leiste ich gerne Folge. Wir haben die Reichslagswahlen hinter uns und^damit einen Wahlkampf, in dem von gewissen Parteien wohl das Möglichste in der Auspeitschung aller niedrigen Leidenschaften, in Verdrehungen. Erfindungen und Lügen geleistet worden ist. Wir Juden insbesondere waren das Ziel der gemeinsten Anschuldigungen, und ich glaube, wir sollten aus den Erfahrungen dieser Zeit gelernt haben, eine solche Kampsmethode der Schmähungen zu verabscheuen, und wenn jetzt vor der Landesverbandswahl ein Kampf zwischen jüdischen Parteien notwendig wird., nur mit anständigen Waffen zu kämpfen, mit sachlichen Gründen und mit Achtung vor dem Gegner. Die religiös-liberalen Juden, zu denen ich gehöre, achten auch in ihren orthodoxen und zionistischen Gegnern die ehrliche Uebczeugung und die Bcrsolgung eines idealen Zieles; viele von ihnen unterstützen auch die Bestrebungen, jüdische Kolonisten in Palästina anzusiedeln, ilnterstützen gern auch eine jüdische Bibliothek lind andere jüdische Ilistitutionen in Palästina, aber wir lullten es für eineil Irrtlim und lehnen es daher ab. nationale Ziele in Palästina zu verfolgen, wir halten es insbesondere für einen Irrtum, uns als nationale Minderheiten in den einzelnen Ländern zu bezeichnen und damit Rechte, die wir besitzen, zu gefährden. Vollends im heutigen Deutschland mit seinem teil« weis überreizten Nationalismus, mit seinen 6 600 000 Anhängern einer deuischnationalen und feinen rd. 900 000 Anhängern einer deuischvöllnschen Partei erscheint es doppelt verfehlt, noch die Leidenschaften eines jüdischen Nationalismus zu entfack>en. Wäre er vorhanden, so wäre es jetzt für ihn die Zeit, zu schweigen. Man braucht nur daran zri erinnern, welche Wechselwirkungen die Ausbrüche der heutigen Deutschnationalen und Französischnationalen zeitigen, lim das Fehlerhafte dieses eiroiilu8 vitio8us der forigesetzten Auswühlung nationaler Gegensätze zu begreifen. Und wenn wir Juden setzt aus Grund der Rechte, welche die Verfassung von Weimar uns gegeben hat. und auf Grund der Verfassung des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinben zu Wahlen für den Verbandstag schreiten, so tun wir dies als jüdische Religionsgemeinschaft im preußischen Staat, als preußische Bürger jüdischer Religion, welche sich behufs Wahrung und Vertretung ihrer Rechte und Interessen zu einer staatlich anerkannten Korporation des preußischen öffentlichen Rechts zufammenschließen; wir tun es im Sinne der Reichsverfassung. welche den Religionsgemeinschaften die Freiheit des Zusammenschlusses gewährleisten wollte, wir tun es aber nicht als nationale Minderheit, welche sich im Gegensatz zu unfern übrigen Mitbürgern stellt und neue nationale Gegensätze in dem ohnehin nationalistisch überhitzten Deutschland erzeugen will. Gewiß, es ivird lins Juden nicht leicht gemacht im lieben deulschcn Vaterland, loyale Bürger zu bleiben. Aber trotzdem sind wir es. Wir vergessen nicht, daß wir auf dieser Erde geboren sind mib in dieser Erde begraben werden, und daß unsere Vorfahren, die schon seit dem vierten Jahrhundert hier gelebt haben, deutsche Wissenschaft. Kunst und Technik in sich ausgenommen und auf uns vererbt haben. Wir vergessen trotz eines Lndendorsf nicht einen Lessing und wir wollen als deutsche Bür' ger. die ihr Vaterland lieben, uns mit allen unseren Kräften dafür einsetzen, daß der deutsche Geist wieder gesunde, und das; weil auch der ittchligste Dirigent nie seinen eigenen, sondern stets nur den mit „den meisten" vereinbarten Takt schlagen kann, bei dem sein eigener Geschmack unbedingt verliert, sei er besser oder schlechter, nur nebenbei. Sehr interessante Beispiele in dieser Hinsicht liefern hervorragende Juden in Frankreich und Deutschland, Italien usw., besonders aber in England.) Wem das Ausgeführle zu philosophisch sein sollte, der sehe sich die Alltagsvorgänge an. Ob ei Jude Geld wechielt, Konsirmandenauzüge verkauft, Theater, Konzerte vcranftallcr, Bacher und Zeitungen verlegt, die Rechtsuchenden verbeistandet oder auch selbst Recht spricht, Luftschiffe und sonstige Dinge erfinde: usw.. stets nur kann er damit am natürlichen Fortgang der Kultur arbeiten, die da und von allen bzw. „den meisten" rcprafentiert ist. Diese Krrllur ist, wie gesagt, christlich oder abendländisch, sie ist nicht nur keine jüdische Kultur, sondern sogar eine, die das Spezifisch-Jüdische an dem geringen jüdischen Bevölkerungs- Prozentsatz derart abschleiscn muß, daß genau das hcrauükvmmt, was wir tatsächlich vorsinden: Musterchristen (Kirchendeamte) hebräischer Abstammung, jüdische Staatsmänner und Parteiführer, Politiker vom Konservativen bis zum Kommunisten und Anarchisten, je nach persönlicher Einstellung, nach Besitz, Gerechtigkeitsgefühl, Gewohnheiten, Einsichten, Begierden usw.; s.>!,üosophen, die wie. Ahlwardt, Chambcrlain und andere Kant a!s höchste sitistcke Autorität anerkennen und über die Bibel if.^ten; Generale, die Rekruten drillen lassen und dann als Franzosen gegen Deutschland, als Deutsche gegen Frankreich kämpfen; Dichter, Musiker uss., deren Produkte in keinem Atom 0oti denen ihrer „.irischen" Kollegen abweichen, ehe einfältige 'phiasenhcldcir aus Pi.iselsitichen und Akkorden (ober auch Mißlönen) den „jüdischen Einschlag" herausriechen, nachdem sie die Abstammung des Betreffenden erfahren haben. Darin n .m sie auch manchmal, wobei ihre Klügeleien für jedermann als Blödsinn crwiescn sind. Der „große" Ehamberlain führt ja selbst unter den „Beweisen" für die kulturelle Minderwertigkeit der Juden auch den an, mit größtem Rachdruck, weil er ihn für den wichtigsten, entscheidenden hält, daß sie keinen „schöpferischen Geist" hätten, sondern in jedein Fach nur Techn i 1'. e r seien, so Treffliches sie als solche, wie er bekennen muß. auch zu leisten verständen. Man muß hier sagen: Trotz allem Hunur paßt es doch nicht zur annjemitischen Methode, da b'oße Techniker niemals für Artung oder Wesen eines Ding: . san- )ern nur für dessen Handhabung verantwortlich gemacht werden können. Je wahrer diese Behauptung einer bloßen Teclrniker-Befähigung der Juden wäre, um so weniger könnte davon )U Rede sein, daß „die Juden uns verdorben" hätten. Anderor- >eits entspricht es einem unbedingten, jedem Kind in vielen Formen schon bekannten Naturgesetz, daß der erwähnte Abschleisungsprozeh, den manche Juden als ihre n Verderb anfehen, um so gründlicher vor sich gehen muß, je höher das betreffende Wirtevolk sicht, jo daß nach antisemitischer Betrachtungsweise die „Arier" am wenigsten zu befürchten haben, welche Ansicht ja früher auch von Ehamberlain vertreten wurde. Im Ernst: schließlich ist alles Menschenlreiben nur „Technik" und sogar mit dem Retzwcbcn der Spinne zu vergleichen; also sind nach die Arier nur Techniker. Hängt nun das Hochkommen in jedem Berns von der Geschicklichkeit ab, ist es ferner wahr, daß die Juden auf allen wirtschaftlichen und geistigen Gebieten obenauf stehen, so bleibt sür unvoreingenommene Denker nur die Erklärung, unter den Juden müsse ein viel größerer Prozentsatz über dem Massendurchschnili stehen als unter den Richtjuden. Aebrigens: da ist z. B. auch der Beruf der Einbrecher und Diebe, in dem es auf sehr große Geschicklichkeit oder Technik ankommt, ohne das man schon gehört hätte, daß die Juden sich in diesem Metier" mausig machen und etwa sämtliche Gentleman-Posten besetzen wollten! Alles ist „Technik", sogar das, was mit der künftigen völkische,i Rcureligion, dem Wodankult, Zusammenhängen mag. weshalb er nur lange genug zu bestehen braucht, und die völkischen Blätter werden auch von jüdischen Wodan-Priestern berichten können, wobei ich voranssetze, daß nicht heute schon einige Inden mit wodankuliischen Bedarfsartikeln handeln. Aber die „größere Geschicklichkeit", durch die leicht auch unnütze und schädliche Dinge in. ben Konsum kommen, ändert nicht das mindeste an der Tatsache, daß es sich um euren abendländischen bzw. de u t scheu Ko n s u in handelt. Die zu große Selbständigkeit des Handels — sie ist international — bringt automatisch Schäden mit sich, gegen die gelegentliche, nach äußerlichen Formalien verurteilte „Wucher"-Fälle nicht in Betracht kommen, weder die verhältnismäßig wenigen jüdischen, noch die verhältnisn-.üßig vielen „christlichen^ oder deutschheidnischen, Es bleibt noch zu erforschen, worin wir den betrogenen Wilden ähneln, die sich von Europäern wertlose Dinge für wertvolles Gut geben lassen, d. h. weiches der wertlose Tand in der abendländischem Kuilur sei: das unstreitig von deil Juden bezogene ursprüngliche und von den Juden sortgepsicete Kulturgut oder das durch .cheutschvölkische" Vorläufer in den letzten Jahrhunderten cusgerichtete. Mit der Abwägung haben viele Denker bereits begonnen, die Jude!! dürfen von einer g r ii n b I i d> c ii Abwägung nur Günstiges erwarten. Dir „größere Geschicklichkeit" braucht gar nicht den Ausschl.'.g zu gehen beim wirtschaftlichen Empvrkommen verhältnismäßig vieler Juden. h,,w. man muß zur größeren Geschicklichkeit irvv> einige andere Dinge nehmen, die brr der üblichen Wortanwendung sehlen. Wer sieht betrunkene Juden als deutscher Geist tn der Welt wieder der Geist eines Lessing erkannt werde, des Mannes der Toleranz, der in engster Freundschaft verbunden war mit dem ersten liberalen deutschen Juden: Moses Mendelssohn. Auch dieses Moses Mendelssohn werden wir zu gedenken haben, wenn wir setzt zum ersten Mal zur Wahl einer staatlich anerkannten und mit staatlichen Rech.en versehenen, einheitlichen Körperschaft der preußischen Juden zusammentreten. Wenn ca einen Mann gibt, dessen Name dieser Körperschaft vorcmlcuch - n soll, so ist es Moses Mendelssohn, der Mann, der das deutsche Judentum aus dem Schallen herausgehoben und an die Sonne gestellt hat. Wäre er nicht gewesen, so würden wir vielleicht heute nicht vor diesen Wahlen stehen. In seinem Geist werd.".i daher die gewählten Vertreter des preußischen ' -a-.desverbandeo zu wirken haben. In dem Geist, der dein Licht zugewandl isi. in dem Geist warm empfundener jüdischer Religiös, lä. in dem Geist der Fortentwicklung jüdischen religiösen Lebens, in dem Geist der Fortentwicklung und Verschönerung der Forme.! jüdischen Gottesdienstes, in dem Geist der Belebung und Förderung der jüdischen Wissenschaft, in dem Geist der Erfüllung unserer Jugend mit jüdischen Idealen und der Erziehung unserer Kinder zu wahrhaft jüdischen Menschen, die mit Stolz auf ihre jüdische Geschichte zurückschauen und mit Freude sich zum Judentum bekennen. Ein solches liberales Judentum wird auch die Pietät gegen das Vergangene bewahren imö wird auch die Worie „Zijaun" und „Jeruscholajim" nicht ans dem jüdischen Gebetbüchern entfernen, wie es Herr Prof. Loeive in einer Versammlung des neuen jüdischen Gemeindevereins behauptet haben soll. Zijoun und Jeruscholajim bleiben auch sür uns die Stätten der Ehrfurcht und heiligsten Erinnerung, und auch in unseren liberalen Synagogen wird es jubelnd beim Ausheben der Thora verkündet, daß aus Zijoun die Thora gekommen ist und das Wort Gottes aus Jeruscholajim. Zum Schluß noch ein Wort an die Indifferenten und Lauen, diese leider immer noch sehr große Partei. Wollt ihr auch jetzt noch beiseite stehen, wo es gilt, endlich nun eine durch die Verfassung anerkannte jüdische Körperschaft zu schaffen, welche befugt ist, jüdische Rechte rnit Nachdruck und mit Aussicht aus Erfolg zu vertreten? Ist es euch gleichgültig, wie diese Körperschaft zusammengesetzt ist? ob sie religiösen oder nationalen Charakter trägt? ob sie Fortentwicklung oder Stagnation bedeutet? Wer noch einen Funken jüdischen Geistes in sich spürt, kann nicht abseits bei diesen Wahlen stehen. Wer ober eine Fortentwicklung des Judentums will, kann nicht im Zweifel darüber sein, daß seine Stimme den Liberalen gehört. ■lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=IIISB Ul!ü Libmlll verrin sür Sir HMruheiteii f ff, Srr MWn Muß! zu Berlin -----.-—.in Hl Öl 01 m jfi m (0 Ü fij iii i. NO füinögctning | für öie ®a bien Ü Sonntag, den IS. Januar, norm. 11 Uhr, Im Logenhaus, kleiststraße 10. (Ls sprechen: Rabbiner Vr. wepl (Thema: Religiöser Liberalismus), Zräulein Dr. Margarete -erent (Thema: Rechte und pflichten der Frauen im pr. LCßX Rechtsanwalt Heinrich Stern (Thema: Die liberale Liste und Gemeinde-Verwaltung), Dr. -runo well (Thema: Die Politische Äedeutung der Pr. L.-Wahlen). (Lintritisgeld wird nicht erhoben! in | «i jfi m in m ■"l!l=lll=IIIEIII=lll=lll=ll!=lll=IIIH gröhlend durch die Straßen torkeln? Geringere persönliche Ansprüche und unermüdliche Ausdauer sehen den jüdischen Händler in die Lage, die gleiche Ware billiger verkaufen zu können als der anspruchsvollere Konkurrent, und dennoch mehr übrig zu behalten als jener. Dies dürfte die Regel sein, beschränkt sich indessen durchaus nicht ans Juden, denn auch Richtjuden werden auf solche Welse reich: im übrigen sind die größten Kapitalisten in der ganzen Welt überhaupt keine Juden, sie haben auch nicht das erfunden, was der Sozialismus Ausbeuter-System nennt. Und was dessen Grundlage belrifst, den Jndustriealismus in Bernationalismus" folgt, so wird alle Ehre für diese „Schöpfung" von den geschichtsklitternden „Ariern" (stehe Ehamberlain) beansprucht. — In aller Sachlichkeit ist die eingangs aufgeworfene Frage nach diesen Darlegungen, in denen das Tiefste und Wichtigste be-' rührt, wenn auch kaum gestreift ist, so zu beantworten: Es gibt erstens ein g r o ß e s Blenden und Trügen, das mit j e d e r Kultur, von der wir wissen, verbunden und im Grund immer dasselbe war, wenn es auch stets in anderen,Formen auftrat. Es entsprang der übermäßigen menschlichen Eitelkeit und an ihm sind die größten Kulturen gestorben, nicht Rin „reifen" Stadium, hinter dem der Tod als etwas Selbstverständliches zu kommen halte, wie Spengler uns vorphantasiert, sondern in einer wahrhaft unreifen, naturverlassenen Entwicklungs-Phase. Dessen Charakteristikum für das moderne „Abendland" sei nur mit der kurzen Formel angedeutet: Zuviel Phantastik und Metavhysik, zu wenig Sinn fürs Reale (in dem die naturnotwendige Gabe „Idealismus" bereits enthalten ist.) An diesem großen Blenden und Täuschen sind die Juden nicht nur nicht ini geringsten beteiligt gewesen, sondern ihre Weltanschauung hat stets dem „Sterben an Metaphysik", wie man es nennen kann, entgegengearbeitet. Wohin diese Phantasterei führt, zeigt uns heute die künstlich in Marsch gesetzte neue W o d a n - „R e l i g i o n", ein R ücksall b a r - barischster Art. Und es gibt zweitens ein winzig h leinet;, gegen das große völlig bedeutungslose Blenden und'Trügen, von dem einfältige Jünglinge ein Aufheben machen mögen, und daran sind auch die Juden beteiligt. Aber nicht intensiver, als sie am Europäersein beteiligt sind. Und jedenfalls etwas rvenigcr, als ihrem Zahlenverhältnls innerhalb moderner Kultur-„Techmk" entsprechen mühte, hätte die Judenscbaft nicht noch zu zehren au Traditionen, die einst entstanden, als größte Männer von einem einsichtsvollen Volk begriffen wurden, indem sie lehrten, daß ung.eheuerem Sündigen eine ungeheuere Strafe folgen muß.- ^34530

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