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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-12-27 · 46 (27.12.1924) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
46 (27.12.1924)
Date
1924-12-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Chanukah. Von Clementine Krämer. Im Weltkrieg war es geschehen, daß er sich hatte taufen lassen. Sie hatten ihm zugeredet, die Kameraden, da in dem feudalen Preußenregiment. Er wäre ja doch einer der Ihren, was habe er gemein mit den schmutzigen Judenkcrlen Kahn und Cohn und Levi? Und sie zitierten: Vorne Levi, hinten Cohn, in der Mitt' Manasse, sag' mir lieber Itzigsohn, kennst Du diese Rasse? — Und Graf Vculen-Pulwer fügt an: ,,Was der Jude denkt ist. einerlei, in der Rasse liegt die Schweinerei . . ..Na sehn Sie, das wird dann also nicht anders und wenn ich aus der Kirche heimkommen werde, wird mir Veulen dies vorsagen. Die Rasse, die Rasse, die kann man nicht umtaufen lassen, was?" Einer, der ihm am meisten Freund ist, erwidert: Quatsch, Du bist hellblond, hast eine Nase so kerzengerade wie der Zeus von 0tricoli — Veulen beneidet Dich darum, was Veulen? — hast weder Plattfüße noch Kraushaare, — Du, ich meine überhaupt, irgend eine vernünftige Ahnfrau von Dir hat mal mit einem Vollblutarier eine Extratour getanzt, was?" ,,Vielleicht" — macht er pietätlos, ..bin nicht bewandert in der Chronique scandaleuse der Freudenberg-Goldstein. Im übrigen, mir ist das Christentum Hekuha, wie — das Judentum; pipe, schnuppe, wurscht“. „Eben darum" — kommt es dagegen, „das Judentum ist Ihnen keine Religion, nicht wahr? — so wenig wie den meisten von uns das Christentum, aber es ist uns, wie sage ich gleich — es ist uns ..." „Deutschtum gewissermaßen, willst Du sagen", hilft einer nach. „.Jawohl, das raeinte ich, Judentum ist uns dagegen — Orient, Freudenberg, der Orientale! — nöh, is nich! wir haben ne ganze Menge so in der Kompagnie, aber Sie nich. Und dann, ich bitte Sie, Sie wollen Landwirt werden, ein jüdischer Landwirt -— hat einer schon mal einen jüdischen Landwirt gesehen?" Freudenberg könnte gut erwidern, daß seine Almen einst, ehe die Grausamkeit der Umwelt sie bedrängte, ein ackerbautreibendes Volk waren, daß sie die Scholle liebten und an ihr klebten. Das weiß er noch gut aus r,einem Religionsunterricht. Aber wozu dies betonen, da er entschlossen ist, zur Taufe zu gehen? In der Familie seines Gutsherrn, da Freudenberg die Landwirtschaft studiert, lernt er ein junges Mädchen kennen, das zu einer Tanzgesellschaft von dem väterlichen Gut herüber kam. Sie gelallt ihm vor allen anderen. So, gerade so denkt er sich die Gefährtin für sein Leben: blond und überschlank, fast wie ein Knabe und mit grauen Traumaugen. Wie aus einem Märchen steht sie vor ihm. Wie aus seinem Märchen, das er für sich geträumt als halbes Kind schon. Beim Abschiednehmen lädt sie ihnin das Elternhaus ein. Max Beatus Juw«ll«r Berlin C2, Königstraße 1-6 Fernsprecher: Merkur 1018 Säberhandgetrietone Kuitasgegeastände, Sabbatand Chanakahleacbter, Becher, Bsominbflcbsea, logen Dovid sowie Logenabzeichen «Her Arl. Clmnuka feiern sie da drinnen . . . und er sicht Vater und Mutter, die beide tot sind, vor sreh, und sicli selber dabei und sie singen miteinander. Dasselbe Lied . . . Lr steht, unbemerkt, hinter dem schweren Türbehang und sieht sie, die er lieb hat, am Flügel sitzen und dies Lied spielen, und ihr geöffneter Mund sagt, daß sie milsingt, weihevoll hingegeben, Strophe um Strophe in hebräischer Sprache mit Vater und Mutier und dem kleinen Brüderchen. Dieser hat ein schwarzes Judenköpfchen, und dunkelbraune Judenkinderaugen. „Ghetto" ging es ihm sonst durch den Sinn, wenn er solch ein Judenkind sah. Heute rührt ihn dieser kleine Bursche mit dem Mützchen auf dem Kopf nach Väter Sille. Er muß denken: am Ende hat Bmich Spinoza so ausgesehen . . . so findet er den Kleinen in diesem Kreis, vielleicht draußen auf der Straße unter Ghristenkindern . . . Außerdem: sicht er nicht — trotz aller Farbenverschiedenheit und abgesehen von dem sich leise zu krümmen beginnenden Näslein — ein kleinwenig der Schwester ähnlich? . .. Noch immer ist er nicht bemerkt worden. Da läßt er die Falten des Vorhanges aus seiner Hand gleiten und — schleicht davon. Erst langsam aus dem Haus, dann schneller aus dem Garten, dann wie gehetzt über die Wiesen hin. Er hat hier nichts zu suchen in diesem Haus voll Weihe, nichts in dem Herzen dieses jüdischen Mädchens. Die ganze Nacht ist es >r> seinen Träumen bald Weihnacht, bald Chanuka. Es heiße nicht „Kanuka", erklärt er seinem Beichtvater, und nur ein Goj . .. Dann wieder singt der Vater .das Lied, das er mitsummt: Moos zur jeschussi — eine feste Burg ist unser Gott . . . Dann ist es das junge Mädchen, das die Weise des Wcihnachtsliedes leise und rührend vorspielt; da will er sie in die Arme nehmen, sie aber wendet sich ab. Dann wieder steht sein alter Großvater mit don Silberhaaren. da, und mit entsetzensvollen Augen spricht er: „Getauft? — nicht gedacht soll seiner . . ." Da erwacht er und weint. Wie er nach wenigen Tagen um die I eestunde dorthinkommt, findet er das Haus belichtet, wie zu einem Fest in die Nacht hinaus hellen, und Gesang tönt darin. Sonderbar — kennt er nicht diese Weise? ja wahrhaftig —was soll denn das bedeuten, träumt er? — sie singen — es ist im Dezember — s-ie singen —. Ein Hausmädchen kommt ihm entgegen: „Nämlich die Israeliten", sagt sic ihm, „die feiern ein wenig früher ihre Weihnachten". Und wie er das Mädchen groß anblickt, fährt sie fort: „Jawohl, die Gutsherrschaft wäre .israelitisch', aber es habe nichts zu sagen; im Gegenteil, sie feierten auf diese Weise zweimal, und das gnädige Fräulein . . Sie Jüdin, diese zarte, feine, blonde Blüte! ... Das Mädchen schwatzt fort: „Kanuka" — heiße das Weihnachtsfest bei den Israeliten, und einmal vor ein paar Jahren, wie das „Kanukalied" zu Ende gesungen war, und sie alle, Knechte und Mägde, herumstanden und horchten, da sei der Christian, der Kutscher, hervorgetreten und habe gewollt, sie sollten nun gleich auch noch, weil es doch schon so feierlich wäre, das Weihaachlshed anstimmcn, aber der Herr hätte gemeint, man möge sich das dann doch lieber aufsparen bis zu Heiligabend . . . „Chanukah" — macht er, in seinen Gedanken das Mädchen verbessernd, es gibt Worte, die kann kein Christ aussprechen, „Kanuka" . . . MWW-iNl'ttcki»»'.!! Baumkuchen Torten * Feingebäck mit garantiert reiner Naturimtter für alle Festlichkeiten liefert frei Haus Konditorei Paul Köhler Gegründet 1*27 Berlin NW 6, Albrechtstr. 19 Telephon: Norden 60ZI Das Chanukahlidhtlein. Von Hanna Schwarz. Niehl eigentlich Tagcbuchhlätler konnte man die Aufzeichnungen des David Majiin Wuslerle nennen. Damals kannte man #ie wohl noch nicht, die zusammenhängenden Memoirenbücher, wie sie jetzt bei uns jeder Dritte, seil dem Kriege, jeder Zweite verwahrt. Es waren vergilbte kleine Blättchen, in einer Mappe sorgfältig gesammelt die ich in seinen Vermachet» ts®eu fand. Ich blätterte darin - und siehe! ein Schuldbuch war es, wohl das zweite Gewissen eines angehenden Jünglings, das da vor mir seine Seiten öffnete — ein Vermächtnis — wo halte ich sonst gewagt — sie mir lesend anzuefgnen! ,,Heule, den 3. Siwan, habe ich meine Arbeit nicht mit der gehörigen Sorgfalt getan," hieß es da einmal und gleich darunter einige Worte.aus den ..Sprüchen der Väter"; Wisse unter wessen Angesicht Du arbeitest, und wer Dein Werkmeister ist. der Duden Lolvn Deines Fleißes aoszahll." Ich las weiter und immer waren es SeJbslanklagen aus bekümmertem Herzen; aber hier hier fand ich eine Stelle - Herzblut schien sie geboren, obgleich die Sünde mir nicht größer schien, denn die anderen. 20. Macheschwan. Heule habe ich meinem kleinen Bruder ein Chanukalichtkin gestohlen! - Jede weitere Ergänzung fehlte. Aber die folgenden Blätter gaben das Weite: e. Ich gebe sie, ohne Datum, wie ich sie fand: ..Ich bin nun ein Sünder und».doch — oh Gott ich kann meine Sünde noch nicht bereuen . es tut mir leid, daß daß ich sie tun mußte. Ls ka-fn so: Letztes Jahr hallen wir Geld genug, um für zwei Brüder Licliflem zu kaufen! Wie schön sahen sie aus - als die Fensterlein alle erleuchtet standen! Vater ist so lange tot, man schenkte Mutter einen Kasten Kerzlein für uns Beide. Dieses Jahr wer weiß. Neulich fragte ich Mutter und sic sagte mir: „Das war ein Zufall, ein günstiger Zufall, der nicht wieder zu kommen braucht in diesem Jahre." Und ich forschte: „So dürfen wir garniclvls anstecken dieses Jahr — kein einziges Licbtlein?" Mein kleiner Bruder Leo, der noch arglos und veeferanend ist, kam herbeigesprungen: „Majim - - ich ich habe noch ein Lieh-Uein vom letzten Jahre - es war eines za viel in meinem Kästchen, siehst Du, das habe ich mir aufgehoben." Und Mutter kniff ihn in die Wange und sagte leist; „Da« war recht, mein Kleiner, da darfst Du Dein Lichtlein in diesem Jahre anstecken," Und ich war so unglücklich ich, ich der Aeltcre soMlc nicht das Gleiche haben, wie mein Bruder? Ja . nicht das erstemal beschlich mich der Neid gegen den Kleinen, er war so lief empfindend - daß man gerührt wurde, ohne daß er es wollte, wenn man ihm zuhörte oft. fch hatte, glaribe ich, nie das, mein Verstand ist - spitzfindig, auskKigelnd, da fehlt mir die natürliche Reinheit des Denkens. Um die Anerkennung, diese kleine schlichte Anerkennung der Leute neidete ich meinen Bruder immer ein wenig. Und jetzt — das Licht? Es wuchs in meiner Phantasie - dies kleine zarte FlänuncHen, es wurde eine Fackel ein Lichfmcer ein W«ltbrand der Berühmtheit schuf und ich. ich mußte da« Lieht lein haben! — Nun habe ich es genommen! -Es lag ja so still in der untersten Kommode Schublade, an der der Schlüssel steckte —- ich hatte es mit einem einzigen — armseligen Griffe! Und doch — wieviele Tage vorher saß ich hier — vor der Schublade wenn Mutter draußen in der Küche war - und starrte dabin -- und der Neid fraß an meinem Herzen . . . Und dann -- jetzt habe ich es . — „Er hat e« noch nicht gemerkt, er ist ja so vertrauend — so arglos — ut\d manchmal umhalst er mich am Abend, wenn wir im Dunkeln sitzen und flüstert: „Wir werden e i n Chanukahlicbdeen haben --- und ich — ich will es anzünden," Dann bet« ich stÄL , Sei mir gnädig Herr, nach Deiner Huld ■ v und tilge meine Missetat nach Deiner großen Barmherzigkeit — Davids Bußpsalm — er ward der meine. — Jetzt hat er es gemerkt — es ist noch acht Tage bis Chanukah — und Ith fand ihn weinend — am Abend, als ich mich neben ihn zu Bett legen wollte: „Mein Kerzlein ist fort, Majim — irgend Jemand hat es mir genommen." Ich lachte kurz, höhnisch — ich sagte ihm — ich wollte noch einmal nachsehen am nächsten Tage — es wäre da — sicher! In dieser Nacht schlief er nicht — er weinte — er phantasierte von seinem einzigen Lichtlein — er bat den Dieb es ihm doch wiederzugeben - er sprach so laut, daß Mutter davon erwachte. Aber auch sie sagte ihm, man wolle am nächsten Tage suchen, Ich schlief auch nicht. Ich überlegte. Ich konnte es ihm ja wiedergeben — \ficder an Ort und Stelle legen. — Aber ist er nicht immer der Egoist, der alles, alles haben will — und :ch soll nichts — ich mit dein scharfen Verstände? — Nein — oh! wie schlecht ich bin! Ich sagte mir: ..Wenn ich es ihm ausrede?" Oh, die Schlange in meinem Busen regte sich, sie die Paradiesschlange, die noch unvcrlrieben in uns nistet! Wehe, wenn wir ihr Gehör geben — sie über uns herrschen lassen! „Wenn ich ihm das gleichsam als einen tollen Wahn suggerierte" sagte ich mir .,er habe cs nur geträumt von dein vorhandenen Lichtlein — er habe cs im Dämmerzustände des Verlangens liegen sehen in der Kommode, er hätte keines mehr gehabt?" — Oh, wie schlecht ich hin, Geschichten fielen mir ein von Dieben, die ihre Opfer ruhig dem Irrenhause überführen ließen, um armselige Sieger zu heißen, über deren Gut! Und ich wollte meinen Bruder däh'n. bringen ich Majin ich Brudermörder! f Am Tage El man ruhiger die Sünde ist nicht mehr so schwarz, als m der Nacht man beruhigt sich! Wir suchten — - ich. zum Scheine — cs fand sich kein Licht'cin mehr! Mein j Bruder ist ein. gebrochener Mann - ein kleiner gebrochener Mann hin. das frohe kleine bischen Bewußtsein eines stillen Besitzes er ißt wenig, schläft nicht und ist so reizbar! Ich, ich allein weiß, woher das kommt, aber ich hetze die Mutter gegen ihn und ImsLcrc: „Wenn ich je hätte so um eines Licht- Eins Wilien, cmes Gespenstes halber hätte sein wollen! —Aber Montag abend ist Chanukah. da zünde ich mir im Tore von Nachbars Haus das Lichtlein au — und freue mich an seinem Glanze und wenn man cs auch eigentlich nicht darf - ich stecke es jeden Abend an und blase es auch acht mal, daß ich acht i Lichter habe! j Chanukah! Oh ich habe es nicht gekonnt! Ich habe meine Sünde los mein Gott Du hast mich von Schuld befreit — ich danke Dir. Als cs Abend ward und Leo gar sehr weinte — da legte ich ganz ganz Eise das Lichtlein in seine Hand — das J einzige Gut, das er hatte, ich gab cs ihm zurück! Er verstand j nicht gleich — er sah mich mit den rohgeweinten Augen an ■ schluckte ein paarmal - ..Bruder . Bruder - - ein Lichtlein woher hast Du cs?" Und ich erzählte ihm alles ■— ich weinte I auch — „aber Mutter wollen wir es nicht erzählen." sagte der I Ldle. Und ich lag vor ihm auf den Knien und küßte seine kleinen [Hände. i Da trat Mutter ein strahlend — glücklich breitete sie vor j uns eine ganze Schachtel Lichter aus. Und ihre warme Mutterliebe, die des Kindes Gram nicht sehen kann, küßte den } Kleinen und flehte mich an: „Ich habe sic doch geschenkt be- | kommen und nicht wahr, es sind nur für einen Lichter - wir I lassen sie diesmal Leo anzünden, wenn er auch der Jüngere ist? Ich weinte vorhreude: Qott halte alles Leid gewannt und mich noch einmal gestraft — Licht auf Liebt brannte am Abend — von seiner Hand entzündet, der jetzt so froh ist. wie ein König ~~ i und jene Lichter leuchten weil hinaus und erzählen von seinem | treuen lieben Herzen, das noch nie verraten — der Menschheit! i Aber als ich das arme kleine 1 ichllcm, meine Beule anzündete, mein Bruder da leuchete es heller; ja die zurückeroberte wollte es. als Mutter ausgegangen war - E alle übrigen, so schien es ims — es war Br ade •die bei Kalendarium für die Zeit vom 27.12. di- 3. l. 25 Dezember 1924 Kisleiv 5685 2o»»ülx'iid 27. du. 'Food)mt MidmHt: MHlc,', . 2 nt) bol Ebonit Ei!) l>. 2 nfi 1. Tilg dloid) d)oiU'id) tl. 'U. :W stiipitef 11 11,17) Iciu't 5685 2 Oll 11 UV! -N. 1. Uhau.utof) 7. iE, 2. Ta dioidi duEc’rb tWoittmt 2J. i 2. ., H. * Ti Cito tili! :',u d. :W ittiuocl);M. Jainlin 1 «•>:» I. T OlMU'VvtO;! 1. 7*. (vrciiiit! 2. , b. •2omuU>ciii) d. 7. güodH'ii ';*[ tndjn i 11: '-E; n j i; fE > d) (1. B. )IH. Hop Hel LU.s-!s.j7| 1 •vmitavob: UücdJcf -17,1-7 2s J IMMUN Feinsle "7 Cocosnussbutter : JVfflVR Die erste 1L0D K Mandelmilch- K | Pf langen buffer- Marg a rine. Pfund 90 Pfg.

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