Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 45 (19.12.1924)
- Date
- 1924-12-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2613741-2613786--1112-2618444- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
« 4, Jahrgang Nummer 45 FMrhGeraleZeikiilg Der jüdische Sprechsaal» Die jüdischen Speisegesetze• Eine bescheidene A n frag e. In der „Jüdisch-liberalen Zeitung" erschien vor.einiger Zeit aus der Jeder des Herrn Rabbiner Dr. Fuchs-Chemnttz in Dialogfarm ein Artikel über die jüdischen Speisegesetze, flott und geistreich — vielleicht zu geistreich — geschrieben, aber nt, Edennoch uns Liberale wenig befriedigend» weil mehr verwirrend, als belehrend und überzeugend. Das scheint der Herr Verfasser selbst gefühlt zu haben, da er schließlich bekennt, daß er sowohl liberal wie orthodox ist, was sehr stark nn die Politik der Deutschen Volkspartet erinnert: „ich kann so, ich kann aber auch anders", oder an das Wort des Propheten Elias, vom Hüpfen auf beiden Zweigen. Der Artikel rief Herrn Josef Kanfsmaitn aitf den Plan, der im Sprechfaul der Zeitung die Ansicht des Dr. Juchs zu widerlegen mttcrnimmt. Herr Kauffmann ist meines Wissens Laie, und so sehr er auch feilte von Dr. Erichs abweichende Meinung durch Zitate aus der Bibel zu stützen versucht, so kann er als Laie, der mit dem gelehrten Apparat eines Fachmannes nicht ausgerüstet ist, doch nicht verlangen, daß seine Ausführungen genügend eindrucksfähig und überzcugnngskräftig feien. Ich hatte daher erwartet, daß liberale Rabbiner, diese unsere gelehrten und mit Autorität versehenen Führer, deren es ja über 00 in Deutschland geben soll, sich zn Worte melden werden, um uns über das unzweifelhaft wichtige und aktuelle Problem der Speisegesetze aufzuklären. Aber ich warte bis heute noch vergebens darauf, und mit mir gewiß viele Leser der „Jüdisch-liberalen Zeitung". Und weshalb schweigen die Herren, die ja sonst so gut und schön zu reden verstehen'? Bielleicht darum, weil sie meinen, daß das Problem praktisch bereits gelöst ist. Tenn tatsächlich setzen sich erfahrungsgemäß wohl die meisten deutschen Inden über die Speisegesctze hinweg. Und wenn auch der Haushalt mehr oder weniger rituell geführt wird, draußen, auf Reisen oder in Vergnügitngslokalen, nimmt man es nicht so genau damit. Wozu also die Genehmigung der Rabbiner, die man nicht nötig hat, oder das Verbot der Rabbiner, nach welchem man sich picht kehrt? Dieser Entwand scheint mir aber, uns liberal-religiösen Juden gegenüber, nicht stichhaltig zu sein. Allerdings gibt es Inden genug, die sich über die religiösen Volschristen hinwegsetzen, weil' sie überhaupt nach der Religion nicht viel fragen, weil es ihnen überhaupt gleichgültig ist. was die Religion gebietet oder verbietet. Cs sind die Irreligiösen, die Indifferenten. Wir liberal-religiösen Inden denken aber anders. Wir nehmen cs ernst mit der Religion, uns ist sie eine teure und heilige Angelegenheit, wir wollen treu zur Fahne des Judentums halten. Wir tragen uns aber auch zugleich: was gehört zum Wesen des Judentums, welches sind seine ewig gültigen Lehren, ohne die wir uns das» Judentum nicht denken, das Judentum nicht leben können, ohne die wir uns religiöse Inden nicht nennen dürfen? Darin unterscheiden wir uns ja non vielen Zionisten. Diese meinen, man ist Jude und bleibt Jude, »ucitu und weil mau jüdischer Geburt ist.^Mag man sich zur Religion des Judentums stellen wie wart will. Wir hingegen meinen, daß die Religion und nicht bloß die Abkunft den Wesensinhalt und die Existenzbercchtignng des Judentums bildet. Ich habe daher die von Rabbinern ausgehende Bewegung der „Bereinigung für das liberale Judentum" mit Freude begrüßt, die uus zeigen soll, wie man nach dem Wort des unvergeßlichen Moritz Lazarus als Jude trcit und zugleich frei sein kann. Nun haben zwar die liberalen Rabbiner gleich zu Beginn der Bewegung die bekannten „Richtlinien" ausgestellt. Diese sind aber, wie es irr der Natur von Richtlinien liegt, so allgemein, dehnbar und verschiedenen Auslegungen zugänglich gehalten, daß der Laie nichts Rechtes mit ihnen a» zwangen weiß. Dem Laien ist es vielmehr darum zu tun. Anweisungen und Belehrungen darüber zu erhalten, wie er sich als religiöser Jude in einzelnen konkreten Fällen, also hier in bezug auf die Speisegesetze, cinzustellen hat. Ihm zu sagen, daß cs ganz seinem Gutdünken, seiner Willkür überlassen bleibt, ob er die Speisegesetze nnd viele andere überkommene Sitten und Brättche als zum Wesen des Judentums gehörend und darum als verbindlich betrachtet oder nicht, kann ihn in seinem Gewissen nicht beruhigen und müßte ihn dazu führen, die Rabbiner als Lehrer und Ausleger der Religion für überflüssig zu halten. Warum schweigen also die Herren Rabbiner, wenn es sich um die gewiß wichtige Angelegenheit der Spciseqesctze handelt? In dieser Frage soll kein Vorwurf gegen die Rabbiner liegen. Ich bin 'weit davon entfernt, sie des zweideutigen oder furchtsamen Verhaltens auzuklagen. Als Tochter eines Rabbiners und vermöge meiner Bekanntschaft und Freundschaft mit hervorragenden liberalen Rabbinern in meiner süddeutschen Heimat, bringe ich dem Rabbinerstande die gebührende Achtung nnd Ehrfurcht entgegen. Ich weiß aber auch, iu welcher üblen Lage die Rabbiner in Ansehung der Speisegesetze sich befinden. Ich kann cs mir erklären, daß die deutschen Rabbiner, mögen sie darüber wie immer denken, welche wissenschaftliche Ucberzenguug immer sich gebildet haben, cs nicht für ratsam halten, sich offen darüber Ktt äußern. Tenn bei den meistett deutschen Juden herrscht die Meinung vor, daß die Beobachtung der Speisegesctze, ob sie selbst sie befolgen oder nicht, zn den unbedingten .Kennzeichen der jüdischen Frömmigkeit gehört. Was seit Jahrtausenden für religiös verbindlich, für einen wesentlichen Bestandteil der Religion gehalten wurde, das läßt sich nicht so schnell und leicht ans der Religion ausschalten. Es bedarf längerer Zeit, ehe seine Verbindlichkeit, ohne den Bruch mit der Religion zu bedeuten, ans dem Bewußtsein der jüdischen Gesamtheit schwindet. Anderen religiösen Vorschriften ist es so ergangen. Ich erinnere mich noch ans den Tagen meiner Kindheit — long, long ago —. daß die Frommen am Sabbat, und wenn cs noch so stark regnete, sich keines Regenschirmes bedienten, weil es hieß, daß Las Ausspanne» eines Regenschirmes mit dem Ausspannen eines Zeltes zu vergleichen sei, und ein Zelt darf man am Sabbat nicht errichten. Ich erinnere mich, daß die frommen, und wenn sie noch so starken Schnupfen hatten, am Sabbat kein Taschentuch trugen, weil man am Sabbat nichts, aber auch gar nichts, über die Straße tragen dürfe, wobei sie allerdings der religiösen Vorschrift das Schnippchen schlugen, daß sie das Taschentuch, als gehörte es zur notwendigen Bekleidung, wie einen Gürtel um den Leib bandcu. Ja. ich erinnere mich, daß cs Fromme gab, die am Sabbat sich zu frisieren nnd ztt kämmen unterließen, weil dadurch die Gefahr des Ausrcitzens einiger Kopfhaare entstehen könnte, was natürlich eine Sünde wäre. Wer unter den deutschen Inden weiß aber noch von diesen religiösen Vorschriften? Sic sind ans dem Bewußtsein geschwunden und werden harmlos, ohne Gewissensbisse, selbst von religiösen Juden übertreten,. Die Speisegesetze hingegen haben ein zäheres Leben, namentlich bei den Frauen, deren Judentum sich fast mit der Küchenreligion erschöpft. Wir haben eben zwei voneinaitder scharf sich unterscheidende Skaten von Judentum: ein offizielles nnd ein privates. Da^s offizielle ist orthodox, das private liberal, nicht selten sogcrr radikal. Das offizielle Judentum wird in der Gemeindeverwaltung vertreten. Gemeinden, deren Mitglieder, wie hier im rheinischen Westen, zum größten Teil liberal gesinnt sind, werden trotzdem nach orthodoxen Grundsätzen verwaltet. Vorsteher, die in ihrer privaten Lebensweise nicht die geringste Rücksicht auf Talmud und Schulchanaruch nehmen, entpuppen sich plötzlich als streng konservative Inden, wenn sie amtlich fungieren, und Repräsentanten, die draußen um die Rcligionsgesetze blutwenig sich kümmern, treten in der Gemeindeslnbc mit dom Brustton der Ueberzengung für die Sache der Orthodoxie ein. Man dürfe, sagen sie. um des Friedens willen die paar konservativen Mitglieder, die in der Gemeinde sich befinden mögen, nicht vor den Kopfstoßen. Also, die übergroße Mehrzahl der Liberalen und ihre religiösen Bedürfnisse und?lnschaumtgen fallen nicht ins Gewicht, die wenigen Orthodoxen dagegen können alles durchsetzen. Ist es da zu verwundern. wenn selbst in liberalen Gemeinden die Gemeirrdeverwaltuug von den liberalen Rabbinern orthodoxe Lebensweise verlangt: wenn der liberale Rabbiner, der sich dom Macht sprach der Gcmemdcpaschas nicht unterwirft. Gefahr läuft, sich den größten Unannehmlichkeiten ansznsetzen? Dänin, um diesen Konflikt zu vermeiden, liegt vielleicht auch der Grund, daß liberale Gemeinden unbedenklich avch konservativ gesinnte Rabbiner anstellen, wogegen es keiner konservativen Gemeinde entfällt, einen liberalen Rabbiner zum religiösen Führer ztt erwählen. Ist es da zu verwundern, daß die liberalen Rabbiner, die nicht Märtyrer werden wollen, sich über die heikle Frage der Bevbachtnna der Speisegesetze vorsichtig ausschweigcn. Ich habe das bei meinem Vater, dessen Andenken ich hoch in Ehren halte, selbst erlebt. Mein Vater, Rabbiner Tr. David Rothschild, der ein tiudlich-frvmmcs Gemüt ltnö in der jüdischen 'Gelehrten welk einen Namen hatte, vertraute mir an, daß er viele Speifcgesctze für übertrieben streng und nnbegründet halte, daß er jedoch mit diesem seinem Urteil nicht öffentlich herinvrtrcten wolle, weil er damit nichts erreichen trnd bessern, ftutöcnt in orthodoxen und ebenso liberalen Kreisen nur Aergsrnis erregen würde. Jnr Zusammenhang damit erzählte mir mein Vater, daß cs einen Rabbiner Dr. Wiener in -Oppeln gebe, der als LOjähriger Greis cs gewagt habe, in einem sehr gelehrten Bttche die jüdischen Speisegesetze einer scharscn, vernichtenden Kritik zn unterziehen. den Nachweis zn führen, daß der Talmud mittels falscher Auslegungen die biblischen Speiseverboie ins Ungeheuerliche verdreht und «erweitert hat. Das tvar vor schier 00 Jahren. Das Buch des: Rabbiners Tr. Wiener wurde von gewisser, leicht zn erratender Seite als besonders gefährlich angesehen und soll, damit es kein weiteres Unheil stifte, kurz nach seinem Erscheinen in seiner ganzen Auslage attfgckaust nnd dem allgemeinen Gebrauch entzogen worden sein. Das Buch scheint in der Tat verschollen zn sein. Sonst wäre, tueun er es gekannt hätte, Herr Tr. Fuchs in seinem im frischen F-cuilletonsM geschriebenen Aufsatz über die Speisegesctze wohl zu einem _ anderen Schluß gekommen. Auch weiß ich nicht, ob ein gefeierter Rabbiner der Gegenwart, dessen kluge und liebenswürdige Gattin die Enkelin des Dr. Wiener ist, an das Buch ihres Großvaters gern erinnert werden möchte. Wie ist es nun jetzt? Was kann die „Liberale Vereinigung" itttt, um diesen unwürdigen Zuständen in den jüdischen Gemeinden ein Ende zu bereiten? Was kann sie tun, um den liberalen Rabbinern so weit das Rückgrat zn stärken, daß sie, ohne Furcht vor den Machthabern der Gemeinde, offen und ehrlich ihrer Ueberzengung Ausdruck geben? Und ich frage Sic. sehr verehrte Herren liberale Rabbiner, können nnd wollen Sie offen trnd ehrlich sagen, was von den jüdischen Speise-gesetzen zn halten ist? Können wir von Ihnen, denen wir liberal-religiöse Inden als unseren Führern nnd Wegweisern uns anvertrauen, darüber Wahrheit und Klarheit erwarten? Frau Mathilde W e r t h e i:n - Aachen. Vor dem Untergang? i. Sie veröffentlichen in Nr. 42 Ihrer gesch. Zeitung einen Artikel mit der Ueberschrist „Vor dem Untergang", der sich mit den Zuständen in der Dresdner Gemeinde beschäftigt. Da dieser Artikel hier viel besprochen worden ist, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie noch folgenden ergänzenden Ausführungen Raum geben wollten. Seit nahezu zwei Jahren, seit das neue Wahlgesetz in Dresden znr Anwendung gebracht worden ist, beunruhigt L. Beilage 18. Dezember 1924 es die liberalen Juden, die am Gem«tndeleben Anteil nehmen, daß sich die Verhältnisse in Dresden in einer Weise entwickelt haben, die schwere Gefahren in sich birgt. Leider war dieser Kreis bisher nicht groß, und es bedurfte erst jener Propagandaversammlung für eine jüdische Schule, um einer größeren Anzahl liberaler Inden die Augen zn öffnen. Herrn Altmann. der mir übrigens nicht bekannt ist, danken wir cs, daß eine weitere Oeffentlichkeit ans die Mitzständo hingewiesen worden ist. Ich will mich nicht mit den Einzelheiten beschäftigen, die er in seinem Artikel gegeiselt hat. Bezeichnend ist aber, daß die „Reform der Thoravorlesnng" d-er Gemeindovertretung in ihrer Gesamtheit nicht vorgelegt worden ist, -daß sogar die maßgebendsten Herren hiervon erst durch Ihre Veröffentlichung erfahren haben. Man sucht und findet Gelegenheit, Einfluß zu gewinnen, und wenn Altmanns Ausführungen die Geister aufgerüttelt haben, so will ich ihm gern die Dürftigkeit seines Materials Nachsehen, sogar auch, daß er gewisse Einrichtungen von segensreichem Erfolge der letzten Jahre nicht erwähnt hat. Es läßt sich das. was uns bedrückt, eigentlich gar nicht in Worte kleiden, man kann es höchstens in dem Satze znsammenfassen: die Alteingesessenen fühlen sich in ihrem Gotteshause nicht mehr wohl, nachdem man den Gottesdienst, der ihnen seit ihrer Kindheit vertraut ist. «bändert. Der Einfluß der Orthodoxen und Zionisten, der sich auf diese Weise dokumentiert, ist bei der Jntereffelosigkeit eines großen Teils unserer Kreise eine schwere Gefahr. Religion ist Gefühl, wenn das Gefühl nicht befriedigt wird, tritt Entfremdung ein! Niemand wird behaupten wollen, daß die Orthodoxen Befriedigung durch einen Gottesdienst finden, der den Liberalen irgendwelche Konzessionen macht. Da sie ihren Gottesdienst ohnehin für sich veranstalten, liegt ein anderen Sinn in ihren Bestrebungen. In jener Versammlung, die den Anstoß zu dem Altmannschen Artikel gab, hat sich gezeigt, daß die Wortführer der Ostjuden mit Verachtung auf die deutschen Juden herabsehen. Sie fühlen sich berufen, aus uns — Juden zn machen. Die beiden Redner der Ostjuden erklärten zunächst, daß sie nur hebräisch oder jiddisch sprechen könnten und muteten uns Dresdnern ztt, eine ganze Stunde in jiddischer Sprache ihre Ausführungen anznhören. Es goß sich eine solche Flui von Verunglimpfungen über die ortseingesessenen Inden, die ich teilweise nur an ihren Gesten erriet, daß der Vorsitzende, ein streng orthodoxer Herr, die Redner wiederholt zur Mäßigung ermahnen mußte. Es soll bei dieser Gelegenheit einmal klar nnd deutlich gesagt werden, daß die Ost-? jnden ihre Mentalität haben und wir die unsere, nnd daß beide sich sehr stark unterscheiden, daß wir aber verlangen müssen, daß Leute fremder Mentalität die unsere achten und uns die ihre nicht aufdrängen wollen! Gegen diese Uebcrgrisfe müsien wir uns wehren, zumal die deutschen Orthodoxen und Zionisten der Uebcrheblichkeit gewisser ostjüdischer Kreise keinen genügenden Widerstand entgegensetzen, denn es ist ihnen sicherlich schmerzlicher, als Assimilanten angesprochen zu werden, als uns. Dieser Ausdruck kehrte bei beiden Rednern immer wieder, und es gehörte außer dem Interesse an der Sache ein großes Teil Mitleid mit den aus der Heimat vertriebenen Glaubensgenossen dazu, die zelotischen Ausführungen bis zum Schluß auznhoren. ' *""f ■**«•'* Aber trotz unseres Mitleids müssen wir in unseren Anschauungen festbleiben, sonst wird unser deutsches Juderp».^ tum seelisch und geistig heimatlos! Die Synthese DeutsWhD, tum und Judentum gibt uns das Rückgrat, macht uns froh ttt unserem Glauben mtd selbstbewußt und stolz gegen die Feinde des Judentums! So müssen wir auch die jüdische Schule für Dresden ablehnen, man würde mit ihr ein geistiges Ghetto errichten. Dieses Ghetto wäre eine Schmach für uns. denn es wäre, im Gegensatz zu dem des Mittelalters, ein selbst errichtetes! Wird dem Begehren dieser Kreise kein energischer Widerstand entgegengesetzt, dann kommt die Zeit, wo wir in der von unseren Vorfahren geschaffenen Gemeinde uns vollkommen fremd fühlen. Die Folgen für das deutsche Judentum wären dann katastrophal. Nur als Symptom nehme ich die Diskussion über die jüdische Schule in Dresden, aber als ein Menetekel. Ihr liberalen Inden. Ihr Freunde, die Ihr oft oder selten den Gottesdienst besucht, Ihr wißt nun, was Euch be-vorsteht, wenn Ihr nicht die Angen offen haltet, wenn Ihr nicht mehr als bisher Interesse an unserem Gemeinöclcben zeigt! Schließt Euch zusammen, wie sich die anderen jüdischen Richtungen zusammengeschlossen haben! „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb eS, um es zu besitzen." Dresöe n, 9. Dezember 1924. Rudolf Apß II. Herr Berthold Altmann, ein Herr, von dessen Vetätl-- gungsdrang im jüdischen Leben der Dresdner Gemeinde bisi lang noch in keiner Gruppe und in keinem Verein —- ganz gleich welcher jüdischen Richtung — in Dresden etwas zu entdecken mar, glaubt angesichts der Verhältnisse im jüdische» Gemeindclebcn in Dresden seine warnende Stimme an die gesamte jüdische Oeffentlichkeit richten zn müssen. So begrüßenswert das Unterfangen auch ist. alle Kreise, die arn Leben itnd Gedeihen unserer jüdischen Gemeinden ein Interesse haben, auch auf die Zustände in Dresden aufmerksam zn machen, so wichtig ist cs auch, einen derartigen Bericht — unabhängig von der innerjüdischen Stellungnahme des Berichterstatters. dem keiner das Recht streitig macht, einen derartigen Bericht subjektiv gefärbt zu verfassen, — so aüznfassen, daß er die tatsächlichen Verhältnisse objektiv richtig wieder,gil t, um dann an diesen Zuständen eventuell Kritik m üben. Herr Altmann hat dieses Grunderfordernis jeder Kritik nicht beachtet und dadurch eine Gegenäußerunq herausgefordert. deren Zweck cs sein soll, der jüdischen Oesfent« lichkeit zu zeigen, was in Dresden ist und wohin die Absichten der Kreise, die sich nicht des Wohlwollens des Herrn Alt-