Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 44 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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BOCHERSCHAU. »«WtWMWWWmWWWWWOMMMWMtMIMMWMMHOMMtMIIWMWi Ludwig Binder: Hugo, Tragödie eines Knabea. ftikolarerlcg, Wien, Leipzig, München, 1924, Wäre dte starke Talentprobe der „Jüdische* Orgel" eia Vereinzelter AasIIug des zweifellos sprachbegabten und ge« ..laltun^ kräfti4<:n "Verfassers ins Gebiet einer krankhaft veriirien Sex'-iaÜtät geblieben, so erschiene mir die Prognose für ‘;, iue sclvipferisclic Zukunft nicht so trostlos, wie sie es nach der st Lies neuesten Erzeugnisses sein muß. Wie eine giftige Blase uus dem Sumpf einer faulig-verkommenen Welt v/iri l d.es neue Buch Winders, das trotz der wiederum tiefschürfenden Psychologie und großen Wortkunst, nicht den Titel t-ües Dichtwerks verdient, sondern weit eher als das irre und .i/rmacheudo Bekenntnis eines sexuellen Psychopathen erscheint. 'd.' Sein und handeln ist unter dem verzerrenden Spiegel d s Gcjculccltldchen £es?hen. Dabei ist nichts Erhebendes,!;li .endes, Vu: wärls weisendes, kein Wille wir Umformung verrotteter gesellschaftlicher Zustände in dieser krassen schonungslosen Enthüllung einer kranken Knabenaeete, in dieser Beschreibung sexueller Brunst und Unzulänglichkeit. Wiederum ist der Helld-Unhcld der Erzählung Jude, so daß die Vermutung nahcgolcgt wird, als solle jüdisches Sein wesenhaft geschildert werden. Und gerade darum zwingt uns, die wir um den Reichtum und dis Reinheit der gesunden jüdischen Seele wiesen, das Buch zum entschiedensten Protest. Nichts kann uns gefährlicher sein ails die Schilderung derartiger Ausnahmefälle, die zwangsläufig aul Seiten unserer Gegner zu falschen Verallgemeinerungen führen. Von der Lehensmacht des Religiösen, ist nirgends ein Hauch zu spüren. Pubertätsqualen eines übererregten Knaben ziehen kt Visionen stellenweise fast traumhafter und schwach mir gestalteter Art an uns vorüber. Ist das Erlebnis des homosexuellen Turnlehrers Pravda noch novellistisch zugespitzt und spannend, erscheint die nächste Stufe, da« großstädtische Logishaus der Frau König nur als ein trostlos einförmige* Geachildere von Schmutz und Widerlichkeit, Laster und Schwäche, ohne Steigerung. ohne Differenzierung und ohne packende Handlung, find endlich das mysteriöse Haue des reichen Armenfreundes Szell, m dem geheimnisvolle Nachtgaschehnias« geistern, Umarmungen angedcutei, Unzüchte geahnt und Ext äsen verhüllt werden. Keine Gestaltung mehr, ein verschwimmen im wesenlosen eines vagen Gefühls, Nichts Gesundes und Gerades, kein warmes, seedencrfüHtes Wort ist in dem ganzen Buch, auch nicht ein WcdeJclndscher Moralprotesf, mur Schwäche und realistische Seeieaizerfleiachung. Ein Buch das vor allem keinem Heranwachsenden in die Hand gegeben werden soll, ein Buch zu dem nur mit aller Entschiedenheit Nein gesagt werden kann, und das nur um der Warnung willen hier Besprechung finden möge. j Dr. Erwin Seligmann- Frankfurt a. AL Alexander. Spinoza und Horten, Philosophie des Islam. Der Verlag Emst Reinhardt in München bringt eine verdienstliche Bücherfolge „Geschichte der Philosophie in Einzeldarstellungen" heraus. Es ist da auch eine Philosophie des Judentums" versprochen — etwas weit und deshalb unklar der Titel; von den erschienenen Bänden, können uns zwei interessieren: „S p i n o z e" von Bernhard Alexander und „Philosophie des Islam" von Max Horten. Zwei Bücher in Anlage und Art ganz voneinander verschieden. Alexander beschreibt das Leben Spinozas, geht dann die einzelnen Werke der Reihe nach durch, um schließlich in einer Zusammenfassung die wesentlichen Motive, Probleme und Lö- 8ungsversuche herautszuarbeilen. Dies alles in einer schlichtgediegenen Art, die ohne große Ansprüche auftritt und die vorhandene Literatur klug und gern verwertet. Die Bemerkung (S. 16} über die „alles absorbierende Art" des jüdischen Eingotts scheint mir falsch und den jüdischen Gottesbegriff absolut zu verfehlen; es entfallen damit auch die Folgerungen. Ganz, ganz anders tritt das Hortensche Buch auf. Horten will bewußt neue Wege gehen und versucht, den weiten und spröden Stoff unter modernste Kategorien zu zwingen: oft eigensinnig, oft preziös, aber doch immer Interessant. Der einzelne Philosoph tritt zurück und ist nur Beleg für einen bestimmten Denktyp. Das Wesentliche und Erste ist der systematische Zusammenhang der Gedanken, der Aufweis verschiedener „Schichten" der „begrifflichen Welterfassung", die aus einer „phantastischen" herauswächst. Und das Ganze, die Entwicklung und die Querschnitte, die gelegt werden, immer als Beispiel für die gesamte Kulturbewegung des Islams überhaupt. Das Buch ist äußerst anregend, aber gerade wenn man beim Lesen die geistig« Entwicklung im Auge behalten will, nicht leicht zu lesen. In der Kampfstellung des Autors gegen die „alte Schule", die für das Verständnis des Islams nichts Rechtes geleistet haiben soll, mag auch der amüsante „Solipsismus" im „Bibliographischen Wegweiser" seinen Grund haben: in der eigentlich philosophischen Literatur nennt Horten bei 37 Nummern 35 mal steh selbst, und das Verhältnis wird noch grotesker, wenn man in Betracht zieht, daß diese Nummern bis zu zehn Unterverweisungen haben. Dr. Fritz Bamberger, Berlin-Haleasee. 8. Kat*. Chanukka im Puppenladen. Ein Chanukkaspiel mit Gesang und Reigen Hir 8—12 jährige Kinder in einem Akt. Verlag B. Grünebnum, Cassel 1924. Mk. 1,25. Chanukka, das Weihefest, tritt als Gabenkäufer in einen Puppenladen. Bub und Dirndl, der Retter auf dem Schaukelpferd, der Struwelpeter lassen sich als Puppen vernehmen und preisen in ihrer Art das Chanukkafest, sagen den Kindern, was sie vom Leben erwarten und bringen in sinniger, dem Kindergemüt angepaßter Weise ihre Liebe und Anhänglichkeit zun* Judentum zum Ausdruck Das Spiel kann zur Darstellung durch und für unsere Kleinen warm empfohlen werden. Dr. Max Maye r-Berlin. Dir.Jankowskys Einjährigen-, Ablturtenten-Anatalt Bozener Str. 8 (im BayiriselHD Pfalz). Berlin W. 30, Haberlandstr. 4 TUMnunlmat««-i«K»mew»u Schmidts Braal a. LaiasPehrvesea iiiiiiiiiiiinuiiiiuiiiiiuiiimiiimmiiiiiniimimtiHiHi Inhaber: Erich Schmidt Charlottenburg« Knobelsdorff-Strabe 11 Untergr.Bhf. Sophie-Charlotte-PL Fernruf: Wilhelm 622. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der? jüd. Gemeinde zn Berlin e. B., Ortsgr. Norden Z DonnerKtaft. 18. Dezember 24 abends 7% Uhr vftttftL, Schönhauser Allee 162, Versammlung. Tagesordnung: 1. Rabbiner Dr. Gottschalk „Ein liberaler Synagogenverein in der Schönhauser Vorstadt — Ein dringend-es Bedürfnis". 2. Dr. Erich Beyer „Was bedeuten für uns die Wahlen zum preu- Mchen Landesverband jüdischer Gemeinden?" 3. ^reie Aussprache. Alle Mitglieder, Freunde und Interessenten find herzlich willkommen. Wir bitten diejenigen, die sich dem Synagogenverein anschließen wollen, ihre Zustimmung möglichst gleich an den Unterzeichneten Schriftführer zu senden. Hermann Falkenberg Arthur Zander Vorsitzender. Schriftführer, Lottnmstr. 22. Linienstr. 45. OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO Hermann Lettner Spez. StenipBi And SWer Berlin SW 68 Oranienstraßc 115 Ferospr.: Düuholf 5607. DamenillUe in größter Auswahl! Hut-Rosenthal Blfichcrplate -. . Dampfwäscherei Kronprinz Berlin S016, Mlchaelkirchstraüe 20 Telephon: Morltzplatz 12618 Inh. 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