Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 44 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IWchkbMleZMW Grgan -er Vereinigung für das liberale Judentum e. v. Bqn-Sptti» durch die «esch-stsstelle ^jährlich SN. 2#Q SMzel«um«er 0,20. Bei freier Zusendung i. Inland o«A -G, die Mitglieder der Vereinigung ist der Bezugspreis u « rr im MUgliedsdeilrage enthalten. :: :: x Thekredakleurr Dipl.»Ing. Bruns lv-yda. vis „lüvifch - liberale - Zeitung'' erscheint jeden Treltag. Schriktleitunq und Ssfchüttsslslle: Seriin, Mauerftratze 22. Ssrnruf; ttmt Merkur Nr. 872» poftfched'feonto: Berlin tlW 7 tlr.l 37069 (Vereinigung fOrdae liberale luöentum) Nachdruck sSmIttcher Original Beiträge nur mit vorheriger Senehmigung der Nedaktion gestattet l Anzeigenpreise: Die 12gespaltene Nonpareillezeile 0.45 Goldmark, die Reklamezeile 3.00 Goldmark. :: :: :: bei Wiederholungen Rabatt. :: :: Anzeigenannahme: Hermann Baswih. Verlagsableilung, Berlin S.W. 68. Charlottenstr. 96 (Fernsprecher: Dönhoff 5360—08). sowie säintl. Annoncen-Expeditionen. Rr. 44 Berlin. 12. Dezember 1924 4. Jahrgang Gottesdienstreform. Revolution. Wir stellen da4 nachstehend« Z»»ie«esvrüch gern mr DiSlusston unb hehotten uni» eine eigene Stellungnahme vor. Die Si e d. PiSgsrisdr M Abend, Bvuderlvberi' Gut gefastet und -ui angMssen? Moses: Selbstverständlich! Lasten macht mir gar nichts a«K! Und du? Oder hast du nicht gefastet? Siegfried; O doch! Ganz so schlimm bin ich wirklich nicht. «>ie ihr immer denkt! Moses: Aber ich habe -ich ja gar nicht in der Synagoge -eschen! Siegfried: War auch nicht! Auch Lazarus und Steinthal sind am Jomkippur im Tiergarten spazieren gegangen! Ich war sogar noch lveiter draußen: am See! Moses: Was? Am Jmnkippur gefahren? Siegfried: Warum nicht?. Waybaum bat erlaubt, zum Gottesdienst zu fahren! Haha ha! — Mein Gottesdienst war übrigens, glaube ich, ertragreicher als deiner: Habe im unerhörtesten Sonnengold gelegen und gelesen, erst Rilkes Stundenvuch. dann Bnbers Geist des Judentums und schließlich die Bußbetrachtungen im Breslauer Joel-Machsor. Zu Nilo, als es mir zu kalt wurde, noch eine Stunde um den See gegangen — die Gottesstunde war unbeschreiblich! Wirklich! Unvergeßlich, solange ich lebe! — Und kein einziger Jude ringsum! Ueberhailpt kein Mensch! Nebbich, hu zwischen deinen quäkenden Jomkippurmördern, mit ihren jüdischen Witzen. Mschyochoklatsch und Pyrrfsadeu — ist nicht auch wieder die Dchüupptabaksdose umgegangen? Moses; Von alledem habe ich noch nie etwas gemerkt! Siegfried: Du unschuldsvoller Engel du! — Na, und um gar der Betrieb selbst, deutsche Viedermeiergebete und hebräische Meistergesänge, alphabetisches Gottes!ob für Kinder unh alphabetisches Sündenregister mit Orgel und Chor brxrl Roses: Du hast nun mal die Antipathie! Wirst auch noch wieder anders denken lernen! Siegfried: Ja leider, wahrscheinlich! In 30 Jahren, wenn ich als Banchmensch mit Herzverfettung Vorstand in Pofemuckel werde und sich der revolutionäre Most zu Kompromissen „abklärt". Aber ehe dieser Kläricht-Kehricht kommt, laß mich noch ein bißchen richtig fromm sein! Moses: Junge, was willst du eigentlich? Wir haben doch wirklich einen schöne» Gottesdienst! Der Ehor klappte vorzüglich, der Kantor hat sich selbst übcrtroffen, sogar die Ordnung war besser als je! Und diese wundervollen alten Melodien und diese altvertrauteu Einschaltungsgebete . . Siegfried: Was ich will? Sieh, du sagst: es war schon,— und ich habe vorhin gesagt: ich habe eine Gottesstunde erlebt! Schön war's ja draußen auch, schöner als höchste Kunst .. . Moses: Das n>ar heute ein besonderer Zufall! Siegfried: Meinetwegen! Aber die „Gottesstunde": warum kommt dir nicht so ein Wort auf die Lippen, wenn du vom Gottesdienst sprichst? Moses: Weil das selbstverständliche Voraussetzung ist! Ich meine natürlich: Die Gottesstiun-e in der Synagoge war extra schön. Siegfried: Schon wieder „schön"! Ist denn das der Ruhm einer Gottesstunde, daß sie schön ist? Ich weiß: das ist etwas Wortklauberei. Aber es ist doch auch symptomatisch für die Einstellung der Juden zu ihrem Gottesdienst. Ich meine: er soll ergreifend sein. Stimmungen schaffen. Taten anregen. Das Schöne ist doch immer etwas Objektives, es bleibt draußen, und die Seele nimmt genießend, aber interesselos. wie Kant sagt, daran teil. Gottesdienst will doch den Menschen im Zentrum packen, daß er nolens volens auf eine höhere Plattform mitgerissen wird; er ist doch ettvas Praktisches, er will den ursprünglich bloß uninteressiert Teilnehmenden zu einem Handelnden oder Leidenden machen: Wie kann man da von „schön" sprechen! . . . Sag mal: Du bist doch heute mindestens 8 Stunden lang in der Synagoge gewesen: hat der Gewinn den Einsatz gelohnt? Hast du bet aller Schönheit, bei allem Beten und Singen, und Hören und Sehen einmal etwas von der großen Stille verspürt, aus der die neue Einstellung zum Leben geboren wird, fühlst tot, daß etwas Welkes. Unreines dir airs der Seele gespült worden ist, und ein neuer rocker äe bronre sich in dir emporgereckt hat? Roses: Dafür war ja die Predigt! Siegfried: Ja. hqt sie das getan? Etwas Tiefstes, in der Seel« »«erlöst Schlummerndes, aufgeweckt? Und so. daß du dich nicht geärgert hast, weil ein Fremder dir in deinem Aller-eiligsten he rumpfuscht? RoseS: DaS versteh' ich mal wieder nicht! Ich habe ein paar schöne Midraschim und religiöse Aphorismen gehört, über die ich hinterher Nachdenken konnte, habe einiges aus der Geschichte wiederholt, was «ein jüdisches Gefühl verstärkt, und meine Sehnsucht, ein guter Jude und möglichst idealer Mensch zu sein, ist lebendiger geworden. Siegfried: DaS ist sehr viel! Da hast du besonderes Glück «habt! — Mer trotzdem: heißt daS mit dem Einsatz rauS? Dafür «in ganzer Tag Quälerei? RosaS: Wieso denn Quälerei? Siegfried: Nun. wir haben doch schon oft aenug davon gesprochen» wie wenig von den Gebeten ein gebildeter Mensch vordebalttos mikbeten kann! Bv« Mvn olom bis Bornch fcheomar. Tdawob rabboh, ein Teil der Tefilloh und der J'hi rozon beim Ausheven. Das ist eigentlich alles. Unser Reden von Gott und zu Gott ist doch so ganz anders als in den Gebeten und ebenso unsere Vorstellung vom Werden jedes Tages, der Schöpfung, des Auszugs aus Aegypten usw.! Auch der Wortschwall vieler Gebete ist doch einfach unerträglich! Und gibt uns etiva die Toravorlesnug Erbauung? Oder die Abvda? Und ist die vom Gesetz gebotene vier- oder achtmalige Wiederholung der Tefilloh nicht einfach fürchterlich? Moses: Die hat doch gleichfalls den Zweck, daß man während der Zeit Einkehr bei sich hält! Siegfried: Ach so! Darum wird sie wohl auch von möglichst verschiedenen Kantoren mit möglichst verschiedenen Melodien möglichst schön gesungen, damit das stets kritiklüsterne — und kritikunfähige — Publikum zur Kritik angeregt wird? He? Moses: Aber mit dem, was dir gefällt, kann mau doch den Tag unmöglich aussüllen? Was soll man denn sonst machen? Siegfried: Nicht hingehen, — wie ich! Moses: Das ist keine Lösung des Problems! Schließlich wirst du zugeben, daß Gottesdienst sein muß. Die Religionsgemeinschaft muß doch einmal bei einem religiösen Tun vereint sein! Das ist ja auch das über alles Erhabene des Jomkippur, daß er dies in so einziger Weise fertig -bringt! Und das allein ist jedes Jahr schon ein ungeheures Erlebnis für mich immer wieder, wenn ich daran denke, daß gleichzeitig mit mir der Hafenarbeiter von Odessa und der Chasstdim-Nebbe und Professor und Minister und Bizekönig von Indien, das Ladenmädchen und die Dirste in Warschau und die Baronin und Frauenrechtlerin, von Kapstadt bis Hammerfest und von Frisko bis Wladiwostock mit denselben Gedanken wie ich vor Gott stehen! Das möchte man doch nicht vermissen! Siegfried: Ganz gewiß! — Aber sind die Gedanken aller dieser wirklich dieselben? Und wenn die Gedanken ähnliche sind, sind es auch die Worte? Betet der Rebbe wirklich dasselbe wie der Professor? Und wenn uicht. warum sollen wir nicht auch andere Gefühle und Worte vor Gott tragen,— versteht sich: aus derselben Grundstimmung heraus? Moses: Also kurz: wir sollen deutsch beten!? Siegfried: Ach nein, das ist ja ganz nebensächlich, ob deutsch oder hebräisch! Ich kann genug Hebräisch, meinetwegen braucht am ganzen Jvmkippur kein deutsches Wort vorzukommen, — uicht einmal in der Predigt! Tu weißt, ich kann einigermaßen hebräisch sprechen! Ader wenn die Gemeinde es nicht kann, vertrage ich auch dentsche Gebete! Das ist doch keine Frage der Religion, sondern der Praxis, allenfalls der Politik und Taktik! Für Hie Religion kommt es doch ans die Gedanken und die ganze Anordnung an! Moses: Wieso? Siegfried: Wieso? Verlangst du etwa von mir Resormvvrjchläge? Ich würde eine ganze Revolution verlangen! Die ist allerdings nur möglich, wenn sie von der Stimmung der großen Masse getragen wird, d. h. wenn die Masse religiös sein möchte. Das scheint nicht der Fall zu sein, — noch nicht genug! Sonst gäbe sie sich mit soviel Surrogat von Gottesdienst uicht zufrieden. Sie scheint aber zufrieden! Also! Moses: Na, Brüderchen, sei gemütlich! Heute abend können wir beide nicht mehr arbeiten: Erzähle mal, wie du dir die Gottesdienst-Nevolutton vorstellst! Siegfried: Meinetwegen! Du mußt mir aber versprechen, das Gehörte zu verösseutlichen! Ich will auch einmal waS fürs Judentum tun! Moses: Warum veröffentlichst du es denn nicht selbst? Siegfried: Werde mich wohl hüten, in das Wespennest zu stechen! Wer Wahrhaftigkeit verlangt und spricht, bat alles gegen sich, die Jaulen und die Dummen, die Interesselosen undam meisten —die Interessierten! „Weh' dem, der an den würdig alten Hausrat ihm rührt, das teure Erbstück seiner Ahnen! Was grau für Alter ist, das ist ihm göttlich." — Na, dir darf ich's anvertranen. auch wenn's nicht veröffentlicht oder befolgt wird! — Also, — wen» es nach mir ginge, so dürfte zunächst in allen Gebeten von Gott nur als von einem großen Unbekannten gesprochen werden. Ich verstehe nichts von den subtilen Unterschieden zwischen Theismus und Pantheismus: aber so massiv, als ob Gott auf unseren Anruf sofort antworten und umeretwegen Wind und Wetter ändern solle, dürfen unsere Bittgebete nicht geformt bleiben: und ebenso sind fast sämtliche Lob-Piutim unbrauchbar. Nur wirkliche Gedichte, wie Un'ssanne tokef, die gesungen werden, können bleiben: denn singen kann man vieles, was nicht gesagt werden kann. Ich meine, in dieser Hinsicht ist Seligmanns deutsches Gebetbuch auf dem richtigen Wege, — obgleich sonst in vielem dies Werk nicht nach meinem Geschmack ist. Ich kann wolil Wünsche vor Gott anssprechen, aber nicht Bitten an Gott! Ebenso habe ich kein Verständnis für die vielen Bitten um Berzeihnng: ich bin unfähig, Menschen um Verzeihung zn bitten oder ihnen Verzeihung auszusprechen: für solche seelischen Dinge macht man nicht Worte! Nun aber «ar von Gott dies zu erbitten! Statt dessen müßte das SUndeubekcnntnis mit dem Gelübde schließen, daß man künftig das Gute tun will! — Weiter! Statt der jetzt üblichen Tora-Abschuitte dürften nur solche vorgelesen werden, welche wirklich Frömmigkeit fördern. Ferner: Die ewigen Wiederholungen müßten vermieden werden. Statt dessen müßten gm Jomkippur Vorlesungen aus alten und neuen Schriftstellern treten. Auch darin hat Seligmann einen ersten brauchbaren Vorschlag gebracht. Dann müßten die Privatbittcn ans Ende des Gottesdienstes, vor den Segen: ihre jetzige Stellung ist ganz unsinnig: Daß die Tora dabeisteht (oder vielmehr: sitzt), verleiht dem Gebet, iveuigstens nach meinem Gefühl, keine größere Weihe. Den Schluß der Bittgebete aber mutz eine kurze Zeit absoluten Schweigens bilden, in der jeder selbständig Zwiesprache mit Gott halten kann. Vor allem aber müßte die ewige Musik aufhören! Du weißt, ich bin ein großer Musikfreund. Aber wie man eine Bitte an Gott um Hilfe singen kann, das begreife ich nicht, das halte ich für The-, ater, für Kunst, für Schilderung, jedenfalls nicht für selbsttätige Religion! Ganz gewiß ist Musik notig, aber in weiser Beschränkung ans „Stimmnngsniachc" und „Volks-, chvr"! Im Sprechgesaug dagegen muß das Sprechen über-« wiegen. Roses: Na« dn verdirbst es ja glücklich mit allen: mit deuj Alten, die gar nichts am Herkommen ändern wollen, und mir den sogenannten Liberalen, die vor lauter Pietät immer nur ein bißchen an der Oberfläche zu korrigieren wagen, mit den Kunstbeflissenen, die immer nach Musik schreien, und mit der Masse, die froh ist, durch Gottesdienst sich über die wirkliche religiöse Pflicht, etwa der „Umkehr", fvrtziitänschcnl Siegfried: Nun — die wahrhaft Frommen werden mir Recht geben! — Aber das Wichtigste fehlt ja noch: Vor allem müßten Gebete da sein, die das ansfprecheu, was uns wirklich bewegt! Die fehlen ja fast ganz! DaS Loh des unend-i lichen Gottesgeisteö, der in der Anziehungskraft der Elektronen und Sonnensysteme, im Walten der Naturgesetze und in der moralischen Forderung lebendig ist, so gut wie in Kunst und Wissenschaft, der durch das Bewußtsein der Verwandtschaft unserer Seele mit der Weltseele uns beglückt der dem Menschengeist die Kraft verleiht, die Natur zu meistern und unser eigenes Innere zu einem sittlichen Kosmos zu ge--, stalten, — das sind moderne Gedanken, die durchaus im Rahmen des -überlieferten Judentums liegen, an deren Aussprache uns liegt, — und die sich doch in die herkömmlichen Gebete uicht hi nein lesen lassen! Und dann die sogenannten Bittgebete! Ich sagte schon, daß ihr Text eine gewisse Vorsicht erfordert. Aber außerdem fehlt unter ihnen gerade das, woran uns am meisten liegt, die Bitte um die äußeren und inneren Güter, um anständigen Lebensunterhalt und Gesundheit und Ehre, um Verstand und sittliche Kraft und Erfolg der ehrlichen Arbeit, um die Annehmlichkeiten des erlaubten Luxus usw. Zum Teil ist das im Alltagsgebet ausgesprochen, und es wurde für den Feiertag als zn klein-, lirh fortgeiassen. Wir aber beten alltags ja fast gar nicht« zum Beten ist für uns eben der Sabbat und Feiertag da. Nun fehlen uns solche Bitten: oder sie lind aanz sinnlos über den ganzen Gottesdienst zerstreut! — So auch die Bitten; für die Jndenheit. Bedenke: In der ganzen Welt verfolgt Hatz, Verachtung. Spott unsere Gemeinschaft und unser,Religionssystem, — und wo ist eine sinnvolle Bitte mu Abhilfe?, „Rache für das Blut der Märtyrer" ist doch wahr'.,ästig feilt unserem Denken adäquater Ausdruck dafür, so wenig wie die verschiedenen Bitten um den jüdisch-mcssiauischen Staat der Zukunft, der doch niemals alle Juden umspannen kann! Das sind so einige Punkte, au denen die Umwandlung nnjeres Sidduc und Machsor einsetzen müßte. Es ist alles so unlebendig darin, so maskeradenhaft, man muß alles umdenkeu und nmrenken. um es für uns passend zn machen. Wozu das? Müssen wir denn ewig in den Ausdrücken beten, lae vor .>00 und 2000 Jahren gut gewesen sind? ., . Moses: Ja. wenn man's hört, mags leiolich icbeutcn! . Aber man kauu eben das Herkommen nicht einfach abiägeul Dem Neuen fehlt Würde und Heiligkeit! Siegfried: Absägen, — das ist ein komischem Wort! Wenn der Baum in ein neues Jahr eintritt, setzt er einen neuen Ring an. denn er kann den alten Ring nicht mehr dehnen! Eine neue Epoche der jüdischen Geschichte bat mit dem letzten Geschlecht begonnen, ganz entschieden: Ter Wille z>nn Judentum, der im vorigen Jahrhundert bis ans den Nullpunkt gesunken war, ist wieder lebendig geworden. Jetzt kann man nicht mehr Autiguitäten konservieren und alte Stile iiacl)* ahmen, das war erlaubt und notwendig, solange man nichts Eigenes hatte. Wir Habens, wir wollcus! Wir fühlen gleichzeitig den Wert des alten Judentums und untere eigene religiöse Lebendigkeit. Nun aber schnell mit dem allen Wein in neue Schläuche, — die alten sind geborsten —, sonst verdirbt der Inhalt, oder er läuft ans! Wie ich bin. gibts nt Wahrheit viele! Andere aber lausen nicht bloß am Jomkippur ans der Synagoge, sondern überhaupt aus dem Judentum' Und die Masse, die das tote Anhängsel vor lauter Pietät als Ersatz der lebendigen Frömmigkeit nimmt, wird früher oder später auswachen und dann dasselbe tun, wenn sic merkt, daß sie in Wahrheit nichts Echtes mehr bat. Darum meine ich, ist es höchste Zeit, das altheilige Talmi gegen neues Echtes umzutauschen, solange das Talmi noch Kurswert hat! Moses: Möchte nur wissen, wie diese Revo-lntw» zustande kommen soll! Siegfried: Da hast dn Recht, da liegt die einzige Schwierigkeit! Aber wo ein Wille, findet sich auch ein Weg. Wir sind die freieste Gemeinschaft, die es gibt: wir brauchen keine Gewalt, nicht einmal Autorität. Sck)on haben sich einige B e r s u ch s g o t t e s d i c n st e gebildet. Ich denke, die ehrlichen und starken Religiösen, die, denen cs nicht bloß uni