Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 43 (5.12.1924)
- Date
- 1924-12-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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meinschaft bittet, bia oll gan-eS ebenso wie in ihren einseinen Mitgli-edern Träger vrqerer JLee werden tarnt. &£ ist selbstverständlich, daß die heutigen wirtschaftlichen und Politischen Verhältnisse uns die Gelegenheit nehmen, hie ältere (Generation, die im ErwerbsleLen(steht. für Krau und Kinder zu sorgen hat und berufen ist, Innerhalb der deutschen Wirtschafts- und Kulturgemeinschäft für diese *u ichirteu. voll und ganz zu unserer Arbeit heranzuzieyen. Hier «erde» wir uns im Wesentlichen daraus beschränken müssen, das Verständnis für unsere Bestrebungen zu «ecken, uns emen starkett Rückhalt an der öffentlichen Meintmg der deutschen Judenheit zu verschaffen. Das soll nicht heißen. daß wir auf eine Belehrung dieser Kreise verzichte», daß wir nicht versuchen sollen, auch diesen Menschen die inneren Werte unserer Anschauung möglichst nahe zu bringen; aber eS soll uns die Grenzen unseres Wirkens klar aufweisen und uns davor behüten, von to» Einzelnen zuviel zu .fordern an geistiger Arbeit. Es soll uni ferner daraus Hinweisen, daß das gegebene ArbottSfßw fttt »ftfcs» Bchvegung die Äugend ist. die Jugend, die heute tu tot Sage und willens ist, mehr zu opfern für ihr Judentum ay Zeit, Begeisterung und ernstem Arbeitswille» Auch hier spielt die Unterweisung selbstverständlich die wichtigste Rolle. Wir müssen dafür sorgen, baß die Jugend von Menschen geführt wird, die nicht nas Vermittler toi Wissens, sondern vor allem wirkliche Führer der Jugend sind. Die Ausbildung bei jüdischen Lehrers mutz so vielgestaltig sein, daß er tatsächlich defahi« wird, aus jedem Gebiete jüdischen Wissend Krsprießltches zu leiste». Es darf für »ns nur einen akademisch geschulte» Lehrer stand »eben, der ein umfassendes Wissen mit einer sorgfältige» pädagogischen Ausbildung in sich todeint, aber innerhalb dieses Bildungsganges ist an geeigneter Stelle eine Eignungsprüfung — gewissermaßen ein Bvcexamen — einzusagen. Ne neben den geistigen, vor alle« aüch die erzieherischen Quali. täten des Prüflings klar ausweist. Dabei mutz darauf hingewtesen werden, daß gerade der jüdische Seminarist, der jüdische Student die Möglichkeit hat. die Kühlung mit der Jugend innerhalb seines Wissensgebietes sich zu erhalten. Gerade diese Menschen sollten die Gelegenheit, mit jüdischer Jugend in jüdischen Jügendvereinen jüdisches Wissen zu pflögen, in weit höherem Maße benutzen, als es bisher geschieht. Dadurch kann die Kluft Mischen Lehrer und Schüler, wie sie gerade der jüdische Rettgionsunterricht aufweist, endlich einmal geschlossen werde». -^Gin zweiter äußerst wesentlicher Mangel besteht darin, daß unserer Jugend geeignete Lehrbücher ebenso wie geeignete Allgemeinlektüre jüdischen Inhalts fehlen. Auch hier bietet sich ein weites Arbeitsfeld bat. Lessen systematische Bebauung «me segensreiche Ernte verbürgt. Auch diese Forderung mutz deshalb immer wieder von nerrem ertönen, sie kann niemals genügend Beachtung finden. ’i Wenn unsere Jugend so von Lehrern unterrichtet* wird, die neben umfassender Kenntnis ttne innere Verbundenheit mit der Jugend in sich tragen, wenn sie über genügendes, gutes Material zur selbständigen SorrbUdM verfügt. totjb sie sich von allem Schwanken, von allem Mystizismus sehr bald befreien und so au« unter sich wdit-er arbeiten, aufbauen könne». Diesem Aufbau dt tri t auch der eigene Zu» fümmeuschlus; der Jugend. Unsere Jugendverein« müssen es zum Teil noch lernen» aus sich, heraus Gemeinschaft zu werden, in sich eine Einheit -ü bitten. die dem Einzelnen spielend das geben kann, was auch tor beste Nuterricht allein nicht zu bieten vermag: ton unverbrüchlichen Willen zu jüdischer Gemeinschaftsarbeit, den Halt an der Gesamtheit nnh daö eigene Vsrantwvrtungsbewutztsein für diese. Einen großen Teil dieser letzten Forderung könnte und müßte freilich auch das iübische.Haus .erfüllen. tttotr wir Mc . wissen, daß gerade. hier vieles. Wttzn Nicht äuetz IM chcgen liegt. Träger des jüdischen FaMttienleVenK war stets die jüdische Fra», die jütische. MüttSt Frau und Mutter küNN We höchste ....... . weil auch ihr das Wisse» Itt innere Per_ jüdischen Religion fehlt. Hier ttziffl die Hautztschulb bi» falsche Scham der jüdischen Frau, di« sie daran hindert, ihren Kindern die eigene Unkenntnis, bersN sie sich gar Ehr bewußt ist, einzugestehcn. Man scheut sich, dem Heranwachsenden Kinde plötzlich de» FtottosaLend zum Feiertage umzugestalten. weil man diese Umkehr dam Kinde gegenüber nicht erklären kann, weil Man sich für «itte Myrhakt jüdische Gestaltung dieses Atolls mit Mtor ober Recht nicht für fähig hält. Wir müssen deshalb darauf hfnwitzktn. baß gerade die jüdische Mutter den Willen zum Judentum in sich findet, daß sie aber auch genügend Anregungen von außen her erhalt, um ihrer Familie —■ um bei meinem Beispiel tot bleiben — einen Freitagabend etwa wirklich Misch gestalten zu können. Diese Anreguna kann und wird die jüdische Fra» meiner Ansicht nach nur erhalten, wenn wir unser ggNM Bestrebe« darauf richten, eigen« Feauenüruppen itztz Lüden zu ruft». Wo heute jüdische Frauen zusammengeschlvssen sind, ist der Zweck fast ausnahmslos ein charitotiver. Es smtz deshalb FfaueNgruppen notwendig, di« sich jübischrgsisttgsr Arbeit widmen, die durch gemeinsame Lektüre gestguMr jübischsr f srke aus sich heraus Anregungen gebe« und nehme» nnen. die dann in de, Familie, in den Kinder« ihre» Widerhall finde». Die spezifische «eidliche Einste»»»« wird auch diesen Wissensgrbieten Neue Werte abzuringen vermögen. und schon diese Aufsicht allein rechtfertigt Sie Forderung. Nachdem wir uns nun mit ton Kräften tofnsir tzavttt. die mir für unsere Arbeit vis wichtigsten zu sein schein' uns noch übrig, dir Arbeit unserer Bewegung M sation zu betrachte». Es sei deshalb noch emtm daß wir zwei Momente tz» to breitnng jüdischen Wissend und Misch-religiös«» Gefühls. Aus d«t ersten "chtzRete runde» Vorträge, di« i» unseren OrtSstkUppen gehalten werden, Anregungen geben. Kurse in kleinerem Rahmen bas Wisse« v«r. tiefen können. Zu de» Borträgen ist zu sagen, daß i» ihnen noch viel zu wenig die eigentlichen Wifsentoebiete tohtoibett werden, es erscheint mir hier «in «rsprieWchetz Ktk. Mr einen ganzen Kreis von Ortsgruppen, toi tefentor# «richtigen Gebiete» vielleicht für alle Ortsgruppen ein leitendes Thema festzusetzen, dem in einer gewissen Zeitspanne tzto Arbeit der Vereine vornehmlich gewidmet sein soll. Das» ist es allerdings notwendig» daß die verantwortliche« FMk-r dieser Gruppen den Willen der Mitglieder immer «chcher mit eiserner Energie kräftigen und daß. tz. B. durch Wh. führlichere Berichte in tor Zeimn« oder durch ANstaüsch von einzelnen Referenten, die fettig befruchtet wird. Bei ton auf möglichst ausgedehnte Äussvroche beste Weg zur Vertiefung to$ AsiUns wir tor . . , zu sein scheint. ÄelbstverstättMch wäre es tz» totztzßßrv. wenn ein Teil dieser Kurse gleichfalls setzt <m* eWähvto» Arbeitsthema gerecht würde. Zur Weckung und Stärkung tos relitztöse» GeOhls müssen vornehmlich gemeinschaftliche reliaiösr Feiern herchtz gezogen werden, die durch fsinsst«ttar UtMestattZSM AUW auf Erwachsene großen Reiz »»szvstto» vrrwögen: totz »mal «ietork hüSW. die tokücksichtigen HAWM. die B«r. t»d die Weckung und m teilten und dadurch das Strebs» des Einzel«» anzufeuern. Es ist selbstverständlich, baß die'beiden hier gesondert dehandelten Gebiete in der Praxis oft' ineinander übergehen. Eine religiöse Feier wird dann am höchsten zu werten sein, men» sie neben gefüHrsmätzigen auch geistige Anregungen dtetet, und umgekehrt werden belehrende «exanstalmngen um so «ehr erreichen, wenn in ihnen auch et» starkes Gemeinschaftsgefühl -um Ausdruck kommt. Diese Arbeitsmethode, die ihr Hauptziel to-der Ber, ttefirng sucht, wirschon an und für sich ein allmähliches Anwachsen des -reisebedingen und diese langsam«, aber stetig« Verbreitung unserer Bewegung scheint mir die sicherste und beste Propganda zu sein, die wir treiben könneit. Darüber hinaus müsse» wir uns klar werben, daß wir gerate für hie Gewinnung neuer Kr«is«, gerade für <h» Hnteressieruug indifferenter oder lauer J»-en Mittel -nr $«?* fügusg haben, die wir bisher fast gar nicht zur Anwendung bringen konnten, «eil auch sie größere finanziell« Opfer erfordern. Es sind die- Veranstaltungen allgeMLiner Art. bei denen die liberale Anschauung nicht Zweck und Ziel ist, Mt vielmehr die freie religiöse Tendenz nur in der Art rmd Weise der Gestaltung aufweisen. Hierzu gehören vor allem tnstgewerbe" und andere, «rer smo ferner -u erwähnen RezitationSaben>de alter und neuer jüdischer teratur. musikalische Darbietungen jüdischer Art. Solche Veranstaltungen vermögen unendlich viel Anregung zu geben und sind vor allem geeignet. Fern erstehende heran-«- ziehen und zu interessieren. ES bleibt noch übrig» die Stellung unserer Anhäu-er inmrhntt der Gemeinden darruiegeu. die ja die Menschen umsassou. toe wie heranziehe» wollen. Hier ist es felbstoorstärttlich. daß liberale Forderungen in Verwaltung. Kultus und Unterricht niemals fallen gelassen werden dürfen, aber eö muß erstrebt werden, daß diese Forderungen, die unserer religiösen Anschauung entspring««, nickt durch kleinlich« ta£» che Rückst ‘ . ichten und politische Gedankengünge herahgewüttisch. . .. . ditzt werde». Hier muß auch betont rverden, daß wir-uns innzthalb der Gemeinden an jeder allgemeinen Arbeit beteiligen müssen, die nicht in direktem Gegensatz zu unserer AuslhauUng steht. Erst diese Arbeit für die Gesamtheit deb totttschsn Judentums berechttgt »ns, unsere e-igene Stellungnahme in diese« Jrchentunt zu verfechten und die sich «ms ihr ergebenden Forderungen zu stellen. Selbstverständlich konnte im Rahmen eines solche» Artikels aus die einzelne« Frage« imö Forderungen nicht ausführlich genug eingegangen werden. Es konnte sich »Nr darpm handeln, die einzelnen Gebiete prinzipiell zu betrachten und einen Ueberblick über die sich ergebenden Möglichkeiten für unsere Arbeit zu bieten. Alle diese Wege aber müssen beschriften werden mit dem festen Willen zu positiver Arbeit.- daun erst wird es uns gelingen, uuseve Än-äng«r zu einer Gemeinschaft zusammenzuschweißen, die Träger unserer Id« ist. Diese Gemeinschaft muß das unserer praktischen Arbeit sein» dieses Kiel aber ist der Weg. ton tWischen Menschen für den religiösen liKmus zu gewinnen. nCtt; via «ft Ziel 0| Aus der Bewegung. . _ _ _ Veranstaltungen sind auch besonders schastsgesühl zu stärken, die pttsö ~ ers to eignet «Achen Ve-i< Gepato «ew das Geweint ehunge« enger UfHI IWMWIII Elbufelb. Unsere Gemeinde stand t» letzter Zeit i« Zeichen des DÄttampfeS. Am 1. ds. Mts. fand dit Ersatzwahl von 11 äuSgeschietonen Repräsentanten statt. Rachüem Me jüdischdemokratische Bereinigung, öestehenb ans Zionisten, Ost» juöen und einigen sogenannten Liberalen *« Mittwoch, den 10. November, eine Versammlung abgshalten hatte, in der der Hgtwtredner des Abends seine Hauptaufgabe darin erblickte. den religiösen Liberalismus in der schärfsten Jtzrm zu bekämpfen. Auch Vertreter des Liberalismus beteiligte« sich an der Aussprache. Der zunächst lediglich z» Wahlzwecken gebildete liberale Wahlausschuß hielt eS für erforderlich, auch vv« ftfevafcf Getto eine große Gemeindeversammlung atzzu- Lalten. ES war uns «ine besondere Freude, für diesen Abend Herrn Dr. Mayer als Redner gewinnen zu können. Um 2Y. November hielt Herr Dr. Mayer in der überfüllten Aula des städtischen Gymnasiums einen Bortrag über: ^Grundsätzlicher und praktischer religiöser Liberalismus." Die auf n toftifenfon Zuhörern. Erst nachdem durch zwei Redner tor G»aens«ttt, nie an sich durch den Wahlkampf erregte« Masse« durch erhebliche persönliche Angriffe gegen: die liberale« Kaudidaten aufgereizt worden waren, nahm die Versammlung bedauerlicher Weise den Charakter einer Wachlversammlung an, wie man sie hoffentlich in unserer Gemeinde nicht witber erleben wird. Tie Tätigkeit des liberalen Wahlausschüsse» und vor allem die vorzüglichen Ausführungen des Herrn Dr. Mayer werden sicher dazu führen, auch hier wieder eine starke liberale Oganisation ins Lehen zu rufen. Trotz Frßlens einer solchen und trotz der Lauheit tor meisten liberalen Wähler ist cs uns gelungen, den Gegnern bet der Wahl ein Mandat zu entreißen, ein verheißungsvolle» Zeichen für di« Zubunft! Lan-Sherg a.d,W. Am Sonntag, den 30. November, sprach hier Herr Generalsekretär Tickmann-Berlin über das Thema: ^Der preußische Lantosvecband jüdischer Gemeinden und wir". Die B-eesammlung. die einen äußerst guten Besuch aufwieS, wurde in Abwesenheit des Obmanns der Bereinigung. Herr» Louis Liebert, von Herrn Handelsgerichtsrat Georg Lewinson Mit vorbildlicher Umsicht, die bei der zeitwetliDlNt Unruhe her Anwesenden sehr notwendiq War, geleitet. Der Referent gab zunächst einen Ueberblick Über die Entstehung und die Ziele und A'.sigaben des Landesverbandes. um dann nach ausführlicher Darlegung unserer Bestrebungen üKer die Erfortorntffe toi der kommenden Wahl, am 1. IÄruar IMS, zu unterrichten. Die Diskussion bewegte sich auf tor Basis »LitoraltSmus und Zionismus »nd bewies wiedLrüM. daß die zionistischeu .«reise der religiös-liberalen Einstellung zum Judenimn auch heute noch verständnislos gegensttorstehen. Der überaus große Beifttll. per iusbeivndere Herrn 9rab- &i««t Dr. Elsaß für seine ganz hervorragenden Ausführungen in der Diskussion und dem Rose reuten selbst gespendet wurde, bewies ebenso wie die zahlreichen Beitrittserklärungen den tzetoutende» Erfolg der Liersammlung. So wurde tor Beschluß, in Lanßsberg eine Lrtsgruppc der Beretniaung tzu gründen, einstimmig gefaßt und zugleich ein Ausschuß zur vorläufigen Führung der Geschäfte gewählt, hem die Herren Louis Liebert. Handclsgerichtsrat Georg Lewinson und Siegfried Eohn sowie Frau Tilde Adler angehören. SotoUnhei«. tJittksch-litorattr Jugendverciu.) Samstag, de« 8. November, fand eine Mitgliederversammlung statt, in ber Herr Letzter BovS, Metsenheim, einen Bortrag über Die Entstehung des Christentums aus dem Gnostizismus" eit. Her« PooS ging aus von der Stellung der jüdischen -lmitzsiSvarteie« zu« Gesetz und tor Heilserwartnng der ^«ostttet innerhalb Set abgeschlossenen Sekten. Der Drang «ach Erlösung ist ist Jssüel Nie Zur Ruhe gekommen. Bon tor ägyptischen Anechtfchast über die 3revolutionen und Dy- Nsstienwechsel bis zum schwersten Schlag von allen: Der Fall von Jerusalem, bi« Zerstörung des Tempels, die Fortführuns tor JNtoN in die babylonische Gefangenschaft. Je schlimmer eS tom Molke erging, desto leidenschaftlicher LoMmerte es sich an jene Hoffnung, desto zügelloser belauschte es sich fett dem Gedanken, daß diese Lage nur Morsptel zu fett« Herrlichkeit sei. wo Israel über alle seine FeiNde triumtzchchrest werto. Herr Boos sprach weiter ülttt? den jüdischen «NösttzitoNUs. die Symbolik des ErlösergotteS bis zum Tobt Mr «tth btostttoltc zum Schluß den Paulinismus. Dem Bürttztza schlatz sich eine rege Diskussion an. i» der über tot Verhältnis des myiisch-en zunr historischen Jesus besonders totzatttert wurde. |> '■ E» W»GMWMWWWWWaWchM«M> i90 Nodelle ie|( ja euer« btMgen Preise« i tJ3Dxto an aurrm ’mtk ton