Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 35 (11.10.1924)
- Date
- 1924-10-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ist Gesetz. — und nicht liberal, denn dir liegt am KirltuS- — und wieder doch orthodox, denn du willst für Gott opfern — und wieder doch liberal, denn du bist ganz subjektiv! Du bist Nationalist, denn die Judenyeit ist -kr ein Gemetnschaftb-VN-ividuum, — unbist nicht national, denn du gibst der yudenheit nur religiöse Aufgaben, — — ich bin neugierig, wo Lu einmal endest! Hüttensest und Thorafeier. Bon Rabbiner Dr. M. SalomonSkt- Frankßrrt a. O. Wenn die erhabenen Feste, Neujahr und BersöhmmgStag beendet sind, dann folgt fast unmittelbar noch eine längere Feierzeit für uns Juden. Man sollte meinen, daß Erregung und Bewegtsein noch nachwirken, so daß da- Wese» des Hüttenfestes günstig beeinflußt würde und Sine ähnliche Harmonie religiös voll erklingender Akkorde schüfe, aber LaS trifft nicht zu. Trifft nicht mehr zu! Wenn die Zeitdauer für die Bedeutung eines Festes entscheidend wäre, dann müßte Sukkaus freilich an der Spitze unserer Feierzeiten marschiereu, aber ganz im Gegenteil: Kein Fest ist in unsere« Ta» gtn so sehr verblaßt und seiner Bedeutung entkleidet worden, wie dieses. Sogar die ehrlichen Prediger geraten in BerlLgenheit! Während für Rausch Haschonoh und Jaum Kippur ein schier unerschöpflicher Stoff zur Verfügung steht, der äus «m Geiste dieser Tag« sprießt und erfolgreich alle Fragest des Lebens angreifbar macht, weiß das Hüttenfest nur noch trockene Erinnerungen auSzulegen. die wenig Zugkraft besitzen. Natürlich wirb immer wieder von dem Zug durch die Wüste gesprochen, der 40 Jahre dauerte und dem GotteSvolk i« abenteuerlichen Gefahren Schutz und Beistand brachte. Such eine allgemeine Ermahnung für den bevorstehende» Winter ist üblich ober der Hinweis, daß nach dem Ernst der vorangegangenen Tage nun ein Wiederaufruf der Religio« *ur Freude folge, und schließlich fehlt auch manche blumige luSdeutung des Feststraußes nicht. Das ist sicher sehr idyllisch und bleibt doch, täuschen wir nnS nicht, ohne Erfolg. Man geht hier und da formal noch auf Minuten in die Hütte und kehrt wieder aus ihr in die Alltäglichkeit oder Deöe zurück. Wer nimmt etwas mit? Autz solchen Winzigkeiten kann man heute kein lebensvolles Fest mehr gestalten, und ein echtes jüdisches Fest kann ftumögltch davon abhängig sein — man denke an die Kriegszetl —- 06 irgend woher aus dkm Süden rechtzeitig Paradiesäpfek und Palmen eintreffen oder, wenn nicht, ob auf Grund irgend welcher religionsgesetzlicher Entscheidung die alten vergilbten nochmals benutzt werden dürfen. Brüchig und ver- «jelft, das ist das Kennzeichen des heutigen Hütten'festeS. wer daran nichts ändert, erhebt es zum Sinnbild eines unter« guten Judentums. Ja einst, da prangte kein Fest so in lel, wie dies-es. Es war die Ernte, die eigentliche Wallt, die Volksfeier das Fest überhaupt. Denn unter dieser üchnung„Fest" wird im rabbinischen Schrifttum SukkanS verstanden. Zweifellos spielten auch ganz wesentliche Einflüsse des Tempelkultes hinein, denn wenn wir dem biblischen Berichte folgen, dann ist der salomonische Tempel um die Zeit dieses alten HüttenfesteS feierlich geweiht worden. GS kommt uns nun keineswegs in den Sinn, nach dieser Darlegung, der zu widersprechen nicht einfach sein wird, die Abschaffung des Festes vorzuschlagen, aber mit seiner Umgestaltung dürfte keineswegs mehr gezögert werden. Was wir jetzt noch sehen und in verschwindender Uebung vorüberzieht, mag von einer Minderheit ehrlich empfunden sein. Das ist alles ganz jchön, aber uns viel zn wenig. Jedes jüdische Fest — hier können wir im Bilde sprechen — mutz eine Ernte sein, doch Erträge wachsen nur dort aus dem Brxden, wo fleißig und rastlos gearbeitet wird. Darum wollen wir die unfruchtbaren und ungerechten Klagen unterlassen, wenn die Synagogen unmittelbar mach dem Bersöhnungstage wieder leer sich zeigen. ES ist nicht in der Ordnung, hier die Schuld auf die Gemeinde zu schieben und 8« behaupten, datz nun das AndachtsbedürfniS aus lange Zeit befriedigt sei und alle Hoffnungen der drei heiligen Tage getrogen haben. Wenn irgend wann, dann Haben wir die Pflicht, im Anschlutz an die Hochzeit der Religion ihren Bekennern erquickende Speise darzubieten. Der einzelne freilich, wenn er auch guten Millen trägt, ist zu schwach. Er kann, er darf, er soll es nicht tun. Sofort würde ja die Schar der Fanatiker über ihn herfallen und jeden Versuch zur Sesse- Nt na t« Sei« ersticken. Hier hilft nur der ZusoMMöNschutß aller derer, denen es ernst mit dem Judentum ist, und die in keine» Feiertage» mehr sehen, als die JnnehaltuNg teuft» barischer Termine. Nehmen wir als Grundlage zur Aufrichtung dedie bekannte Bitte: „Der Unbarmherzige, er errichte wieder für uns die verfallene Hütte Davids!" Das heißt doch, recht verstanden: Bei uns liegt die Pflicht, aus dem Feste etwas e» machen, und wie wir dt« Religion zu stärken Hatzen, darüber kann kein Zweifel sein. Der letzte Tag des sogenannten LchlnßfesteS, welches trotz äußerlicher Trennung, Mit Sukkaus ein Ganzes bildet, zeigt uns den Weg. Eigentlich nur fein l-tzter Menü. AM SimchaS ThaUro, da spürt man noch, daß ein levensfrischer Gehalt die Andacht durchpulst. Aus dem Fest der Thorafreude läht sich etwamachen, denn auch bet den Unwissenden ist die Liebe zur Lehre noch AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA Krauen! Ar dürft m Asien Me wählen! Versäumt nicht» euch in die Wählerliste für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden eillzutragen! nicht erstorben. Sic gilt eS zu wecken und ganz SukkauS zu einem Feste -er Gottcsschrift unvzugestalten. Wenn oaS keine Phrase sein soll, so mutz die deutsche Ju-enhett, trotz des schrecklichen Nachkriegsjammers unverzüglich an ei» W-erk gehen, dessen größte Dringlichkeit.keinem Wissenden verborgen ist. Di« sofortige Schaffung einer wirklich guten, deutschen Bibel, die von den Besten bearbeitet wird, und^sich hierdurch sofort den Charakter der allein gültigen Übersetzung erwirbt. An Vorarbeiten und Versuchen hat es nicht gefehlt, aber der Wert dieser Teilarbeiten entspricht nicht unseren Bedürfnissen. Wir müssen in edelster, volkstümlicher Muttersprache eine deutsche Bibel haben, der da- Lazarussche „Treu und frei" als Motto voranschwebt. Wenn sich die Berufenen aus allen Lagern hierzu verbinden — und ich sehe dabei keine Schwierigkeiten — dann mutz es gelingen. Wenn so Hütten- und Schluhfeier zum Feste der Lehre geworden sind, eitler Lehre, die in Häuser und Herzen eindringen kann, weil sie verständlich ist, dann wird die HerbstwallfahrtSzeit kein Nach- oder Mißklang, sondern ein Voll« klang sein. Wir haben ja den besten Beweis für die Möglichkeit einer Festaufsrischung an Chanukka! Die ganz alten Leute wissen und erzählen es heute noch, datz in ihrer Jugend von den acht Tagen des LichtfesteS auch in de« frömmsten Gemeinden nichts zu verspüren war. Man entzündete die kleinen Stümpfe und schaltete ein Gebet ein. das war alles. Aber was ist daraus geworden, und wie ist es gekommen? Man hat die Augen aufgemacht und sich nach dem Guten umgesehen. Da es auch eine jüdische Not gibt, so war der Weg der Nachahmung nicht nur verständlich, sondern durchaus berechtigt. Dieses Beispiel könnten wir getrost vrrallgtmeinern, denn die Welt hat sehr viel Gutes vom Judentum erfahren und entlehnt, so daß eS kein Verbrechen und nicht einmal ein Fehler ist, wenn auch wir bei den andern daS Gute entdecken und bei uns elnorünen. Damit soll Orgelfrage und jede Reform des Gottesdienstes nur andeutungsweis« gestreift, «Ser doch nachdrücklich gesagt sein: Wenn wir das Oute suchen, daun werden wir daS Beste bei uns selbst finden. DaS gilt auch für Sukkaus! Noch gibt eS eine S-itte, daß die frommen Brüderschaften gerade in der Festwoche sich gesellig zusammenstuden. Wie wäre e-, wen» alle uvfereAereiue, dia Kvwra», dia und was sonst in jeder OKuatnte sich -ftfami»«-, bat, am Hüttenfaste sich ote-sammelteft, Mi weift bekund«» und für sie wertes Moll .. die Fülle der Pfü-ren telchsrr, ' j Lasset dt« jüdische Sehr« und die jüdische Arbeit als Leftftnn« dt- Hütten» und Gchlutzfesiss erglänze», dann werden stete Neun Lage «ach den drei erhabenen des TifchvimonatS auch tetkige fein und unserer Gemeinschaft Kraft und Gegen spenden. ..—W——>»—»—»—Hl»«»——« |i): VersammlimgsLalender. || BreSla». (Jüdisch-liberaler JugenLverein ^itbrc Geiger".) Geschäftsstelle: BreSlau 7. HSlchenstraß^K. l. Beretnslobal: Vereinszimmer des Konzerthauses Gartenstratze, Eingang Portal 1. DvnnerStag, den 16. OktöSek. «BeUdS $4 Uht. Stttzer- -r-entliche Mitgliederversammlung. „Ausgaben deS Del«- giertentages jüdisch-liberaler Jugetidvereine". Einleitendes Referat, freie Aussprache. Pünktliches uUL zahlreiche- Erscheinen der Mitglieder erbeten. Voranzeige: Mittwoch, Len 22 .Oktober, im Saale der Lessingloge: Gemeinsam« Versammlung mit dem Ktetete« Verein der Ttznagogen-Gemeinde: Abraham Geiger-Gndächtnis-Feiek. Berli«. (Lttevaler Verein für die Angelegenheiten d« jüdische« Gemeinde zu Berlin, e. B.. Bezirksgruppe NorhW Am Sonntag. den 19. d. Ni., findet nachumttag- SV» lW in Ser tznUShütte der Neuen Synagoge eine SukkanSfeuw tnsSesondek« für Sie reWre Jugend statt. / Im Aueroachschen Waisenhaus. Schönbauftr Allee iK» findet regelmäßig, abends 6X Uhr, Freitagaben-^SottsAdienst mit Orgel, Chor unh Predigt statt. Au allen SukküüSfoiertagen wird im Aue^' ^chschen Waisenhaus ei« liberaler Gottesdienst mit Orgel. .Chor und Predigt, abends 8)4 Uhr, abgehalten. Nach dem Gottesdienst findet Kiddusch in der Sukkoh statt. Mer- Hl Sure Organisation! Sendet die -eiträge ond Spenden! Postscheckkouto der Bereinigung für das literal« Judentum E. B., Berli» NW. 7. Rr. 18796». Kalendarium für die Zelt vom 10.10. bi-18.10.. Oktober 1924 Lifchri 868L Freitag 10. Sonnabend 11. Sonntag 12. Montag 13. Dienstag 14. Mittwoch 15. DonerStag 16. Freitag 17. Sonnabend 18. 12. 18. Wochen-Abfchnttt Haasinu (5. B. M. Kav. 82) Haftarah: Ezechiel 17,22-24.18,14* 14. Crew Sukkoth 15. 1. Tag Sukkoth •-r-'r-inmo] 16. 2. Tag Sukkoth-Ausgang,8$7 , _ iS: 1: iS* <p ö! * 19. 8. Tag Chol hamoöd 20. Sabbat Chol hamoö- (2. B. M. Kap. 83, 12-28, 84, 1,26, 4. B. M. Kap. 29, 26-81) Haftarah: Ezechiel Kap. 88,1* Erinnerungen. Bon Clementine Krämer. (Fortsetzung.) Lieber Vater unserer geliebten Mutter! Zu deinen tkürku soll hier die Geschichte vom Hofbauer stehen. Diese altmodische Geschichte mit der versöhnenden Gerechtigkeit O« Schluß. Wie ich sie vom Großvater hörte, da war ich »och ei» ganz kleines Mädchen, aber wie er sie selbst erlebte, wie lange mag das wohl schon her sein? — Er war geboren Anno 1811, denn Anno 1911 haben sich all seine noch lebenden Kinder und Enkel zu seine» Ehre» dort in dem kleinen Dorf zusammengefunden, an seinem Grab. auf dem „gut Ort", wie sie den tanntnumrauschten. Uralten, halbverfallenen Jndenfriedhos im besinnlichen Svmbol nennen. Und so ist diese Begebenheit schon hundert Jahralt. Und wenn man es nicht schon so wüßte, könnte man auS ihr lernen, datz es auch damals gute und ebenso ganz schlimme Mensche» gegeben hat, genau so wie heute noch. Und man könnte die Frage aufwerfen, weshalb man so viel arbeitet an der Verbesserung des Menschengeschlechts, wenn eS doch nichts nützt? — Aber das kann man wiedervm auch nicht ohne weiteres behaupten. Ein bißchen nützt eS doch, nur nicht in einer so kurzen Zeit, wie eS a« der Ewigkeit aemeffen hundert Jährchen sind. Denn wenn man die Menschheitsgeschichte von Anfang an durchgeht, kann Man schon einen Aufstieg bemerken. Zum Beispiel hat die Menschenfresserei so ziemlich aufgehört und die Folterqaaleu. wenigstens als öffentliche Einrichtung, und noch so manches. Aber wie gesagt, den weitaus größeren Teil des WegeS haben wir noch vor uns. Kein Ereignis hat uns dies so deutlich gezeigt, als wie der große Krieg in unseren Tagen «och. Und diese Geschichte. Sie ietzt kommt, hat mir mein lieber Großvater, als er in unser Elternhaus zu Besuch gekommen war. selbst erzählt, indem er mich in unserem Gartenhäuschen auf seine Kniee nahm. Und die Diana zu Häuvten konnte auch zuhören, wenn sie wollte, ick glaube «S ater nicht, denn ste war schon ganz alt und verstaubt und Überhgupt bloß auS Gips. D,t haben schon eher die wilden Matvlumensträncher aufgehorcht, denn sie nickten uns immerfort zu.. Ebenso der uralte Reinettenbaum, der dem Großpapa zum Dank einen ganz großen?lpfel vor das sijartenhauS warf, fast so arotz wie der Kopf von me'nem kleinen Schwesterchen, welches Melaniechen hieß und gleich ein paar Docken danach sterben mutzte. Und wer ferner aufgehorcht hat. daS waren die Kalnkanthushecken und -er Bucks. Denn ein halbes Jahr vorher batte Großvater uns da hinein die Ostereier versteckt und an die Kalnkanthnssträucher hatte er di« erster: Kirscken aebund-'n. ES ist «^cin Wunder, da" der ’<* Garden still zn^örte. denn so schön wie (Virnfm-ter bade ick seitdem nie wieder «inen Mensche« Geschichten erzählen hören. Und für den Fall, -atz ich eS fetzt nicht so fei» hervorbringe« kau», muß man nicht gleich die Nase rümpfen, denn es ist gewiß nicht Großvaters Schuld: viel eher die meine, aber wie lange ist -öS auch her. baß ich dieser Geschichte gelauscht habe. AUo: Der Großvater war gerade 13 Jahre alt. wie sein Vater starb. Da blieb er zurück und seine Mutter und noch sechs kleine Schwesterchen. Di« hießen: Bertha, Toni. Babette, Clara. Veilchen — die nannten sie „Vögelchen" — un- Gudula. Die nannten sie aber bloß „Giedele". Und Großvaters Vater hatte zu seinen Lebzeiten zum Freund gehabt — wenigstens glaubten sie alle, datz es der Freund wäre — den reichen Hofbauer. Der wohnte ein paar Stunde» weit weg auf einem blühenden Gehöft. Und stand fest und breit auf beiden Beinen. Und es blitzten die silbernen Knöpf« au seinem langen, dunkelblauen Sonntagsrock. wie ihn «vch heute die Schwauz-wälder Bauern im Nürttemberstischen mit Stolz tragen. Aber der Ho Bauer hat den fehtiftlft, wie man sehen wird, bald ausgezvgett... . Nu« tewerkt der das Jubenvübl«. welches später mein Großvater wurde, daher kommen, und verwundert sich, daß der Kleine allein ist. ^Was sicht. Bühle» wo ischt der Nabtet?" Da schluckt der B-ub und schluchzt und kann 68 betuahe nicht herausbringen vor Serzweh. daß sie den Vater begraben haben vor ttner Woche. Und der Großvater muß in all seinem Schmerz staunen, daß der Bauer gar nicht tesouders traurig ist bei dieser Nachricht, und Motz kalt fragt, was nun er — der Sohn — wolle? — Dieser erwidert, er solle de» Sack Korn abholen, den -er Hofbauer dem Vater noch schuldig wäre, denn bei ihnen dabeim sei setzt die Not groß. Die Mutter laste auch darum bitten. Da stellt sich aber der Bauer auf einmal ganz dumm und sagt, er wisse nichts von einem Sack Korn, und der Buh solle blotz nicht frech sein. Aber der Großvater hatte doch selbst dabei gestanden — denn bäum war er aus der Schule, hatte ihn der Urgroßvater mitgenommen zum „Handeln" — wie sein Vater urch der Bauer vor zwei Wochen miteinander davon gesprochen lßHen. Jedoch ein Schuldschein oder dergleichen war nicht ausgestellt worden unter so suten Freunden... „Hofbauerl" — schkeii das Kind und Sollt die Fäuste. Da wendet sich Ser Bauer, sagt kein Wort, geht langsam auf die Hundehütte zu und macht Anstalt, den große« Hofhund, Sen Koran, vor dem sich Großvater schon in gute« Zeiten immer heimlich ein wenig gefürchtet, von der Kttte zu lösen. Und M arme Kind rennt davon. In Schauer und Todesangst. So ein Mensch wie dieser Bauer ist tu meinen Augen nicht nur ein Betrüger, nein, er ist einem Mörder gleich z» achten, weil er — wie leicht — in der Seele dieses Knaben den Glauben an a l l« Menschen hätte töte« können. Nun Gott sei Dank, bei rmserem Großvater ist ihm dies nicht gelungen. Das sieht man nickt nur daran daß er noch im hoben Alte, den Kindern Kirscken an die Kollikantkus- <>'ckcn band und die Ostereier kü'- sie kunstvoll vtrsteckte. sondern noch deutlicher au dem Schluß dieser Geschichte selbst. Also nun sind vlel« Jahre vergangen und mein Großvater hat es mit harter Mühe dazu gebracht, daß er jeder von den sechs Schwestern ein Heiratsgut geben konnte. Und er selbst ist zu Weib und Kindern gelangt und darüber hinaus zu Wohlhabenheit und Ansehen Sonst würde er nicht im Herrenstübcheu sitzen. Gervte wie die Tür aufgeht und ei« alter Bettler hereinkommt. Und wer ist dies? Das ist der Hofbauer. Aber letzt hat er aar ntitzts mehr von einem solchen, als wie den Namen, der ihm wie zum Spott verblieheu ist. Und was tut nun der Großvater? — Man denkt vielleicht, er habe den Bettler -avowgejagt, so wie er eS ia gewiß verdient hätte. O nein Großvater nimmt dem Alten den Hut aus der Hand, wirft selbst zum guten Beispiel ein großes Geldstück hinein und bittet die Herren, es sich ebenfalls nicht Sereue« -u -asten, denn er kenne diesen Mann und wisse, -aß er Unglück sehabt unditft bessere Zeiten gesehen habe. Der alte Bettler steht erstaunt und wundert sich, denn «i« soll er in dem Herrn ieneS Büble wiadererkeunen. das «r einmal um einen Sack Korn betrogen hat? Als ihm dann ter den gefüllte« Hut hinhält. faßt sich der Alte ein Herz und fragt, mit wem er es zu tun habe? „Kennt Ihr mich nimmer, Hofbauer?" und der Großvater si«ht ihm voll i«S Gesicht. Da fängt der sogleich furchtbar an zu weinen und schluchzt, daß er seit jenem Tag kein Glück mehr gehabt habe. Gleich im selbigen Jahr habe eS ihm daS Korn verschlagen und die schönst« Kuh rat Stall sei ihm verreckt, und dies Unrecht, das er inzwischen oft und oft bitter bereut habe, habe ihm nur Unglück gebracht. a , a , Ich habe eS zum voraus gesagt, daß dies eine altmodische Geschichir ist. Und vielleicht denkt man, sie wäre überhaupt nichts besondere- und es könwe so etwas leicht passieren: und andere Mensche» hätten ebenfalls gute und edle Großväter. Das kann wohl sein, daß sie nur mir schön und b«S Erzählens wert scheint, well eS mein Großvater war, »»- weil er wir sie erzählt hat, dort in unserem alten GartenhSuSchen. In dieser Geschichte kam unsere gipsern« Diana vor. und als Ich von ihr sprach» fiel mir ein, was Mutter sagte. alS wir — ich war eben 7 Jahre alt geworden — aus unserem Dorf wegzogen. Sie siagter Diese beiten müssen wir hier lasten, dafür ist kein Platz in -er Stadt: die Diana und den Jtzia. Bon diesem Jtzig aus unserer alten Heimat will ich jetzt erzählen und von drei anderen (die gleichzeitig in meiner Erinnerung aufsteigen) auS dem Württembergtfchen. Armer Jtzig! -- fast kommt es mir wie ein Unrecht an dir vor. -aß ich dich in einem Atem mit den anderen nenne, Senn eigentlich gehörst du nicht recht zu ihnen, weil du der einzige -ist. der nicht immer so war. von Anfang an. Sondern -ich Machte ein unglückseliger Zufall dazu. Die drei anderen sind: -er Jauseple, der Sck-mnle «nd h«r Gudel Herrschle (Fortsetzung folgt.)