Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 34 (5.10.1924)
- Date
- 1924-10-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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II.UJIPI.IIIJI II .141 »^WMWPWWWWWWWW SKTfecr deus ex machina; Wenn dar Dichter will, erschein? ein Licht — und Jer. hat »I „Was wir* ein Gott, der nur von außen stieße, das Weltenrund am Finger laufen ließe! Ihm rtemt's, die Welt im Innern zu bewegen . . — von diesem Goethe wort hat Ph. keinen Hauch verspürt. Von jener geheimnisvollen Ge» doppeltheit alles Geschehens, die Rabbi Akiba mit dem Worte kennzeichnet: „Alles ist vorherbestimmt, und dock ist der Wille frei", davon weiß Ph. nichts. Ihm ist Gott eine Macht neben, meinetwegen vor den anderen Mächten, prittus Inter pares; nicht aber „der Herr der Mächte", von dem sie ihre Wirkungsfähigkeit borgen, um denn scheinbar selbständig zu arbeiten und in Wahrheit doch den Willen ihres Regisseurs hinter den Kulissen zu vollziehen 1 Und so ist Jer. eine „offne Tür", durch die Gott aus und. ein geht, eine tote Trompete des transzendenten übernatürlichen Gottes unserer Kinderzeit. .Wie anders bei Zweig! Da ist Jer. ein staunenswert scharfsinniger Geist von ungeheurer sittlicher Energie; an unscheinbarsten Kleinigkeiten entzündet sich Sein* Ekstase mit unerbittlicher logischer und ethischer Konsequenz zur himmelanlodernden verzehrenden oder verklärenden Glut; und das Rätsel bleibt unlösbar: wer spricht, der geniale Mensch oder der ewige Geist? Philipp» Jeremia ist ela eigensinniger Schwachkopf: Nicht einmal seine Braut kann sagen, warum sie ihn als Propheten verehrt, noch weniger wir, warum Gott ihn erwählt. König und Volk glauben ihm nur, weil und solange die Tatsachen ihm recht gebenüberzeugen kenn er niemanden. Das ist die Auffassung des Propnetiemus von Deuteron. 18,21 f. gegen 13,2 ff. Wir wissen, daß viele biblische Weissagungen nicht in Erfüllung gegangen sind, is, daß Propheten, auch Jer., öfters ihre Meinungen gewechselt heben, Unsere Verehrung für sie hat dadurch nicht gelitten. Denn nicht ihre politische Einsicht macht sie für uns zu Propheten, sondern ihre ethische Größe, nicht ihr Wissen, sondern ihr Gewissen, nicht ihre theoretische, wohl aber .hre praktische Vernunft, die so übervernünftig ist und darum als die Selbstbezeugung der objektiven Weltvernunft erscheint! Wenn Jer. mit seinem Gotte hadert, so darf dae aiolit zu dem Gedanken führen, als stünde dieser Gott wie ein Tyrann über dem ohnmächtigen Sklaven. Jer. hat euch in der Bibel, und er hat ganz gewiß nach unserer heutigen AnschtuuniJ in allen Anfechtungen zu innerst das Gefühl der Verbundenheit mit Gott, wie ein Mensch, der mit seinem besseren Selbst kämpft. Demgegenüber erscheint Philipp» mechanistische Auffassung kleinlich, trocken, hölzern, für uns unbrauchbar. —. Darum verfehlt er auch am Schlüsse die Wahrheit, welche der historische Jeremia aus der Katastrophe seines Volkes gewonnen hat. Denn diese war nicht der Universalismus, wie im Stück, sondeit die pevelaUche im Gegensatz zur ethnische» Religiosität 1 „Ick lege meine Lehre hTrnr Inneres" (Jer. 31,30 ff.), so daß die Mensche» ohne Gesetz und Erziehung und Lehre (nicht: ohne Kultus!) Gott begreifen und liebend verehren: Jeremia ergreift das Geheimnis seines eigenen Herzens und macht die . ttttio mystica, den Freundschaftsbund zwischen Gott und Mensch, die Wesenseinlieit des menschlichen und Welt-Geletes zu einem neuen Ideal der Menschheit — das es wahrlich verdient, von der Kanzel des Theaters auch einmal verkündet zu werden! Statt dessen öffnet Ph, das Ventil der Verzweiflung ganz unmotiviert nach der falschen Richtung der Heidenbekehrung. der Mission Israels usw. So Ende ich nicht viel Gutes an diesem Stück, mindestem nichts Jeremia Kongeniales. Und wer das nicht geben kenn, •eilte solchen Propheten nicht auf die Bühne bringen! Fuchs- Chemnitz. Felis Pinner: Deutsche Wirtschaitslührer. Verlag der Wettbttbae, Charlottenburg, 1934, Ein ungemein interessantes Buch von bleibendem historischen Wert hat Felix Pinner unter dem Pseudonym Frank Faßland vor kurzem im Verlag der Weltbühne erscheinen lassen. Es bringt fesselnde, lebendige Essays über die großen deutschen Wirtschaftsführer unserer Zeit, in denen ihr Lebensbild, ihre Persönlichkeit und ihr Wirken plastisch Herausgearbeitet sind. Da« ganze wächst weit über den Rahmen der für die Tagespresse geschriebenen Zufallsarbeiten heraus und wird — fast nebenbei — zu einer packenden Darstellung unserer modernen Wirtichsftsgcschichte und der Technik der KapitaUzusammenbaHung während der Inflationszeit. Besser und die Allgemeinheit mehr interessierend kann man die Historie unserer seltsamen, kranken und anormalen Zeit nieht schreiben. Geradezu verblüffend ist Plnners Sachkenntnis; man staunt mit welchem Fleiß und Spürsinn das überaus schwer zu beschaffende Material von Vorgängen und Schilderungen zusammengetragen ist, dessen Veröffentlichung den Betreffenden sicherlich nicht durchweg angenehm gewesen sein Mag. Nun ist Pinner allerdings Leiter einer der größten deutschen Handelszeitungen und in diesem Beruf sind ihm natürlich mancherlei Informationen zugänglich, die dem gewöhnlichen Zeitbeobachter verschlossen bleiben. Trotzdem ist et bewundernswert, mit welchem Gelingen hier äußerst schwierig zu erfassende Zusammenhänge klargelegt sind. Alle die großen Kapitäne unserer Wirtschaft wie Stinnes, Thyssen, Krupp, Henckel von Donnersmarck, Siemens, Bosch und viele andere werden mit frappanter PortraitähnHchkeit abkonterfeit, ihre Lebensgeschichte wird aufgerollt, und dabei wird das Wesen BS9SBS9 unseres ach! immer noch hodhkapitalistischen Zeitalter, te markanten Zügen geschildert — — Seit undenklicher Zeit ZW* brachen «4ek die Beaten dar Meneehhett die Köpfe, wie man aus einer kapitalistischen wlrtscnamerdwittg eine bessere, soziale machen kann ... Leider ist die Quadratur auch diese« Zirkels vorderhand nicht lösbar, und die nächsten Jahrhunderte werden, —. da die Menschen min einmal verschieden und vor allem keine Engel sind, — das ersehnte Dorado zweifellos nicht bringen! Zwischen „Kapitalisten" und „Kapitalisten" ist aber noch ein Unterschied! — Pinner charakterisiert sehr fein die verschiedenen Typen unter den heute herrschenden GeBdfüreten. Da »eben wir vor allem, daß die antisemitische Unterstellung von einer finanziellen Vorherrschaft des Judentums in Deutschland ein — Märchen für Unwieeende kt. Der größte Tefl der führenden deutschen Flnanzmajnaten sind keine Juden, und die Handivoll jüdischer Wnrtschaitsführer spielt wirklich keine ungünstige Rolle; von Rathanau und Bal'Kn angeiangen, die ihre Treue zu ihrer deutschen Heimat mit ihrem Leben Bezahlten. bis zu den Bank- und Warenbauedirektoren Filmten» berg, Mankiawtcz, Herzfeld. Tietz usw,, die sich ihrer sozialen Verantwortung stets bewußt waren. Auch die Führer dar großen Konzerne und Jakob Michael haben ihr Finanzgenie oft in den Dienet der All* gemeinhert gestellt. Was J. Michael anbettM, so muß erwähnt werden, daß ebenso weit verbreitet und verzweigt wie seine geschäftlichen Unternehmungen auch seine Fürsorge- und Wohlfahrtseinrichtungen sind, was nicht allgemein, bekannt ist. Es liegt in der Natur der Sache, daß Bücher wie das Pinnergehe rasch den Reiz ihrer Aktualität einbüßen, ja teilweise veralten. Es ist zu wünschen, daß bald eine Neuauflage erscheint, d!e Schilderungen der inzwischen wieder Großgewordenen bringt. Dr. Ludwig D a v I d e 0 h a-Beriin. Onkel Wolff dor Kleinstädter Luitspiel In «tonm Akt ton Artur Schweriner. PhllhermonieeW Verleg, Berlin W 30. Ein Quäntchen Sentimentales und ein Schuß Tendern in einen großen Topf Lustiges: so ist der Einakter de« wackeren Kämpfers für jüdische Gleichberechtigung bühnenwirksam und geschmackvoll gearbeitet. Sein wesentliches Ziel, uns wieder zur Bodenständigkeit als 'einer Grundlage unterer Emanzipation zu erziehen, macht das Lustspiel zum Repertoirestück von jüdischen LiebbeJbtrbiihnen und Vereinavorstcllungcn deutsch-vaterländischen Streben«. Ee eei besonders auch den Leitern der Ui« als Aufgabe für schauspielerische Begabungen in unseren Jugendvereinen empfohlen Botho Laserstein -Berlin. mammmmmmmmmmmammmmmmarn LMtr Verein tlr die dir JHIsdien Sneiiie u Birils e. V. Bezirksgruppe Norden. Qolletdleml Synagoge Schönhausei Allee 162 Versöhnungstag abends Beginn 58/4 Uhr vormittags Beginn 10 Uhr Die Seelenfeier findet nidtt nach der Predigt, sondern am Schlüsse des Mutaf« Gottesdiestes statt. Krankel Gewissenhafte Behandlung mittels Bio&eiste, Natarrerfahren u. Elektro* Tkerepfc' r» fMdifr«luenz-Bestrahlungen und Massagen, Ozon-Inhalationen. "Solidest** Preise. „UulaMnstttat“ SObSneherger Hier 34 9-12 u. 3-6. Bernhard MaitiHg Spezial-Anstalt für Gardinen- und WSsche > Appretur und Reparatur Berlin C 2; Kaiser -Wilhelm- Strafte 5 3 Norden 11294 Schmidts Braut n. LmusFahreeseg iiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Inhaber: Erich Schmidt Charlottenburg, Knobelsdorff-Straße 11 Untergr. Bhf. 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