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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-10-05 · 34 (5.10.1924) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
34 (5.10.1924)
Date
1924-10-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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4. Jahrgang Nummer 34!. Beklag« 5. Oktober 1924 Die Iudensrage auf den Hochschulen. Der Besinn eineneuen Studienjahres bringt automatisch das seit dem Umsturz schon chronisch gewordene Problem der Einschränkung bei der Aufnahme jüdischer Hörer an den Hochschulen zur öffentlichen Diskussion. Von jüdischer Seite wird dabei meist der Fehler begangen, die Krage rein j u r i st i s ch zu behandeln und mit dom Hinweis auf die Ungesetzlichkeit einer solchen Aufhebung der Lernfreiheit abgetan. Einem solchen „Gerechtigkeitssanatismus" wäre ia streng logisch Genüge getan, wenn die noch in Kraft stehenden Staatsgruudgosetze, die die Gleichheit aller Staatsbürger aussprechen, einfach außer Geltung gesetzt würden. Die Antisemiten wünschen sich gar nichts Besseres, ja. es ist ihnen um eine solche Wiederherstellung mittelalterlicher „Rechtsamkeit" weit mehr zu tun als um einen plumpen „Rechtsbruch". Ihr leuchtendes Borbild ist Horthy-Ungarn, wo die Unterdrückung des Judentums auf streng „legitimem" Wege durchgeführt wird. Ist sie deshalb dort weniger verabscheuungSwürdrg und schlägt nicht gerade ein solches „Recht" der höheren Rechtlichkeit ins Gesicht? Gerade der Antisemitensturm aus die Hochschulen entlarvt die Unsittlichkeit des Hakenkreuzlertums in seiner ganzen Verlogenheit. Denn die klassische Hauptanklage gegen das Judentum gipfelt, seit die Märchen von der Hostienschänduyg und den Brunnenvergiftungen nicht mehr ziehen, in -er Behauptung, daß die Juden ein Parasitenleben auf Kosten der Wirtsvölker führen, deren Lebenssäfte sie wucherisch anssangen. Ein so begründeter, sich gern „wissenschaftlich" gebärdender Antisemitismus hätte, um seine Berechtigung darzulegen, den Nachweis von -er Unfähigkeit der Juden zu erbringen gehabt, sich über die Wucherexistenz hinaus zu entwickeln. Statt dessen schlagen die Herren Lärm, weil die Juden ihrer ,Mnaufpslanzu'Ng" im Sinne Nietzsches nicht nur keinen Widerstand entgegensetzen, sondern sie sich im Gegenteil höchst angelegen sein lassen und zu ihrer Erreichung weder materielle noch moralische Opfer scheuen. Ein Symbol dieser Opferfreudigkeit ist der berüchtigte gelbe Schein, mit dem sich die jüdischen Studentinnen im Zarenreiche auf Kosten ihrer Krauenwürde den Ausenhalt in den russischen Universitätsstädten ermöglichten. Solch beispielloser Feuereifer nach Bildung und Wissen straft zwar das antisemitische Gefasel von dem Materialismus der Juden gründlich Lügen, liefert aber den Rittern vom Hakenkreuz nur ein neue- Schlagwort: Die jüdische „H e r r s ch s u ch t". Und doch haben gerade antisemitische Statistiker im blinden Nebereifer, die Berjudstng' gewisser Berufe zu brandmarken, den eklatantesten Beweis für die Tatsache geliefert, daß die akademisch graduierten Juden weniger der staatsbeherrfchenden Bureaukratie zustreben als vielmehr den freien Bernsen der Advokaten. Aerzte usw. Wenn in diesen Berufen der jüdische Prozentsatz eine auffallende Höhe zeigt, so zeigt das nur. daß der Jude in einem weit geringerem Grade das Studium als einen Weg zur bequemen Staatskrippe betrachtet als der Arier und in weit stärkerem Ausmaße als dieser auch mit dem Doktorhut geschmückt im freien Wettbewerb der Kräfte den Kampf ums Dasein zu führen. Der Jude ist eben schon im Ghetto zu her Auffassung erzogen worden, das Studium als Selbstzweck zu üben. Ter Ostjude, der den Talmud „lernt", findet es auch heute noch ganz natürlich, sich sein Brot auf eine mit seinem Studium in keiner Weise zusammenhängende, oft harte und demütigende Art zu verdienen, so wie dereinst der Westjude Spinoza das ihm angebotene Lehramt an der Heidelberger Universität abgelehnt und lieber durch — Nrillenschleifen den Unterhalt für sein der Philosophie geweihtes Leben gefunden bat. Im Lichte dieser Tatsachen ist die Erscheinung von groteskestcr Komik, daß sich heutzutage gerade die schon abgebauten oder vom Abbau bedrohten Staatspfründner am lautesten über die parasitären Neigungen — der Juden beklagen. allen voran die Herren Offiziere. . . . Diese wackeren Leute zetern über die Revolutionen von 1848 und 1018, weil diese angeblich die Inden in den Sattel gehoben haben. In Wirklichkeit hat sich das Judentum kulturell schon zu Zeiten durchzusetzen vermocht, in denen seine politische Emanzipation noch lange nicht in Diskussion stand. Beispiele hierfür könnten ganze Bücher füllen. Ich beschränke mich hier auf zwei: 1. Die altdeutsche Dichtung wimmelt von Motiven aus dem Talmud, von solchen aus dem Alten Testament gar nicht zu reden. 2. Tie Inden haben im 13. Jahrhundert die Kenntnis des Aristoteles, auf dom später die katholische Scholastik aufgebaut wurde, dem Abendland vermittelt, indem sie diesen altgriechischen Philosophen aus dem Arabischen ins Lateinisch: übertrugen. Der große Hohenstaufenkaifer Friedrich II. (1212—1250) hat sie in Würdigung ihrer wissenschaflichen Befähigung zu dieser Arbeit he ränge zogen. Ilnter diesem Herrscher hat auch die deutsche Poesie einen gewaltigeg Aufschwung genommen, und deren Repräsentanten, die mittelhochdeutschen Minnesänger Ma l t e r v. d. B o g c l rv e i d c), Aphoristiker (Freidank) und Epiker (Wolfram v. Eschen buch) sind ebenso für die religiöse und nationale Toleranz eingetreten, wie der deutsche Klassizismus der Neuzeit (L es sing). Der Literaturhistoriker Wilhelm Scherer erklärt es als ein Zeichen des Verfalls im dreizehnten wie in unserem Jahrhundert, wenn die Fanatiker auftreten. die den Antisemitismus ans ihr Bonner geschrieben haben. Es läßt sich auch nicht leugnen, daß das Deutschtum gegenwärtig eine Periode des Medergangs durchmacht. Wenn ihm wieder ein Aufschwung beschickten sein wird, dann wird cs auch die Inden als kulturelle Mitarbeiter wieder zu schätzen wissen. Tr. H u g o S p i e g l e r (W i e n). e Die jüdische Gegenwart. § Die Tagung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Die diesjährige Tagung des Reichsbundes indischer Frontsoldaten, am 21. und 22. September, nahm einen erhebenden Verlauf. Vertreten wären fast 500 Ortsgruppen, mit ungefähr 200 Delegierten. Somit war der Beweis erbracht, für die ungeheure Werbekraft, die der Abwehridee des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten innewohnt. Aus allen Teilen des Reiches, aus Ost und West, von Rhein und Ruhr, von Nord und Süd rparen Kameraden, erschienen, die Wunsch und Willen ihrer Ortsgruppen zum Ausdruck brachten! Ein Begrüßungsabend der Ortsgruppe Berlin, Bezirk Moabit, vereinigte die auswärtigen Kameraden am Sonnabend abend. — Ter Sonntag und Montag waren angefüllt von Beratungen ernsthafterer Natnr. Eingeleitet wurde der Sonntag durch Referate. Das erste betraf, von Kamerad Chefredakteur Götz gehalten. den Ausbau des „Schild". Das zweite Referat hielt Kamera- Ledermann. Sein Thema lautete: „Jüdische Jugend und Sport". Unter Zustimmung der Versammlung betonte er, daß die Sportfrage eine Lebensfrage des deutschen Judentums wäre, und daß der Reichsbund die berufene Organisation sei. das Patronat über die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend zu übernehmen. Dabei soll den bestehenden jüdischen Jugendvereinen kein Konturrenzkamps geliefert werden» sondern der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten soll dank feiner parteipolitischen und innerjüdisch-politischen Neutralität die Plattform sein, um die bestehenden Jugendvereine unter dem Losungswort des Sports für seine körperliche Ertüchtigung her jüdischen Jugend betreffenden Bestrebungen zu interessieren. Alsdann hielt Kamerad Tr. Wiener ein Referat über die allgemein politische Lage, nach welchem sich der 1. Bundesvorsitzende, Kamerad Dr. Leo Löwenstein, über die nächsten Aufgaben des Reichsbundes, äußerte. Alsdann folgten Statutenänderungen und Neuwahl des Vorstandes. Zum 1. Vorsitzenden wurde spontan der Begründer unseres Bundes, und bisherige Bundesvorsitzende, Dr. Leo Löwenstein gewählt, als 2. Vorsitzender. Kamerad R.-A: Dr. Samoje. Berlin. Ferner gehören dem Vorstand an: Kanrerüd T^. Elkeles, Gumvert. Dr. Zwirn. Dr. Wiener, Ledermann. R.-A. Koczower. Justizrat Chodziesner. Die Tagung erbrachte den Beweis, daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten» geeint über das ganze Reich zu einem machtvollen Bollwerk gegen die Flut des Antisemitismus geworden ist! Appell ungarischer Juden an Amerika. Der Bervand der ungarischen Juden in Amerika.hat den republikanischen Kandidaten Präsidenten Coölidge. he» demokratischen Kandidaten John W. Davis unan den Mdabhängigen Kandidaten Senator Robert M. La Follette ein Schreiben aerichtet, in welchem gegen die Behandlung her Juden in Ungarn unter dem Regime des Admirals Hortlhy protestiert wirb. Der Präsident des Verbandes, stellvert«- tender Oberstaatsanwalt Dr. Bnchler, richtet an die PrW» -entschafts-Kandidaten die Frage, ob sie sich nach ihrer Wtchl bemühen werden, für eine radikale Aenderung der in UM garn herrschenden Verhältnisse zu wirken. Dr. Bnchler stellt in dem Schreiben fest, daß der Berbanib der ungarischen Inden in Amerika sich ans Hunderten von Zweig vereinen sozialen, gesellschaftlichen und erzieherische»! Charakters zufammensetzt und 250 000 Juden umfaßt.-Dam» heißt es: Hunderttausende ungarischer Juden sindem finsteren, barbarischen Regime des Admirals Horthy unterworfen. Die ungarische Regierung untergräbt die Existenz der jüdischen Kreditgenossenschaften, obwohl sie selbst auf dte Völkerbundanlethe angewiesen ist. Das Joint Distributiv» Convittee hat bis zum 1. April 1923 den jüdischen Kaufleuten und Handwerkern in Ungarn nur gegen einen starke» Widerstand des reaktionären Regimes mit 25 000 000 utte garischer Kronen beistehen können. Ungarn hat keine freien Wahlen. Liberale, wie Demokraten werden unterdrückt. Armee-Offiziere bilden öffentliche Verbände mit dem Ziel, die Freiheit der jüdischen Wählerschaft zu unterdrücken. Indische Studenten.sind deS Privilegiums beraubt. Hochschulen und Universitäten zu besuchen, da nur drei Prozent der Studierenden Inden sei» dürfen. Da nun diese Ausschreitungen eine klare Verletzung der im Trianvnvertrag verzeichneten Garantieen zum Schutze der Minderheiten bedeuten, fragen die ungarischen Jude» in den Vereinigten Staaten den Kandidaten für das -höchste Amt der großen Republik an. ob er für den Fall seiner Wahl geneigt sei. auf eine Aendernng der in Ungarn herrschende» VerhäItnisie hinzuwir ken. Eine neue Geschichte der Juden. Der jetzt in Rußland lebende jüdische Historiker Israel Zinberg hat eine neue Geschichte der Juden geschrieben. Zinsberg nahm bekanntlich hervorragenden Anteil an der Abfassung der in russischer Sprache erschienenen jüdischen Enzyklopädie. Das russische Judentum. Im Rahmen einer Artikelreihe über das religiöse Pro-> blem in Sowjetrutzland nimmt der Vertreter der „Frankfurter Zeitung", Herr Adolf Grabowsky. in ihrer stummer vom 21. September in folgenden Ausführungen zur Lage deruffifchen Judentums Stellung: Es fehlen noch Angaben über das russische Judentum. Der nichtkornmumstifche Jude in Rußland wird hin- und hergerissen von zwei Empfindungen: seine kapitalistische Natur wehrt sich gegen das Soavjetregime. auf der anderen Seite aber ist er diesem Regime dankbar, weil es mit der Aechtnng und Drangsalierung der Juden als Juden aufae» hört hat. Der Jude wird offiziell nicht um.ein Deut ander» behandelt als der Nichtjnde, nicht besser, nicht schlechter. ED steht ihm auch frei, sich zur jüdischen Nationalität zu bekenn«» oder nicht, tut er es aber, fo hat er genau dieselben Rechte wie die anderen nationalen.Minoritäten'. Auch die dritte Internationale hat auf ihrem letzten Kongreß eine scharfe Resolution gegen den Antisemitismus erlassen. Das schließt natürlich nicht aus, daß ein gesellschaftlicher Antisemitismus besteht, etwa wie in Amerika. Aber auch er wird immer wieder in Schranken gewiesen durch die konsequente Haltuna der Regierung.. In dieser Regierung selber sind die Inden nicht überwiegend, aber doch zahlreich. Ganz natürlich mutzte unter dem Zarismus das bedrückte Judentum ungemein viele Revolutionäre stellen. Aber darüber hinaus brauchte die rote Garde, der die kosmopolitischen Beziehungen des alten russischen Feudalismus abgingen und die zudem noch an der russischen Schwerfälligkeit leidet, das bewegliche, mit der Welt ververbundene Judentum als Triebkraft. Dabei aber bilden die Juden in der Regierung durchaus keine homogene Schicht: neben intellektuellen Schreibtischmenschen wie Sinowjenr oder Kamenew steht eine so vom Willen dirigierte Potenz Qualitätswaren eigener Herstellung, in vorzüglicher Paßform zu niedrigst bemessenen Herren-Ulster?;Är.Ä 4000 Qualität, Raglanform . ... Herren-Ulster ÄSÄÄ dezentem Ueberkaro ......... Herren-Ulster echterer, modfark Cheviot mit Rtickengnrt.. . Herren-Ulster S,7kgK3‘*”!5S tragfähig .. Herren-Ulster webte r Absei te, moderne, zwei rei h. Fora Herren-Ulster eioffe in versch. mod. 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