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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-10-05 · 34 (5.10.1924) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
34 (5.10.1924)
Date
1924-10-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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EISSPEISEN TORTEN . FEINGEBÄCK liefert frei Haus Bettellungiannahmet BERLIN W v, LEIPZIGER STR. 24 Merkur 4871 /73 Der Hamburger Dichter Dr. Jakob L o e w e n - Serg schreibt: Die schönste sich mit sich jclbiv. mii bcu Nceuichen und mit Gotr zu ücriiHsitcit ist die. andern Freude zu bereiten. s. •' .. ’ Ä/ $ Wer Len Krieg für ntf_____ _ .. als btt GEeeinjulauer, btt die Menschenfresserei für einen notwen-Lige« BosdanLäeU der sesellschaftlichen Orünnna erklärt, La es ja immer Menschensrefl» gegeben Satze. Der Krieg tft LaS letzte grobe Vartzavtsche Borurteil, Labte Menschheit ft« überwinden hat. Bersöl).!urig durch (^.otre-'.rle'uutnis ist die?,-vrs-erung deö Herrn Dr. An er, Brioatbozent r.a der Utt in erst irrt Halle: „Tiner' must den Anfang mir dem vergeben machen", ichlicstt Blörnsons Drama „lieber die .straft". Aber klingt nicht die Ueberschriit dieser Dichtung mie ein negatives Porzeichen zu der Mahnung am Ende? Das Gebot des ersten Schrittes zur Versöhnung gebt tat'ächlich über die Kraft des Durchschnittsmenschen. Und nicht nur der erste Schritt: auch der nUK’itc. Ich rvitt vergeben, sagt der Herr OmneS im 'Brustton seiner Grostmn!!g--?it: aber vergessen kann ich nicht. Das nennt er dann Versöhnung. Der Einzelpraxis entspricht das Kollcktivverhalten. Wie unversöhnlich sieben sich beute Klassen, Parteien, 'Nationen. Völkcrgrnppen gegenüber! Ist echter Bersöhnnngswittc nicht doch nur ein übermenschliches Ideal? Ja. in der Tat handelt, es sich hier um einen Wert ans übermenschlichen Sphären. Versöhnlichkeit ist ein Attribut Gottes. Ein Großer der Antike, Paulus von Tarsus, hat das feine Wort geprägt: Gott versöhnte die Welt mit ihm selber. Er sagt nicht: Gott versöhnte sich mit der Welt. Dessen bedurfte es nicht: Gott ist ja die Versöhnung. Aber die Welt stand ihm feindselig gegenüber, tveil er ein verborgener Gott ist, ivie Jesaja, der Prophet, schreibt, — ein König der dunklen Kammer, wie ihn Nabindranaih Tagorc nennt. Dann hat Gott sich geoffenbart. verkündet Paulus weiter, und damit die Feindschaft gegen sich ansgehoben. „So hat er unter uns ansgerichtet das Wort von der Versöhnung." Schwer verständliche Mctapbnsik lehrt jener grotzc Apostel des jungen Ehristentnms. Aber es findet Widerhall im Oerzen auch des modern Denkenden, wenn er die Quelle der Versöhnnng austerhalb dieser Welt sucht. Versöhnung —^ das isr ein göttlicher Zug. Die Kraft dazu must von eben isrdrnen. Ans den: tzst-rdenacker wächst sie nicht: allein d.o st>el!!v--n rit ihr :-'-':it,crbo>' :n. B-evsöhnnng üben kann der nur, den der Lichlstinle d>--s ewigen Loao?> durchglüht. Die Verfasserin des HeineromanS: „Die Geschichte der kleinen Fließe", Frau Doris Wittner, die bei uns zahlreiche feuilletonistische Arbeiten veröffentlichte, antwortet: Friede sei ihr erst' Geläute," so segnet der Dichter die jung« Glocke: „Friede ici mit euch." so lautet Ser fromme Grub im Orient wie im Okzident, ob Ser Evdenpilger zu Icrhwe oder zu Allah oder zu Christus betet. „Liebet euch untereinander," gebietet die Gotteslehre als aller Weisheit letzten Schlub allem, was Menschcnantlitz trägt. Aber ach: wie hat -iese Menschheit das Wort in die Tat geivandelt! Furchtbar ist Sie Sprache der Vergangenheit, unheilschwangcr der Geist der Gegenwart. Zwar das Wcltgewissen scheint endlich zu erwachen, doch ganze Parteien scheinen gewisscnloser denn je: zwar die Völker tun die ersten Schritte zur Versöhnung und Befriedung, doch da 6 Volk, das schwer geprüfte deutsche Volk wird immer noch von di'inkelhasicn Dunkelmännern?,u wildem Hast aulgeste.chelt und mit die erst'Hute Einigkeit betrogen. Wer Hölle ltr.tcr diesem Hast härter zu leiden als die Juden in dentich-r, Landen! Alter Wahn, den man unter dem Schutt und Moder der Jahrhunderte begraben glaubte, wagt sich wieder an die Oberfläche. Finstere Methoden des Mittelalters drängen sich wieder ans Tageslicht. Wer soll an allem Unglück sthnld sein? Die Inden. Wer hat den Weltkrieg angest-stet? Die Inden. Wer hat Deutschlands Niederlage verschuldet? Die Inden. Wer die Front erdolcht, die Throne gestürzt? Immer die Inden, der Prügelknabe der Weltgeschichte. Einst hieb es, hast sie die Brunnen vergiftet oder aeweillle Hostien gemartert oder Ebristenkinder ZINN Oster,nabl geschlachtet halten, und man ging hin und beraubte uns erschlug die Juden. Es war Ludwig Ttenb, ein Bauer, der davon in der Geschichte des Dcggcndorfer Wunders beredt erzählt hat. Uno in München hat Wilhelm von Kanlbach seinen Peter Arburz gemalt als abschrecEndes .Konterfei des Judenhasses. Heute ist inst Bauern das Dorado der Pegrvmheüer, das Land, wo Lessi'igs Nathan der Weii'e nicht im Fit in gezeigt werden darf. Und wenn .Kurt (y iwr g e g e n alle dringenden Borste!- ln n gen der Juden an der Isar mistregierte, flugs ward er, der Berliner, in einen Galizier Salomon Kozwanvivski umgclogcn und seine Schuld allen Juden ausaebürd't und sein N'>"s-er al.- ,.LaueriLi es st eil", re eberrlicku. Indckien ist dieser Hast nur heimisch jenseits der Mainlinic? Auch am grünen Strand der Spree gibt es „Staatsretter" genug und übergenug, die beklagen, dast ars dem Nonen Markt, wo jetzt Lutster stellt, nicht wehr "sto ehedem Inden verbrannt werden, und das: di« „F-remdsta-nmiaen" nicht mehr einzig beim Hallesc!,cn Tor die Stadt fWretci, dürfen, gleich d-'m Vieh verzollt, und dast sie nicht, was das sicherste Allheilmittel sei, allesamt zum Teufel oder wenigstens nach Zion geschickt würden auf Niinmerwiedersehn! Und in Mecklenourg, .%ovv von nn,> '.uuaen, Artur fivHfu/i? oder schlechtes setz acht, «ntertlaff en otzer am Lase seicttr? _ _ GeLbsöbchknttms wllrtze» «fr (itoctftmfcfcnft fördern, und Lurch dios« zwar sogleich ein nemtz VaradieS gewinnen, atzer uns «LvSer eine «ine VchtzntzettSwell anftzawsn, in Ler Bruder netzen Brutzer mietzer friedlich und Laber auch froh leben könnte, und die uuS Sann Lmrk solcher Geruhsamkeit, Harmorüerültr und OrLmma aller unserer LebenSLeziehnngenweniglstenS dem iTncnmre ebnes neuen Paradieses anzunStzern Vermochte. Dialer! Nein, ststrurru ist nicht einzig in seiner Art. Dennoch! Ein Lickst leuchtet in der Finsternis: nicht ein Licht nur, sondern alle die Kerzen, die heute im jüdischen Bcthaus flammen, künden einen neuen Tag, eine neue Zeit. Was anders strahlt ihr Glanz als Frieden, Vergehung, Versöhnnng? ckist besser. Unrecht leiden als Unrecht tun. Nicht v.'steicl--.'s mit Gleichem vergelten sollt ihr, sondern Böses mit «stntem. Wenn euch der Hgst. sei cs ino Ghetto, sei cs in die Fremde stoben will, so fühlt euch doppelt verpflichtet, durch hervorragende Leistungen gnf allen Gebieten der Kultur den illnhm des deutschen Namenszn mehren, rl'eun euch die Dummheit Balerlandslosiakeit andichtet, so uüdcv!cn: sie durch erhöhten Eifer für den Dienst am deutschen Vater lande und bringt ihm, wie im Kriege geschehen, auch in der Nachkriegszeit freudig Opfer, ans dast. endgültig Friede werde. WaK Schillers- Glocke tollte. Friede läuten, dassoll und will der ied-vedcm Istvri in Ni'ars und stlein dringende Ton des Widderbornsan drewm feierlichen Tage weihevoller Einkehr: Friede.?'erg"stung, Ver'ästnnng. Und — wir heistcn euch hoffen..... Herr Pastor primvrlus an Sk. Martini in Bremen Emil tzelden, Lessen Schassen zu würLigen mir kürzlich anläßlich seines 50. G-ebnrtZtaflLS Gelegenheit nahmen, sendet uns nachstehende Verse: Versöhnung will der llstensch erlangen Mit Gott, dom Ewigen, Unendlichen, Den er als Inbegriff der Ideale: Bon Wahrheit, Freiheit, Liebe kennt. So fern suhlt ja dec wahrhaft Fromme sich Bon diesen Idealen, die cr sinnt Und liebt! So fern dartun m m Seelenfrieden. Versühnung wollt' der Jude einst erlangen Durch Opscrblnt, durch Venen. Fleh'n» Kasteien, Besoignng von G-.sehen sonder Jaul. Versöhnnng wolli' der Ebnst eilangen Durch Ovserblnt. das einst vonr Kreuze rann, Und dnrh Verdienst des „tvabret; Glaubens". O Toren tbr! Nich,- sretnde^ Blut Bring! Euch Ber'-L.milng! Herzenkbln: Nilistl geben ihr: «'-erechiigteit und Li-.-be! Wie hat schon Amos. der Prophet, gesprochen? „Ob ihr auch Opfer dar bringt --- seht, der Herr Hat nicht Gesatst'N dra-c. ä'.n weg 'von ifua Der Lieder Plä: v-m, euer '■'i■' 11c vr:uf I! Wie Wasser esstnick r. -ah 'v.r ->.n stlestst Und wie ein starker Sir. m -:^ei ecktigkeit!" Und hörtet ihr nicht, dast die s-llchstenliebe „Ersültnng von Gesetz ist n 'd Propheten"? lst-olt ist vcktechl ateil. ls: v.,. Wobt ihr verckstn-et ickn nni: Kt -- So nehmt ihn ans in enw. 'v ül.j Liebe! Weh' denen, die den :ock nst-nd.r hasten. Tstc den. der anaern >.e.mnie->, Bori-.o, :n-z,ie, Der andrer breliaon, vrr,lchs-.''r, e.näle». Sr-eh' d-'nen die nicltt ck'i o n'^eNe l dcn' Sie vasten in dem M-nu-Ge;Goj-.. Der die Gerechtigkeit und Liebe ist. Versöhnnng wird dem H.arer nie zuteil» Der Seelenfried-en den? Liel-'.wDn nicht! « Er bat ja selbst von der cKe:-:ck Kg seit ' Und von der Liebe st-Z' get-hs-?n.'N. Er hat in diesem H-asj o.rscrä.ck Das Ai e n s ch c n t n m . dne- Güuliche auf Erden! Kalerrdarium far c-:e Mi 3.10. bis 11.10. Oktober 1924_|_Tischri 5885_ Freitag ü.! st. Sonuabend st. c. Wecke S. Ha stur Sonntag st. 7 ckstonlaa v U'i:i^ s Er?.'t ililves) L ■ ■_ Donnerscsz Freitag;; j:;’ Sonnabend ll. ' i I Li. W?>ln Haha roh: <rem K>vpur Nt. Kap. r--- -f H c llmtttv v IT G erlach IniUcU jxiiU'tt Beitrag «,Sind Ki'iege unvermeidlich?": Das Endziel des Pazifismus ist die ^Berivirklichnng des Voll Immanuel .*> ant in setne'n „Traktat znm eivigeir Friedens entivirketien Ideale, v.-olc anderen Süorten: eine inrernaiionale tL'e'innnng uns eine altf ihr basierende iniernationale S'ecuisorganisation zn schassen, die Kriege nnmögNch macht. „Dag irt ein: U.epie". «rwHern die AittiPazifisten. „Kriege hat ea nn'n-': gei rken vnd ivirv es :::tmer iwben". (vH'inf;. Krieae hat e-' iuuncr gegeben. Aper mnst cs sie deobatb n:ic!i in Lnttnist geben? D wie Fiagn.-äre nur dann zn bejahen, wenn der Krieg ein Nai'.rrges"tz ivärc. Das ist er nicht. Das Naturgesetz besggt, das; Wasser bei ml Grad leckt, und dast Oel lemiter als W-.is'er ist. Dagegen kann rein vernünftiger Mensch angehen. ätze! che 9 Eie setz der Natur aber besggt. dass Menschen Mensche'^ toten müssen? Der Krieg ist lein b.-atnrgesetz. Nur menschliches Vorurteil l -'stt »!n die NoKoen di gleit des Krieges glauben. Genau nck- T^'Ier'ho von I.cknen hindurch die Sklaverei für eine st-oi'v-p- ---Kül aih-'So '■r.yvt-c. vster n-ch gegen sie auslehnte, galt als Utopist, so wie noch heute die Pazifisten vielfach Utopist:?» genannt werden. SU.s endlich der Kampf der Idealisten gegen die Sklaverei zn ihrer Abschaffung führte, und dann auch die realvoiiiischcir Wirtschaftler einsghcn, dgst dir Welk-virtschaU bist freier Arbeit bester gedeihe als bei Sklaverei. Biel Unfug bat das mifwerstandene Wort Darwins vom „Kampf nms Dasein" angerichtet. Jawohl, ums Dasein innst iodes lebende Wesen känncken. Aber Kamps ist nicht identisch mit Krieg. Auch die Pazifisten wollen den Kam.vf nickt ansrottcn. weder lcu ge^'.i-mn :rv st den politischen, noch Herr vürtschasKick-en. Da:- Leben ohne Kamps ivärc tödlich langweilig. Der Kwv'ck erzeugt Kraft. Der Krieg vernichtet Kräfte. Herr A r t h u r S i l b c r >I l e i t, den unsere Leier als seinsnuiigen Bivuelli"len schätzen gelernt haben, nimmt Zlk detil Problem in foliP"nden Zeilen Stelluncz: Wenn wir nach dem Verlust des Iahrtansende alten, biblischen Paradieses ein neues erstrebten, so wären wir in unseren Tagen Ter Völker--, Banen- und Klassenverhetznug alsangeblich nllrlliMeitssrem-de Phgruasten gewist nur dem zun sichen oller mitleidsvollen Lächeln schigrsäu-giger Lcbensbeich-ac-Ker preisgegeben. Aber die messiani-sche Sehnsucht alle,- o>'- g ,;5 e n s b e kenn in i sse nach einem nicht nur überzeitliche:: zstrstande oder Neiche -cs Friedens und der Versühnung, bisster Legende. Harsenpialm und Phantasiespiel der Dich!er unter dem lllegenbogen ihrer Träume, tonnte trotz aller Spötter durch allgemeine Bernttlichnngsvcrsnche der Menschheit eine gewisse Loirkli-Hkeitsnäche gewinnen. Da wir ie.^'ck meist zänkischen KKndern gleichen, hie sich bei dem geringücn Kampfanlan gegenseitig der schlimmsten Frevel bezichtl-gen, so wäre es weit wenig-er geistlos und unedel, immer nur in den anderen Gegner zu suchen, sondern man mühte im Dialoa mit der Antwort seines ewig hännncrnden Herzens und Gewissens sich einmal selbst befvggen. ob nicht in unserer eigenen Seele die stärksten Mensch.heltsseinde. der Unfriede und der Irrtum, zcrstörnngssroh lmuien und wüten, und nian ivüi'de sodann gemäh der solratischen Weisheit der Selbsterkenntnis auch dem verirrten Menschcnbrnder, der sich als Feind gebärdet, über alle Trennungen und Sckman'fen durch Parteigiiter, Z-'or'irteil? und Schlagworte hinaus sceN'ch und geistig nst':e-ckv!nr-!>'n. und, indem man auch ihn zn verstehen suchte, viele seiner Mihverständniste und falschen Boranssetznngen durch die nna-ntastbare Lauterkeit persönlichen Wandels beseitigen können. Ich wünsche -meinen Mitmenschen die unter zahlreichen eigenen und fremden Bürden seufzen und unendlich viel istcit den Götzen des Mammons, des Nnhmes und der Vergnügungssucht onKrn, allabendlich nach des Tages Last nur eine einzige Minute Mnüe für ihr eigenes Ich: in dieser kurzen Zeitspanne soll den sie ihr Gewissen befragen, waS sie Gute¬ ■-J \'i . S/v Ist i; 2-5'

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