Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 33 (26.9.1924)
- Date
- 1924-09-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2613741-2613774--0996-2618316- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4. Jahrgang Nummer 33 IübsschllbemleZelümg I. Beilage 26. September 1924 Bettragszahlung. Der Beitrag für Las vierte Vierteljahr 1924 ist a« 1. Oktober fällig! Der Mindestbeitrag beträgt laut Beschluß der letzten Gesamtvorstaudsfitzuug da, wo keine örtliche« Orgavi, fationeu bestehe«, Mk. 2,59 einschl. Zeituugsbezng, da, wo solche bestehe«, Mk. 1,50 eiuschl. Zeituugsbezng. Die ordentlichen Mitglieder -er „Jüdisch-liberalen Jugend vereine" haben «nr Mk. 1,— vierteljährlich für de« Bezug der Zeitung zu zahlen. Bon den Mitgliedern in Augsburg. Berlin, Bingen a. Rh., Bochum, Jli-Breslan, Brieg, Cassel, Cottbus, Ranzig, Dortmund, Duisburg, Frankfurt a. M., Freiburg i. Br., Liegnitz, Magdeburg, Mainz, Münster i. W., Namslau» Osfenbach a. M., Ohlau, Oppeln, Ratibor,. Schnei bemüht, Schweidnitz, Sobernheim und Stettin wird der Beitrag durch die örtliche Organisation (Ortsgruppen, Liberale Vereine. Jüdisch-liberale Jngendverei«e oder Bertranenslente) eingezogen. Diese Mitglieder haben einen direkte» Beitrag an die Zentrale also nicht zu leisten. Alle anderen Mitglieder unserer Bereinigung fordern wir auf, den Beitrag umgehend direkt an das Büro. Berlin W. 8, Mauerstratze 22» Postscheckkonto: Bereinigung für das liberale Judentum E. B., Berlin Nr. 187 069, mittels beiliegender Zahlkarte einzusendeu. Wir machen darauf aufmerksam, daß der angegebene Beitrag eine» Mindestsatz darftellt nnd richten an alle Mitglieder, die dazn irgend in der Lage sind, die -ringende Bitte, freiwillig darüber hinaus einen möglichst hohen Betrag zu zahlen, da -er in dauernder Entwicklung befindliche Ausban unserer Organisation und -er Zeitung immer gewaltigere Mittel erfordert. Zugleich fordern wir die Abonnenten -er Zeitung znr Zahlung des Bierteljahrsbeitrages für das dritte Vierteljahr 1924 in der Höhe von Mk. 1,50 auf. Nach dem 15. Oktober sind wir genötigt, die noch nicht eingegangeneu Beiträge durch Post«achnahmen einzuziehen. Wir weisen ans die dadurch entstehenden Mehrkosten hin und erwarten pünktliche Einsendung der Beträge. VereinignngfürdasliberaleJudentttmE. B. Worte, gesprochen bei der Uebergabe des Denksteins Dr. Denzion Kellermanns an dessen Angehörige. Bon Rabbiner Dr. I. Galliner. Berlin. , erait fünfzehn Monde sind vergangen, seitdem wir unseren treuen Freund Benzion Kellermann hierher zur letzten Ruhestätte geleitet haben, der Erde übergeben. was an ihm sterblich gewesen ist. Was wir damals in tiefstem Schmerze empfunden haben, daß der Teure vermißt werden wird nicht mrr von den Seinen, sondern auch von uns. von allen denen, die einen tiefen Einblick in sein Wirten nnd Schaffen bekommen hatten, das ist uns heute zur Gewißheit geworden. Benzion Keüerwann ist vermißt worden. Unsere Jugend, die im jüdisch-liberalen Verein zusammengeschlossen ist. hat gar oft ihres Führers schmerzlich entbehrt, des Führers, der ihr für ihre Bestrebungen im religiösen Leben die wissenschaftliche Begründung oft gegeben. Alle jene Männer und Frauen unserer Gemeinde, die bei ihm eine philosophische Begründung des Judentums gesucht und gefunden, haben gar oft seine tiefgründige Belehrung vermißt, und jener philosophische Kreis, der mit feinem Lehrer und Meister Hermann Cohen sich aufs engste verbunden gefühlt, hat nach seinem Heimgang beklagt, daß er einen feiner tüchtigsten Mitarbeiter und einen seiner schärfsten Denker verloren hat. Ja. was wir damals an seiner Bahre gesprochen, daß der Teure in seiner Tätigkeit wohl ersetzt werden kann — was man so nennt —. daß wir aber in unserem persönlichen wie in unserem Gemeinschaftsleben ärmer geworden sind, das fühlen wir jetzt stärker denn je. Nun hat unsere Gemeinde ihrem Rabbiner einen Denkstein gesetzt, nach alter jüdischer Sitte. Er soll ein Zeichen der Dankbarkeit fein, ein Zeichen, daß der Heimgegangene nicht vergessen ist und nimmer vergessen werden soll. Er soll zu uns sprechen von seinem Wesen, seinem Leben, von dem. was er gewollt nnd gewirkt. Er soll uns die Wahrheit des Wortes zum Bewußtsein bringen: „secher zadik liwrochvh" — ,-das Gedächtnis des Gerechten lebt fort in dem Segen, den es fortpflanzt/ Ja. in dem Segen, den es sortpflanzt, lebt das Gedächtnis Benzjon Keücrmanns fort. Dieser Segen geht von seinen wissenschaftlichen Arbeiten aus. Er war sich im Sinne Abraham Geigers dessen bewußt, daß eine Religion der Minorität, eine Religion, die nicht im Staatsleben wurzelt, so daß sie von diesem getragen wird, die tl ■>; uirc Nahrung zieht, eine Religion, die um erhöhten Einfluß ringen muß. nur Bestand hat. wenn sie sich auf der Höhe des geistigen Lebens hält, wenn sie vorangeht im Kampfe der Geister, wenn sie durch Gediegenheit und Innerlichkeit die Gemüter sestigt, durch wissenschaftliche Begründung und Freiheit auch die Geister außerhalb Stehender bewältigt. Als das Ziel der Religion bezeichnet er in seiner Schrift „Liberales Judentum" die ganze Menschheit, und „weil das Judentum", so sagt er. „dank seines prophetischen Monotheismus zum ersten Male dieses Ziel intuitiv erschaute, weil es die letzte und reinste Borstnfe der ethischen Einheit bildet, darum lieben wir es mit der ganzen Glut unseres Pietätsgefühls, nufere Religion, . die . Religion unserer Ahnen." Das ist auch der Geist, der seine übrigen kleineren Schritten beherrscht, insbesondere zur Klarheit kommt in der. Schrift „Ter ethische Monotheismus der Propheten und feine soziologische Würdigung". Kellermann hat in dieser Schrift die Anschauung eines uanchasten Gelehrten bekämpft, der den Begriff des einzigen Gottes mit dem des einzelnen verwechselt hatte und den Univcrsalismus der Propheten als'die Aufblähung eines Einzelstammes darstellt, mit dem sein Gott unlösbar verbunden sei, so daß er gar nicht der einzige Gott der ganzen Menschheit sein könne. Unser verewigter Freund hat darauf die Antwort gegeben, daß nur in reiner Sittlichkeit und weltbürgerlicher Humanität der echte, lebendige Gott atmet, den die Propheten Israels zum Gotte Israels und zum Gotte der Menschheit gemacht haben. Und diese Antwort ist. wie sein Lehrer Hermann Cohen sagt, erfolgt „aus der ganzen Tiefe und Klarheit philosophischer Methodik, umfassender Beherrschung des bibelwissenschaftlichen Materials und in einer lichtvollen Disposition der einschlägigen Fragen, welche diese Schrift mit ihrer Mustersammlnna auserlesener nnd ansgeleseucr Bibelstellen in bester Ilebersetzung geradezu zu einer Fundgrube nicht nur für den Religionsunterricht macht, sondern darüber hinaus für das moderne religiöse Denken überhaupt. So war es unserem teuren Freunde gelungen, eine tiefere Erkenntnis des Judentums bei vielen Gebildeten anzubahnen. Kellcrmanns Hauptarbeit sollte die Ilebersetzung des rellgionsphilosophischen Werkes des mittelalterlichen Philosophen. Mathematikers und Astronomen Gersonides werden. Cr hat mit Hellem Lichte die Uebersetzuug mittels Erklärungen durchdrungen und dadurch Bleibendes geschaffen. Sein Werk ist zum Schaden der jüdischen Wissenschaft unvollendet geblieben, nicht etwa, weil seine Arbeit philosophische Mängel aufwies, sondern weil eine in Vorurteilen befangene Kritik, die sich im letzten Grunde gegen den Mann der unbedingten Wahrhaftigkeit gerichtet, seine Kraft zermürbt hatte. In den letzten Lebensjahren, als seine Lebenssonne sich schon neigte, hat er zwei groß angelegte wissenschaftliche Werke geschaffen, die bei führenden Männern der Philosophie die größte Anerkennung gefunden. Sie rühmten seinen Arbeiten die souveräne Beherrschung des Stoffes, die glückliche Kombinationsgabe und Klarheit des philosophischen Denkens nach. Es war ihm gelungen, in den Spekulationen Kants den Punkt ailfznzeigen, der die kulturerzeugendc Kraft des kritischen Idealismus ein für allemal sichersrellt. wodurch die Gleichung Kantianismns-Kultnr apriorische Geltungskraft erhalten Hot. So wird ihm auch in der wissenschaftlichen Philosophie. wie anerkannt worden ist. ein dauerndes Gedenken gesichert sein. Es ist einmal das Wort vom jüdischen Philosophen nnd vpm philosophierenden Juden geprägt worden. Der jüdische Philosoph sieht im Iudentnm. besonders im Kernpunkt seiner Lehren, das Zentrum seines Denkens. Fuhlens und Wollens. und von diesem jüdischen Mittelpunkt ans sucht er die Welt zu erklären, der philosophierende Jude dagegen betrachtet das Judentum vom Blickpunkte der Welt aus gesehen. Tie Betrachtungsweise ist eine entgegengesetzte, der eine liebt das Judentum mit allen Fasern seines Herzens, der andere beurteiltes streng wie ein Richter. Beides hat sich in unserem Freunde in harmonischer Weise vereinigt. Seine Werke legen davon Zeugnis ab und auch sein Leben, seine gesamte Persönlichkeit. „Das Gedächtnis des Gerechten lebt fort in dem Segen, den es sortpflanzt." Dieser Segen strömte aus von seiner Persönlichkeit auf diejenigen. die seinem Herzen am nächsten gestanden, und' ans alle die, die in Freundschaft mit ihm verbunden gewesen. Vom Ernst des Lebens gehärtet, durch viel entsagungsreiche Arbeit hindurchgcgangcu. allem Scheinen und Gleißen unzugänglich, ein Charakter von tiefem Ankergrund, jo steht das .Bild dieses Gerechten vor unserer Seele. Dieser Stein soll der Erinnerung an ihn geweiht sein und uns immer wieder von neuem mahnen an die Wahrheit des Wortes „Das (Gedächtnis des Gerechten lebt fort in dem Segen, den es sortpflanzt." Ms Die jüdische Gegenwart, jjj Präsident Coolidge zum Rausch Haschonoh. Aus Anlaß des nahenden jüdischen Neujahrsfestes hat der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Calvin Eoolidge, eine Botschaft an die amerikanische Judenheit erlassen. die folgendermaßen lautet: „Rausch-Haschonoh. das jüdische Neujahr, das in diesem Jahre am Abend des 28. September beginnt, ist eines der erhabensten Gedenktage im jüdischen Kalendarium. Dieser Tag hat aber auch für Nichtjuden ein großes Interesse. Der Tag erinnert an das gute Geschick, das die Inden unter dem amerikanischen Banner begleitet, indem die amerikanischen Einrichtungen ihnen wie allen guten Bürgern Gleichheit und Kräfteentfaltung garantieren. Die Juden sind zu beglückwünschen für den ausgezeichneten Geist, mit welchem sie sich den Zielen und Bestrebungen der Landcspolitik angepatzt haben. In einer Nation, deren Gesetze keinerlei privilegierte Rasse, Gruppe oder Religion anerkennen, haben die Inden ihren Weg gefunden, indem sie ihre Genialität und ihr feines Anpassungsvermögen zugunsten der allgemeinen Interessen bestätigt haben. Auch der demokratische Präsidentschaftskandidat John W. Davis hat sich mit folgendem Brief an die amerikanische Judenheit gewandt: „Ich freue mich, dem jüdischen Volk zu Rausch Haschonoh meine Glückwünsche entbieten zu können. Im Jahre 1790 drückte Präsident Washington die Hoffnung aus. daß die Söhne Abrahams in Amerika ein Land finden mögen, in welchem sie niemand kränkt oder sie bedroht. Seit jenem Tage gibt es in Amerika kein Amt. so hoch cs auch sein mag. auf das ein Jude nicht ebenfalls Anspruch haben darf: es gibt aber auch keine öffentliche Pflicht, so unwesentlich sie auch sein mag. die die Juden Amerikas nicht zn erfüllen bereit sind. Amerika hält Euch die Frenndschaftshand entgegen, Seite an Seite mit allen unseren Landsleuten tätig zu sein, von festen Ueberzengnngen und Zukunftsidealen beseelt." (Anm. d. Red.: Beim Lesen dieser Nachrichten entsinnt man sich des geflügelten Wortes „Amerika, du hast es besser!") Das Preußische Kultusministerium und die Rechte der jüdischen Lehrer. Wie wir hören, ist an die provinziellen Schulkollegien ein Erlaß des Unterrichtsministers ergangen, nach welchem jüdische Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Schulen in Zukunft nicht mehr zu Konrektoren befördert werden sollen. (In Berlin sind bekanntlich vor nicht langer Zeit durch einen Mehrheitsbeschluß der städtischen Schnldepntation jüdische Lehrerinnen zn Konrektorinnen ernannt worden). Diese der Gleichberechtigung der Inden im allgemeinen und der jüdischen Lehrerschaft im besonderen schwer Abbruch tuende Verfügung hat starkes Befremden hervvrgerufen. In einer Versammlung der Wissenschafts-Vereinigung Berliner jüdischer Schulmänner ist beschlossen worden, auf das Ausdrücklichste gegen diese Rechtsverletzung zu protestieren. Die Angelegenheit wird auch die nächste Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde beschäftigen. Der „Vorwärts" vom 18. September nimmt in scharfen Ausführnngen gegen die antisemitischen Regungen des preußischen Kultusministers Boeliv Stellung und erinnert an das Wort dieses Kultusministers: „Ich kann die Verantwortung vor dem Lande nicht tragen. Dissidenten zu Leitern an christlichen Schulen zu machen." Berufungen an die Jerusalemer Universität. Das jüdische Universitäts-Komitee gibt am 17. September bekannt, daß zufolge den Beschlüssen der kürzlich in London abgehaltcnen Universitäts-Konferenz die folgenden Gelehrten an das Institut für jüdische Studien in Jerusalem berufen worden sind, die auch schon die Professur angenommen Haben: Professor M. Gnttmann vom Breslauer Rabbinischen Seminar (Halacha): Professor L. Margolis von der Tropsie-Hochschule in Philadelphia (Bibel-Kommentare): Prof. Louis Ginsberg vom Jüdisch-Theologischen Seminar in New-?)ork: Rabbiner Dr. S. Klein aus Nowe- Zomkv in der Tschechoslowakei sbiblische Topographie): Oberrabbiner Dr. Immanuel Loew aus Szegedin. Ungarn: der Dichter Chaim Nachmann. Bialik (moderne hebräische Literatur): Dr. Chaim Heller aus Berlin: Professor Mittwoch von der Berliner Universität (Arabisch). Montesiore, Vorsitzender des Kongresses zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Am 18. September wnrde in Graz, der Hauptstadt der Provinz Steiermark, der sechste Internationale Kongreß zur Bekämpfung des Mädchen- und Kinderhandels, eröffnet, zu welchem ans Deutschland und anderen Ländern Vertreter jüdischer Franenorganisationen erschienen sind. Unter dem Vorsitz des Delegierten des Internationalen Bureaus zur Bekämpfung des Mädchen- und Kinderhandcls in London. Claude Montesiore. begannen die meritorischen Beratungen des Kongresses. Jackie Coogans Hilfe sür hungernde Kinder. Jackie Coogan, der weltberühmte kleine jüdische Filmheld, wird dieser Tage in Europa eintreffen. Er wird zunächst London besuchen, dann eine Woche in Paris zubringen, von wo er sich nach dem nahen Osten und Palästina begeben wird. Jackie Coogan ist von der hauptsächlich aus Amerikanern sich zusammensetzenden Internationalen Organisation für Kinoerhilfe zu dieser Tournee eingeladen worden, um die vyn ihm aufgebrachten Summen unter notleidende Kinder selbst zu verteilen und an neuen Aktionen teilznnehmen. Jackie Coogan hat auf seiner vor kurzem unternommenen Reise um Amerika eine Million Dollar gesammelt. Dieses Geld wird zur Beschaffung von Nahrungsmitteln, kondensierter Milch, sowie Kleidung usw. verwendet. Jackie wird auf seiner Orientreise Griechenland. Kleinasien. Armenien. Syrien nnd Palästina besuchen und überall die Hilfsaktionen fördern. Der Bubikopf als Beruhigungsperücke. Die orthodoxe „Deutsch-Israelitische Zeitung" zu Regens bürg schreibt in ihrer Nummer 17 vom 16. 9. 1921 unter der Überschrift „Bubikopf und religiöse Vorschrift": „Bekanntlich besteht eine religiöse Borschrist, daß die jüdische Frau ihr Haar bedeckt. In der Regel geschieht dies durch falsches Haar (Scheitel). Diese Vorschrift findet auch bei religiösen Frauen vielfach Opposition. Nun berichten die Zeitungen: „Allen Frauen, die gern die Mode des unvermeidlichen Bubikopfes mitmachcn möchten, sich gleichwohl aber nicht dazu entschließen können, ihr Haar zu opfern, iü setzt ein gangbarer Auöweg aus dem Dilemma gegeben. Die Bubikopfperücke gibt ihnen das Mittel, sich mit der ersehnten Frisur zu zeigen, ohne ihr Haar abschneiden zu müssen: sie bietet obendrein den Vorteil, daß ihrer Trägerin das lästige nnd regelmäßige Schneiden des Haares erspart wird. Sie besteht ans Haarwellen, die sich rund um den Kopf legen und das zu diesem Zweck zusammengedrückte natürliche Haar umschließen. Man kann die Perücke heute in allen Friseursalons kaufen. Es ist nicht daran zu zwei fein, daß die neue Mode rasch ihren Weg machen wird. In den Bereinigten Staaten ist der neue falsche Bubikopf übrigens längst schon etwas Alltägliches. Mit einem solchen falschen Bubikopf kann die religiöse jüdische Frau ihre Pflicht erfüllen und ihr Haar bedecken. Ihre Frisur ist dann hochmodern. So kann die Großmacht „Mode" auch einmal religiös wirken." Lia Rosens Debüt auf der jüdischen Bühne. Lia Rosen, die berühmte jüdische Schauspielerin, die bisher eine der ersten Darstellerinnen auf der deutschen Bühne war, hat in New?)ork zum ersten Male die südische Bühne betreten. Sie debütierte in der Nolle der Braut in Sch. Anskys Drama „Dibuk", das vom jüdischen Künstlcrthcater unter der Leitung von Maurice Schwark hier gegeben wird. Das erste Erscheinen Lia Rosens auf der jüdischen Bühne gestaltete sich zu einem großen Erfolg für die Künstlerin. Gedenkfeier für Ignatz Goldzieher. In der Stadt Szekersehervar W in dein GebnrtShause des berühmten Orientalisten Professor Ignaz Goldzieher eine Gedenktafel angebracht worden. Der Feierlichkeit wohnten Repräsentanten der Regierung, der Budapestcr Universität und der Akademie der Wiffenschaften bei. Der frühere Justizminister, Graf Stefan Tisza. und der Generalsekretär der Akademie der Wissenschaften, Dr. Eugen Balyjh, hielten Ansprachen, in welchen sie Prof. Goldzieher als den größten Gelehrten nnd Denker, den Ungarn je hcrvorgebracht hat, feierten. Pariser SynagogenjubUäum Ende September werden eS 80 Jahre, seitdem die Große Synagoge in der Rue de la Bictoire eingeweiht worden ist. Mit dem Bau der Synagoge war schon im Jahre 1862 begonnen worden.