Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 30 (5.9.1924)
- Date
- 1924-09-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Fainiltentreue gegründet ist: das ist der leitende Gedanke -eidyllischen Ruthbüchleins. Aber auch die Ablehnung alles kleinlichen Partikularismus und jeder Exelusivitktt ist nach dem Prinzip ,-dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott" das Motiv, das der Erzähler seiner Geschichte zugrunde legt. Damit beginnt die Reibe der biblischen Schriften, die aus der Zeit entstanden sind und Zeitfragen behandeln, auch zum Teil einen gewissen Tendenzcharakter nicht verleugnen. Aus den .Mageliedern" klingt in ergreifenden Tönen die Anhänglichkeit gegen Volk und Reltgton auch in der grausigen Katastrophe, unter der sie zusammenbrachen. Die sieghafte Gewalt des reinen GottesglauvenS entreißt den „Prediger" Ser lebensseindlichen Dekadeneestimmuug seiner Umwelt und führt ihn zur daseinsbejahenden Tat ans den Quellen -es Judentums: „Fürchte Gott und wahre seine Gebote: denn dies ist der ganze Mensch." Der ganze Jude aber ist eine Synthese aus jüdischer Religiosität und meltkultureller Allseitigkeit: das scheint der tiefe Sinn des Estherbuches zu sein. Mordechai und Esther sind typrsche VerivtH des W-cltindentums, dessen ewige Aufgabe es war und immer sein wird, die bewußte Anhänglichkeit an den Glauben der Väter mit der Forderung der allgemeinen Landesinteressen zn paaren. Nach der gleichen Richtung bewegt sich das Danielbuch, das sich historisch sortsetzt in den in „Esra und Nehemia" dargestellten Ereignisien der nachexilischen Periode. Wirkungsvoll in kurzen Strichen wird die ganze vibliiche Zeit, die Entwicklung des Volkes Israel, in den Vüchcrn der „Chronik" znsammengefatzt. So haben wir den Schlußstein des Buches der Bücher erreicht. DaS ist unsere Bibel, das unantastbare Heiligtum aller Richtungen der jüdischen Gemeinschaft, das göttlichste und menschlichste aller Geisteswcrkc auf Erden, non unendlicher Klarheit und Reinheit des Gehalts, die tiefste Lösung des Lebensproblems der Menschheit und das Fundament und der Zielpunkt unserer jüdischen Existenz, lind trotzdem ist die Bibel unbekanntes Land für die große Masie der Inden, die eine neue Aneignung und eine neue Einfühlung der Heiligen Schrift vollziehen muß. wenn sie sich in dem harten Kampf gegen die nndanlbarc Knliurwelt behaupten will. Denn ans dem Idealismus und Unwcrsalismus des Gottesbuches fließt die jüdische Hoffnung auf den endlichen Sieg der Sittlichkeit auf Erden, auf die Herrschaft des Einen Gottes über die Eine Menschheit. Rabbiner Tr. Löwen st a m m - Spandau. Schluß der jüdischen WettKilfsksnfsrenz. Im weiteren Verlaus der in Karlsbad tagenden Weltbitfskonsereuz. über deren ersten Teil mir in der vorigen Nummer unseres Blattes mrssührlrch berichteten, fand zunächst eine ansfühl>ck-e Debatte über die Emiqrationsfrage statt. In der Abendsitznug vom eh!. August wurde den Delegierten die „Genfer Deklaration" ln hebräischer und in fidtz:- scher Sprache, künstlerisch ans Vergainer'.t austgesührL. zur Unterschrift vorgelegt. Die D .'ie^etion. die im Jahre 1023 feierlich vom Eisselturm in die Welt hinausgcsprochen worden ist und dann im Genfer Archiv der Internationalen Union für Kinderhilfe niederaelegt wurde, hat folgenden Wortlaut: 1. Jedes Kind hat Anspruch auf normale körperlich? ungeistige Entwicklung. 2. Das hungrige Kind muß gespeist, das kranke gepflegt, das geistig zu rückaeblieben? gefördert, das verwahrloste auf den richtigen Weg gebracht werden. Waisen und verlasicne Kinder sollen ausgenommen und versorgt wenden. 8. In Zeiten der Not hat Merst da- Kind Anspruch auf Hilfe. 4. Das Kind mutz befähigt werden, seine» Lebensunterhalt selbst zu verdienen, zugleich soll eaber gegen jede Ausbeutung geschützt werden. 6. Das Kind mutz zur tätigen Menschenliebe erzogen werben. Präsident Motzkin übergab die Unterzeichnete Deklarativ« dem Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes und der Unton für Kinderhilfe. Herrn Gehrt, und bat ihn, den beide« Oganifattonen die Grüße der Konferenz zu übermitteln. Herr Gehri erwiderte: Mit wahrer Rührung nehme ich die Deklaration entgegen, die mir vom Herrn Präsidenten in so feierlicher Weise namenS der Exekutiv« überreicht wird. Die erste offizielle Unterzeichnung der Deklaration ist durch die Negierung von Cannda erfolgt, die zweite erfolgt nun durch die Jüdische Welthilfskonferenz. NamenS der zwei großen Organisationen, die ich vertrete, drücke ich meinen Dank hierfür und gleichzeitig für den herzlichen Empfang und die freundlichen Worte aus, dte meinen Organisationen hier gewidmet wurden. Ich hoffe, daß sich die Beziehungen zwischen Welthilfskonfcrenz und den beiden intcrnafionalen Organisationen immer bester entwickeln und immer fester gestalten werden. Von besonderer Bedeutung ist der folgende Appell, der in der Schlußsitzung erlasten worden ist. Die Konferenz betrachtet cs als ihre heilige Pflicht, sich an das Judentum der ganzen Welt zu wenden, nm ihm zum Bewußtsein zu bringen, Haß die größte jüdische Gemeinschaft, das Ukrainer Judentum, noch immer von den zahlreichen Folgen -er furchtbaren Katastrophen bedrückt wird, die im Lanfe der letzten Jahre seine materielle und geistige Existenz ruiniert haben. Der immer wachsende Pauperismus der jüdischen Massen, das moralische und materielle Elend der jüdischen Kinder, der Waisen und Obdachlosen, die schreckliche Not der jüdischen Intelligenz, die physische Entartung eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung, all diese traurigen Folgen der durchlebten Schrecken lKrieg, Pogrome, Lfiirgerkrieg und Hunger) stellen das russisch" Judentum vor die Gefahr des Unterganges. Die Aufgaben der Hilfsaktion gegenüber dem russischen Judentum sind: 1. Ihm schnell materielle und mediziullche Hilfe für Kinder und Erwachsene zu gewähren. 2. Die deklassierten jüdischen Masten in ein produktives Wirtschaftsleben übcrzuführen (Jndmnie und Landwirtschaft) und denjenigen, die an Ort und Stelle keine Arbeit finden können, die Auswanderung auf legalem Weg zu ermöglichen und sie dabei materiell zu unterstützen. Die Konferenz hofft, daß die Jndenheit die größten Anstrengungen machen wird, um diese Aufgaben zu erfüllen. Eine weitere Resolution betrifft die Gründung des Wcltvcrbandcs für soziale Hilfe: Die Vertreter von 87 jüdischen Gemeinden und Organisationen aus 22 Ländern versammelt auf der zweiten jüdischen Welthilsskvnferenz in Karlsbad, verkünden feierlich die Notwendigkeit. einen Wcltverband für Jüdische Soziale Hilfe zn begründen. Seine Ausgabe soll es sein, die jüdische Hilsstätigkeit zu wahrer Kooperation zu vereinigen und dadurch zu verbessern und zu verstärken, unter Wahrung der Autonomie der ihm angcschlosscnen Gemeinden, Wohlfahrts- und Selbsthilfsorgauisationeu und interterritorialen Vereinigungen, ferner die Beschassnng nnd Verwaltung der Mittel, die für solche allgemeine Volkswohlfahrtsansgaben dienen, die die Grenzen eines einzelnen Landes überschreiten. Die Konferenz beauftragt den Zentralrat und die Exekutive. alle notwendigen Schritte zu unternehmen, nm den Wcltverband zu begründen nnd zur Gründung alle bedeutenden Gemeinden und Gcmeindevcrbände. sowie die wichtigsten Wohlkahrts- und Selbsthilfsorganisiationcn ausznrufen. Nachdem noch ein Veschlus; über Emigranten in den Answandcrnngshäscn und über die Schaffung «in>es jüdischen wmmsmm fofliföe Frage auf. Wieder müssen wir an einen jüdischen Genius des Mittelalters, an Spinoza, denken, für den tduch das All beseelt war. der die Polyphonie aller E^ebilde vernahm und dessen Herz so lauter war, daß auch er — in seiner Art — mit Gott Zwiesprach halten konnte. Indem die Nacht nun vollends hereiubrirht, erwächst die Höhe Beth-El zum symbolischen nnd wcltliistvrnchen Ausgangspunkt. zur Ideen scher de. zn dem Ort. an dem die Anserwählnng und Berufung Jakobs durch Gott ergeht. In wunder bar er dichterischer Form wird nun der Tiefsinn der biblischen Legende von einer Himmelsleiter. ans der Engel auf und nieder steigen und von einem „Ringen mit Gott" gedeutet, .herrliche, gedanklich-lyrische Variationen der Engels- und Tranmviskon setzen ein. Ans der poetischen Glorifizierung der jüdischen Sendung wird eine grandiose Weltdichtu:rg. Der Begriff der (Gerechtigkeit Gottes, der in de« früheren Werken Veer-HosmannS schon eine bedeutende Rolle spielte, tancht wieder ans. Schmerzerfüllt wie Hiob hadert der Dichter mit Gott und hä'; «hm mit lden Worten des abtrünnigen Engels Samacl da? ganze Elend und Grauen des Weltgeschehens und den Flirch vor allem des gudeutumS in den iuniasten, durchsühliesten. poetischen Worten vor. Und als der Einige Jakob durch die Engel verkünden läßt, daß er und sein Stamm anserwählt sei, sein Gottnm der Menschheit zu verkünden und den Leidensweg durch die Weltgeschichte zn gehen, fällt ihm Samacl ins Wort und sagt das hisiorische Schicksal der Juden auf Erden voranS: „'Soor r.eiflt mnn deinem Worl sült — blutio segäjg den Mund man, der es svracd! darfst tm wandern.' Aber rasten? Heimat^ -:e wird dir Wort, — du sinnst ihm ewig nach! . "-?rr wirst du, d'rans sich alle Beute holen — n dir?,u freveln? Wem wär's nicht erlaubt? . ie Erde eifern unter deinen Sohlen, >räern der Himmel über deinem Haupt! . . . lsrwäbstes Doll du, — Etficn aller Doller — "r'0 wä.Pst die SSmach denn, die dir nicht geschab.?ein Sinn, dein Leib, wird allen Abscheu, Etel — "tan sheit ins Antlitz dir . . . Ja, Ja! Man tut eS! Jedes Dost, dran du dich schmiegest. (''■? brennt dich aus, wie eitrige? Geschwür . . . B:i Liebling SotteS. wirst der Welt verhasster, "l!S Best — alS giftiges Kraut —■ als tolles Tier! X„ Tor! Don ©oft erlor'ner Prügellnabe! An deinem Drildcrleibe Peitscht er ewig Sein Gottnm asten andern Döllerw ein!" Aber tröstend und mit unendlicher Liebe tönt die Gottes» stimme dem vor Erschütterung fast zusammenbrechenden Jakob: „Ist wist ja nur — mein Sobn —■ mich dir so tief verschulden, TaS ich — zur Sühne — dich erhöh'n vor allen darf!" Und Jakob-Israel nivrnrt mit der tiefsten, innigsten Frömmigkeit, deren ein Mensch fähig ist, — hier ist ein Gegensatz zn dem Gott zuletzt höhnenden Charolais, — die furchtbare Last der Berufung ans sich. Er sicht «den grauenvollen Leidensweg, den seine Nachkommen, die Israeliten, gehen müssen, aber er weiß, daß auch das tiefi'te Leid eine Gabe Gottes ist, die den Menschen zur höchsten Läuterung führen kann, nnd daß die schwerste Not der Kaufpreis für die ungeheure Weltmission ist. mit der das Judentum begnadet wird. Immer wird cs der stärksten Probe bedürfen, um die Macht Gottes im Menschen zu bewähren. Die dichterischen Schönheiten der Traunrvisionen stehen in der deutschen Literatur einzigartia da: ans den Versen strömt die 'ganze Inbrunst der iiberidischen Verzückung jener uralten, holden Lcaevden. Der fromme Glonbe, der vor logischen Dednltivncn seinen Glanz verliert, gewinnt ihn hier zurück. Nur einem Dichter wie Beer-Hofinann, der in seinem Blute die Mysterien der Vergangenheit raunen hört, konnte cs gelingen, den alten Mythen solch neuartige poetische Gcstaltnna zu geben. Was wiegen gegen die unsterblichen Schönheiten dieses Werkes, das einen Eivigkeikszug trägt, verstandesmäßige Bedenken? Die liegen freilich ans der Hand. Ter Dichter trägt als moderner Mensch natürlich einen mehr pgntheisiischen Gvttcsbegriff in sich, als der antike Jude. In seinem Gedicht „Altern" hat er einem Goethcschen. verklärten Pantheismus einen eindringlichen Ausdruck verliehen und auch in dem Vorspiel spricht der Erzengel Gabriel vom Höchsten: „Er ist nicht nah — Er ist nicht ferne! Er wnr nicht einst — und ist nicht heut! Was dich und Welten arcnzt und uns nnd Sterne Ihn randct Raum nicht — flirrt nicht SeitI" Diese ewige Allmacht im Spinoziftischen Sinne kann selbstverständlich von keiner ethischen Kausalität abhüngen: aber einige Szenen darauf setzt wieder die uns heutigen Menschen ferner liegende Anthropomorphisierung Gottes ein. und der biblische persönliche Gvttesbegriff wird wieder vorausgesetzt. Ohne gewisse logische Gewaltsamkeiten und dialektisch« Notbrücken geht es natürlich dabei nicht ab. Doch schließlich ntuß auch hier Gefühl und Glaube und nicht der Verstand das letzte Wort behalten. Auch das Problem der Auscrwähltheit ist ia nichts verstandesmäßig Definierbares, sondern erschließt sich nur dem Fromm-Gläubigen. Wie schön wäre es, wenn die herrliche Dichtung von Jakobs Traum" dem modernen Judentum seine .-Berufung" wieder ins Gedächtnis riefe! — „Auserwählt" fiihlt sich jedes Volk der Erde, ist es auch in gewissem Sinne: Es fragt sich bloß, wozu? — Es scheint, als ob die Natur jeder Volksindividualität diesen Glauben an sich zur besseren Selbstbehauptung verliehen hat. Die besondere Nnserwähltheit des Judentums hat sich im Laufe der menschlichen Geiftesgeschichte in einer Fülle der von ihm hervorgebrachten Menschheitstypen gezeigt. Sein« repräsentativsten Vertreter waren immer Genies des Herzens, die — wie Beer-Hofmanns Jakobsgostialt — Allerbarmer waren, ihre Mitmenschen erlösen wollten und mit ihrer ganzen Persönlichkeit gegen das ewige, unausrottbare Unrecht der menschlichen Geselbschaftsordnung ankämpsten; von den Propheten an über di« großen Sozialisten bis auf die zahlreichen Juden unserer Tage, die für ihre Ueber» zeugung ihr Leben ließen oder ins Gefängnis gingen. Schon Heine, ein nach mancher Richtung hin so brüchiger Charakter, hat tn echt jüdischer Weltauffassung sein sittliches Streben höher gestellt, als seine dichterischen Leistungen. „Ich habe nie großen Wert gelegt auf Dichterruhm," schrieb er 1844, „ob man meine Lieder preist oder tadelt, das kümmert mich wenig. Aber ein Schwert sollt ihr mir auf den Sarg legen: denn ich war ein braver Soldat im Befreiungskrieg der Menschheit." Und „brave Soldaten" di« tapfer stritten und in dem Kampf fielen,, waren z. B. Landauer und viele andere, deren Denkmal bloß in den Herzen derer errichtet sind, die sic kannten. Gewiß, zn allen Zeiten hat cS im Judentum auch Edomsgestalten. Diesseitigkcitsrmnschen gegeben, denen die Dinge, die hinter dem Leben stehen, nichts bedeuteten, und die lediglich äußeren Gütern und Gewinnen nachjagt««. Zn den „von GottAuscrwählten" gehören diese Charaktere nicht. RetttrngsfonbS gefaßt waren, wurden M« Wahlen in Me Exekutiv« und in den Zeutralrat vorgevommeu. Dte Konferenz beschloß, in einem Telegramm v«m Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, Dr. Masaryk, für fcie Gastfreundlichkeit gegenüber der jüdischen 5konserenz zu banken. In seiner GchlnHre-e forderte Motzktn dte Versammlung auf. das Bild der großen jüdischen Rot tw Herzen m bewahren und den Notruf der leidenden Juden in die ganze Welt hinauszutragen. Darauf erklärte der V-Vitzeude oie zweite Jüdische Welthilfskonferenz für geschlossen. Die kommunisttsche internationale gegen den Antisemitismus. Soeben wurden di« Resolutionen des 8. Kongresses der kommunistischen Internationale veröffentlicht. Eine dieser Resolutionen lautet: Angesichts d«S starken Anwachsens betz AnttfemttiSm«- tn den neuentstandenen Staate«, insbesondere t» Polen. Rnmanie-n, Ungarn, sowie angesichts der Bestrebung der herrschenden -Klassen, die Aufmerksamkeit der arbeitend«» Klassen non den wahren Schuldigen an ihrer Not adznlenken itnd die Schuld den Juden zuzuschieben, verpflichtet der Kongreß di« kommuuiMch«» Partei«« i« alle« Adrder», eisten entschlossenen und energischen Kampf gegen den AnttsemWSnrns zu führen und dt« folgenden Losungen zn proklamieren: Unbedingte Beseitigung jeder Art Beschränkung gegen dte jüdische Bevölkerung und Sicherung der freien knttnvellen Entwicklung der jüdischen Masse». Radiogottesdienste. Der Kontinent, der es besser hat, als unser tn Boruxtetle verstricktes, altermüdes Europa. Amerika, praktiziert bereits feit längerer Zeit Radio-GotteSdtenste. Dle Syuasoge« veröffentlichen in den jüdischen Zeitungen ihr Woch«mrvgramm. So läßt zum Beifpi«! -di« ^kutted Synagoge" non der Station W. E. A. F. an dem und dem-Tage -wischen 7 und 7Y2 Uhr abends hören: Eine Predigt des Rabbtner- Blechrnann und vom Kantor Seiömann: ^Hafchüoemr". „Mögen OvauL". |j) | Versammlungskalender, i 11| I Breslau. sJüdisch - liberaler Jugendveretn „Abraham Geiger", Geschäftsstelle Höschenstr. öl, ll l. Donnerstag, den 1t. September, abendö pünktlich 8y? Uhr. Zusammenkunft der Gruppe II in Ottes Bierstuben, Viktoriastraße 70 (Vereinszimmer). Thema: Warum sind und bleiben wir liberale Juden? Vereinsmitglieder, die der Gruppe nicht angehören, als Gäste willkommen. Berlin. (Ortsgruppe Norden des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.) Ab 5. September 3024 findet wieder regelmäßig nm Uhr abends der Frektag-Abend-GvItcKdienft mit Orgel, Chor und Predigt im Auerbachfchen Waisenhaus. Schönharner Allee 162. statt. Predigt am 5. September: Rabbiner Dr. Gottschalk. An den hohen Feiertagen findet tm Auerbachfchen Waisenhaus ein lil>eraler Gottesdienst mit Orgel. Chor und Predigt statt. Bestellungen <nrf Karten find schriftlich z« richten an: Herrn A. Zander, Linienstr. 4b (Norden 3233). Die bestellten Karten werden bis zum 10. September reservrert. Ueber die bis zu diesem Termin nicht abg^otten Karte» wird anderwetttg verfügt. Der Weltkrieg mit seinen Folgeerfcheinungen Hai, um Samaels Worte zu gebrauchen, „den blutigen KnSuel. den hier unten Brunst, Hatz und Mer stöhnend, zusammenflicht", nur noch unentwirrbarer gestalt« und die MSglichk«ten jeder wahren Kultur auf lange Zeit hinaus verschüttet. — Wie viele Juden sind heute völlig eutjnd«, wie viele Christen ganz und aar entchristet! Die Dichttrna von Jakobs Traum", die kein Panegyrikus auf die israelitische Historie, sondern, wie gesagt, eine Welt- Dichtuna ist. die zu allen Menschen spricht, könnte auch di/: modernen Inden veredeln, ihnen ein Weckruf sein, sich aus sich selbst zu besinnen, ihnen in Erinnerimg bringen, wozu sie auserwähtt sind, auf daß die Zahl der braven Soldaten im geistigen Befreiungskriege der Menschheit eine möglichst große sei! Bis jetzt haben die Beer-Hofmannschen Dichtungen mcht so gewirkt, wie sie es sollten. Die Zeit üst noch nicht gekommen! Es gibt immer noch zu viel Menschen, deren Thora der Kursz«tel ist, wie Kahn so treffend spottet. Man lese doch nur einmal dte Aeußerunaeu der bekanntesten Kritiker über M« Beer -Hofmanns chen Dramen nach, und man wird Mgeben, >datz er «n „unzeitgemäßer Dichter" im Sinne Nietzsches ist. Als der „Gras von CharolaiS" ausgeführt wurde, schrieb ein so bedeutender und Ungebildeter Geist wie. Fritz Ma-uthner «ne trockene und rein philologische Betrachtung als Krittk. Aber keine Sprtr von Erschütterung oder Begeisterirng. wie sie dieses Drama bei jedem Menschen nrtt offenem Herzen au'Slösen müßte! Die besten Köpfe mttcr «den modernen Kritikern haben natürlich gemerkt, daß es sich um «neu ganz großen Dichter handelt, aber aus ihrer „Stimmung" haben sie sich — mit «nziger Ausnahme von Kurt Walter Goldschmidt — nicht bringen lassen. So schrieb Alfred Polgar — ich führe nur einige Beispiele an — über die Charolais-Musführnng im Burgkheater: .-Wenn der Mrt, der Tenorist war und das Organ verlor, sagt: wie s«ne Stimme hoch und höher, s« auch der Busen «der Mädchen höher und höher gestiegen, so denkt der Hörer beunruhigt, wie das bei einem ebenso fasziniereirden Bassisten gewesen wäre." Und über dasVorspiel schreibt derselbe Autor, der sonst ein überaus kluger Rezensent und sickner Essayist ist. .Lsakob ist «das Talent in der heiligen Famifie: ein paar Jcchrbanseude später wäre eS so. daß Jakob studieren dürste, indes Edom iuS Geschäst müßte." — Und Kerr, der bei aller Manieriertheit nnd Eitelkeit doch einer der gescheitesten und geistvollsten Krittker ist,'die wir haben, merkt natürlich ebenfalls, wen er vor sich hat: aber das Gemißel kann er nicht lassen! Gr schreibt, daß Samacl ,choch nebbich ein sehr anständiger Teufel ist", ulkt über „die sich zankenden Engel mit ihrem israelitischen Oberammcrgau" und scherzt, daß Bccr-Ho«fmcmn „ein mesopotamischcr Wilöcnbruch" sei. Diese paar Proben aus den vielen kritischen Stimmen mögen genügen. — Nun. wer auf d i c s e n Dichter mst mehr oder weniger albernen Witzen reagiert, zu dem hat das Tiefste, was er nus zu sagen hat, nicht genügend gesprochen! — M r r sind cs mit die stärksten Eindrücke gewesen, die ich ic von modernen, dramatischen Kunstwerken empfangen habe. — Einer meiner sehnlichsten Wünsche ist eS, daß Beer- Hofinann in absehbarer Zeit Hie Vollendung «des Gesarntwerkes im Sinne und auf der Höhe des Vorspieles gelmgers möge! —