Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-08-08 · 26 (8.8.1924) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
26 (8.8.1924)
Date
1924-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613741-2613767--0935-2618248
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

4. Jahrgang Nummer 26 Die Berliner Gefallenen-Gedenkfeier. In btt lebten Nummer hatten mir darüber berichtet, daß her Wunsch, bei der Gefallenen-Gedenkfeier neben emem Vertreter der katholischen und evangelischen Geistlichkeit auch einem jüdischen Felürabbiner das Wort zu erteilen, abgelehnt «ovden war. Der Reichsmintster des Innern Dr. JarreS hat jetzt durch einen Vertreter einer Reihe von Journalisten die Erklärung abseben lassen, er habe die Teilnahme eines jüdischen Feldgeistlichen deshalb abgelehnt, weil die Gedenkfeier als eine Reichswehrfeier gedacht sei und daher nur aktive Reichswehrgeistliche zugelaffen werden könnten. Dazu schreibt u. a. die .LZossische Zeitung": „Durch die AuSrode. die der Reichsminister des Innern setzt an den Haaren herbeizuziehen gezwungen ist, macht er die Sache nicht besser. sondern immer schlechter. .. . Nicht die Reichswehr, sondern das gesamte waffenfähige deutsche Volk hat draußen gekämpft. . . . Dem Reichsminister des Innern lwahrscheinlich. handelt es sich in der Hauptsache um einzelne Berater drS ReichsmilnsterS. die man sich einmal genauer wird anfehen müssen) war es Vorbehalten, die Veranstaltung der Reichsregierung in eine Reichswehrfeier umzudeuten, lediglich damit der rein antisemitische Akt der Ausschließung des Feldrabbiners wenigstens eine Art von Rechtfertigung erfahren konnte." Daß diese merkwürdige Ablehnung und das Verbot einer Feier auf dem Friedhof in Weißensee, das später, wie wir bereits berichteten, aufgehoben wurde (über den Verlauf der Feier berichten wir an anderer Stelle dieses Blattes), nicht nur in jüdischen Kreisen peinliche Empfindungen geweckt haben, beweist wohl am besten die Berechtigung der gegen den Reichsinnenminister Jarres gerichteten Borwürfe. Zwei Aeutzerungen verdienen besonders festgehalten zu werden. Generalleutnant ä. D. Freiherr von Stein schreibt an die Presse: „Das Verbot einer Feier an den Helöengräbern des jüdischen Friedhofes ist eine Beleidigung aller Gefallenen, und schließlich aller Frontkämpfer.... Es wäre ein feiger Verrat an allen soldatischen Ehrbegriffen, wollte man ihnen die Ehrensalven verweigern." Major a. D. Freiherr von Autenried schreibt an die „B. Z. am Mittag": ,Jch lese in Ihrer heutigen Nummer die Mitteilung über die Trauerfeier am 3. August und möchte nicht verfehlen. Ihnen sofort die Empfindung zum Ausdruck zu bringen, die mich beim Lesen trug! Sie vermelden, daß bei der Krieg'sgeöenkfeier vor dem Reichstag die Ansprachen auf solche von Herrn Ebert sowie dem katholischen und evangelischen Feldgeistlichen beschränkt bleiben sollen. . Mag man was mir persönlich abgeht — Verständnis dafür haben, daß sonstige Reden den Rahmen der Feier zu weit ziehen würden les ließe sich nämlich wohl bei Heranziehung derjenigen Kreise, aus denen die zu Feiernden stammen, zur Programmaußstellung Wesentliches auswählen). aber in erster Linie vermisse ich die Angabe —. die wohl hier allgemein interessieren muß! — ob der Repräsentant sämtlicher Soldaten Deutschlands, ja. unserer Wehrhaftigkeit überhaupt — die hier dankend gefeiert werden soll! —unser alter, ehrwürdiger Feldmarschall Hindenburg amtlich eingeladen bzw. aufgefordert worden ist! Dies muß doch als Selbstverständlichkeit und allgemeine Forderung erkannt werden! Ich wende mich aber weiterhin dagegen, daß bei dieser Feier von Reichs wegen kein jüdischer Geistlicher zugezogen wird. Mir wird gewiß niemand vorwerfen können, daß ich jüdische Interessen verfolge, wo es mich nichts angeht! Dies liegt aber hier vor, namentlich für jeden alten Feldsoldaten und wiederum besonders für den früheren Vorgesetzten, den Offizier, der jüdische Kameraden und Untergebene hatte! Hier gilt es. die Toten, die Gefallenen zu ehren! Dabei darf die Konfession derer, die für Deutschlands Ehre und Macht gefallen sind, keine Rolle spielen. Hier gilt es Ehre und Dank für alle! Ich erachte, daß man namentlich uns vaterländischen Verbänden auch hiermit schweres Unrecht zufügt! Hier gilt es, für den Kameraden, den früheren Untergebenen einzutreten! Ich verstehe auch nicht, wie gerade solche Fälle, bei denen es ssch allerdings nicht um andere Fragen als die der Ehre handelt, scheinbar dort leicht genommen werden, wo man die Kränkung und Zurücksetzung am tiefsten empfinden müßte! Die Beschränkung der Ansprachen wird damit begründet, daß keine jüdischen Geistlichen bet der Reichswehr feien! Ja — frage ich — feiern wir denn am 3. die Reichswehr?! Sollte kein Rabbiner sich gerne bereit gefunden haben, für jüdische Gefallene zu sprechen, namentlich unter solchen, die damals — in schwerer Zeit fürs Vaterland! — ihre Solöaten zu soldatischen Tugenden. Mut und Tapferkeit, für dre Ehre und den Bestand des Vaterlandes angespornt haben?! Ich fühle mich also — was wohl bereits genügend verständlich ist. aber nochmals betont sein soll — nicht vom Standpunkt der jüdischen Konfession angegriffen und verletzt — denn ich bin Christ und Johanniter mit völlig andersartigen religiösen Anschauungen —. aber wohl von dem als Kamerad und Vorgesetzter jüdischer Männer, die uns in der Kriegszeit getreu zur Seite gestanden haben!" (o)| Aus den Gemeinden. |{$j Berlin: Unter außerordentlich starker Beteiligung fand am vergangenen Sonntag die \n der vorigen Nummer von mrS bereits angekündigte, von der jüdischen Gemeinde zusammen mit dem ReichSbrrnd jüdischer Frontsoldaten veranstaltete Gedenkfeier für die Gefallenen auf dem Friedlose in Weitzensee statt. Bor dem Altar hatten der Gemeinbevorstand. das Rabbinat, Abordnungen verschiedener studentischer Verbindungen mit ihren Fahnen, sowie eine Abordnung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Aufstellung genommen. Hinter ihnen standen in Reih und Glied die Frontsoldaten und eine unübersehbare Menschenmenge. Nach dem Chorgesang gedachte Rabbiner Dr. Leo Baeck, ehemaliger Feldrabbiner, des Wandels der Zeiten. Es sei bezeichnend, daß der Kriegsausbruch im Gotteshause, die Gedenkfeier auf dem Gottesacker stattfinden müsse. Alle die Liebe und Aufopferung für das Vaterland sei vergeblich gewesen, und schwere Jahre schnür er Bedrückung lägen hinter uns. Wie Gott immer bei denen sei. denen Unrecht geschähe. so hätten auch wir diese tröstliche Zuversicht. Wir aber sollten bei Gott stehe» und den göttlichen Geist der IMchKberaleZeiimg Gtngebung für das große Ganze, den Opfert»- für das Ideal und für den Schutz des Vaterlandes pflegen. Dr. Alfred Wiener, der sodann für den Reichsbund Mischer Frontsoldaten das Wort nahm, wies darauf hin. daß unsere einzige Siegesbeute scheinbar die unendliche Zahl von Gräbern geworden sei. Aber diese Gräber sprechen: Sie feiern die Kameradschaft zwischen Juden und Christen, die in gleichen Schützengräben dem gleichen Feinde gegenüber oft von der gleichen Granate zerrissen worden seien. Die Gräber klagen aber auch die Verirrung und Verwirrung im Vaterlande an. Sie lehren, daß die heiligen Wörter, vaterländisch und national, nicht Handelsartikel des politischen Marktes werden dürfen, sondern schweigend gelebt und gestorben sein wollen. Würde der Geist aller Kämpfer, die Hingabe bis zum Letzten an ein großes Ideal, ohne Aussicht auf irgendwelchen Lohn, der Geist der deutschen Jugend in allen Schichten und Lagern werden, dann würde damit der beste Unterbau für den Aufstieg des Reiches zu altem Glanze wieder geschaffen. Nach weiteren Gesängen des Chors und einem Sologesang des Oberkantors Bär wurde das Kaddisckaebet zu Ehren der Toten gesprochen. Die Abordnung des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold legte einen Kranz nieder. Hierauf umzogen die vielen Tausenden den Ehrenfriedhof mit dem Gesang des Liedes: ,^Jch hat einen Kameraden". Berlin. Die Tagung der Grotzloge für Deutschland VIII V. O. B. B., die fatzungsmäßig alle vier Jahre stattfinden soll, ist für den 15. bis 17. November d. I. anberaumt worden. Berlin. Am 26. Juli ist der bekannte Uebersetzer und Schriftsteller Dr. Alexander Eliasbcrg in einem Sanatorium bei Berlin verstorben. Eliasbcrg. der der zionistischen Bewegung nahestand, ist im besonderen in Deutschland dadurch bekannt geworden, daß er ausgezeichnete Nebersetzungen der bedeutendsten Schriftsteller Rußlands verfertigte. Auch aus dem Jiddischen hat Eliasberg verschiedene Uebertragun-gen in deutscher Sprache herausgegcben. Berlin: Wie wir bereits in unserer vorigen Nummer berichteten, fand zu Ehren des Stadtrates a. D. Leopold Nosenow und seiner Gattin, die das seltene Fest ihrer goldenen Hochzeit begingen, am 4. August in der Synagoge Lindenstraße eine Feier statt, die der Vorstand der iüdi'chen Gemeinde als Zeichen der Dankbarkeit für die jahrzehntelange segensreiche Tätigkeit Nosenows als Jude veranstaltete. Eingeleitet wurde die Feier durch Orgelklang und Chorgesang, worauf Oberkantor Neustadt das „Socharti loch" vortrug. Rabbiner Dr. Warschauer schilderte die Verdienste des Jubilars und gab eist getreues Bild das Jubelpaares. Nach dem Vortrag von Hillers „Gebet" durch Oberkantor Neustadt gab Bankier Galewski als Delegierter des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde der freudigen Anteilnahme der Gemeinde Ausdruck. Im Namen des Vorstandes und des Vereins Synagoge Lindenstraße beglückwünschte Handelsgerichtsrat Dannhäuser das Jubelpaar. Der 150. Psalm, vom Chor gesungen, beendete die erhebende Feier. Das dicht besuchte Gotteshaus füllten in den vorderen Reihen Deputationen des Magistrats Berlin, der ver'^edenen Parteien des Landtags und der Stadtverordnetenversammlung sowie vieler anderer Institutionen, denen der Jubilar angchört. Bremen: Gemeinsam mit den republikanischen Organi- . satiionen legte die hiesige Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten am Kriegsgedenktage einen Kranz am Kriegerdenkmal nieder. Leutnant d. R. Avt hielt eine kurze Ansprache, in der er zum Ausdruck brachte, daß auch die jüdischen Deutschen ihre vaterländische Pflicht im vollen Umfange erfüllt hätten und mit diesem Recht darauf Anspruch erheben könnten, als deutsche Bateclandsfrennde bewertet zu werden. In einem Aufrufe in der Tagespresse fordert ebenfalls gemeinsam mit den republikanischen Organisationen der Bund jüdischer Frontsoldaten zur Teilnahme am republikanischen Jugendtag „Wasserkante" auf. der zur Feier des Verfassungstages am 9. und 10. August vom republikanischen Jugenökartell Bremen veranstaltet wird. Cassel. Unser Berichterstatter meldet: „Das Berliner Beispiel Hat Schule gemacht. Auch bei der hiesigen von den Staatsbehörden angeordneten Gedenkfeier für die deutschen Kriegsopfer ist neben dem evangelischen Redner der Vertreter der Katholiken vorgesehen: an die zahlreichen, aus Stadt und Land gefallenen jüdischen Kriegsopfer hat man scheinbar nicht gedacht, sonst wäre auch der Rabbiner zugelassen worden. Vor zehn Jahren wußte man die indische Mithilfe im Felde und in der Heimat besser einzuschätzen, und selbst während des Krieges hat man gnädigst darein cingewilligt, daß bei einer der Siegesfeiern vor dem Rathause der inzwischen verstorbene Landesrabbiner Dr. Doctox die Gedenkrede hielt. Tempora muntantor!" Cassel. Nach kurzer Krankheit und vergeblich in Bad Kissingen gesuchter Heilung verstarb im kaum vollendeten 63. Lebensjahre der langjährige Beamte der Israelitischen Gemeinde und Sinai-Loge. 21 Jahre hat Rudolf Plaut mit Treue. Gewissenhaftigkeit und Pflichteifer seines Amtes gewaltet, wie dies vom Landesrabbiner Dr. Malter in der Trauerrede und von den Aeltesten der Gemeinde in einem den Verstorbenen ehrenden Nachruf dankbar hervorgehoben wurde. Detmold. Das Lippische Synagogen-Gesetz vom Jahre 1870 wurde auf Antrag des Synagogeu-Verbandes im Februar 1924 durch den Lippischcn Landtag aufgehoben. Auf Grund des Artikels 137 der Neichsversassung traten nach eingehender Besprechung die Delegierten der Synagogengemeinde am 13. Juli in Detmold zusammen, um die Grundbestimmung über die Verfassung für die kirchlichen Angelegenheiten der Israeliten im Freistaat Lippe zu beschließen, die dann auch am selben Tage nach eingehender Beratung einstimmig angenommen wurde. Der Landesverband der Synggogengemeinde in Lippe setzt sich nunmehr zusammen: aus dem Gemeindetag als legislative Körperschaft und dem Verbandsausschuß als exekutive Körperschaft. Die Geschäfte des Gemeindetages werden geführt durch den Vorstand desselben, bestehend aus: 1. dem 1. Vorsitzenden. Fabrikant Albert Eichmann. Detmold: 2. dem stellvertretenden Vorsitzenden, Sanitätsrat Meyer, Oerlinghausen: 3. dem Schriftführer. Prediger M. Rülf. Detmold. Der Verhandsausschutz besteht aus fünf Mitgliedern und zwei Stellvertreter: dem Vorsitzenden. Rechtsanwalt Dr. Hirschfeld. Detmold: dem stellvertretenden Vorsitzenden. Direktor Carl Vogel ii. Fa. Siualco A.-G.), Detmold. Die Beisitzer: David Andermann, Bad Salzuflen: Hugo Kabaker. Lemgo: die Stellvertreter: Carl Paradies, Th. Hamlet. Die Bedürfnisse deö Verbandes werden außer durch Einkünfte aus eigenem Vermögen oder freiwilligen Zuwendungen durch Abgaben für die Benutzung von Einrichtungen des Verbandes und durch Beiträge bestritten, welche von den einzelnen Synagoaengemeinden nach Maßgabe der bestehenden ae'etzffchcn! Bestimmungen und eines zu erlassenden Kirchcngesetzes zu Beilage 8. August 1924 bestimmen sind. Dem Gemeindetaa ift jährlich vom Der. bandsausschutz ein Vorschlag zur Beschlußfassung vorzulegen, sofern nicht durch ein Kirchengesetz eine Abweichung davon bestimmt wird. Nach Ablauf des Rechnungsjahres ist ihm auch Rechnung zu legen. Die Ausgaben des Verbandes werden aus seiner Kaffe vom Verbandsausschuß oder dem durch den Beschluß des Verbandsausschusses dazu ermächtigten Mitglied angewiesen. Die Abgeordneten des GemeindetageS> und die Mitglieder des Gemeindeausschusses werden in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl von den über 25 Jahre alten Männern nach dem Grundsätze der Verhältniswahl gewählt, sofern diese wenigstens ein Jahr ihren Wohnsitz in einer Synagogengemcinde des Landes gehabt haben. Die gleichen Bestimmungen gelten für die Wahl des Vorstandes der Synagogengemcinden. jedoch ohne Verhältniswahl und mit der Maßgabe, daß bei Stimmengleichheit das Los entscheidet. Besteht ein Gemeindeaus,chuß. so wählt dieser den Vorstand. Der Landesverband und die einzelnen Synagogengemeinden, letztere soweit sie einen eigenen Rcligionslehrer anstellen, sind verpflichtet, solche Einrichtungen zu treffen, daß es möglichst keinem jüdischen Kinde während der Schuljahre an dem erforderlichen Religionsunterricht fehlt. Synagogengemcinden, die nicht in der Lage sind, einen ReligionSlchrcr aus eigenen Mitteln ausreichend zu besolden, werden vom Gemeindetag mit anderen Synagogengemcinden zu Wanderlehrer-Bezirken vereinigt. Ueber die Anstellung und die Bezüge der Wanderlehrer trifft der Gemcindctag Bestimmungen. Vis zum Erlaß solcher Bestimmungen bleibt es bei dem bestehenden Zustand: guch ist der Berbandsausschuß berechtigt, bis dahin die Wanderlehrerbezüge zu bestimmen. Insoweit gegen eine Entscheidung de- Bevbandsausschusses eine Beschwerde an den Gemeindetag zulässig ist. ist sie innerhalb einer Frist von 14 Tagen seit schriftlicher Bekanntmachung der anzufechtendcn Entscheidung beim Vorsitzenden des Vcrbandsausschusses anzubringen. Die Abänderung der Bestimmung dieses Gesetzes kann nur bei Anwesenheit von Mitgliedern des Gcmeindetages und einer Stimmenmehrheit von 2U der abstimmenden Mitglieder erfolgen. Fritzlar. Die hiesige Israelitische Volksschule scheint demnächst der Gefahr der Auflösung ansgesctzt zn sein, nachdem der jetzige Inhaber der Stelle, Lehrer A. Ncuhaus, sicherem Vernehmen nach am 1. September d. I. in den Ruhestand tritt. Hagen: Uebee die Verwüstung des jüdischen Friedhofes, von der wir bereits in der vorigen Nummer berichteten, wird noch mitgcteilt: Nicht wem""- als 52 Grabsteine, darunter solche von vielen Zentnern Gewicht sind nwgestnczt worden und zum Teil zerbrochen. Ans dem Friedhofe stehen noch sechs Steine, bei denen es den Tätern nicht gelang, sie umzuwerfen. Fast alle Grabitcllcn zeigen die leeren Stümpfe, die Blumen sind vernichtet und zertreten. Wie systematisch vorgegangen wurde, zeigt ein Grabstein, den die Täter wegen seines Gewichtes nicht Umstürzen konnten. Diesen Stein wollte man anscheinend umlegen und scheute sich nicht, die Ruhe des Toi— dadurch -n stören, daß man an seinem Grabe den ganzen Schmuck niederhackte und dann tiefe Gruben aushob, um den Stein zn stürzen. Hier sind die Täter anscheinend gestört worden, denn es fanden sich an dem Grabe noch Hacke, S-patcn und Schaufel. In der Friedhofskapelle sind drei Fenster zertrümmert, Kanzel und Bänke umgeworfen. Ein anfgefundenes Hakenkreuz ließ zunächst die Vermutung aufkommen, daß es sich um ein völkisches Attentat bandelt. Entgegen der ursprünglichen Annahme scheinen jedoch politische Motive nicht in Betracht zu kommen, vielmehr sind die Täter auf Raub ausgegangen. Die Verbrecher, vier junge Leute im Alter von 14, 17, 23 und 26 Jahren und ein Mädchen, geben an, in der Familiengruft, die sie zu öffnen versuchten, Gold, Silber und andere Wertgegenstände vermutet zu haben. Als sie nichts fanden, wollen sie in einem Anfall von Wut ihre „Heldentat" vollbracht haben. Das beteiligte Mädchen nahm einige Blumensträuße mit' und schenkte sie einer ihrer Freundinnen. Dieser Umstandführte zur Entdeckung der Täter, da dieFriedhofsblnmen bei der Beschenkten gefunden wurden. Die jugendlichen Täter und das Mädchen befinden sich in Untersuchungshaft? einer der Täter ist flüchtig. Jcheuhaufen. Als Rabbiner wurde Rabbiner Dr. Neuwirth nach hier berufen, der fast ein Viertel-Jahrhundert bei der Religiösen Gesellschaft in Bingen wirkte. Karlsruhe. Am 25. Juli beging Geh. Oberregierungsrat Dr. David Mayer seinen 70. Geburtstag. Für die großen Verdienste, die sich der Jubilar durch seine führende Tätigkeit im Oöerrat und in der Synode seiner badischen Heimat erworben hat. und für das im Jahre 1012 gegründete Friedrich-- Lnisen-Hospiz in Bad Dürrheim, das schönste jüdische Kinderheim Deutschlands, das seine Entstehltng dem Wirken und Schaffen David Mayers verdankt, gebührt ihm besonderer Dank. Lanterbach lHeffen). Deutsch-völkische Elemente haben sich in letzter Zeit, aufgereizt durch vorübergehend anwesende Mitglieder eines Försterausbildnngskurses, vielfach dadurch unangenehm bemerkbar gemacht, daß sie den jüdischen Einwohnern in der Nacht vom Freitag znm Sonnabend mit Teer Hakenkreuze an die Haustür malten. Im benachbarten Alsfeld haben nach gleichen Vorgängen zahlreiche jüdische Bürger erklärt, daß sie sich an öffentlichen Sammlungen und ähnlichen Einrichtungen des Ortes nicht beteiligen werden, wenn die Ortsbehörde dem Unfug, der sich u. a. auch im Absingen von Hakenkreuzliedern zeigt, nicht Einhalt gebietet. Mannheim. Die Gemeinde geht daran, nach der Stabilisierung der Tiähruna wieder einen geordneten Haushaltsplan zu entwerfen. Bei der Beratung des Gemeindevoranschlages zeigte sich, daß ein ungedeckter Stcuerbedarf von 225 000 Goldmark vorhanden ist. Die Friedhofskassc. die in Friedenszeiten beträchtliche Ueberschüsse ergab, wirft keinen Gewinn mehr ab. da das Geld zum Ankauf von teuren Familiengrabstätten fehlt. Man hofft, die zur Deckung erforderliche Steuer trotzdem niedriger als diejenige der katholischen und evairgelischen Kirchengemcinde halten zu können. Mosbach. Als Bezirksrabbiner für den Rabbinatsbezirk Mosbach-Merchingen-Wertheim wurde Rabbiner I. Geils- Helmer von Frtesenheim iz. Zt. Freiburg) gewählt. Nürnberg. Unter Leitung des Vorsitzenden. Rabbiner Tr. Freudenthal. fand hier eine Ordentliche Mitgliederversamrnlung der Witwen-, Waisen- und*Ruhegehaltskasse der Rabbiner Deutschlands statt. Durch die Wirkung der Inflation ist das frühere Vermögen vernichtet worden. Die Kasse ist deshalb gezwungen, ihren Aufbau aufs neue zu beginnen. Fn der Uebcrgangszeit soll das Umlageverfahren einacführt werden. Zum Vorsitzenden des Kuratoriums, das alliährlich die Höhe der Beiträge und der Leistungen festzusetze» hat. wurde Rabbiner Tr. Freudenthal wicdergewählt. zum Kassierer Rabbiner Dr. Behrens ernannt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.