Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 23 (18.7.1924)
- Date
- 1924-07-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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I Abens als Emanationen einer innewohnenden heiligen Kraft betrachten. Dann ist uns der Hohe Priester, von dem die Awaudoh des Versöhnungstages erzählt, nicht ferner nur -ex. Vollstrecker göttlicher Befehl«, sondern selbst. — wie er die Opfer bringt, wie er ins Allerheiligste schreitet. — in sich göttliches Wesen. Verkünder eines irrationalen, unendlichen Lebens. Dann ist unS die Freud« am Simchath-Ttzora nicht mehr die Freude am alten Buch der heiligen Lehre, sondern selbst; Lehre heiliger Fr«»U>o. Und wenn die Frau am Freitag-Abend die Lichter de» SabbathS entzündet, dann ist sie uns selbst in ihrem Tun: Sinnbild non Feier und Ruhe. Wir sehen die transzendente Gerichtetheit unserer Bräuche und Gebete als Immanenz göttlichen Geistes. Und wir sehen die Menschen der heiligen Geschichte nicht als Menschen, die irgendwann und -wo einmal mit einem Jen. seits der Erde in Berührung standen, sondern als die Gestalten raum- und zeit-los ewig gültiger Ideen. Und wenn wir nun die alten Worte der Gebete sprechen, dann sind uns diese Worte selbst wohl nicht mehr ein Bitten oder Danken vor Gott — aber ein heiliger Klang, ein beseelender Rhnthmns. der die tiefsten Wünsche, das innerste ausgesprochene Fühlen unserer Seele heimlich begleitet und zu gott-glaubendem Vertrauen lenkt. 0! Die jüdische Gegenwart. ij § Vor der Verwirklichung des Krimprojekles. Der Moskauer J.T.A.-Vertreter hatte soeben ein Intermew mit Herrn Smidowitsch, dem ersten Gehilfen -es Vorsitzenden des Zentralen Exekutivkomitees der Union der Sowjet-Republiken, M. Kalinin. Herr Smidowitsch setzte die Ansicht der Regierung über me ökonomische Laae der jüdischen Bevölkerung in Rußland auseinander und skizzierte den Regiecungsplan. jüdische Kolonien auf der Krim-Halbinsel zu gründen. Die ökonomische Lage der Inden in dem früheren Ansiedlnngsrayon. sagte Herr Smidowitsch, ist immer kritisch gewesen. Jetzt «rbec, angesichts einer vom Staate beaufsichtigten Industrie und des eingeengten Kreises für Privatunternohmungen angesichts der Tätigkeit der Regierungsbanken und der staatlichen Gesellschaften wird die Lage von Tag zu Tag kritischer. In dem Wunsche, den arbeitenden Schichten der jüdischen Bevölkerung zu helfen, beabsichtigt die Sowjet-Negierung, diese Bevölkerung auf freiem Boden in der Ukraine anzustedeln. und zwar in der Nachbarschaft der schon existierenden Kolonien, nördlich von der Krim. 100 000 Desjatin staat- Itdjeu Bodens sind für diese Ansiedlung vorgesehen. 50 000 Desjatin in der Ukraine und weitere 5Ö000 Desjatin in der Krim. Für den Fall, daß sich diese Siedlungen gut entwickeln, soll noch mehr Land für diese Zwecke bereitgestellt werden. Nach den landwirtschaftlichen Erfahrungen können mindestens 50 000 Seelen an, öcu ersten 100 WO Desjatin Land angesicdelt werden. D:s Land wird den jüdischen Siedlern nicht auf der Grundlage einer Konzession gegeben, sondern zu ihrem freien Gebrauch für eine unbegrenzte Zeit hinaus. Der Boden in der Nord-Krim ka.m in den verschiedenen Teilen als Weideland ars Gemnsegrund. ferner zu Blumenzucht. Tabakpflanzung usw. benutzt werden. Die Krim ist wegen ihrer Obst-, Gemüse- und Weingärten berühmt. Der Plan ist bereits von der Zentralregierung, sowie den Autoritäten in den verschiedenen Republiken Rußlands gebilligt worden. Eine diesbezügliche Bekanntmachung wird M kurzer Zeit erfolgen. Sie wird n. a. die Mitteilung enthalten, daß ein besonderes Rcgieruugskomitee für die landwirtschaftliche Anslcdlung -er jüdischen Arbeiter eingesetzt wird. Das einzige Hindernis besteht noch darin, baß die Mittel zum Ankauf landwirtschaftlicher Instrumente. Maschinen, Baumaterialien für Hauser usw. fehlen. Die Somjetregierung ist bereit, besondere Reiscerlcichtcrnngen zu gewähren und den Ansiedlern eine weitestgehende Milderung in den Steuerabgaben angedeihen zu lassen. Die Regierung will ihrersssits die Kosten für die Vermessung und die Verteilung deS Landes, sowie für die Erbauung artesischer Brunnen tragen. Sie ist jedoch nicht in dar Lage, sofort bewohnbare Siedlungen zu schaffen, damit die Scharen der anzufledelnben Inden unter Dach gebracht werben und sich sogleich auf ihrem Boden sollen erhalten können. Die Gesellschaft „Ort" und «ine Ansatz! ausländischer Hilfsorganisationen habe« eS üSernommen. die notwendigen Mittel zur Realisierung deS Planes zu liefern. DaS Ausmaß dieser Realisierung wird gänzlich von den zu Gebote stehenden Geldmitteln ohhängen. Die Verwendung der von den au»ländtschen HilfS-Organifationen beigestellten Geldsummen wird von besonders legalisierten lokalen Kommissionen kontrolliert werden. Mit diesen Kommissionen werden Repräsentanten der ausländischen Organisationen in ständiger Verbindung stehen. Die ausländischen Gesellschaften werden sich in der Weise direkt an dem Werk beteiligen, daß sie ihre Repräsentanten in die lokalen Kommissionen und Vollzugßansschüffe entsenden. Der Regierungsausschuß für die landwirtschaftliche Ansieblung der Juden will sich in keiner Weise mit den finanziellen Angelegenheiten des PlaneS befassen. Auf die Frage des I. T. A. - Vertreters, ob die Regierung das Stedlungsterritortum einzig als Kolonie zu behandeln beabsichtige, oder ob sie demselben einen beschränkten Grad der Selbstregiernng verleihen wolle, erwiderte Herr Smidowitsch, daß die Union der sozialistischen Sowjet-Republiken, wenn die Juden erst auf ihrem besonderen Gebiet angesiedelt sein und den Wunsch nach einer Autonomie äußern werden, GGGGGGGSGGGGGGGGGGGS Jeder sende den fälligen Beitrag für da» 3. Vierteljahr 1824 in Höhe von Mk. 1.50 einschließlich Bezugsgeld für die „Jüdisch-liberale Zeitung" auf unser Postscheckkonto Berlin Nr. 137069 sofort eint „Jli"-Mitglieder und Abonnenten Haben nur M. 1— zu zahlen! Die Mitglieder in Augsburg, Berlin. Bingen. Bochum, Brieg, Eottbus, Danzig. Dortmund. Duisburg, Frankfurt a. M., Freiburg i. Br.. Liegnitz. Magdeburg. Münster i. W., Nams, lau. Offenbach a. M., Ohlau. Schneidemühl. Schweidnitz und Stettin sowie die des Jli-Breslau haben einen direkten Beitrag an die Zentrale nicht abzuführen. Bereinigung für das liberale Judentum E. B.. Dick mann. Generalsekretär. gerne'bereit sein wird, ihnen, wie sie es jetzt gegenüber ieder anderen Nationalität tut. das Recht der Autonomie einzuräumen. Indessen existiert solch ein Territorium noch nicht, sodatz eine solche Frage noch nicht aktuell ist. All das Gerede über die Errichtung einer jüdisch:» Republik sei nichts als Unsinn. Die Alliance-Schulen ln Palästina. Der französische Generalkonsul in Jerusalem bat in diesen Tagen die jüdischen Kolonien in Palästina besucht. In einem Interview mit der Palästinensischen Telegraphen, Agentur sprach er seine große Befriedigung über das Schulwesen der Alliance Jsraelite Universelle aus. Er erklärte, er habe in der Alliance Schulen sowohl erstklassige Lehrer als auch vielversprechende Schüler angetrofsen. Der französisch« Generalkonsul besucht« auch die jüdische» Arebiter-Ansieblungen Daaania und Kinoreth. Diese Kolo* nie« habe« auf ihn eine« besonders günstigen Eindruck gee «acht. Glicensteßn-Nadierunge« lm Britisch«« Mus««««. Das Britische Museum hat ein« größere Anzahl Kupfers stiche des berühmt« Bildhauers. Prof. Hevrv Gttosnmä», erworben. Gttesnstei» bat sich neuerdings viel der Kupfer« stich-Arbeit gewidmet. Fünfzehn seiner neuen KMerW« wurden am 7. Juki im Britischen Museum ausgestellt. Mer Rest Ser Sammlung wird während der Herbstzeit ausgestellt werden. Gelbstwehr. Die jüdischen Mebizin-Stubenten in Jgsiy. bi-e. wie wir kürzlich berichteten, infolge der Anordnung deS Universitätsrates. daß die jüdischen Studenten nur an jüdischen Leichen ihr Praktikum absolvieren müssen, den jetzigen Prüfungstermin versäumen, beschlossen, gegen den UniversitätSrat klagbar vorzusehen. Der rumänische Abvokatenbund bereitet einen öffentlichen Protest gegen den UniversitätSrat vor und will den jüdischen Medizinern juristischen Beistand leisten. Sersammlungskalerrder. Berlin. (Jüdisch-li-araler Jugendperein.) Sonntag, -e» 20. Juli Mt: TagkSauSflug nach Schmöckwitz—Königswusterhausen. Treffpunkt: Ltadtbahnsteta Bahnhof Alerarrderplatz mit Fahrkarte nach Etchwalde—Schmöckwitz. Treffzeit 7,40, Abfahrt 7,50 Uhr. Berlin. (Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugend« vereine Deutschlands — Jüdisch-kcheraler Jugend verein zu Berlin e. B..) Geldsendurmen lBeiträge, Spenden usw.) kön. nen von jetzt ab durch Postscheck eingezahlt werden. Da- Postscheckkonto für die Arbeitsgemeinschaft ebenso wie für den Jli-Verün lautet ans den Namen: Sieneralsekretör G. Dickmann. Berlin W. 8. Mauerstraßo 22. Postscheckkonto Berlin Nr. 11405-. Auf dem Abschnitt ist zu vermerken, f&t welche Organisation und -u welchem Zweck (Beitrag, Spende usw.) der Betrag etngezahlt ist. Bre-la«. (Jüdisch-liberaler Jngendverein „Abraham Geiger"). Sonntag, den 3. August 1924: TagesauSflug Wartha-^-Königsbainer Spitzberg—Glatz. Treffpunkt 5 Uhr Nordhotel, Abfahrt 5,30 Uhr. Fahrkarte IV. bis Wartha Stadt selbst lösen. Der Ausflug findet bei jeder Witterung statt. Bon Montag, den 21- Juli 1921 an jedem Montag abends 8 Uhr gesellige» Beisammensein im Kurgarten. Kürassier-l straße 14, bei jeder Witterung. Kalendarium skr die Seit vom 20.7. bis 26.7. ' Juli 1924: Tammus 5684 Freitag 18. 16. Sonnabend 10. 17. Wochen-Abfchnitt Balak (4. SB. VI Kav. 22,3-25,9) Hastarah: Micha Kap. 5, 6 Sonntag 20. 18. 17. TammuS .4. Montaq 81. 19. Dienstag 32. 20. Mittwoch 23. 31. Donnerstag 34, 22. Freitag 35. k Neumondweihe Sonnabend 30. 24. Wochen-Mschnttt Pinchaß (4. B. Nt. Kap. 25.1st-Z0.1) Haftarab: 1. Könige Kap. 19. alten Melismcn eine persönliche Note bekam nnd sich dadurch die ersten größeren Erfolge holte, nach der Premiere »er „Saba" in Wien März 1877, schrieb der hervorragende Kritiker Dr. Helm: „Neben der älteren Wagner-Form und der Goldmark eigenen träumerischen, schwermütigen Gefühlsaussprache. ist es ganz besonders das jüdische Element, das als Charakteristikum hervurtritt. es ist die alt-testamentarische Stimmung, die Goldmark hier glorifiziert: ähnlich äußerten sich Eduard Hauslik und andere Musikschriftstellor. Wer also alle typisch jüdischen Tvnfvlgen kennt, wird gar bald merken, wo das Erbaeschcnk jüdischer Genesis — der Gebet-Rhythmus und die Tonfolge — durchblitzt: eö ist für den Kenner ein eigener Reiz, zu sehen, wie ein scharfes Kunstgefühl den vielleicht unabsichtlichen Kampf mit dieser angeborenen Liebhaberei führt: wir denken hier zuerst an die so herrliche und echt jüdische Stelle lTesmoll) beim Einzug der Königin, die in einer der ersten Sunagogen-Tonart. Es-Basis endigt: ähnlich gefaßt ist der Schluß des Liedes »Fata Morgana" Op. 37 oder die echt chasaniiche Roulade am Schlüsse des Liedes „Der Wald wird dichter" Op. 18: merkwürdig ist cS. daß in keiner anderen Oper des Meisters jüdische Art ausklingt, nur in der „Saba" scheint das Buch den Komponisten inspiriert zu haben, jüdische Weisen zn annektieren: keine Oper des Meisters hat allerdings nur annähernd den großen Erfolg der „Saba" gehabt. Schon in der Oper „Merlin" wandelt Goldmark nach Bayrenther Muster: die Hymne Merlins, das Lied Biviancs. die Chöre und großzügig gebauten Finales verraten Goldmark's Meisterhand: besonders im Finale „Sei uns gegrüßt" hören wir fast icde Stimme mit feiner Art verselbständigt. bewundern die Kunst des musikalischen Durcheinander. des fesselnden Rhythmus: mag auch manches bizarr klingen, bald merken wir ein Ueberleiten im Interesse des guten Klanges: von den anderen Opern war wohl nur noch dem „Heimchen am Herd" ein längerer Erfolg Geschieden: diese Over scheint weniger von Wagner, mehr von Schumann inspiriert, die Märchen-Stimmung von Ch. Dickens ist famos getroffen, die Liedform, das alte Seceo-Recitatio wird stark bevorzugt, das Vorspiel zum dritten Bilde ist ein Meisterstück von Klangschönheiten und gediegenster Orchestrierungs-Kunst. Ans der großen Zahl seiner Instrumental- und Gesangswerke sei besonders die Saknntala- Ouverture Op. l3 hervvrgehoben. ein Stück, das sich durch seine musikalische Konzeption die Welt erobert bat: die Musik steht hier keineswegs im deskriptiven Verhältnis zu der indischen Sage. sondern nimmt nur die poetische Anregung. vielleicht auch die Loka.lsarbe derselben an: neben seiner 2. Symphonie Ov. 33 sei auch das Klavierwerk „Georginen" genannt (Ov. 52]; ans dem reichen Born seiner Lieder haben sich „Die Quelle". „Tic Nachtigall" und „Ter Wald" in nngeschwächtcr Kraft erhalten. Goldmark und Brüll! Beide indischen Meister haben sich mit ihren Werken unvergängliche Denksteine gesetzt: mag die fortschreitende Zeit manches bemängeln, ihre Meisterwerke werden solange fortleben, als der Sinn für wahre Kunst besteht. Vom Hakenkreuz. Als einen Witz der Archäologie bezeichnet eS Dr. I. H n n ü h ans« n in einem Aufsatz der naturwissenschaftlichen Wochenschrift „Umschau", Heft 26, daß kürzlich die d ä n i s ch e P a l ü st i n a - E x p e d i t i 0 n in den Räumen der Synagoge zu Kapernaum einen FrieS mit vier Hakenkreuzen fand. Nach dem Lukas-Evangelium wurde einst diese Synagoge vom Kommandanten einer römischen Hundertschaft, die dort in Garnison lag, der jüdischen Gemeinde in Kapernaum geschenkt. Es handelt sich um die Kapernanmer Synagoge, in der Jesus am Sabbath gelehrt haben soll. Nach Sven H e d i n ist der Ort einer von den dreien, an denen der Nazarener erwiesenermaßen geweilt hat. — Ob wohl Dinier und Konsorten daraus den Schluß ziehen werden, die Erbauer der Synagoge seien Arier (Jndo-Kelto-Dlavo-Germanen sagt weitherzig bzw. schlau H. St. Ehamber.lain) gewesen- — Dr. Hundhansen nimmt übrigens das Hakenkreuz, das bei fast allen Völkern gefunden wird und auf Urweltszeiten zurückgeht, wenn schon ein „historischer Ursprung" angegeben werden soll, für das Sonnensnmbol der amerikanischen U r - u n d K u l t u r v ö l k e r. Es ist in Südamerika heute noch den mexikanischen Petroleumwagen aufgemalt. Nicht nur die vielfachere Form des Kreuzes, eben das Hakenkreuz, sondern sogar das einfache Kreuzornament führe die Forscher merkwürdlgerw-eise nach Mexiko lwa» uns angesichts neuerer Forschungen garnicht so merkwürdig vorzukommen braucht). Im dortigen Museum finde man es auf einer Base al» „Ornament ans denkbar grauenhafter Herkunft". es erscheine dort nämlich zusammen mit Menschenschädeln in verzerrter Nachbildung, bestehend auS zwei über, einandergelegten menschlichen Schenkel tuschen mit den bei, derfettigen Ansätzen der Gelenkköpfe, in der Art des sog. Malteserkreuzes, die Menschenkppfe und -Knochen abgenagt: das Ornament der Menschenfresser! So schrecklich wie der Ursprung der Figur ist der de» Namens „Kreuz", welche» Wort erst im 8.-9. Jahrhundert mit der Christianisierung (maS nach Chamberlain-Dinter Juda, tsiccung zu heißen hat) in Deutschland auskam. Es stammt vom lateinischen crucam. mit Genuöwechsel von erux (ital. oroos] und heißt eigentlich dasselbe wie muar. h. t. geronnene- Blut. .Kreuz" ist demnach ursvrünglich nicht die Figur, sondern da» Blut am (gleichviel, wie geformten) Marterholz: der Name überträgt sich dann auf da» Holz und in späterer Entwicklung erst ans ein bestimmt geformte» Holz. „Blutholz" oderMarterpsahl ist danach dieUrbe-eutung von „Kreuz", -aS sich dann in seinen verschiedene« Formen unabhängig vom Marterbolz ansgestalten konnte. Ich möchte bei dieser Gelegenhc't darauf Hinweisen, baß sich neben dem eingeführten „Kreuz" als Bild und Wort in deutschen Mundarten auch noch das erhalten zu bähen scheint, worauf „Kreuz" zurttckgeht. In süddeutschen Ländarn (wie Hessen. Pfalz, Baden) packt man einen „an der Krutz". b. i. an der Kehle, „die Krutz absckneiden" ist eine oft zu hörende Drohung. Der Bauer „kratzt" oder „kxvüt" die Rühen, h. fj«. er schneidet den Blätterbüschel ab, der dann, wie auch z. B- Kartoffelkraut, „Trotzig" heißt. Diese mundartlichen Sprach, reste scheinen in fernste Vergangenheit zu weisen, indem hier noch überhaupt kein Holz im Spiel, sondern „Krutz" einfach die Stelle am zn tötenden Körper selbst ist. wo das Blutgerinnsel zu kleben pflegt. Für unmenschliche Handlungen gibt es im Lateinischen das Wort erudei, im Französischen cruel und Int Deutschen — „Greu« l" Nach Dr. Hundhanfen ist das indische „pvaatik*" dasselbe wie das chinesische „Uac", beides sind Namen für da» Hakenkreuz, das als eine der sterilsten, bzw. primitivsten Formen aller Welt angehhrt und zwar, außer der Brechung seinem Arme in japanischen Ornamenten, überall unverändert. Demgegenüber bedeutet es natürlich nichts, wenn es „schon* auf den Denkmälern Buddhas und sogar in seinen Haarlocken gefunden wird. Wie alle andern Kreuze konnte auch das Hakenkreuz große Kulturdienste leisten, bis es in unsrer Zeit als sportliches Spielzeug gedankenloser Jungen in den Straßenkot gezogen wurde, aus dem es sich aber auch wieder erheben wirb. 6roa bedeutet im Französische« Hakan. CrecU heißt italienisch der (gekrümmte) Bischofsstab, also fließen Kreuz und Hakenkreuz sogar derart ineinander, daß Haken schon für Kreuz gilt und umgekehrt, bzw. wie jedap „Haken" schon ein einfachstes „Kreuz" ist, so besteht jebeS Kreuz aus einer kleineren oder größeren Anzahl von Haken, z. B. -iaus vier, (die Hälfte von ans -wei. ein Hakenkreuz aus acht Haken. In das Kreuz-Ornament konnte bei den verschiedene« Völkern symbolisch alles Mögkiche nnö Unmögliche hinein gedacht werden, von den Epigonen wird gewöhnlich mehr daS Unmögliche als das Mögliche heraus gelesen. Bei de« Aegyptern soll daS geometrische Kreuz als Zeichen deS ewige« Lebens gegolten haben, wieso. daS kann nicht erklärt werden. DaSHakenkreuz zieht eine gewisisSorte zeitgsnösstscherJüng« linge vielleicht, ihnen selbst natürlich wie so vieles andre unbewußt, deshalb so stark an. weil es an ein „Feuer-Rad" gemahnt. das eine „völkische" Inquisition so hübsch maschinell verwenden könnte, während für besondere „Handarbeit" etw» ein gewöhnliches. zusammengebrückteS X, wie eS an Bauernhäusern die Mauern hält, etwa als „Judenzanse" gute Diensttäte. Nach A h l w a r d t vollzieht sich zwar „germanische»^ Denken in p i r a l f 0 e m ", weil baß schwungvoller ist alS dreieckige- oder überhavpr eckige» und „unendlicher" alS kreisförmige» Denken, aber kluge Leute missen auch in per „Symbolik" da» Angenehme mH dem Nützlichen zu verbinden, die Hauptsache ist. baß man symbolisch überhaupt ist: wen« alles übrige versagt, kann ein Jüngling, desien ipicalsörmiq- Seele in der langschädligen Kopfellipse pdar im kugelige« Bauch, je nachdem, wo sie ihren Sitz haben mag, keinen Raum mehr hat, immer wieder zum einfachen .Halbkreuz zurückkehren, indem er sich, mozu allerdings eine kteisformig« Schleife aus Hanf gehört, am Fensterkdeuz aufhänst. A. vom Berg.