Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 18 (13.6.1924)
- Date
- 1924-06-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Wert und Bedeutung der Wälder, soweit sich dieser nicht in Rubel und Kopeken, in Gulden und Kreuzer ausrrücken ließ. Ein Baum galt ihnen nichts in seiner natürlichen Schönheit und seiner gesegneten Herrlichkeit, nur sein zahlenmäßiger Wert fand ihr Interesse. Das Leben in der Natur, das bei den Juden älterer Generationen überhaupt noch geringem Verständnis begegnete, ging ziemlich spurlos an ihnen vorüber. Sie sahen den Wald, er war gewissermaßen ihr Heimatsboden, aber sie liebten ihn nicht um seines wundersamen, geheimnisvollen Zaubers willen, sondern weil er ein Objekt guter Geschäfte war. Die prangende Pracht von Feld und Flur, des Frühlings Aussaat, des Sommers Frucht, des Herbstes Ernte gab ihnen keine tieferen Gefühle. Höchstens des Winters ruhevolles Behagen gewährte ihrem Innenleben einige Freude. Denn die Zeit der Tätigkeit war dann vorüber und sie durften m friedsamer Muße sich der Arbeitsfurcht erfreuen und sich auf sich selbst besinnen. Das führte sie zu dem, was des ärmsten, einfachsten Juden innerster Besitz bleibt: die Tradition und die Lehre. Wer sie nicht selbst besaß, strebte sie für seine Nachkommenschaft an und befestigte damit seine Zusammenhänge mit dem auserwählten Volke, dem er sich zugehörig wußte. Daraus erwuchs auch dem Geringsten unter ihnen das Gefühl, sich in Stolz und [iWfirde als das Besondere zu dünken. Das gab ihrem Leben •inen reicheren Inhalt, als die Armseligkeit ihrer Existenz es begreiflich erscheinen ließ. Innerhalb dieser eigenartigen Daseinsbedingungen gedieh der kleine Abraham. Dm freute, was die Großeltern und die Eltern freute, sein junges Herz war erfüllt von dem, was ihre kleine Welt bildete. Die Bäume, richtig eingeteilt, gezählt, zum Abholzen bestimmt, die ganze Nutzbarmachung des Waldes waren ihm von frühester Kindheit an geläufig. Er hörte, sobald er überhaupt zu begreifen anfing, nichts anderes jahrein, jahraus. Eines Tages aber sah er etwas anderes: Er sah den Wald in seiner ewigen Schönheit, er sah über den Stämmen, der Axt und Säge geweiht, das breite Blätterdach sich ausbreiten, er sah die Vögel in den grünen Moosteppich von Farnkraut durchwuchert, er sah die Waldbeeren in zierlichen Büschen hervorlugen, das lila Haidekraut sah er, die grünlich-weißen Schneeglöckchen und all das bunte, zierliche Waldgeblüh. An Busch und Strauch sah er Blüten, und des Lenzes lichtes, durchsichtiges Blätterwerk, und des Herbstes fallendes Laub, rostbraun und gelblich. Und nachdem er so viel gesehen, fing er auch anderes zu hören an, als den Umfang, die Höhe, die Anzahl, den Preis der Bäume und die Axthiebe, die sie fällten. Er hörte die Lerche jubilieren und die »Nachtigall klagen, er hörte Specht und Käuzchen, er hörte Kuckuck und Amseln; auf das Rascheln der Eidechsen lauschte er, und des Eichhörnchens flüchtige Sprünge beobachtete er. Das Leben der Natur wurde ihm verständlich, und im Herzen des kleinen Judenknaben erstand die Poesie des Waldes. Das hatte er nun vor Vater und Großvater voraus, zwischen denen er hin und her pendelte •ad zusah, wie sie geschäftig die Bäume abzählten und | aufaotierte, wie sie mit den Arbeitern zankten und vor 'dm Käufern, die ihre Ware besichtigten, sich devot verewigten. Ware! Die Bäume ... seine Bäumei Und wenn Oas so weiter ging, würden sie eines Tages alle abgehauen aeial Auf den Baumstumpfen konnte er dann sitzen ganz allfin, denn der Vater und Großvater würden gewiß nach Krakau fahren, um das Geld für den letzten Baum einzukassieren. Der kleine Mann saß wirklich auf einem Baumhrtumpf, als ihn diese Gedanken bewegten, aber noch stand tidsr Vater neben ihm, und sich rasch zu ihm wendend, fragte er ganz Unvermittelt: „Wer pflanzt den Wald, Vater?" Die Fragen des Jungen waren in der Familie schon Magst gefürchtet, und man erzählte sich davon halb bevwmdsmd, halb beunruhigt . „Den Wald? der wächst von alleine ..." „Und wenn ihr ihn^gapz abgehauen haben werdet, wo Wird er dann wachsen?77^ Der Vater blickte ratlos um sich: „Wer kann das wissen?" „Weiß es vielleicht der Seide?" „Wie kann der Seide das wissen, was kein Mensch Weiß ..." „Ich weiß es aber, Vater, den Wald muß man pflanzen ,». wenn ihr hundert Bäume abhaut, müßt ihr hundert Bäume pflanzen ..." Die Idee des Forstschutzgesetzes dämmerte in dem Jungen auf. „Es dauert hundert Jahr, bis ein Baum so groß und stark wird, wie diese Eiche ...", sagte der Vater und wies auf eine Rieseneiche in ihrer Nähe. „Es gibt auch schwache, dünne Bäume, die stark Werden." „Du mußt dann hundert Jahr warten, bis man sie fällt ... „Das muß man, Vater, und. den Wald muß man schonen, sonst hört er einmal ganz auf und du und der Großvater haben dann keine Bäume zum Abhauen und der Vetter kriegt kein Geld ..." Erschrocken blickte der Vater um sich, als müßte diese fürchterliche Verheißung sofort in Erfüllung gehen. Aber noch stand der Wald so voll Bäumen, daß nichts zu befürchten war. Sie würden Bäume abholzen, hundertjährige und jüngere bis — hundert Jahr! Er und sein Vater. Aber mit dem Jüngel, mit dem Awromele, mußte was geschehen, das wurde ihm in diesem Augenblicke klar. Im Sommer will er den Wald pflanzen und im Winter behauptet er, daß der Schnee rot ist und blau und gelb ... mit Schrecken erinnert er sich daran, was seine Eltern ihm damals davon erzählt hatten. — Der Winter war darüber vergangen, der Schnee war geschmolzen, durch den der Knabe noch oft gewatet war zum Ueberhören am Schabbes, und dann war der Lenz gekommen und der Sommer, und jetzt saß er auf einem Baumstumpf und wollte wissen, wer den Wald gepflanzt? ... „Der Wald ».. der Wald wird ihn noch ganz meschugge machen .. dachte Jossel Friedsohn, und beschloß, am nächsten Feiertag selbst zu seinem Vater hinüber zu gehen, um mit ihm zu beraten, was man mit Awromele machen solle, um ihm die „Narrischkeiten" abzugewöhnen. ‘[(Schluß folgt.) Der Jüdische Sprcdisaal. Gemeinderäume für die Jugend! Leut einer neuen Bestimmung werben Me BerwaltungSräume ber Synagoge Fasanenstratze jetzt nur noch gegen Bezahlung einer besonderen Gebühr (abgesehen von den Kosten. Sie für elektrisches Licht und füx Heizung schon immer erhoben wurdenl an Vereine abgegeben. Diese Bestimmung ist an und für sich unberechtigt gegenüber Vereinen jeder Art. Denn Sie Verwaltungsräume sollten, wo sie nicht anderweit gebraucht werden, gerade allen Vereinen offen stehen, die sich für Me Erhaltung und Belebung des Judentums einsetzen und so indirekt wirksamere Arbeit für Sen Bestanö Ser Berliner jüdischen Gemeinde leisten, als manche rein verwaltungstechnischen Maßnahmen. Diese Bestimmung trifft aber uns Jugendvereine besonders hart. Denn unsere Kassen sind sowieso nie sehr gefüllt. Wir bedürfen stets Ser materiellen Unterstützung der älteren. Da sollte es einfach eine Selbstverständlichkeit sein, wenn uns jedenfalls die Verwaltungsräume (noch dazu an einer liberalen Synagoge) umsonst, d. h. abgesehen von den Kosten für elektrisch Licht und Heizung überlassen werden. Die zuständigen Stellen mögen darauf Rücksicht nehmen, sonst sollen sich die verantwortlichen Herren (und gerade die liberalen find hier gemeint) nicht wundern, wenn die liberale Jugendbewegung nicht so vorwärts kommt, wie wir es alle wünschen und wie es möglich wäre, zur religiösen Erneuerung des Judentums. Juden, unter st ü tz t Eure r e l i g i ö s e I u g en d! Ernst Heinrich Seligsohn. 1. Vorsitzender des Jli, Berlin. Kampf gegen den Zionismus? Wer mit freiem Auge um sich schaut auf das liberale jüdische Sein unserer Tage, wer unbefangen in sich der Stimme der Wahrheit lauscht, dem muh sich ein betrüblicher Anblick bieten, der mutz im Innern erkennen: Siehe, es ist nicht gut! Scheinleben, äußerer Stillstand und innere Leere, Jlucht Vieler der Besten, vergebliches Eifern weniger begeisterter Jührer, die breiten Massen in Abfall und Gleichgültigkeit, das ist das Bild der jüdisch-liberalen religiösen Bewegung. Das Jüdische ward Anhängsel, so und sovielter Teil unseres Wesens. Wo nicht ganz unterdrückt und überkleistert, blieb es ein buen retiro für Mußestunden, genährt von einer behaglichen Gewohnheit, welche sich um Barmizwah, Trauung. Bestattung, gelegentlichen Synagogenbesuch zwecks Predigtkritikk und gutes Essen am Jeiertagstisch in der Jamilie rankt. Entschwunden ist die Jüdischkeit als Dominante des Handelns, Grundstimmung des Lebens, Nährboden des Denkens. Nur eines vermag noch Begeisterung den Liberalen wachzurufen und die Trägen aufzurWtteln, der Kampf gegen den Zionismus. Mir geht es darum, aufzuzeigen, daß der Liberalismus vor einem Abgrund steht, und den Weg zu weisen zu seiner Genesung. Und so beginne ich bei diesem antizionistischen Kampf als seiner kräftigsten Lebensäußerung, diesem Kampf, der meiner Ueberzeugung nach verderblich ist und nur scheinbares Leben vortäuscht. Auf das Le b e n allein kommt es aber an, aus die bewegte Wirklichkeit, die sich in uns und um uns abrollt, die geschieht. Aber es handelt sich nicht um das Leben der Oberfläche, sondern um das des Sinnes. Und so fragt es sich nicht, ob der Vorteil des Wohlgeborgenen diesen Kampf gebietet, da nun einmal -er Zionismus unbequem ist, Sa er Geschäft und bürgerliche Gleichberechtigung gefährSet. Ich frage nur: Ist dieser Kampf sinnvoll und innerlich berechtigt, isi er notwendig und fruchtbar? Folgt aus Ser JSee SeS Liberalismus und seinem Wesen, mrf das ganz kurz etnaegangen werden mutz, mit zwingender Notwendigkeit der Kampf gegen den Zionismus? Der jüdisch-religiöse Liberalismus ist doch nach der chm immanenten Idee, nach dem Zeugnis seiner Vorkämpfer und Führer, nach meiner innersten Ueberzeugung zugleich: Lebendiges Judentum im Gegensatz zum schrifterstarrten, freies im Gegensatz zum gesetzgebundenen: Liberal sein heißt Offensein für lebendige Strömungen, sich ein- und umstellen, nicht nach dem politischen TageSwind als Wetterfahne, sondern nach dem leisen und starken Seelenwehen als Träger der schöpferischen Entwicklung, nicht als Lastträger einer erstarrten Gesetzesbürde. Um es frei nach Wedekind zu formulieren: Liberalismus ist das reelle Produkt zweier imaginärer Größen, von denen die eine das alte und ewige Wesen des Judentums ist, die andere jeweilige Strömung der Zeit, welche den Menschen d u r ch s ch ü t t e r t. So ist Liberalismus ein stetes Wandeln und Werden,.eroiöe Renaissance. Dereinst Aufbau der Schutzdämme gegen das amalgamierende Leben der Völker zur Bewahrung der köstlichen Eigenart, vor hundert Jahren Niederreitzen dieser Wälle, zugleich mit dem Falle der Ghettomauern, in denen Stickluft den Atem beengte, Aufklärung im Kampf um den freien Geist, Assimilation im Streben um menschenwürdiges Dasein: heute aber, da die Besseren genug gekostet vom Gifttrank des Materialismus, des Relativismus, des Rationalismus. Rückkehr zum Geformten, Gebundenen. Lauschen auf das Raunen der irrationalen Mächte. Jlucht vor der Abstraktion des reinen Gedankens und mystische Vertiefung. Liberalismus hat seine Stätte überall da. wo die jüdische Religion sich neue ich-gebundene Ausdruksformen sucht, wo unbedingte Hingabe an Nicht-Materielles. Un-Zweckmätziges auflodert, wo suchende Seele ist. Kann der Kampf eines in diesem Sinne wahrhaft Liberalen um etwas anderes gehen, auch wo er politisch sich auswirkt, als um seine Gleichberechtigung, als religiöser Jude! Kampf sollte doch nur denkbar sein in der Verteidigung gegen intolerante Orthodoxie als die alleinseligmachende Kirche, Kampf doch nur um Durchsetzung neulebendiger Gemeindeinstitutionen, um Gelegenheiten, dem religiösen Bedürfnis die adäquaten Ausdrucksformen zu schaffen! Also nur fruchtbarer Kampf „für" und „um" etwas zu Erringendes, doch nicht Äantpf „gegen", was es auch immer sei, kein Kampf des religiös suchenden und neu formen wollenden Juden aus dieser seiner Einstellung heraus gegen den Zionismus. Ich untersuche und scheide nicht, ob Zionismus rein politisch oder nux politisch gefärbt ist, ob nattonale oder nationalistische Bewegung, ob Mystik oder Romantik, ob er Erfolge hat und haben wird, oder Mißerfolge: ich spreche nur von dem realen Phänomen, das vor unseren Augen als Lebendiges greifbar da ist. Diesem gegenüber kann ein wahrhafter, in seiner Idee konsequenter Liberalismus leine andere Stellung einnehmen, als die der vollkommensten Neutralität auf politischem Gebiet. Religiöser Liberalismus und politischer Zionismus sind gleichsam zwei Ebenen, die sich in keiner Linie schneiden. Die Fragenkomplexe der Antisemitenabwehr, der heimatSstaatsbürgerlicheu Gleichberechtigung. der KolonisalionSbestrebungen, der Uebersiedelungsmethoden und staatlichen Neugründuna sowie der Einstellung zu den Ostjuden liegen vollkommen außerhalb deS religiös-liberalen Wirkungsbereiches. Um nicht mißverstanden zu werden, ich spreche hier nur von der liberalen Bewegung als solcher, von den Organisationen als Träger der Idee, nicht von der persönlichen Stellungnahme des einzelnen liberalen Juden, die burchauV feine Vrwaoache bleibt. M Der Zionismus ist aber mehr als rein polittsche Bewegung. Und wo er auf daS Gebiet des Religiösen hinübergreift. wo er im jüdischen Wesen ankert, dies gestatten . und neuprägen will, da hat ihm gegenüber der Liberalismus ittne andere und weit wichtigere Aufgabe als die der NeutralttätSwahrung. Da ist sein eigenstes Tätigkeitsfeld, da ist ihm die ungeheure Möglichkeit zu feiner Verwirklichung geboten. Ein neues jüdisches Wollen, ein Tasten und Suchen nach Gestaltung eigener jüdischer Lebensformen erfüllt die zum großen Tett religiös gestimmten zionistischen Masten. Welch fruchtbarere Arbeitsstätte als diese könnte der Liberalismus sich wünschen, wo könnte er eher vom Programm zur Lebendigkeit genesen als auf dem heiligen Boden Palästinas. wo er dem werdenden Gemeinwesen seinen Stempel aufprägte?! Statt deffen bekämpft er da. wo er Mission treiben müßte, und hetzt die Millionen, die er sich gewinnen könnte und müßte, in die Arme mystischer Orthodoxie, pseudoreligiösen Sozialismus und antireligiösen Nationalismus. Denn es ist nicht etwa so. daß deS Zionisten politisches Wollen Gegnerschaft gegen wahren Liberalismus bedeuten, noch so, daß die liberale Theorie notwendig der ziouisttschen Jehde ansagen mühte. Denn zionistische Theorie alS definierbare Einheit gibt eS überhaupt nicht, es gibt nur zionistische Verwirklichung und eine Unzahl geistiger Begründungen hierfür, je nach dem Geschmack, der Veranlagung, der Beeinflussung des einzelnen Zionisten, Begründungen, die leider stets antiliberal sind durch die Opposition, in die der Liberalismus den Zionismus verblendeterweise gedrängt hat. Man wende nicht ein, bah die Assimilation, die allmähliche Entjudung. welche der Zionismus praktisch regiert, zum Wesen des Liberalismus gehöre. Was vielleicht vor zwanzig Jahren noch galt, ist heute überlebt. Wir sind soweit schon assimiliert, dah jede religiöse Verlebendigung ein Zurück von der Assimilation zur Voraussetzung hat. Verjudung tut uns not. um des Liberalismus willen und aus dem liberalen Streben heraus, ebenso wie aus dem zionistischen. Ebensowenig aber kann und mutz etwa der prophetische Gedanke des lluiversalismus die jüdische Mission der Völkerdurchdringung mit der Menschheitsidee, welche der Liberalismus als Hochziel auf seine Jahne geschrieben, zur Gegnerschaft gegen den. wie man sagt, partikularistischnationalistischen Zionismus zwingen. Es ist im Grunde nichts mehr als Nuance, als Streit über das tauglichste Mittel, ob man die Erreichung des Ziels innerhalb der Völker, ausgehend von der Diaspora oder nach vorheriger Isolierung und eigener Festigung erstrebt, ob man peisimistisch dies vorläufige Sich-Zurttckziehen als Vorbedingung zur Erhaltung des Judentums und so zugleich zur Er^ füllung seiner Missionsaufgabe ansieht. oder optimistisch diesen Umweg verschmäht. Unbestreitbar kann wenigstens der Zionismus von sich sagen, daß er — auf seinem Wege — auch kein anderes Endziel verfolgt, als es der Liberalismus predigt. Und wo er es nicht will und tut. besteht die Möglichkett und Pflicht, ihn darauf hinzuweisen. Vielleicht kommt es sogar — und ich glaube eS — wett weniger auf das weltenfremde Endziel an alS auf die lebendige Gegenwart, darauf, daß die mttlebenden Menschen und die von ihnen Geborenen mit jüdischem Geiste durchtränkt werden und ihn in ihrem Leben verwirklichen. Dafür zu arbeiten, nur dafür, ist Sache deS Liberalismus, in gleicher Weife innerhalb deS Zionismus wie außerhalb. Voraussetzung dazu ist die dargelegte Einstellung gegenüber dem Zionismus: Politische Neutralität um der geistigen Nur durch diesen Frontwechsel, durch daS völlige Abstehen vo« dem politischen Kampfe gegen den Zionismus können im Liberalismus die Kräfte frei werönr. die nux Erfüllung feiner Mission notwendig ^nd. SS handelt sich etwa um ein mehr oder weniger bedeutsames Tettvroblem. sondern um daS Zentrale der liberalen Existenz. Kampf mutz fein, wenn anders Liberalismus Bewegung fein will. Nicht aber negattver und unfruchtbarer Kampf „gegen", sondern der Kampf „für". trw n-wt -MM ft Sff 1 Der gute Geschmack. Der „Montag-Morgen", von Stefan Grohmann redigiert, ist eine Zeitschrift mit eigenem Gesicht. Um so weniger darf man ihr hingehen lassen, waS. unter anderen Witzlvsigkeiteu über Anita Berber. Karl Schirog im lustigen Teil der Nr. 28 vom 10. Juni 1924 schreibt: „In Lemberg (Galizien) verbot der Oberrabbiner allen Männern unter 80 Jahren den Besuch von Anitras Tanzabenden, die in der Reformsynagoge stattfanden. Darauf erhängte sich ein 78jähriger Schnittwarenhändler mit seinem Gebetsriemen." Gälte diese Blasphemie christlichen Einrichtungen: nicht allein würden sich religiöse Zeitschriften zum Angriff ballen, Antisemiten unter Wutgeheul frohlocken, auch der Staatsanwalt wÄrde sich zum Worte melden. Unsere Weltanschauung und unsere Ehrfurcht vor der Freiheit des Worts verbieten uns. nach ihm zu rufen. Berechtigen uns aber, an den Takt, das Sauberkeitsgefühl, die Achtung von Schriftleiter und Schriftsteller vor dem Leser zu appellieren. Was hiermit geschehen ist. Botho Laserstein. Gebt ms Adressen von Bekannten! Di« Geschäftsstelle, Berlin 8). 8, Mauerstr. 22, versendet kostenlos Probenummern. Kalendarium für die Zeit vom 13. bis 21. Zuni. Juni 1924* Siwan 5684 Freitag is. 11. Sonnabend 14. 12. Wochen-Abschnitt Nossa« (4. B. M. Kap. 4,21—7) Haftarah: Richter 13. 2—26 Sonntag 1k. 18. Montag IS. 14. Dienstag 17. 16. Mittwoch 18. 16. Donnerstag IS. 17. Freitag 20. 18. Wochen-Mschnitt BeHaalaufchv (4. B. M. Kap. 8—12) Haftarah: AachartaS n 14-17, HI 1-10, IV 1-7 Sonnabend 31. IS.