Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 15 (23.5.1924)
- Date
- 1924-05-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DER JÜNGLING Eine Geschichte aus der ägyptischen Knechtschaft Von Maria Ren6e Daumas J». Fortsetzung. (Nachdruck verbot«.) „Was wird das Los dessen sein, 'der ihn tötet, Herr?/1 „Meines Dankes ist er sicher.“ „Und Salamba wird ihn den Löwen vorwerfen lassen, wenn sie nicht gräßlichere Qualen für ihn ersinnen kann, -sie ist erfinderisch darin, diese deine Tochter.“ „Ich werde denjenigen zu schützen wissen“, sagte Pharao lebhaft und erhob sich. „Nein, Herr, verzeih den Widerspruch, — — gegen Salamba vermagst du niemanden zu schützen." — —- j „Du hältst mich für zu schwach?“ fragte Pharao lauernd jjund tückisch.- r Rhamnanes schüttelte den Kopf. — — „Nein, Herr, Hoch die Schönheit deiner Tochter ist größer als der 'stärkste Wille,-und wenn du vor die Wahl gestellt sein wirst, sic oder den Mörder des Knaben zu verlieren, i-so wirst du jeden, wer es auch sei, opfern.“- j Pharao blickte mißmutig drein — — „was also ist dann Hein Rat?“ fragte er ungeduldig. | Rhamnanes sagte langsam: „es müßte ihm ein Unglück «geschehen.“ „Wie?“ ^„Man müßte ihn in eine Falle locken" — — — i^„Schr gut-wird er folgen?“ — -- r „Wenn deine Tochter bei dir weilt, müßte man ihm die Botschaft bringen, er solle zu ihr kommen,-auf diesem Wege müßte er verschwinden.“-- „Ja-doch wie?“ „Man wirft ein Tuch über seinen Kopf, — — erwürgt ihn,-verbirgt ihn dann,-und wirft ihn nächstens in den Nahal, — — dann weiß niemand, wohin er gekommen ist-und keinen trifft eine Schuld.“- Pharao legte erfreut die Rechte auf die Schulter seines Dieners,-„tue so, Rhamnanes,-und hoher Lohn soll dir werden, doch sorge, daß es bald geschieht, daß dein Plan gelingt,-und daß ich endlich Ruhe habe.“ Rhamnanes neigte sich tief und verließ das Gemach. VII. '■ Der Jüngling lag in Salambas Schoß,-sie neigte sich über ihn,-Da schlang er den Arm von rückwärts um ihre Gestalt und lehnte den Kopf weit zurück-, „die Luft ist heiß, mich dürstet,“ — — flüsterte er. Salamba nahm ein Gefäß mit Wein von einem nahestehenden Tischchen und hielt es ihm an die Lippeny,da, trink, du Unersättlicher“ sagte sie.-? Er trank einige Schluck, schob aber dann den Becher Wie im Ekel von sich-, „ich bin des süßen Weines satt, — — Wasser, Wasser möcht’ ich, frisches, klares Wasser." Salamba lächelte nachsichtig, „als ich zum ersten Male den süßen Wein dir reichte, warst du entzückt von seinem Wohlgeschmack-und wolltest immer mehr davon.“ Doch er sagte schnell: „Mir scheint’s, man kann des guten auch zuviel bekommen, oft glaube ich jetzt, ich kann das üppige Leben nicht länger ertragen.“- Salamba beugte sich über ihn und sah ihm in die Augen, --ihr kleiner, roter Mund glühte wie eine Wunde in dem bronzenen Gesicht-. Er sah sie an-und schloß einen Augenblick die Augen in Entzücken, — — „Du bist schön, Salamba“, sagte er, „deine Schönheit hat mich wie in einen schweren süßen Traum gewiegt,“ und wie in plötzlich erwachter Sinnenlust, „laß mich dich küssen, Salamba.“ — — — Da legte sie ihren Mund auf seine Lippen, „Da küß, du Unersättlicher.“- Er küßte sie lange-wie ein Verschmachtender, der eine Quelle gefunden hat, — — aber als er seine Lippen von ihr löste, strich er sich über die Stirn, als erwache er. „Deine Küsse sind wie Feuer, Salamba,“ sagte er, „sie Liehen mir das Leben aus dem Leibe. Ein heißer Strom ‘durchrinnt meine Glieder, wenn ich deine roten Lippen auf den meinen fühle,-mit deinen Küssen könntest du mich ins Grab locken,-ich widerstrebe dir nicht.“ — ■-Wieder lächelte die Tochter Pharaos, „liebst du mich so heiß?, sag mir’s, ich will es immer wieder hören.“-; Wie in Gedanken versunken sagte er: „Ich liebe dich --und doch, wenn du nicht bei mir bist, und in der Nacht, da ist es mir zuweilen, als müßte ich mich auf mich selbst besinnen,-auf meine Jugend,-meine Kraft, die in mir schlummert,-und die sich doch oftmals mächtig in mir regt, auf mein Volk, von dem ich nichts mehr weiß-dann möchte ich diesen üppigen Palast hier nicht mehr sehen, Pharao und seine furchtbare Pracht —- — und auch dich, du Schöne, du Grausame, möcht* ich 'fliehen!" Salamba lächelte noch immer, wie man über die Worte eines Kindes lächelt, „so fürchtest du mich auch?" fragte sie dann, — — und er: „Ich furcht* dich nicht, -- — doch eine innere zage Stimme die sieb meldet, da drinnen in der Brust, die fürcht’ ich,“ und plötzlich fuhr er leidenschaftlich auf, lächele, Salamba, lächele, — — dann ist alles gut, —- — dann frage ich nach nichts mehr, — — das Lächeln deiner roten Lippen heilt alle Qualen und ledes Reuegefühl.“ —- Salamba sagte nachdenklich: „So flehte Pharao heut Nacht," lächele Salamba, Salamba lächele — — die Hälfte meines Reiches schenk’ ich dir, sie sollen Königin dich nennen und dir gehorchen, — — wenn du einmal nur lächelst.“-„Doch ich blieb starr und kalt, und er , umarmte einen Stein. Nie seit meiner frühesten Jugend hat irgend ein Mensch Salamba lächeln gesehen — — oder i weinen, nur du kennst mein Lächeln und meine Tränen, * die mir das Glück in deiner Umarmung abringt.“- Moses hatte den Kopf zurückgelchnt und schaute ihr ins Gesicht, „und doch erzählte mir die Schwester, damals als du mich im Wasser fandest, und ich im Binsenkörblein lag, da habest du gefächelt, als ich nach dir griff.“ „So lächelt’ ich schon damals, als ich dich sah,“ — — sagte Salamba sinnend. Wieder umschlang er sic mit Leidenschaft, doch sie machte sich sanft aus seiner Umarmung frei. „Wir müssen auf der Hut sein, Moses,“ sagte sie dann ernst, „Pharaos Späher sind wachsamer denn je, er haßt dich, weil er weiß, daß du mir wert bist,-doch würde ihm zur Gewißheit, daß du mir mehr als Sohn geworden bist,-mehr als ein Spielzeug für müßige Stunden, womit ich einer Laune fröhnc, der Laune, als Mutter mich zu fühlen, der er ein wenig Zugeständnisse machen möchte, da er sich schuldig fühlt mir gegenüber,-wenn er je ahnte, was du mir geworden,-so wäre unser beider Tod gewiß.“ Da sprang der Jüngling so ungestüm auf, daß das Weib erschrak,-„ich fürchte den Tod nicht, Königstochter,“ -sagte er laut, „haben ihn doch so viele Knaben meines Volkes erleiden müssen." Sie griff leidenschaftlich nach ihm. „Du sollst aber leben,-leben für mich,- dein Leben gehört mir."- Er aber sagte und er wußte es selbst nicht, woher ihm der Mut kam, so zu ihr zu sprechen,“ doch wenn ich einmal dieses alles-das satte Leben,-das unmännliche Geborgensein,-dies gehalten werden wie ein Lieblingstier,-deine furchtbare, lockende Schönheit und deine erschlaffende Liebe, Weib, nicht mehr ertragen könnte?-Wenn du mich eines Morgens, aus deines Vaters, deines Buhlen Schlafgemach tretend nicht mehr fändest,-was tätest du dann, Königstochter?" Sie sah ihn an., ihr Gesicht erstarrte,-Aug' in Aug’ verharrten sie so,-dann sagte sie ruhig: „Komm her, Moses!“- Langsam kam er auf sie zu und kniete wieder bei ihr hin,-Salamba nahm seinen Kopf in beide Hände, „das höre du, was ich täte,“ sagte sie. Ich ließe dich verfolgen, Moses, und wäre es durch alle Reiche aller Könige, — und wenn sie dich mir brächten, so gab es keine Marter, die mir grausam genug schien, dich zu strafen,-kein Tod wäre qualvoll genug, mit dem ich mich an dir und deinem Geschlecht rächte,-denn nichts auf Erden, nicht Pharao würd’ ich dann so hassen, als dich,-dem ich mich freiwillig aus Liebe gab,- und der meinen Stolz so tief verwunden könnte, daß er sich von mir abwandte, mich verschmähte und verließ. Du kennst nun meine Gesinnung, Moses, drum denke meiner Worte-und laß sie dir zur Warnung dienen.“ — — Er fuhr mit beiden Händen durch sein lockiges Haar,-„vergiß, Geliebte, was ich sprach,“ bat er, „höre nicht auf mich, wenn ich verzweifelt bin,-der Gedanke, dich Nacht für Nacht in Pharaos Armen zu wissen, macht mich bisweilen toll.“ — ■— „Das will ich dir glauben,“-sagte Salamba, und küßte ganz leise, wie in Gedanken, seine Augen.- Assar, Mosis aegyptischer Diener, kam herein,- die Tochter Pharaos fuhr auf, „wer kommt, wer schleicht herein?“ sagte sic erschreckt. Assar neigte sich tief, „sogleich wird ein Bote Pharaos hier sein, der dich, Königstochter, zu sprechen wünscht", sagte er, dann verbarg er sich in einer Nische des Gemachs, Moses sprang auf und hockte sich ein Stück von Salamba entfernt auf den Boden. „Erzähle“ — — sagte die Königstochter rasch. Und Moses begann: „Da erschien der Erzengel einem meiner Urväter, den das Volk Abraham nannte, und sprach zu ihm“-. Während er so redete und Salamba ihm scheinbar aufmerksam zuhörte, trat Rhamnanes ein.- Einen raschen, spähenden Blick warf er auf Pharaos Tochter und den Jüngling, — —: den verborgenen Assar sah er nicht. . ,“Wie *ut «« siöt .verstellen,“ dachte er, i?icb vorder Prinzessin, die seine Gedanken *et m<* ihn spöttisch betrachtete. " T>;t*Äldich<'6er?,,1ira^e sie endlich, , V . li Da sagte Rhamn^es: „Mein Herr, Pharar“ndct mich her, du möchtest, Königstochter, sogleich0* seinen* Angesicht erscheinen,“ ® Salamba erhob fcch langsam. i(Ich for dem Befehle meines Herrn," —H»- sagte sie. ,,Du .^c' verwehre die Geschichte deiior Väter wohl in ddm Gedächtnis, denn morgen sollsf du fortfahren mir1 erzählen, was der Engel zu deinen Urvater sprach.“ ij Sie ging, gefolgt von dem Vertrau1 des Pharao, * Moses sprang Buf, dehnte d'^Ee und reckte, die mächtige Brust. Da hörte er ei Geräusch, — .verwundert schaute er sich um und gewahrte Assar, d aus seinem Versteck hervorkam und an den er vollständ vergessen hatte. — Er betrachtete ien Burschen wunderte sich plÖtz-s lieh, daß er ihn jo^ch nicht veTten hatte. „Was treibt df<jh, mir so tiru dienen, Assar, ich tat dir bis heute Juchts Gutes'fragte er. „Ich habe einen! cbräischenäter gehabt, Herr,“ sagte Assar einfach. „Und wer war deine Mutt«" fragte Moses mit rasch erwachter Neugierde. Und Assar berichtete: .Me Mutter war Aegypterin, eine Dienerin im Hause Pha:s<-und sie hätte den Tod erleiden müssen, wenngend jemand geahnt hätte, daß ein ebräischer Lastträger Vater ihres Kindes war; --aber sie hat allen Ge'ren mutig getrotzt, denn sie liebte Sebulon, —» und i liebt’ ihn auch, denn er war gut und zärtlich,-bi r wegen eines geringfügigen Vergehens gegen das 0ebenes ägyptischen Fronvogtes ins Gefängnis geworfen wi2*-von wo er nicht mehr lebend zurückkehlte,-leswegen hass' ich die Aegyp-, ter und liebe dich, weil Ebräer bist.“- Moses hatte nachdenfh zugehört. „Deswegen liebst du mich und dienet mirJU?-Doch dienst du mir und meiner Liebe, so dst du auch der Königstochter, und sie ist Aegypterin,'Agio er dann verwundert. „Sie liebt dich,-so lange sie dich liebt, dien’ ich ihr auch, —,.— ich3-c auch meine Mutter, obgleich sie Aegypterin w?.r., da: Sebulon, den Ebräer liebte, der mein Vater war,“ •_ Assar einfach. „So weißt du auedaß cs dir Gefahr bringen kann, wenn du mir dienst?’a£te Moses, und Assar erwiderte fest: „Ich will äJ'-U G^en mit dir teilen und dir nahe sein, wenn der Tag kr^L-den ich erharre." — — >,Welcher Trajg, As?" fragte der Jüngling verwundert. Aber Assar blic* verlegen zu Boden und wollte nicht antworten, wä-ud Moses ihn unverwandt betrachtete, -da sd ucjsi ^ls töne ein leises Klopfen an der Türe und Assar, f>. einer Antwort, die er jetzt nicht geben wollte, übieri>en zu sein, eilte fort, um zu Öffnen. Moses aber w sich auf das Ruhebett, auf dem Salamba vorhin g^gen. — — Der schwüle Duft ihres Körpers war den Polstern und umnebelte seine müden Sinne; er dachte an die seltsame Geschichte von Assar’s Hsrjnft, die er soeben gehört, und an die Reden, die er vcün mit der Geliebten getauscht. — —- Er wußte, sii h,te keine leere Drohung ausgesprochen, sie würde ihn (an die grausamste Art, die sic nur finden konnte, töten,1 lyin er ihr nicht gehorchte, wenn er ihren Stolz verletzte, - er kannte sic zu gut, um ihr nicht zu glauben, — —* ■* und sein Volk-sein Volk? Was wurde aus ihm, enn er tatenlos hier verharrte? — —• Stöhnend s< iß er die Augen,-der betäubende Duft des Polster darauf er ruhte, drang stärker auf ihn ein-da;m Assar wieder leise in das Gemach, — lang und hager ad unwirklich sah er aus und er sagte: „Ein Fremdling iinscht dich, Herr, zu sprechen.“ Aber Moseä»ler nicht gestört sein wollte, erwiderte mißmutig: „Ich «warte keinen Gast, — frag', was er will." Aber der ftmde war schon eingetreten, noch ehe Assar ihm Bej-jeid bringen konnte. Der Jüngliv^blickte ihn verwundert, fast erschrocken an,-eine bhe, schlanke Erscheinung von wunderbarer Ebcnmäßrtzeit der Gestalt stand an seinem Ruhebett, — braus r laaar, das ihm in langen, weichen Wellen bis auf die bltern fiel, umrahmte ein schmales, edles Gesicht von Ir cner, milder Schönheit — — die Augen blickten sanft, «och zwingend auf ihn nieder. Ein eigentvlriiches Gefühl von Beklemmung legte sich dem Jüngling bem Anblick des Fremden auf die Brust. Er wollte süh erheben, doch sein Gast winkte ihm, Hegen zu bleibe,-und er gehorchte willenlos, — — endlich fragte er und die eigene Stimme klang ihm seltsam fremd: „Wer Bit du, Fremder? Was führt dich zu mir?“ — (Fortsetzung folgt.) ß \\ rnarmxf ASfllOCCtfd/ * -—_dTebeliebte5teTän3platfe'—-UnerreichtipNanaundßbyjbmus* San* fr ervorr tagend! grolle ^lusvvaAl in fkeftrtfi^en klaffen. Platten and VtrolcMsu In allen einschlägig«!! Geschäften erbSItilch und durchdia Homopbon-Compaajr Lllj.Il. N>, Berlin SW68,..108. 8617