Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 13 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DolkeS neu zu entzünden. Die Erscheinung, dieses Großen in der Geschichte, wie er vom Sinai herniedersteigt, vom Geist Gottes, von Erkenntnis und gesetzgeberischer Kraft erfüllt, der Lehrmeister der Welt, nicht nur seines Volkes, ist das erhabenste Persönlichkeitsbild in der Menschheitsgeschichte. Die Gesetze, die Moses dem Volk Israel gab, verraten eine Größe, ein Wissen um alles Menschliche, ein« Menschenkenntnis, die uns mit Staunen und Ehrfurcht erfüllen muß. Denn von den höchsten Begriffen über Gott und die Schöpfung bis zu den kleinsten Vorschriften für die Lebenshaltung des einzelnen ist darin alles enthalten, wessen die Menschheit zu ihrem sozialen Bau bedarf. Und dieses wunderbare Erbteil, das von arideren großen Geistern gepflegt und ergänzt wurde, hat das Volk Israel übernommen, von Geschlecht zu Geschlecht vererbt, betätigt, ergrübelt, oft auch mißverstanden und falsch ausgeübt: aber gleichviel: das Erbteil ist unser und hat seine unvergängliche Kraft in unser Blut hineingegossen. Bewußt oder unbewußt trägt jeder, auch der niedrigste Jude, einen Teil dieser Kraft in sich. Dieses Wunderbare heiligte das Leben der Gesamtheit und des einzelnen, des Staates und der Familie, und es zog allüberall mit in die Verbannung. Dieses hohe gemeinschaftliche Gut hat im Judentum eine Gemeinschaft erzeugt, die weit höher steht als die des Blutes: die Gemeinschaft des Geistes. Ich darf eS kühn aussprechen: Wir leben, weil wir nicht nur eine BlutS-, sondern eine Geistesgemeinschaft sind. Denn Generationen. Völker, ja, selbst Urrassen sterben aus. aber die Idee lebt, und der Idee wegen leben wir. Das Judentum enthält diejenigen Ideale, die der Menschheit immerdar vorschweben müssen, soll sie des Lebens wert sein: Gotteserkenntnis. Gottähnlichkeit. Gotteskindschaft mrd die daraus resultierende Nächstenliebe. Diese Ideale hat das Judentum in seinen wunderbaren Glaubenssätzen: Israel!" — „Heilia sollt ihr sein!" — „Kinder seid ihr in dem Vaterhause Gottes!" — und „Liebe deinen Nächsten, er ist wie du!" seinen Anhängern und der ganzen Menschheit zum ersten Male verkündet. Das zweite Moment des ErhaltungsumnderS ist die Familie. Der Geist des jüdischen Hauses, die Struktur seines Familienlebens mit der unbedingten Ehrfurcht vor den Eltern, und deren hohes Berantwortlichkeitsgefühl vor Gott, die Weihe der Festtage und des Sabbaths. der feste Zusammenschluß den Gefahren und Nöten der Außenwelt gegenüber, das alles bildete einen starken Kitt und ein außerordentlich konservierendes Moment im Leben des jüdischen Volkes. Diese Kraft und innerliche Einheit, verbunden mit der Befolgung der in so fernen Zeiten der Geschichte einzig dastehenden hygienischen Gesetze hat den Juden eine erhöhte körperliche Widerstandsfähigkeit gegeben, hat ihr Blut gesund erhalten und ihnen blühende Fruchtbarkeit verliehen. Als die Völker Europas im Mittelalter von furchtbaren Seuchen heimgesucht wurden, dem schwarzen Tod. der Pest, da machte der Tod vor den Toren des Ghettos halt. Das abergläubische Mittelalter, diesem scheinbaren Wunder gegenüber wehrlos, zog daraus den Schluß, daß die Juden an dem Ausbruch der Pest schuld seien, und verbreitete das furchtbare Märchen von der Brirnnenvergiftuirg durch die Juden. daS unzähligen Unschuldigen grausame Marter und Tod brachte. Und was war es? Die Juden lebten isoliert und befolgten ihre hygienischen Vorschriften. die ihnen als göttliche Gebote übermittelt waren und daher gewissenhaft erfüllt wurden. Ein bedeutender Faktor zur Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft und ihrer Mission war und ist die Schulung und Frischerhaltnng des Geistes durch das Studium der Thora, des Talmuds und anderer bedeutender Produkte jüdischen Schrifttums. Der ohnedies lebhafte und scharfe Verstand des jüdischen Menschen wurde an diesen Edelsteinen des Geistes so scharf geschliffen, verfeinert, gewitzigt, daß er die Grenze des Vernünftigen sogar teilweise überschritt und in Spitzfindigkeiten und Gelheiwlehren auSartete. Aber er gelangte, fast gänzlich auf diese einseitige Auswirkung angewiesen, in seinen edelsten Menschenexemplaren zu einer Blüte und Erhabenheit, die man als von göttlichem Geiste durchdrungen bezeichnen muß. Und in seinen geringeren Individuen zu jener klügelnden Verstandesschärfe, die sich manchmal auch unangenehm bemerkbar macht. Es ist eine oft bewiesene Tatsache, daß geistige oder berufliche Einseitigkeit die größten Spezialleistungen zutage fördert. Dieses Moment können wir in der Entwicklungsgeschichte der Juden auch beobachten. Die geistige Einseitigkeit ist schon ermähnt worden. Aber auch die berufliche Einseitigkeit, zu der das Mittelalter, und auch spätere Zeiten noch, die Juden zwang — es war ihnen nur die ärztliche Tätigkeit und der Handel gestattet — erzog sie zu einer unerreichten Tüchtigkeit auf diesen beiden Gebieten und machte sie — ganz gegen den Willen der Völker — zu einem unendlich wichtigen Faktor in der wirtschaftlichen Entwicklung gerade dieser Völker, hob sie selbst zu Wohlstand und Ansehen empor, befähigte sie, in gehobener sozialer Stellung stehend, an den Kulturfchätzen ihres Wirtsvolkes tief innerlich beteiligt und schaffend mittätig zu fein. Diese Aufnahmefähigkeit fremder Edelkulturen hat sich nicht erst in der Diaspora gezeigt, sondern reicht weit zurück bis in die ältesten Zeiten unserer Geschichte. Moses selbst ist ein Beispiel dafür. Innerlich vorbereitet durch das mit ihm geborene Erbteil seiner Vorväter, am ägyptischen Königshofe erzogen, nahm er die auf hoher Stufe stehende Kultur Alt- Aegyptenö in sich auf, zur Höherentwicklung seines inneren Menschen, zum Aufbau seiner genial eingestellten Gedankenwelt. Und später. Die Edlen des Volkes, die unter schweren Leiden und Seelcnqnalen, von Sehnsucht gepeinigt, im babylonischen Exil lebten, auch sie wurden innerlich bereich-ert durch die Kultur Babels und brachten die ihnen damit überkommenen Werte in ihr neu errichtetes Vaterland mit heim. Das Griechentum hatte starken Einfluß auf die Juden seiner Zeit. Die Gebildeten sprachen und schrieben griechisch und trugen griechische Namen. Die erste Bibelübersetzung, die Septuaginta, war griechisch: die neubiblischen Urschriften, die Apokryphen, das Neue Testament sind literarische Erzeugnis^ jüdischer Männer in griechischer Sprache. Ein .großer Teil gebildeter Juden lebte in Griechenland, seinen Küstcnstädten und auf seinen Inseln, schon zur Zeit der politischen Selbständigkeit Judäas. Sprachliche Beweise dafür sind unter anderem die Bezeichnung der heiligen Schrift:. Bibel, die Benennung unserer Gotteshäuser mit dem Wort: Synagoge. Auch die Erben des Griechentums, die Römer, wirkten befruchtend auf Geist und Leben der damaligen Juden. Der jüdische Geschichtsschreiber FlaviuS Josephus, der in Nom lebte, schrieb seine Werke in hebräischer nnd griechischer Sprache. Es kamen nun die Jahrhunderte der Diaspora. Wie Samenkörner streute die Weltgeschichte die Juden über den Erdball! Und überall da. wo sie einen günstigen Nährboden für ihre Eigenart und ihr geistiges Gedeihen fanden, entwickelten sie sich zu einer unbeschreiblichen Höhe. Das wunderbarste Beispiel ist die Zeit der spanisch-maurischen Kulturblüte, die in und mit den Juden Spaniens lebt und mit ihnen bei ihrer Vertreibung fällt. Nach der Sprengung der Ghetti wiederholt sich dieses Bild in allen Kulturstaaten der Erde. Daß die moralisch Schwachen unter den Juden auch an den Verfallserscheinungen der fremden Völker stets stark beteiligt sind, sei der Gerechtigkeit wegen erwähnt. Die geistige Befruchtung der Juden durch fremde Edelkttlturen steht aber auch in Wechselwirkung mit diesen: Es ist ein Geben und Nehmen. Und ob die Welt es anerkennt oder nicht:' Bisher hat sich noch jedes Volk der Erd«, das Juden an seiner Kultur hat teilnehmen lassen, am Geiste Israels gesegnet, wie es Abraham verheißen war: „An dir sollen sich segnen alle Geschlechter der Erde." Mit der geistigen Befruchtung geht stets auch eine Neubelebung durch Klimawechsel, Zwang zur Anpassung an neue Lebens- und Kulturverhältnisie, Auffrischung durch frerndes Blut infolge der doch immer stattfindenden Mischehen — auch hier ein «heilsamer Austausch — Hand in Hand. Und eS ist kein Zufall, sondern scheint bewußtes Tun der Vorsehung zu sein, daß in demselben Jahrzehnt, das die Juden aus Spanien vertrieb, das Neuland Amerika entdeckt wurde. Millionen von gepeinigten, vertriebenen und elenden Juden fanden dort für sich und ihre Nachkommen ein Land der Freiheit und Duldung und neue« Kulturaufschwnngs. Man mag die Orthodoxie als treueste Bewahrerin jüdischer Eigenart bezeichnen. Ein noch wichtigeres Erhaltungsmoment — nicht der Eigenart, sondern des Judentums in feiner Menschheitsmiffion — ist der Orthodoxie Gegenpart: der Liberalismus. Cr bedeutet die lebendige Fortentwicklung der jüdischen Idee, ihre Anpassung an die Ideen der Zeit, die lebendige Erkenntnis vom Wesentlichen im Judentum, unter Ausmerzung überlebter und unzeitgemäßer Formen und Auffasiungen. Neben den bisher angeführte« positiven Momenten unserer wunderbaren Erhaltung nenne ich nun daS eine große Moment negativer Natur: ES ist „Ser Geist, der stets daS Böse will und doch daS Gute schafft": Die ungewollte Förderung unseres SeinS und Wesens und unserer Erhaltung durch die. die unS Haffen. Die wahnnMgert Verfolgungen, denen unsere Glaubens- und BlutsgememsHNt auSgesetzt war und leider noch ist, die gemeinsame 1- .'r« und äußere Not, die gesellschaftliche Aechhung. die Kr sichte Abschlietzung in der großen geschichtlichen Konservenbüchse des Ghettos, welche Jsölierurlg noch durch daS innere Anderssein und durch die äußerlich andere Lebensweise in ihren Sitten und Gebräuchen bestärkt wurde, daS allezusammen hat uns immer wieder fester zusanrmengesügt. uns stark und mutig im Erträgen gemacht, hat erwachenden Uebermut gedämpft, hat ungeahnte Kräfte an Geist und Körper so lange in unS aufgespart? bis eine neue Zeit der Erlösung diese aufgesparten Kräfte zu herrlicher Entfaltung brachte. Als die Römer Jerusalem uyö den Tempel zerstörten, als sie die Vornehmen deS Reiches Juda in die Gefangenschaft führten, den jüdischen Staat vernichteten, da ahnten sie nicht, daß sie ein'unedles Werkzeug in der Hand der Geschichte waren, daß st« zwar eine alte, kostbare Form zerjchlngen» deren noch kostbareren Inhalt aber in alle Welte» und Länder hinaustrugen, nur ihn zu erhalten und weiterzuvexbreiten. Juda und seine Mission waren verlorengegangen, wenn es.im absterbenden Altertum seine nationale Selbständhgkeit behalten und im Lande, in der alte» Umgebung, unter einem verknöcherten System geblieben wäre. Hinausgeschleudert in fremde Welten» anderin Weltanschauung. Religio«. Sitte. Kultur und Blut, waren di« Juden gezwungen» bei stetiger innerer und äußerer Erneuerung, ein in sich geschloffenes Ganzezu bilden. Eine Bev« Mischung war von beiden Seiten unerwünscht. Fe abweichender der Typus der Umwelt war, je fremder und ns» gleicher die Kultur der auf gleichem Boden lebenden Menschen war. um so schroffer war die freiwillige und rrnsretwillige Abschlietzung voneinander. So blieb Juda erhalte» -» etner Zeit, da Europa noch in den Kinderschuhen feiner Kulltnr steckte. Auch das Los deS ZehnstäarwrereichS Israel blieb ihm erspart, daS. unter stammverwandte» Völker» lebend» sich sehr schnell mit ihnen vermischte und in fl&at«» anßging. Die Bestimmung zmn Märytrertum in -er Geschichte, die Kraft im Leiden hat auch ein große- Verstehen in «nerweckt und das große Etwas in uns neu belebt. daS schou als Edelkeim in unseren hocherhabenen Gesetzen enthalten ist: die soziale Einstellung auf das Menschenbrudertum aller Menschen, über Nation, Konfession mvd Stand hinan-. Hier liegt die Quelle zu dem Strom vo« Sehnsucht nach der Erfüllung dieses Ideals und zu -er nie erlöschenden Hoffnung, daß es einst erfüllt werden wird. Den» wir wtffen eS. daß die Judenfrag«, wie auch die soziale Frage, nur gelöst werden wird durch die wahre Kultur der Völker, nur durch bas Eindringen dieser Erkenntnis in alle MeMchenhirne und Herzen. Und wenn unsere Gegner unS deswegen schmähen, uns in Verblendung und Haß vaterlanöSloS, international oder gar verräterisch nennen, so soll unS das nicht an unserem Ideal irremachen. Wäre keine andere Notwendigkeit m unserer Erhaltung vorhanden, dann wäre es die: Daß wir trotz Not nnd To-, trotz Krieg und Gewalt, durch alle Höllen menschlicher Bosheit hindurch an unserer sozialen, göttlich-menschlichen Hoffnung fefthalten und diese Hoffnung durch die Welten uM Zeiten weitertragen wollen und müssen, VtS alle Völker sie t» ihr Bewußtsein ausgenommen haben, bis die Zeit der Erfüllung da ist. Drum gilt es, uns dessen bewußt zu werden, daß unsere Erhaltung noch notwendig ist, und daß wir zu unserer Erhaltung beitragen müssen durch unser Bekenntnis, durch Treue an Lehre und Gemeinschaft, durch das Bewußtsein unseres inneren Wertes, durch Veredelung unseres WefenS und Lebenswandels, durch VerantwortltchkettSgefüHl und unwandelbare Einigkeit. Dann wird und mutz die Zeit kommen, in der auch unsere nichtjüdischen Mitmenschen an dem Wunder unserer Erhaltung nicht mehr gedankenlos und blind-gehässig vorübergehen werden, da sie erkenne«, daß Si« Geschichte, di« Vorsehung. Gott — man nenne eS. wie man wolle —, uns erhalte» will, weil wir an der Menschheit eine Aufgabe zu erfüllen haben, weil die Menschheit» unS zu ihrem eigenen Heile nötig hat, weil wir die MMler sind zwischen Völkern und Völkern, zwischen Menschen nnd Menschen und zwischen Gott und de» Menschen. Dieses Endziel hoffenvor Augen, wollen wir -ewüttgstolg unser Judenschicksal unverzagt weiter tragen. Werbt neue Leser für die «Iüdischliberale Zeitung" erscheint uns alS der einzige Gewinn dieser trüben Tage: daß die Führer derjenigen, die den Hatz predigen, die Maske des Christentums von sich geworfen haben. So gesellt sich zu Gehässigkeit wenigstens nicht die Heuchelei. Wenn die um Ludendorff auf Wallhallc hoffen, so wird klare Front geschaffen, und es wird nichts preisgegeben, was auch uns heilig wäre. Wenn wir schon mit blutigem Haß verfolgt immer noch besser, es geschieht im Zeichen Wotans als dem des Kreuzes. Das Studium der Kabbala. Bon Julius Falk. Motto: 8ud umdrs alarum tuarnm, Jehovaht HeinrichHeiue schreibt, wie ich annehme, iomeworüuo der beiden Pseudo-MefsiaS Gabbathai Zewi und Jacob Frank: „Der Messias sei an dem Tage geboren, wo Jerusalem durch den Bösewicht Titus Vesvasian zerstört worden, und seitdem wohne er im schönsten Palaste des Himmels, umgeben von Glanz und Freude, auch eine Krone auf dem Haupt tragend, ganz wie ein König, aber fein« Hände sind gefesselt mit goldenen Ketten. Ohne diese Fessel würde -er Messias, wenn er manchmal die Geduld verliert, plötzlich herabeilet, und zu frühe, zur Unrechten Stunde, das Erlösungswerk unternehmen. Den größten Teil deS Morgenverbringt er mit den üblichen Gebeten, den ganze» Nach» mrttaa studiert er die Kabbala." Ernster berichtet D r. I. M. Jost in „Geschichte deS Judentums und seiner Setten", Leipzig 1880: „Wie schwierig es auch erscheint, den Faden durch die Labyrinthe dieser Wissenschaft zu finden. — nnd wir bekennen, daß eS uns nicht gelungen ist. die großartigen Verschlingungen der abgezogensten Gedanken, welche zugleich durch die eigentümlichste Zeichen- und Bildersprache sich erkennbar machen «ollen, zn durchdrmgeu — so leuchten doch ans den Schriften Lordoveros und L«ria2 klar hervor, daß hier ein erstaunlicher Aufschwung des Geistes zur Lösung der erhabensten Ausgaben sich emporringt. Nicht mehr befriedigt von der unklaren und unbestimmt auSged rückten Ueberlieferung eines Buches Jezirah und eines So har sprechen die Kabbalisten die Ueberzeugung aus, die längst erwartete Zeit einer neuen Offenbarung höherer Wahrheiten sei gekommen, und diese zu ermitteln, sei uumnehr di« Aufgabe der Lehrer." Wenn eS einem solch gelehrten Herrn, wie Dr. Jost, nicht möglich war. daS Dunkel, welches über der Kabbala ruht, zu lichten, so wird es mir alS Laien sicher schwer, in sie einzudringen. Und nur daS lanaicchrige Studium der Kabbala veranlaßt mich, durch dies« Zeilen berufene jüdische Gelehrte auf eine weitere vertiefte Durchforfchuna der Kabbala hinzmveisen. Die Kabbala ist unleugbar aus etner tiefen Quelle geflossen, chre Urelemente hängen mtt den erhabensten Gedanken zusammen, zu denen -er menschliche Verstand sich erheben kann. Selbstverständlich ist auch diese Wissenschaft nicht von AuSwüchfeu und Uebertreibunge» frei. Go erzählt ein jüdischer Schriftsteller (Selig in: Der Jnde), daß der fürchterliche Sturm, -er Kaiser Karl V. hei seinem zweiten Zug nach Afrika überfiel und die ganze Unternehmung vereitelte, durch die Zauberkunst einegroßen Kabbalisten Doran. der sich tu Albschter befand und hernach für diesen Dienst an hohen Ehre» befördert ward, bervorgvb rächt worden fei. Allgemein glaubte man von ausgelernten Kabbalisten, daß sie tönerne Figuren beleben (die Sage vom Golems und zu dienstbaren Geistern machen könnten. Der preußische Jude Fürst erwarb sich sogar bnrch seine kabbalistische Berechnung, -aß das Land Preußen zu einem Königtum erhoben werden müsse, die Gnade -es Hofes. Wie fruchtbar aber, trotz mancher Geheimnistümelei. die Gedanken der Kabbala sind, beweist die Tatsache, daß auch Christen, wie der Scholastiker Raimund Lullus lgeb. 1253), Papst Sixtus IV. und der Humanist Reuchlin sie zum Gegenstand -er Forschung machten, so daß die Kabbala auch in nichtjüdische Kreise einörang. In drei Werken schrieb Reuchlin über die Kabbala als über die hebräische Philosophie der Talmudtften. (Do arte cabbalktica, Hagenau 1517, Rudimenta hebraica, Pforzheim 1506 und De accentibus et ortbographia Hebraeorum libri lll. Pforzheim 1618.) Reuchlin bemerkte auch in feinem literarischen Streit mit dem getauften Kölner Juden Pfefferkorn, eLnem boshaften Verfolger seiner früheren Glaubensgenossen, daß die Kabbala von Päpsten hochgeschätzt, und zum Teil auf Befehl von Sixtus lV. übersetzt worden fei. Ein lateinischer Spruch ans Gotthold Ephraim Lessing: „Zur Theologie und Philosophie" bilde den Beschluß: Opua erat « aystemate gg war im Weltsystem ein namdä globo materiae eolidae, Körper von festem Stoff, wie quäl« eit terra, et eajn quaai bi« Erde ist, notwendig, Und rotae ricem habere credimus wir glauben, daß sie gleichsam ki ma£oo hoc aatomato. ein Rad in diesem großen Automaten sei. GABBÄTY CIGARETTlN r J