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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-05-02 · 12 (2.5.1924) · page 11

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
12 (2.5.1924)
Date
1924-05-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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I Jahrgang stummer 12 3. Beilage 2. Mai 1924 M-ffchGemleZrillM DER JÜNGLING üine Geschichte aus der ägyptischen Knechtschaft Von Maria Renee 0, ias 2, Fortsetzung, (Nachdruck verboten.) Aber Salamba, die kaum auf das Geschmeide geblickt hatte, sagte mit dunkler Stimme: „Nimm sie weg, ich mag die Steine nicht“, und saß dann grade wieder so starr und teilnahmslos da, wie vordem. Durch die Anwesenden ging es wie ein Schrecken oder Grauen,-wenn auch keiner sich zu rühren wagte, — — Pharao sagte nach einer Pause gleichgültig: „Du hörst es, Bote, die schönste Frau mag deine Steine nicht,-die Bitte deines Herrn ist verweigert,-dein eigenes Leben ist verwirkt.- Führt ihn fort“ — befahl er. Der Bote blickte sich um, wie ein Tier in der Falle, als er Pharaos Knechte auf sich zukorr-'cn sah- „Herr,“ stammelte er, „was habe ich verschuldet?“ — Aber Pharao machte nur eine abwehrende Bewegung mit der Hand, — — die Angelegenheit war für ihn erledigt, dieser Mensch da vor ihm ausgelöscht. Die Knechte faßten ihn hart und wollten ihn, der dastand und starr nach dem Throne blickte, als könne er nicht fassen, was er gehört, mit Gewalt fortziehen, da fuhr er auf,-der vergewaltigte Mensch in ihm bäumte sich auf, — die Verzweiflung lieh ihm Worte, „wenn ich denn sterben muß,“ schrie er gewaltig, „nur weil i h r meine Gabe nicht gefiel, — so sei’s gesagt: Fluch über euch: Ueber dich, Fürst, den Erde, Meer und Himmel preisen, ob deiner Macht und Stärke, und der doch Spielzeug ist wie Kindertand in den Händen eines Weibes, — der eignen Tochter,-und Fluch über dich, du schöne Grausame, die da, wo andre Menschen, ja selbst die Tiere ein rotes, schlagendes Herz haben, einen kalten Stein im Busen trägt, — Fluch über dich, doch auch deine Stunde wird kommen-“ Pharao hatte ihn kaum beachtet, als er die harten Anschuldigungen gegen ihn vorbrachte, er hatte inmitten seines Volkes nichts zu fürchten, weder Wahrheit noch Verleumdungen, — als er aber gegen Salamba zu reden begann, sprang er zornig auf. „Tötet ihn,“ knirschte er, und schon sank der Bote, dem Geleitsfreiheit zugesichert gewesen war, unter einer Anzahl von Dolchstichen zusammen, — während Pharao wuterfüllt auf den Sterbenden sah, traf er dessen Blick, „Fluch über euch, dein Glück sei mit dem heutigen Tage zu Ende“, röchelte er, und fiel zurück,-da ließ der Fürst sich wieder in den Sessel nieder und sagte gleichgültig: „Bringt den Toten fort.“- Salamba aber, die noch immer teilnahmslos dagesessen hatte, als ginge sie die ganze Sache nichts an, rief jetzt laut und befehlend: „Sein Herzblut aber fangt in einer grünen Schale, — und bringt es Mirda, sie braucht’s zum flüssig machen einer Salbe für die Haut.“ Nachdem die Knechte den Toten hinausgetragen hatten, wandte der Fürst sich an seine Tochter. „Womit kann ich deine Augen erfreuen, Schönste der Frauen,“ fragte er,-aber sie wehrte ab und lehnte sich wie angewidert weiter zurück. „Sechs Tänzerinnen sind da,“ drängte er, „ich will sie rufen lassen,“ er sah sie Antwort heischend an, als diese aber ausblicb, winkte er einem Diener. Dieser gvig um eine der seitwärts stehenden Säulen herum und klopfte mit einem Stab auf den Boden,- sogleich kamen sechs junge, schlanke Weiber, die einen kunstvollen Tanz aufführten. Das Gesicht des Fürsten belebte sich, seine stechenden schwarzen Augen glühten auf, — er neigte sich zu Salamba hinüber, „sind sie nicht schön, meine Tochter, diese Mädchen?“ fragte er,-„sie sollen tanzen heute Nacht vor uns in nackter Schöne, in meinem roten Gemach, in rotem Licht, wenn ich an deinem Herzen ruhe.“ Starr blickte Salamba vor sich hin, ohne die Tänzerinnen anzusehen, oder den Fürsten, sagte sie mit gleichsam eingefrorener Stimme: „Es geschieht, was du befiehlst, mein Fürst“- Pharao schien durch diese Antwort, so karg sie war, schon beglückt und befriedigt,-„und nun führt den Weisen herein,“ rief er seinen Dienern zu.- Wenige Augenblicke später trat ein älterer Mann durch die Säulen, der wie ein Priester gekleidet war, — tief neigte er sich vor Pharao und seiner Tochter. Pharao betrachtete ihn zufrieden, wie ein Käufer, der einen seit langem begehrten Gegenstand erworben hat. „Nun, Weiser, laß hören, was du uns zu künden weißt,“ sagte er, — und zu seiner Tochter gewandt, — „der Ruhm seiner Weisheit drang bis zu uns, und viele Tagereisen weit ließ ich ihn holen, damit er uns die Zukunft künde.“- Noch einmal neigte sich der Wahrsager bis zur Erde, „du wünschest, Fürst, die Zukunft zu erfahren, die dir und dieser deiner Tochter hier beschieden sein soll?“ fragte er dann zielbewußt und sicher. „Kannst du still Verborgenes, das im Rate der Götter beschlossen ward, verkünden,“ sagte Pharao, „so laß es uns wissen, doch hüte dich, die Unwahrheit zu reden, — in unsern Zwingern brüllen hundert Löwen und lechzen nach Blut,-diese Kenntnis mag deine Weisheit und deinen Willen zur Wahrheit stärken.“ —- Der Mann drückte einen Augenblick die Augen zu und sagte dann langsam, wie in visionärem Zustande: „Du, Fürst, bist groß, und groß wirst du auch bleiben, bis an das Ende deiner Tage.“- „Das hoff ich", sagte Pharao, „es war leicht mir das zu prophezeien — doch wird der Ruhm meiner Tage Bestand haben, auch für spätere Zeiten?" Der Wahrsager antwortete, immer wie aus einem Traum heraus: „Man wird von dir noch reden, wenn längst dein Reich zerfallen sein wird."- Pharao beugte sich gierig weiter vor: „Werd’ ich mein Volk groß machen, vor allen Völkern der Erde?“ fragte er gespannt. „Dein Volk wird große Leiden zu erdulden haben, bis in den Willen eines fremden Gottes du dich hast gefügt,“ antwortete der Weise. Da lachte der Fürst hohnvoll auf. „Ha, Weiser — jetzt ließ dich deine Weisheit im Stich, — in den Willen eines fremden Gottes, sagst du? — — Ich acht' die eigenen Götter nicht so hoch, daß ich sie meinem Willen nicht untertan machte — sprich klügeres und besseres, Weiser, sonst soll deine Weisheit dir leid sein,-und nun, was hast du meiner Tochter zu verkünden?" Bei den höhnenden Worten war es, als ob der Mann erwache, einen Augenblick schaute er auf Pharao, dann auf dessen Tochter und versank wieder in den vorigen Zustand, „dir, Königstochter, wird heute noch das höchste Glück zuteil, das je dein Leben füllen wird," sagte er dann langsam, wie tastend. Da erwiderte Salamba mit harter Stimme: „Das lügst du, Magier, Salamba ist zu stolz, ein Glück zu kennen.“ — „Und doch ist’s so“, beharrte der Magier auf seinem Ausspruch — — zum ersten Male wandte die Tochter Pharaos den Kopf, und etwas wie Interesse kam in ihre Augen — — „und worin sollte dies Glück bestehen?“ fragte sie, und ihre dunkle Stimme war satt von Hohn. Der Wahrsager antwortete langsam und mit Nachdruck, aber vollkommen geistesabwesend: „Du wirst noch heut dich Mutter nennen — und wirst zugleich die Geliebte des größten Mannes deiner Zeit sein."- Pharao blickte lächelnd und geschmeichelt auf seine Tochter, die aber fuhr auf in unbeherrschtem Zorn, „du lügst zum andern Male, Magier,-ja, du höhnest mich" -und wie einen Schrei stieß sie hervor: „Werft ihn den Löwen vor, schnell-“ Der Wahrsager fuhr bei ihren Worten aus seinem Traumzustand, tödlich erschrocken blickte er um sich, „was tat ich?" flüsterte er entsetzt, „wehe mir.“ — — aber schon ergriffen ihn Pharaos Knechte und schleppten den halb Ohnmächtigen fort, seinem grauenhaften Tode entgegen, — während Pharaos Tochter hochaufgerichtet stand und haßerfüllt dem nachschaute, der es gewagt hatte, an eine tief verborgene Wunde in ihrem Innern zu rühren. Pharao blickte Salamba mit gierigen Blicken an,- „wie schön du bist, meine Tochter,“ flüsterte er zu ihr hinübergebeugt, — — „dein Zorn reizt mich mehr, als deine Kühle,-du sollst heute Nacht in meinen Armen zornig - sein, — — ich will dich an diesen Magier erinnern.“ — Da wurden des Weibes Züge wieder starr wie aus Stein, — langsam ließ es sich zurücksinken.- Unter den Dienern war eine Bewegung entstanden, deren Grund Pharao jetzt zu wissen begehrte, da sagte der eine: „Ein ebräisch Weib mit einem Jüngling fleht um Gehör.“ In Pharaos Augen trat Staunen erst und dann Verachtung, „ein ebräisch Weib?“ fragte er, „ich werde den Fronvogt töten lassen, der es geduldet hat, daß sie ihre Arbeit verließ,-ich höre sic nicht an,-keiner von dem verhaßten Volke soll unserer Schwelle nahen.“ Aber Salamba sagte ruhig und bestimmt: „Ich will die Ebräerin und den Jüngling sehen." „Man führe sie herein," befahl Pharao. Ein Diener eilte hinaus und kehrte bald darauf mit einer Frau zurück, die nach Art der Ebräerinnen in graue Tücher gehüllt war und jetzt ruhig und würdig in den Säulensaal schritt und sich tief vor dem Throne des Pharao neigte-hinter ihr ging ein Jüngling, dessen Größe und Schönheit bei den Anwesenden ein Gemisch von Staunen und widerwilliger Bewunderung hervorrief. Gehörte der dem verachteten Volke der Ebräer an?- Wuchsen unter ihnen solche Menschen? Auch er neigte sich mit Anstand vor dem Fürsten, ließ aber dann seine Blicke furchtlos umherschweifen, um sie schließlich mit unverhohlenem Entzücken auf der Tochter Pharaos ruhen zu lassen. . Pharao betrachtete eine Weile das Weib und den Jüngling,-wie widerwärtig ihm dieses Volk war, das durch die härteste Fron und Bedrückung nicht auszurotten ging. „Was willst du hier, Ebräerin?" fragte er unfreundlich. „Ich bringe der Königstochter ihren Sohn,“ sagte Jochebet ruhig und einfach, obgleich sie wußte, ihr Leben und das ihres Kindes standen jetzt auf eines Messers Schneide. Eine große Stille entstand,-es war, als ob alle im Saale Anwesenden den Atem anhielten,-unwillkürlich blickten alle auf die Fürstin, — und auch Pharao heftete seine stechenden Augen fragend auf seine Tochter. Salamba hatte sich vorgeneigt — es war, als wollten ihre Blicke die Ebräerin und ihren Sohn verschlingen, — „du lügst, Weib," sagte sie dann mit einer Stimme, der man die nur mühsam unterdrückte Bewegung anmerkte, „ich habe keine Kinder,“ und leiser, wie zu sich selbst sprechend, „wären alle Schätze dieser Welt mein, — dies höchste Glück des Weibes blieb mir versagt,“ und dann, als spränge jäher Zorn in ihr auf,-„will denn alles mich höhnen? — — Schon einer windet sich in diesem Augenblick unter den fraßgierigen Zähnen meiner Löwen, — hüte dich, Ebräerin, daß du ihm nicht durch deine Gesellschaft den Tod erleichterst.-Wer ist der Knabe?“ fragte sie dann und richtete das dunkle Auge auf den Jüngling. Jochebet sagte bescheiden, aber cs lag ein zwingender Ton in ihrer ruhigen Stimme: „Wohl gebar ich ihn, — doch du gabst ihm das Leben, als er im Binsenkörblein ausgesetzt im Wasser schwamm, damals gebotest du mir, ihn aufzuziehen, als sei er dein eigen — so ist er nicht mehr mein, — ist dein, — dein Geschöpf — dein Eigentum, — dein Sohn. — Und als deinen Sohn zog ich ihn auf, wie du mir einst befahlst.“ „Mein Sohn,“ wiederholte Salamba, „so hätt’ ich doch einen Sohn?" Sie schien Pharao, den glänzenden Saal, ihre Umgebung, die Ebräerin und den Jüngling vergessen zu haben — — und in ferne, längst vergangene Zeiten zurückzusinnen -Pharao aber sagte höhnend: „Ebräerin, du hast diesen Knaben, der deinem eigenen Schoß entsprossen ist, wie du selbst es eingestehst, einst meinen Knechten entzogen, als ich jenes Gebot erließ, daß alle Knäblein der Ebrär sterben müßten,“ prüfend betrachtete er den Jüngling, „er kann in diesen Jahren sein.-und um jetzt deinen Ungehorsam gegen meinen Befehl zu bemänteln, vielleicht hat einer meiner Knechte den Knaben bei dir entdeckt, hast du das Märchen ersonnen, die Königstochter habe deinen Sohn gerettet,-ihr Ebräer seid gar listig und verschlagen.“- „Das Weib sprach die Wahrheit,“ sagte da plötzlich Salamba ruhig und fest, „ich fand einst beim Baden ein Binsenkörblein im Wasser, darin lag ein weinendes Knäbt lein, — ich nahm es auf, — da griff’s nach meiner Brust —< und wollte trinken-ich schenkte ihm das Leben — —« fast hätt' ich dran vergessen.“ Pharao schüttelte zornig das Haupt. „Bedenke, ein ebräisch Kind,-es wäre gegen mein ausdrückliche» Gebot geschehen“- Salamba achtete gar nicht auf ihn, zu Jochebet gewandt, fragte sie: „Wie heißt der Knabe?“ Das Weib antwortete bescheiden: „Ich gab ihm keinen Namen,-da ich ihn für dich nur auferzog, so dachte ich, nur du könntest ihm einen Namen geben.“ Da stand Pharaos Tochter langsam auf: „So will ich ihn Moses heißen, denn ich habe ihn aus dem Wasser gezogen, und er soll bei mir wohnen als mein Sohn,“ und plötzlich wieder nachdenklich fügte sie hinzu: „Ich hätte diesen Magier nicht den Löwen vorwerfen lassen sollen." — — Pharao sprang empört auf, „was tust du, meine Tochter?“ schrie er heiser, „einen Ebräer willst du als Sohn anerkennen? Nimmermehr!“ Salamba wandte sich zu ihm und maß ihn stolz mit kalten Blicken, dann sagte sie mit Nachdruck: „Mein Fürst, das, was Salamba sagt, steht fest, und eher würde sie ihr eigenes Leben hinwerfen, als ein Wort, das sie gesprochen, wie leichten Wüstenwind fortblasen. Ich wünsche den Jüngling als meinen Sohn zu behalten,-mein Fürst, was sind deine Befehle?" Pharao wandte bei ihren Worten die Augen fort, Scheu und Verlegenheit drückten seine Miene aus, langsam ließ er sich nieder und sagte dann mit Uebcrwindung: „Es sei, wie du gesagt.“ In ihren Augen blitzte für einen Augenblick Triumph auf, sie wußte, sie hatte soeben ein gefährliches Spiel gespielt, -aber sie war Siegerin geblieben, — und Gefahr und Sieg war das einzige, was diese stolze, bis in den Grund zerrissene Frauenseele noch reizen konnte, sie senkte zwar sogleich die Lider über die verräterischen Augensterne, aber Pharao hatte doch ihre Befriedigung bemerkt, — — sogleich lehnte er sich über sie, „doch schenke mir zum Dank ein Lächeln, du Schöne,“ sagte er leise und dringend, „ich harre darauf seit langer fe\\flTrT — wirst du jetzt lächeln, meine Tochter? Sieh, i?h erfüll® jeden deiner Wünsche.“ Salamba aber erwiderte laut «ftd ungerührt: „Ich danke dir, mein Fürst, für diesen Knaben, -Salamba lächelt nie.“ Da erhob sich der Fürst, ein nicht zu verkennender Mißmut lag auf seinen Zügen, als er spöttisch sagte: „Ich laß dich jetzt allein mit deinem Sohn,“ — — und leige, nur ihr verständlich, fügte er hinzu: „Doch hüte dich, wenn dieses Spielzeug, das du dir erkoren hast, dich mir ein weniges auch nur entzieht, so breche ich dir dein Spielzeug mieten durch,-dann ist das Leben „deines Sohnes“ verwirkt.“ Ohne den Jüngling oder die Ebräerin noch eines Blickes zu würdigen, verließ er, von seinem Gefolge begleitet, schnell den Saal. Salamba hatte sich tief geneigt, als er an ihr vorbeiging, dann wandte sie sich zu Jochebet: „Welchen Lohn begehrst du, Weib?“ Jochebet erwidert ruhig: „Ich tat nur nach deinem Befehle, Königstochter, und ich heische keinen Lohn.“ Da blickte die Tochter Pharaos sich suchend um, und als sie die Truhe erblickte, die der Bote des fremden Königs vorhin gebracht hatte, und die seit dessen gewaltsamen Tode unbeachtet auf den Stufen zu dem Thronsitz des Pharao gestanden hatte, winkte sie einer ihrer Frauen, sie ihr zu reichen. „Da, nimm das zum Lohn, daß du mir den Sohn auferzogst," sagte sie und streckte Jochebet die Truhe hin. Die nahm das Geschenk mit tiefer Verneigung aus Salambas Hand, dabei berührten sich einen Augenblick lang die Finger der Königstochter und der Ebräerin, und rasen zog diese ihre Hand zurück, als habe sie glühendes Eisen gefühlt, da die samtweiche Haut der Fürstin ihre arbeitsharte Hand streifte. Salamba hatte es nicht bemerkt, sie griff die Truhe fester, die bei der erschreckten Bewegung des Weibes fast zu. Boden gefallen wäre. Ohne die Prinzessin noch einmal anzusehen, nahm Jochebet die Truhe unter ihr Tuch und wandte sich dann zu dem Jüngling, — — rasch machte sie eine segnende Gebärde und flüsterte ihm zu: „Denk an dein Volk.“- Dann schritt sie langsam und würdig hinaus, wie sie vor kurzem den Saal betreten hatte- Salamba erhob sich, sie gab dem Jüngling und ihren Frauen ein Zeichen, ihr zu folgen. Durch viele lange Säulengänge schritten sie bis in ihre Gemächer. Es war ein üppig ausgestatteter Raum, den sie betraten; rings luden schwellende Kissen zum Ruhen ein. Der Jüngling aber nahm seine. Umgebung kaum wahr. Während des ganzen Weges hierher hatten seine Blicke wie gebannt an der Tochter Pharaos gehangen; er hatte nicht die Pracht des Palastes, nicht die Anmut der ihn umgebenden Mädchen gesehen-und nicht den riesigen Aegypter, der halb verdeckt von einer Säule an seinem Wege gestanden hatte, er hatte nur die hohe Schönheit der ihm Vorauf schreitenden in sich aufzunehmen vermocht, — — stumm blieb er in ihrem Gemache stehen und merkte es kaum, daß Salamba ihre Frauen verabschiedete. (Fortsetzung folgt.)

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