Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 12 (2.5.1924)
- Date
- 1924-05-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Jahrgang Nummer 12 I.BMage L. Mai 1924 MT K m Ile politischen Varteleu zur Zudeufrage. (Fortsetzung auS dem Hauptblatt.j Als Bertreter der Zenlrumspariei kommt Dr. Eismann, Mitglied der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags, zu Wort: Seit Bestehen der Zentrumspartei bekennt sie sich stets als „B e r s a s s u n g s p a r t e i", stehend aus den Grundsätzen von Wahrheit, Recht und Freiheit. Für jeden, der auf dem Boden der Verfassung steht, gleiches Recht! Zur Zeit der Begründung der Zentrumspartei war dieselbe gezwungen, in erster Linie die bedrohten Freiheitsrechte der Katholiken zu verteidigen, betonte jedoch bei ieder Gelegenheit, daß sie für diese keine Sonderrechte beanspruchen, sondern jedes Tüpfelchen religiöser Freiheit auch den anderen deutschen Religionsbekenntnissen zuteil werden lassen wolle. Gesetzliche Regelung dieser Frage für das ganze Reichsgebiet beantragte das Zentrum in dem „Toleranzantrag", der seiner Zeit sehr bekämpft, vom Bundesrat verworfen, aber in der neuen Reichsverfassung fast ganz Annahme gefunden hat. Auf diesem Standpunkte st e h e n d, hat das Z e n t r u m im Einklang mit de m Standpunkte der maßgebenden Bertreter der katholischen Kirche auch st e t s den Antisemitismus als Verirrung bekämpft. Ich nenne nur den Namen des v e r st o r b e n e n Z e n t r u m s f ü h r. c r s Gröber, der mehr als einmal von der Rednertribüne des Reichstages für die Rechte der Juden e i n g c t r e t c n i st, und denjenigen de s Ri ü n ch c n e r K a r d i n a l ö Faul h aber, d er noch i n den letzten Tagen von G e n e r a l L udendorff aufs S ch ä r s st e angegriffen wurde, weil er im November v o rigc n I a b r es für die ft a a t s - b ü r g e r! i ch c Gleichberechtigung der j ü - d i s ch e n Ni i t b ü r g e r so warm und entschiede n e i n t r a t. Wie den Antisemitismus, so lehnt das Zentrum auch eine Ueberspannung des nationalen Gedankens ab, desgleichen den Gedanken des Klassenkampfes. Nicht die Gewalt, sondern das Recht muß grundsätzlich die Beziehungen zwischen den Völkern und den Erwerbsständen regeln. Die Deutsche Volkspariei. Ein Briefwechsel. I. Berlin SW. 68, den 26. April 1924. Friedrichstr. 226 An die Schriftleitung der Jüdisch-liberalen Zeitung Berlin W. 8 Manerstr. 22 Aus Ihre Schreiben vom 14. bczw. 24. April teilen wir Ihnen mit, daß wir uns bemüht haben, von einer führenden Persönlichkeit unserer Partei eine Aeußernng für Ihre Wahlnummer zu erhalten. Leider sind sämtliche Herren, die dafür in Betracht kommen, in diesen Tagen in der Wahlbewegung so sestgelegt, daß damit zn rechnen ist, daß wir die erwartete Aeußernng Ihnen nicht zur Verfügung stellen können. Wir machen Sie auf diese Situation ans Grund Ihres Mahnschreibens aufmerksam, werden aber selbstverständlich nicht verfehlen, unser möglichstes zu tun, um Ihre Wünsche zu befriedigen. Wir gestatten uns, Ihnen in der Anlage unseren Wahlaufruf zur Kenntnis zu bringen, glauben im übrigen, daß über die Haltung unserer Partei in den Sie besonders interessierenden Fragen ein Zweifel nicht bestehen kann. In ausgezeichneter Hochachtung! Reichs-Geschäftsstelle der Deutschen Bolkspartei (gez.) Trunksaß. II. Berlin, den 28. Jlpril 1924. An die Reichsgeschäftsstelle der Deutsche» Bolkspartei. Berlin SW. Friedrichstr. 226 Mit großem Bedauern haben wiv von dem Inhalt Ihres werten Schreibens vom 26. d. M. Kenntnis genommen. Wir legen um so mehr Wert darauf, von Was der 4. Mai 1924 für die deutschen Juden bedeuten wird, das liegt in der Hand der Wähler! Jüdische, deutsche Frauen! Seid der Euch 1918 geschenkten Wahlpflicht bewußt! Stärkt nicht durch Eure Gleichgültigkeit die Parteien unserer Gegner, die uns die Giaakbürgerrechte entziehen wollen und mit einer Lügenpropaganda Haß und Gift gegen uns verbreiten. Jede nicht abgegebene Stimme bedeutet eine Stimme mehr für. die Parteien des wüsten Antisemitismus. Gebt deshalb Eure Stimmzettel den Parteien, die für Eure Rechte eintreten! Bringt freunde und Bekannte zur Wahlurne! Helft durch Eure Stimmabgabe, daß die nicht siegen, die unser Verderben wollen! Ihnen die gewünschte Aeußernng zu erhalten, da wir bereits von sämtlichen anderen bürgerlichen Parteien, die wir um eine Aeußernng gebeten hatten, in den Besitz einer solchen gelangt sind. Würden wir, um nicht den Eindruck einer parteipolitischen Voreingenommenheit der Schriftleitung zu erwecken, Ihre Zeilen vom 26. d. M. veröffentlichen, so würde hierdurch wohl ohne Zweifel die Auffassung entstehen können, als ob die Deutsche Volkspartei eine klare Stellungnahme vermeiden will. Eine derartige Auffassung möchten wir jedoch im beiderseitigen Interesse vermieden sehen. Es würde genügen, ivcun die erbetene Erklärung am Mittwoch früh in unserem Besitz sein würde. Falls wir noch auf eine Aeußernng Ihrer Partei rechnen dürfen, wären wir Ihnen sehr verbunden, wenn Sic uns vorweg telephonisch informieren würden. Wir gestatten uns, die letzte Nummer unseres Blattes beizufügcn. Mit vorzüglicher Hochachtung Schrifllcitung der Jüdisch-liberalen Zeitung. lgez.j Won da. Der iniernaiionale Soziologen-Kongreh gegen den numcnis cfausus. Der gegenwärtig m :)Uim lägen de Internationale Soziologen-Kongrcs; hat einstimmig in einer Resolution gegen den oumorus clausus Stellung genommen und gegen alle Versuche, den uumerus clausus gegen die jüdischen Studenten anzuwenden. protestiert. 11| 1 Aus den Gemeinden. X | t'+'i Anerkennung der Rechtspersönlichkeit des Landesverbandes der Anhaltischen Jraelitischen Kultuögeurcinden. Die jüdischen Gemeinden des Freistaats Anhalt haben sich vor mehr als Jahresfrist zu einem Landesverband zusammengeschlossen, der Justiz rat Tr. Cohn in Dessau zum Vorsitzenden gewählt hat. Kürzlich fanden die 'Wahlen zum ersten Verbandstag statt. Von insgesamt fünfzehn Abgeordneten gehören zwei der Zionistischen Partei an. Eine eigentliche Wahlbewegung fand nicht statt, da man vernünftigerweise gegenüber dem gemeinsamen völkischen Gegner den inncrn Kamps zurückstellte. Ans den 'Antrag des Landesverbandes, ihm die Rechte einer juristischen Person zu gewähren, hat das Anhaltische Staatsmiuisterinm unter dem 22. April 1924 folgende Entscheidung erlassen: „'Nach Artikel 137 Abs. 5 Satz 3 der Reichsverfassung ist ein Verband, zu dem sich öffentlich-rechtliche Religionsgesellschaften zusammenschließen, kraft Gesetzes eine öffentlich-rechtliche Körperschaft. Da die Israelitischen Kultusgemeinden in Anhalt sämtlich bisher als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt waren und demnach solche auch nach der Reichsverfassung bleiben, steht dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden ohne weiteres die Eigenschaft einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft zu. Hiernach erübrigt es sich, dem dortigen Anträge, dem Landesverbände die Rechtspersönlichkeit zuzugestehen, durch eine ausdrückliche Erklärung oder eine besondere Verleihung der Rechte einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft zu entsprechen." Die Entscheidung des anhaltischen Ministeriums erscheint für die Frage der endlichen Bildung eines endgültigen Verbandes der preußischen wie überhaupt der deutschen jüdischen Gemeinden von besonderer Bedeutung. Berlin Dos Wohlsahrisanit der jüdischen Gemeinde versendet soeben den Tätigkeitsbericht über seine Arbeit. Hervorzuheben ist zunächst einmal, daß es durch konzentrierteste Zentralisation gelungen ist, zum ersten Male seit unendlich vielen Jahren eine glati funktionierende. reibungslose Verteilung der Pessachversorgung erfolgen zu lassen. Es war möglich au etwa 2000 notleidende Familien mehr als 1000 Ztr, Mazzaus. 60(100 Eier, etwa 000 Ztr. Kartoffel, 100 Ztr. Tomvr. ferner Mazzoihmehl, Lebensmittel und Pcssachwaren aller Art verteilen tonnen. Die Mittel zu diesen Großanschafsungcn kamen von privaten Wohltätern. Außerdem konnten etwa 000 bis 400 Personen an der Abhaltung von beiden Lederabenden teilnehmen und schließlich sind die Insassen aller Anstalten der Gefängnisse, n. a. in. während der Pessachwoche gespeist worden. Hier starb die Schriftstellerin A u g n st e H a u s ch n e r im Alter von 72 Jahren. Auguste Hanschner. die aus Prag stammte und Jüdin war, hat bereits in einem i'nrer ersten Werke, dem zweibändigen Roman „Familie Lowositz" jüdische Menschen dargestcllt und sich mit den Problemen des Judentums beschäftigt. Sichat sich dann später immer mehr jüdischen Fragen zngewandt. Ihr letzter, noch nicht veröffentlichter Roman „Das goldiue Prag" behandelt die nationalen Kämpfe zwischen den drei Nativnalitäteir^Ätfr Stadt: den Juden, Deutschen und Tschechen. Auguste i-HftvÄbner stand besonders Gustav Landauer in seinen letzten Lebensjahren nahe. Der jüdische Gefängnisseelsorger. Dr. Joseph ist zum Referenten im Justiz-Ministerium ernannt worden. Er hat ein Statut zur Regelung der jüdischen Gefängnisseelsorge ausgearbcitet, das bereits die Genehmigung der Behörden gefunden hat. Geh. Sanitätsrat Dr. Ludwig Hahn feiert in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag. Er erfreut sich eines großen Ansehens in Berliner ärztlichen Kreisen, war während des Weltkrieges als -Oberstabsarzt an der Front tätig und gehört dem Vorstand des Eciuralvereins an. Brcslan. Am S. und 9. April fand in Breslau eine Sitzung des Zentral-Ansschusscs des Allgemeinen Rabbiner-Verbandes in Deutschland statt, zn der das Dozenten Kollegium des Seminars und sämtliche in Schlesien wohnenden Rabbiner als Gäste geladen waren, geladen war ferner der Vorstand der Snnagogcn-Gemcinde. Zu Beginn der Sitzung wies der 'Vorsitzende. Baeck- Berlin, daraus hin. daß diese Sitzung ursprünglich für das Frühjahr 1023 in Mainz geplant war, zur Erinnerung an die 7«>0-IabrFcier der ersten Versammlung deutscher Rabbiner: er irües ferner daran> hin. daß diese Tagung am Vorabend von Kants 200. Geburtstag stattfinde, so stehe die Sitzung zugleich unter dem icl'e.i der Erinnerung an die „Frommen Deutschlands" und der Philosophie des Mannes, der dem Glauben einen neuen Weg gebahnt hat. Herzliche Begrüßungsworte widmete der Vertreter des Vorstandes der Siinagvgen-Gemeivd:, Herr Geh. Justizrat Goldfeld, das Lehrer-Kvllcginin ses Seminars und das Breslauer Raübinat: in allen Ansprachen kam besonders zum Ausdruck, welche innige Verknüpfung gerade zwischen Breslau und dem Raöbinerstanüe bestehe durch die ruhmvolle Wirksamkeit des Seminars und durch die Tätigkeit der hervorragenden Männer, die in dem Rabbinat Breslau tätig waren. Das erste wissenschaftliche Referat hielt Herr Rabbiner Dr. Kaatz-Hindenburg über das Thema „Würdigung talmudisch-rabbinifcher Sätze über die Rechtsbcziehungen zu Nicht-Juden. I. Teil." Das zweite wissenschaftliche Referat hielt Herr Rabbiner Dr. Vogclstein-Breslau über das Thema: „Die moderne Predigt". An beide Referate schloß sich eine lebhafte Diskussion, an der auch die Mitglieder des Dozenlen-Kollegimus einen starken Anteil nahmen. ► \^ÄmuuuuJinnTTTiiuiiuiJM*jM^||L IM i Defekt frei haus BERLIN W 6 LEIPZIGER STR; 2* Ei&iS BESTELLNUMMER ** MERKUR 4871^3 BAUMKUCHEN / PRALINEN i