Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 7 (28.3.1924)
- Date
- 1924-03-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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4, Jahrgang Nummer 7 Beilage 28. März 1924 IMchliberaleZeidmg A! Aus den Gemeinden. I Berlin. lNevräsentantenversammlung.) Die Sitzung der Repräientantenversammlung vom 23. d. M. beschäftigte sich vorwiegend mit fragen des Rituals. Bon seiten der Zionisten und Orthodoxen wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, das, auch in dem Zweiten Waisenhaus der Gemeinde idem Reickenhcim scheu Waisenhaus) die rituelle Bewirtschastuna satzungsgcmäß festgelegt werde, und daß die Kinder in den Waisenhäusern nach der Barmizmah mit Zwang zum Tefillimleaen angehalten werden. Dieses letzte Verlangen wurde von Dir. Tr. Gutmann gerade im Interesse wirksamer religiöser Erzielmna entschieden bekämkft. Ilm die wirksame Beaussichtiauna des Kaschruth-Wesens der' Gemeinde zu sichern, hatte der Gemeinöevorstand der Versammlung einen Vertrag vorgelegt, durch den Herr Rabbiner Tr. Weinbera als Daran angestellt werden soll. Die Beratung dieses Vertrages erfolgte in der Geheimsitzun-g; seine Genehmigung ist in ihr noch nicht erfolgt. Bedenken muh. selbst wenn von einer Stellungnahme im Übrigen zunächst abgesehen wird, die Bestimmung des Vertragsentwnrfsserregen, daß Herr Dr. Weinbera ..nicht gehindert ist, auch in allen anderen rabbinischen Angelegenheiten außer dem Kaschruth-Wesen autzerawtlich tätig zu sein". Sie muh den Verdacht erwecken, daß hier heimlich ein neuer orthodoxer Rabbiner auaestellt werden soll, während die noch nicht erledigten Vakanzen der letzten Zeit liberale Stellen betreffen. Eine weitere Vorlage des Vorstandes, die den Synagogen mit altem Ritus die Wiedereinführung des Mische Berach unter gewissen Kanteten gestattet, fand die Zustunmnng der Versammlung. Dock wurde auf liberale Anregung die Bestimmung gestrichen, daß Spenden aus Anlas, dieses Gebets mindestens 5 M. betragen müssen. Die liberale Fraktion stimmte in dieser Fraae im übrigen nicht einheitlich, da ein Teil das Selbstbestimmnngsrecht der Synagogenbesucher auch in dieser Richtung anerkennen wollte, während der andere Teil seine arundsätzlichen Bedenken acgen den Mische Berach voranstellte. Eine lebhafte Aussprache von ' r Bedeutung knüpfte an die Anforderung von ungefähr igpco Mark durch die Landesschulkasse für die beiden Mittelschulen der Gemeinde an. Man hatte vor ungefähr einem Jahre die Anerkennung dieser Schulen als öffentliche Schulen herbeigeführt, weil man hoffte, dadurch der Sorge für die finanzielle Unterhaltung der Schuten enthoben zu sein. Es hat sich nun jetzt herausgestellt, das, der Staat mich auf diesem Gebiete seine Leistungen erheblich abgebaut hat und der Gemeinde als Schulunterhaltungspslichtigern nicht unbedeutende Lasten entstehen werden. Es wurde daher die Frage aufgerollt, ob man ans die Rechte aus der öffentlichen Anerkennung der Schulen wieder verzichten soll. Es scheint aber nach dem. was von seiten des Gemeindevorstandes mitgeteUt wurde, das, die Ersparnisse für di-e Gemeinde auch >o erhebliche sein werden. Andererseits wurde der Auffassung öeö Herrn Dr. Klee, daß man sich durch die Herbeinhrung der öffentlichen Anerkennung unnötigerweise der staatlichen Einmischung ausgesetzt habe, von liberaler und .rthodoxcr Seite energisch widersprochen. da auch vor der 'ffentlichcn Anerkennung eine weitgehende Staatsaufsicht der die Schulen bestanden habe. Liberale und Orthodoxe staren sich darin einig, daß an dem bestehenden Zustand "ichts geändert werden soll. Wir möchten zu der Ange- .'genheit noch bemerken, das, sich die Selbständigkeit der irdischen Gemeinden, auf die sich Herr Dr. Klee berief, nur - ns rein religiöse Dinge und nicht auf die Verwaltung von ex öffentlichen Schulpflicht dienenden Schulen bezieht. Sie 'Lht den Gemeinden nämlich als Religionsgesellschaften ' nd nicht, wie Herr Dr. Klee bewußt oder unbewußt vor- 'uszusetzen scheint, als nationalen Bolksgemeinden zu. -- schließlich sei noch berichtet, daß der frühere Vorsitzende des ' >emeindevorstandes. Herr Baöt. tu das Kuratorium der llterversorgungsanstalt und des Hospitals, an deren Spitze 'r seit langer Zeit mit unermüdlichem Eifer und mit großem Erfolge aewirkt hat. aewählt wurde. Breslarr. Herr Emil Waldstein, der vierzehn Jahre lang iem Vorstände des Liberalen Vereins der hiesigen Synagogengemeinde angehörte, feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag. Herrn Waldstein, der heute noch dem Vorstand er Synagogengemeinde angehört, sind viele Ehrungen zu- .eil geworden. Ter Liberale Verein hat ihn in Würdigung seiner Verdienste unt die liberale Bewegung zum Ehrenmitglied ernannt. Judentum und Feuerbestattung. Von Dr. Walter Brinitzer, Dresden. fetter. Erde, Wasser und Lust, die als die vier Grundstoffe aer Alten galten, spielen auch von jeher bei der Bestattungs- >rage eine wichtige Rolle. Die LMtbestlüttung ist am besten bekannt durch die Parsen cn Indien: die Toten werden dort nach den Vorschriften des ienüavesta durch primitive Gestelle der Erdoberfläche entzückt oder ans Türme. Dathma «Türme des Schweigens), ge- .egt oder an die höchsten Spitzen der Bäume gebunden. Bon den Reisen über das große Meer kennen wir die stZasserbestattung. wobei die Leichen in das Meer versenkt '»erden. Diese Bestattungsart wird und wurde früher noch »äufiger von den Insulanern angewendet. Uns sind am geläufigsten die Erd- und Feuerbestattung. Ueber ihre Berechtigung gegenüber den ethischen Forüeungen der Religionen herrscht noch in keinem Bekenntnis omgc Einigkeit. Wir wollen versuchen auszuzeigen, welche grundsätzliche Stellung die jüdische Religion zur Feuerbestattung einnimmt. _ 0 Judentum und Er ö b e stat tung. Das Begraben der Leichen ist eine heilige Pflicht, die den andern oder Verwandten und in deren Ermangelung >remden oblag (1. Mos. 25,9; 35,29; 1. Makk. 2,70). SUtcI, 1. Mos. 3,19: „Im Schweiße deines Angesichts sollst u dein Brot estcu, bis daß du wieder zu Erde wirst, davon u genommen bist; denn du bist Erde und sollst wieder zu '-rde werden." deutet auf die Eröbestattung hin. Im Talmud Sanhedrtn 46 b wird von der Eröbestattung ülS einem allgemeinen Brauch gehandelt ^^Psalm 90 wird der Ewigkeit Gottes die Nichtigkeit -es Men,chen gegenübergestellt, den er wieder zu Staub nacht. Das Verbrennen der Toten galt dagegen als Strafe -chande. wie die Todesstrafe l3. Mos. 20,14; 21,9; Jos. ' öer war nur in Ausnahmcfällen gestattet, die sich aus .^oeswciligen besonderen Umständen, wie Krieg (1 S °£.er de st (Amos 0,10) rechtfertigten. , Juc -Lchulchan aruch, Iore de ah 363,2 Hagah wird es -aubt, auf eine Leiche Kalk zu gießen, um das Fleisch scl;u zersetzen und die Leiche darnach an den Ort zu brin wohin es der Verstorbene zu seinen Lebzeiten angeor Oat, und dies zwar nur dann, wenn es die Regierung u .Chemnitz. Zur Erinnerung an die vor 26 Jahren erfolgte Einweihung der Synagoge fand am 7. März, Freitag abend, ein F e st g o t t e s ö i e n st statt. Die Fcstpredigt deS Herrn Rabbiner Dr. Fuchs war umrahmt von Gesängen des Herrn Kantor Lachmcnn und des Synagogen-Ehor-Vereins. — Der Synagogen-Chor-Verein. der im Jahre 1899 zur Einweihung der Synagoge von Herrn Kantor Goldberg ins Leben gerufen worden war. konnte nunmehr auch ans ein 25jähriges Bestehen zurückblickcn. Aus diesem Grunde veraitftaltctc &-'r SEV. am 6. März er. eine Festlichkeit, an der außer den Mitgliedern auch der Gemcindevorstend, Vertretungen anderer Vereine der Gemeinde, bzw. alle Kreise unserer Gemeinde teilnahmen. Ter Vorsitzende, Herr NMDM All bk iibmlen Delegierten M C. V.-Lagung. Am Sonnabend, den 12. April 1924, nachmittags 5 Uhr, findet in Berlin eine Sorstandsfitzung der Vereinigung für das liberale Judentum E. v. statt. Wichtige grundsätzliche und Organisationssragen stehen zur Beratung, unter anderem die Vorbereitungen fiir die Wahlen zum preußischen LandesVerband jüdischer Gemeinden. Delegierte zur C.V.-Tagung, die Mitglieder der Vereinigung für das liberale Judentum sind und an der Borstandssitzung tcilnchmcn wollen, bitten wir, ihre Adresse dem Büro der Vereinigung für das liberale Judentum E.V., Berlin W8, Mcvucrstraße 22, postwendend anzugeben. Julius Stein berg, begrüßte in seiner Festrede die zahlreich. auch von auswärts. Erschienenen und beglückwünschte besonders die Mitglieder, die 25 Jahre dem Verein angehören;- diesen wurden auch von der Gemeinde, in deren Namen der Vorsitzende des Vorstandes. Herr Georg Mecklenburg, den Jubelvecein beglückwünschte. Geschenke überreicht. Das von Vereinsmitgliedern gebotene künstlerische Programm fand lebhaften Beifall. Hambnrg. Festakt in der Mädchenschule der Hamburger Gemeinde. Zu Eliren der scheidenden Schulvorsteherin Fräulein Mary Marcus, die 56 Jahre der Mädchenschule der Deutsch-israelitischen Gemeinde Vorstand, fand in der Aula der Schule eine erhebende Feier statt, zu der sich eine ungewöhnlich große Zahl von Gästen eingestrndcn hatte. Gemeinde- und Schulvorstand, Vertreter der Oberschul'bchörde und des Lehrkörpers widmeten der Scheidenden ehrende Worte des Abschieds. Tiefbewegt dankte Fräulein Marcus jedem einzelnen der Redner, vor allem ihren Schülerinnen, die ihr in sinnigen. ganz persönlich gestimmten Gedichten den Abschiedsgruß entboten und ein Geschenk überreichten, an dessen Herstellung sich alle Schülerinnen der Schule beteiligt hatten. Daran schloß sich die Einführung des neuen Schulleiters, Direktor Dr. Jonas, dem ein Vorstandsmitglied die Wünsche der Gemeinde ttberbvachte. In kurzen Worten dankte der neue Direktor für das ihm bewiesene Vertrauen und kennzeichnete die ihm gestellten Aufgaben. Köln. Freitag, den 21. März, fand anläßlich deS Wiährigen Bestehens dev Synagoge Nvonstraße ein Fcstaottesöienst in diesem Hause statt. Der Tempel war wundervoll deko- «i besonderen Voraussetzungen anordnet. Die Erdbestattung wurde aber dadurch nicht berührt. Bei der Bestattung vornehmer Verstorbener wurde wohl eine Menge wohlriechender Spezereien verbrannt [2. Chron. 10,14; 21,19; Jcr. 34,5), aber die Leiche erdbestattet. In 2. Ehron. 16,14 heißt es: Und sie begruben ihn (Asa) in seiner Grabstätte, die er sich bereitet in der Stadt Davids und sie legten ihn auf ein Lager, das gefüllt war mit Gewürz und Spezereien, gemischt nach Art der Salbevwiscl ung.. und zündete ihm ein Feuer an, groß über die Maßen. Es handelt sich dabei also nicht um eine Feuerbestattung. Ies. 30,33 wird zwar einem König Vernichtung durch Feuer angcdroht. cs handelt sich aber um einen assyrischen König. Aehnlich ist cs in Ies. 33,12: „Tann werden die Völker wie zu Kalk verbrannt, wie abgehauene Dornen, die durch Feuer entzündet werden," wo von heidnischen Völkern die Rede ist. In 2. Chron. 21,19, wo dem König Ioram die Ehrung deS „BrandeS" wegen seines ruchlosen Lebenswandels versagt wird, handelt es sich auch um das Verbrennen wohlriechender Stoffe. Ebenso ist es in Jer. 34,5, wo es in der WarnungSreüe, die Jeremia während der Belagerung Jerusalems an Seöekia hält, lautet: In Frieden wirst du sterben und gleich den Leicherrbränöen für deine Väter, die früheren Könige, welche vor dir regierten, wird man auch für dich einen Leichenbrand anzünden und mit „Weh, o Herr" dich beklagen, denn ein Wort habe ich geredet. spricht Gott. In 1. Mos. 23 wird uns die Beerdigung der Sarah in der Höhle Machpelah erzählt. In Amos 2. 1—3 wird eS als entsetzlich angesehen, daß die Moabiter die Gebeine des EdomiteLköuias zu Kalk verbrannten. Eine Bemerkung deS Midrasch geht dahin, die Vögel deS Himmels und die reinen Tiere hätten seinerzeit den erschlagenen Abel beerdigt und Rabbi Thauchuma berichtet, daß Kain, ratlos, was er mit der Leiche seines Bruders anfangen sollte, gesehen, wie ein Vogel den anderen getötet und begraben habe, um daraus für sich die Lehre zu ziehen, daß er Abel in ein Grab zu legen habe. Das Judentum fordert darnach das Begraben der Toten. Es fragt sich, was die Bibel unter „Begraben" versteht. riert. daS Allerhetliaste sowohl wie der Altar mit frische» Blumen und Blattpflanzen geschmückt. Auf der Empore neben dem Vorbetervult hatte der Vorstand der Synagoaenaemeinde Platz genommen. Tausende von Menschen füllten das herrliche Gotteshaus. Als Vertreter des Kar« dinals war ein hoher Würdenträger anwesend, Oberprüsidlum und Reaierunnsvräsid.nm batten gleichfalls Vertreter entsandt. Ter Oberbürgermeister und der Büvgermerster waren anwesend, ebenso zahlreiche katholische und evangelviche Geistliche. Der Gottesdienst begann mit dem von dem neu gegründeten Clior prachtvoll gesungenen Eingangspsalm. Obcckuntvr Davidsohn, der von Berlin aus zu dem Festgottesdienst berufen worden war. hielt hieraus dre weitere Liturgie ab und sana vor Beginn der Predigt das Hallelujah von Hummel. In gedankenvoller und überaus wirkungsvoller Rede gab hieraus der Gemeinderabbiner Dr. Kober einen Rückblick über die Wirksamkeit der Gemeinde in den letzten 25 Jahren unter Zugrundelegung dev Thorawortes „Ein ewiges Feuer soll brennen aus dem Altar und verlösche nichts Er wendete sich insbesondere dem sozialen Gedanken innerhalb des Judentums zu und beleuchtete hierbei die Wirksamkeit der Gemeinde auch in Vaterlänötschem Sinne. Mit einen» innigen Gebet vor der heilige» Lade der Gemeinde. Srestt und Vaterland schloß der Prediger seine gehaltvolle.» AuGührungeu. Ihm folgte der Gesang des „Hebe deine Augen auf zu den Bergen uns dann der weihevolle Abcndf.otlcsdienst. bei dem die religiöskünstlerische Leitung des Berliner Oberlantors Davkchoh» stark in die Erschernun,, trat. Auch im Morgengottesdienst wurde dem Festtage Ziech'.lnna getragen. Neben seiernchen Gesängen hielt Rabbiner Tr. Earo eine Ansprache, in der er der Bedeutuna des Tages gerecht wurde. Am Abend fand für die Gemeinde eine Festvorstelluna im Schausprelhause statt. Diese wurde mit einem Prolog eröfinet. der von dem 1. Vorsitzenden der Gemeinde. Herrn Blumenau, verfaßt war und von Oberkantvr Tavidiohn sehr wrrkungsvoll rezitiert wurde. Dem Prolog schloß sich eine Borstelluna von „Nathan der Weise" an. die ans hohem künstlerischem Niveau stand. Ter Festakt verlief überaus würdig und angemessen der Größe der Kölner Gemeinde. Nenstadt. Der Gesamtvorstand des israelitischen Gemeindeverbandes der Pfalz trat hier zu einer Ncratung zusammen. Zunächst wurde die W-.stil des engeren Vorstandes vorgenomm. Wiedergewählt wurden als erster Vorsitzender Albert Joseph-Landau. ' als zweiter Vgrntzender G. Thalheimer-Ludmigshasen, als dritter Vorsitzender Staatsanwalt Dr. Roienberg-Frankcnthal und als Schriftführer Real »ehr er L. Strauß-Bad Dürkheim. Nach emgehender Beratung wurden die vorgeichlagcnen Znchusse aus Mitteln des Verbandes an leistnnasschwache Gemernden. an die vier Rabivatsbezirke. an pensionierte ^Beamte und Beamtinnen, ferner an das Altersheim in Neustadt und an das israelitische Lehrerseminar in Würzburg gutgeheißen. Die Anstellung eines Wanderlehrers zur Erteilung des israelitischen 2leliaivnsnnterrichts in kleineren Gemeinden wurde dem Vorstände übertragen. Nach 9 28 des Schulaunichtsgeictzeö wurden die vier pfalzlsihen BezirksroÄ»iner beauftragt, vom Beginn des SchnliahreS 1924-25 ab den ifraelitschcn Religionsunterncht an den Mittel- und Volksschulen zu besuchen. Schneidemühl. Am 13. März feierten hier der israelMche Wohltätigkcitsvcrein und die Chewra Kadischa ihr Stiftungsfest. Der Festgottesdienst. zu dem der Wohltätlgkeiltsverein aus diesem Anlaß alle Gcmeindemitglieder für Sonntag, den 16. März, geladen hatte und bei dem Rabbiner Nobel die Festvreöigt hielt, klang in eine Seelenandacht für die Verstorbenen aus. Mit einem Besuch auf dem Friedhof und Gebeten an den Gräbern endete die eindrucksvolle Feier. Sehr Mmvmnaspoll^Verlief auch der Abend, der Chewra Kadischa. bei dem deren Bedeutung für die hresige Gemeinde in mehreren Ansprachen gewürdigt wurde. —Lehrschwester n— und Krankenschwestern sucht Scfewestemhelm 1er Eerüner läp II. 0. B. B. £1 erlin 1f7 «L. M$<eiststraße 11 Die Luftbestattung wird vom Judentum grundsätzlich verworfen U. Sam. 17,44; 2. Sam. 21,6 sg.; 1. Kon. 14,11; 16,4; 21,24; Ies. 22,10; Spr. 30,17; Amos 2,1; Jer. 7,33; 16,4; Ies. 14,15 u. 19; Ez. 29,5; 32,22 u. 23 und 2. Kon. 9,10 u. 35). So heißt es Ez. 29,5 im Orakel gegen Aegypten: Und ich will dich in die Wüste verstoßen, dich und alle Fischer deiner Ströme, auf das freie Feld sollst du hinsallen, wirst nicht aufgehoben noch bestattet werden; den wilden Tieren und den Vögeln gebe ich dich zum Fraß. 2. Kön. 9,10 heißt cs: Jsebel sollen die Hunde fressen auf der Flur von Iesrel und niemand feil sie begraben. Und ähnlich wird allenlbalben die Lnstbestattung oder richtiger Nichtbesiattuna als ein Ucbel oder eine Strafe bezeichnet» weil die unkecrdigtc Leiche leicht eine Beute der Rauhröf.el oder Hunde meiden lennte. Selbst der Feind oder Hingerichtete Verbrecher durfte nicht unbestattet liegen bleiben m»d wurde noch vor Sonnenuntergang des Begräbnisses gewürdigt i Jos. 3.29; 10,27; 5. Mos. 21,23). Die Bibel meint also mit Begraben die Erdbestattung. Wenn die Bibel von „Begraben" spricht, so ist aber nicht notwendig und ansfchließttch an ba* Legen in eine Gruft gedacht. Das Wort für Grab heißt ilämlig) je nach den besonderen Umständen verschieden in der Bibel, nämlich: Bor. eigenllich Grube (Ies. 38,18; 14.16; Ps. 88.7; Spr. 28,17), steinerne Gruft (Ies. 14,19), ferner Keber, Grabtzöitzc, Felsengrab (1. Mvs. 23,9; 2. Mos. 14,11; 4. Mos. 11,31; Ps. 5,10; Jer. 5,16). Die Grabstelle war gewöhnlich im Freien, auch auf Bergen (2. Kön. 23,16) und sollte mindestens 50 Ellen von der Stadtmauer entfernt sein. Als Grabstelle dienten teils die im Kalkgebirge Palästinas so zahlreichen und großen natürlichen Hohlen, teils die künstlich geschaffenen, aus dem weichen Felsen ausgehauenen Grüfte, die oft geräumig waren und aus mehreren Kammern (Ies. 22,16) bestanden. Abgesehen von der Seite, auf der die Leiche liegt und de» Boden berührt, ist der Tote daher trotz umständlicher Einhüllungen immer von Luft umgeben. Datz die Grabhöhlen und Felskammern gern in ei>ner unzugänglichen Höhle über der Talsohle angebracht wurden, erinnert an das Prinzip der Lustbestattung, nämlich zwischen dem Toten und der Arbeits- und Wohnfläche der Lebenden einen gehörigen Abstand zu schaffen.