Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 6 (21.3.1924)
- Date
- 1924-03-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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4. Jahrgang Nummer 6 2. Beilage 21. März 1924 IMchllberaleZeilmiL EIN DUELL Von Andreas Latzko. (Schluß) Freiherr von Györöky warf sich in den Lehnstuhl zurück. „Ja, soll ich mich auf Ihren Verstand mit Ihnen schlagen? Wie macht man denn das, Rabbinerchen?“ „Ich werde mir erlauben, die Bedingungen de» Duells Herrn Baron genau zu entwickeln“, erwiderte eifrig Samuel Levy. „Herr Baron werden nur die Güte haben, sich von Ihren Dienern in diesen Lehnstuhl binden zu lassen! Alle« weitere“ — „Anbinden?“ rief überrascht der Baron, „warum nicht garl“ Levys Hände schnellten ihm beschwörend entgegen: „Bitte, bitte, Herr Baron! ... Ich werde mich nur von der richtigen Ausführung meiner Bedingungen überzeugen und dann sofort in diesen anderen Stuhl gefesselt werden.“ Der Baron winkte unwillig ab: „Unsinn! Was soll die Komödie?“ Nun wurde der Rabbiner energisch. „Herr Baron sagten doch selbst, ich als Beleidiger könne frei wählen! Nun gehören zu den Waffen, die ich am wenigsten benutzt sehen möchte, gerade Ihre Fäuste, Herr Baron! Da Sie bereit sind, sich meinem Verstände zu stellen, können Sie Ihre Arme für die Dauer des Duells ruhig ausschalten lassen. Ich werde ja genau so festgebunden werden wie Sie! Und ich kann mir nicht denken, daß der Freiherr von Györöky mehr Angst vor einem gefesselten jijuden haben sollte, als umgekehrt.“ i, Ueber die Stirne des Barons huschte ein dunkelroter Schimmer. „.Angst ist ein hebräisches Wort, Rabbinerchen!“ sagte er scharf, „und Sie müssen schon verzeihen, aber diese Sprache spreche ich nicht.“ „Nun also!“ meinte Levy, ohne die Miene zu verziehen, „dann können wir ja anfangen. Da ich als Ihr Duellgegner natürlich die Absicht habe, Sie zu verletzen, und Ihre Fäuste nicht gewöhnt sind ruhig zu bleiben, wenn man Sie“- „Sie sind ein Hasenfuß!“ lachte der Baron. „Wenn ich mich mit Ihnen schlage, dann dürfen Sie mich verletzen, soviel Sie nur können. Ich rate Ihnen in Ihrem eigensten Interesse, auf das Anbinden lieber zu verzichten. Wie wollen Sie denn reden ohne die Händ’, Rabbinerchen? Ich gebe Ihnen mein Kavaliersöhrenwort, Sie nicht anzurühren, was immer Sie mir auch sagenI Dns muß Ihnen doch genügen?“ „Selbstverständlich, selbstverständlich, Herr Baron! Kein Strick ist so stark wie das KavaKersehrenwort des Freiherrn von Györöky, aber die Gewohnheit ist doch stärker! Herr Baron wären gewiß fähig, sich selbst die Hand abzuschlagen, die Sie wortbrüchig gemacht hat. Ich aber hätte mir dann schon den Kragen gebrochen, denn die Fenster dieses Saales gehen, wenn ich nicht irre“- Der Baron lachte aus voller Kehle. „Die Fenster liegen genau zweiundfünfzig Meter über dem Festungsgraben. Sie halben ein gutes Onentierungstalent, Rabbinerchen. Wissen Sie was? Die Sache macht mir Spaß! Ich will das Duell ausfechten, wie immer Sie Ihre Bedingungen stellen. Nur lange dauern darf die Geschichte nicht! Ich habe für diese Nacht auch angenehmere Dinge vor, als diesen Waffengang mit einem gefesselten Rabbiner.“ Keine Muskel zuckte in dem hageren Gesicht Samuel Levys, als der Baron seine Unternehmungslust mit einem vielsagenden Schmatzen und Zwinkern begleitete und seine schwere Hand vertraulich auf die Schulter seines Gegners niederfallen Heß. „Sie erlauben doch, daß ich mir vorher noch ein Gläschen Tokayer zu Gemüte führe? Darf ich Ihnen auch eine kleine Stärkung anbieten, Herr Levy?“ „Besten Dank, Herr Baron, ich möchte lieber nüchtern bleiben. Wenn aber Herr Baron mir die Ehre erweisen wollen, auch für mich ein Glas zu leeren- „Von Herzen gern, Rabbinerchen. Treffen Sie unterdes Ihre Anordnungen. Emen Arzt werden wir wohl nicht brauchen?“ Samuel Levy zog sich, ohne Antwort zu geben, in eine Ecke zurück, verrichtete ein kurzes Gebet und ließ dann den Schloßherr, der die zwei Pokale wie einen Schluck Wasser hinuntergespült hatte, von seinen Dienern mit Stricken und Riemen in den Lehnstuhl binden. Mit großer Sorgfalt prüfte er alle Schlingen und Knoten, ließ da und dort noch fester anriehen. uyd erst als alles zu seiner Zufriedenheit ausgeführt war, wurde auch er, sechs Schritte weit vom Baron, in einen Fauteuil gebunden. Die Diener öffneten die Fenster, steckten neue Wachskerzen an, und erhielten, auf Wunsch des Rabbiners, den strengen Befehl, vor Morgengrauen, was immer sie auch hörten, den Saal nicht wieder zu betreten. Die Türen fielen zu —- die Schritte verhallten — — die Gegner blieben allein. Und da geschah das Wunderbare! Der mächtige Schloßherr von Neu-Györök, der das Fürchten noch nicht gelernt hatte, fühlte sich plötzlich ganz sonderbar verlassen. Die Stille war so tief, daß man die Kerzen knistern hörte wie in einem Totenzimmer; das ungewohnte Gefühl, nicht Herr über die eigenen Glieder zu sein, genau wie ein Leiche im Sarg, machte den Baron erschauern. Einen Augenblick lang war es ihm, als wäre er auf der Richtstatt allein mit seinem Henker; und ersah, um neuen Mut zu schöpfen, herausfordernd zu Samuel Levy hinüber. Aber das Gesicht, das er erblickte, erschreckte ihn noch mehr! Alle Demut war wie weggewischt aus diesem Antlitz. Eine unerhörte, unerbittliche Sicherheit entströmte den flackernden Augen des gefesselten Juden, so daß der Baron sich beinahe versucht fühlte, seine Diener zurückzurufen, und nur mit großer Mühe diese Schwäche überwand. „Los, los! Sie müssen sich beeilen, Rabbinerchen, dennn ich habe nicht übel Lust einzuschlafen!“ — rief er endlich und zwang sich mit weltmännischem Duellgleichmut ein Gähnen ab. „Ich bin schon da, ich bin schon da!“ meckerte fröhlich der Rabbiner, und die Ungeniertheit, mit welcher er nun plötzlich seinen gewohnten Jargon benutzte, zeigte deutlich, wie wenig er sich beengt fühlte in seinen Fesseln. „Sie haben mir also, wie man so zu sagen pflegt, meine Frau verführt, Herr Baron, und sind wohl sehr stolz auf das Kunststück? Ich gönne Ihnen das Vergnügen. Warum soll ich es Ihnen nicht gönnen? . . Wenn ich der Freiherr von Györöky wäre, ein Kavalier, der Fürsten unter seinen Ahnen hat, dann möcht ich mir erst ein schönes junges Mädel aussuchen, und nachher müßt sie der Rabbiner Levy heiraten. Das wäre für den Rabbiner Levy, ich muß schon sagen, sehr bitter. Sie aber machen es umgekehrt, Herr Baron, und sagen: Nach Ihnen, Herr Levy! Und ich sage: Wenn Sie so bescheiden sind, «ich mit meinen Resten zu begnügen, so soll es mir eine Ehre sein. Sie können sich den Schmarrn gleich behalten!“ Baron Györöky lächelte sauertöpfisch: „Ich danke, Rabbinerchen! Der Schmarrn ist so übel nicht, man muß ihn nur zu nehmen wissen.“ Samuel Levy nickte zustimmend: „Ganz so, Herr Baron! Auf so was verstehen Sie sich viel besser. Wir einfachen Leut dort unten holen uns unsere Frauen schön sauber, ohne jede Anstrengung und Gewalttätigkeit. Dann erst kommen Sie und Ihresgleichen, und lassen Blumen auf fahren und Brillanten, und tun schön, und strengen sich an für lauter abgelegte, nixnutzige Frauenzimmer! Ich weiß nicht: sind Sie so bescheiden oder nur so dumm?“ Der Baron verfärbte sich. Er warf dem Juden einen kurzen, stechenden Blick ins Gesicht und knurrte heiser: „Jud’l Sei nicht unverschämt! Du weißt: mein Ehrenwort schützt dich nur bis morgen früh.“ „Sind Sie denn schon beleidigt?“ grinste der Rabbiner. „Ich habe gemeint, ich kann Sie verletzen, soviel ich nur will? Wozu reißen Sie an den Riemen?... Es scheint, Sie können nicht reden ohne die Händ’.“ „Feiger Hund!“ murmelte der Baron verachtungsvoll. „Du wärst längst verstummt, hätte ich nur einen Arm frei!“ Das Gesicht Samuel Levys strahlte auf, seine Stimme wurde hell und scharf, und hackte die Worte, wie mit Geierschnabeln, in das verzerrte Gesicht seines Gegners: „Natürlich! Wenn Sie einen Arm frei hätten, dann wären Sie wieder der Held, der jeden schwachen Juden, und jeden wehrlosen Bauern, und jeden, der irgendwie gefesselt ist und sich nicht zur Wehr setzen kann, großartig niedertrampelt! Darum habe ich Sie ja in diese Falle gelockt, wie man ein großes, gefährliches Tier eben fangen muß. Warum schimpfen Sie mich einen feigen Hund? Ich bin in einen Stuhl gefesselt, genau wie Sie, und sage Ihnen die Wahrheit; ist das feig’? ... Wie feig’ waren dann Sie? Soweit j Ihre Familienchronik reicht, haben Sie und Ihre Ahnen nie was | anderes 'getan, als gefesselte Menschen mißhandelt, Kaufleute ausgeraubt, Leibeigene peitschen lassen, um ihren Schweiß zu versaufen und zu verjuxen. Solche feigen Hunde waren Ihre Ahnen und Sie“- „Noch ein Wort über meine Ahnen, und idKchlage dich tot!“ brüllte der Baron außer sich. Samuel Levy lächelte überlegen: „Wann? ... Morgen früh? Ja, das glaube ich! Morgen früh wäre ich wieder der schwache, gefesselte Jud’, und Sie hätten wieder hundert Schießgewehre hinter sich! Warum können Sie jetzt nichts tun als nur fluchen und die Zähne fletschen wie ein gefangener Gorilla im Käfig? Sehen Sie jetzt“ . . . Der Rabbiner stockte und wurde weiß bis unter die Augenbrauen, denn der Baron hatte sich einen ungeheuren Ruck gegeben, war mit seinem Stuhl so weit nach vorne geflogen, daß die Armlehnen karambolierten und Samuel Levy den keuchenden Atem des Riesen in seinen Haaren fühlte. In banger Erwartung starrte er auf die mächtigen Arme, die sich wie harpunierte Haifische wanden. Aber die Stricke hielten fest! Der Rabbiner atmete auf, hielt dem Schäumenden sein grinsendes Gesicht entgegen, und kicherte vergnügt: „In Ihrer eigenen Wut werden Sie ersticken, Sie großes, brutales, böses Tier!“ Der Baron versuchte, ruhig zu werden. Er kniff die blassen Lippen fest zusammen und flüsterte mit verhaltenem Atem: „Du tust mir leid! Du ahnst gar nicht, was dir morgen früh bevorsteht.“ Samuel Levy lachte triumphierend: „Für mich brauchen Sie keine Sorge zu haben, Herr Baron. Wenn mich der Gott der Juden nicht ganz im Stiche läßt, und ich meine Kräfte nicht sehr überschätzt habe, dann trifft Sie noch vor Mitternacht der Schlag!“ Ein unartikulierter, tierischer Wutschrei entfuhr der Kehle des Barons. Er konnte nicht länger an sich halten, brüllte so laut er nur konnte seine Diener herbei, stemmte sich verzweifelt gegen die Taue, die ihn niederhielten, und winselte zwischendurch erschöpft um Gnade. Aber der Rabbiner kannte kein Erbarmen. „Wer ist jetzt der Hasenfuß?“ sehne er seinem Opfer höhnisch ins Ohr. „Fühlen Sie jetzt, was es heißt, sich nicht wehren zu können? Fühlen Sie,wie wohl es tut, niedergehalten zu werden von Paragraphen oder Stricken, Pandur«, oder Söldnern?-—: War es lustig, mit den Händen in den Taschen dazustehen, während erwachsene Menschen, auf che Pritsche geschnallt, wie Kinder brüllten unter den Stockhieben?-Jetzt lache ich! -und habe keine Söldner, und keine Kanonen, nicht einmal meinen eigenen rechten Arm habe ich mir frei behalten, um Sie zu züchtigen! Gleich.auf gleich sitzen wir uns gegenüber, und ich werde Sie ersticken machen, wie einen. FJoh, deg man zerdrückt! ... Ja, brüllen Sie nur! Sie haben ja in Ihr# Dummheit selbst strengen Befehl gegeben, uns nicht zu stören vor morgen früh! Holla! Was ist denn? Sie werden ja schon blau?“ . . . Mit einer letzten, übermenschlichen Anstrengung hatte sich der Baron noch einmal in seine Fesseln hineingeworfen, spannte alle Muskeln bis zum Platzen an, daß der Lehnstuhl schrie und die Stricke knirschten, bis-mit einem furchtbaren Krach der mächtige alte Stuhl in Stücke brach — und Freiherr von Györöky plötzlich aufrecht dastand, behängt mit Stücken des gesprengten Fauteuils, wie mit den Teilen einer geborstenen Rüstung. Samuel Levy rief gellend laut seinen Gott an und duckte sich demütig, bereit auf das Ende. Aber der erwartete Schlag sauste nicht nieder! Der Baron torkelte wie ein Trunkener, griff mit auseinandergespreizten Fingern Halt suchend in die Luft, machte einige seltsame Tanzschritte, verlor endlich das Gleichgewicht und blieb regungslos liegen. Draußen auf dem Schloßhof schlug die große Turmuhr gerade das letzte Viertel vor Mitternacht. Als nach vergeblichem Pochen und Horchen die Diener bei Morgengrauen vorsichtig den Saal betraten, saß der kleine Samuel Levy laut schnarchend in seinem Stuhl. Vor ihm lag dahingestreckt der Schloßherr von Neu-Györök, genannt „der Eisenkönig“, und war mausetot. Dieser Nummer Ueat ein Prospekt betr. kostenfreien Derfand unserer Heituna *u Propaaandazwecken bet. 5?j»jwich. MMnwmm Stein Raklama-Pralsa. Nur somit Vorrat. Reklama-Pralaa. Nur somit Vorrat. Echte Orient *7fl00 Echte Orient- 4OA00 Echter Orient- OflAOO Brückei2oxaiocm # whk. Brücke » Iavmu. Teppich »bxbbboi« «Ow mm. Grosse Partien Böchara-Jamuth-Cabistan-Brücken besonders preiswert. Besonderes Angebot: Woll-Mokett-Diwandecken «mboxsoo «m gr..., stock Mk. 48°° Deutscher Teppich Perser-Muster ca. 5x8 Meter gross Deutscher Teppich Perser-Muster ca. 200x300 cm Deutscher Teppich Perser-Muster ca. 250X350 cm oo aus. OO MIc. Deutscher Teppich Perser-Muster ca. 300x400 cm OO oo MIc.