Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 4 (1924)
- Issue
- 6 (21.3.1924)
- Date
- 1924-03-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Gegenwart, m Tagung de» Preutzischm Landesverbände» jüdischer Gemeinden. B«m itb Hier Vicht nur eine» tatsächliche». Bericht her Tawtmt, Me am Sonntag. den 16. März, in Berlin stattfand. -Me. so geschieht es in der Erkenntnis, datz es alles -u bessern, viele» auch gänzlich neu anzufangen gilt.. Ich halte »te Angriffe, die von vielen Seiten gegen die derzetme Ges-äftSfübruna Le» Verbandes erhoben werden, keineswegs alle für berechtigt. alaube auch, dah die Schwierigkeiten emer von Anfang an provisorischen Leitung zum Teil sehr erheblich unterschätzt werden, «her gerade in Anerkennung der geleisteten Arbeit muh auf die überaus groben Mängel hingewiesen werden. Wenn z. B. die Einladuna zu einer Tagung. von der die Geschäftsführung sich ..mannigfache Anregung^ verspricht..die den Ausdruck des Willens der Gemeinden. nickt den der einzelnen Vertreter, verkörpern soll, drei Tage vor dem anaesetzten Termin an die Gemeinden gelangt, so ist e» klar, dah deren Vertreter keinerlei Rücksprachen mehr pflegen, sich also auch nicht Wer die Ansicht ihrer Körperschaften genügend informieren konnten. Das trat in der einzigen, recht kurios anmutenden Abstimmung klar zutage. Wenn die Geschästsfübruna sich ferner in den mvet Jahren ihrer Wirksamkeit gänzlich einseitig der Regem«a der rechtlichen und finanziellen Seite der < ersa„uug angenommen hat. so muh auch daran Kritik geübt werden. Den« in der Berfassuna wird ausdrücklich die „Hebung des religiöse» Lebens" vor die „finanzielle Unterstützung leistungsfähiger Gemeinden" gestellt. Selbstverständlich ist zuzngooen, bah in den Jahren der ärgsten wirtschaftlichen Not der Gemeinden zunächst für die finanzielle Sicherung gesorgt werden muhte. Gab dieser Umstand aber der Geichästsführuna das uroralifche Stecht, die kulturelle Seite ihrer Ausgaben absolut anher acht zu lassen? Die folgen dieser Polmk zeigen sich heute, denn der Landesverband entbehrt jeglicher Popularität, ist das Veilchen, das im Verborgenen ' blüht, von dem selbst die berufenen Vertreter der Gemeinden wenig oder noch weniger als wenig wissen. Wenn Herr Dr. freund die Schuld daran bei den Gemeinden selbst finden will, so ist das ein umso bedauerlicherer Irrtum, als gerade er die Indolenz weitester Schichten der Judenheit aus der Praxi» heraus kennt und von Beginn seiner Tätigkeit an dagegen hätte mit den stärksten Waffen ankämpfen müssen. Es genügt dafür nicht. Statistiken aufzustellen und den Verwaltungen auf dem Verwaltungswege irgendwelche noch so wichtigen wirtschaftspolitischen Mtteilungen zu machen, das interessiert im besten Falle einzig und allein die Verwaltungskörperschaften. und auch diese nur in dem von der Zentrale begrenzten Mähe, man hätte sich von Anfana an in den Bahnen bewegen müssen, die Herr Iustizrat Peiser-Breslau angNeutet hat. Die gesamte deutsche Indenhett hätte immer und immer wieder von dem Landesverband hören müssen, der Wea der jüdischen Presse stand immer offen, wurde aber niemals beschritten. Es wäre wünschenswert, wenn nun endlich diesem Mihstand abgebolsen würde, da doch alle Parteien bis auf die Trennungsorthodoxte an dem Landesverband das gröhte Interesse haben. Vieles ist versäumt worden, es ist die höchste Zeit, das Versäumte nachzuyolen. den Landesverband dadurch auf allerbreiteste Grundlage zu stellen. Nur wenn die gesamte Iudenhoit Preußens den Landesverband stützt und trägt, kann er so leben, wie er es nach seiner Verfassung will und soll. Oavoto oonsules! Nun zu der Tagung selbst. Ungefähr 35 Gemeinden waren Vertreten. Nach einer kurzen Begrtthuna durch Herrn Kammekgerichtsrat Wolf seitens der Gemeinde Berlin wurde der Borsitz diesem als Vertreter Berlins, der zweite Vorsitz Serrn Iustizral Goldfeld als Vertreter Breslaus, der dritte errn Rechtsanwalt Dr. Baerwald als Vertreter von Frankfurt a. M. übertragen. Dann berichtete Herr Dr. Freund als Geschäftsführer des Verbandes über die geleistete Arbeit, insbesondere über den Starrb der Verhandlungen mit der Regierung. über dte Frage der staatlichen Anerkennung, über die Tätigkeit auf dem Gebiete der Gesetzgebung und Verwaltung sowie insbesondere auch über die fragen der Staatszuschüsse. Da» überaus reiche Referat im einzelnen wiederzugeben, versage ich mir schon deshalb, weil sämtliche Fragen noch völlig in der Schwebe sind und bisher eine endgültige Regelung noch nicht erfahren haben. Nach dem Bericht ist bei den Landes- und Reichsbehürden viel erreicht worden, aber man kann den Wunsch einiger Herren sehr aut verstehen, dah ste endlich wenigstens eine dieser Fragen erledigt sehen möchten. In erster Linie interessiert natürlich die Frage der staat Üchen Anerkennung. Es ist zweifelhaft, ob die Landes regterung die Befugnisse, die ihr nach der Reichsverfassung zustehen, nicht überschreitet, wenn sie auf Genehmigung besteht. Es ist ebenso zweifelhaft, ob trotz aller Zusagen darauf zu rechnen ist. daß die Anerkennung in absehbarer Zeit erfolgen wird. In engem Zusammenhang mit dieser Frage steht selbstverständlich die der Wahlen zum Landesverband. Die Ansichten darüber waren sehr geteilt und es war von vornherein klar, dah diese Frage das Hauptinteresse der ganzen Verhandlungen in Anspruch nahm. Das Für und Wider wurde eingehend erörtert, und es ist zu bedauern, dah gerade in dieser Frage der Geschäftsführer des Verbandes nur die Tatsachen referierte, ohne irgendwie dazu Stelluna zu nehmerr. Diese Taktik muh den unbefangenen Beobachter vor neue Rätsel stellen. Wollte man sich bei den Delegierten Rat holen, so muhte man auch die eigene Ansicht darüber offen aussprechen, zumal die Praxis doch einige wesentliche Gesichtspunkte dazu hätte beitragen müssen. Warum hat man. wenn man sich auch auf den Standpunkt stellt, dah die Genehmigung des Staates unbedingtes Erfordernis ist. vorher nicht bereits bei den zuständigen Behörden vorgesprochen. ob diese in der Ausschreibung der Wahl einen Eingriff in ihr Aussichlc'recht sehen würden. Aber ganz abgesehen davon, liegt es klar zutage, dah der bestehende geschäftsführende Auöschuh die Erfordernisse dex Verfassung des Landesverbandes keineöivegs auf bmge Zeit erfüllen kann. Das Arbeitsgebiet ist ein großes, dte ArbeitSdedingnngen zu schwer, um ein gedeihliches Arbeiten eines so kleinen und zentralen Ausschusses zu ermöglichen. Und selbst die Gefahr, b-atz eine völlige Ber» faMngSänderung durch den Staat verlangt wird, ist relativ 'irtna zu werten gegenüber den Nachteilen einer so absoluten egterung des Verbandes. Abgesehen davon wird — nach t» Ausführungen des Herrn Dr. Freund — der Staat den reMand um so mehr berücksichtigen, je offensichtlicher eS ist. datz er tatsächlich 'die Gesamtheit des preußischen Judentum» in straffer Organisation umschließt. All diesen Gesichtspunkten kam ein Antrag entgegen, der von den Herren Justiz rat Makow er und Rechtsanwalt Stern. beide Berlin, gestellt wurde. Er verlangt die sofortige Ausschreibung der Wahlen ohne Rücksicht auf Re staatliche Anerkennuna. Während Instizrat Makower in btt Begründung die rechtlichen und allgemeinen Gesichtspunkte dieser Notwendigkeit zeichnete, ging Rechtsanwalt St^rn besonders auf die kulturellen und kultuellen Aufgaben de» Verbandes ein und stellte vor allem den Gedanken der Einheit des preußischen Judentums klar vor aller Augen. Er betonte zudem, dah die preußische Gesamtorganisation den wichtigsten Schritt zur Gesamtovganisation darstelle und wies eindringlich auf die Notwendigkeit dieser hin. Dte Abstimmuna über diesen Antrag, der «ach langer, zum Teil recht erregter DiSkusiton erfolgte, wird wohl keiner der Beteiligten, und hoffentlich auch Aie Geschäftsführung des Verbandes, zu deren Information sie ja einzig und allein dienen konnte und wollte, ernst nehmen. Denn die Vertreter ber Gemeinden waren nicht genügend informiert. Berlin fehlte, und ich konnte sogar beobachten, datz die Vertreter einer Gemeinde sich 'selbst Wer die Frage nicht einia waren. Es ist also nötig, auch öffentlich auf die absolut nichtssagende Bedeutung dieser Stimmenmehrheit gegen den Antrag Makower-Stern (IS Gemeinden mit überragender Dttmmenzahl erzielten die Ablehnung aoaen 19 kleinere Gemeinden! hinzuweisen. zumal hei einer nachher noch vorgenommenen persönlichen Abstimmuna der Antrag die weit überwiegende Mehrheit fand. Der geschäftsführende Ausschuh wird sich hoffentlich recht eingehend darüber informieren und gegebenenfalls noch eine — auch in der Sitzung befürwortete — schriftliche Abstimmuna herbeiführen, die dann bindend wäre. Damit war das Interesse der Tagung in der Hauptsache erloschen, einige unwesentliche Organisationsfragen bildeten den Abschluß. Mau wollte seitens der Geschäftsführung, die in der Verfassung vorgesehenen Ausschüsse schon jetzt in irgendeiner Form einberufen, die Delegierten sprachen sich jedoch in der Mehrzahl mit Recht dagegen aus. Dte Führung der Geschäfte bleibt also in den alten Händen, und eS ist nur zu wünschen, daß diese einen Weg finden, die Arbeit sofort auf breiteste. demokratische Grundlage zu stellen. Vor allem aber muh darauf bingewiesen werden, datz ber Antrag Makower-Stern durch die stattgehabte Abstimmung keineswegs erledigt ist, und es ist der Geschästsfübruna nur zu raten, die ersten Vorarbeiten für die Wahlen auf jeden Fall in die Wege zu leiten, damit gegebenfalls — sei es. daß die staatliche Anerkennuna eintrifft oder die Gemeinden doch für baldmögl'.chstc Wahlen sich aussprechen — auch nicht eine Minute kostbarer Zeit verloren gebt. Videant consulesl Dickmann. Ernst Goth. der bekannte vielseitige und auch aus dem Gebiete jüdischer Publietstik bewährte deutsch-ungarische Journalist und Schriftsteller, ist soeben in Florengestorben. In der Arnostadt, wo er nach arbeitsreicher Zeit endlich Erholung suchen wollte, hat er den Tod gefunden. Einer heftigen Grippe, die, um sich greifend, zum Gehirn vordrang, ist er nach kurzer, aber heftiger Krankheit erlegen. Ernst Goth, der ein Alter von nur 43 Jahren erreicht hatte, konnte an sich den Dank vom heutigen Hause Ungarn erfahren. In Budapest geboren und tief im Wesen der ungarischen Kultur wurzelnd, mit der magyarischen Kunst und Dichtung verwachsen, hat er als Korrespondent deutscher Zeitungen von Budapest aus voller Eifer für die politischen Bestrebungen, für die wirtschaftlichen Interessen seines Landes gewirkt. Unermüdlich hat er für Ungarns Dramatiker und Komponisten, für Ungarns Gelehrte, Schriftsteller. Maler Verständnis und Anerkennung geworben. Auch als er aus der Redaktion des „Pester Lloyd" ausgeschieden war und nach Berlin übersiedelte, war er hier — eine Art Gesandter oder doch Agent der ungarischen Literatur und Kunst — für seine Landsleute tätig. Erst als in Ungarn der kurzen roten Schreckensherrschaft ber schlimmere und langlebige weihe Terror folgte, da trat Goth, zur Leitung der Zentralvereins-Zeitung in Berlin berufen, mit aller Schärfe seiner spitzen und schneidigen Feder, aber auch mit unverkennbarer Liebe zu seiner von der Gewaltherrschaft geschändeten Heimat dem Unfug entgegen. Auch in anderen Blättern versuchte er das „erwachende", aber immer noch schlaftrunkene, wild um sich schlagende Ungarn zur Vernunft zu bringen, aber vergessen waren daheim die Verdienste, die er sich um sein Heimatland erworben. Das «erwachende Ungarn" mit dem eingeschlafenen Gewissen und Anstandsgefühl machte ihm den Besuch der Heimat und der Angehörigen, an denen er mit Liebe hing, unmöglich. In Florenz, wo ihn der Tod ereilen sollte, war er von der rührenden, hingebungsvollen Pflege seiner Gattin, der reichbegabten Kvmponistin und Musikschriftstellerin Selden-Goth. betreut. In der deutschen, in der jüdischen Presse bleibt sein Andenken in Ehren. I. L. Voraussichtliches Wiederaufnahmeverfahren des Beilis- Prozeffes. Im Jahre 1911 fand in Kiew der aufsehenerregende Ritualmordprozeß Beilis statt. Beilis war beschuldigt. einen Knaben zu rituellen Zwecken ermordet zu haben. Er wurde trotz eines hervorragenden Plaidoyers seines Verteidigers Sarnduy verurteilt, aber trotzdem freigelassen. Nichtsdestoweniger ist besonders seit diesem.Prozeß in der antisemitischen Presse das Märchen vom Ritualmord immer wieder aufgetischt worden, obgleich doch die Freilassung, die von der zaristischen Negierung ausgmg. die Haltlosigkeit der Verurteilung hätte zeigen müsien. Jetzt hat der damalige Verteidiger des Beilis. der sich auch als Rechtsgelebrter einen Namen gemacht hat, nach Sammlung des , zur Wiederaufnahme erforderlichen Materials, das die Unschuld des Beilis beweisen soll, bei der russischen Negierung den Antrag auf Wiederaufnahsne des Verfahrens gestellt. _ Er hat dabei darauf bingewiesen. dah endlich die Beschuldigung des Ritualmords beendigt werden müsse. Wie verlautet, dürste die russische Negierung dem Gesuche stattiiehen. Ein Gedenkblatt für die 12 000 jüdischen Gefaller^n hat Professor Max Liebermann dem Rcichsbund jüdischer Frontsoldaten gewidmet. Das Gedenkblatt stellt eine in edelster Haltung klagende Mutter dar. hinter der sich Grab an Grab reiht. Eine kniende Frauengestalt an ihrer Seite pflanzt ein Reis auf ein Heldenarab. Max Liebermann hat in seiner begnadeten Meisterschaft dem Antlitz der Hauptfigur die Zitge tiefsten, aber weihevollsten Schmerzes ausgeprägt. Daß ein Mann von der Bedeutung Max Lie-bermanns gerade jetzt dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten dieses Blatt gewidmet hat. ist ein Zeichen dafür, wie sehr auch der arohe Künstler das Unrecht empfindet, das den jüdischen Kämpfern und vor allem den jüdischen Gefallenen fortgesetzt von völkischer, noch dazu von hoher militärischer Seite zuaeftiat wird. Zur Statistik der Iudenheit. Nach einer jüngst veröffentlichten amtlichen Statistik sind in den letzten 25 Jahren (18üü—-1D23) insgesamt 16 9*29187 Personen nach Amerika eingewandert. Hiervon waren 1787 866 oder 10,6 Prozent Inden. Die Auswanderungsstatistik aus Amerika stellt fest, dah die eingewanderten Juden fast ausnahmslos für dauernd in Amerika verbleiben. — Die „Tschechoslowakische Korrespondenz" teilt über die nationale Gliederung der israelitischen Bevölkerung in der tschechoslowakischen Republik folgendes mit: Bei der Volkszählung 1921 wurden in Böhmen, Mähren und Schlesien 125 083 Angehörige der mosaischen Glaubensgemeinschaft gezählt, und zwar 61199 Männer. 63 984 Frauen. Davon bekannten sich 43 350 als Tschechen. 39 629 als Deutsche. 29 613 als Juden, 1563 zu einer anderen Nationalität, 10905 waren Ausländer. zumeist jn der Tschechoslowakei verbliebene galtzische Knegsflüchtlinge. russische Emigranten, rumänische Zuzügler und ungarische Studenten. Neue Schwierigkeiten in Palästina. Dte valästinensischarabtsche-Erecutive veröffentlicht eine Kundgebung, in welcher der kürzlich von dem offiziellen Ovgan -er aravifch-nattorrale« Partei „Meraat el Sberk" veröffentlichte Bericht, die (Brec* tive hätte während einer Unterredung mit König Huffet» in Sbuna der Annahme der Balfour-Deklaration zuaastimmt unter der Bedingung, datz eine nationale Regieruna in Palästina errichtet würde, bestritten wird. Die Executive erklärt, sie «erde ihren Kampf gegen die Balfour-Deklaration und die jüdfiche Einwanderung fortsetzen. Die arabische Executive versichert dem Volke, sie werde von ihrem politischen Pfad nicht abweichen und die Beschlüsse des sechste» avabischen Kongreßes ausführen. Ein siebenter einzuberuseu« der arabischer Kongreß werde die» zweifelsfrei festste««,. Völkische tm Gottesdienst. Die „Bayrische Bolkszettung" berichtet über einen Zwischenfall in der protestantischen Lorenz^kirche zu Nürnberg. aus welchem hervoraeR, wie sehr die antichristliche Bewegung in völkischen Kreisen Werhand genommen hat. Als vor kurzem in der Kirche eine Fahnenweihe des Stahlhelm-Frontbundes ckbaehalten wurde, und der Prediger das Wort „Unser Herr Jesus Ghrtstu»" aussprach, wurden in der Kirche Rufe laut: .Liudensohn! Iundensohn!" — „Nun kommt er auch noch mit dem Judensohn!" Aus den Gemeinden. F!; : W - Berlin. Zu Ehren des früheren Direktor» der chirurgischen Abteilung am Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde, Geheimrat Profeffor Dr. Ferdinand Karewski, fand eine Gedächtnisfeier statt. Durch Ansprachen der Herren Geheimrat Oberneck und Straus wurde das Leben und Wirken deS Verstorbenen gekennzeichnet. Im Anschluß daran stiftete die Familie das eingerichtete Bibliothekzimmer des Verstorbenen mit der umfangreichen Privatbibliothek für das Krankenhaus. Profeffor Dr. Rosen stein dankte im Namen der Aerzte des Krankenhauses. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden verfügt heute über 6000 Plätze in den jüdischen Anstalten für Gesundheitsfürsorge. 1400 Plätze in den jüdischen Altersheimen und 2600 Plätze in den jüdischen Erziehungsanstalten. Frankfurt a. Mai«. Die im Alter von 92 Jahren auf Burg Grüneburg in Frankfurt, dem Stammsitz der Familie Rothschild, verstorbene Baronin Mathilde v. Rothschild wurde am 12. März an der Seite ihres vor 23 Jahren verstorbenen Gatten, des Freiherr« Wilhelm Karl v. Rothschild im Erbbegräbnis der Rothschilds auf dem israelitischen Friedhof zu Fankfurt beigesetzt. Die Verstorbene ist die Tochter des Begründers des Wiener Bankhauss Amsel von Rothschild. Ratibor. Hier wurde anschließend an die Volkshochschule eine Arbeitsgemeinschaft für Volksbildung gegründet, in die einzutreten sämtliche (auch die jüdischen! Vereine aufgefordert wurden. Als einziger jüdischer Verein ist dieser Aufforderung zunächst nur der jüdisch-liberale Jugendverein gefolgt. Aus Veranlassung desselben sind dann später auch die Kameraden" und der „Blau-Weiß" beigetreten. Aus der Bewegung. Brieg. Am 11. März veranstaltete der hiesige am 4. Februar nengegründete Jli unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde seinen ersten Vortragsabend. Der Referent. Kantor Wolfs, sprach über «Strömungen in dem Judentum des 19. Jahrhunderts". Er kam zu dem Schluffe, datz das Wesen des Judentums hauptsächlich in der Erfüllung der prophetischen Forderung liege: Das Rechte zu üben, das Gute zu lieben und demütig vor Gott zu wandeln. Wenn wir die Indifferenten wieder für das Judentum gewinnen, wenn wir die Jugend für dasselbe begeistern wollen, so müssen besonders die idealen Momente des Judentums hervorgekehrt werden, die auch Christen wie Ernst Renan und Kant begeistert gelobt haben. Die Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Eine Aussprache fand nicht statt. Unser Vertrauensmann. Herr Stern, dankte dem Vortragenden auch im Namen der Bereinigung und sprach die Erwartung aus, daß Kantor Wolfs, der jetzt ein Jahr in hiesiger Gemeinde sein Amt bekleidet, es als eine seiner vornehmsten Aufgaben auch ferner betrachten werde, dem Jli fördernd zur Seite zu stehen. Er überbrachte die Grüße der Berliner Zentrale und empfahl den allgemeinen Bezug der Jüdisch-liberalen Zeitung. Mit einem gemütlichen Beisammensein und Tanz wurde der Abend beschlossen. Sersammlungskalender. Liberaler Verein für die A»gelege«heite« der Jüdische» Gemeinde z« Berlin E. V. (Bezirksgruppe Charlottenburgj. Montag, den 81. März 1924, 7H Uhr. findet im FÜxsttn- Btsmarck-Lyzeum. Charlottenburg, Sybelstr. 2, eine Versammlung der Bezirksgruppe Charlottenburg statt. Oberkantor Wilhelm Friedmann: Ernste Gesänge. Prof. C. Geballe: „Was gibt uns der Liberalismus?" Dr. Salomonskt: Gemeindefragen — Gemeindesorgen. Gäste herzlich willkommen. Jüdisch-liberaler Jugendverein zu Berlin E. V. Donnerstag. den 27. März 1924, abends 8Jtf Uhr. findet in der Rosenstraße 2/4 (Bahnhof Börse! ein Vortrag von Herrn Julius Bab statt über das Thema: Rembrandt und Spinoza. — Freitag, den 28. März 1924, .abends Uhr. im Logenhaus, Kleiststr. 10: Freitagabendfeier. Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiger". Breslau. Sonnabend, den 29. März 1924, abends 8 Uhr, in den Sälen des Hotels „König von Ungarn". Bischofstr. 13.' GesellschastSabend. Spenden für Tombola erbeten an Fräulein Leschztner, Kaiser-Wilhelm-Strahe 21. Luckenwalde. Dienstag, den 35. März 1934, abends 8K Uhr: Bortrag von Herrn Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligsohn-Berlin: Dhema: „Religiöser Liberalismus". Der Bortrag findet im Borraum der Synagoge statt. Werbt für unsere * Bereinigung!