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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-03-01 · 4 (1.3.1924) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
4 (1.3.1924)
Date
1924-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Aus der Bewegung. Berlla. Die Vezrrksgruppe Lharlottenbnrg hielt am 18. Februar eine sehr gut besuchte Werbevcrsammlung im SiemenSrealgymnasium, Schloßstraße, ab. Als erster Redner sprach Herr R.-A- Dr. Heinrich Stern über „Lebendiger und toter Liberalismus". Der Referent gibt zunächst einen kurzen Ucberblick über die Geschichte der Juden Deutschlands, die trotz aller Reaktionen und Hemmungen doch eine stetig syrtschreitende Entwicklung zeigt, insbesondere nach der großen Revolution, die die jüd. Gemeinschaft durch Aushebung des Juvenediktes (Freiherr v.,Stein) erführt. Dem Aufschwung, den das liberale Judentum durch Führer wie Moses Mendelsohn, Abraham Geiger u. a. nimmt solgcn traurige Jahrzehnte des Jndisferentismus, der in den 60 er bis 80 er Jahren den Höhepunkt erreicht. Ztvar fällt in diese Zeit die Vollendung des Aufbaues dev Jüd. Gemeinden, auch bleibt der Jude im neuen Deutschen Reiche zunächst frei und ungehindert, aber gar bald folgt die Welle des Antisemitismus, die viele Indifferente über Bord wirft. Der Abwchrkampf bringt die Einheitsfront von Orthodoxen und Liberalen, einig in dem Gedanken, daß das Judentum eine ethischreligiöse Macht ist. Während nun der Orthodoxie starke Führer, tvie Samson Raphael Hirsch, erstehen, findet das liberale Judenluni, geweckt durch Männer wie Bernhard Breslauer, Bogclstein, Seliginann usw. erst viel später in der „Vereinigung für das liberale Judentum" seinen Zusammenschluß. Der Redner setzt sich dann, mit dem jüd. Nationalismus auseinander: das Jlidcntum verlangt nicht politische Anerkennung, denn es sei keine politisch-wirtschaftliche Gemeinschaft, sondern eine solche auf geistig-sittlicher Grundlage, dementsprechend baut der Zionismus ab, der Liberalismus aber auf. Der Redner setzt sich aber vor allem auch mit den Lauen und Indifferenten auseinairder, die sich nur drei Tage im Jahr auf ihr Judentum besinnen, sonst aber starres Festhalten veralteter Formen von anderen verlangen, die Kritik üben an anderen, es an Ueberzeugungstreue nach innen und außen fehlen lassen und ihren Kindern dementsprechend nicht die großen Ideen des Judentums übermitteln, weil sie selbst sie nicht kennen. Eine Bewegung,, die nicht an eine Zukunft glaubt, und diesen Gedanken nicht aus die Jugend überträgt, ist tot. Die lebendigen Ideen des Liberalismus liegen in dem Glauben an die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums als Träger der großen geistigen Ideen, als da sind: 1. Die Einheit Gottes und der Glaube an die Gerechtigkeit im Leben deS einzelnen und des gesamten Volkes; 2. die Einheit des Menschengeschlecht über alles Trennende himveg und 3. der Glaube an das Recht, das letzten Endes an Stelle der Macht die Welt regieren wird. — Als zweiter Redner spricht Herr Professor Dr. Türk über die Arbeit in der Gemeindeverwaltung. Er berichtet zunächst über die soeben stattgefunden Vorstandsnmhlen, die eine teilweise Erneuerung der Vorstandsmitglieder brachten. Bon den neuen Männern erwartet nran starken Widerstand gegen die immer heftiger werdenden reaktionären Bestrebungen der vereinigten Orthodoxen und Zionisten. Die wichtigste Aufgabe sei die in Aussicht genommene Statutenänderung, die insbesondere von den Gegnern ausgenützt werden soll. Orthodoxe und Zionisten sollen bereits die Erklärung abgegeben haben, daß sie eine Statutenänderung nur annehmen würden, wen» ein Paragraph darin ausgenommen ivird, der den Weg nach links verrammelt. Selbstverständlich werden die liberalen Repräsentanten dies keinesfalls zulassen. Große Ausgaben stünden auch durch den Ausbau des Parochialsystems und der Synagogenvereinigunen bevor. Dieser Ausbau wird eine Dezentralisation der Verwaltungsarbcit bringen, deren Fäden dann in der Zentralverwaltung zusammenlaufen. Das Wohlfahrtsamt habe bereits mit einer Bczirkseintcilung begonnen und sei mit dem Erfolge zufrieden. An die ausgezeichneten Referate schloß sich eine lebhafte Diskussion, eine Anzahl der anwesenden Damen und Herren traten als neue Mitglieder der Ortsgruppe bei. Helene Meyer-Stargard. Vrteg. Hier ist am 4. Februar 1924 ein Jüdisch-liberaler Jugendverein gegründet worden. Den Vorsitz hat Herr Siegmar Friedländer übernommen. Brieg. Unter dem Vorsitz unseres seit Anfang Januar d. I. in Brieg tätigen Vertrauensmannes, Herrn Bankier Martin Stern, ''üJ'itiTii »»iLf'imH ‘'Jl’tiiriVi"!!'niTTn "Ü''mn "ÜJ'uTTii "iyufTTt ^‘'iüituTa “.'iJ‘'l'niinii'H.'iiinti Ä'>n Erhallet Eure Zeitung! fand am 14. d. M. im Saale des Gewerbehauses eine von diesem und dem Vorsitzenden des am 4. d. M. neu ins Leben gerufenen Jüdischliberalen Jugendvercins einebcrufene Versammlung statt, welch von der Gemeinde fast vollzählig besucht war und in welchr Herr Rabbiner Dr. Vogel st ein - Breslau einen Vortrag hielt über das Thema: „Was ist religiöser Liberalismus, und warum sind wir liberal?" Der Vorsitzende begrüßte zunächst die Erschenenen mit dem Ausdruck der Freude über die große Beteiligung und das Interesse der Gemcindemitglicder und berichtete dann eingehend über die Vorgänge am hiesigen Platze, die den heutigen Vortragsabend veranlaßt haben, und über die Tätigkeit des gelegentlich der Anwesenheit des Herrn Generalsekretär Dickmann hier am 6. Januar gewählten Arbeitsausschusses. Sodann machte der 1. Vorsitzende des früheren Jüd. Jugend-Bundes, Herr Kaufmann Siegmar Friedlaender, nähere Mitteilungen über die Tätigkeit des seit 1919 bestandenen Jüd. Jugend-Bundes und die Gründung des Jüd.-libcralen Jugendvereins. Hierauf ergriff, vom Vorsitzenden gelegentlich seines erstmaligen Erscheinens in Brieg im Namen der Gemeinde aufs wärmste begrüßt, Herr Dr. Vogelstein das Wort zu einem IH4 stündigen Vortrage. In fesselnder, wohldurchdachter Rede behandelte er das obige Thema von allen Gesichtspunkten und zeichnete den Wescnskern des Liberalismus mit seinen Aufgaben für die heutig? Zeit, die den Wiederaufbau des in den letzten 10 Jahren zerstörten jüdisch« Lebens zum Ziele hat. Reicher, hier selten gehörter Beifall lohnte den Redner für seine eindrucksvollen, oft geradezu goldenen Worte. Das Interesse, das der Vortragende ersichtlich bei den Zuhörern zu wecken verstanden hatte, offenbarte sich in der anschließenden Diskussion, welch noch eine volle Stunde in Anspruch nahm, und in der außer dem Kantor und Lehrer der Gemeinde auch noch mehrere Mitglieder derselben zu Worte kamen. In dankenswerter, unermüdlichr Weise ging Herr Dr. Vogelstein auf jede einzelne Frage und Anregung ein und gab weitere wertvolle Aufklärungen und Ergänzungen zu seinem Vortrage. Am Schluß der Diskussion sprach Herr Stern unserm Gaste den herzlichsten Dank für die Stunden der Erholung und Erquickung aus, die er der Gemeinde durch seine trefflichen Ausführungen bereitet hatte. Fast 30 Damen und Herren unserer 70 Mitglieder zählenden Gemeinde haben in einer umlaufenden Liste ihren Beitritt in den Jli erklärt. Vereinsnachrichten. Jüdisch-liberaler Jugendverein Berlin. Donnerstag, den 6. März 1924, Fasanenstr. 79/80, Diskussionsabend: „Wir und unsere ch r i st l i ch e n Mitbürger"; Referenten: Ludwig Lcwin und Dr. Friedrich Brodnitz. Der Verein versendet von jetzt ab regelmäßig Monatsprogramme. Außerdeni werden seine Veranstaltungen nach wie vor in der „Jüdisch liberalen Zeitung" angekündigt werden, und zwar im redaktionellen Teil unter der Rubrik „Vereinsnachrichten". Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Von der Zentral wo hlfahrts st eile der deutschen Juden wird uns initgetcilt, daß der F 0 r t b i l d u n g s k u r s u $ f ür Erzieherpersonal, der vom 2.—12. März in Berlin stattfinden sollte, infolge Verhinderung einiger maßgebender Referenten vertagt werden muß. Es hat sich in Anstaltskrcisen lebhaftes Jnetersee für den Kursus gezeigt. Der nächste Termin wird in aller Kürze bekanntgegeben werden. Die nächste Rümmer der «Züdisch-liberalen Zeitungerscheint am 15. März 1924. Redaktionsschlufz 10. März 1924, tags 12 Uhr. mit- Für sofort suchen wir ein jüngeres intelligentes Laufmädchen. die auch zur Erledigung technischer Arbeiten (Kartothek und dergleichen) befähigt ist. Persönliche Vorstellung mitselbstgeschriebenem Lebenstauf in unserem Büro ___ Berlin W 8, Alauerstraße 22. Neubesetzung der Rabbiner-Stelle der Synagogen-Gemeinde Saarbrücken: Die Stelle des Rabbiners der hiesigen Gemeinde ist ab 1. September 1924 unter sehr günstigen finanziellen Bedingungen neu zu besetzen. Nur erste Kräfte, gleich bewährt als Prediger wie als Religionslehrer, werden ersucht, ihre Bewerbung mit Zeugnisabschriften einzureichen. Vorstand d. Synagogen-Gemeinde d. Kreises Saarbrücken: Gottfried Marx. Vorsitzender. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. E. V Vezirksgruppe VI (Nordenl, N 37, Lotlumstr. 22 Sonntag, den 9. März >924. abends 8 Uhr. im großen Saale des Logenhauses Kleiststraße 10 Purim-Tanzfeftllchkeit mit künstlerischen Darbietungen und Tombola. >1 Der Gesamtertrag Ist zur Erhaltung und II || zum Ausbau unsere» Gottesdienste» bestimmt. || Karten sind beim Vergnügungau:s>dutz <Vors Fr«. M. Fa Kruberg, N »7, Dieden« ho ener Strotze W Humboldt sowie i n Hauptbüro Mavr'itr. 22. Merkur 8725, zu haben. — Der Areitag-Abeud-Gottesdieust sinder reqelmützig 6 % Uhr ln der Lqnafioat de» Auerbach chen Waisen! auses, Schdnhnnsrr Allee iö2, Der Vorstand i. A : H. Jaltenberg, l.V.-rs., Norden (3122). ^-... =■=.=•■ . --- 1 ..: -—-^ Iv inderoder H and w eberei Lindorode N .L. Inh. ERICH KLlEH Linderode N.-L. Tisch-, Bett- und Leibwäsche aller Art in besten Qualitäten. Spezialität: Stuben- und Küchenhandtücher, Tischtücher« Servietten | Lieferung kompl. Brautausstattungen sowie vollständ. 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