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Jüdisch-liberale Zeitung · 1924-03-01 · 4 (1.3.1924) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
4 (1924)
Issue
4 (1.3.1924)
Date
1924-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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richtrmgen pflegen dürfen, nnd sie darauf Hinwersen, datz wir über die engen Grenzen eines kleinen Staates hinausgewachsen sind, um der Menschheit das Ideal der messicmischeu Zeit in der Verbrüderung aller Menschen zu bringen. Wir müssen sie anleiten, aus der materiellen Art unserer Zeit sich emporzuheben, aus die wirklichen Höhen des wirklichen Idealismus, daß sie nicht in dem ruhigen Besitz irgendwelcher Werte das Ziel ihres Lebens sehen, sondern in dem Kampf um das Ziel. Vor allem aber müssen unsere Kinder'dazu geführt werden, religiöse Formen als etwas ihnen Liebes anzusehen. Dazu müssen wir allerdings zunächst die Elternhäuser veranlassen, Sabbathe und Feiertage zu begehen. Ich rveitz wohl, datz das Vi.'len widerstrebt, weil ihnen die alten Formen nichts mehr oder nicht genug sagen, aber dann soll man die Formen nicht in Bausch und Bogen wegwerfen, sondern soll sie so umgestalten, das; sie unserem religiösen Gefühl, unseren religiösen Anschauungen und auch unseren ästhe.ischen Empfindungen entsprechen. Man soll nur einmal den Mut haben, damit anzufangen, und man wird in den dankbaren Blicken der Kinder den reichsten Lohn empfangen. Anfänge sind überall vorhanden, ob es die Hagadah von Seligmann oder Kauffmann (Weitzensee) ist, oder eines unserer wirklich liberalen Gebetbücher, ob es eine Freitagabendfeier im Ili oder ein Freitagabendgottesdienst in Berlin N. ist, alles ist dazu angetan, unsere Eltern anzuregen und unseren Kindern wieder Freude an der religiösen Form zu geben. Das Elertnhaus, das den Ruhetag nicht nach der Art der Orthodoxie feiern kann, soll wenigstens durch Hervorhebung anderer Dinge den Sabbath bemerkbar machen. Ob das in der schöneren Kleidung oder in besserem Essen besteht, will ich hier gar nicht erörtern, aber es scheint mir ganz selbstverständlich zu sein, datz wir auch von unseren liberalen Eltern verlangen müssen» datz sie jede Gelegenheit benutzen müssen, mit chren Kindern den Gottesdienst aufzusuchen, und datz sie die Kinder auch an den drei Wallfahrtsfesten z. B. nicht zur Schule schicken sollen, sondern mit ihnen feiern. Dabei müssen wir allerdings unsere alte Forderung immer wiederholen: schafft einen Gottesdienst, der wirklich den Anschauungen liberaler Iuden entspricht, dessen Neuerungen nicht darin bestehen, daß man hier und da ein Stück weglätzt oder ins Deutsche übersetzt, sondern der grundlegend umgestaltet worden ist. so datz er geeignet ist, als ein Idealbild eines Gottesdienstes zu gelten. Dann werden unsere Alten und unsere Jungen wieder in die Synagogen strömen, dann werden sie den Hauch des Feiertages mit in ihre Häuser nehmen und in den Häusem das Ideal des jüdischen Liberalismus verwirklichen. Zur Sanierung des jüdischen Religionsunterrichts in Grotz-Rerlin. Von Lehrer Mar Schwarz, Charlottenburg. Es sei mir gestattet, hier in dieser Frage das Wort zu «ergreifen, obwohl, ich seit Jahren nicht mehr im Religionsschuldienste der Gemeinde stehe, diesen aber aus meiner vieljährigen Tätigkeit von früher her genügend zu kennen glaube. Zur Sanierung des Religionsunterrichts ist vorgeschlagen worden zunächst die Anstellung eines -fachmännischen Schuldezernenten, dem das gesamte, weitverzweigte Gebiet des Religionsunterrichts unterstellt ist, u dessen Händen?>ie Fäden desselben zusammenlaufen, und der zugleich die Inspektion des Unterrichts zu übernehmen hat. Ferner betonte man die Notwendigkeit der Dezentralisation des Unterrichts durch Bildung von Schulbezirken, deren Schulen besonderen Bezirksschulkommisstonen unterstellt sind, und die Gründung von Samnielschulen, die die Schüler verschiedener, nahe beieinander liegenden Schulanstalten vereinigen. Schstetzlich forderte man die Anstellung von besser qualifizierten Lehrkräften, die zu allermeist in Hauptamte und daher mit eingehendem und vertieften Interesse IM dem Religionsuntericht kingeben — und die. so möchte ich hlnzufügen, sich zum Mittelpunkte machen müssen aller rengwsen Interessen ihrer Schüler und ihnen Helfer und Berater werden müssen in allen Fragen und Nöten, die «Surv« aus Zusammenleben mit ihren christlichen Mitschülern und Lehrern erwachsen. Möchte diese Vorschläge hier keinesfalls kritisch beleuchten. sondern annehmen, datz sie erfolgversprechend sind und eme Besserung erzielen werden, möchte aber behaupten., der rechte, uns allen erwünschte Erfolg ausbleiben wird,! wenn man sich nicht bemüht, zugleich auch eine engere, i mige * ^Verbindung zwychen Schule und Eltemhaus herzustellen. ^mS$Ien ®ertmbunflf der Mangel jeglichen Zusammenhangs zwischen Religionsschule und Elternhaus und s rcTuItictenbc Interessclosigkeit der Eltern ist tS ,L?r?ib?La\benen un,er Religionsunterricht Mtni!!e7!Mt N bm °EädtiIch°n V». 3U . erstens und vor allem die Anstellung von Religionsschulpflesern und -Pflegerinnen, zweitens die Veranstaltung von Elternabenden (neben stärker zu betonenden Schulfeiern insbesondere Chanukkah- und Purimfeiern).?^^^bfeiern sind ja wohl auch schon bisher veranstaltet worden, aber sie dürfen nicht wie bisher als Einzelerscheinung und als Ausnahme auftreten, sondern sie müssen mne ständige, an allen Schulen gepflegte, ja obligatorische Einrichtung werden. Die Veranstaltung solcher Feiern braucht Nicht dem Lehrerkollegium allein zu obliegen, sondern dieses kann sich die Unterstützung der Eltemkreise ’v®1* gnade hier freudig bereit sein werden, ihr Können m den Dienst der Schule zu stellen. ~ T. n fiteres, wohl bedeutsamer"? Bindemittel zwischen ÄM^blchule und Elternhaus sollen die Eltemabende -«^Hnnchtung der Elternabende ist uns ia öffentlichen Unterricht bekannt. Art und Wci-e Iden n^e?nJta!-!?,-n9 fQnn. von dorther übernommen wer- .^^^LIbenden wird die Schule Geleaenbeit haben, ^der Wünschen und Belehrungen an die Gesamtheit knLÄLn""bsrm Wünsch- und M A nns'elch wich izer a's diese b-id°n VeranstaltiM" stelluna °'n-unabweisbare Fnrderung schein» mir die Ankein tznÄ. ^-.IsUwnsschiilvflegern und -Pflegerinnen zu!>» Elternabende an die Gesamtheit PNeaerlnvE ^IC Tätigkeit der Pfleger und nut bet™eÄras °n^'ne.religiös gefährdete Saus. isen Sprotzlingen die Schule unzufrieden ist. Auch der Begriff der Schulpfleger ist uns von der Volksschule her bekannt. Dort hat die Pflegerin die Aufgabe, darauf zu achten, datz die Anordnungen des Schularztes von den Eltern beobachtet und in der rechten Weise ausgeführt werden, wobei sie den Eltern mit ihrem Rate zur Seite stehen soll. Aehnlich denke ich mir die Tätigkeit der Religionsschulpfleger und -Pflegerinnen. Diese — Lehrkräfte, die vielleicht zu einem Teile mit Unterricht betraut, zum anderen Teile sich der Pflegertätigkeil hingeben — empfangen von dem Schulleiter und den Lehrern die Mitteilungen über diejenigen Schüler und Schülerinnen, die die Unzufriedenheit der Schule durch mangelhaften Fleitz und geteiltes Interesse, durch häufiges Fehlen und durch schlechtes Betragen sich zugezogen haben. Sie begeben sich m das betreffende Elternhaus und suchen hier in zwangloser Unterhaltung mit den Ellern den Gründen für die Schäden nachzugehen und für Abstellung derselben zu sorgen. In solcher Unterhaltung werden die Pfleger Gelegenheit haben, wo es nötig ist, auch auf die Eltern selbst in religiöser Beziehung einzuwirken, was ihnen häufig durch ihre sachliche Ueberlegenheit gelingen dürfte. Freilich wird es darauf ankommen. datz hie Pfleger eindrucksvolle Persönlichkeiten sind, die mit Takt und Feinfühligkeit, ohne schulmeisterlich und aufdringlich zu sein, die Unterhaltung mit den Eltern zu führen wissen. Man wende nicht ein, datz dre Eltem sich solcher Unterhaltung abgeneigt zeigen werden. Ich behaupte aus meiner Erfahrung heraus das Gegenteil. Denn ich war als Religivnsschullehrer häufig selbst mein eigener Schulpfleger, besuchte das elterliche Haus und fand stets meine Mühe durch den Erfolg belohnt. Ia. einmal war es mir gelungen, einen Knaben, der seinen Freunden zuliebe an dem christlichen Religionsunterricht der Schule teilgenommen hatte — was die Eltern in ihrer Schwäche hatten hingehen lassen — wieder dem jüdischen Religionsunterricht zuzuführen. Mit grötzter Achtung, ja mit freudigem Erstaunen .waren die Eltem mir entgegengekommen, freudig und erstaunt darüber, datz der Lehrer, den sie als den Beauftragten der Gemeinde anfahn, in ihr Haus komme, um sich der Erziehung ihres Kindes anzunehmen. Und die psychologische Unterlage für dieses Entgegenkommen war mir nicht schwer zu finden. Denn wie liegen doch die Dinge in religiöser Beziehung in den meiisten jüdischen Häusem der Großstadt. Da zieht eine jüdische Familie aus einer westpreutzischen. posenschen oder oberschlesischen Kleinstadt nach Berlin. Mag sie mehr oder minder religiös interessiert gewesen sein: sie wurzelte im Heimatstädtchen im Leben der Gemeinde, und das gab ihrem eigenen religiösen Leben Halt und Sicherheit. In die Grotzstadt verpflanzt, fühlt sich diese Familie von dem Boden des Gemeindelebens losgerissen, in religiöser Beziehung vereinsamt, verlassen und auf sich selbst angewiesen. Man gibt die Kinder in die nächste Relwionsschule oder lätzt sie am Religionsunterricht der öffentlichen Schule teilnehmen und bemerkt alsbald, datz die Leistungen wesentlich hinter denen in der Heimat Zurückbleiben. Die Kinder ihrerseits lernen von ihren Mitschülern den Religionsunterricht geringer bewerten. als den anderen Unterricht, weil er für dir Versetzung keinerlei Bedeutung hat. und den Lehrer bespötteln, der oft seelenlos einen Unterricht erteilt, der ihre Herzen nicht zu erfassen vermag. Die Eltem beklagen den Zustand, ohne eine Möglichkeit zu finden, ihn zu ändem. Ia, sie selbst, sie stehen im harten Lebenskampf der Grotzstadt. der ihre Kraft und Zeit völlig in Anspruch nimmt. Die häuslichen Feiern von Sabbat und Festtagen, die in der ersten Zeit noch beobachtet worden sind, sie verlieren mit der Zeit ihre Bedeutung, da man ihnen nicht mehr mit innerer Weihe und seelischer Bereitschaft entgegenkommen kann — und werden schließlich ganz aufgegeben. Aber je mehr die Eltern fühlen, datz sie ihren Kindern nicht mehr geben können, was sie geben sollten, desto mehr fordern sie von der Schule, datz sie gebe, was sie geben mutzte. Daher die vielen Klagen über mangelhaften Religionsunterricht, die man überall vernehmen kann, wo immer man in ein jüdisches Elternhaus hineinhorcht, und die diesem doch nur ein günstiges Zeugnis ausstellen. Es ist in letzter Zeit so. häufig der Appell an das Eltemhaus gerichtet worden; aber Mahnung und Vorwurf allein werden wirkungslos verhallen und zu nichts führen. Die Gemeindeverwaltung dringe vielmehr seelsorg eri sch als guter Hirte im Sinne des Propheten mit ihren religiösen Institutionen in das vereinsamte jüdische Haus, suche es aus seiner religiösen Vereinsamung und Verlassenheit herauszuheben und in Verbindung mit dem Gemeindeleben zu setzen*). Das tut sie seit einer Reihe von Iahren durch das Eemeindeblatt, das zum Segen in unserer Gemeinde geworden ist, das aber vielfach nur die einzige Bindung zwischen Haus und Gemeinde darstellt: das tue sie auf oem Gebiet der Erziehung durch die Anstellung von Religionsschulpflegem und -Pflegerinnen, und tue es auch auf anderen Gebieten religiösen Lebens durch andere Institutionen. Ie mehr es gelingt, das jüdische Haus aus der religiösen Vereinsamung herauszuheben und auf den Boden des Gemeindelebens zu verpflanzen, desto mehr wird jenes von hier aus Stärkung und Reubelebung erfahren, was der religiösen Erziehung zugute kommen wird. Denn es gilt von den Erotz-Verliner Iuden bezüglich des religiösen Lebens das Wort, das einst Bismarck in politischer Beziehung von den Deutschen gesprochen hat: „Man muh sie nur in den Sattel heben, reiten können sie von selbst." lichen Menschen: „Gelobt sei Gott, der einen solchen gab unsrem Vater Abraham." Ein jeder, der den Heimgegangenen kannte, wird mit ganzen: Herzen diesen Segen mitsprechen, denn ein Kidusch haschem, eine Heiligung Gottes war sein Wirken und Schaffen. Er beschränkte sich bewußt auf den Wirkungskreis, in den er vor 38 Jahren gestellt wurde, als er als Abiturient des Lehrerseminars in Alzey die besondere Gunst seines Direktors und oadurch die Aufmerksamkeit der hessischen Schulbehörde fand, so daß er nach kurzem Warten an die simultane Volksschule in Offenbach berufen wurde. Das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen, blieb sein Streben; verschiedene Generationen von Arbeiterkindern hat er herangebildet, er gab ihnen von seiner Tüchtigkeit, seiner Gewissenhaftigkeit, seiner Wahrhaftigkeit. Darum fand er auch in seiner Wirkungsstätte Ehre, Achtung und Ansehen wie selten einer. Es sei ruhig ausgesprochen, daß sein Name in weiteren Kreisen der jüdischen Oeffentlichkeit, auch der jüdischen Lehrerschaft weniger bekannt blieb, als der manches anderen; aber um so deutlicher sei ausgesprochen, daß an der eigenen Wirkungsstätte kein Name einen besseren Klang hat und keiner ihn mehr verdiente. Ja, das ist das beste Zeichen seines echten Edelwertes, daß diejenigen, die ihm ganz nah standen, ihn am meisten schätzten. Er war von je der Stolz und die Freude seiner Familie, auf sein Beispiel wurden wir als Kinder hingewiesen und als Jünglinge strebten wir ihm nach. Was er als junger Mann seinen früh verwaisten jüngeren Geschwistern war, will ich mit einem alles umchließenden Wort aussprechen: ein Vater. Ein Vater seinem Kinde, seiner einzigen Tochter, zu sein, war das Glück seines Lebens. Die Liebe seines Kindes und seines WeibeS war der Gotteslohn für das Gute und Edle, das er gewollt und vollbracht hat. Was ich vor 26 Jahren bei der Einsegnung seines Ehebundes zum Motto wählte, ist in seinem Herzensbunde Wahrheit geworden, das Wort des Hohenliedes Ani ledaudi wedaudi li. Ich gehöre meinem Erkorenen und mein Erkorener mir. Der Midrasch bezieht dieses Wort des Hohenliedes auch auf das Verhältnis Israels zu seinem Gotte. Auch in diesem Sinne ward eS Wahrheit in seinem Leben. Die frommen Eindrücke der Kindheit, die er zumal im Hause unserer Großeltern empfangen, reiften in dem Jüngling und Manne zu einem starken jüdischen Idealismus, der seines Wesens und Lebens Krönung bildete. Der Jugend im Religionsunterricht von seinem jüdischen, von seinem religiösen Einpfinden zu geben, teilzunehmen an den Bestrebungen seiner Gemeinde, in denen jüdisches Leben pulsiert, dazu trieb ihn sein Herz. Als Schüler seines ersten und eigentlichen Lehrers, der ihm die Lebensbahn gewiesen und vorbereitet, des wackeren Karl Marx in Alsheim, wurde er nach dessen Heimgang sein Nachfolger im Verwaltungsrat der Achawa, der Lehrer- Witwen- und -Waiscn-Kasse in Frankfurt a. M. Das meiste aber, was er für den jüdischen Lehrerstand bedeutet, liegt nicht in dem, was er für denselben getan, sondern in dem, was er gewesen. Er war eine Persönlichkeit von seltenem Wert, und hat in dem Kreise, in dem er gelebt und gewirkt hat, den Begriff eines Lehrers so hoch gestellt, daß man da, wo man ihn kennt, mit diesem Begriff die Vorstellung eines geistig und sittlich besonders wertvollen Menschen verbindet. Gelobt sei Gott, der einen solchen gab unserem Vater Abraham. B o ch u m, den 14. Februar 1924. Rabbiner Dr. David. Aus aller Welk. Emil Gabriel in Offenbach zum Gedächtnis. Ein paar schlichte Worte möchte ich meinem Vetter Emil Gabriel, der am 11. Februar von uns gegangen, widmen. Nicht Worte der Klage sollen es sein, so natürlich und berechtigt sie auch wären ob solchen Menschenadels, der allzufrüh ins Grab sinken mußte. Aber gerade weil alles an ihm und in ihm so ebenmäßig gestaltet war, sei auch sein Tod ausgenommen in die wunderbare Harmonie seines Lebens, das auf der Höhe des Schaffens seine Vollendung fand, ohne berührt zu werden von des Alterns Unvollkommenheiten. Wie es uns beim Anblick einer schönen Landschaft treibt, des Schöpfers Preis zu singen, wie wir Juden beim Anblick eines Fürsten oder eines Weisen Gott loben, der ihnen von seiner Majestät und Weisheit gegeben, so möchte ich die Worte nachsprechen, die einst ein Lehrer Israels sprach, als seine Seele Wohlgefallen fand an einem vortreff- *) Man vergleiche hierzu den Artikel „Austritte aus dem Judentum" in Nr. 2 des Gcmeindcblattes vom 1. Februar. Eine Gedenkfeier zu Ehren der deutschen Gefallenen. Berlin. Der „Volksbund deutscher Kriegsgräbersürsorge E. V", der Anfang Februar 1922 im Verein mit zahlreichen großen wirtschaftlichen und kulturellen Verbänden an die Reichsregierung eine Eingabe mit dem Ersuchen um gesetzliche Festlegung eines Volkstrauertages zu Ehren der deutschen Gefallenen des Weltkrieges gerichtet hatte, veranstaltet, um diesen Gedanken öffentlich zum Ausdruck zu bringen, gemeinsam mit den übrigen beteiligten Verbänden am Sonntag, den 9. März 1924, um IlN/z Uhr vormittags, im Großen Schauspielhaus eine Gedenkfeier zu Ehren der deutschen Gefallenen. Von jüdischer Seite sind der Deutsch-Israelitische Gemeindebund und der Jüdische Frauenbund Deutschlands an der Aktion beteiligt. Die Gründung einer jüdischen Bolksbundliga. Wien. Am Sonnabend, den 16. Februar, fand hier die Gründung einer jüdischen Völkerbund-Liga für Oesterreich statt. Zum Präsidenten wurde Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes gewählt. Zangwills 6«. Geburtstag. Israel Zangwill ist 60 Jahre alt geworden. Zangwill, der einer der bedeutendsten jüdischen Erzähler der Gegenwart ist, hat in seinen Erzählungen alle Schichten der jüdischen Gesellschaft Englands geschildert. Von seinen Romanen seien als die bekanntesten der „König der Schnrrer", „Kinder des Gheotto" und „Träumer des Ghetto" genannt. Zwei alte Synagogen als nationale Denkmäler. Paris (I. T. A.). Die französische Negierung beauftragte die Kommission für historische Denkmäler, die zwei alten jüdischen Synagogen in Carpetras und in Cavaillon, die aus dem dreizehnten Jahrhundert stammen und von eigentümlicher Schönheit sind, in Obhut zu nehmen. Die Ornamentik beider Synagogen zeugt von einer besonderen jüdischen Holzschnitzkunst. Zentralorganisation der jüdischen Gemeinden Posens und Pommerellens. Posen (I. T. A.). Auf einer Konferenz der jüdischen Gemeinden der Distrikte Posen und Pommerellcn wurde beschlossen, eine Zcntralorganisation der jüdischen Gemeinden Posens und Pommerellens zu errichten, die ihren Sitz in Posen und Thorn haben soll. Bannspruch des Warschaner Rabbinats. Warschau (I. T. A.). Das Rabbinat hat gegen die Herausgeber der Sonnabend-Ausgabe des bundistischen Organs „Arabische Folkszeitung" den Bann (Cherem) ausgesprochen. Die Juden an den polnischen Hochschulen. Warschau (I. T. A.). Ueber den Prozentsatz der Juden an den polnischen Hochschulen erfährt der I. T- A.-Bertreter aus zuverlässiger Quelle folgendes: An der Universität zu Krakau sind 5256 Studenten inskibiert, darunter 1696 Juden (32,3°/o); in Lemberg 6016 Studiereende, darunter 2643 Juden (33,78o/o); in Warschau 8842 Studierende, darunter 2807 Juden (31,7o/o); in Posen 3330 Studierende, darunter 22 Juden (0,7 o/o). — Warschauer Polytechnikum 4322 Studierende, 637 Juden (14,7o/o); Lemberger Polytecknikum 2454 Studierende, 329 Juden (13,4o/o); Krakauer Bergakademie 120 Studierende, keine Jude; Tierärztliche Hochschule 294 Studierende, 39 Juden (13,28o/o); Krakauer Kunstakademie 150 Studierende, 8 Juden (5,3°/«); landwirtschaftliche Hochschule 929 Studierende, 2 Juden; Warschauer Pädagogium 135 Studierende, 3 Juden; Warschauer zahnärztliche Hochschule 304 Studierende, 139 Juden (45,7o/o). Plan einer internationalen jüdischen Akademie. N e w A 0 r k (I. T. A.). Die hiesige jüdische Akademie teilt mit, sie werde ihre Veröffentlichungen kritischer Schriften zu Hauptwerken des jüdischen Schrifttums in Zusammenarbeit mit gleichstrebenden auswärtigen Körperschaften vornehmen und die Errichtung einer internationalen jiidischen Akademie anbahnen.

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