Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 3 (1923)
- Issue
- 31 (28.12.1923)
- Date
- 1923-12-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Dabei hatte er — das darf nicht verschwiegen werden — in seiner Gattin eine ebenso kenntnisreiche wie feinfühlige Helferin, die an all seinen Arbeiten verständnisvoll mitwirtte. Lange bevor die Volkshvchschulbewegung aufkam, hielt E. im Verein mit Theologen, Aerzten, Professoren usw. in Bielefeld öffentliche populär-wissenschaftliche Vortragszyklen in der Au*a des Gymnasiums. Schopenhauer, Nietzsche, Kant, der jüdische Prophetismus und ähnl. waren seine Themen. C. hatte nicht den Ehrgeiz, in diesen Vorträgen „schöpferisch" wirksam zu sein, er wollte nur reproduktiv wirken; mit dem Fleiße einer Biene trug er emsig Stück um Stück sein Material zusammen, aber dann* war der Vortrag wie aus einem Guß Gerade Dr. Eoblenz' Vorträge erfreuten sich gewaltigen Zulaufs aus christlichen und jüdischen Kreisen, wie auch seine Predigtgottesdiensteoft zahlreiche nichtjüdische Hörer, besonders aus akademischen Berufen, in die Synagoge führten. — So darf es nicht wunder nehmen, dag C. sich in Bielefeld eines ganz ungewöhnlichen Ansehens erfreute. Neben feiner rednerischen Wirksamkeit und seinen in der Bielefelder Tagespresse erschienenen Artikeln schätzte man die außerordentliche Tatkraft, den klugen Rat des erfahrenen Mannes. Das Ansehen drr ganzen Gemeinde gewann durch sein Wirken, das als ein rechter „Kiddusch Haschern" bezeichnet werden darf. Dr. Eoblenz war ein hervorragender Lehrer mit besonderer pädagogischer Veranlagung für die höheren Schulklassen. Der Anarchie im Religionsunterricht machte er ein Ende; in den vielen Jahren seiner Bielefelder Wirksamkeit kam kaum ein Dispens eines Schülers vor! Welcher Großstadlrabbiner dürfte sich dessen rühmen, daß von Serta bis Unterprima kein Schüler dem Unterricht je ferngeblieben ist? Dabei folgten besonders die Schüler der oberen Gymnasial- und Lyzealllassen mit wahrem tzeuereifer seinem Unterricht. Diese Stunden der Ober- Nassen wurden zu ernsten religions-philosophischen Auseinandersetzungen, die mit manchen früheren Schülern und Schülerinnen noch jahrelang während deren Universitätsstudiums und darüber hinaus fortgesetzt wurden. — Eine praktische Frucht seines Religionsunterrichts war das von E. herausgegebene Religionsbuch: hier wurde zum ersten Male der Versuch gewagt, von der bis dahin üblichen Katechismusform abzuweichen und eine zusammenhängende Darstellung der jüdischen Religion zu geben. Wenn dieser Versuch auch nicht auf den ersten Hieb gelang «nd das Buch gewiß zahlreiche Mängel aufwies, so schoß doch die bald nach dem Erscheinen des Buches einsetzende Kritik weit über jedes Ziel hinaus. Die orthodoxen Kritiker in ihrem Farca'ismus, neidische liberale Verufsgenossen in ihrer Gehässigkeit fanden sich einträchtig zum Autodafe zusammen. Das Ergötzlichste war der „Beschluß" einer ostdeutschen Relegi.onslehrer-Konferenz. die nach dem Referat eines Rabbiners das Coblenzsche Buch als unseeignet für den Religionsunterricht ablehnle. Tabci wukde die Feststellung gemacht, daß außer dem Referenten, dem Leiter der Versammlung und ein oder zwei sonstigen Teilnehmern niemand das Buch vorher auch nur in der Hand gehabt, geschweige denn gelesen hatte! Demgegenüber fand E. gerade in Lehrer- und liberalen Rabbinerkreisen außerordentlich sympathische Zusttmmung. — Besonders verdient machte er sich um die Ausgestaltung des Religionsunterrichts in der Provinz Westfalen. D urch' feine Initiative richtete der von ihm mit dem verstorbenen Bankier Moritz Katzenstein aus Bielefeld geschaffene „Verband der Synagogengemeinden Westfalens" eine Schulk o m m i s s i o n ein, als deren Mitglied er an der Herausgabe eines „Lehrplans für den Religionsunterricht" führend beteiligt war. In diesem Zusammenhang mag auch seines sonstigen hervorragenden Wirkens im „Verband der Synagogengemeinden Westfalens" gedacht sein. Fast alle jüdischen Gemeinden Westfalens sahen in dieser Organisation ihre offizielle Vertretung. E. war in ihr von führendem Einfluß: man darf sagen: er war bis zu feinenr Fortgange aus der Provinz der Führer der westfälischen Iudenheit. Das hat ihm mancher nie vergessen können. Aber trotz seines ausschlaggebenden Einflusses hütete er sich stets vor einem Eingriff in die religiösen Angelegenheiten der angeschlossenen Gemeinden. Bei aller Begeisterung für die Idee des liberalen Judentums ließ er sich nie zu irgendwelcher Intoleranz Hinreißen. — In den großen Organisationen des deutschen Iudentums Pressefonds. Für den Pressefonds der Jüdisch-liberalen Zeitung gingen ein: Aus Berlin: Ludwig Klingcr, Dr. Bett je 100,—, Georg Wolfsohn u. Co. 42,—, Carl Herzberg 20,—, Direktor Schnittkitt 10,—. Airs Potsdam: Jüdisch-liberaler Jugendverein 10,—. Aus Stettin: durch Herrn Rabbiner Dr. Nellhaus 18,40. Aus Hanrm: Dr. Michaelis 1,—. Aus Breslau: Erich Königsberger 0,50 M. Für die Ruhrhilfe für jüd. Bergarbeiter liefen ein von Jakob u. Scheidt A.-G., Berlin, 30,—, Dr. Lipschitz, Berlin, 0,50 M., die wir bereits weitergelcitet haben. har er sich nicht in dem Maße betätigt, wie man es von einem Manne seiner Art wohl erwartete. Stets fürchtete er, seine Kräfte zu sehr zu zersplittern, und wollte lieber in kleinerem Kreise Vollendetes wirken. Das war eine leider zu weist Selbstbeschränkung des bescheidenen Mannes, die inan nur tief bedauern kann. — Sein Verhältnis zum Zentralvcrcrn war immer recht kühl. Zwar hat er mit den Antisemiten Westfalens und der Nachbargebiete manchen Strauß erfolgreich durchgefochten; er war gefürchtet als ein hiebfester Debatter. Aber die Arbeit des Zcntralvereins erschien ihm nickst positiv jüdisch genug. Er fühlte sich ganz als Deutscher, verwarf jedoch die Fehler Naumanns und seiner Freunde, deren Mangel an Selbstachtung gegenüber christlichen Kreisen er in jüdischem Stolz verurteilte. Eine Welt trennte ihn von den Zionisten, deren Gesinnungstreue und Idealismus er jedoch alle Achtung zollte. — Eoblenz war eine ernste Natur, doch im geselligen Kreise auch ein unterhaltsamer Plauderer. Ein Grundzug seines Wesens war seine große Hilfsbereitschaft gegen jedermann. Mit feinem scharfen Urteil war er ein guter Ratgeber: er übersah im Augenblick die kompliziertesten Zusammenhänge und traf schnell kluge Entschlüsse. Der Halb- und Unbildung war er abgesagter Gegner und legte seinen Verkehr deshalb in die Kreise, in denen er die tiefste Bildung zu finden hoffte. Mit Gelassenheit elstrug er die Gegnerschaft der Auch-Gebildeten, die ihm deswegen zürnten. — Ms Eoblenz während des Krieges die ihm schon einmal einige Jahre früher angetragene Stelle eines Predigers an der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin annahm, waren manche seiner Gegner nicht wenig froh, den geisttg und sittlich überlegenen Mann auf solche Weise „loszuwerden". Was wußten sie auch von seiner Bedeutung! Der größte Teil der westfälischen Iudenheit aber bedauerte aufs tiefste seinen Fortgang, weil man selbst in gegnerischen Kreisen fühlte, daß er ein Mann von nicht gewöhnlichem Ausmaß war. Das deutsche Judentum unserer Tatze hat viele hervorragende Männer. Es sind unter ihnen ehrlich liberal wirkende Kräfte. Keiner aber war so konsequent in seiner liberalen Gesinnung und Wirksamkeit, keiner hctt so unentwegt alten Anfeindungen zum Trotz immer demselben Ziele zugestrebt wie er. Die einen wurden alt und fanden sich reuig in den Schoß des allein selige machenden „positiven" Iudenttlms zurück: andere glaubten Zeichen von Jugend zu geben, wenn sie dem früher heftig und laut von ihnen bekämpften jüdischen Nationalismus demütigen Tribut brachten. Dieser eine Dr. Eoblenz blieb sich selber treu bis zuletzt! Don der Parteien Haß und Gunst nicht verwirrt, war und blieb * er ein ganzer Mann. Der Religionsunkerrichl in der Gemeinde Berlin. Gedanken zu Dr. I. Freunds „Denkschrift betreffend die Reform des Religionsunterrichts". Von Lehrer Robert Hirschseid. Diese Denkschrift ist schon vor einigen Jahren erschienen und einem kleinen Kreise zugänglich gewesen. Der Verfasser klagt darin zunächst über den mangelhaften Zustand des Religionsunterrichts in Berlin. Rach seiner Meinung liegt die Schuld daran, daß der Religionsunterricht an den höheren Schulen in Konkurrenz steht mit dem an den eigentlichen Religionsschulen. Er schlägt vor, durch eine Zusammenfassung der verschiedenen Schulen in einen Bezirk eine straffere Organisation herbeizuführen. Hierin muß man ihm unbedingt Anstimmen. Denn, wenn es möglich istz die Schüler nach! Klassenstufen getrennt zu unterrichten, wenn die Religionsi klaffen richtig gefüllt sind, so kann viel mehr erreicht werden als bei dem heutigen Zustande. In unseren höheren Schulen sind nämlich meist mehrere Klassen, oft in ganz unglaublichen Zusammenstellungen, miteinander vereinigt, und noch schlimmer ist es in den Religionsschulen. Wenn Herr Dr. Freund aber meint, daß man diesen Unterricht in den Rach^ mittag legen solle, so befindet er sich in dem irrigen Glauben, daß unsere Schüler freiwillig nachmittags zum Unterricht kommen werden. Ms Theoretiker kennt er nicht die Schmerzen, die bei einem Kinde ausgelöst werden durch Klavierslunden, Geburtstage und ähnliche wichtige Ereignisse, unter denen die Frequenz des Nachmittagsunlevrichts unbedingt leiden würde. Man müßte vielmehr dahin streben, den gesamten Religionsunterricht parallel zum evangelischen in die Voriiiittagsslnnden zu legen. Allerdings müßte durch Verhandlungen mit den Behörden dafür gesorgt werden, daß der Unterricht nicht nur in den Anfangs- und Endstunden liegt, sondem. wie es in einzelnen Schulen schon durchgeführt ist, über den ganzen! Vormittag verteilt. Damit würde erreicht werden, daß eine Reihe von Lehrkräften voll beschäftigt und ausgenutzt j werden könnten. Und die jüdische Gemeinde könnte dafür i sorgen, daß diese durch feste Anstellung gesichert würden.! Dabei müßte allerdings eine sorgfältigere Auswahl der! Lehrkräfte stattfinden als bisher, und auch ihre fortlaufende Inspektion röäre eine dringende Forderung. Ob bei solch einer Organisation die in dem Bezirk liegenden Gemeindeschulen bei ben höheren Schulen mit berücksichtigt werden könnten oder nicht, müßte von Fall zu Fall entschieden werden. In manchen Bezirken haben wir nur wenige hr» Synagogale Altertümer. Don Professor Dr. Ing. Alfred Grotte. So ehrwürdig alt das Judentum als solches ist und obgleich dieses als Knlturwcrk seit Jahrtausenden angesehen wird, seine Kunstlbctätigung wird noch immer nicht voll gewürdigt. Das l)at nicht nur seiueu Grund in dem Aberglauben, sein Kult sei direkt kulturfeindlich «nd verbiete ihm jede künstlerische Betätigung — Gurlitt sagt sogar wörtlich: „Wer im mosaischen Sinne fromm ist, hat^dir Kunst zu hassen" (!) —: der Grund liegt auch darin, daß jüdische Gelehrte aller Gebiete sich bisher weit intensiver mit d:r Kunst anderer Völker und Kulte befaßten und — so paradox es auch klingen mag — die Erforschung jüdischer Kunst den an dieser Materie scheinbar interessierten nichtjüdischcn Köpfen überließen. Man denke an die zahlreichen Monographien über den Tempel in Jerusalem und wird in diesen vergeblich nach jüdischen Autoren suchen. Vor ',4 Jahrhundert setzte die ernsthafte wissenschaftliche Forschung über jüdische Kunstdenkmülrr ein — sic ist auf den streng katholischen Direktor dcS Düsseldorfer Knnstnuiseums, den verstorbenen Heieirich F r a u b e r g c r znrückzusührcn. G u r l i t t bearbeitet im Band „Kirchenbau" des Handbuches der Architektur das Kapitel über Synagogen, aus den, oben ein bezeichnendes Zitat gegeben ist, nachdem schon voeher Klasen diese Materie in seinen „Grundrißvorbildern" dürftig und ohne besondere Wissenschaftlichkeit behandelt hatte. Alle diese Vorarbeit, so wertvoll sie auch im eiuzeluen sein mag, mugte Stückwerk bleiben. Denn eine Kunst, die so tief im Kult verankert ist. wie die jüdische, konnte nur derjenige voll erfassen, das zarte Pflänzchen, das diese Kunstbetätigung tut Gestrüpp religiöser Dogmen roechllt, richtig würdigen, der selbst in dem Glauben des Judentums erzogen war, ihn richtig wcrten und fasscu konnte. Darum ist auch alles, tvas bisher über das Nalioualhciligtuin von archäologischer Seite geschrieben wurde, Stückwerk geblieben; stets einseitig bejubelt erscheinen die zahlreichen, z T. trefflichen Versuche einer Restauriccuug di s.'s gigantischen Baues. Hier der Archäologe, der nach den technisch unhaltbaren Angaben des Josephus arbeitet und, wo dieser schweigt, seine eigene Phantasie spielen läßt, dort der Theologe, der sich streng nach den Angaben des Talmuds richtet, vergessend, daß milnd.iche Ueberti serung in Bausachcn ersahrungsgemäß heillosen Wirrwarr stistet und unS ein Zerrbild sondergleichen liefert. Wo wirklich Brauchbares geschaffen werden soll — eS gilt dies für alle Gebiete jüdischer Kunst so rschung, muß der Archäologe, noch besser der zünftige Architekt, genuinsam mit dem Theologen schaffen, solange eS nicht gelingt, eine Persönlichkeit zu gewinnen, die beide Gebiete meistert. Darum ist das erste Werk, daS der Kritik standhalten kann, die Forschung über die antiken Synagogen in Galiläa gewesen, die Doppelarbeit des im Kriege gefallenen Rcgierungsbaumcisters Kohl und des Professors Wetzingcr, Muer Nichtjudcn, von denen indessen der letztere als Autorität auf dem Gebiete des hebräischen Schrifttums gelten kann. Null ist neuerdings eine Arbeit erschienen, die einen bedeutsamen Schritt auf dem Gebiete jüdischer Kunstforschung darstcllt und ledern, der hier forschend tätig ist, ein unentbehrliches Nachschlagewerk sein lvird. Uni dies richtig bewerten zu können, sei kurz das Nachstehende eingeschaltet: . i ’ Als der Verfasser vor 10 Jahren daran ging, seiner Vorbildung als Architekt gemäß, die Entwicklung des Synagogenbaues von den ältesten Zeilen des Mittelalters bis zur Emanzipationszeit baulich und kunstgcschichtlich zu erforschen, niußte er mühselig aus zahlreichen verstreute» Quellen, die ihm sprachlich z. T. unzugänglich loarcn, und gestützt auf z. T. unvollkommene Uebersetzungen, den dichten Nebel durchdringcn, dxr über der jüdischen Diaspara der ersten nachchristlichen Jahrhunderte lagert. Denn es war ihm klar, daß die tempellose Zeit nicht zugleich eine synagogenlose gewesen sein konnte; ebenso, daß die Spanne vom 10. und 13. Jahrhundert (Synagogen in Worms und Prag) bis zum 19. Jahrhundert kaum ohne Synagozeu-Ncubauten gewesen sei. (Ueber diese zwei langen Zeiträuine hatte sich die Fachliteratur bis dahin ausgeschwiegen.) Gelang cs dem Verfasser nun nach jahrelanger Arbeit und ausgedehnten Reisen in Deutschland, Böhmen und Polen, mehr als 30 solcher verschollener, ausgelassener und unbekannt gebliebener Synagogen kleinsten bis größten Ausmaßes zu finden, in ein System zu bringen und auf diese Weise die jüngere der beiden Lücken zu füllen — für die ältere >oar dies schier unmöglich. Zwar fanden sich Hinweise im neuen Testament, in der Apostelgeschichte usw. (Caesarea, Nazareth, Kapcrnaum ,usw.), auch verstreut in talmudischen Enzyklopädien, aber sie bestärkten nur das Eingeständnis völliger Hilflosigkeit angesichts der Uebcrzcugung, daß noch viel, viel mehr Synagogen in jener allen Zeit bestanden haben mochten. Vollends versagten aber die mir zugänglichen Quellen über die vielleicht älteste und in ihrer Herkunft und Zweckbestimmung unerklärliche Synagoge im Bezirke des Tempels selbst, die „Quaderhalle" im Priesterhofe des Heiligtums. All diese Fragen löst nun in erschöpfender Weise, mit tiefer Gründlichkeit und an der Hand eines schier überwältigen Quellenmatcrials aus jüdischer, orientalischer, klassischer und fremdsprachlicher Literatur, alle, auch die jüngsten Forschungsergebnisse beachtend, das eben erschienene Werk von Professor Dr. Samuel Krauß in Wien („Synagogale Altertümer", Verl. Benj. Harz, Berlin- Wien, 1022, 470 S. und 26 Abbild.). Samuel Krauß, der bekannte Verfasser der dreibändigen „Talmudischen Archäologie", der sich auch in verschiedenen Zeitschriften wiederholt mit der wissenschaftlichen Auswertung der galiläischcn Funde besaßte, bringt hier eine umfassende Arbeit über alle synagogaleu Fragcn. über Geschichte, Verbreitung, Bau, Anlage, Einrichtung. Orientierung, Verfassung usw. des jüdischen Gotteshauses. Er weist nach, daß dieses schon zur Zeit des Tempels weit verbreitet war, im babylonischen Exil eingerichtet und in Aegypten zu einer Art Konkurrenz für daS Nalionalheiligtum wird. Von nicht weniger als 144 verschiedene» Orten werden Synagogen erwähnt; aus Jerusalem allein 480, Palästina, Babylonien, Phönizien, Kleinasien, Aegypten, Mauretanien, Griechenland und Italien. Besondere Beachtung verdienen die 11 bisher bekanntgewordencn römischen Synagogen, die Krauß aus Grund früherer Arbeiten (Müller: Die jüdischen Katakomben des Monteverde, Vogelstein-Rieger usw.) kritisch untersucht -und bespricht. Die Abbildungen, aus z. T. wenig bekannten wisscheuschaftlichen Zeitschriften entlehnt, geben wertvolle Anregung für die damalige synagogale Kunst; sie zeigen uns das hilflose Stammeln des jüdischen Kunstdranges innerhalb der reichen Formcnsprache der I>elle:iischen Kunst, die der damalige» Kulutrwcli ihren Stempel ansgedrückt hatte. — Was dem prächtigen Werke — vom baulünstlerischen Gesichtspunkt aus betrachtet — einen besonderen Wert verleiht, ist der Nachweis, daß nicht die antikrömische Basilika das Vorbild zu den ersten christlichen Kultbauten gab, sondern eben diese alten jüdischen Gotteshäuser, die sich daS Schema der Basilika scheinbar schon srüljer zu eigen gemach« halten, als die Römer für ihre Hallen und Geerichtsbauten. Es wirb hier die Ansicht von Kohl-Wetzinger nur von neuem bestätigt, die in. A. zuerst diese Zusammenhänge an den galiläischen Synagogeufunden nachwiesen. So sehen wir hier ein Werk, das für die jüdische Kunstforschung epochemachend wirken dürste. Wir haben in den lebten Jahren immer wieder von neuem Ausgrabungen jüdischer Altertümer vernommen. Hier ist endlich das Schema für ihre Bewertung und Einrcihung gcgcbei» Und wenn sich diese Funde mehren sollten — und das ist mit Bestimmtheit zu erwarten —, so wird es endlich gelingen, ein klare-, umfassendes Bild von dem Knnstbestrcben des jüdischen Volkes z» gewinnen, da? cs trotz mancher religiöser Hemmungen verstanden hat, zu allen Zeiten der Kunst im Hause des Herrn eine Pflanzstätte zu bereiten, wenngleich die politische Lage es ihm — von wenige» kurzen Episoden abgesehen — kaum gestattete, sie zur vollen B1Ü1» ausrrisen zu lassen. Breslau, im Dezember 1923.