Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1923-03-16 · 11 (16.3.1923) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
3 (1923)
Issue
11 (16.3.1923)
Date
1923-03-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2613366-2613709-2613720--0579-2617841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

6in altbibltrchtr JVottftfund? Von Oberkontöt S. ©üttriionn, Potsdam. ■ # Vor einiger Seit befand sich in einem vielgelefenen jLdischeit Blaltt Deutschlands (vgl. E. B. Zeitung vom 7. 12. 22) die interessante Mitteilung, ein russisch-jüdischev Musiker namens Raoul Ginsburg wolle die Roteh zur Urmelodie (l) des Hohen Liedes 5alomos entdeckt haben. Veranlaßt zum Nachforschen hätte'ihn die orientalische Melodie, die der Kownoer Kantor böim Vortrag des H. L. verwendete und die auch' schon andern vor ihm aufgefallen sei. 6n seiner AnnähM, hier etwas ganz Besonderes vor sich zu Haben, sei G. durch-eine Kownoer Bibelhandschrift bestärkt worden. 2n dieser befänden sich beim Texte des H. L. stellenweise über den Zei - len (!) Zeichen (Punkte und Striche), die ihrer Form nach den Vokalen der hebräischen Schrift entsprechen. Diese Zeichen deute Herr G. als die oben bezeichneten, vonSalomo selbst herrührenden Noten zum H. L. und will in ihnen Zweiviertel- und Dreivierteltakt, sowie ein Tonsgstem, dem der alten Griechen und Römer entsprechend, angedeutet finden. Hierzu einige persönliche Bemerkungen: Ts ist nicht das erste Mal, daß versucht wird, in Anlehnung an hebräische Lchriftzeichen (insbesonders Vokale und Akzente) eine Rekonstruktion allhebräischer Musik vorzukehmen. (Haupt und Arends seien genannt.) Alle jene Versuche aber haben nicht im geringsten das Dunkel zu lichten vermocht, das über jener Musikepoche ruht. Und das dürfte wohl auch in Zukunft kaum anders werden. — Ts entsteht doch zunächst die Frage, ob man bei den alten Hebräern überhaupt je das Bedürfnis gefühlt haben mochte, gesungene Töne graphisch (durch eine Art Roten) barzustellen. Wäre das, wie z. B. bei den alten Griechen, «it ihrer „Buchstabenschrift" der Fall gewesen, so wäre es andererseits bei unseren gerade für musikalische Tradition so empfänglichen Vätern späterer Zeit nicht etwas gänzlich Ungebräuchliches geblieben; Und die Tempelmusik, von der unsere. Weisen mit Begeisterung berichten, nicht etwas Verschollenes, wo man infolge früher Aufzeichnung allgriechische Kompositionen erhalten und entziffert hat. Erst recht weit weniger Schwierigkeiten hätten wir alsdann be» Erforschung unserer gegenwärtigen, größtenteils dem Mittelalter entstammenoen sgnagogalen Weisen zu verzeichnen. Aber abgesehen von alledem, hätte eine musikalische Anlehnung an hebräische Lese h i l f s zeichen (wie sie Vokale und Akzente zunächst darstellen) für jene Urzeit nur dann einen Sinn» wenn wir ihre Existenz schon so früh ansetzen dürften. Rach dem heutigen Stande der Wissensthaft (vgl. Graetz» Gesch. d. Zuden Bd. V Rote 23) haben wir's aber dabei frß mit einer ttachtalmudischen Schöpfung (also nicht vor v. Zahrh.) zu tun. Daß Herrn G's. „Roten"-Zeichen den hebräischen Vokalen entsprechen, gibt dieser selbst zu. Dar AuffältlgS fteülch besteht darin, daß die Zeichen nicht, wie in Nusern gebrückten Bibeln und Gebetbüchern, un t er den ^gentlHzrn Buchstaben, sondern darüber stehen. Aber auch diese Vokalisirrutt-sart ist den Alten bekannt, in hü» das alt babylonische System tat* Lesehilfs- Wich«n taSächlich Oberhalb setzt. (Vgl. Graetz a. a. 0. und Pmeker, Einleitg. i. ö. babtzl. hebr. Punktationswstem, Wi«n IS63). Und wenn Herr G. ferner mitteilt, saß nur ft r t 1« n w e i s e in besagter Handschrift die bewußten Zeichen sich befänden, so sei dazu folgendes aus Winter «. Wunsche Züd. Lit. Bd. U S. 12b zitiert: „.daß dem geschlossenen Sgstem unserer Bokalmb Akzentzeichen andere, nur sporadisch angewendete Zeichen (meist Punkte, aber auch Striche) vorausgegangen waren» die zumeist ähnliche Wortformen voneinander unterschieden oder zur «Werpunktion und Tonbezeichnung dienten". Daselbst ist auch von vertikal e n Strichen die Rede, die für HevrN G. eine Art Taktstrich bedeuten. Rach alledem wird man -daher bis zu« wirklichen Nachweis des Segontells geneigt sein müssen, auch in jenen Zeichen der an sich sicherlich wertvollen Kownoer Handschrift Ueberreste derartiger Leseuttd Znterpunktionszeichen und nicht Musiknoten zu erblicken. Aber selbst wenn ihnen, wie z. B. unsern Akzenten, gleichzeitig auch eine musikalische Bedeutung innewohnte, so müßte es m. E. als etwas sehr kühn betrachtet werden, hier gleich von der U r m e l o d i e des von Salomo nicht nur gedichteten, sondern auch komponierten H. L. zu sprechen. Wodurch wäre das zu erweisen? Dann wäre ebenso die Ansicht sephardischer Zuden berechtigt, ihre Zntonation des Siegesliedes Mose als vom Schilfmeere herstammend zu betrachten, sowie diejenige, die unser Awoda-Mal des Zomkippur als aus dem Tempel herrührend ansieht u. dgl. Was übrigens die erwähnte Kownoer Melodie des Hohen Liedes betrifft, so wäre es an sich interessant, zu erfahren, ob ste mit der allerdings eigenartig klingenden, bei den litauischen Süden allgemein auch füt die Bor- Iclung ded Buche* Ruthund Kohelei Üblichen, den Westzuden unbekannten Weise identisch ist. Vermutlich ist's der Fall. Dann bildet sie aber, bei Licht betrachtet, wie die Melodie des Esther-Buches» der Haftara und der Reujahrsvorlesung nichts anderes als eine Anlehnung an die Tonfiguren der gewöhnlichen Thoravorlesungsmelodie („Leinen"), nur von andern Tonstufen ausgehend als letztere. Daß hierbei dann'auch orientalisch-altgriechischer Toncharakter zum Vorschein kommt, dürfte für keinen Kenner der sgnagogaleir Rezitationsarten etwas Auffälliges bedeuten. Die Verwendung der Kownoer Motive in einem Liebeslieds von Suppe, sowie in einem hindostanischen Gesang eines russischen Komponisten ist natürlich nur Zeuge für ihre Eigenart, nicht aber für Zurückreichen bis in die Urzeit. Verbandsu. Vereinsnachrichlen Tätigkeitsbericht des ZU zu Potsdam im Geschäftsjahr 1922-23. Folgende Veranstaltungen fanden im Geschäftsjahr 1922-23 statt: Am 31. Zanuar 1922: Vortrag des Herrn Dr. Reumann: Die Martgrien der Zuden im Mittelaller und wir. Am 3. April 1922: Vortrag des Herrn Dr. Schreiber: Das Kaddischgebet. Am 21. Mai 1922: Spaziergang nach Sacrow-Morlake. Am 30. Mai 1922: Gemütliches Beisammensein im Restaurant Hujan. Am 7. August 1922: Mondscheinspaziergang nach der ÄaueninsÄ. Am IS. September 1922: Mitgliederversammlung. Am 26. September 1922: Bortrag des Herrn Kantor Gullmann: Bon Kol-Ridre bis zu Rile. Am S. November 1922: Bortrag des Herrn Schweriner: Eindrücke vom Rathenau-Prozeß. Am 16.. Dezember 1922: Großes Ehanukkahvergnügen. Am 22. Zanuar 1923: Mitgliederversammlung. Am 15. Februar 1923: Vortrag des Herrn Schriftstellers Arthur Höllischer: Land und Leben in Palästina. Es fanden im vergangenen Geschäftsjahrs 6 Borstandssitzungen statt. Unsere Mitgliedbrzahl beträgt augenblicklich: 36 ordentliche Mitglieder, 7S außerordentliche Mitglied«, 2 immerwährende Mitglieder, insgesamt: M6 Mitglieder. Heinz Rvchetz, (Schriftwart and S. VorsttzSüder des Äi). Spettderliste Sk-Breslan 10000 JL, 2li-Potsdam 5000 jl, 6k1-Berku 30Ö0 JL, Trude KatschinsKg-Vrtzslau 40 JL, Geschwister Deifenberg- Breslau 100 JL, Cmft Wiener-Eottbus dankt Dr. Ludwig Korn- Breslau für fein« Gastfreundschaft 500 JL, Harr» Krieg-Breslau gratuliert Lotte Keiler zur Verlobung 10O JL, R. R.-Berlin 1000 JL, Th. Mvsbacher-RLrnberg S00 JL, Zur ersparte Straßenbahnfahrteu von drei Berliner 2!i-Lchwesteru 500 JL, Otto Elkeler-Breslau 40 JL, L. L.-Breslau dankt ihren Freunden im dli für dis Anteilnahme während ihrer Erkrankung'50 JL, Hannah Tichaker-Ratibor 100 JL, L. 6., K. S. 2., L. L., A. B. danken Frau Schüler für labenden Tee 100 JL. Anläßlich der Vermählung von Erich Bager: Erich ünd Recha Spitz 1000 Alk., Georg Fonas 1000 Alk., Alfred Berger 1000 Alk., Geschwister Fuchs 500 Mk.. L. K. 500 Mk.» Grete und Willi Pick 800 Alk., Kurt Badrian 200 Mk.. Grete und Frieda Lewin 200 Mk^, L. 2. 150 Mk„ Ernst Froehlich 100 Mk., Fritz Eckstein 100 Mk., Hedwig Sadul 100 Mk.. Franz Hannach 100 Mk.. Ruch Davidsohn 100 Mk., Kml Warlenberger 100 Alk., Gerhardt Kalmus 100 M., Hermann Sachs 100 Mk, Kurt Lochs 100 Mk.. 2rma Freund 100 Mk., Frma Bernhardt 100 Mk.. Trude Schneider 100 Mk., Erich Koenigsberger 100 Mk., Familie Leo Lohn, Liegnitz 100 Mk., Rechtsanwalt Stroheim-Ratibor 200 Mk., Max und Siegfried Bartenstein-Ratibor 200 Mk., Elara Froehlich, Hannah Tichausr, Berta Barlenstein, Fritz Bartenstein-Ratibor 400 Mk, Fli- Liegnitz 1000 Mk. Kantor Wartenberger-Breslau anläßlich der glücklich verlaufenen Operation seines Sohnes Kurl 5000 Mk., Harrg Brodziak-Breslau 1700 Mk., Hedwig Gardiel dankt für die Glückwünsche zur Verlobung 400 Mk., 2ti-Berlin für gewähtte Gastfreundschaft auf dem Delegierlenlage 7500 Mir., 2li-Liegnitz gratuliert Herrn Rechtsanwalt Spitz zur Geburt feines Lohnes 100 Mk. Vereinsadresten 1. Arbsksgetoelvschafl 28dlsch-L!beräler 2ngrudvere!ue. Ehrenvorsitzender: Rechtsanwalt und Notar Heinrich Stern. Berlin W. 10, Friedrich-Wilhelmstraße 20. Vorsitzender: Erich Bager, Breslau, Friedrich-Wilhelmstraße 25. Kasse und Büro: Alfred Berger, Breslau VH, Höfchenstraße 61. Postfcheck-Konto Breslau Rr. 17 445. 2. Derbavdsvereiae. 1. 2ti-Breslau: Vorsitzende: Erich Bager, Friedrich-Wilhelmstrahe 25. Lurt Brienitzer. Höfchenplatz 5. Rechtsanwalt Erich Spitz, Gutenbergstraße 4; Schriftführer: Max Vogelsteln, Anger S. 2. 2li-Berlin: Vorsitzender: Referendar Arthur Lilienthal, Berlin W. 50, Eislebenerstraße 4; Schriftführer: Georg Michaelfohn, Eharlottenburg, Giefebrechtstraße 10. 5. 2li-Frankfurt a. M.: 1. Vorsitzender Dr. Erwin Seligmann, Liebigstraße 5; Schriftführer Erwin Baer, Bäckerweg 25. 4. 2li-Ratibor: Schriftführerin Berta Barlenstein, Ring 7. 5. 2li-Liegnitz: 1. Vorsitzender Dr. phil. Naumann, Däskrstr. 14; Schriftführer: Berthold Metis, Schubertstr. 10. 6. 2li-Potsdam: 1. Vorsitzender Rabbiner Dr. Schreiber; 2. Vorsitzender und Schriftführer Heinz Rochoez. Brandenburgerstr. 56. 7. 2li-Leipzig: 1. Vorsitzender Heinz Lewin, stud. rer. et eam.. Leipzig, Srafsistr. 20. 6. 2li-MLnster: 1. Vorsitzender Rabbiner Dr. Sleinchal, Kanonengraben 4; Schriftführerin Lillg Löwenberg, Hammerstr. 47. 9. 2li-Kreuzburg: 1. Vorsitzender Rechtsanwalt 2ablonskg, 2. Vorsitzender Martin Markus, Schloßstr. 5. Die Aitteüsugeu erscheine« alle 6 Woche». Sämtliche für sie deßdnWl»» Schriftsoche, sind j» sende, o» stnd. inr. Ernst Heinrich Seligseh», Verllv-Grnnewald, vonglosstrotze 50. r ft'ktitspmiitcliift INbcl-likmltr ligud-VmiR IntHklMds. 111 Br«,lM Mn: l»f«feMstraSe 61. Im Loose *«r Gesellschaft ,Eintr»cht“, Tauentzienstr. 12 (Eing. nur Anger), M»Btac, in 19. Mftrz 1923, abends püiktlich S l/a Uhr, Miltiitiir-lemiliH 1. Mitteilungen. 2. FentaetmiM 4ee Beitrage« für da* 2. Quartal fMa. 3. Anretasgea an Ser Var* nainailUBg. AnacklitiMd: Bili«thaksakMd. Kdirat fib«r das Buch: Die ttibrsi des Iudsntsau. Die Grsadagen der JMIscImm Btkik. XiUreltle ItUOtus irvttMfetl VsraBitige: Menlaf, 4. ».Ute Mte« H«rf G<Miekiiend»kin«r Dr. Vogeletsia. 112 Berlin Büro: Berlin W. 8, Manerstr. 22, (Zentrum 162) Donnerstag, des 2*. iftära, abends pünktl. 81/? Uhr, in derRosenstr.2/4 (Bahnhof Börse) Vertrag des Herrn Lehrer Falkenberg über Mfttfeili ttriniiiiD ln MlüiHtW. 6Sstt birzllik illlkliiio! Denaerfleg. das i. April: Mut itiMmmamBi »eil ek gem’eiaecunef *lMMlVn*aMlla«na. MNilieder, eie eicb aa 4iaaaaa beäeBtgen valien, «er Sei Mn mm,, sied bk Deaaeikag, aea 28. d. M. iortba Mnehbairg. Nette iriMdalraSe M iKutfArst meMee. ei» Besoag »p JnbeMre <ee leeenie verd n vorauanleküiab Macfe l K» — •ikebe« vn4m Die Peiar Äidft in, togetthaus lheieaetr. >6 statt. Ak Me BttkomtOsche DO, Jomilie,-Roch richte« biven Wir die 3dbn« °W, RfaM, M kmtM — €iwMI,S fl, GEBRDDER MAURER Buch- und Kunsidruckerei Buchbinderei > Bürobedarf Berlin SO. 26, Elisabeth-Ufer 26/29 Fernsprecher: Moritzplatz 3709 Herstellung von Katalogen, Werken, Zeitschriften und Plakate*. . Drucksachen für Gewerbe, Handel und Industrie. Spezialität: Autotypieü. lllustrationsdruck. Stereotypie, Setzmaschinenbetrieb. Abitur Obersekundareife verbandspräiung. -—---— Bismarck - Pädagogium. Direktor Hans Danziger, Berlin, Alte Jakobstr. 124. Jeder Loser bezahl« umgehend das Abonnement für April / Juli auf Postschackkonto Berlin 137069 der Vereinigung für das liberale Judentum E. V. Schriftleiter für den Teil: Fudifche Weltanfchduuhasfragen: Gemeinderädbiner Dr. Vogel st ein- Br«sl«A; für den Teil: Jüdische Eagesftagen und Fugendben^gung: Rabbiner Dr. R e l l h a u s - Stettin^ für den Teil: Schrifttuta und Literatur: Rob rt ßir sch fr ld-Berlin; für die Verband^- und Vereinsliüchrichltn: Ernst Heinrich Seligfohn-Berün. — Hauptfchrlftleiter und veranfwortl. Redakteur: Ernst Heinrich Seligfohn -Darün, Derün-Grunewald, Douglasftraße 50. Druck: Gebrüder Maurer, Berlin SO. 86. Elisabeth-Ufer 26/29.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.